Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1933)
- Date
- 1933-06-30
- Page
- Seite 292 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 290 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 30. VI. 1933 Kundgel1₪g der Britischen ChrlslenheU London, 28. Juni. (J.T. A.) Die am 27. Juni in der Queen’s Hall zu London abgehaltene Massenversammlung fQhrender christlicher Persönlichkeiten Englands, auf der eine vom Erzbischof von Canterbury, dem Oberhaupt der englischen Hochkirche, vorgeschlagene Resolution, die sich unter Betonung des Wunsches nach einem freundschaftlich en Verhältnis zum neuen Deutsch* land gegen Zurücksetzung der deutschen Juden wendet, einstimmig angenommen wurde, gestaltete sich zu einer andrucksvollen Kundgebung. Den Vorsitz in der Versammlung, die von über 3000 Per* sonen besucht war, führte Lord Budanasier, ehemaliger Lord Chancellor. In seiner Eröffnungsansprache erklärte er, er fühle sich zur Leitung dieser Versammlung um so mehr berufen, als er weder durch Geburt noch durch persönliche Beziehungen in irgendeinem Zusammenhang mit der jüdischen Rasse stehe. Es wäre kaum möglich, irgend jemanden zu finden, der jüdischer Beeinflussung weiter entrückt sei als er. Diese Versammlung sei nicht eine Kundgebung von Menschen, die selbst unter Verfolgung zu leiden hätten, sondern von unabhängigen, von Gerechtigkeitssinn erfüllten Menschen, die Deutschland Wohlwollen, aber gegen ein Unrecht protestieren. Unmittelbar nach KriegsschluO, fuhr Lord Buckmaster fort, versuchte rnan, mit den Deutschen hier in ähnlicher Art zu verfahren, wie man es heute i n D e u t s c h land mit den Juden 1111. ich habe damals mit all meiner Macht gegen die Einführung solcher Be- Stimmungen protestiert.!Der Vorschlag wurde im Oberhaus unter dem Eindruck der Reden Lord Newtons und des damaligen Erzbischofs von Canterbury abgelehnt. Dadurch wurden Tausende von Deutschen in England davor bewahrt, aus ihren Stellungen verjagt und in das hungernde Europa getrieben zu werden. Zweifellos haben wir das Recht, vom deutschen Volk gehört zu werden. Ich glaube, daß unbedingt unparteiische Hrindhabung von Recht und Gerechtigkeit nient nur zwischen Mensch und Mensch, sondern auch zwischen Rasse und Rasse, Nation und Nation das einzige Heilmittel für diese gequälte Welt darstellt. Der Vorsitzende erwähnt eine Reihe von in Deutschland getroffenen Maßnahmen und würdigt dann die Kulturlcistung der Juden auf allen Gebieten. ״Kann man — so ruft er aus — die Augen verschließen vor der Dankesschuld, die die ganze Kulturwelt den Juden gegenüber dafür trägt, daß diese ihr eine Literatur geschenkt haben, die ohnegleichen in der Geschichte des Menschengeschlechts ist. Das deutsche Volk schuldet der Lehre dieser Literatur Treue. Heißt es zu viel verlangen, wenn man jedes Volk auffordert, der Worte eingedenk zu sein: ״Drei Dinge forciere ich von Dir, o Mensch: Gerechtigkeit zu üben, Barmherzigkeit zu lieben und demütig mit Deinem Gott zu wandein.“ (Micha, 6, 8.) Diese Versammlung, erklärte Lord Buckmaster zum Schluß, ist nicht einberufen worden, um die Regierung aufzufordern, einzugreifen. Es handelt sich um einen Gegenstand, der internationaler Kontrolle nicht unterliegt. Aber wir sind zusammengekommen als Freunde Deutschlands, um auszusprechen, mit welcher Besorgnis wir dem Zusehen, was es den Juden gegenüber tut Die Resolution Der Erzbischof von Canterbury, Dr. Cosmo Gordon Lang, verlas sodann folgende Resolution: ״Ohne das Recht in Anspruch zu nehmen oder den Wunsch zu hegen, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumengen, und von dem Wunsche erfüllt, daß die höchst freundschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland aufrecht erhalten werden mögen, halt cs die Versammlung für ihre Pflicht, ihrer Meinung Ausdruck zu geben, daß die derzeit gegenüber den Juden in Deutschland geübte Zurücksetzung den Orund- Prinzipien der Toleranz und Gleichberechtigung widerspricht, zu denen sich die moderne Welt in bezug auf die Behandlung von Minderheiten der Religion oder Rasse nach bekennt,״ Ansprache des Erzbischofs Den Wortlaut der von ihm vorgeschlagenen Resolution machte der Erzbischof von Canterbury zum Ausgangspunkt Elm Nationalsozialist über das Weitjudcntum Der preußische Pressedienst der NSDAP, verbreitet einen Artikel des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten WiP heim Börger, der im ״Dortin. G.-A.“ unter dem Titel ״Macht und Ohnmacht der 300“ abgedruckt war. fm ersten Teil seines Artikels zitiert Herr Börger ausführlich antideutsche Acußcrungcn von John Picrpont Morgan, den er nicht nur als Juden bezeichnet, sondern sogar den ״ungekröftten König der Juden“ nennt. Nach weiteren Ausführungen gelangt Börger dann zu folgender Zusammenfassung: ״Die Weltgeschichte bekommt heute ihren Sinn wieder; allerdings ihren Sinn, wie wir Deutschen die Weltgeschichte sehen, und nicht wie ein Rathenau die Weltgeschichte sah. Die Verbrecher, die kommunistische, soziaklemokratische und bürgerliche Zeitungen in den Händen hatten, und die von der Demokratie sprachen und jüdische Weltherrschaft meinten, kommen jetzt in das Rampenlicht der Weltgeschichte. Am 9. November 1918, da pflanztet Ihr als Triumphatoren Euren judasstern in Genf im Völkerbund und im Jahre 1919 im Versailler Diktat auf da setztet Ihr •den Judasstern als äußeres Zeichen Eurer Macht über die blutenden, geknechteten und verzweifelten Völker. Noch nie hattet ihr in 2000 Jahren vergangener Geschichte eine solche Macht wie an diesem Tage, da Deutschland durch Eure Wühlereien den Krieg verlor. Das war am 9. November 1918, aber 14 Jahre später, am 30. Januar 1933, da habt nicht Ihr Juden, sondern da haben wir Germanen, unter der Führung Adolf Hitlers, den Krieg gewonnen, und wir werden dafür sorgen, daß das Sterben der zwei Millionen niemals umsonst gewesen ist , , ״ Wir wenden nicht ruhen and rasten, bis dieser Schleier, bis dieser Vorhang vom Theater der Weltgeschichte, hinter dem Ihr saßet, hinter dem Euch keiner vermutete, endgültig gelüftet ist. Jawohl, die Weltgeschichte war so verworren, weil wir die Rassenfrage nicht kannten. Der gordische Knoten ist gelöst. Heute kennen wir die Gesetze, nach denen Völker leben und sterben. Und weil wir sie kamen, können wir auch als Arzt auftreten Bod die Krankheitsherde ausmerzen, die einer großangelegten Rede, in der er es als Gewissenspflicht Dezeichnete, gegen Ungerechtigkeiten aufzutreten, die das Gefühl allmenschlkher Verbundenheit verletzen, und darauf hinwies, daß alle Völker Glieder einer großen Familie seien. Er führte u. a. aus: Diese Resolution zeichnet sich nicht durch Feuer oder Kraft der Sprache aus; sie ist im Gegenteil betont mäßig und zurückhaltend. Sie bringt die Meinung ganz Eng- Iands zum Ausdruck. Lord Buckmaster kann als Vertreter der Bürgerschaft dieses Landes, ich selbst als Vertreter seiner Christenheit gelten. Der Redner bespricht verschiedene Maßnahmen der deutschen Judenpolitik und fährt fort: Besondere Trauer erfüllt uns, wenn wir an die Behandlung jüdischer Kinder in Deutschland denken, die man wie etwas Unreines absondert; stellen Sie sich die Wirkung dieser Maßnahmen aui die Kinder vor. Man erweckt in ihnen den Eindruck, daß sie nicht fähig seien, sich anderen Deutschen anzuschließen. Stellen Sie sich die Wirkung einer Erziehung auf nichtjüdisdhe Kinder vor, die diese zu Verachtung und Verspottung ihrer Mitmenschen anhalt. Es ist unmöglich, in Schweigen zu verharren — schon um der Beruhigung unseres eigenen Gewissens willen — wenn im Ausland etwas geschieht, was die Gefühle menschlicher Verbundenheit verletzt. Langsam, aber mit voller Gewißheit gelangen wir zu der Erkenntnis, daß alle Nationen Glieder einer großen Familie sind. In dieser Erkenntnis liegt die einzige Hoffnung auf Wiederherstellung einer gedeihlichen Entwicklung in der Welt. Ich stehe heute nicht hier, etwa weil ich dazu von jüdischer Seite aufgefordert worden wäre, sondern weil unser Herz den gemeinsamen Grundsätzen unseres Menschentums gehorcht. Im weiteren Verlauf seiner Rede richtete der Erzbischof von Canterbury einen Appell an den deutschen Reichskanzler und an das deutsche Volk. Wir sind, sagte er, hier nicht in irgendeinem Gefühl der Feind- Seligkeit gegenüber dem großen deutschen Volk versammelt. Wir haben gesehen, daß es unmöglich war, Deutschland in einer gegenüber den anderen Nationen Europas minderen Stellung zu halten. Was jetzt geschieht, erweckt in uns das Gefühl, daß gerade in dem Augenblick, da wir versuchen, gerecht und fair zu sein, ein neues Element des Zweifels und der Entfremdung zwischen uns getreten ist. An wen sollen wir unseren Appell richten? An die deutsche Regierung und ihren allmächtigen Kanzler. Wir wissen, wie schwer cs ist, eine Revolution zu überstehen; es ist nicht leicht, das einmal entfachte Feuer des nationalen Enthusiasmus zu dämmen. Aber Herr Hitler hat gezeigt, daß er imstande ist, Leidenschaften in Schach zu halten. Wir haben dies gesehen, als er in seiner denkwürdigen Rede Deutschlands Friedenswillen zum Ausdruck brachte. Viele von Uns wurden tief davon bewegt, daß in der Jugend Deutschlands, die lange Zeit gelehrt worden war, sich als zurückgesetzt zu betrachten, neue Hoffnung geboren wurde. Warum sollte sie sich durch Verletzung der Grundsätze von Gerechtigkeit und Duldung beflecken? Die Deutschen würden es tief zu beklagen haben, wenn diese Bewegung im Urtel! der Geschichte verbunden würde mit etwas, was das Gewissen der Völker verletzt. Wir richten unseren Appell an das deutsche Volk. Nicht nur Bedauern erfüllt’uns,' sondern auch die große Hoffnung, daß das deutsche Volk zu einem Verständnis der Wurzeln nationaler Größe gelangen wird. Es muß seine Grundlagen sichern, und die einzigen Grundlagen, auf denen ein großes, sich selbst achtendes Volk aufgebaut werden kann, sind diejenigen der ״Stadt, deren Schöpfer und Bauherr Gott ist“. Es sprachen noch der Vorsitzende der United Conference ot Methodic Churches, Dr. John Scott-Lidgett, ferner der Earl of Iddesieigh im Namen der Katholiken. Die Versammlung schloß mit einem Dankwort Lord Readings, der als Jude seiner tiefen Bewegung über die spontane Kundgebung der Vertreter aller christlichen Bekenntnisse Englands zum Ausdruck gab. * Die englischen Zeitungen bringen ausführliche Berichte über die Veranstaltung. Auch die deutsche T. U. hat einen Bericht verbreitet, der in einigen deutschen Zeitungen veröffentlicht wurde. unseren Volkskörper verseucht haben. Meine Herren vom Welfjudentum, das Spiel ist aus! Bei den Persern fingt Ihr an und wolltet jetzt Europa und die Welt zerstören, ihr habt die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Heute präsenderen wir Euch die Quittung. So wahr wir Nationalsorialisten sind!“ Zu diesen Ausführungen möchten wir zunächst bemerken, daß der amerikanische Bankier Morgan ein reiner Arier ist, so daß schon aus diesem Grunde ein großer Teil der Folgerungen wegfällt. (Vgl. dazu den an anderer Stelle unserer heutigen Ausgabe zitierten Artikel des französischen Antisemiten und Deutschenfeindes Coty im ״Figaro“.) Im übrigen aber glauben wir, daß die Tatsachen der Weltgeschichte sich anders abgespielt haben, als es für Leser dieser Ausführungen den Anschein haben könnte, und wir sind weit entfernt von der Ueberhebiichkeit, anzunehmen, daß die Juden bei den großen geschichtlichen Auseinander- Setzungen der Völker eine solche Rolle gespielt haben, wie ihnen hier beigemessen wird. Gerade der Weltkrieg hat dem jüdischen Volk unermeßliches Unglück gebracht, Vernichtung großer jüdischer Massensiedlungcn und viele tausende Blutopfer; das Versailler Diktat stammt von ganz anderen Mächten als den Juden, und gerade Juden aller Länder haben gegen seine Ungerechtigkeiten oft protestiert, ln Wahrheit haben di« Juden stets nur eine Rolle gespielt, die zwar nicht geschichtlich, aber psychologisch in die Waagschale fällt: die des Sündenbocks. Liederbücher. In der ״Vossischen Zeitung" macht ein Briefschreiber darauf aufmerksam, daß der Verfasser des Liedes ״Stolz weht die Flagge schwarz - weißrot" Robert Linderer heißt und auf dem jüdischen Friedhot in Weißensee begraben Ist. Das Lied hat auch in das ״Nationalsozialistische Volksliederbuch“ Aufnahme gefunden. Ob diese Feststellung (oder die in unserer vorigen Nummer erwähnte Aufnahme der ״Loreley" in ein ähnliches Liederbuch) die Benutzer dieser Liederbücher stutzig machen und ihnen zeigen wird, wie schwierig im Grunde die Fragen liegen, die von ihnen so einfach beurteilt werden? Das jüdische Volk und seine selbsteigene Volks־ thömfidikeit blühen noch immer lebenskräftig vor aller Welt Dieser unschätzbare Erfolg ist der Lohn für das treue Pesthalten an dem weisen Grund» satze, welchen der fernblickende Bildner jüdischen Volksthums seinem Bau als Fundament unterge» stellt hat. Allein der consequente Widerstand gegen Eindringen fremder, die Nationalität untergraben« der Beimischung hat die Originalität Judas durdi die Wechselfälle seines Geschicks siegreich hin» durchgekämpft.Die wunderbare Erhaltung des uralten Volkes ist ein Zeichen, daß ihm noch ein wichtiger Beruf Vorbehalten ist, daß eine bessere Zukunft Preis seiner Beständigkeit sein werde. Der welthistorische Zweck seines Fortlebens war lange ein Räthsei für die Geschichte/ das Räthsel wird gelüst werden, wenn das neugeborene Juda erst wieder seine eigene Geschichte haben wird, wenn der originale Geist dieses Volkes durch bedeutungsvolle Ideenschöpfung neue Elemente für die Weltbildung gezeugt hat. C. JL K. ״Neu Judäa. Entwurf zum Wiederaufbau eines selbstständigen jüdischen Reiches" (Berlin 1840). Das Land unserer Väter existiert also noch. Es ruht nicht auf dem Boden eines Meeres. Es gibt Leute, die dort leben und fröhlich arbeiten. Die alte Erde verjüngt sich dort unter den reg» samen Händen. Sie trägt wieder Blumen, sie trägt wieder Früchte, sie wird vielleicht auch eines Tages das Glück und die Ehre der Juden tragen. Theodor Herxl (Rede im Makkabäerklub in London, -1001־) Reidmnnenminisfer über Rassenpolitik Die große Rede des Ministers Frlck über Rassenfragen vor dem Beirate für Bevölkerungs- und Rassenpolitik im Reichsinncnministerium war in ihren rtauptteilen den Angeiegenheiten der Bevölkerungspolitik, der Geburtenförde־ rung und dem Ausbau des Gesundheitswesens zur Sicherung eines gesunden Volksnachwuchses gewidmet. Nur an wenigen Stellen kam der Minister auf das Problem der Abgrenzung des deutschen Volkes von Fremdrassigen zu sprechen. Hierbei wurde der Wunsch nach Reinerhaitung der Rasse unterstrichen. Dazu führte der Minister u. a. aus: ״ln Berlin allein sind im Jahre 1930 etwa 4000 Zugewanderte aus dem Osten eingebürgert, von denen die meisten fremdstämmig, zum großen Teil Ost Juden, waren. Neben der bedrohlich zunehmenden erbbiologischen Minderwertigkeit müssen wir in gleichem Maße die fortschreitende Rassenmischung und Rassenentartung unseres Volkes mit Sorge verfolgen, da der deutsche Mann und die deutsche Frau es verlernt haben, sich ihres Blutes und ihrer Rasse bewußt zu sein . . . Es muß wieder als Pflicht der gebildeten Jugend angesehen werden, sich des Wertes der deutschen Erbverfassung bewußt zu sein, Rassenreinheit zu bewahren und durch geeignete Gattenwahl eine höhere Entwicklung der eigenen Art und Familie anzustreben. Mischehen müssen als das gekennzeichnet werden, was sie sind, nämlich der Grund für geistige und seelische Entartung, wie für die Entfremdung dem eigenen Volke gegenüber. Ich sehe es als die größte Aufgabe und Pflicht der Regierung der nationalen Revolution an, die Aufartung und Bestandserhaitung unseres deutschen Volkes im Herzen Europas zu gewährleisten.“ Wenn die Rassenpolitik der Regierung darauf abzielt, die Rassenmischung zu vermeiden, kann von jüdischer Seite sicherlich kein Ein wand erhoben werden. Wir Juden sind gleichfalls stolz aut ‘unsere Abkunft, und wir glauben, daß der Mensch verächtlich ist, der sich seiner Väter und seines Blutes schämt. Aus diesem Grunde betrachten wir die abgelaufene Periode der jüdischen Entwicklung, die aus einem völligen Mißverständnis der Emanzipation den Abfall des Juden von seinem Stamm für eine Tugend hielt, als eine Zeit der Erniedrigung. Eine positive, rassenfördemde deutsche Politik wird gewiß nicht von jüdischer Seite als feindlicher Akt empfunden. Der Arierparagraph der Deatseben Arbeitsfront Die Tageszeitungen veröffentlichen eine Meldung des VDZ.-Büros, derzufolge es in Kreisen der Deutschen Arbeitsfront unliebsames Aufsehen erregt haf, daß der ״Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ einen Aufruf veröffentlichte, der unter der Ueberschrift ״Bleibt in der, Berufsverbänden“ die jüdischen Arbeitnehmer, besonders die Angestellten, aufforderte, sich als Mitglieder den neuen berufsständischen Organisationen anzuscMeßen. in unterrichteten Kreisen wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß jüdi sc he Arbeitnehmer von allen Organisationen der Nationalsozialisten, also auch von den Verbänden der Deutschen Arbeitsfront, ein für allemal ausgeschlossen bleiben. Wenn einige Angestelltenverbände bisher den jüdischen Mitgliedern erst nahegelegt hätten, freiwillig auszuscheiden, so wolle das nichts besagen für die kommenden Statuten der neun Fachverbände 11t der Angestelltensäule. Diese Statuten würden vielmehr ebenso wie die der anderen Gliederungen der Deutschen Arbeitsfront den Arier- Pararaphen enthalten. Zwischen dieser Regelung und dem otalitätsanspruch der offiziellen Organisationen der Deutsehen Arbeitsfront besteht auch keinerlei Widerspruch, da ja die berufsständische Zusammenfassung der Arbeitnehmer eben eine Deutsche Arbeitsfront sein solle. Man kann annehmen, daß die maßgebenden Kreise sich auch schon mit der Frage der organisatorischen Zusammenfassung der jüdischen Arbeitnehmer in Deutschland beschäftigt haben. Einer der Gedanken, die in diesem Zusammenhang auftauchten, geht dahin, sämtliche jüdischen Arbeitnehmer beider Geschlechter und aller Berufsgruppen zusammen mit den übrigen Jüdischen Mitgliedern der verschiedenen Berufe in einem Gesamt verbände der jüdischen Beschäftigten zusammenzufassen, dem allerdings im wesentlichen wohl nur gesellschaftliehe Bedeutung zukommen würde, und der an die Deutsehe Arbeitsfront nicht angegliedert werden könnte.