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Jüdische Rundschau · 1933-06-09 · Heft 45-46 (9.6.1933) · p. Seite 245

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 45-46 (9.6.1933)
Date
1933-06-09
Page
Seite 245 (sequence 7)
Language
German
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Nr, 45/46, 9, Vf. 1933 Was wird aus unseren Kindern? (Kundgebung für die Jüdische Schule am 28. Mal. Sitzung des ״wissenschaltl. Vereins Jiid. Lehrer und Lehrerinnen‘‘ am 29. Mai.) Wenn unsre Kinder und Enkel dereinst einmal von dieser unsrer Zeit, da die Wogen des alten Judenhasses uns mit gewaltigem Anprall über dem Kopfe zusammenschlugen, in den Büchern der Chronik lesen werden, so wird man zwei Dinge unserm kämpfenden und leidenden Geschlecht zur Ehre anrechnen. Das Eine: der Aufbruch zu neuen Zielen, der aus dem Kopfarbeiter den Landwirt (wie gut kennen wir Zionisten dies Schauspiel!) und etwa aus dein Anwaltschepaar in neuem Lande den Chauffeur und die ... Köchin sich wandeln hieß. Das Andre aber ist: daß inmitten peinvoil drangen der Wirtschaftsnöte, die sich von Tag zu Tag, von Verfügung zu Verfügung verschlimmern, doen dem großen Teile der jüdischen Massen — vielleicht mehr noch als den Führern der Gemeinschaft! — Eines als zentrales Problem erscheint: _ die Not unsrer Schulkinder. — Gewiß, es gibt Wohlmeinende genug unter unsern Führern, die der Ansicht sind, es gäbe jetzt drängendere Fragen zu lösen; die immer wieder versichern, jetzt sei Zaudern besser als Handeln. Sie sollten dorthin kommen, wo die Not und die Sehnsucht ihrer Wähler sich ausspricht; vielleicht hätten sie — mit «allem schuldigen Respekt sei es gesagt — dort noch manches zu Jemen. Am Sonntag Vormittag strömte eine große Menge Mensehen, Männer wie Frauen, in das Kino Alhambra aip Kurfürstendamm, um dort Rabbiner Dr. Prinz und Kurt Binmenfeld über die Frage, die in aller Munde lebt, sprechen zu hören: Was wird aus unsern Kindern? Prinz, der sich in unermüdlichem Eifer schon mehrere Male in den vergangenen Wochen (s. ״J. R.“ Nr. 39) zur Besprechung dieser Frage zur Verfügung gestellt harte, umriß diesmal schärfer noch als sonst drei Typen aus der Vergangenheit, der Zeit des wirtschaftiichen Aufstiegs und der völligen Entjudung. Vielleicht nicht ohne manche Ungerechtigkeit gegen die eine oder die andere Gestalt vollkommenen Judentums, die auch in dieser jetzt vielgeschmähten Zeit aufgiänzte. Dennoch hatte er recht, wenn er die uns allen wohlbekannten Gesichter der ״Taufjaden“ und der Juden, die ihr Judentum zeitlebens beflissen zu verstecken bestrebt waren, neben die Wenigen stellte, die schon damals nach einer Einheit zwischen Deutschtum und Judentum suchten . . . und, wie im Falle Walter Rathenaus, daran zerbrachen. Den Weg zur Erkenntnis unsres eigenen Volkstums, das wir stolz und ohne Ressentimant neben jedes andere Volkstum stellen dürfen, zeigt unseren Kindern nur die neue Jüdische Schule, die nicht mehr das bürgerliche Ideal der allgemeinen Bildung anstrebt, sondern neben der Erkenntnis unsrer eignen Quellen und ihres Wertes, die im Mittelpunkte stehen wird, praktische Berufe, Handwerker und Bauern, in weit höherem Maße als bisher hervorbringen wird. — Kurt Blumen feld fügte zu diesen programmätisehen Worten die Erkenntnisse eines Lebens, das über die Schicksale der Juden an allen vier Enden der Erde vielleicht die größte Erfahrung gesammelt hat. Gewiß, die Einheit der Juden in der ganzen Welt hat unser eignes Judcnschicksal wieder einmal in erschütternder Weise erwiesen. Nicht genug anzuerkennen ist die Hilfsarbeit, die überall, in fast allen Ländern der Erde, für jüdische Flüchtlinge geleistet worden ist und noch geleistet wird. Aber bei aller dieser Bereit- Willigkeit zur Hilfe hat sich doch in kaum einem dieser Länder die Möglichkeit zu einer Existenz für die Flüchtlinge gezeigt, was nicht nur die Staaten, sondern auch — und besonders deutlich — die Juden dort bald scharf zum Ausdruck febracht haben, ״Jeder Einwander macht hinter sich die üre zu“. — Nur ein Land bietet einem großen Teile unserer aus ihren Existenzen vertriebenen Menschen eine Heimat: Erez Israel. Deshalb gilt es fiir uns alle, wenn auch nicht alle von uns hinaufziehen können: für unsre Kinder Platz zu schaffen auf eignem Boden. Am 29. Mai, abends, vereinigte dann eine Sitzung der ״Wissenschaftlichen Vereinigung Jüdischer Lehrer und Lebrerinnen“ im Gemeinde-Hause in der Rosenstraße, die ebenfalls so gut besucht war wie sonst selten, diejenigen jüdischen Menschen, in deren Hand das zukünftige Schicksal unsrer Kinder zum guten Teile liegt, zu einer Beratung über die Gestalt der Neuen Jüdischen Schule. Studiendirektor Dr. G u t m a n n, der die Sitzung leitete, gab zunächst einen Ueberblick über die Verhandlungen, die bis jetzt zwischen den Gemeindeführern und der Regierung stattgefunden hatten — leider konnte das Ergebnis einer am gleichen Tage vorgenommenen Besprechung noch nicht mitgeteilt werden — und der Verfügungen, die ja allbekannt sind und unser zukünftiges Schulsystem erheblich einschränken. Ein Volksschullehrer berichtete Ergreifendes von der Lage in den Gemeindeschulen, die zum großen Teil das Schulleben unsrer Kinder zu einem Leidenswege machen, dem wir sie nicht aussetzen dürfen, ohne ihr Empfindungsleben zu verbiegen. Als Schlimmstes vielleicht erschien dem Referenten (Büchler) die häufig eintretende Stumpfheit, die als Ergebnis so vieler Kränkungen und Angriffe und besonders des Gefühls der Rechtlosigkeit, dem unsre Kinder ausgesetzt sind, häufig beobachtet wurde. Dagegen schützt das Kind heute nur die Jüdische Schule. Um so dringlicher erschien nach diesen Worten ein Antrag der Direktorin Frau Schiratzky, die Gemeinde möge in der Volksschule Rykestraße neue Aufnahmeklassen gründen, da besonders in diesen Stadtteilen vielfach die kleinen Kinder ganz schutzlos den Angriffen der Umweit ausgesetzt seien. Man schritt dann zur Diskussion über die zukünftige Gestalt der Neuen Jüdischen Schule, die sich an ein Referat über den Buberschen Vortrag anschloß, das Dr. Ellen Littmann erstattete. Vom den drei Arten der Jüdischen Schule, die Buber gekennzeichnet hatte, wurde die erste — die Not- Stands-Schule, die nur formal ihren Namen trägt, weil sie jüdische Kinder und jüdische Lehrer, die anderswo nicht Unterkommen konnten, aufnahm — allgemein abgelehnt. Aber bei der Besprechung der beiden andern Arten, wie Buber sie Umrissen hatte, der Jüdischen ״Religions“schuIe, deren Zentrum deutsche Kultur und Geschichte bildet, und der Dritten, der ״wesensjüdischen Schule“ — da schieden sich die Geister. Es ergab sich, daß die Schulmänner der älteren Generation, zumeist bewährte Kräfte, die selbst aus jüdischen Schulen hervorgegangen waren und heute jüdische Schulen leiten,• fast durchgängig für jenen alten Typus der jüdischen Schule eintraten, in welchem das jüdische Element durch den ״Reli- S'onsunterricht“ vertreten und alles Andre durch deutsche eschichte und Kultur bestimmt wird. Dagegen traten die jungen Lehrer, ob sie nun aus dem Lager des Zentralvereins oder der Zionisten kamen, einhellig für die gesamtjüdische Schule ein. — Als Ergebnis des Abends wurde eine Kommission bestimmt, die den Lehrplan dieser zukünftigen jüdischen Schule ausarbeiten sollte. Der Antrag Schiratzky auf Schaffung neuer Volksschulklassen wird an die Gemeinde weitergeleitet. Von andrer Seite hören wir, daß sich auch ekle große Anzahl der in verschiedenen Teilen Berlins tätigen Schulberatungsstcllen aus ihrer Kenntnis der Zustande heraus diesem Anträge angeschlossen haben — vielmehr: den gleichen Antrag an die Führer der Jüdischen Gemeinde Berlin gerichtet haben. JÜDISCHE RUNDSCHAU Wir gingen durch die Nacht nach Hause, noch das schöne Bild einer geeinten jungen jüdischen Generation als ein Symbol des Trostes und der Hoffnung vor Augen ... Da grinsten von den Anschlagsäulen die Anschläge des Verbamdes Nationaldeutscher Juden: jüdische Hände, die von neuem Zwietracht in die eng geschlossenen Reihen tragen wollten. ״Ich glaube, wir verdienen unser Schicksal!“ sagte der Eine. Aber der Andre schüttelte den Kopf: Das Alles, meine Freunde, ist uns schon einmal geschehn . . . Nicht anders war’s, als der Tempei brannte und Joseph ben Matthias, der sich später Flavius Josephus nannte, sein Volk verriet . . Und die Lehren der Geschichte leuchteten uns durch die Zeiten. Bath HilTeL Seite 243 Jakob Wassermann und die Judenfrage Von unserem Prager Korrespondenten. h. 1. Prag, 1. Juni 1933. Auf einem Begrüßungsabend des Prager PEN-Klub für Jakob Wassermann hielt Max Brod eine Rede, in der er das Problem des jüdischen Dichters im deutschen Kulturkreis behandelte, wobei er u. a. aitsführte: ״In aller Ehrfurcht vor dem großen Erzähler Wassermann will ich bekunden, daß sein Weg und der meine an einer allerdings bedeutenden Stelle sich trennen oder doch, wenn ich seine Aeußerungen richtig verstehe (sie sind der Ent- Wicklung seiner Jahre gemäß nicht durchaus übereinstimmend), oder doch sich zu trennen scheinen. Diese Stelle ist die Juden frage. Sie müßte nicht berührt werden, nähme sie nicht in Wassermanns Werk eine zentrale Position ein, hätte er nicht selbst immer wieder erklärt, mit welcher Leiden- Schaft er um die Klärung gerade dieser Lebensfrage gerungen hat. Auch hier überdies, wo wir auseinandergehen, gibt es weitgehende Uebereinstimmung. Denn indem Wassermann den jüdischen Literaten gezeichnet hat, hat er ihn als losgelöst von seiner Ahnenschaft, vom Geheimnis seines Blutes, als Kosmopoliten, als Gottlosen beschrieben. Und in Wassermanns Brief an Buber (im Prager Sammelbuch ״Vom Judentum“ 1913 — A. d. R.) heißt es weiter: ״Wo sich hingegen der einzelne Jude wieder des großen Zusammenhangs bewußt wird, wo er im Schoß der Geschichte, der Ueberlieferung ruht, wo ewige Symbole ihn tragen, tirewige Blutströme ihm Adelsbewußtsein verleihen und zugleich alles Errungene und Erworbene organisch damit verschmilzt, da mag er wohl den Weg zu Göttlichem finden.“ Dies ist es, was Wassermann im Gegensatz zum ״literatenhaften“, den , mythischen“ Juden genannt hat. Das klingt ja sehr schön, beinahe zionistisch. Ich unterstreiche das ״beinahe“ — denn dies ist der Punkt, in dem es ein Kompromiß nicht gibt. Wassermann anerkennt die Vergangenheit des Juden, aber nicht eine jüdische Volks- Zukunft. Im Deutschtum aufgehen, in reiner Menschheit aufgehen, das wünscht er. Er sieht nicht (oder hat wenigstens bisher nicht gesehen), daß der Glaube und die Arbeit, die auf eine jüdische Volkszukunft hinzielen, durchaus vereinbar sind mit einer verelmirigsvollen, organisch freundschaftlichen, liebenden Beziehung zur deutschen Kuliur, eine Identifikation mit dem Deutschtum halte ich allerdings für unmöglich, wohl aber eine klare, offene Freundschaft zu den Deutschen (und analog zu den anderen Völkern, deren Sprache der Jude spricht). Verzeihen Sie, daß ich persönlich geworden bin, indem ich das mir nächstiiegende Allgemeine auf leidenschaftlichstc und offene Art ergriffen habe. Diese Leidenschaff, diese Offenheit glaubte ich einem Manne schuldig zu sein, wir alle sind sie ihm schuldig■, ihm, der nie anders als mit Leidenschaft, mit Offenheit zu uns gesprochen hat.“ Wassermann wußte darauf in seiner Antwort nichts anderes zu sagen, als ״er sei der Ansicht, daß man, wenn man sich sein ganzes Leben mit diesem Problem geplagt habe, an einem literarischen Festabend denn doch seine Ruhe haben wolle“. Auch bei einem öffentlichen Vortragsabend streifte Wassermann nur ganz gelinde die Judenfrage, zu der er heute, allem Anscheine nach, nichts zu sagen hat. Konzerte jüdischer Musiker Eine sonderbare Mischung von Empfindungen wurde in den Herzen der zahlreichen Besucher der Synagoge Prinzregentenstraße wachgerufen, als die unter dem Zwange der Notwendigkeit spontan geschaffene Gemeinschaft jüdischer Musiker ihre ersten beiden Konzerte veranstaltete. Ls waren nicht Konzerte i!n hergebrachten Sinne, beide Veranstaltungen waren vielmehr eine Art Gottesdienst. Schon von uralter Zeit her, auch schon in den Anfängen jüdischer Geschiehte gehörte Musik und Gottesdienst eng zusammen. Als — nach Einladung durch Rabb. Baeck - - unter Dr. Kurt Singers umsichtiger und hingehender Führung der Chor Franz Schuberts Hallelujah vortrug, als Paula L i n d b e r g aus Handels Judas Makkabaus den erschütternden Worten ergreifenden Ausdruck verlieh: ,,Vater des Alls, gib uns der langen Knechtschaft Lohn, Dann tönt Dir Deines Volkes Dank, Dann quillt die Lust aus jeder Brust In jauchzendem Triumphgesang“ — da war unter den andächtigen Hörern niemand, der nicht gefühlt hätte, mit welch echter Kunst des Genies der deutsche Meister den jüdischen Inhalt vertont hat. Und Michael Taube, der sich in den letzten Jahren als wahrer Meister des Taktstockes bewährt hat, gab in einer wahrhaft vollendeten Aufführung unter anderem in Beethovens 5. Symplionie den Beweis, daß nicht nur dieses unsterbliche Werk des Meisters der ganzen Menschheit gehört, sondern auch der Jude es zu einem echten Erlebnis zu gestalten vermag. In der zweiten Veranstaltung, in welcher ebenfalls Michael Taube als Orchester-Dirigent und Dr. Kurt Singer als Chor-Dirigent ihr Bestes gaben, durften wir unserm Meister Lcouid Kreutzer lauschen, unter dessen Händen Mozarts B-Dur-Klavierkonzcrt mit der ganzen Lieblichkeit dieses licrrliehen Werkes erklang. Bewundernswert, wie dieser ganz große Künstler auch unter den akustisch leider nicht sehr giinstigen Verhältnissen, insbesondere in der unnachahmlich gespielten Kadenz sich seiner Aufgabe entledigte. In dem H-Moü- Concerto grosso von Händel, das unter Michael Taubes Leitung atifgeführt wurde, verdient das Solo-Quartett von Barnes ff. Violine), Edmund Pariosch (II. Violine), H ei mann Weil! (Solo-Cello) und Gertrud XV e r t h c im (Cembalo) ganz besondere Anerkennung. Nicht weniger das Solo-Rezitativ von Ruth (] ] a 111, und nicht zuletzt waltete Erwin lospe in bewährter Umsicht seines Amtes. Wenn Herr Rabbiner Dr. Wiener als einleitendes Wort der zweiten Veranstaltung betonte, daß die Leistung des Juden auch auf dem Gebiet der Kunst in Zukunft mit besonderer Strenge gewertet werden muß, so darf matt als Fazit der Veranstaltungen mit Recht sagen, daß sie auch der strengen Kritik sfand/ubalten imstande waren, und es wäre durchaus zu wünschen, wenn die Gemeinschaft jüdischer Musiker in weiteren Konzertaufführungen weitesten Hörerkreisen ihre Leistungen zeigen würden, so daß in ähnlicher Weise, wie gelegentlich der feierlichen Einweihung des Freilicliffheaters der hebräischen Universität in Jerusalem der Kanzler der Universität, Dr. I. S. Alagues, ausf iilireri konnte, als dort das Oratorium ״Judas Makknbätis“ aui'igefüfirt wurde, daß diese Veranstaltung ״ein Symbol der Hoffnung und der Ermutigung für unsere Brüder in Deutschland“ werden möge, auch in den Seelen unserer Stammesgenossen wieder Hoff-!uing und Freude Wiedererstehen könnte. S. H i 1 d e s b e i m e r. Aktion des International Student Service Der International Student Service hat ein CommuniquÄ veröffentlicht, das im ■wesentlichen lautet: Als Ergebnis internationaler Verhandlungen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben, wurde einmütig beschlossen, daß der International Student Service (LS. S.) die Betreuung derjenigen Studenten übernehmen solle, die ihre Studien in Deutschland aufgegebet! haben. Angesichts der allgemeinen Arbeitslosigkeit und der durch die bereits vor sich gehende Wanderung von Juden in die meisten Länder Westeuropas verursachten besonderen Schwierigkeiten wird I. S. S. die finanzielle Unterstützung, die er Studenten zwecks Fortführung ihrer Studien gewähren will, auf 200 bis 300 Studenten beschränken, die eine Begabten-Auslese darstellen sollen und die sich in ihren letzten Universitäts- Semestern befinden. I. S. S. erörtert bereits mit der Zionistisehen Organisation die Möglichkeit, von diesen Studenten so viel wie irgend möglich in Lehrinstitutionen in Palästina unterzubringen. Es versteht sich, daß diese ausgewählte Gruppe nur einen kleinen Teil der Gesamteinwanderung darstellt, und daß eine große Zah! Studenten noch in Deutschland verbleibt. I. S. S. sammelt bereits Informationen hinsichtlich der diesen Studenten von den verschiedenen Universitäten gebotenen Studt'umsniögHchkeifen. In den meisten Fällen wird es nötig sein, daß diese Studenten ihr Studium wechseln und sich auf technische und andere Berufe anstatt auf Jura, Medizin oder Nationaiökonomie einstellen. Kleine Nadiiidiien König Car0 1 II., der zu kurzem Aufenthalt in Czern o w i t z eingetroffen ist, hielt auf einen! ihm zu Ehren veranstalteten Bankett eine Ansprache, in der er u. a. darauf hinwies, daß in der Bukowina die rumänische Bevölkerung friedlich mit der jüdischen zusammen lebe. Diese Tatsache erfülle ihn mit Freude und Stolz. Der Präsident des jüdischen Parlamentsklubs in Rumänien, Dr. Mayer Ebner, dankte dem König für die warmherzigen Worte, die er für die jüdische Bevölkerung Rumäniens gefunden habe. Die Jüdische Gemeinde Kopenhagen hat ein Komitee gebildet, dessen Aufgabe es ist, junge Chaluzim, die aus Deutschland kommen und nach Palästina gehen wollen, für ein Jahr als Landwirtschaftsschüler aut dem Lande unterzubringen. Ferner wurde von der Gemeinde eine großzügige Geldsammlung eingeleitet. In Constantlne in Algerien ist es zu schweren anti- Jüdischen Unruhen gekommen. Polizei und Militär mußten herbeigerufen werden, um die Ruhe wiederherzustellen. Truppen bewachen das jüdische Viertel. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Das Büro des Emir Abdullah veröffentlichte in diesen Tagen eine Erklärung, in der den Behauptungen der palästinensischen Presse, wonach der Emir die Bemühungen der Zionisten, Transjordanien für die jüdische Einwanderung zu erschließen, unterstützt, entgegengetreten wird. Entlassungen an der Berliner Staatsoper Der Dirigent Otto Kiemperer, der kurz nach der Staatsumwälzung beurlaubt worden war, und noch einen vierjährigen Vertrag mit der Staatsoper hafte, erhielt Sonnabend, kurz vor einem Konzert, das er in Budapest gab, die Mitteiiung, daß seine Stellung als Generalmusikdirektor und Kapellmeister an der Berliner Staatsoper zum 30. Juni d. J. mit sofortiger Wirkung gekündigt sei. Kiemperer entstammt einer jüdischen Familie, ist aber vor vielen Jahren zum Katholizismus übergetreten. Ebenfalls auf Grund des Beamtengesetzes verläßt auch Kapellmeister Fritz Zweig die Staatsoper, ferner vier Korrepetitoren und ein Inspizient. Von den Künd i gungsmaßnahmen sind noch betroffen worden die Sopranistinnen Tillv de Garmo, die Gattin Zweigs, und Lotte Schöne, ferner der Tenor Marcel Noe. Sämtliche Ausscheidenden sind Nichtarier. Eine Ausnahme wurde nur für Generalmusikdirektor Leo Blech gemacht, der bereits seit über 25 Jahren dem Hause angehört und schon von Kaiser Wilhelm zum Generalrausikdirektor ernannt worden war, ferner fiir die beiden Bassisten Ernanucl List und Alexander Kipnis, deren Verträge noch ein Jahr laufen. Selbstanzeige, ln diesen Tagen erscheint int Verlage von Siegfried Schoiem, Berlin-Schöiiebcrg, Hauptstr. S, ein kleines Buch unter dem Titel ״N e u h e b r ä i s c 11 schnell ge. lernt“ (Preis 2,85 RM.), dessen Verfasser ich bin und. dessen Erscheinen ich mit einigen kurzen Bemerkungen einleiten möchte. Das Buch ist entstanden aus Sehnellkurscn, die die Not der Zeit erforderte und die den Versuch machten, im Rühmen von etwa!5 Lektionen dem Anfänger über die ersten Schwierigkeiten des Neuhebräischen hinwegzulielfcn und ihn soweit zu {ordern, daß er sich einigermaßen verständigen kann. Es handelt sich nicht, oder jedenfalls nicht allein, um einen sog. Sprachführer, sondern gleichzeitig um ein Uebungshuch für Kurse und Selbstunterricht. Das Buch besteht aus drei Teilen: 1. einer Grammatik, die mit Einzelheiten nicht beschwert ist, sondern das Wesentliche so instruktiv und einleuchtend herauszuarbeiten sucht, daß Lehrer lind Selbstierner gleicherweise mit ihm fertig werden können; 2. einer Einführung in die wichtigsten Begriffe der Gespräch sw eit des neuen Palästina in methodisch aufgebauten Dialogen und Gesprächs- Übungen. Jedem Uebungsgespräch ist eirx Vokabelschatz der wichtigsten Begriffe aus dem Gebiete des betreffenden Gesprächs vorangesetzt, damit auf seiner Kenntnis dann das Gespräch aufgebaut und durchgeführt werden kann; 3. ein deutschhebräisches Lexikon von 2000 Worten und Begriffen des praktischen Lehens. Rabbiner Dr. Emil Cohn. Jüdische Geschichte von Joachim Prinz. Auslieferung Joset Singer Verlag A.-G., Berlin W 57. OL. 2,85 M. In drei großen Abschnitten gibt Joachim Prinz einen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung des Judenhitns, angefangen bei der Antike, über das ״Traditionsjudentum seit Esra“ wie er es nennt, bis zur ״Gheftodämmeruug“. In der vorliegenden Ausgabe liegt die übersichtlichste und zugleich billigste Geschichte des jüdischen Volkes vor. Die ״Prager Presse“ schrieb darüber: ״Es ist der beste, lebendigste und zuverlässigste Führer durch die jüdische Geschichte.“ Der Band ist 280 Seiten stark, versehen mit einer ausführlichen Bibliographie, einem Register, und ausgestattef mit 16 Bildtafeln auf bestem Kunstdruckpapicr, — Wir werden auf das Werk noch zurückkommen. Laut Mitteilung der Esperanto-Gesellschaft in Jerusalem wird der nächste Esperantokongreß voraussichtlich noch in diesem Sommer in Palästina stattfinden. t

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