Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- Seite 296 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653779--23831-2686742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 294 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 30. VI. 1933 י Die Götter Von Maxa Harden. Als Oott, der Ewige, das Leben schuf, legte Er von Seinem hohen Licht einen Funken in jeden Stern, und in dem Feuer jeder Welt ruhte ihr Lied. Das Feuer inmitten der Erde aber ist ein schwarzes Feuer. Und Oott schuf das Leben in kreisendem Wandel von Lösung und bindender Gestalt. Und Gott gab das Leben frei, zu freiem Atem und freiem Drang. Und das Leben behielt die Erinnerung an Gottes Hände, wie sie sich anfühlten, wie Er es schuf. Und Er schuf den Menschen, Leben von allem Leben. Wie den Tritt des Tieres im Moos, wie den Mittagshauch um einen einsamen Fels, wie den breiten alten Baum im Aehrcnfeld, wie den Hollunderstrauch an grauen Bahnhofs■ schuppen. Und stellte ihn unter die Gesetze des Erdenlebens, Und Gott strich dem Menschen über die Ohren: ״Eingetan ist dir die Weise der Erde.“ Und strich ihm über die Augen: ״Sehen sollst du, was immer du vermagst.“ Und strich ihm über die Hände: ״Schaffen sollst du dich im Werk, denn eines Weges ist alles Leben.“ Und Gott gab ihm Sein Wort und Seine Lehre: ״In dir spreche Ich zur Erde, zu jeder ihrer Stunden. So sei die Erde ganz in dir, daß du Mund werdest alles Lebens. Mein Wort und dein Gebet gründen die Wirklichkeit zwischen Gott und Mensch.“ Der Mensch war bald gierig zu greifen und zu begreifen, und cs riß in der Gier dies, und es riß das. Und durch die Risse verlor er. Und er meinte, vieles haben brächte das Vcrlorene ein und schlösse die Risse. Und er verirrte sich und wurde umhergetrieben. Und er meinte, Eile könne ihn wieder einholen. Und der Mensch fürchtete sich. Und Menschen wurden geboren, die hatten nicht mehr die volle Lehensbewegung. Sondern sie kamen zwischen die Gefahr des!)rennenden und die Gefahr des steinernen Todes. In einem waren viele und sprengende Elemente der Lebenslösung, sie waren gezeichnet von Ucbergang, von neuen An- Sätzen, alles dessen, wodurch das Leben wird und neu wird, des waren sie übervoll. Und sie konnten sich nicht mehr fassen. Und die Menschen fürchteten sich. Und andere Mensehen waren bestimmt von dem, was das Leben zusammenfügen soll. Und ■das Leben in ihnen war eng und verhärtet, als zögen sich Wände immer mehr zusammen, daß sie fast ancinanderstießen. Und auch diese Mensch«! fürchteten sich sehr. Der Mensch lebte neben dem Leben der Welt, und er atmete neben dem Atem des Lebens. Es kam ein Tag, da hatte der Mensch die Weise der Erde aus dem Ohr verloren. Ihm schwindelte, denn er konnte nun kein Gleichgewicht mehr halten. Er konnte sich nicht mehr einstimmen. Manche vergaßen nun, daß die Erde klingt, und wußten nicht, warum ihnen stumpf und überdrüssig zu Mute war. Manche aber hatten etwas von Klang in sich; aber cs war nicht der Erdklang, sondern irgendein anderer, und alles wurde voll bitterer Mißklänge, die sie zerreißen wollten. Und auch diese Menschen fürchteten sich. Der Mensch geriet immer mehr an den Menschen. Ein Menschenkopf sagte dem andern Menschenkopf ein, was es gäbe und nicht gäbe. Und das Menschenauge, das gesehen hatte nach dem Sinn des Menschen, sah bald In eine sauber gefegte Umwelt, in der der Kopf aufgeräumt hatte. Und nun konnte der Mensch nicht mehr recht vorwärts gehen. Denn er kam voran, indem er nach seinem Auge vom einen zum andern schritt, und indem er Umgang pflog mit dem, was er finden konnte, war er weiter gekommen. Und er mußte nun suchen sich anzutreiben wie einen Motor, wie eine der Maschinen, die er bauen konnte; er versuchte Gesetze zu befolgen. Und das Leben im Menschen, das gebildet werden wollte auf seine Art, bäumte sich, und schlug seine Richtung um. Und das, was im Menschen um die Ordnung weiß, furchtete sich. Und sogar Gottes Lehre machten sie zu einem Buch wie andere Bücher der Verordnungen, und wollten das Leben daran schrauben, und es damit antreiben. LJnd das gottgeschaffene Leben verfiel. Es stöhnte. Oder es kroch beiseite und stahl. Oder es brach aus und raubte. Und Gottes Wirklichkeit war für den Menschen verhaut, denn er war nicht mehr Leben für alles Lehen. Gottes Wort stand einsam. Und da war der Furcht bald kein Ende; denn was ist der Mensch ohne leben■ digen Gott? Und wenn der Mensch aufsah, sah er an den äußersten Grenzen einer Leere zwei leuchtende Scheine, wie Lichtringe um Sterne schweben können: Ewigkeit und Heiligkeit. Wie sollte der Mensch sie sich zu eigen machen? Wie sollte ihn trösten, was nicht half, daß das Leben in ihm lebte? Und wie sollte er ohne das vor Gott gelangen? Da stand das Leben auf, den Menschen an seinen Platz zurückzuholen. In dem Blickraum des Menschen waren plcitzlieh Götter da. Und der Mensch begann zu hoffen. Und er errichtete Tempel. Da war der Tempel des Menschen. Weil aber die Lebensmächte den Menschen riefen, verehrte man das Schöpferische im Menschen, weil das der letzte Winkel war, in dem das Leben der Kreatur noch lebte. Aber man fand nun den Menschen vor, wie man ihn so findet — nein so wollte man ihn nicht und man fühlte ein Bild vor sich des Mensehen, und auch dies Bild verehrte man. Und es war den Menschen, als sähen sie leibhaftig vot sich, was sie wollten, und als könnten sie alle werden, was sie wollten, als würden sie alle Unruhe •und alle Furcht los, wenn sie dem nur folgten. Und die Menschen hofften. Und ein zweiter Tempel war da um den Gott der Lebensbewegung. Unendlichkeit wurde da verehrt, der Schritt über den Rand hinaus, ja man verehrte den Tod; Und verehrt wurde, dazu gepaart, die Bindung, alles Haltende. Zwei AItäre standen so da. Und die Menschen verehrten beide. Und die Menschen hofften. Und im dritten Tempel wurde die Erde verehrt und ihr Lied. Man wußte wieder, daß sie klingt. Und man versuchte zu hören auf den Ton. Und die Menschen hofften. So streckte das Leben, das Gott geschaffen hatte, viele Arme nach dem Menschen aus, um ihn in den Reigen zurückzuziehen, in den er gehörte. Und der Mensch dachte, die Götter des Lebens seien Oott, und er betete sie an. Gott aber saß in Seiner Ewigkeit und sah und lächelte und sann. Und ein junger Engel trat zu Ihm; zwischen den Brauen des Enge! saß es wie ein Schwert. ״Sie fallen ab-״Du führst das Verirrte nicht den Weg geradeaus zurück ...“ sprach der Herr. Und der Herr deutete auf einen Bauer, der in der Morgenfrühe hinter »einem Pflug ging, fröstelnd iin .Schwäfl seiner Mähe. *Sieben Geschlechter gehen de über dies Feld..." ״Was aber wird sein?“ fragte der Engel mit dem weißen Gesicht. ״Die Götter sind der Stunde unterworfen, ist sie erfüllt, weichen sie andem ..." ״Wer fragt nach Gott,“ grollte der Engel, nicht vor Dir fürchten sie sich, nicht von Dir erhoffen sie Trost, nicht über Deinen Richtspruch sind säe erregt.“ Und Gott lächelte nicht mehr. ״Sie haben ihre Balm verlassen. Laut werden muß ihr Leben, einbilden müssen sie sich wieder können, was sie verloren. Gott können sie sich nicht einbilden.“ ״Aber sie sind in Gefahr,“ sagte der Engel, ״sie beten an, was ausgesandt ist.— Klar ist der Weg der Gestirne, gerade ist der Weg des Tieres — immer ist des Menschen Weg in der weitesten Kurve, und immer droht es, ihn herauszuschleudern in das Nichts.“ ״Läuterung,“ sprach der Herr, ״ist der Weg des Menschen, selbst noch sein Weg zu Gott geht um.“ Philosophie und Glaube (״Bergton und das Judentum") Die ״Jüdische Rundschau“ hat vor einiger Zeit auf das neue Werk von Bergson ״Die beiden Quellen der Moral und der Religion“ (Verlag Felix Alcan, Paris) hingewiesen, in welchem Bergson sich zum ersten Male das Problem der Reli־ gion gestellt nat und die entscheidende Bedeutung der israelitischen Propheten für die moralische und religiöse Entwicklung der Menschheit gewürdigt hat. Inzwischen ist eine deutsche U Übersetzung des wichtigen Buches von Bergson im Verlag Eugen Diederichs, Jena, herausgekommen (Preis 9 RM.). Bergsons Beziehung zum Judentum ist Gegenstand eines Vortrages gewesen, den der durch seinen Uebertritt zum Judentum bekannte Verfasser des Buches ״Das unbekannte Heiligtum“ Aime Pallifere gehalten hat und der ebenfalls im Verlage Fdlix Alcan erschienen ist. (Bergson et le Judaisme, 44 p.) Das Problem der Beziehung von Philosophie und Glauben ist in Frankreich in letzter Zeit vielfach diskutiert worden. Von mehreren Seiten sind in den führenden philosophischen Zeit- Schriften Artikel erschienen, die sich mit dem Problem befaßten, ob die Philosophie in irgendwelcher Weise dem Glauben die Wege ebnen könnte und insbesondere, ob es so etwas wie christliche Philosophie geben könne und dürfe. Ein füllrender katholischer Philosoph Maurice Blonde! hat der Frage ein Buch gewidmet, das unter dem Titel ״Le problümc de la Philosophie catholique“ im Verlage Blond and Gay, Paris, erschienen ist. Blondel stellt die Frage methodisch: Man kann sich mehrere Stellungnahmen der Philosophie zum Glauben denken. Man kann sagen, daß die Wissenschaft dem Glauben widerspreche oder aber man kann sich aut den Standpunkt stellen, der Glaube widerspreche wohl der Philosophie nicht, habe aber auch mit ihr nichts zu tun, sondern entstamme ganz anderen Quellen oder man kann behaupten, daß die Glaubenswahrheiten durch die Philosophie bestätigt werden. AU diese Ansichten lehnt Blondel ab. Die Vernunft ist nicht der ganze Mensch, es gibt außer und neben der Vernunft andere Wahrheitsquellen 1m Glauben, aber Wissenschaft und Glaube sind nicht neutral gegeneinander, sondern — und das ist Blondels eigentümliche Stellung — die Vernunft kann aus eigenen Mitteln bis zu dem Punkte kommen, wo sie i n sich selbst eine Lücke feststellt, die sie aus eigenen Kräften nicht ausfüllen kann und die nur durch den Glauben ausgefüJIt werden kann. L)ie Aufgabe der Philosophie ist es also, die Vernunft so weit vorwärts 'zu '״treiben als nur möglich. Aber je weiter die Vernunft vorwärts dringen wird, desto mehr wird sie selbst Fragestellungen und Bediirfnisse ans Licht stellen, welche sie aus eigenem nicht befriedigen kann. So zeichnet also die Philosophie die Umrisse gewissermaßen eines leeren Raumes, sie öffnet ״das Loch nach oben“ und bereitet so dem Glauben den Weg, ohne in irgendweicher Weise die wissenschaftliche Fragestellung zu verlassen. Pall ihre nimmt in seiner Weise dasselbe Problem in der Gestalt der Fragestellung: Jüdischer Glaube — Bergsonsehe Philosophie auf! Er versucht aber nicht, wie der katholische Philosoph, eine wahrhafte Synthese. Er begnügt sich damit, die Verschiedenheit der Fragestellung und die Vertraglichkeit von Philosophie und Glauben trotz der Verschiedenheit des Ausgangspunktes aufzuzeigen. Im besonderen glaubt er, daß Bergsons Lehre vom Lebensschwung (elan vital) eine religiöse Deutung erfordere. Diese Kraft, die nach der Lehre von Bergsons Philosophie immer wieder die Materie überwindet und zu höheren Schöpfungen aufsteigt, müsse als die Kraft des lebendigen persönlichen Gottes gedeutet werden. Bergson selbst lehnt die Versuche ab, den Gottesbegrift logisch zu konstruieren, etwa in den Wegen der aristotelischen Philosophie, und verlangt, daß man sich an die religiöse Erfahrung halte. Was aber Bergson Erfahrung nennt, sagt Palliere, das nennen wir die Offenbarung, ln Bergsons Lehre von der dynamischen Religion hört man das Echo des Wortes Gottes in der Bibel. Palheres Vortrag begnügt sich mit kurzen Andeutungen. Er verweist für die tiefere Begründung der jüdisehen Stellung auf Julien Weilis Buch ״Le Judaisme“, das ebenfalls im Verlage Felix Alcan erschienen ist und eine vorzügliche Orientierung über die Grundlagen des Judentums enthält. (Das Buch, 241 S., erschien in der Serie ״Die Religionen“, in welcher auch Bücher über den Katholizismus, den Protestantismus, die orthodoxe Kirche erschienen sind, und weitere Bücher in Vorbereitung sind.) Weilis Buch ist eine treffliche populäre Darstellung der Grundlagen des Judentums sowohl wie seines gegenwärtigen Zustandes. Weil! weist die so vielfachen Versuche, das Judentum als eine Religion ohne Dogmatik aufzufassen, zurück. Er versucht in sehr vorsichtiger Weise eine Theologie des Judentums zu geben, die sich ungefähr auf die Formel ״Einheit aus Zweiheit“ bringen ließe und deren Kennwort das ״Hamejachadim schmo“, die Einung des göttlichen Namens, die ewige Hervorbringung der Einheit aus der Zweiheit wäre. Weil! bringt, den Vergleich des Judentums mit einem Herzen, wie ihn Jehuda Halevi populär gemacht hat, benützend, das Beispiel von der Zusammenziehung und Ausdehnung (Systole und Diastole) des Herzens, um seine Auffassung des Judentums zu illustrieren. So ist der Gott des Judentums, der Ferne und der Nahe, tränszendent und immanent, Prinzip der Gerechtigkeit und der Liebe, so herrscht im Judentum die Vorsehung und doch bleibt die freie ■Wahl; so ist das Judentum Halacha und Agadah, gebundene Gesetzesreligion und zugleich heißglühende Mystik, Nationalität und Religion, Galuth und Verneinung der Galuth, sich in sich selbst Verschließen und sich immer wieder der Weisheit der Völker Oeffnen, partikulär und universalistisch zugleich. Alle diese Widersprüche trägt der Jude in sich und hat sie in sich zu überwinden, darum beten wir: ״Eine unser Herz“. ■Weilis Bucht — das übrigens die großen Leistungen des deutschen Judentums auf dem Gebiete der Theologie bis zu den heutigen, bis zu Baeck und Buber, sehr anerkennt — ist in seinen vorsichtigen Formulierungen und in der glücklichen Vereinigung eines tiefbohrenden Inhalts mit einer populären Darstellung ein sehr guter Beitrag zu dem Problem eines philosophischen Verständnisses des jüdischen Glaubens. h. b. Palästina ■ ölirtacbaftateü Projekte und Aussichten Wir entnehmen dem Brief eines Berliner Zionisten, der vor kurzem nach Palästina übergesiedelt ist, folgende Mitteilungen: Das Brauerei-Projekt scheint jetzt ins Stadium der Konkretisierung einzutreten; weiter besteht Aussicht, daß wir eine große Pappen-Fabrikation hierher bekomme«, die sowohl für das Inland als auch für Syrien und Aegypten arbeiten würde. Möglichkeiten bestehen hier für eine G u m.m i f a b r i k, die sanitäre Artikel, Kinderspielzeug usw. produziert. Auch eine Fabrik von Wand kacheln hätte hier große Möglichkeiten. Der Import in diesem Artikel ist außerordentlich groß, da Badezimmer, Toiletten usw. nur noch mit Wandkachelbelag gebaut werden. Letzterer Fabrikationszweig Ist allerdings nur für Leute mit wirklich viel Kapitai, die auch die technische Seite der Geschichte sehr gut verstehen oder sich einen geeigneten Techniker halten können, da ein Projekt dieser Art in kleinem Maßstab nicht möglich ist. Gerberei-Fachleute, besonders für gute Leder- Sorten, und zwar sowohl für gutes Schuhoberleder, als auch — allerdings in kleinerem Umfange — für Spezialleder für Notizbücher, Taschen usw. haben auch Aussichten. Zum Punkt ״Berufsberatung“: Für kaufmännische Angestellte sind die Aussichten normalerweise gleich null, auch dann, wenn ״hebräisch stottern“ bereits gegeben ist. Diese Berufskreise müssen sich auf Umstellung gefaßt machen, sonst können sie hier im Lande nicht unternommen. Ein erheblicher Teil der kaufmännischen Angestellten, die bisher hierher gekommen sind, hat tatsächlich diesen Ent- Schluß durchgeführt, was man entgegen den ganzen Mießmachertendcnzen betonen soll. Die Hitachduth Oie Germania hat bereits eine ״Chawurah“ in Rishon le Zion gegründet, die 38 Leute gegenwärtig umfaßt und in den nächsten Tagen auf 50 komplettiert wird. Dann wird eine zweite in Rechowoth oder Neß Ziona gegründet werden. Die meisten Architekten werden mit Anfragen und Anstellungsgesuchen von zumeist jüngeren Berufskollegen aus Deutschland überschwemmt. Die oft verbreitete und auch riehtige Mitteilung, daß außerordentlich viel gebaut wird, hat zu der falschen Auffassung geführt, daß das Land eine unbegrenzte Aufnahmefähigkeit für Bauingenieure hat. Das Gegenteil ist richtig. Auch dieser Beruf ist heute schon überfüllt und es geht ein scharfer Konkurrenzkampf vor sich. Hochqualifizierte Bauarbeiter hingegen finden Arbeits־• platze, Max Tischler. Kleine Nachrichten Der Direktor der mittelbar und unmittelbar über 300 Delailgeschäfte in Deutschland betreibenden ״Verkaufsorganisation, Dr. Hans Singer, traf am 26. Juni in Jaffa ein, um mit Vertretern der palästinensischen'Industrie Besprechungen darüber abzuhalten, inwieweit durch einen neuzeitlich organisierten Kleinhandel im Lande der Absatz von Gebrauchsartikeln des täglichen Bedarfs, die von :der palästinensischen Industrie hergestelit werden, gehoben werden könnte. Die Adresse Dr. Singers ist durch die Hitachduth Olei Germania in Tel-Awiw zu erfragen. Wie uns mitgeteilt wird, ist in Tel-Awiw ein größerer kosmetischer Fabrikationsbetrieb im Entstehen, der Spezial-Zahnpasta, Hautcremes, Haar- und Mundwasser sowie verwandte Artikel nach modernsten Fabrikationsmetho* den herstellt. In Tel-Awiw hat ein Holzindustrieller aus Vrutky (CSR.) mit dem Bau von Holzhäusern begonnen. In Ramath Gan wurde eine Fabrik für Düngemittel und eine Erzeuguner von Akkumulatoren errichtet. — Ein jüdischer Chemiker aus Deutschland plant die Errichtung einet großen Keramik- und Glasurfabrik. Die ״Kölnische Zeitung“ vom 21. Juni berichtet aus Palästina: Mit einem Kapital von zunächst 10 000 Pfund, das voll eingezahlt ist, wurde in Tel-Awiw Anfang Juni die Barsalith Ltd. gegründet, deren Zweck die Erzeugung von Eisendraht, Nägeln, Sieben, Drahtnetzen und sonstigen Drahtwaren aller Art ist. Die Gesellschaft will mit ihrer Erzeugung den gesamten Bedarf Palästinas an den fraglichen Erzeugnissen decken. Sie hat bei Tel-Awiw ein recht umfangreiches Grundstück erworben, mit der Errichtung der Fabrikgebäude wird demnächst begonnen werden. Die Betriebseinrichtung wird in Europa und Amerika beschafft werden. Die Jodenfrage ln Oberschlesien Wie uns aus Oberschlesien berichtet wird, Ist dieser Tage eine Delegation oberschlesischer Juden, bestehend aus R.-A. Weiämann, Beuthen, und Dr, Zernfck, Gleiwitz, nach Berlin abgereist, um mit den zuständigen Ministerien über die Rechtslage verschiedener Berufsgruppen in Oberschlesien zu verhandeln. Bekanntlich ist von der deutschen Regierung in Genf die Erklärung abgegeben worden, daß in Oberschlesien keine Verletzung der Klauseln internationaler Verträge stattfinden wird. Dies wurde allgemein so verstanden, daß eine Benachteiligung von Juden in Oberschlesien wegen ihrer Rasse- oder Religionszugehörigkeit nicht erfolgen werde. Einige Maßnahmen der letzten Tage, insbesondere die Kiindigung jüdischer Aerzte und Zahnärzte bei öffentlichen Krankenkassen, haben jedoch Unklarheit bezüglich der gegenwärtig vorherrschenden Auffassung hervorgerufen. Es hat sich ein Aktionsausschuß oberschlesischer Juden gebildet, dem die Herren Justizrat Kochmann, Gleiwitz, Rabbiner Golinsky u. a. angehören; in dessen Auftrag begab sich die oben erwähnte Abordnung nach Berlin. Wie des ״Berliner Tageblatt“ meldet, wird der frühere deutschnationale preußische Landtags- und Reichstagsabgeordnete Dr. Eduard S t a d 11 c r, der inzwischen zur NSDAP, übergetreten ist, vom 1. Juli ab an maßgebender Stelle als politischer Leiter der Ul is tei n s c h e n Zeitungsbetriebe tätig sein. Wie der Reichspressedienst der ״Deutschen Christen“ meldet, erklärten die neuernannten Kommissare des e v a n - gelischen Presseverbandes anläßlich ihres Amtsantritts u. a., es sei der feierliche Wille des Beauftragten des Reichskanzlers für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche, Wehrkreispfarrer Müller, die Stellung der ge־ tauften Nichtarier innerhalb der christlichen Kirche alsbald vor der breiten Oeffentlichkeit zu klären.