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Jüdische Rundschau · 1933-06-16 · Heft 48 (16.6.1933) · p. Seite 263

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 48 (16.6.1933)
Date
1933-06-16
Page
Seite 263 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48,16. VI. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 261 Gegen jüdische ArmenanwäUc Die ״Frankf. Ztg.“ berichtet: Der Gau Berlin des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen hat an den Kammergerichtspräsidenten sowie den Berliner Landgerichtspräsiden- Fen una Amtsgerichtspräsidenten eine Eingabe gerichtet, in der darüber Klage geführt wird, daß Gerichtsvorsitzende neuerdings dazu übergegangen seien, deutschen Parteien jüdische Rechtsanwälte als Armenanwälte, Offizial- Verteidiger, Pfleger oder Testamentsvollstrecker zu bestellen. Solche Handlungen, so wird erklärt, seien als bewußte Demonstrationen und als Sabotage gegen Maßnahmen der nationalen Regierung zur Wiederherstellung einer deutschen Rechtspflege anzusehen und böten den untrüglichen Beweis dafür, daß der so handelnde Richter nicht rückhaltlos für den. nationalen Staat im Sinne des § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums eintrete. Nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen käme bei derartigen Richtern an Stelle der nach dem § 4 des Gesetzes vorgesehenen Entlassung die Versetzung in ein Amt geringeren Grades nach § S des Gesetzes in Frage. Alle Mitglieder des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen werden vom Gau Berlin des Bundes ersucht, ihnen bekannt werdende Fälle unter genauer Bezeichnung des Richters zwecks Einleitung eines Entlassungsverfahrens zu melden. Ein Leser übersendet uns das Juniheft der ״Naumburger Kammerzcitung“, Zeitschrift der Anwaltskammer des Oberlandesgerichtsbezirks Naumburg. Darin veröffentlich! R.-A. Noack-rlalle einen Aufsatz ״Warum Gleich- Schaltung?“, worin es heißt: ״Zunächst ist das geltende Recht eine Schöpfung überalistischer Denkweise, die immer nur die Einzelperson, das Individuum, als solches im Auge hat und darüber das Volksganze vergißt. Diese Möglichkeit des Vergessens des Volksganzcn liegt aber besonders nahe bei Juden; denn der Jude ist kein Teil des deutschen Volkes, sondern er ist weiter nichts als ein Fremdling, der Gastrecht in Deutschland genießt. Daher wurden diese Juden, denen Belange der Volksgesamtheit ja fremd sein mußten, zu den glänzendsten Juristen in jenem alten Rechte. Geboren zu kalten Rechenmaschinen, unserer lebenden Blutsgemeinschaft fremd, konnten sie in der schärfsten Weise logische — man mag ruhig sagen: logische — Konstruktionen durchführen, die nur allzuhäufig volksschädigend und gemeinschaftszerstörend wirkten. ״ Daher muß die Maßnahme der Regierung, die aut eine Säuberung■ der Justiz von volksfremden Minderheitenelementen lunausläuft, auf das Allerlebhafteste gerade von uns begrüßt werden.“ Wir glauben, daß die jüdischen Juristen in Deutschland es n 1 c h t v e r d i e n t haben, daß in dieser summarischen Weise über sie abg׳eurteiit wird, ohne daß sich eine Stimme der Verteidigung erhebt. Diplomatisches Vorgehen in der Arierfrage Anläßlich des Endspiels um die deutsche Fußballmeister- Schaft hielt Rcichssportkommissar von Tschammer- Osten eine Ansprache an die Führer der Sportverbände und Sportvereine, in der er erklärte, die Vielgestaltigkeit des deutschen Sportwesens bringe noch abschließende Nachprüfungen mit sich, um Eingriffe zu vermeiden, die den Körper ״ dieser Bewegung stören könnten. Er hoffe zuversichtlich, bald zu dem Ruhestand zu gelangen, der es ermögliche, das deutsche Sportleben völlig in den Dienst der völkisehen Aufbauarbeitzu stellen. Die Neugestaltung des Sportwesens brauche nicht durch Gesetzeskraft unterstrichen zu werden, sie müsse aus der vaterländischen Gesinnung aller Deutschen erwachsen. Die Aufgaben des Sports seien sowohl national wie international. Bei der Auswahl deutscher Repräsentanten im Sport kämen aber nur noch wirkliche Kämpfer in Frage, die ihren Sport aus ideellen Gründen betreiben, ln der Arier frage sei es ein Gebot der Stunde, diplomatisch vorzugehen, was man ihm schon uberlassen könne. Württemberg streicht die Subventionen Das w ü rt t em b e rg i s ch e S t aatsm in ist eri um hat in einer unter dem Vorsitz des Reichsstatthalters abgehaltenen Sitzung ein Gesetz über die israelitischen Volksschulen beschlossen, nach dem die allein noch übrigen zwei israelitischen Volksschulen im Sinne von Art. 13 des Volksschulgesetzes und ebenso die wenigen israelitischen freiwilligen Konfessionsschulen im Sinne von Art. 14 des Volksschulgesetzes aus den württembergischen Volksschulen ausscheidcn. Diese israelitischen Schulen können jedoch als Privatschulen weiter bestehen. Des weiteren wurde beschlossen, die Staatsleistung e n an die Israelitische Religionsgemeinschaft, die, wie betont wurde, von jeher in vollem Umfang freiwillige gewesen seien, von nun ab einzustellen. Das Recht der Erhebung von Kirchensteuern durch die Israelitische Religionsgemeinschaft wird dadurch nicht berührt. Ist das würdige Werbearbeit? Aus Hamburg wird uns geschrieben: ln Hamburg ist Mitte vergangenen Monats der Sportklub ״Schild“ im R. j. F. gegründet worden, der demnächst seine Tätigkeit aufnehmen will. Für diesen Verein wird in den Mitteilungsblättern der Deutschjüdischen Jugend (t. Jahrgang, Nr. 2) mit folgendem Hinweis geworben: ״Dieser Sportklub vermag infolge seiner auch heute noch verhältnismäßig guten Beziehungen zu den maßgebenden Stellen seinen Mitgliedern wesentlich mehr Trainingsgelegenheiten zu bieten als irgendeiner der bisher in Hamburg bestehenden jüdischen Turn- und Sportvereine.“ Wir wissen nicht, was hier unter ״mehr Trainings■ gelegenheiten“ verstanden werden soll, denn uns ist bekannt, daß beispielsweise der älteste und größte der Hamburger, jüdischen Sportvereine, der Makkabiverein ״Bar Kochba“ (mit zirka 500 Mitgliedern und eigener Sportplatzanlage) nach wie vor seinen umfangreichen Turn- und Sportbetrieb in sämtlichen Abteilungen durchführt, und halten es daher für ausgeschlossen, daß dieser neugegründete Verein seinen Mitgliedern bessere Trainingsmöglichkeiten verschaffen kann. Doch selbst wenn der ״Schild“ hofft, durch ״verhältnismäßig gute Beziehungen zu maßgebenden Stellen“ seinen Mitgliedem mehr Trainingsmöglichkeiten verschaffen zu können als andere jüdische Sportvereine, so glauben wir, daß eine Werbung mit diesem Hinweis heute auch in den Reihen der Deutschjüdischen Jugend als höchst unwürdig empfunden wird. Bemerkt muß werden, daß zu den ״anderen Vereinen“, von denen im Mitteilungsblatt die Rede ist, nicht nur der ״Bar Kochba“, sondern auch u. a. der jüdische Sportklub ״Hakoah“, welchem die Deutschjüdische Jugend bisher sehr nahestand, zu rechnen ist. 443 neue Mitglieder der BZV tm Monat Mai Wir erhalten nachstehenden Bericht: Wie stark Ist die zionistische Position im Berliner Judentum? Liest man die (nichtzionistische) deutsch-jüdische Presse, so gewinnt man den Eindruck, als ob niemand in Deutschland an Palästina und Zionismus überhaupt denkt. Spaltenlange Berichte über zahlreiche Hilfsstellen, ״Aktionen“ und Empfänge, Proklamationen und Versammlungsbcrichte aller möglichen Vereine füllen die Blätter. Vergeblich würde man aber in diesen jüdischen Zeitungen Informationen über den Zionismus und das Aufbauwerk in Palästina suchen. Bestenfalls findet man die Adresse des Palästina-Amtes. Die Totschweigetaktik ist aber ebenso sinnlos geworden wie die anderen Methoden der Assimilation, denn es gibt in Berlin ein pulsierendes zionistisches Leben, das nicht totgeschwiegen werden kann. 16000 Menschen haben die Berliner Beratungsstellc des Palästina-Amtes in den letzten vier Monaten in Anspruch gen o rn m e n. 3500 Gesuche um Hachscharahstellen liegen beim Berliner Hechaluz. Die Zahl der neuen Abonnenten der ״Jüdischen Rundschau“ wächst täglich um Hunderte. Allein im Mai traten 443 neue Mitglieder der Berliner Zionistischen Vereinigung bei. Die 32 Versamm- Jungen, die von den Bezirksgruppen der B. Z. V. im Mai veranstaltet worden sind, waren sämtlich überfüllt. Allein in der letzten Maiwoche fanden 14 Versammlungen statt, die insgesamt von ca. 5000 Menschen besucht waren. Ob es sich um Palästina-Fragen, Jüdische Schule oder Zionismus handelte — fast immer mußten Hunderte umkehren. Aus der Fülle der Veranstaltungen seien nur einige zur Illustration hervorgehoben. Am 10. Mai sprach Dr. Georg L a n - dauer über Palästina-Fragen im Gemeindehaus in der Rosenstraße. Nicht nur der Sitzungssaal, sondern auch das ganze Treppenhaus waren überfüllt. Nur durch den Hinweis auf die Wiederholung der Veranstaltung waren die Massen zur Umkehr zu bewegen. Am 11. Mai sprach Dr. Landauer über dasselbe Thema in den Räumen der Synagoge in der Münchener Straße; wiederum vor einem nach Hunderten zählenden Publikum, ln zwei überfüllten Versammlungen in der Aula der Knabenschule in der Kaiserstraße und im großen Saal des Logenhauses sprach Rabbiner Dr. Joachim Prinz. Die freudige Zustimmung und die echte Begeisterung des Publikums zeigten, welchen ungeheuren Widerhall zionistische Gedankengänge in den jüdischen Massen finden. — Am 28. Mai fand in der Alhambra ain Kurfürstendamm eine stark besuchte Kundgebung für die Jüdische Schule statt. Wie außerordentlich das Interesse der Berliner Juden am Zionismus ist, ergibt sich auch aus der ununterbrochen steigenden Zahl der Hebräisch lern enden. Allein in den vor drei Wochen ins Leben gerufenen hebräischen Kursen der B. Z. V. lernen heute in 24 Gruppen 400 Schüler. Die Zahl der täglich eirdaufendm Anmeldungen ist so groß, daß immer wieder neue Gruppen errichtet werden müssen. Spricht man mit Privatlehrern, so ergibt sieh das gleiche Bild. Es unterliegt keinem Zweifel, dal? dieser Zustrom zum hebräischen Unterricht sich in den nächsten Wochen noch verstärken wird. Aufgabe der zionistischen Repräsentanten in der Gemeinde ist, dafür zu sorgen, daß die Gemeindeverwaltung diesem kulturellen Bedürfnis der Berliner Juden Rechnung trägt. Vor allem muß der Jugend in großzügigerer Weise als es bisher der Fall war, ein gcdiegener, mit der neuen hebräischen Kultur in Palästina verbundener hebräischer Unterricht geboten werden. Die Unkenntnis der Juden, die jetzt in eine erste Berührung mit der Zionistischen Organisation kommen, über Palästina und Zionismus, ist erschütternd. Man hört sie von ״Haifa in Aegypten“, von der ״Wüste Sinai“ in der sich die jüdischen Siedlungen befinden usw. reden. Ob die Ostjuden in Palästina die' Westjuden verachten und ob mail seine Kinder dort in deutsche Schulen schicken kann, ob nur fromme Juden nach Palästina kommen dürfen und an welcher Universität man in Palästina am besten studieren kann? Solche und ähnliche Fragen bekommt man nicht selten vorgelegt. Soviel wissen deutsche Juden von Erez-Israel in dein historischen Augenblick, in dem dieses Land gerade für sie eine so ungeheure Bedeutung erlangt hat. So selbstver״ ständlich heute vielen Juden die Entscheidung für den Zionismus ist, so schwer fällt es ihnen, den ganzen ungeheuren im Zionismus enthaltenen Komplex von politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen, all das, was in 30 Jahren im Zionismus durchkämpft und durchlebt wurde, in sich aufzunehmen. Der Wunsch aber, zu lernen, ist hei den neu zu uns kommenden Menschen außerordentlich lebendig. Die B. Z. V. tut alles, was in ihren Kräften steht, um den Prozeß des Einlebens in die Bewegung zu erleichtern und zu beschleunigen. Der Palästina-Kursus ist stets überfüllt und wird im Norden wiederholt werden müssen. Ein Kursus über das Wesen des Zionismus beginnt in der! nächsten Tagen. Eine aus Spenden unserer Gesinnungsgenossen zusammengestellte zionistische Bibliothek steht den Interessenten zur Verfügung. In Zeiten einer außergewöhnlichen Ausbreitung der Hachscharah und A 1 i j a h hat die B. Z. V. neben den dazu berufenen Organisationen einige wichtige Aufgaben zu übernehmen. So haben w׳ir dank der Hilfsbereitschaft einiger Zionisten und der Großzügigkeit jüdischer Geschäftsleute ein umfangreiches Lager von Bekleidungsgegenständen für die nach Erez-Israel abfahrenden Chaluzim aufgebracht. Wir bemühen uns, durch Aufbringung von Sach- und Geldspenden die Weiterexistenz_ der Berliner Chaluzheime und des Ausbildungszentrums in Belzig zu ermöjjlichcn. Die vornehmste Aufgabe der B. Z. V. aber ist die Werbung. Einige Bezirksgruppen haben in den letzten drei Monaten in der Werbung für die B. Z. V. den Keren Hajessod, Keren Kajemeth und die ״Jüdische Rundschau“ Hervorragendes geleistet. In den nächsten Tagen wird diese Arbeit in eine organisierte Werbeaktion übergeleitet werden, an der sich alle Zionisten werden beteiligen können. In ihren 18 Bezirksgruppen, in ihrer Funktionärorgani- ׳ sation und in der arbeitsbereiten Berliner zionistischen Jugend besitzt die B. Z. V. heute eine ausgezeichnete Werbeorgan!- sation, die jetzt eingesetzt wird, um neue Menschen, neue Abonnenten und neue Spender für die Bewegung zu gewinnen, jeder Zionist muß in diesem Kampfe um die Zukunft des Zionismus seinen Platz finden, Denn nur so werden wir die umfassende zionistische Bewegung schaffen können, die unserem Volke die Möglichkeit geben kann, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Irch. Zur gefl. Beachtung! Wir bitten unsere Abonnenten, bei unregelmäßiger Zu- Stellung der ״Jüdischen Rundschau“ sich zunächst bei dem Briefträger oder der Zeitungsstelk des zuständigen Postamtes zu beschweren. Erst wenn diese Reklamationen erfolglos bleiben, bitten wir, sich unter Mitteilung der bereits unternommenen Schritte an uns tu wenden. Administration der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin .W! 15, Meinekestr. 10. Briefe an die Redaktion Spürhunde für Palästina An Bord der ״Itaiia“, 9. Juni 1933. An die ״Jüdische Rundschau“, Berlin W. Auf der Rückreise aus Erez Israel bitte ich Sie, folgendes zu veröffentlichen: Bei der Bereisung des Landes bat mich ein Beamter der öffentlichen Sicherheit, in Deutschland folgendes bekanntzumachen: Es bietet sich im Lande für zirka 20 Leute ein sicherer Erwerb folgender Tätigkeit: Leute, welche fachmännisch Spürhunde, Deutsche Schäferhunde, anlerncn und mit diesen umgehen können, auch solche besitzen, sollen sich wenden an: Waad haleumi, Jerusalem, für irgun haschomrim. Hochachtend Louis Wallach, aus Witzenhausen. * Das Auslands •Echo des ״Berliner Tageblatt" Prag, 14. Juni 1933. Geehrte Redaktion, Zur Charakteristik der Auslandsberichterstattung des ״B e r- 1 i n e r Tageblattes“: Der Prager Korrespondent schreibt in der Sonntagsnunimer über die Judenfrage: ״...mußte die großangelegle Aussprache in der Pfingstnummer des Berliner Tageblatt ein wirksames Echo finden. In der Tat befaßt sich sowohl die tschechoslowakische Presse eingehend und durchaus zustimmend mit der Publikation.“ Dies stimmt keinesfalls. Die tschechoslowakische Tagespresse hat sich zwar in den letzten Wochen, insbesondere in der Zeit nach dem 1. April, öfters mit der deutschen Judenfrage beschäftigt, von der Diskussion des Berliner Tageblatt jedoch überhaupt keine Notiz genommen, wie überhaupt diese einst hier angesehene Zeitung nicht mehr gelesen wird, ln dem Berichte des B. T. heißt es dann weiter: ״In parlamentarischen Kreisen werden die Ausführungen als willkommene Diskussions-Basis benützt. Dr. Franz Bacher, der bekannte Abgeordnete der Deutschen Arbeits- und Wirtschaftsgeineinsehaft im tschechoslowakischen Parlament, stellt dem B. T. folgende Ausführungen zur Verfügung.“ Auch dies ist irreführend. Die parlamentarischen Kreise haben sich, soweit man es von außen beurteilen kann, in den vergangenen Tagen fast ausschließlich mit tschechoslowakischen Problemen beschäftigt und es ist keine Aeußerung aus diesen Kreisen zur Diskussion des B. T. bekannt geworden. Wenn der Prager Korrespondent Herrn Dr. Bacher zitiert und ihn quasi als Repräsentanten der deutschen Parlamentarier vorstellt, so muß für nicht orientierte Leser hinzugefügt werden, daß die ״Deutsche Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft“ dasselbe Gebilde ist wie die ehemalige ״Staatspartei“ in Deutschland und fast nur mehr auf dem Panier besteht. Im Parlamente ist sie die schwächste deutsche Partei — mit zwei Abgeordneten — und spielt überhaupt keine Rolle. Bei den nächsten Wahlen wird sie wohl nicht mehr kandidieren, da ihre Chancen bereits fast auf Null gesunken sind. Dr. Bacher selbst ist ein deutsch-assimilatorischer Jude. Seine Aeußeriingen entsprechen durchaus nicht der Ansicht der deutschen bürgerlichen Parteien, die samt und sonders rassenantisemitisch eingestellt sind. Hochachtungsvoll h. 1. Bedauerliche Entgleisung. Aufgeregte Zeiten wie die jetzigen, bei denen die Richtlinien künftiger Entwicklung noch nicht ganz klar sind, geben schwankenden Menschen häufig Gelegenheit zu dem Versuch, sich selbst aut Kosten anderer Vorteile zu verschaffen. Auch im jüdischen Leben zeigen sich natürlich solche Erscheinungen. Eine der peinliebsten ist die, daß man versucht, innerjiidische Gegner dadurch zu erfecfigen, daß man sich einer der neuen Zeit scheinbar angepaßten Terminologie bedient und dadurch äußere Mächte oder auch nur die psychologische Situation der Juden zu seinen Gunsten benützen will. In diesem Sinne muß es als höchst bedauerlich bezeichnet werden, wenn Herr Bruno Woyda in der ,,Jüdisch-liberalen Zeitung“ sich dazu versteigt, für verschiedene Kategorien von Juden je nach ihrer Gesinnung ein verschiedenes deutsch-politisches Recht zu verlangen, sowohl in den jüdischen Gemeinden, als auch offenbar im Staatsleben. Es ist erfreulich, daß die ״Reichsvertretung der deutschen Juden“, deren Communique wir an anderer Stelle abdrucken, mit aller Entschiedenheit gegen solche Gedanken Stellung genommen hat. Würde man erst auf die Idee verfallen, im jüdischen Leben tätige Persorien unter deutsch-parteipolitischem Gesichtspunkt zu betrachten, so würde dies unabsehbare Konsequenzen haben, und es ist hoffentlich nur als eine Entgleisung zu deuten, wenn Herr Woyda solche Gedankengänge publiziert, sei es auch nur in dem sozusagen internen Blatt seiner kleinen Gruppe. Die Zcntralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden (gez. Dr. Max Kreutzberger) übersendet uns ein Schreiben im Anschluß an unsere Notiz ״Immigrationsländer“ in Nr. 42 der ״Jüdischen Rundschau“, worin der Vorwurf zurückgewicsen wird, daß die ״Informationsblätter“ des Zentralausschusses die Bedeutung Palästinas als Auswanderungsland gegenüber anderen Ländern bagatellisieren. Wir haben in jener Notiz ausdrücklich erklärt, daß wir keine Vorwürfe gegen den Zentralausschuß erheben, sondern das Informationsblatt gab uns nur Anlaß zu zeigen, daß in dieser Zusammenstellung aus allen anderen Ländern negative Berichte vorliegen und lediglieh aus Palästina ein hoffnungsvoller Bericht; im Anschluß daran wandten wir uns gegen jene Leute, die in ihren Publikationen und Reden aus parteipolitischer Beschränktheit heute noch so tun, als ob Palästina nur ein Auswanderungsland ״zwischen Guatemala und Persien“ wäre. Die Inforrnationsbiätter des Zentralausschusses bildeten lediglich die objektive Tatsachen-Grundlage für diese Bemerkungen. Das Hebräische Technikum in Haifa teilt mit: Das Technikum nimmt noch Studenten für das Jahr 5691 aut und hat zurzeit für die Neuaufnahmen noch keine Begrenzung eingeführt. Gleichzeitig teilt das Technikum mit, daß das Lehrerkomitee des Technikums beschlossen hat, in diesem Jahre auch Schüler aus Deutschland, die noch nicht das Abitunentenexainen abgelegt haben, aufzunchmcn und sich diesmal mit der Oberprimareife (auch in Fällen, in denen die jüdischen Schüler die Oberprima nicht mehr absolvieren konnten) zu begnügen. Jede Bewerbung aus dieser Kategorie wird vom Lehrerkomitee einzeln entschieden. Hebräische Kurse der Berliner Zionistischen Vereinigung. im Laufe der nächsten Woche werden in folgenden Bezirken neue Anfängerkurse eingerichtet. Grunewaid, Charlottenbürg, Reichskanzlerplatz, Prager Platz, Hansaplatz, Moabit, Gesundbrunnen, Aiexanderplatz, Hallesehes Tor, Schlesisches Tor. Aufnahmen in diese Kurse sind zum Teil noch möglich, jeder Kurs umfaßt 14—16 Teilnehmer. Die Kurse finden in Privatwohnungen statt. Preis: 3 RM. pro Monat; zweimal wöchentlich je 1■/״ Stunden. Anmeldungen täglich zwischen 3 und 6 Uhr, auch telephonisch, im Büro der ״B. Z. V.“. Berlin W15, Meinekestr. 10.

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