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Jüdische Rundschau · 1933-06-16 · Heft 48 (16.6.1933) · p. Seite 259

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 48 (16.6.1933)
Date
1933-06-16
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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DIE JÜDISCHE SCHULE Blätter für jüdische Erziehung 16. Juni 1933 Beilage der ״Jüdischen Rundschau“ Nummer 1 Unser ErzldiunöuBei&lall Wir beginnen heute mit einer ständigen Beilage der ״Jüdischen Rundschau“, die den Angelegenheiten der jüdischen Erziehung und vor allem des jüdischen Schulwesens gewidmet sein wird. Die jüdische Schule war früher eine umstrittene Parole; sie ist heute eine tatsächliche Notwendigkeit geworden. Wir haben in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits mehrmals dargelegt, wie wir uns das Bildungsziel denken, auf das die jüdische Schule hinsteuern muß. Am 25. April schrieben wir in der ״Jüdischen Rundschau“: ״Die Synthese von Judentum und Allgemeinbildung, die sich in dem letzten J 1:׳ 1.־•!dert angebahnt hat, bedarf noch ihrer Krönung. Im Ghetto beschränkten wir uns auf jüdische Bildung; nach der Emanzipation schlug das Pendel nach der anderen Seite aus. Jetzt aber, wo eine neue Periode deutsch-jüdischen Lebens beginnt, geht es darum, beides zu vereinigen, und in moderner Form unserer Jugend das unvergleichliche Erbe jüdischen Geistes ebenso zu vermitteln wie jüdische Gegenwartskunde und Zukunftswiilen, zugleich aber sie mit weltlicher Bildung und mit der großen Kultur, ln die unser Leben eingeschlossen Ist, vertraut zu machen. Wir wollen unsere Menschen nicht in eine Enge zurückführen, sondern ihnen die Weite des Horizonts eröffnen; dies kann aber ohne Schaden nur dann geschehen, wenn man selbst auf festem Boden steht.“ Dies ist der Grundgedanke, von dem unseres Erachtens alle Bemühungen um moderne jüdische Er- Ziehung ausgehen müssen. Von den führenden Personlichkeiten des neuen Staates in Deutschland wurde häufig betont, daß als ein Resultat der großen geistigen Revolution, die sich vollzogen hat, das Schuhvesen von der einseitigen intellektualistischen Erziehung und ihren atomisierenden Wirkungen befreit und das Kind zum Gcmeinschaftsgeist und zu festen Bindungen an lebendige Traditionen geführt werden muß. Um ganze Menschen und gefestigte Charaktere zu erziehen, bedürfe es der ״christlich-nationalen“ Grundlage der Schule. Es ist unmittelbar einleuchtend, daß jüdische Kinder, wenn sie nicht als entwurzelte und innerlich lädierte Menschen aufwachsen sollen, eine traditionsgebundene Erziehung genießen müssen, die natürlich nur jüdisch sein kann. Nur durch eine feste ethische Bindung dieser Art kann das jüdische Kind den Gefahren der Entwicklung entzogen werden. Wir glauben, daß daher auch im Sinne der Gedankenwelt des neuen Staates eine positiv jüdische Erziehung einer liberalistischen vorzuziehen ist. Unsere pädagogische Beilage soll dazu dienen, das Interesse für pädagogische Fragen zu vertiefen und der jüdischen Oeffentlichkeit in lebendiger Form vor Augen zu führen, worum es sich handelt. Wir rechnen dabei vor allem auf das Interesse der jüdischen Lehrerschaft, die heute vor einer ungeahnten Aufgabe und Möglichkeit steht; ihr sollen diese Blätter Anregungen bringen und damit auch die Wichtigkeit des jüdischen Lehrerstandes unterstreichen. Aber das Interesse für Erziehungs- und Schulfragen geht heute weit über Lehrer- und sogar über Elternkreise hinaus. Jeder lebendig empfindende Jude weiß, daß die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft eng mit der Schule verbunden ist. Es bedarf einer systematischen Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte, um die Leitgedanken eines zulänglichen jüdischen Schulwesens auch in jenen jüdischen Kreisen durchzusetzen, die — entsprechend ihrer Vergangenheit — den vollen Umfang und den beglückenden Sinn dieser Aufgabe noch nicht begriffen haben. Unsere Beilage wird außer grundsätzlichen Artikeln und praktischen Beisnielen aus dem Schullebcn auch Berichte über das jüdische Schulwesen in Deutschland und anderen Ländern, vor allem auch Berichte aus Palästina bringen. Alle an uns gerichteten Anregungen werden wir gern prüfen und nach Möglichkeit berücksichtigen. Die Redaktion des Beiblattes ״Die jüdische Schule“. Die jüdische Schale in unserer Zeit Von Hugo Rosenthal. Der Begriff der jüdischen Schule hat in den vergangenen Monaten eine grundlegende Aenderung erfahren, in dieser Aenderung stellt sich die erste Antwort dar, die die deutsche Judensehaft auf die ihren Bau erschütternden Maßnahmen der nationalen Revolution gegeben hat. Eine Antwort, die in ihrer Art eine gewisse Aehnlichkeit hat mit der Tat R. Joehanan ben Sakais, als er im Zusammenbruch des jüdischen Staates das Lehrhaus von Jabneh schuf. Diese Antwort ist aktiv, denn sic stellt uns wieder als Subjekt Oegebenheiten gegenüber, deren Objekte wir geworden waren. Während die Ausschaltung der judensehaft aus dem staatlichen und volklichen Leben Deutschlands unsere materielle Existenz erschüttert hat, so tief erschüttert hat, daß wir ohne gesetzliche Neuregelung der Verhältnisse keinen Weg zu ihrem Wiederaufbau vor uns sehen, haben wir begreifen gelernt, daß der Bestand unserer Gemeinschaft noch von einer Säule getragen wird, die nicht zu erschüttern ist: von dem über die Jahrhunderte und über die Jahrtausende hinausgreifenden Bewußtsein unserer ״Einmaligkeit als Israel“ (Buber). In dieser wiedergew.onnenen Erkenntnis hat die jüdische Schule für unsere Zeit neuen Sinn erlangt und neue Aufgaben gefunden, die näher zu verstehen uns vielleicht dann am besten gelingen wird, wenn wir sie gegenübcrstcllen dem Sinn und den Aufgaben, die ein anderer entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Juden ihr gab: die Emanzipation, Im Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung stellte die jüdische Schule einen wichtigen Faktor dar. Sie hatte die Aufgabe, die Juden ״emanzipationsfähig“ zu machen. Den reformatorisehen Absichten der Regierungen jener Zeit und der aufgeklärten Oberschicht der Juden schien diese Aufgabe nur möglich unter Verzicht auf ihre religiösnationale Verbundenheit. Nicht seltene Bestrebungen wie die eines Salomon Joel Herford, der für die aus seinen Mitteln zu schaffende jüdische Schulanstalt in Detmold die Bedingung stellte, ,,daß durch die gedachten jüdischen Schulanstalten dem Unterrieht in der jüdischen Religion und in den jüdischen Wissenschäften durchaus kein Eintrag geschehe“1), vermochten sich im Sturm der Aufklärung nicht durchzusetzen. Unter den Staatsmännern der Zeit ״begegneten der Liberale und der Konservative sich in der Ansicht, daß man die jüdische Nation auf dem Wege der Gleichberechtigung vernichten müsse“ (Dubnovv). Diese Absicht drückt sich am krassesten aus in einer Verordnung der kurhessischen Regierung vom Jahre 1816: ״Sämtliche jüdischen Glaubensgenossen sind verblinden, ihre Kinder in die öffentlichen Schulen der Christen, mit Ausnahme der für den Religionsunterricht bestimmten Stunden, zu schicken“2). Die Durchführung solcher Absichten scheiterte schließ-!ich an dem instinktiven Widerstand der ״Masse“ der jüdisehen Bevölkerung, die die Errichtung eigener Volksschulen in fast allen deutschen Staaten durchsetzte, dem siegreichen Vordringen der Assimilationstendenz war sie aber nicht gewachsen. ״Die israelitischen Elementarschulen verloren immer mehr an Existenz, besonders in den Städten, wo sie ihre Schüler an die gelehrten Schulen und Töchtcrinstitute abtreten mußten“ (Singer)2). ״Allmählich schwindet das Bewußtsein von dem Werte der hebräischen Sprache für Israel und seine Schule. ... Hatte man auf der einen Seite die Beschäftigung mit dem sogenannten profanen Wissen einschränken wollen, so war gegen die jüdischen Schulen auf der anderen Seite eine neue Opposition von denen entstanden, die, wie sie sagten, in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit nur ein Minimum hebräischen Wissens für ihre Kinder verlangten“2). So war schließlich eine deutsche Schule für Juden entstanden, der alle lebendige Judentumsverbundenheit mangelte, in der, je nach der religiösen Richtung, etwas mehr oder etwas weniger Hebräisch, biblische und jüdische Geschichte gelehrt wurde, ohne daß der Unterricht in diesen Fächern zu einer wirklich jüdischen Haltung der Schüler geführt hätte. Das Ziel, die jüdische Nationalität zu vernichten, sie in deutsch-jüdische Individuen aufzuteilen, war in hundert Jahren erreicht, soweit diese Nationa'ität ein Bewußtseinsinhalt der Juden gewesen war. Dadurch aber, daß sie im Unterbewußten fortbestand und zu instinktiven Aeußerungen führte, deren stärkste endlich im Zionismus Gestalt fand, war jener tiefe Riß in unser Jüdischsein getreten, dessen Ucber- Windung die Aufgabe der Schule unserer Zeit ist. Diese Aufgabe ist keine ״zionistische“, sondern eine g e s a m t j ii d i s c h e. Solcher Hinweis ist nötig gegenüber mißverständlichen Ansichten und böswilligen Unterstellungen, Wohl gebührt dem Zionismus das Verdienst, die Juden aufgerüttelt zu haben. Aber in einer Entwicklung, die von der ausschließlichen Zielrichtung auf Palästina auch zu einem tiefen Verständnis der Aufgaben der Galuth-Judenheit führte, hat der Zionismus immer deutlicher die Aufgabe der jüdisehen Schule als eine gesamtjüdische erkannt. Diese Ent- Wicklung ermöglichte es, daß heute beinahe die gesamte jüdische Jugend ״zionistische“ Forderungen, die Gestalt der jüdischen Schule betreffend, anerkennt oder daß umgekehrt der Zionismus sich mit den Forderungen der jüdischen Jugend hinsichtlich der Gestalt der jüdischen Schule identifiziert. So ist cs kein Zufall, daß Unterrichtsanstalten, in denen bereits seit längerer Zeit der Versuch einer Erziehung zu gesamtjüdischer Haltung gemacht wurde, entweder von Zionisten geschaffene Schulen sind oder solche, die sich die Jugend selber schuf. (Von den Schulen, die durch die Orthodoxie errichtet wurden, sei in diesem Zusammenhang abgesehen. Unstreitig haben sie, lange bevor der Zionismus in Erscheinung trat, den Versuch gemacht, *das rissig gewordene Band der Tradition immer wieder auszubcssem, es fehlte aber auch ihr das Bewußtsein einer ununterbrochenen gesamtjüdischen Gegenwart.) Die neue jüdische Schule, die geschaffen werden soll, kann also an bereits Bestehendes anknüpfen. Wir werden — wie in der heutigen Nummer unseres Beiblattes so auch in späteren — immer wieder Gelegenheit finden, beispielhafte Darstellungen einer Schularbeit zu geben, die helfen kann, die unsagbare Verworrenheit unserer geistigen Situation zu lösen, wieder |udentumsverbundenheit zu schaffen, wieder Israelbewußtsein in den kommenden Generationen zu erzeugen. Wir sollen uns ein Bild der jüdischen Schule machen, wie unsere Zeit sie braucht. Dabei werden wir zu dem (durchaus nicht überraschenden) Ergebnis kommen, daß eine ״wcsensjiidischc“ Schule in Wirklichkeit zeitlos ist. Denn «las, wovon sie ihre innere Gestalt empfängt — unsere Israel- 1) Karl Rosenthal, Aufklärungspädagogik und jüdisches Bildungswesen. (Unveröffentlichte Dissertation.) *) Zitate aus Straßburger, Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten —■ Stuttgart 1885. Existenz — ist nicht mehr der Zeit und ihren Wandlungen unterworfen, ist längst zeitlos geworden. Dabei ist sie doch jeder Zeit und jedem Geschlecht als Aufgabe neu gesiellt und nur in der Frage, in welcher zeitlichen Form die jüdische Schule ihre Aufgabe verwirklichen kann, drückt sich ihre Zeilgcbundenheit aus. Die jüdische Schule soll auf den Trümmern der Ennnzipation wieder Israelbewußtsein erzeugen. Sie hat dafür keinen anderen Weg als den, der zu den Quellen des Judentums zurückführt. Dieser Weg ist der ewig zeitgemäße für eine jüdische Schule. Manche nannten und nennen ihn ״reaktionär“. Wir wissen heute, daß die Apostel hemmungslosen ״Fortschritts“ Mitschuldige sind an der kulturellen Verworrenheit unserer Zeit. Wahrer Fortschritt ist nur möglich, wenn er gebunden ist an die unvergänglichen Werte einer Gemeinschaft, an ihre Urkräfte, wie Buber in seinem Vortrag vor der Berliner jüdischen Lehrerschaft sagte. Die Zurückführung des Kindes zu den Quellen des Judentums bedeutet also nicht — wie imitier wieder betont werden muß .- ein Sichvergraben in vergangener Zeit, weil die jüdische Kulturcntwielduug nie zu einem Abschluß gelangt ist. Bis in ihre jüngsten, in unsere Zeit hineiiirageiuicn Zweige offenbart sich ihre innere Oeschlossen heit, d. h. ihre Lebendigkeit. Sie ist aber auch keine ״Rückkehr ins Ghetto“, weil wir weit entfernt situ! von parükularistisclicr Enge, weil vielmehr die Verbundenheit mit allgemeiner Kultur, mit der deutschen Umgebimrr und dem deutschen Lehen mindestens ebenso gepflegt wird wie in anderen Schulen. Aus der Notwendigkeit, den Schüler zu den Quellen des Judentums zurückzuführen, ergibt sich die große Bedeutung, die dem Unterricht in der hebräischen Sprache in der jüdischen Schule zukommt. Er kann sich nicht mehr darauf beschränken, in zwei Wochenstiinden ein mangelhaftes Vorständnis der wichtigsten Gebete zu erreichen. Solcher ״Roügionsunterriehf“ war immer tot. Das Hebräische muß zum Z e n t r 11 m d e r j ü d i s e I! e t! B i 1 d u n g d es Sc h ü - lers wieder werden. Wie das im einzelnen zu erreichen ist, das muß der zu schaffende Lehrplan für jüdische Schulen aufzeigen. Aus ihm muß auch die hervorragende Stellung, die dem jüdischen Geschichtsunterricht zukommt. ersichtlich werden. Auch hier ist eine grundsätzliche Neugestaltung, die die sinnlose Trennung der biblischen von der ״jüdischen“ Oeschichte aufhebt, den Unterricht seines antiquarischen Charakters entkleidet und Geschichte zum Gcgcnwartserlcbnis werden läßt, notwendig. Wenn Hebräisch und Geschichte als die Angelpunkte jüdischer Bildung bezeichnet wurden, so darf doch nicht der Eindruck entstehen, als handle es sich demnach im wesentliehen um eine sprachliche und eine historische Bildung des Schülers. Sprache und Geschichte sind nur als die Vermittler gedacht, durch die der Schüler wieder zu Judentumsverbundcnheit gelangen soll. Von ihrer jüdischen Bilcluugsaufgabe her ist auch die Stellung, die der sogenannten allgemeinen Bildung zukommt, zu bestimmen. Die jüdische Schule in Deutschland hat — wie ich an anderer Stelle dargelegt habe (״Die deutsche Judenschaft im neuen Deutschen Reich‘‘, Jüdische Rundschau Nr. 42 11. 43 44) — die Aufgabe, den jüdischen Menschen in zwei Kulturkreisen heimisch zu machen: im deutschen lind im jüdischen. Das Bildungsgut des deutschen Ktilturkreises ergibt sich aus den Bestimmungen, die die allgemeinen Lehrpläne und Richtlinien für die Volksschiilhildung festsetzen. Ihre Verbindlichkeit setzt den Bemühungen, den Schüler auch im jüdischen Kulturkreise heimisch zu machen, gewisse Grenzen. In der unterrichtlichc-ii Erlassung beider Kul• turkreise besteht keine Parität. Diesen Mangel vermag die jüdische Schule dadurch am besten auszugieichen, daß sie die behördlichen Bestimmungen ihrem beabsichtigten Sinne nach amvendet. In den ״Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplanen“ heißt es für die Grundschule: ״Aller Unterricht hat die Beziehungen zur heimatlichen Umwelt der Kinder sorgsam zu pflegen und an den geistigen Besitz, den sie bereits vor dem Eintritt in die Schule erworben haben, anzuknüpfen, auch der heimischen Mundart der Schüler ihr Recht werden zu lassen.“ Die unterrichtliche Verwertung der hier gegebenen Hinweise im Sinne einer Heirnischmaehung des Schülers im deutschen und jüdischen Kulturkreis liegt klar auf der Hand. Auch für die Oberstufe läßt sich das sagen, wenn es in den Richtlinien heißt, daß sie ״den zu behandelnden Stoff nur im allgemeinen bezeichnen und begrenzen, daß Auswähl und Verteilung im besonderen Sache der für die einzelnen Schulen aufzustellenden Lehrpläne ist, bei deren Gcstaltung der Grundsatz der Bodenständigkeit beobachtet werden muß.“ Dieser Grundsatz läßt sich wörtlich für eine jüdisehe Schule nicht immer anwenden, seinem wirklichen Sinne werden wir aber auch für die jüdische Schule gerecht, wenn wir den von mir vorgeschlagenen Begriff der ״ideellen Landschaft“ als Ausdruck ihrer charakteristischen jüdisehen Prägung zugrunde legen. Dann bedeutet ״Bodenständigkeit“ auch die Verwurzelung im jüdischen Lebenskreis, neben der Zugehörigkeit zur Heimat. Eine Durchdringung nahezu aller Fächer mit Stoffen aus dem jüdischen Erichen des Kindes und aus dem jüdischen Kulturkreis ist möglich, ohne daß das behördlich festgesetzte Unterrichtsziel dadurch beeinträchtigt wird. Das Bild der jüdischen Schule, die unsere Zeit braucht, wäre durchaus unvollständig, wenn es nicht nachdrücklich auch auf die Bedeutung einer körperlichen und manuellenBildung der Schüler hinwiese. Sie vermag am besten die trübe und lebensferne Atmosphäre zu bannen, die überall da einzudringen droht, wo gutgewillte Lehrer sich unfähig erweisen, anders als intellektuell ihre Bildungsaufgabe zu lösen, ln der Hauptsache aber wollen wir es als einen Grundsatz betrachten, unsere Kinder mutig, behend und geschickt zu jeder Leistung heranzubilden. Daß die so dringend geforderte berufliche Umschichtung der Juden diesem Grundsatz noch eine erhöhte Bedeutung gibt, braucht heute nicht mehr hervorgehoben zu werden. 1

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