Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1933-06-23 · Heft 50 (23.6.1933) · p. Seite 276

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 50 (23.6.1933)
Date
1933-06-23
Page
Seite 276 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653725-2653777--23809-2686718
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 274 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. SO, 23. ־VJ. 1933 letzte« Jahren fühlten wir uns häufig hesphämt, wenn 1■ B. die Zionistenkongresse, einst die Stimme des jüdisehen Volkes, zu einem Niveau herajrsanken, d!s wir fls unwürdig empfanden. Viele von uns wußten, daß es so nicht weitergehen kann, daß eine Reform an Haupt und Gliedern und vor allem eine Reform jgi Geiste nottut. Aber die Masse der Zionisten verharrte in Gleichgültigkeit. Man bagatellisierte diese Dinge, da ja die Wirkliclikeit so erfreulich war. In den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren, hat sich in Palästina eine Art Hochstimmung herausgebildet; man empfand die beispiellosen Fortschritte des Aufbauwerkes, man war mit Recht stolz auf das Erreichte, man sah eine glückliebere Zukunft des jüdischen Volkes auf eigenem Boden voraus. Der Kontrast mit den Ländern der Zerstreuung war offenkundig. Vielleicht hat uns dieser große Erfolg zu hochmütig gemacht. Die Schüsse von Tel-Awiw mahnen uns, daß wir nicht hochmütig sein sollen. Wir sind — ״wie alle Völker*‘. Man wird für diese Tat alle mögliehen Erklärungen finden; aber wie immer dies sei, der grausamen Tatsache haben wir ins Gesicht zu sehen; daß aus unseren Reihen politische Mörder hervorgegangen sind. In allen Herzen ist die Besorgnis: Wird diese Tat zu neuen, unerträglichen Spannungen innerhalb des jüdisehen Volkes führen oder wird sie das Signal zu einer entschiedenen Umkehr sein? Wird es möglich sein, der Verhetzung Einhalt zu tun, tolle Ideologien, deren Früchte wir alle jetzt vor uns sehen, aus dem jüdischen Bereich zu verbannen? Diese hange Frage ist zugleich ein Imperativ. Wem das Schicksal des Judentums am Herzen liegt, der hat sich jetzt voll einzusetzen. Njcht kleinlicher Parteienstreit soll die Parole sein, sondern Arbeit im Innern, Ueberpriifung des geistigen Bestandes der Bewegung, Reinigung von allem, was nicht dazu gehört. Wir sind überzeugt, daß viele Parteigenossen des Mörders zutiefst erschüttert sind und so eine Entwicklung nicht gewollt haben. Aber es heißt nun auch die Kon- Sequenzen ziehen. Es heißt erkennen, daß eine bestimmte Art der Propaganda und der Erziehung fast mit Notwendigkeit zu Folgen führt, von denen man dann sagt, man habe sie nicht gewollt. Der politische Hintergrund dieser Tat, falls sich der auf dem Verhafteten ruhende Verdacht bestätigt, 1'st wohl in der Spannung zwischen der palästinensischen Arbeiterpartei und den Revisionisten zu suchen. Seit Jahren führen die Revisionisten unter Leitung von Jabotinskvv einen überaus scharfen Kampf gegen die ArbeiterparAei und gfgvm die palästinensische Zentralgewerkschaff ^Histadruth). Wiederholt kam es zwischen den beiden Gruppen zu Schlägereien, nicht nur in Palästina, sondern atich in manchen europäischen Lindem. Die Jugendorgadisation Brith Trumpeldor, die militärisch organisiert und dem ״Oberbefehl“ von Jabotinsky unterstellt war, stand bei diesem Kampf in vorderster Linie. Neben sozialer: Gründen dieses Gegensatzes wurde von revisionistischer Seite der Arbeiterpartei vorgeworfen, daß sie der Politik Dr. Weizmanns, insbesondere der Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtzionisten, zugestimmt hat und daß sie gegenüber den Arabern eine versöhnliche Haltung annahm. Die revisionistisehen Extremisten sahen hierin einen ״Verrat“ daran, was sie den ״Jirdcnstaat“ nennen. Diese Gruppe der Revisionisten, die es wagen, Theodor Herzls Namen für sich in Anspruch zu nehmen, hat den letzten Zionisterikongreß demonstrativ, verlassen und ist aus der Zionistischen Organisation ausgetreten. Obwohl die Zionistische Organisation als solche dadurch von dieser Gruppe entlastet worden ist, gab es doch anderweitig genug Gelegenheit zu Zusammenstößen. Daß die Mörder gerade Arlosoroff als Opfer erwählt haben* der längst weit über das Format eines bloßen Parteiführers hinausgewachsen war und nach innen und außen als Repräsentant des Gesamf/ionismus und der jewish Agency fungierte, beweist, daß sie nicht mir ihre engeren Gegner in der Arbeiterpartei treffen wollten, sondern die ganze zionistische Bewegung. Welchen Erfolg sie sich von dieser Tat versprachen, ist freilich schwer zu erkennen. Die Ziele ihrer eigenen Gruppe werden bestimmt dadurch nicht gefördert werden. Die Auferstehung des jüdischen Volkes in Palästina hat viele Opfer zu beklagen. In den letzten fünfzig Jahren haben zahlreiche jüdische Menschen ihr Leben für die Sache hfngegcbcn, viele bekannte und auch viele unbekannte Soldaten. Cliajim Arlosoroff ist der erste, der yorr jüdischer Hand fiel. Den Schmerz, der uns fast übermannt, müssen wir überwinden. Aber dieses Schicksal darf nicht ganz sinnlos bleiben. Wenn wir heute unsere Arbeit fortsetzen, bei der Arlosoroffs führender Geist und anfeuerndes Wort, seine unendliche Wegweisende Liebe zum Volk, seine Arbeitsenergje lind sein leidenschaftlicher Wille fehlen werden, wenn wir, die Hinterbliebenen, dies alles nun von uns aus zu ersetzen haben, wenn wir unsere Reihen enger schließen und das Schandmal von uns wegwischen wollen,!dann können wir dies nicht nur dadurch tun, daß wir zu der Fahne des Ermordeten stehen, wir müssen auch als Volk uns Rechenschaft geben darüber, was in unseren Reihen gescheiten darf und was nicht, in welcher Richtung wir unsere nationale Entwicklung führen wollen, ob uns das Evangelium des Geistes und!das Ethos des Glaubens voranleuchten sollen oder ob wir es zulassen wollen, daß unsere Jugend sich in ein Dunkel verirrt, aus dem es einen jüdischen Ausweg kaum geben kann. 5י" Pi§ PdrsQP ics Beschuldigten Uebej• die Persap des 911« Polen stammenden Stavsky, der die® Mordes verdächtigt ist, wird un! aus Warsd)!« ßprichtet: Der Verhaftete ist ln Brest Litowsk (Brisk) als aktiver revisionistischer Agitator bekannt. Er ist 27 Jahre alt und in vergangenen Februar mit einer Gruppe von Revisionisten ags Polen nach Palästina gefahren. Die Grupp« wollte über die syrische (jrejjze ohne Erlaubnis nad! Palästina gelangen, wurde jedoch auf der Grenze augehalten und fiisammen mit einer Reihe von Touristen, dje gleichfalls kejne ordnungsgemäßen Papiere hatten, über Syrien nach Marseille zurückgeschickt. Die Jewish Agency hat durch ihren pplitische« Dezernenten Ehr. Arlosoroff bei der Palästina- Regierung in dieser Sache interveniert upd es ist gelungen, für einen Teil der 1)141 Marseiile Zurückgeschickteil Palästina- Visa zu bekommen. Daraufhin sind die Betreffenden von Marscille wieder nach Palästina gefahren, unter ihnen auch Stavsky. Er verdankt also seine Zulassung in das Land der direkten persönlichen Bemühung van A r - I o s o r o f f. ln Brisk gehörte Abraham Stavsky zu den fanatischesten Mitgliedern des Brith Trumpeldor (Bethar). Man sah ihn häufig mit einein umgeschnallten Reypjyer herumgpljen. StaygVys Vater ist ein Schmied, der vor kurzem die Erlaubnis erhalten hat, als Handwerker mit 250 Pfund nach Palästina einzu- Wandern. Abraham Stavsky, der auf ein revisionistisches Zertifikat nach Palästina einwanderte, hielt sich in Palästina stets bei Achi-Meir auf 14»ן arbeitete für dessen Zeitung ״Charit Haam“. Die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ werden sich erinnern, daß wir häufig über die maßlose und verleumderische Hetze, die in diesem palästinensischen Revolverblatt getrieben wurde, Klage führen mußten. Achi-Meir ist einer größeren zionistischen Oeffentlichkeit in Europa bekannt geworden, als er im August 1932 an der revisionistischen Weltkonferenz in Wien teilnahm. Auf dieser Konferenz kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwjschen dem gemäßigten Flügel, der für Verbleiben In der Zionistischen Organisation war, und dem damals noch von der ganzen revisionistischen Parte( anerkannten Führer Jabotinsky, der sich mit seinen politischen Abenteurerplänen hauptsächlich auf die von Achi-Meir geführte palästinensische Gruppe stützte. Kurz vor der Weltkonferenz hatte Achi Meir im ״Chazit Haam“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er seine Bewunderung für Gorguloff, den Mörder des französischen Präsidenten, aussprach. Die ״Jüdische Rundschau“ hat in ihrer Nummer vom 2. September 1932 ausführlich über die Konferenz berichtet, in der das geistige De bade des Revisionismus sich bereits offenbarte. Tatsächlich haben Revisionisten aller Länder damals das Verhalten der Gruppe Achi-Meir—Wolfgang Weist gebilligt. Aber auch scharfer Widerspruch machte sich geltend, am entschiedensten von Richard L i c h t h e i m (Berlin), der bis dahin dein Exekutiy-Komitee der Revisionisten angehört batte, zur Wiener Weitkonferenz aber nicht erschienen war und sein Fernbleiben in einem ausführlichen Brief, in welchem er die Politik der revisionistischen Führung kritisierte, begründete. Es ist nicht ohne Interesse, heute zu zitieren, was in diesem Brief von Lichtheim damals über den Revisionismus in Palästina geschrieben wurde: * ״Neuerdings hat sieh im' dortigen Revisionismus eine Gruppe in den Vordergrund geschoben, die offenbar ein Gemisch von Nihilismus und romantischem Putschismus für Politik hält. Diese Gruppe gehört gar nicht in den Rahmen einer politischen Organisation, da ihre Mitglieder überhaupt nicht organisierbar und auf kein Programm zu verpflichten sind. Von diesen lebensfremden, wurzellosen, wahrscheinlich sehr unglücklichen Menschen gilt der Satz, den llja Ehrenburg über den komisch-heroischen Desperado Gorguloff schrieb: ״Mit dem Leben war es nichts — so blieb nur die Heldentat." Aber Heldentaten, die auf soleher Seelenbasis erwachsen, sehen dann auch entsprechend aus. Es ist keil! ,,Aktivismns“ wenn ein Kranker um sich schlägt und das Geschirr zertrümmert, und es wird auch dann keine echte Heldentat daraus, wenn er dafür eingesperrt wird.״ Eine bessere Charakteristik dieser Gruppe, als sie hier von einem ehemaligen Parteigenossen gegeben wird, läßt sich kaum denken. Achi-Meir ist bereits wiederholt mit der palästipensisehen Polizei in Konflikt geraten. Allgemeines Aufsehen erregte sein Verhalten gelegentlich der Antritts vorlcsung von B entwich an der Universität Jerusalem Im Februar 1932. Damals veranstaltete Achi-Meir eine Demonstration mit Stinkbomben tumd mußte mit Polizei aus dem Saale entfernt werden. Die in weiten Kreisen des Jischuw und des Zionismus herrschende Fehlauffassung zeigte sich darin, daß ein großer Teil des Jischuw und der Zionisten gegen den Kanzle»־ der Universität, Dr. Magnes, Stellung genommen hat, weil er die Polizei gegen diese Demonstranten zu Hilfe rief. Auch auf der revisionistischen Weltkonferenz fand die Gruppe Achi-Meir selbst bei ihren politischen Gegnern AnerkefliiiJMHg für diese und ähnliche Taten. Ein revisionistischer Führer, der nicht zur Jabotinsky-Gruppe gehörte, verstieg sich damals zu folgenden Sätzen: ״Ich liege große Hochachtung' für Achi-Meir und habe es freudig begrüßt, als er auf der Universität die Volksverräter gebrandmarkt hat. Er hätte noch zwanzigmal mehr tun können.״ Die ״Jüdische Rundschau״ hat gelegentlich des Bentwich- Skandals eindringlich darauf hingewiesen, welche Unterlassungssünde die maßgebenden zionistischen Kreise in und außerhalb Palästinas begehen, wenn sie nicht rechtzeitig einer Betrachtuungsweise entgegentreten, welche die Verdächtigung der nationalen Zuverlässigkeit von jüdischen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zur Methode macht, Sofort nach dein Mord an Ariasoroff hat sich der Verdacht aller Eingeweihten gegen diese Gruppe gerichtet. Wie aus Warschau berichtet wird, wurde dort im Laufe des Sonntag bekannt, daß aus der nächsten Umgebung des gegenwärtig in Warschau befindlichen Revisionistenführers Jabotjnsky die Nachricht verbreitet wird, es handle sich bei dem" Mord tim eine privatpEHersifcbUsPgclegenheit. Der in Pole« weilende palästinensische Arbeiterführer Ben Gurioo richtete daran! in der Presse die offene Anfrage an Jabotinsky, wieso ihm derartige Einzelheiten übe!׳ die Motive des Mordes bekannt sein könnten■ Von revisionistisclier Seite wurde jedoch in Abrede gestellt, daß die erwähnten Gerüchte von Jabotinsky oder seinen Freujjden ausgegangen sind. Am Montag hieß es, daß die Tat« K9fUr0(1njjtth V0ft WfiH *Üi§8 ii80iMtlHilfdfdi2.4i PiS* itellupg in dje Öffentlichkeit gebracht yyurd?, ist nicht genau festzustcllen. Sämtliche Organisationen des ״Arhejtendep Palästipa“ in Polen labert ja de« Zeitpge« eine 'Projfjgmation erlassen, worin eine Darstellung der Entdeckung des Mörders gegeben wird und die Anhänger der Unterzeichneten Gruppen ' eindringlich aufgefordert wurden, sich unter keinen Umständen zu Racheakten oder!011■ stigen Gewalttaten hinreißen zu lassen. Am 21. Jpni wurde Abraham Stavsky vor den Tel-Awiw! r PojjzelrjchteF Korngrirn gebracht. Als staatsanwaltschaftlicher Funktionär amtierte der Bolizeioffizier Selim Harra. Er erktortP.. Sfavsky sei des Mordes an Dr. Af|p|Sfirp|f yerdäfhtifri, vor Einleitung des ordentlichen Gerichtsverfahrens verlange jedoch die Polizei die Verhängung einer lStägigen Untersuchungshaft, um die Sammlung von Beweisen gegen den Verhafteten vervollständigen zu können. Als Zeuge wurde Poiizcijpspektor Goffer von cjyr Je|-Awiwer Polizei vert!0rr!rpen. Er erklärte unter Eid, es seien genügend Verdachtsqiomente gegen Stavsjty vorhanden. Stavsky, der jjddisch sprach, versuchte, sein Alibi nachzuweisen, indem er erklärte, er habe den Freitag abend in Jerusalem verbracht. Der Polizeirichter erklärte, er befasse sich nur mit den formalen Gründen seiner Verhaftung; bei der Vernehmung werde dem Beschuldigten Gelegenheit Zu dem Verfahren vor dem Tel-Awiwer Polizeirichter waren als Zuhörer nur Journalisten zugelassen worden. Verbot des Watfentragens Jerusalem, 21. Juni. (J. T. A.) Die Palästina-Regie rupg hat abermals das von Zeit zu Ze!t erneuerte Verbot des Waffentragens und von Ansammlungen in den Straßen kundgemacht. Trauertelera und Condolenzen High C ommissionfr Sir Arthur Wanchope hat «n Sokolow ein Telegramm gerichtet, in dem er ihn bittet, der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation sein tiefstes Mitgefühl anläßlich des Todes Dr. Arlosoroffs zum Ausdruck?u bringen. ״Meine Beziehungen 2h ill1n Ms Mitglied Ihrer Exekutive in Palästina* heißt es in dem Telegrampi, waren stets die besten. Ich habe in ihm einen lieben persönlichen Freund verloren. Seine Hingabe an seine Pflicht und ־seine von hoher Gesinnung getragenen Bemühungen pben ihm einen staatsmännjschen Blick für di« Probleme Palästinas.“ An das Mitglied der Exekutive Dr. B. Hexter hat der High Commissioner folgendes Schreiben gerichtet: ״Ich wäre Ihnen dankbar wenn Sie die Mitglieder der Jewish Agency von dem tiefen Schmer* benachrichtigen wollten, mit dem Ich die Nachricht vom Tod« Dr. Athwprqffa aufgenommen habe. Geradlinige Aufrichtigkeit» echter Idealismus und hochsinniges Streb«! waren ffir den Mann charakterigtisch und verschafften Ihm die Achtung aller, die sein Vertrauen und seine Freundschaft genossen. Ueberrageijde Intelligenz und Hingabe an seipe Arbeit machten es ihm leicht, an die Probleme Palästinas mit gesunden! und klarem Blick heranzutreten.“ Der Kommandant der britischen Luftstreitkräfte in Palästina, A. W. Freemjn, schrieb an Dr. licxier: ״Mit tjefern Bedauern hörte ich von dem unter so tragisehen Umständen erfolgten Tod Dr. Arlosoroffs. Ich habe das Bedürfnis, allen Mitgliedern der Jewish Agency und der jüdisehen Bevölkerung mein aufrichtigstes Mitgefühl und das aller Offiziere der britischen Streitkfäfte in Palästina anläßlich dieses schweren Verlustes zum Ausdruck zu bringen.“ Sir Herbert Samuel, der erste High Commissioner in Palästina, erklärt in einem Telegramm, der Mord an Dr. Arlosoroff habe Palästina eines seiner begabtesten und hingebungsvollsteu Bürger beraubt. Ich kannte ihn, heißt es in dem Telegramm, als einen Mann von hervorragenden Fälligkeiten und hohem Gemeinschaftssinn, stets eifrig bemüht, die freundschaftlichsten Beziehungen zwischen allen Teilen der Bevölkerung Palästinas zu fordern. Ich bin sicher, daß die Arbeit, mit der Dr. Arlosoroff sich befaßte. In folge dieses beklagenswerten Ereignisses nicht abflauen wird. Jerusalem, 19. Juni* (J. T. A) In Jerusalem fand eine gemeinsame Kundgebung der Allgemeinen Zionisten, der Revisionisten, des Misrachi und des Kolonistenverbandes statt, in einer Entschließung wird erklärt, der Mord an Arlosoroff sei verübt worden, um das Jüdische Aufbauwerk in Palästina zu stören. Die Judenheit werde aber nun erst recht ihre Arbeit jm Dienste des Aufbaus des Vaterlatides verdoppeln. Das werde das schönste Denkmal für Arlosoroff sein. Der Präsident der Revisionistischen Welhmioti, Wladimir . Auch das Exekutivkomitee der Weitunion der Zionisten- Revisionisten (Gegner 1jabotinskys) hat an die Exekutive der Jewish Afency in Palästina ein Telegramm gesandt, in dem es seiner tiefen Bestürzung und Trauer über die kaltblütige Ermordung Chaim Arlosoroffs Ausdruck gibt 1!nd die Exekutive bittet, das herzlichste Mitgefühl und Beileid der revisionistischen Exekutive entgegen amehmen und auch der Witwe des Ermordeten zu übermitteln. * In Berlin fand am 19. d. M. in den Räumen der Zionistischen Büros für die Mitglieder dieses Büros und einige führende Berliner Zionisten eine Gedenkfeier statt. Die Berliner zionistische Oeffentlichkeit wird am 26. d. M. sich jn der Philharmonie zu Ehren des Verblichenen versammeln. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat an die Z. V. f. D. das nachfolgende Schreiben gerichtet: Berlin, 21. Ju«i 1913. Sehr geehrter Herr Blumenfejdl Zu dem Hinscheiden des durch ein ruchloses Attentat ums Leben gekommenen Leiters des Politisch en Departcments d®r Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chajim Arlosoroff, spreche Ich Ihnen namens aes ,Centralvereins deutscher §tpfsbrirgef jüdischen Glaubens unser herzlichstes Mitgefühl ap?. Möge die zionistische Bewegung stets Männer finden, die mit der gleichen Begeisterung, mit der gleichen Klugheit und Besonnenheit, mit der gleichen Sauberkeit des Charakters und Willens die Ziele der Bewegung im Auge habe«. Einem Manne wie Arlosoroff ist auch der politische Gegner tiefe A4lJun§ schuldig, und er empfindet seinen Tod als eine,« schmerzlichen Verlust im jüdischen Leben- In vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener _________ Dr, fifodnitz. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.