Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- Seite 294 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 292 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 30, VL 1933 Durch französische Brillen In der antisemitischen Agitation unserer Zeit spielt immer wieder die Behauptung eine große Rolle, daß die Juden im Ausland — und zwar sowohl die deutschen Emigranten wie die im Ausland ansässigen Juden — das heutige Deutschland schmähten und herabsetzten. Wie unrichtig diese Beschuldigungen in ihrer Allgemeinheit sind, geht besonders deutlich aus zwei neuerlichen Pressestimmen des französischen Kulturkreises hervor. Das ״Journal de Q e n h v e“ vom 20. Juni bringt einen Artikel über die deutschen Juden in Paris, in dem zuerst die Not, die Angst und Ratlosigkeit dieser zum großen Teil hochgebildeten und an ein gutes Leben gewöhnten Menschen geschildert wird. Ueber die politische Haltung der Flüchtlinge äußert sich der ungenannte Verfasser dann in folgender bemerkenswerten Weise: ״Wenn sie auch manchmal mit leiser Stimme tragische Episoden erzählen, deren Zeugen oder Opfer sie waren, so bleiben sie doch zurückhaltend in ihren U rteilen über die nationalsozialistischen Führer. Viele von ihnen, die in Eile flohen, haben ihre Frauen oder ihre Eltern als Geiseln zurückgelassen und zittern, sie bloßzustelien. Aber ich möchte auch sagen, daß es ihnen innerlich widerstrebt, Deutschland, und auch das heutige Deutschland, zu diskreditieren. Denn sie haben ein tiefes Gefühl für ihr eigenes Deutschtum (״ils se sentent profondeinent allemands“). Wenn Hitler ihnen plötzlich einige Milderung zeigte, so würden wohl viele von ihnen ihn loben.“ Der Verfasser beschreibt dann die verzweifelten Bemühungen dieser Emigranten um eine Stellung oder sonstigen Erwerb, «nd die großen Schwierigkeiten, denen sie aus verschieden«! Gründen dabei begegneten. Manche französischen Kreise hatten Furcht vor der Konkurrenz dieser Einwanderer, und die Regierung habe keinerlei Neigung, sich die Schwierigkeiten, die sie früher mit der antifaschistischen italienischen Emigration hatte, nochmals zu bereiten. Auch fürchte man Massencinbürgerungen, ״die nur ein dünner Firnis wären über N a t u r c n, d i e, wie icli wiederhole, im Grunde deutsch sind“. Auch die jüdischen Flüchtlinge selbst fühlten dies sehr wohl. ״Einer dieser Flüchtlinge sagte in einer Diskussion über diese Frage mit verblüffender Treuherzigkeit: ״Nein, ich glaube nicht, daß man in drei Wochen Franzose werden kann.“ Der Verfasser verweist zuin Schluß darauf, daß es eine tragische Ironie des Schicksals wäre, über die die Juden wohl nachdenkcn sollten, daß sie, die fast überall hartnäckige An-!länger der Revolution gewesen seien, und zwar nicht so sehr aus Messianismus als um so die Erniedrigung ihres Volkes zu überwinden, heute gerade in den bürgerlichsten Ländern wie England, Holland, Frankreich und der Schweiz ihre Zuflucht vor den Verfolgungen revolutionärer Massenbewegungen fänden. In anderer Weise ist ein sensationell aufgemachter Artikel des Pariser ״Figaro“ vom 15. Juni interessant. Dieses dem berüchtigten Parfümfabrikanten Coty gehörende Blatt ist — ähnlich wie etwa in England die ״Morningpost“ und die ״English Review“ — gleichzeitig deutschfeindlich und judenfeindlich. Dementsprechend erhebt Coty in dem genannten Artikel gegen die sog. internationale jüdische Hochfinanz, besonders repräsentiert durch die bekannte New Yorker Firma Kuhn, Loeb & Co. und ihren Leiter Otto H. Kahn, die schwere ״Anklage“ fortwährender antifranzösischer Betätigung zugunsten Deutsch- I a n d s. Dagegen wird J. P. Morgan, dessen sensationelle Aussagen vor der amerikanischen Untersuchungskommission iim selbst ebenso wie eine ganze Reihe amerikanischer Politikc-r schwer komprimitticrien, von Francois Coty als unschuldiges Opfer jüdischer Intrigen hingcstclit. Derselbe Morgan, der von der deutschen antisemitischen Presse in den letzten Tagen immer wieder — durchaus unzutreffenderweise — als Jude oder gar als einer der nichtexistierenden ״Weisen von Zion“ hingestellt wird, wird von Coty als Arier und Franzosenfreund gelobt, den die ״j ü d i s c h - g e r - manisch-amerikanische Presse“ eben wegen seiner Zuneigung für Frankreich zu kompromittieren sucht. Während Morgan im Kriege sowie später, vor allem bei der Gewährung des Stabilisierungskredits für den Franc, seine profranzösische Gesinnung in hervorragender Weise bewiesen, habe, sei es die jüdische Bankfirma Kuhn, Loeb & Co. gewesen, die dem Präsidenten lioover im Sommer 1031 die Intervention zu- ״uns ten Deutschlands (das sog. Hoovermoratorium, das praktisch das Ende der deutschen Reparationen bedeutetc!) abgezwungen habe, — Es ist nicht notig, die teilweise sehr phantasievollen Ausführungen Cotys näher zu erörtern: cs genügt, zu zeigen, wie dieselben New Yorker jüdischen Bankiers, die von ihm als deutschfreundlich beschimpft werden, von den deutschen Antisemiten des Deutschenhasses angeklagt werden, und wie d«selbe notorische Deutschenfeind J. P. Morgan, eben wegen seiner Stellungnahme, in Frankreich als Arier und bei uns als Jude gilt! A. P. Vorlall nach der Berliner Traoerleler Im Anschluß ah die Berliner Trauerfeier für Dr. Arlosoroff am Montagabend wurden von der Polizei eine A n - zahl jugendlicher festgenommen, weil die einheitüche Kleidung der Jugendbünde offenbar zu Irrtümem Anlab gegeben hatte. Der ״Völkische Beobachter“ berichtet darüber in folgender Form: ״Montag abend veranstaltete die Zionistische Verein!- gung im großen Saal der Philharmonie eine ״Gedenkfeier für Dr. Arlosoroff“, auf der die Mitglieder Blumenfeld und Dr. Landauer sprachen. Nach Schluß der Feier nahm die Polizei 66 jüdische junge Leute wegen Aufstellung eines verbotenen Saalschutzes fest. Die Leute waren einh e itl ich gekleidet, trugen braune Kniehosen, weiße Hemden und Koppel. Nach Feststellung der Personalien wurden sie wieder entlassen.“ Wie auch aus diesem Bericht hervorgeht, gab die irrtünfliehe Annahme, es handle sich um einen verbotenen Saalschütz, Anlaß zu der Maßnahme. Der Vorgang vollzog sich in aller Ruhe und ohne Härte. Zu einer übertriebenen Aufbauschung der Angelegenheit Ist kein Grund. Art 25. Juni verstarb der ehemalige Bürgermeister von Adelaide (Australien). Sir Lewis Cohen, un Alter von 83 Jahren. Zeitschriften - Sdiau Aiulandideuhehham and Judenfrage Die von uns schon mehrfach zitierte national-konservative Wochenschrift ״Der Ring“ bringt in der Nummer vom 23. Juni einen bemerkenswerten Aufsatz von Franz Möllenbeck über ״Neue Probleme des Auslandsdeutschtums“. Ausgehend von der Welle neuer Verfolgungen, die sich seit der nationalen Revolution im Reich über fast alle auslandsdeutschen Volksgruppen ergießt, schildert Möllenbeck vor allem die Unterdrückung der Sudetendeutschen, und kömmt dann auf die prinzipiellen Fragen zu sprechen, die sich aus der Umwälzung im Reich für das Ausländsdeutschen ergeben. Die Hauptfragen ließen sich etwa folgendermaßen formulieren: ״Kann das Auslandsdeutschtum diese Wandlung bejahen, ohne sich selbst seine Grundlagen abzugraben, ohne die Grundzüge der Politik zu verlassen, mit deren Hilfe es die anderthalb Jahrzehnte seit dem Weltkrieg bestand? Kann cs weiterhin in der Front der Minderheiten stehen, die der Genfer Nationalitätenkongreß bedeutet?“ Zwar sei das Auslandsdeutschtum sozusagen nur ein Sammelname für deutsche Volksgruppen, deren Art und Lage im einzelnen ganz verschieden se“; und soweit man überhaupt von einem solchen Kollektivum sprechen könne, sei es an sich nicht zu bezweifeln, daß der neue Lebenswille, die Vertiefung und Verbreitung des nationalen Gedankens durch den Nationalsozialismus auch vom Auslandsdeutschtum begrüßt werde. ״Anders liegen die Dinge aber, sobald dieser allgemeine Rahmen überschritten wird, wie es durch die umstürzenden Wandlungen der politischen Grundanschauungen, durch die Abwehr von Formaldemokratie und Liberalismus geschah.“ Zwar sei die Auffassung, als sei das Ausland«!cutschtum auf Gedeih und Verderb mit dem demokratischen System verknüpft, zweifellos irrig. Ueberdies habe auch der Reichskanzler den Auslandsdeutschen aus der Seele gesprochen, als er eine Assimilierungs- Politik grundsätzlich ablehnte, die Achtung vor fremdem Volkstum als eine Grundforderung des Nationalsozialismus verkündete und sich gegen jede Entdeutschung von Volksgenossen aussprach. Andererseits aber sei es über die Judenfrage zu großen Schwierigkeiten gekommen. Zwar spiele diese Judenfrage innerhalb der meisten Volksgruppen keine Rolle: die Deutschen und die Juden lebten, abgesehen von Westpolen und gewissen Teilen der Tschechoslowakei, schiedlich nebeneinander. ״Deutsche und Juden bilden voneinander völlig unabhängige, meist nicht einmal im Parlament gemeinsam operierende Volksgruppen“, nur in Lettland arbeiteten die Minderheitengruppen eng miteinander. ״Anders steht es aber in Genf; es gab eine Zusammenarbeit zwischen allen Minderheiten, sobald es sich um den Rahmen handelte, den das formale, gleichmacherische Minderheitenrecht der Schutzverträge zog. Hier ist der Boden schlüpfrig, mag es nun um die Minderheitenfrage vor dem Völkerbunde selbst gehen, in internationalen Vereinigungen, die für Minderheiten eintreten, wie der Union der Völkerbundligen, oder der Interparlamentarischen Union, oder mögen die Minderheiten miteinander im Genfer Nationalitätenkongreß beraten.“ Der Verfasser erinnert an den Sturm, den das Reich anläßlich der Petition Bernheim in Genf über sich ergehen lassen mußte, und fährt dann fort: ״Jedenfalls wird das Auslandsdeutschtum selbst Stürme zu bestehen haben. Man wird zweifellos versuchen, auf dem kommenden Nationalitätenkongreß die Vertreter der deutschen Volksgruppen zu Resolutionen zu bestimmen, welche gegen einige grundsätzliche Verordnungen der Reichsregierung, insbesondere gegen die Arierbestimmungen, ablehnend Stellung nehmen.“ Dies sei schon in einem Aufsatz der Neuen Zürcher Zeitung (auf den die ,,Jüdische Rundschau“ bereits hingewiesen hat) angedeutet worden. ״So sind ernste, schwer zu entscheidende Fragen gestellt, die rasch beantwortet werden müssen. Die auslandsdeutschen Führer werden in wenigen Wochen zu Beratungen zusammentreten und weittragende Ent- Schlüsse zu fassen haben. Aber es ist eben wieder so, daß das Auslandsdeutschtum allein aus sich heraus die Entwicklung nicht gestalten kann, daß es im Rahmen einer Gesamtent- Wicklung zu handeln hat. Vieles kommt auf die Entscheidung der Reichsleitung an, welche ja gleichfalls in Genf (bei der Hauptversammlung des Völkerbundes) einer Front von Gegnern gegenüberstehen und gefragt werden wird, in welcher Weise sie führend sein will in der Minderheitenfrage,“ Möllenbeck weist zum Schluß auf den in der ״Jüd. Rundschau“ ausfiihrlich erörterten Aufsatz von Max H ild eb er t Böhm im ״Ring“ hin, der gezeigt habe, daß die Möglichkeiten zu einer positiven Weiterentwicklung durchaus gegeben seien. Aber die Bedeutung der ganzen Zusammenhänge dürfe jedenfalls nicht verkannt werden. Deutscher Gelehrter? Ein Leser unseres Blattes übersendet uns einen Ausschnitt aus der ״Vossischen Zeitung“ vom 26. Juni, wo im Anschluß an den 60. Geburtstag des amerikanischen Biologen Alexis Carrel darauf hingewiesen wird, dab ״die großen Leistungen dieses Franzosen ebenso als Ergebnisse amerikanischer Forschung in die Welt gingen, wie die seines Institutsgenossen, des Deutschen Jacques L o e b“. Jaques Loeb ist vollblütiger Jude, und es ist daher zu bezweifeln, ob Deutschland seinen Ruhm für sich reklamieren wird. Unser Weg zum Judentum! 2 Vorträge von Rabb. Dr. Joachim Prinz Montag, dan 3■ Juli, iO Uhr pünktlich Im L•hr•rver•<nahau•ן Alaxancferplatz Mittwoch, dan S. Juli, S0.30 Uhr pünktl. Im SehulthalB, Llchtarlaldar Str. tl (am Kranbarg] Berliner Zionistische Vereinigung Gruppe Zentrum / Gruppa Tempelhof Palästina vor der Mandatskommission Genf, 27. Juni. (J. T.A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat in ihrer am 27. Juni abgehaltenen Sitzung mit der Beratung der mit dem Palästinarnandat in Zusammenhang stehenden Fragen begonnen. Wie immer fand die Be. ratung in geheimer Stitzung statt. Eine Reihe von Mitgliedern der Kommission haben, wie der Genfer J. T. A.-Vertreter erfährt, an den ehemaligen Chefsekretär der Palästinaregierung Young, der der^ Sitzung im Auftrag der Palästinaregierung beiwohnte, Fragen betreffend die Möglichkeiten der Ein- Wanderung deutscher Juden nach Palästina und die geplante Einsetzung eines Legislative Council gcstellt. Auch die Frage einer jüdischen Einwanderung nach Trans jordanien wurde berührt. Young erklärte, es käme wohl eine Einwanderung einzelner Juden nach Transjordanien in Betracht, jedoch nicht eine Siedlung größeren Maßstabes im Hinblick auf die ungenügenden Sicherheitsverhältnisse. Dem ״Völkischen Beobachter“ wird aus Genf berichtet, daß in der Mandatskommission ein Antrag, 4000 Juden aus Deutschland die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen, behandelt worden sei. Der Mandatsausschuß habe dem Standpunkt der englischen Regierung zugestimmt, daß die Einwanderungserlaubnis nur jenen deutschen Juden, die ein Eigenvermögen von 1000 Pfund besitzen, gegeben werden könne. Hierzu bemerkt der ״V. B.“: ״Damit wird also sogar für die jüdische ״Heimat“ Palästina die Notwendigkeit anerkannt, sich gegen die jüdische Einwanderung zu schützen. Mit wie viel mehr Recht wehrt sich dann Deutschland gegen diesen Bazillus!“ Palästina״Anleihe und Frendi-Beridit Jerusalem, 27. Juni. (J.T. A.) Am 7. Juli begibt sich der Schatzmeister der Palästina-Regierung, Johnson, nach London im Zusammenhang mit der geplanten 2-Mil- Honen-Anleihe der Palästina-Regierung, bei deren Verwendung Forderungen des French •Berichts teilweise berücksichtigt werden sollen. Die Bemühungen der Jewish Agency, durchzusetzen, daß der amtlichen Publikation des French-Berichtes die von jüdischer Seite erhobenen Einwände beigefügt werden, hatten keinen Erfolg. Es wird damit gerechnet, daß die Jewish Agency ihre Einwände gegen den French-Bericht in einer eigenen Publikation darlegen wird, die gleichzeitig mit dem French-Bericht erscheinen soll. Ob auch die Arabische Exekutive ihre Einwände veröffentlichen wird, ist noch nicht bekannt. Denisehe Jaden nach Griechenland? Saloniki, 21. Juni. (J.T. A.) Der provisorische Leiter des griechischen Außenministeriums Pezmadjoglou hat der Bitte des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, tausend Juden, die aus Deutschland ausgewandert sind und sich in Griechenland dauernd niederlassen wollen, die Einwanderung nach Griechenland zu gestatten, entsprachen. Herr Pezmadjoglou hat erklärt, die Auswanderer könnten sich, vorausgesetzt, daß ihre Pässe in Ordnung sind, in Griechenland niederlassen, jedoch unter der Bedingung, daß ihre Einwanderung nicht aut einmal erfolge. Eine Antwort an Naumann In der ״NSZ.“ (״Rheinfront“) finden wir nachstehende Notiz: ״Der neue Weg... Nachdem der Boykott so kläglich gescheitert ist, versucht sich Juda in neuen Methoden, nämiieh im Antisemitismus! Als letztes Rettungsmittel, die Position zu halten, wird man einmal völkisch-revolutionär. Hauptträger der neuen Aktion ist der Nationalverband deutscher Juden, der angeblich Ostjuden und Zionisten genau so bekämpfen will wie wir. Er veranstaltet ״Ausspracheabende“, an denen sich sogar ״Nationalsozialisten“ an der Debatte beteiligen. Es nutzt alles nichts, der Jude ist einmal erkannt und wird immer wieder erkannt werden, mag er sich tarnen wie er will. Auch die ״nationale“ Maske hat gar keinen Wert!“ Die Reichsvertretung der Jüdischen Landesverbände Deutschlands teilt durch inre Presseabteilung mit: Die Reichs- Vertretung trat am 25. Juni in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende, Kammergerichtsrat W 0 1 f f, gc־׳ dachte nach Begrüßung der Erschienenen des schweren Verlustes, den das gesamte Judentum durch den Tod des Dr. Chaim Arlosorofi in Tel-Awiw und des Justizrats Dr. Elias Straus in München erlitten hat. — Die Reichs- Vertretung beschäftigte sich vor allem mit Schul- und Er ziehungsfragen. Es wurde die Begründung eines E r z i c - hungsausschusses beschlossen, der als «ine zentrale Stelle alle Erziehungsfragen des deutschen Judentums behandeln und den Landesverbänden und Gemeinden anregend und beratend zur Seite stehen soll. Zum Vorsitzenden wurde Herr Prof. Dr. E1 b o g e n, Berlin, bestellt. Alsdann erstattete das Generalsekretariat des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau ausführlich Bericht über die Arbeit des Ausschusses. Im Anschluß daran fand eine eingehende Aussprache über alle Fragen der wirtschaftlichen und sozialen Hilfsarbeit statt. Der eine der beiden Präsidenten der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Baeck, hat den Wunsch ausgesprochen, von der weiteren Führung des Milvorsitzes m der Reichsvertretung und der Mitgliedschaft im Präsidium mit Rücksicht auf seine starke Ueberlastung mit anderweitiger im Interesse des deutschen Judentums zu leistenden Arbeit entbunden zu werden. Die Reichsvertretung hat von diesem Wunsch mit größtem Bedauern Kenntnis genommen und ihm Rechnung getragen. Sie hat Herrn Dr. Baeck zum Ehrenvorsitzenden gewählt, in welcher Eigenschaft er »1 den Arbeiten des Präsidiums auch weiter teilnehmen wird. Das Los der deutsch-jüdischen Assimilation wird ge• kennzeichnet durch die nachstehende Notiz, die gewiß auch denjenigen, der mit den hier genannten Persönlichkeiten (be־ sonders in der Auffassung der Judenfrage) tiefgehend diffc• rierte, als persönliche Tragödie erschüttern muß. Die Zei• tungen melden kommentarlos: Aus dem Verein Berliner Presse wurden ausgeschlossen: Theodor Wol ff, ehemaliger Haupt- Schriftleiter des ״Berliner Tageblatt“ Hermann Zucker, ehemaliger Hauptschriftleiter des 8״-Uhr-Abendblatt“. Friedrieh Stampfer, ehemaliger Hauptschriftleiter des ״Vorwärts", zurzeit Prag, Max Cohen-Reuß, Vorstandsmit• glied der Liga für Menschenrechte, Dr. Alfons Gold־ Schmidt, zurzeit Moskau, in der Begründung heißt es, die Ausgeschlossenen würden das Ansehen des Vereins durch ihre Mitgliedschaft auf das gröblichste verletzen