Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- Seite 332 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 330 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 14. VH 1933 ״bevorzugt“ werden, eine Auffassung-, die noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen wäre, denn damals betrachteün diejenigen, die jetzt so sprechen, die Möglichkeit einer Palästina-Ucbersiedlung keineswegs als ״Vorzug“. Wir sagen das nicht, um Salz i!1 die ,Wunden zu streue«, sondern um zu zeigen, daß die parteimäßigen Unterschiede durch die Macht der Tatsachen hinweggeräumt worden sind. Und dies bezieht sich auf das Gesamtbewußtsein der Juden heit. Wenn man etwa in England oder Amerika Hilfsaktionen für die deutschen Juden macht — morgen kann es für die Juden irgendeines anderen Landes sein —, so ist man sich bewußt, daß eine Auswanderung, soweit man mit einer solchen rechnet, in größerem Ausmaß nur nach Palästina erfolgen kann und daß vor allem für die jüdische Jugend, die in einer ganzen Reihe von Ländern keine Zukunftsnioglichkeit vor sich sieht, Palästina als der Ort einer beruflichen und sozialen Umschichtung, eines völligen Neubeginns, allein in Betracht kommt. Mit Staunen konnte man in den fetzten Wochen lesen, daß Männer, die als ״Antizionisten“ bekannt sind, sich für die Palästina-Aktion cinsetzen. Dies mag aus verschiedenen Motiven geschehen, zuweilen auch aus dem Wunsch, die deutschen Juden mögen nicht das eigene Land überfluten, ähnlich wie vor dreißig Jahren deutsche Juden, ohne Zionisten zu sein, Palästina als Zufluchtsland ״für Ostjuden“ gelten ließen. (Die ״Ostjuden“ von heute sind die deutschen Juden, nämlich für alle Länder, die westlich von Deutschland liegen.) Der Kreis der für Palästina Eintretenden ist jetzt weit größer als der Kreis der erweiterten ״Agency“ war. Auch ehemalige Anti/iunisten wollen mithelfen, das jüdische Nationalheim aufzubaucn. Und heute kommt es mehr als je auf die T a t an, nicht auf Politisieren, nicht auf Dodrinen, und am allerwenigsten auf die Herkunft aus dieser oder jener obsoleten, unzeitgemäßen Gruppe. Denn jeder Parteirafimen von gestern ist unzeitgemäß, wenn er das Zusammenkotnmen von Mensch zu Mensch, die innere Rückhaltlosigkeit •zueinander stört und eine große genicinsaine Tat hindert. Was bedeutet dies alles? In den kritischen Jahren des Zionismus im Kriege und nach dem Kriege wurde in den zionistischen Reihen oft die Frage aufgeworfen, was wohl Hcrzl getan hätte, wenn er gelebt hätte. Diese Frage war niemals so bcrechtigt wie jetzt. Denn heute ist ein ganz neuer psychologischer Moment, und Herzl verstand sich darauf, solche Chancen auszunützen. Es ist die Stunde für einen neuen Anfang gekommen. Unzählige Menschen, die sich niemals über ihr Judesein Gedanken gemacht haben, ja sogar solche, die formell gar nicht mehr dem Judentum angehören, sind plötzlich in aller Schärfe mit der Judenfrage konfrontiert. So sehr,, daß es kein Ausweichen gibt. Es ist nicht am Platze, diesen Menschen jetzt in kleinlicher Weise frühere Irrtümcr vorzuhalten oder parteipolitischen Gewinn daraus zu ziehen. Vielmehr gilt es, aus diesem weichen, der Forruünggewärtigen Material etwas Neues und Großes zu gestalten, was der Ausdruck des neuen Weltgefühls und Lebenswillens der Juden unserer Zeit ist. Nichts,kann Wunderbareres wirken als Menschen, die im Innersten aufgewühlt, bewegt und zu neuem Leben bereit sind. Ein vielUicht äußerlich weniger bequemes, aber innerlich gesünderes und ehrenhafteres Leben, ein Leben voll eigenster großer Aufgaben, können diese Juden aber nur als Juden finden. So wie der 37jährige Herzl die Führung des Volkes ergriff, so sollte heute die Jugend über alle veralteten Scheidungen hinweg sich zu Einheit und Leistung Zusammenschlüßen. Die zionistische Bewegung sollte hierdurch von Grund auf erneuert und ihre Institutionen und Organisatorische Praxis revi״ diert werden. Angesichts des bevorstehenden Zio- Pistenkongresses darf man daran erinnern, daß der Kongrell, diese Schöpfung Herzls, in den letzten Jahren nicht rnebr die imponierende Gestalt von einst hatte. Herzls Kongresse waren Tagungen, auf denen ein neues Judentum in Erscheinung trat, ein Judentum, das nicht lamentierte und nicht ״Abwehr des Antisemitis-!nus‘־ trieb, sondern sein Leben formen wollte. In der Nachkriegszeit verflachte der Kongreß zu uferlosen Parteilvämpfen um Personen, Venvaltungsfragen und Budgets, ln ruhigen Zeiten mochte eine Fortsetzung der alten Routine hingenommen werden, heute aber stehen wir vor einem neuen Anfang. Worauf es jetzt ankommt, sind «eiliger Reden und Demonstrationen, sondern konstruktive Taten und Pläne zur Abhilfe der Judennot, und erfahrungsgemäß werden diese positiven Ziele durch den üblichen pseudo-parlamentarisehen Betrieb mit Debatten und Kommissionen nicht gefördert. Herzl, der sich nie zum Sklaven von Einrich- Langen machte, hätte gewußt, daß es eines neuen Wortes bedarf, um die Herzen, die nach Führung hangen, aus ihrer Spannung zu erlösen. Das wahre Gesicht der Bewegung und die brennende Sehnsucht von Millionen kommt auf dem Kongreß in seiner jetzigen Gestalt nicht adäquat zum Ausdruck. Diese Sehnsucht geht nach Ueberwindung des Ghetto, nach Arbeit und Ehre, nach Größe und Frei* heit. Das Andenken Theodor Herzls kann heute vom ganzen Volke gefeiert werden. Wir sind nicht mehr so ,,verkommen“, wie er uns einst vorfand. Wir sind durch Not durchgegangen und haben sehen gelernt. Aber es bedarf noch einer gewaltigen Anstrengung, um die Schranken zu durchbrechen, um ״jenseits“ zu kommen, wo, wie er wußte, ״die Freiheit und die Größe“ wohnen. Das Leben Theodor Herzls Eine biographlidte Ueberifchi 1860 in^Budaj>est geboren. Eltern: Jacob (gest. 1902), Jeanette 1818 ifebersiediung nach Wien. Mitglied der deutschen Verbindimg ״Albia“, freiwilliger Austritt aus derselben, weil antisemitisch. 1884 Promotion zum Dr. jur., Gerichtspraxis in Wien und Salzburg. Mitarbeit an verschiedenen Zeitungen wie ״Wiener Allgemeine Zeitung“, ״Berliner Tageblatt“, ״Neue Freie Presse“. Zahlreiche Lustspiele, die an verschicdcnen Theatern gespielt wurden.!889 Heirat mit Julie Naschauer (gest. 1906). 1891/95 Pariser Berichterstatter der ״Neuen Freien Presse". Wichtigste Jahre für Herzls literarische, politische und Charakterbildung. Weitreichende politische, künstlerische und gesellschaftliche Beziehungen. Die Frucht dieser Jahre: sein Buch ״Palais Bourbon", Bilder aus dem Iran• zösischen Parlamentsiebcn. 1895 Erster Prozeß Dreyfus (über den Herzl für die ״Neue Frei« Presse“ zu berichten hatte), macht erschütternden Ein• druck auf ihn und war die äußere Ursache seiner Rück• kehr zum Judentum. Er beginnt ein Tagebuch zu führen, das er bis ans Lebensende forfsrizt und das ein Spiegel dieser Lebensjahre sowie ein einzigartiges menschliches Dokument darstelit. Es entsteht der Plan zu der Broschüre ״Der Judenstaat“. Vor Veröffentlichung legt er seinen Plan Baron Hirsch und anderen vor, darunter auch Oberrabbiner Güdemann in Wien, und verfaßt eine Denkschrift an die Familie Rothschild. 1896 Da seine direkten Bemühungen umsonst sind, veröffenilicht er nach seiner Uebersiedlufig nach Wien den ״Juden- Staat“. Ungeheurer Eindruck der Broschüre. Zahlreiche Kundgebungen dafür und Anschluß bestehender Zionsvereine sowie einzelner Chowewe Zion an Herzl. Nor* d a u wird sein engster Mitarbeiter, macht ihn mit Z an g will bekannt, ln London spricht Herz! zum ersten Male im Maccabean-Club und interessiert eine Anzahl von hervorragenden Juden, die schon längere Zeit für Palästina arbeiten. Darunter Samuel Montagu und Oberst Goldsmith. Durch Rev. Hechler (damals Kaplan der englischen Botschaft in Wien) wird Herzl mit dem Großherzog Friedrich von Baden bekannt, der bis zu Herzls Tod einer der wärmsten Freunde und Förderer des Zio׳- nismus blieb. Bei seinem ersten Bestich in Konstantinopel gelingt es Herzl, Interesse für seinen Plan beim Sultan und der türkischen Regierung zu erwecken und Beziehungen anzuknüpfen. Herzls Plan ist, durch das jüdische Großkapital die Finanzen der Türkei zu regeln (in Form einer Anleihe oder Einlösung der öffentlichen Schuld der Türkei) und dafür von der türkischen Regierung Palästina für die Juden zu erhalten. Herzl entschließt sich nach den erfolglosen Versuchen mit den reichen und einflußreichen Juden, in die Oeffcntlichkeit zu gehen. Er hält in Wien seinen ersten Vortrag in der Oesterr.-Israel. Union. Zugleich ist Herzl als Chefredakteur des Feuilletons der ״Neuen Freien Presse“ der Liebling des Wiener Publikums und verwaltet einen der damals wichtigsten publizistisch-Hterarischen Posten mit Geschmack und Lieberlegenheit. 1897 Gründung der ״Welt“, des zionistischen Zcntralorgans. Einberufung des I. Zionistenkongresses. Ursprünglich nach München, dann — infolge eines Profestes der Jüdischen Gemeinde — nach Basel. Der 1. Kongreß vom 29.—31. August in Basel, 204 Delegierte. Basler Programm: ״Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ Gründung der Zionistischen Organ i s a t i o n. 1898 Ausbreitung der Zionistischen Organisation, die auf denn II. Kongreß in Basel bereits 1200 Gruppen in der ganzen Welt umfaßte. Beschluß zur Gründung der Kolonial-Bank. Einladung Herzls, an der Palästinarei, des deutsehen Kaisers teilzunehmen (vermittelt durch Großherzog Friedrich und Botschafter Euienburg in Wien), Besprechungen in Potsdam mit B ü I o w und Hohenlohe. Einstiindige Besprechung mit Wilhelm 11. in Konstantinopel im Beisein Biilows. Wilhelm verspricht, sich beim Sultan Abdul Hamid dafür einzusetzen, daß den Zionisten eine Landkonzession für Palästina und Syrien erteilt wird, die unter dem Protektorat Deutschländs stehen sollte. In Jerusalem offizieller feierliciier Empfang einer Delegation (Herzl, Bodenhcimer, Schnirer, Seidener und Wollfsohn) mit Ansprachen von Herzl. Subskription für die jüdische Koloiiialbatik. Erste Friedenskonferenz im Haag, bei der namhafte Politiker für den Zionismus interessiert werden. Herzl knüpft wertvolle Beziehungen an, die ihm später zustatten kommen. Beim HL Kongreß in Basel bringt Hcrzl seine Charter-Idee vor. 1900 Besprechungen mit österreichischem Ministerpräsidenten Körber zwecks Gründung einer großen Tageszeitung. IV. Kongreß in London. Es gelingt, die örfentliehe Meinung Englands für den Zionismus zu interessieren. 1901 Im Mai wird Herzl (mit Wolffsohn und Marmorek) zum ersten Male in Konstaritmopel offiziell vom Sultan Abdul Hamid empfangen. Aus den Verhandlungen geht hervor, daß zur Erlangung bestimmter Konzessionen, die Hcrzl anstrebt, ein Betrag von zirka 1 י C Millionen Pfund sofort nötig ist. Herzls Bemühungen, diese Summe־ jn Paris und London aufzubringen, sind erfolglos. V. Kongreß in Basel Ende Dezember. Schaffung des ״Jüdischen Nationalfonds“. 1902 Im Februar und Juli erhält Herzl wieder Einladungen nach Konstantinopel, aber alle Verhandlungen sind resultatlos, da Herz! auf vage Versprechungen Abdul Hamids nicht ein gehen will. Durch Vermittlung der englischen Zionisten wird Herzl als Experte vor die Royal-Commission zum Studium der Fremdeneinwanderung in England geladen; es gelingt ihm, mit Lord Rothschild und der englischen Regierung in Beziehungen zu treten. Er führt Unterhandlungen mit Die Baumspenden im Herzl-Monat wtrdon In ditstm Jahr varwendat für den AriosoroffV-Haln im Herzl-Wald Drei ״GSnen* find von Freunden tdei Dehingesehledenon EsrtHs gestiftet worden. Wir fordirr alle, die Artoeoroff kennten, zu Baumspenden auf. Ein *Htivi* umfeOt 10 ״Gürten* von ]« 100 Bäumen. Die Pflanzung!Inas Baumes kostet 6 Mark. Keren Kajemeth Lejisrael Barlin W 15, MalMkiilrrt« 10. Postscheck 38 247 Joseph Chamberlain und Lord Lauisdowne, erhält von ihnen die Zusage zur Errichtung einer jüdischen Siedlung in Aegyptisch-Palästina (Sinai-Halbinsel und El- Arisch). 1903 Eine Sachverständigen-Kommission, die das in Aussicht genommene Terrain untersucht, stellt fest, daß große Wassermengen aus dem Nil zur Ansiedlung erforderlich sind. Die ägyptische Regierung macht Schwierigkeiten und das Projekt muß fallen gelassen werden. Joseph Chamberlain, von einer Reise aus Afrika zurückgekehrt, bietet Herzl Uganda zur Kolonisation an. Herzl zieht inzwischen auch andere Gebiete zur Errichtung eines ״Nachtasyls“ in Erwägung, wobei er insbesondere durch die Lage der Ostjudenheit (Pogrom in Kischinew) beeinflußt wird. Hcrzl in Rußland, Besprechungen mit PI e h w e und Witte, Zusagen der russischen Regierung für Erleichterung der Lage der russischen Juden und Unter- Stützung der Bemühungen in Konstantinopel. VI. Kongreß in Basel. Abstimmung über Ent- Sendung einer Untersuchungs-Kommission nach Uganda. Nach aem Kongreß Bewegung im russischen Zionismus gegen Uganda (״Charkowcr Konferenz“). 1904 Herzls Empfang durch den König von Italien, Papst und T i 11 o n i. im April letzte A.-C.-Sitzung mit Herzl. Versöhnung mit den opponierenden russischen Zionisten, unter Aufrechterhaltung der Beschlüsse des VI. Kongresses. Eine seit Janren bestehende Herz-Erkrankung Herzls verschlimmert sich, er muß gänzlich ausspannen, gellt zuerst nach Franzensbad, dann nach Edlach, wo er am 3. Juli (20. Tammus) stirbt. Gewaltige Trauerkundgebungen in der ganzen Welt. * Wie Herzls Erbe von der Zionistischen Organisation weiter verwaltet wurde, ist bekannt. Während des Krieges wurde das Nationalitätenproblem und damit die Behandlung der zionistischen Forderung reif. Dr. Chaim Weizmann, durch den die Vorarbeit Herzls zur Vollendung gebracht wurde, ist die Erreichung der Balfour-Deklaration von 1917 zu verdanken, die die Grundlage für die Schaffung der ״Nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ bildet. Damit konnte die Kolonisation Palästinas in großem Maßstabe beginnen. Wir erleben die Anfänge des Aufbaus, den Herzl in seinem Roman ״Aitnculand“ visionär vorausgesehen hat. Die Großtat Herzls war, daß er die Judenfrage in Ihrer ganzen Schärfe erkannte, ihre Gründe bloßlegte und ihre Lösung nicht bloß als ein jüdisches Postulat, sondern als eine W e 11 f r a g e hinstellte. Die Zionistische Organisation ist bemüht, unter ständiger Kontrolle der Oeffentlichkeit, überall im Einklang mit den maßgebenden Landesgesetzen die Zusammenfassung aller jüdisehen Kräfte 7.u dem Zwecke der Lösung der Judenfrage durchzuführen. LondonerDemonstr&tionen abgesagt Aus London wird gemeldet, daß die von dem Vorbereitungskomitee der sogenannten ״Jüdischen Wirtschaft*- konferenz“ ursprünglich für den 15. Juli anberaumte Konferenz ״fürden Herbstvertagt“ wurde. Was diese Konferenz eigentlich bezweckt hat und von wem sie arrangiert wird, ist höchst unklar. Die wirtschaftliche Lage der Juden in den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas ist in der Tat höchst prekä r, aber einerseits sind bereits eine Reifte vor, Organisationen und Fonds damit beschäftigt, diese Lage soweit es geht, durch Kredithilfe und ähnliche Unterstützungen, sowie durch Hilfe bei der Berufsumschichtung zu mildern, andererseits ist man in der wichtigsten Frage, nämlich der Beschaffung von Auswanderungsmöglichkeiten, sofern man von Palästina absieht, nicht weitergekommen. Eine bessere Organisierung all dieser Hilfsaktionen könnte nur gelingen, wenn die wirklich erfahrenen und über entsprechende Mittel verfügenden Instanzen sich damit befassen würden. Nach allem, was man von der Wirtschaftskonferenz gehört hat, scheint dies aber nicht der Fall gewesen zu sein. Zugleich hat es den Anschein, als ob in Verbindung (vielleicht mir in loser Verbindung) mit der erwähnten Veranstaltung auch ■verschiedene D e m o n - strationen von nichtlegitimierten Personen oder hierfür geschaffenen Komitees beabsichtigt gewesen sind. Darum haben wohl die offiziellen Führer der englischen Judenheit sich mit Entschiedenheit gegen diese Konferenz und etwaige De tnonstrationen, auch gegen die Propaganda eines von manchen Seiten betriebenen Boykotts deutscher Waren ausgesprochen. Vielleicht ist es auf diese Stellungnahme der Führer des englischen Judentums und auch maßgebender englischer Zionisten zurückzuführen, daß die Konferenz abgesagt wurde. Die ״Jüdische Rundschau“ hat in Nr. 55 gegen diese in England betriebenen ״leeren Demonstrationen“ und die damit Zusammenbaugenden kritiklosen Veröffentlichungen Stellung genommen. * Auch der ״Völkische Beobachter“ muß in einem vom 7. Juli aus London datierten Bericht zugeben, daß die offizielle Vertretung der englischen Juden sich an der Boy k ott-Propaganda nicht beteiligt und ihre Methoden mißbilligt. Freilich berichtet das Blatt hierüber in folgender Weise: ״Irn organisierten Judentum Londons ist es über die Mcthoden des neuen Haßfeldzuges zu heftigen Streitigkeiten gekommen. Die Heißsporne und Haupthetzer sind mit den Füllrern des offiziellen ״Jcwish Board of Dcputies“ wegen deren abwartender und zaghafter Haltung schwer unzufrieden. Der sogenannte ״Captain“ Webber, der seinen militärischen Titel dadurch errang, daß er Landsknechte für den Burenkrieg im Interesse jüdischer Goldgrubenbesitzer warb, hat sich von der offiziellen Vertretung des Londoner Judentums losgesagt und hat seinen Feldzug gegen Hitler im immer noch geduldigen England auf eigene Faust organisiert. Sein erstes Ziel ist, den Boykott deutscher Waren ״hundertprozentig“ durchzuführen. Aus dem Sumpf des Londoner Ghettos in Whitechapel wirbt er junge Juden an, die zwar ihr Leben nicht in die Schanze schlagen wollen, aber immerhin geneigt sind, ein blaues Hemd anzuziehen und sich vor solche Läden aufzustellen, die es im Londoner Judenviertel immer noch ״wagen“, deutsche Waren zu verkaufen- Captain Webber gibt ganz offen zu, daß Boykott und Hetzfeldzug bisher ein volles Fiasko waren, und er will jetzt mit echt jüdischer Großmäuligkeit die Sache ״richtig anfassen“• Seine Privatgarde nennt sich ״Juda“ (Jewish United Defeucc Association) und versucht, den verschiedenen faschistischen Organisationen Englands Konkurrenz zu machen. Bisher mit einem recht mageren Resultat. Denn zum ״S. A. - D i en s t“ sind die Herren Levis und Cohns doch nicht so recht geeignet. Um so besser aber verstehen die jüdisehen Hetzer in der Londoner Journaille ihr Handwerk.“ «