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Jüdische Rundschau · 1933-06-09 · Heft 45-46 (9.6.1933) · p. Seite 244

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 45-46 (9.6.1933)
Date
1933-06-09
Page
Seite 244 (sequence 6)
Language
German
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Seite 242 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 45/46, 9. VI1933 Eine nationalsozialistische Stimme In der ״Deutschen Akademischen Runds c h a u“ berichtet Ulrich K e r s t e n, einer der Führer der nationalsozialistisch eingestellten Deutschen Studentenschaft, ausführlich über den Leydener Kongreß des Weltstudentenwerkes im April dieses Jahres, Sehr interessant ist der auf Judenfrage und Zionismus bezügliche Teil des Berichts. Kersten schreibt darüber (Sperrungen von uns. Red. d. ״Jüd. Rund sch.‘:(׳ ״Einen breiten Raum in den Erörterungen nahm die Judenfrage ein. Es ist ja keineswegs so, daß die Opposition des Auslandes gegen die Maßnahmen der dcutsehen Regierung gegen das Judentum nur aus j ü d i - sehen oder von Juden beeinflußten Quellen genährt wird. Der liberale Ausländer betrachtet diese Maßnahmen ais einen Angriff gegen die Rechte des Individuums; die ihm als höchster wert im menschlicher: Leben erscheinen, und diesen Angriff lehnt er innerlich — und oft auch nach außen — so entschieden wie nur irgendmöglich ab. Der deutsche Standpunkt in der Judenfrage wurde in Leyden von Herrn Dr. von Leers in einer ausgezeichneten Rede, fast möchte man sagen Vorlesung, dargelegt. Seine Ausführungen wurden sehr wirkungsvoll von dem Führer der englischen Abordnung, Professor Qtrillbaud, ergänzt, der eine sehr gute Analyse des deutschen Antisemitismus gab. Das Bestehen einer Judenfrage in Deutschland und die Notwendigkeit ihrer Lösung wurde schließlich von der Mehrzahl der Delegierten anerkannt, aber das ״Wie“ dieser Lösung wurde überwiegend abgelehnt. Von deutscher Seite wurde immer wieder darauf hingewiesen, daß die bisher ergriffenen Maßrrahrnen nur der Abwehr eines IJeberhandnehiriens des jüdischen Geistes in unserem Vaterlande dienten; eine positive Lösung der Judenfrage liege darin bestimmt noch nicht. Sie könne nur int ernational dadurch erreicht werden, daß man dem seit zweitausend Jahren ruhelos durch die Welt wandernden Ahasver einen Platz gebe, an dem er sich zur Ruhe setzen könne, das hei 14t, man müsse dem jüdischen Volke ein Territorium zur Verfüg u n g steilen, in dem es wie jedes andere Volk der Erde auch seinen eigenen Staat bilden kön ne. D er Grundgedanke des Z i o - nismus sei richtig, mir sei Palästina ans klimatischen und technischen Gründen nicht zur Verwirklichung dieses Gedankens geeignet. Es war bezeichnend, daß bei aller Kritik, die man von ausländischer Seite gegen die von Deutschland bisher getroffenen Maßregeln vorbrachte, eine Erörterung dieses einzigen positiven Vorschlags zur Lösung des Problems völlig unterblieb. Nur eine Ausnahme ist zu verzeichnen: Der Vertreter der jüdischen Studenten Hollands, der Zionist Leser, entwickelte Oedankengänge, die mit den unsrigen völlig übereinstimmen. Er stellte — entgegen den von der Mehrzahl der ausländischen Teilnehmer vertretenen Ansichten -- fest, daß die Juden eine eigene Nation seien, daß sie niemals völlig von ihren Gastvötkem assimiliert werden konnten, und daß eine Lösung der Judenfrage nur auf territorialem Wege möglich sei. So ergab sich die eigenartige Tatsache, daß unser einziger Bundesgenosse in der Judenfrage selbst ein Jude war! Diese Tatsache ist bemerkenswert, weil sie den Weg weist für die weitere Behandlung des Problems durch unsere amtlichen Steilen: Bisher haben wir in dieser Angelegenheit das Judentum der ganzen Welt und einen guten Teil aller übrigen Nationen gegen uns. Es kommt darauf an, den Zionismus für uns zu gewinnen, und mit ihm alle Kräfte, die seinen Be- Strebungen wohlwollend gegenüberstehen, Kräfte, die vor allem in den angelsächsischen Ländern erheblichen Einfluß besitzen. Eine wirkliche Lösung der Judenfrage, das beißt, die Befreiung der Nation von dem Fremdkörper des Judentums durch seine Ausgliederung aus den Reihen seiner Gastvölker, wird niemals gegen, sondern nur mit dem Judentum erreicht werden.“ Aus dieser Darstellung, gegen die wir gewiß manches einzuwenden haben, geht hervor, daß in nationalsozialistischen Kreisen die Ueberzeugung um sich greift, daß die Judenfrage nur durch positive Maßnahmen gelöst werden kann. Da diese Kreise bisher die Judenfrage wahrscheinlich sehr einseitig gesehen und niemals das innerjüdische Problem gewürdigt haben, liegt es nahe, daß sie jetzt auch den Zionismus etwas zu mechanisch betrachten. Die Erkenntnisse, die Ulrich Kersten in seinem Aufsatz ausspricht, geben aber eine Grundlage zur Diskussion, da der Verfasser sich dessen bewußt ist, daß die Judenfrage niemals gegen, sondert! nur mit den Juden gelöst werden kann. Leider wurde der Versuch, eine konstruktive Lösung im Einvernehmen mit tlcn Juden zu finden, bisher noch nicht gemacht. Wenn Kersten sich in seinem Aufsatz direkt an die amtlichen Stellen wendet, so ist damit ein Gedanke ausgesprochen, der gerade dem zionistischen Teil des Judentums seit Jahrzehnten geläufig ist: Die Judenfrage muß in gilt- 1 i c h e m Einvernehmen zwischen d e n nichtjüdischen Völkern und den Juden behandelt werden. Alles weitere kann sich dann ergeben, wenn die Beteiligten guten Willens sind und wenn vor allem die Juden selbst entschlossen sind, ihre Kraft für eine positive und ehrenvolle Lösung einzusetzen. Gegen jüdische Rechtsanwälte Die ״National• Zeitung“, Duisburg, berichtet in ihrer Ausgabe vom 30. Mai unter der Lieberschrift ״Volksprotest gegen jüdische Rechtsverdreher“: ״Kaum war es bekannt geworden, daß die nach einer Verfügung des Reichsjustizministers wieder zur Amtsführung zugelassencn jüdischen Rechtsanwälte am Montag ihre Tätigkeit am Duisburger Amts- und Landgericht wieder in Person aufnehmen würden, als sich auch schon vor den Zugängen des Gerichts an der Königstraße und am Königsplatz erregte Menschenmassen ansammclten, die ihrem Unwillen über das Wieder erscheinen der Juden an üerichtsstelle laufen Ausdruck verliehen. Währenddessen begannen im Gcrichtsgebäuile selbst in den verschiedenen Zivilsitzungssälen die Verhandlungen, bei denen mehrere Parteien erstmalig wieder seit der Sperre durch jüdische Anwälte vertreten waren. Degen 10 Uhr drangen die Demonstranten spontan in das Gebäude ein und durchzogen die Korridore mit lauten Protestrufen, in die sich immer wieder die Forderung mischte: ״Juden heraus!“ Verschiedene Anwälte jüdischer Abstammung zogen es vor, freiwillig und fluchtartig das Gebäude durch den Keller zu verlassen, nachdem sie vorher Ihr« Zuflucht in allen möglichen Verstecken gesucht hatten. Einzelne, darunter die Rechtsanwälte Levy, Simon, Dr. Kaufmann 1, Katzenstein und Löwenberg, wurden durch die sich immer mehr vergrößernden Menschenmassen aus den Sitzungssälen gefegt. Dem Eingreifen des Pg. Rechtsanwalt Dr. Winkler gelang es, jede Gewalttat zu vermeiden. Er brachte persönlich den auch mit Wissen und Willen des Nationalsozialistischen Juristenbundes bei den Duisburger Gerichten ־— dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung im Verhältnis zur Gesamt- Bevölkerung entsprechend — zugelassenen jüdischen Anwalt Dr. Cohn aus Runrort unter sicherer Bedeckung aus dem Oebäude heraus, worauf die Menge, nachdem sie sich überzeugt hatte, daß in keinem der Sitzungssäle ein Jude mehr amtierte, sich ruhig und geordnet zurückzog. Der Vorgang ist ein Beweis dafür, daß die Anordnung des Reichsjustizministeriums dem Volks willen, der sich die Erfolge der nationalen Revolution nicht in das Gegenteil verkehren lassen will, nicht entspricht. Gegen viele der jüdischen Anwälte wird zudem der Vorwurf wucherischer und unbarmherziger Ausbeutung ihrer Klienten und ihrer Gegnerschaft erhoben und man verlangt stürmisch eine andere, der Verhältniszahl gerechter werdende Regelung der Anwaltsfrage.“ Es ist zu erwarten, daß das Ministerium Vorkehrungen treffen wird, um die von ihnj angeordnete Regelung der Anwaltsfrage durchzusetzen, da nach den letzten wiederholten Erklärungen von Regierungsmitgliedern gegenwärtig, nach Abschiuß der nationalen Revolution, Eingriffe Unbefugter in die Verwaltung und Rechtspflege nicht geduldet werden sollen. Die Anwälte in Oberschlesien Im Zusammenhang mit der Genfer Diskussion über die Auswirkungen der Arier-Paragraphen im obcrsclrlesisehen Abstimmungsgebiet hat der Preußische Justizminister die Anordnung getroffen, daß die Entscheidung über die Vertretungsverbotc gegen Rechtsanwälte dieses Gebietes vorläufig ausgesetzt bleibt. Es handelt sich dabei um eine vorläufige Maßnahme; bi« zur endgültigen Entscheidung können die in Betracht kommenden Anwälte weiter tätig sein. Diese Anordnung ist noch vor dem Abschluß der Genfer Debatte erfolgt. Sie hat in den Kreisen der NSDAP, anscheinend starke Mißstimmung hervorgerufen. Dies geht aus einem Aufruf hervor, der in der ״Deutschen Ostfront“ (Gleiwitz) am 3. Juni veröffentlicht ist. Darin heißt es: ״die internationalen Gegner der deutschen Revolution wollten den ausgeschalteten fremdartigen Elementen die Möglichkeit verschaffen, daß sie ihren zersetzenden Einfluß auf die deutsche Rechtsprechung wieder ausüben können. Die Herren «ollen sich getäuscht haben“. Es beißt dann in dem Aufruf weiter: ״Man kann unter Berufung auf das Genfer Abkommen vielleicht den Maßnahmen des Gesetzgebers und der Verwaltungsbehörden Schranken auferlegen, nicht aber auch den Unterlassungen der de nts ch b e wu ß t e n Bevölk. e r u n g. Es ist selbstverständlich, daß die Anordnungen des Ge- «etzgehers auch von den Aktivsten innerhalb unserer Bewegung respektiert und den vom Gesetzgeber begünstigten fremdrassigen Richtern, Anwälten und Notaren bei Ausübung ihres Berufs keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden. Da« bedeutet aber nicht, daß darüber hinaus durch tätige Mitwirkung deutscher Volksgenossen das nationalsoz.ialistische Programm der Befreiung des deutschen Rechtslebens von allen fremdrassigen Elementen sabotiert werden darf. Das bedeutet nicht, daß es den Nationalsozialisten und den anderen auf dem Boden der nationalen Revolution stehenden deutschen Volksgenossen gestattet ist, vorn sich aus durch Inanspruchnahme fremdrassiger Anwälte und Notare diesen die Möglichkeit zu geben, ihren zurzeit ausgeschalteten Einfluß auf das deutsche Rechtsleben wiederzugewinnen. Man glaube nicht, daß derartige Sabotageakte gegen die nationale Revolution im geheimen betrieben werden können. Die Gerichtsverhandlungen sind öffentlich. Jeder einzelne deutsche Volksgenosse, der sich vor Gericht durch einen fremdrassigen Anwalt vertreten läßt, wird in Zukunft in geeigneter Welse fest gestellt und vermerkt werden. Und genau so wie gegen jeden Parteigenossen als solchen rücksichtslos vorgegarigen wird, von dem sich feststellen läßt, daß er seine Einkäufe in nichtdeutschen Geschäften tätigt, wird auch gegenüber dort Parteigenossen verfahren werden, die sich zwar nach außen hin zum Programm des Nationalsozialismus bekennen, in Wirklichkeit aber ein Verhalten an den Tag legen, durch dessen Auswirkungen einer der wichtigsten Punkte dieses Program ms sabotiert wird. Es wird aber auch darüber hinaus von allgemeinem Interesse sein, schon jetzt die Namen derjenigen deutschen Volksgenossen festzustellen, die durch ihr Verhalten zum Ausdruck bringen, daß sie die erneute Auslieferung des deutschen Rechtslehens an fremdrassige Einflüsse wünschen und fördern. Der jetzt unternommene Versuch, den Völkerbund zu einem Eingreifen zugunsten der fremdrassigen Elemente in unserer oberschlesischen Heimat zu veranlassen und auf diese Weise der nationalen Revolution, der deutschen Freiheit*- bewegung bei ihrem Kample um die Ausscheidung aller fremdstämmigen Einflüsse aus dem deutsehen Geistes- und Wirtschaftsleben in den Arm zu fallen, muß zu einer bedeutungslosen Geste werden, wenn die dcutschbewußte Bevölkerung durch freiwillige Selbstdisziplin vollzogene Tatsachen dadurch schafft., daß sie alles unterläßt, was dem Ziel dieses Kampfes entgegensteht Den alteingesessenen deutschen Staatsbür p e r n fremder Rasse soll es nicht verübelt werden, wenn sie sich untereinand er gegenseitig unterstützen, um, soweit sie ihrer Veranlagung nach, ohne die Belange der deutschen Volksgenossen zu beeinträchtigen, hierzu in der Lage sind, zu versuchen, sich ein selbstfindiges kulturelles und wirtschaftliches Eigenleben zu schaffen. Jeder deutsche Volksgenosse aber, der darüber hinaus aus eigener freier Entschließung durch sein Verhallen die Hand zu weiteren Konzessionen bietet, begeht Verrat an der nationalen Revolution. Kreisleitung Beuthen der NSDAP.: gez. Schmieding. Kreisleitung Gleiwitz der NSDAP.: gez. Heukeshoven. Kreisleitung Hindenburg der NSDAP.: gez. Podolski. Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen: gez. Braun, Bezirksobmann.“ Wir geben diesen Aufruf ausführlich wieder, weil sich hier besonders deutlich zeigt, daß nicht nur die geschriebenen Gesetze, sondern auch die Volksstimmung Jür die Stellung der Juden in Deutschland wesentlich ist. Besonders bemerkenswert ist auch der Schlußabsatz, in dem von den ״alteingesessenen“ Juden die Rede ist. Daraus können manche derartige alteingesessene Elemente, die sich auf Kosten anderer Juden besserstellen zu können vermeinen, eine Lehre ziehen. Entlassung in Österreich reditsunwirksam Die Gleichschaltung in der österreichischen UFA und ln der ihr zugehörigen ״Zentral-Kino-Gesellschaft“ hatte auch in Wien Kündigungen und Entlassungen jüdischer Direktoren und Angestellter zur Folge. Die Wiener Gewerkschaftskommission hat einzelne hervorstechende Fälle beim Staatlichen Einigungsamt angefochten, da eine Arbeitskündigung aus politischen und konfessionellen Gründen nach österreichischem Gesetz unzulässig ist. Der diese Klagen behandelnde Gerichtssenat hob die Entlassung von Juden als recktsunwirksam auf. Von der Woche Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Regierungspräsidenten darauf hin, daß alle Jugendpflege und Leibesübungen treibenden jüdischen Vereine und Organisationen aus den Orts-, Stadt-, Kreis- und Bezirksausschüssen für Jugendpflege auszuschließen, und daß ihnen auch jegliche Vergünstigungen zu versagensind. Im deutschen Reichsameiger wird heute unter dem Datum vom 2. Juni eine Verordnung über die Tätigkeit von Zahnärzte!1 und Zahntechnikern bei den Krankenkassen veröffentlicht. Danach endet die Tätigkeit von Zahnärzten und Zahntechnikern bei Krankenkassen, wenn sie nichtarischer Abstammung sind oder sich in kommunistischem Sinne betätigt haben. Solche Zahnärzte sind auch künftig von der Tätigkeit auf Kosten von Krankenkassen ausgeschlossen. Diese Bestimmungen gelten — analog dem Beamtengesetz — nicht für nichtarische Zahnärzte und -techniker, die bereits seit dem 1. August 1914 niedergelassen sind oder die im Weltkriege mitgekämpft haben oder deren Väter oder Söhne im Weltkrieg gefallen sind. Das thüringische Staatsministerium hat ein Gesetz erlassen, wonach die Genehmigung zur Zerschlagung eines Gutes oder zur Abtrennung einzelner Grundstücke von einem Gute zu untersagen ist, wenn dabei Personen nicht• arischer Abstammung mitgewirkt haben. Die ״Vossische Zeitung“ berichtet, ein gewisser Sollbach, der erst seit kurzem der NSDAP, angehört, sei verhaftet worden, weil er sich eigenmächtig zum Geschäftsfiihrer der ״Epa“ in Bielefeld ernannt und die jüdisehen Angestellten entlassen hatte. Damit habe er entgegen den wiederholten Anordnungen der nationalsozialistischen Betriebsorganisation eine Einzclaktion unternommen. Die Stadtverordneten von Gl atz beschlossen, allen Zeltungen, die Geschäftsanzeigen jüdischer Firmen veröffentlichen, die Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen zu untersagen. Das vom Reichsbanner zu Ehren des als Kriegsfreiwilliger 1914 an der Front gefallenen jüdischen Reichstagsabgeordneten Ludwig Frank errichtete Denkmal am Luisenpark in Mannheim ist jetzt auf Veranlassung der Stadt- Verwaltung entfernt und das Fundament eingeebnet worden. Bekanntlich war das Denkmal vor wenigen Wochen schwer beschädigt und die Gedenkplakette gestohlen worden. Einen ähnlichen Aufruf wie kürzlich die Wiesbadener Stadtverwaltung hat jetzt der Magistrat von Bad Homburg erlassen, ln der letzten Magistratssitzung wurde eine Erklärung beschlossen, in der jedem Kurgast, ״gleichgültig welcher Einstellung und Rass e“, ungestörter und sicherer Aufenthalt, sowie ״politische und konfessionelle Ruhe und durchaus gleiche Behandlung“ garantiert werde. AEG wehrt sieh gegen den Vorwort der Verfndnng Tn einer Versammlung sämtlicher nationalsozialistischen Betriebszellen der Berliner Werke und Büros der AEG berichtete Stadtverordneten Vorsteher Spiewok über die Umgestaltung des Unternehmens im Sinne der nationalsozialistisehen Idee. Er wandte sich gegen Machenschaften, die zur wirtschaftlichen Schädigung der AEG betrieben worden seien. Die Behauptung, die auch an die Mitglieder der Reichsregierung herangetragen worden sei, das Unternehmen wäre heute noch ״völlig verjudet“, sei in jeder Weise unzutreffend. In d«m Vorstand der Gesellschaft, der aus sieben Herren bestehe, befinde sich heute nur noch _ein einziger Jude. Das wolle etwas bedeuten für einen Betrieb, der von einem Juden gegründet worden sei und jahrzehntelang eine rein jüdische Führung gehabt habe. Soweit in den Betrieben noch Juden beschäftigt würden, handle es sich um Kriegsteilnehmer, deren Belassung im Sinne der Anordnungen des Führers liegen. Man dürfe auch nicht vergessen, daß die AEG fast die Hälfte ihrer Aufträge aus dem Ausland bekomme, auf das man angewiesen sei. Allerdings seien auch heute noch leitende Angestellte vorhanden, die von dem neuen Geist noch nicht einen Hauch verspürt hätten und sich als ״Saboteure am Aufbauplan“ erwiesen. Für diese sei in der AEG kein Platz. Audi io Frankreich . . . Die ״Cindmatographic Frangaise“, eines der bedeutendsten Fachblätter der französischen Filmindustrie, nimmt diese Woche sehr scharf Steilung gegen die Betätigung jüdischer F i 1 m 1 e u t e, die in den letzten Monaten infolge der Gleichschaltung In Deutschland ihren Wirkungskreis aufgeben mußten. ״Wir haben dagegen protestiert“, so schreibt das Blatt in einem großaufgemacirten Leitartikel, ״daß die Filmarbeit der deutschen Juden in Deutschland abgebrochen werden mußte, aber wir konstatieren mit zunehmender Unruhe, daß diese geschätzten Kollegen sich in Paris mit der Absicht niederließen, hier ihre Tätigkeit auszuüben. Wenn es sich datum handelte, mit neuen Kapitalien zu arbeiten, so könnte man das zulassen. Das aber scheint uns bei der augenblicklichen Situation Zentraleuropas eine Utopie. ... Vielmehr geht es diesen Fremden lediglich darum, sich in Frankreich um Stellungen zu bewerben. Wir zögern nicht, uns den Protest der übergangenen einheimischen Leute vom Fach zu eigen zu machen, und fordern, diese uner• wünschten Konkurrenten zu entfernen. Bei aller Sympathie, die wir mit den deutschen Film-Emigranten haben, ist es uns unmöglich, anders als mit dem Gegenseitigkeitsprinzip zu rechnen. .. James Loeb gestorben. Im Alter von 66 Jahren verstarb auf seiner Besitzung in Murnau der bekannte jüdische Philan• throp James Loeb, ein gebürtiger Amerikaner, der sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland, wo er sich im Jahre 1907 niedergelassen hatte, wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen in großzügigster Weise gefördert hat. 1888 war Loch nach Erwerbung des Baccalaureats in Cambridge in die von seinem Vater Salomon Loeb mitbegründete Bankfirma Kuhn, Loeb & Co. in New York eingetreten, schied jedoch, da sein Hauptinteresse seit jeher sozialen, politischen und pädagogischen Fragen galt, schon 1901 aus der Firma aus und widmete sich der Förderung der klassischen Philologie und humanistischen Kultur in Amerika, hauptsächlich mirch Gründung der ,,Loeb Classical Library“, einer Sammlung von Werken griechischer und lateinischer Schriftsteller im Urtext und in englischer Ueber- Setzung. In München, vo er sich, nachdem er 1905 nach Europa gekommen war, im Jahre 1907 niedcrließ, gründete er die später dem Kaiser-Wilhelm-Institut für theoretisch-psychlafrische Forschungen angegliederte Forschungsanstalt für P&ychiatrie. Während des Krieges entwickelte und finanzierte Loeb eine umfangreiche Hilfstätigkeit. Nach Kriegsschluß organisierte er die Versorgung der Säuglinge durch amerikanische Trockenmilch. 1922 ernannte ihn die Universität München zum Ehrendoktor, nachdem er schon früher von der Harvard- Universität das Ehrendaktordiplom erhalten hatte. James Loeb war auch Ehrenmitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

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