Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- Seite 297 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653779--23832-2686743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 52, 3a VL1933 Zur Lage der Juden in Baden Von Rechtsanwalt Moses in Karlsruhe. ן Eine Betrachtung der Lage der luden in Baden ergib! für die Zeit vor dem Weltkrieg, daß ihre soziologische ‘Gliederung mit ihrer geographischen Verteilung im ׳Lande eine gewisse Analogie einhält. Auf den Dörfern und in der Kleinstadt finden wir eine erhebliche Anzahl von Händlern, die — teilweise in erheblichem Umfange — Landwirtschaft mit Hilfe von Kindern und nicht selten auch mit angestellten Hilfskräften betrieben. In der Mittelstadt findet sich der Ladenbesitzer und der mehr oder weniger bedeutenden Großhandel treibende Kaufmann. Die mit der Industrialisierung des Deutschen Reichs eintretende Bildung von Großstädten verursacht ein rasches Zuströmen von Juden aus den Klein- und Mittelstädten, die Banken errichten, GroQkaufkute und Direktoren von Handelsgesellschaffen werden. Auch in die freien Berufe treten die Juden in den Jahren von 1880 bis zürn Kriege in erheblicher Zahl ein; es wird üblich, daß die Bürger der Dorier und auch der Städte von mehreren Söhnen einen 'das Studium wählen lassen. Diese Zunahme des akademischen Berufs war seit der Beendigung der Inflation übrigens schon zum Stillstand gekommen, was mit der Verarmung der Juden und der rückläufigen Bevölkerungsbeweguno. zusammenhängt. Bei der Betrachtung der soziologischen Gliederung der Judenschaft ergibt sich die — für einen künftigen Historiker vielleicht Erstaunliche — Tatsache, daß es — nicht einmal aut dem Gebiete der Wohltätigkeit — eine Zusammenfassung der Jt’xtenschaft gab. Oertliche Vereine und religiöse Verbände pflegten die Wohltätigkeit; für die Förderung des Hand- Werks sorgte ein kleiner, wenig hervorfretender Verein; nichts geschah zur Erhaltung der Landwirtschaft unter 5Jen jüdischen Bewohnern des Dorfes und zur Erlernung des landwirtschaftlichen Berufs. Erstaunhchcrweise erhob sich auch nach dem Kriege keine Stimme, die zur Umschichtung der Jugend in andere Berufe, rief, obwohl die Beendigung der Inflation ein wirtschaftiiches Bild zeigte, das gerade für die jüdische Bevölkerung katastrophal war. Auch bisher noch fehlt jeder Zusammenschluß und jede Führung zu einer neuen Basis des Wirtschaftliehen und geselligen Lebens. Die Atomisierung und Isolierung bleibt; erst ganz spät läßt gelegentlich ein Redner aus Berlin den Ruf zur Bcruts- Umschichtung erschallen, ohne daß er beachtet wird. . Es ergibt sich nun die Tatsache, daß die jüdischen Gemeinden in den Dörfern nahezu völlig verschwunden sind Und die noch in den Dörfern lebenden Familien ihre Land- Wirtschaft mit wenigen Ausnahmen aufgegeben haben. Eine Wiedererrichtung der landwirtschaftlichen Betriebe ist selbstverständlich infolge Mangels an Mitteln zum Bodenerwerbe nicht möglich; sie wäre auch nicht erwünscht, weil der Bodenmangei zu Reibungen führen würde, die eine Wiederbeschatfung nicht rätlich erscheinen ließe. Die Gruppierung der Juden in den Städten zeigt ein Bild, wie es in allen deutschen Ländern im großen und ganzen sich wiederholt. Wenn schon der Niedergang der deutschen Wirt- Schaft seit 1927 eine große Anzahl von jüdischen Existenzen des Mittelstandes dem Ruin überlieferte, so waren diese Existenzen bisher noch unterzubringen oder durchzubringen. Heute ist die Lage völlig verändert. Der größte Teil des jüdischen Mittelstandes in den Städten Und auf dem Lande ist in ihrer Existenz derart erschüttert worden, daß cs nicht sicher scheint, ob der Bau halten oder :•><ein6türzen wird. Auch im günstigsten Falle wird es Monate dauern, bis die früheren Beziehungen einigermaßen wieder hergcstellt sind. Erhebliche Teile des jüdischen Mittelstandes werden aber überhaupt nicht mehr gehalten werden können 1und zur Auswanderung gezwungen sein oder der Wohltätigkeit anheimfallen müssen. Die Lage weist noch einen besonders erschwerend ins Gewicht fallenden Sachverhalt auf: ln den Großstädten fand seit Jahren vor dem Kriege eine Einwanderung von Juden aus Oesterreich und den angrenzenden Ländern statt, die heute bis auf geringe Ausnahmen in erhebliche Not geraten sind. Es ist die geschichtliche Versäumnis des libetralen und konservativen Judentums festzusteilen, daß es an!jedem positiven Planen oder Tun zur Ansiedlung der siedlungs-!fähigen Elemente gefehlt hat. Auch jetzt noch besteht die ‘Fiktion in den bisher führenden Kreisen weiter, als ob die ^vorhandenen Organisationen und Mittel zur Meisterung der ,Lage imstande seien. i Man hat unter Ausschluß der Öffentlichkeit die ״Badische!Zentralstelle für Hilfe und Aufbau‘• errichtet, die die Lage ^,sorgfältig prüft“. j Der augenblickliche Zustand ist also so, daß 1 1. eine große Anzahl von Jugendlichen beiderlei Gc- 'schlechts Arbeit oder Lehrstelle in Handwerk oder Landwirtschaft suchen, bisher aber kein Büro fanden, das ihnen das Suchen erleichterte oder abnahm; die Zentralstelle hat bisher einen Schuhmacher gefunden, der Lehrlinge heranbilden soll; 2. eine große Anzahl ostjüdischer Familien in Not sind Und in Gefahr kommen, ihre Wohnungen zu verlieren; 3. eine noch nicht ermittelte Anzahl selbständiger Gewerbetreibender, Handelsvertreter, Geschäftsreisender und Angestellter in einer niederdrückenden Ungewißheit über ihre Wirtschaftliche Zukunft sich hinquäien. Wie auch die weitere Entwicklung sich gestalten möge, so muß ein konstruktiver Plan Umrissen werden, der zur Grundlage weiteren Handelns werden muß. Es wäre daher erforderlich, 1. die Zusammenfassung sämtlicher Wohltätigkeitsvereine religiöser oder geselliger Art und Vereinigung ihrer Mitte! in der Hand eines Landesrats für Hüte und Aufbau; 2. Schaffung eines Amtes für Berufsumschichtung und Stellen- Vermittlung sowie Stelleribcschaffung; 3. Registrierung aller Familien, die erwerbslos sind; 4. Errichtung von Volksküchen; 5. Entlastung des Bundes jüdischer Wohlfahrtsvereinigungen von aller Arbeit der Stellenvermittlung. Die Frage der Schule und der zusätzlichen Unterrichtsbeschaffung ist hier absichtlich weggelassen worden, um diese rein wirtschaftsorganisatorischen Fragen gewidmete Erörterung nicht zu beschweren. 0 Das Verordnungsblatt des Oberrafs der Israeliten Badens fmbliziert eine mit Zustimmung des Synodalausschusses erassene Verordnung des Oberrats, der zufolge die Gehalts- und Versorgungsbezüge der Rabbiner, Religionsieh־ rer und Kantoren und der sonstigen Gememdebeamten, sowie ihrer Hinterbliebenen weitgehend gekürzt werden. Von der Kürzung befreit bleiben die Bezüge bis zu 120 RIM. monatlich, ferner die Kinderzulagen und die Waisengelder. Die Kürzungen sind nach Bezugsklassen gestaffelt. Die Ver- Ordnung tritt im Juli 1933 in Kraft. JÜDISCHE RUNDSCHäö Handwerker-Alijah Ausgebildete Handwerker mit einem Kapital von 250 £, die sich mit der Absicht tragen, nach Palästina einzuwandern, werden aut die neu eingerichtete Abteilung des Palästina-Amtes ״Handwerker-Alijah“ aufmerksam gemacht. Diese Abteilung übernimmt in geeigneten Fällen die Erledigunp sämtlicher Formalitäten zur Erlangung des Einreise- Visums der Kategorie A3 und die Organisation der Lieber- Siedlung. Um nähere Angaben wende man sich an das Palästina-Amt, Abteilung ״Handwerker-Alijah", z. Hd.: Walter Tempel, Berlin W15, Meinekestr. 10. Mitteilung des KJV. Das Präsidium beabsichtigt, die landwirtschaftliche Um- Schichtung, Hachscharah und Ansiedlung der Bundesbrüder zu organisieren und sie in Hachscharah- und Ansiedlungsgruppen zusammenzufassen. Zu diesem Zwecke bitten wir sämtliche Bundesbrüder, die sich mit derartigen Absichten tragen, sich unabhängig davon, ob sie bisher bereits mit uns in Verbindung stehen, bei uns bis zum 10. Juli zu melden. Es sind Pläne in Vorbereitung für folgende Kategorien von Bundesbrüdern: 1. Bis ca. 30 Jahre mit Mitteln und ohne Mittel, 2. Aeltere Bundesbrüder mit Mitteln und ohne Mittel. Zur Meldung sind neben den Personalia die vorhandenen Mittel, die bisher unternommenen Schritte, sowie etwaige Pläne beizufügen. Das Präsidium des Kartells Jüdischer Verbindungen. Aus Kurorten und Bädern Herr Max Ohrenstein, Besitzer des Hotels ״Ernst August“ in Bad Harzburg sendet uns eine längere Zuschrift, worin er darauf hinweist, daß über Harzburg vielfach falsche Nachrichten im Umlauf sind. Es sei festzustellen, daß jüdische Kurgäste dort völlig unbehelligt ihrer Erholung■ nachgehen können. Dies geht auch aus einem uns vorgelegten Schreiben an den als Bürgermeister fungierenden Staatskommissar hervor, der erklärt hat, daß der Besuch jüdischer Kurgäste in Bad Harzburg nach wie vor erwünscht sei und daß er alles in seiner Macht Stehende aufbieten würde, um diesen Gästen einen störungsfreien Aufenthalt zu gewährleisten. Die Israelitische Kultusverwaltung Bad Kissingen verweist in einer Zuschrift auf die Notlage jüdischer Hotels, Restaurationen und Badeärzte. Diese Berufe stehen vor dem Zusammenbruch. Sie sind heute mehr denn je auf jüdisches Publikum angewiesen. In dem Brief wird weiter hervorgchoben, daß jüdische Kurgäste in Bad Kissingen ungestört und in völliger Ruhe ihre Kur gebrauchen können. Eine Leserin unseres Blattes schreibt uns, daß sie bei der Wahl ihres Sonimeraufdnth altes sich an die üdische Gemeinde des betreffenden Ortes mit der itte um Aufgabe einer billigen jüdischen und judenfreundliehen Aufnahmestätte gewandt hat und dabei einen guten Erfolg hatte. Sie empfiehlt auch anderen I.esern ein solches Vorgehen. Konzerte Kammermusik-Abend. Wenn man Kammermusik hört in engen, heimlichen Räumen, deren Ordnung zudem noch von kultivierten Händen zeugt, dann möchte man gern wehmütig seine früheren, in großen Sälen, mit hohem Plafond, gcwonnenen musikalischen Erlebnisse ein wenig korrigiert wissen. ״Das neue Streichquartett Berlin“ stellte sich im Hause Buchtal vor. Es spielte sicher, sauber, mit klanglicher Vorsicht. Für das op. 51 von Brahms, für dessen Fülligkeit, für dessen herbe Süße und trunkene Schwere, batte es ein Leuchten des Tones und die genügende Besinnlichkeit. Beethovens op. 18 Nr. 3 gelang dagegen entschieden zu ״illustrativ“ in den Ecksätzen; bei aller Heiterkeit wäre statt klanglicher Verliebtheit eine stärkere Spannung, eine konstruktive Gesinnung am Platze gewesen. — Eine neue Be- Setzung: Gesang mit Streichtrio, geht auf die Initiative des Cellisten Herrn. Weil zurück. Unter den Bearbeitungen von jüdischen Volksliedern — farbigen, ja buntscheckigen —deren Streichbegleitung viver sein kann als Klavier, fiel ein kostbares Palästinensiscirfcs Hirtenlied (notiert von Sara Wittenberg) auf, apart gesetzt von Paul Dessau. Paula Lindberg, die die Volkslieder zu kantabel, zu wenig ä la diseuse vortrug, sang es echt und einfach. Der ernste, gewichtige 3. Psalm für Alt und Streicher von Dessau ist ein erster geglückter Versuch, eine neue Besetzung kirnstlerisch lebendig werden zu lassen. Der romantisierende Stil der Lieder von Ernst H. Meyer nach Texten von C. F. Meyer ist unscharf profiliert. Hans Nathan. Synagoijen-Konzert In Breslau. Aus Breslau wird uns berichtet: Zum besten notleidender jüdischer Künstler fand am Montag in der Neuen Synagoge Breslau ein Konzert statt, dem, wie Rabbiner Dr. Vogelstein in einer Anspräche mitteilte, in Kürze eine Reihe weiterer künstlerischer und kultureller Veranstaltungen folgen sollen. Das im allgemeinen mit Sorgfalt zusammengestellte Programm gab der Vokalmusik breitesten Raum. Vom gut geschulten S}׳ nagogenchor unter Benno Pulvermachcrs Leitung hörten wir das keineswegs ideal bearbeitete Händelsche Arioso ״Dank sei Dir, Herr“, sowie Sulzers ״Adaun aulom“. Die Soli dieser beiden Hymnen hätte man sich nicht schöner gesungen denken können als durch Oberkantor Josef Bo rin, der demnächst einem Ruf nach Straßburg folgt. Eine ausgezeichnete, tief zu Herzen gehende Leistung bot der Bariton Leopold Alexander mit Liedern von Franz Schubert. Herta Glückmann bewies in Monteverdis ״Lamento di Arianna“, das an die Intonationssicherheit erhebliche Anforderungen stellt, und in zwei Liedern der Spätromantiker Hugo Wolf und Ericli J. Wolff aufs neue ihre fcingcschliffcnc Gesangskultur. Erich Schaffer führte dieOrgclbegleitungcn mit vornehmer Zurückhaltung aus. Von seinen Solovorträgen litt die vielgespielte Bachsche Toccata und Fuge d-moll unter den stark übereilten Zeitmaßen, während Pachelbcls Ciaconna d-moll in ihrer ganzen Schlichtheit und Größe wiedererstand. Der Versuch, das Klavier im Gotteshaus einzubürfern, erwies sich innerhalb zweier Sätze aus Mendelssohns rio Opus 49, auch in akustischer Beziehung, als recht glücklich. Die Damen Lotte Schoeps-Rogosinski (Klavier), Elise S z e p 11 i z y (Violine) und Mirjam L e w i n (Vialoncellol bildeten ein künstlerisch vortrefflich aufeinander abgestimmtes Ensemble. Wenn alle folgenden Veranstaltungen so gut besucht sind wie diese erste, dann wird dem wohltatigen Zweck hoffentlich eine stattliche Summe zugeführt werden können. Martin H a u s d o r f f. Erfolge jüdischer Künstler. Bei dem in Wien abgehaltenen internationalen Wettbewerb für Klavier hat der junge Pianist Boleslav Kohn aus Warschau den ersten Preis errungen. Ferner wurden alle drei Schülerinnen Professor Julius Wolfsohns, die an dem Wettbewerb tcilnahmen, darunter die erst neunjährige Evi ,Wächter, mit Diplomen ausgezeichnet. Seite 295 Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund Auf dem in Zürich abgehaltenen ordentlichen Dele* giertentag des Schweizerischen Israelitischen Gemeindeblindes nahmen die Beratungen über die Beteiligung der Schweizer Judenschaft an der Hilfsaktion für d.eutsehe Juden, sowie über die Abwehr der antisemitischen Bewegung, die sich in letzter Zeit in der Schweiz in verstärktein Maße geltend gemacht hat, einen breiten Raum ein. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Schweiz im Hinblick auf ihre eigenen Nöte und ihre geringe Ausdehnung nur als Durchgangsstation für jüdische Auswanderer aus Deutschland gelten und nur einem bescheidenen Teil der Ausgewanderten helfen könne. Auf der Tagung wurde auch die Schaffung von H a c h s c h a r a 11 - G e I e g e n h c i t e n für eine Anzahl junger Juden aus Deutschland in der Schweiz ins Auge gefaßt. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß ein Projekt, junge Leute in der Schweiz in der Urbarmachung von Oedland und Sumpfgebieten auszubilden und ihnen Gelegenheit zu geben, sich in die schwere Arbeit des Bauers cinzuleben, zweifellos die Sympathien weitester Kreise des Judentums und der zuständigen Behörden finden würde. Ais positive Abwehrmaßnahme gegen antisemitisehe Propaganda wurde einstimmig beschlossen, in der Presse öffentlich darauf hinzuweisen, daß die Protokolle der Weisen von Zion eine Fälschung sind und die Verbreiter dieses Pamphlets ais Verleumder zu erklären. Gegebencnfalls soll in dieser Frage auch der straf- und zivilrechtliche Weg beschriften werden. Allred Berger ist vor einigen Tagen nach Palästina übergesiedelt. Dies ist ein Anlaß, um dankbar der Arbeit zu gedenken, die er in vielen Jahren auf den verschiedensten Gebieten zionistischer Tätigkeit geleistet hat. Zehn Jahre lang hat er dem Cieschäftsfiihrenden Ausschuß der Z. V.f. D. angehört und die Z. V.f. I). an wichtigen Stellen nach außen vertreten. Er war eine starke׳ und belebende. Kraft der zionistischen Propaganda, er hat an der Entwicklung des deutschen Keren Hajessod erheblichen Anteil, er hat in der Gemeinde und in der sozialen Arbeit, die ihm wertvolle Anregungen verdankt, fruchtbar gewirkt. VC׳ ir .wünschen ihm auch für seine Tätigkeit in Palästina bestes Gelingen. Dr. Jakob Neubauer. Aus W u r 7. b u r g wird uns geschrieben: Rabbiner Dr. Jakob Neubauer, Würzburg, der seit drei Monaten am Amsterdamer Rabbinerseminar Gast- Vorlesungen abhielt, ist daselbst zuin Rektor und Dozenten für talmudische Wissenschaft berufe» worden. Dr. Neubauer geht der Ruf eines hervorragenden Gelehrten voraus. Seine Hauptvcröffentlichungen sind: ״Bibehvisseiisehaftliehc frrun* gen“ (Berlin 1917), ' ״Beiträge zur Geschichte des biblischt ahn 11 dis eben F.heschließungsrcchts“ (Mitteilungen der Vor* dcrasiatischcn Gesellschaft, Leipzig .1930),. ferner eine Reihe von Aufsätzen und Besprechungen in jüdischen und orienta* listischcn Fachzeitschriften. — Für das jüdische Leben Würzburgs, wo Dr. Neubauer an der Israelitischen Lehrerbikhuigsanstalt wirkte, bedeutet sein Scheiden einen schweren Verlust. Den zahlreichen jüdischen Studenten, dein hsra, der z 10 ■ n i s t i s c 11 c n Jugend war er ein geistiger Führer, ein glan* zender Lehrer, der ihr jüdische Wissenschaft als lebendigen Ansporn zu jüdischer Tat nahebrachte, und ein Freund 1m edelsten Sinne des Wortes. Drei Gesellschaftsreisen nach Palästina. Das Interesse für Palästina-Reisen hält auch im Sommer unvermindert an und es werden daher auch am 17. und 27. Juli sowie am 10. September Gesellschaftsreisen veranstaltet. Die Ueberfahrt erfolgt mit dem bekannten Ozeanriesen, der ״Itaiia“, dem Dampfer ״Roma“ (33 000t) oder dein ״Augushis“ (32 000 t), dem großten Motorschiff der Welt. Die Dampfer fahren ab. Genua und ab Neapel und bieten daher den Vorzug, bei besonders ermäßigten Balmpreisen aticli Italien kennenzulernen. Außerdem wird auf der Hinfahrt noch Athen, sowie Rhodos oder Beirut angelaufcn. Der Aufenthalt in Palästina ist für. z.wei Wochen vorgesehen, während welcher Zeit Gelegenheit geboten ist, das Land und!.eben sowie die Wirtschnftsverhält* nisse keiinenzulernen. Auf Wunsch kann der Aufenthalt auch ausgedehnt werden; die Rückreise erfolgt mit der wöchentliehen Linie des Lloyd Triestino nach 1 riest. Liie Preise der Reisen sind äußerst niedrig gehalten. Prospekte und nähere Auskünfte beim Palestinc ft Orient Lloyd, .Berlin N 21, Friedrichstr. 121 (Oranienburger Tor), lei.: i) 1 Norden 2155. Schwerer Zusammenstoß. Unter dieser. Ueberschrift bcrichtet das ״Ailcnsteiner Volksblatt‘‘: Amtlich wird uns von der hiesigen Kriminalpolizei mitgeteilt: ״Am 20. Juni 1933 beschimpfte der jüdische Kaufmann Max Levy an der Johannisbrücke vorhe ifahrende SA,-,Männer. Das hörte zufällig der in Zivil vorbeigeilende Standarten-Adjutant Novvack. Er stellte den Juden Levv zur Rede. Dieser trat zurück und schlug dam! unvermutet auf den Sinndarten-Adjutanten mit einem Schlüsselbund ein. Nowack erhielt eine schwere Vciletzung unmittelbar unter dem rechten Auge. Die SA., die von dem Vorfall Kenntnis erhielt, hohe dann Levy mit Gewalt aus seiner Wohnung und brach den entgegengesetzten Widerstand. Hierbei wurden Lew schwer und der gleichfalls anwesende Jude Rosenthal leichter verletzt. Beide wurden in das Krankenhaus gebracht.“ Zeitschrift ״Palästina“. Redaktion (i. E.): Adolf Böhm, Wien. Nr. 5/6 enthält einen Artikel von Ing. Joseph Loewy, Haifa, über ״D i e Zukunft des jüdischen H a i f a“, in welchem die künftige Entwicklung vom Standpunkt der jüdischen Siedlung und ihrer richtigen und planmäßigen Ausgestaltung erörtert wird. Eine vorzügliche Kartenskizze orientiert über die Lage der einzelnen in Betracht kominenden Entwicklungsfaktoren. — Dr. Arthur Ruppin schreibt angesichts der Vorgänge in Deutschland über die .״Ansiedlungsmöglichkciten in der Landwirtschaft“. — David Ho.rowitz, Tel-Awiw, schreibt über ״Die Aussichten der T extil- Industrie“. — L. Bawly, Jerusalem, Leiter der Kolonisationsabteilung der J. A., schreibt über ״D .1 s!and w i r t - schaftliche Siedlungs wer k“. Ergänzend schreibt Adolf Böhm über ״Die nationale Kolonisation“.. Er zeigt, daß cs dieser gelungen ist, den richtigen Landwirt und den jüdischen Landarbeiter zu schaffen, was von atisschlaggebender Bedeutung für die Errichtung der jüdischen Heim- Stätte sei. — Die ״Nachrichten und Daten“, diesmal 33 Seiten stark, geben besonders reichhaltige Nachweise, insbesondere in den Rubriken Außenhandel (Jahr 1932), Landwirt- Schaft u. a.m. Bücherbesprechungen schließen das Heft. Administration: Rudolf Langer, Wien, XIX., Weimarer Sfr. 90, Jahresbezugspreis: schw. Frcs. 10,—. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bereitet die Herausgabe eines neuen Sammelwerks vor, das das Märchen von der jüdischen ״Drückebergerei“ zu zerstören bestimmt ist. ln dern Werke, dessen Zusammenstellung Dr. Felix Theilhaber übernommen hat, werden Regimentsgeschichten, Veröffent* lichungen der Presse, Nachrufe, Anerkennungsschreiben usw. gesammelt, welche die Bewährung jüdischer Soldaten besonders deutlich erkennen lassen. Der RjF. bittet, ihm Ab- Schriften von Divisionsusw. Befehlen, von Dokumenten über Verleihung von Auszeichnungen, aber auch interessanter Feldpostbriefe, besonders Gefallener, sowie Schilderungen von Kampfhandlungen des Heeres und der Flotte auf europäischen, aber auch afrikanischen und asiatischen Kriegsschauplätzea zur Verfügung zu stellen. t