Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 45-46 (9.6.1933)
- Date
- 1933-06-09
- Page
- Seite 241 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 45/46 9. VI. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 239 Deutsch-jüdische Abgrenzung Im Zusammenhang mit der nationalen Revolution in Deutschland ist bekanntlich ein Kampf gegen den ״undeutschen Geist“, besonders von der Studentenschaft, eingelc' st worden, wobei es zu den Bücherverbrennun gen in Berlin und anderen Städten kam, die in der ganzen Well Aufsehen erregt haben. Der Kampf wider den undeutschen Geist wurde von Anfang an deutlich verknüpft mit dem Kampf gegen die in deutscher Sprache schreibenden Juden. Wenn ein Jude etwas geschrieben hat, dann wird es nicht nur als ״undeutsch“ erklärt, sondern als beleidigend für das Deutschtum und vernichlenswert. Diejenigen jüdischen Kreise, deren Organ die »Jüdische Rundschau" ist, haben niemals geleugnet, daß bei der Stellung des schaffenden Juden in der deutschen Kultur ein wirkliches Problem vorliegt. Dieses Problem wurde unseres Erachtens noch dadurch verschärft, daß assimilatorisch-jüdische Kreise, und insbesondere die Mehrheit der Schriftsteller selbst, das Judenprohlem zu ignorieren versuchten und einen Unterschied zwischen den deutschen Schriftstellern jüdisehen Stammes und nicht jüdischen Stammes nicht anerkennen ■wollten. Aufrichtige deutsche Nationalisten kannten nichts dagegen einwenden, daß Juden als bewußte Juden Schriftsteller sind, sogar deutsche — oder wenn Der füdische Dichter deutscher Zunge Von Max Brod. In dem eben vollendeten Roman ״Die Frau, die nicht enttäuscht“ stellt Max Brod die Situation der deutschen Juden dar, wie sie sich 1932 gestaltet hat. Träger der Handlung ist der Dichter Justus Spira. Aus dem deutschen Kulturkreis ausgeschaltet, flieht er in ein Sanatorium, dort sucht ihn der Direktor seines Verlags Georg HeinrichMeyer auf, ein weitblickender Deutscher. Das Folgende ist ein Teil des Gesprächs zwischen den beiden Männern. Justus drängte auf eingreifendere Bereinigung der Streitfrage: ,,Im Grunde lasse ich ja auch von allen Beschuldigungen, die man gegen die Juden erhebt, nur eine gelten. Wir sind weder charakterologisch, noch im wirtschaftlichen, noch im künstlerischen oder religiösen Habitus schlechter als die andern. Wir sind auch nicht materialistischer. Unter uns zählt die Nachfolge Platons nicht weniger Vertreter als unter den Ariern. Wir sind auch durchaus nicht bloß Vermittler, nicht bloß zur Reproduktion begabt, wie man sogar öfters unter törichten Juden fremde Argumente nachplappern hört, — ein Blick auf Schöpfer allerobersten Ranges wie Gustav Mahler und Franz Kafka — um nur von der nächst vorangegangenen Generation zu sprechen — müßte jeden eines Besseren belehren. Das alles also, was die Gegenschriften füllt, gilt nicht. Aber eines gilt: die politische Anklage. Wir mischen uns zu sehr in die Angelegenheiten der Völker, unter denen wir leben. Statt uns selbst wollen wir die andern erziehen.“ ,,Sie glauben also — es handelt sich wohl um die Führerschaft in politischen Parteien —“ Meyer setzte immer wieder ruckartig an, heftig gestikulierend. Durch Gesten erzielte er Schweigen des Partners. Dann nahm er eine Kolapastille. ,,Da wollen Sie also die Juden raushaben, noch, aus den Parteien?“ ״Aus den Führerstellen jedenfalls. Sie müßten sich sagen, daß sie als Juden, die unter Deutschen leben und mit ihnen fühlen, doch nur in besonderen Glücksfällen auch die irrationalen Wünsche und Bedürfnisse des deutschen Volkes mitschwingen können. Diese Einsicht legt Reserve auf. Man wird zum bescheiden ratenden, wohlmeinenden Freund. Nie zum Praeceptor. Nicht überlegen spotten, nicht beholinlächeln, was man nicht ganz versteht, was aus der deutschen Landschaft dumpf in die Großstädte schallt. Gegen diese selbstverständliehe Forderung der Zurückhaltung, Selbsteinkehr, Distanz ist öfters gesündigt worden. Und dabei ist es einfach Ueberhebung von uns, wenn wir glauben, Vormünder der andern Völker spielen zu können, andere zu belehren statt uns selbst, — was immer das Schwerste bleibt. Ein Beispiel der Toleranz, der Menschlichkeit, der organischen Gerechtigkeit geben im eigenen Land — eine andere Lehre von uns wird mit Recht nicht angenommen! Denn im harten Leben gilt nur die Lehre der Realität, nicht der Worte und gedanklich noch so schöner Konstruktion. Die Deutschen müssen sich also mit eigenen Kräften zu einem freieren, europäischen, goethehaft welfbürgerlichen Standpunkt durchkämpfen, — ohne unsere geburtshilfliche Mitwirkung. Sie brauchen uns auch gar nicht dazu; das reden wir uns bloß ein. Die Franzosen haben ja ihre große Revolution auch ohne uns gemacht — und cs ist sehr gut gegangen. Pure Einbildung von uns, daß die Völker auf uns warten, um ihr Haus richtig zu bestellen. Die russische Revolution, die zwar nicht unter jüdischer Führung, aber doch teilweise unter jüdischer Beihilfe gemacht worden ist, kann nicht als Gegenbeweis dienen; denn wahrsch ein lieh ist gerade infolge des jüdischen Anteils manches in ihr zu abstrakt und überspitzt geraten; man muß abwarten, oh und wie es ins Gleiche kommt. Wir Juden müssen wissen: wo wir allzu eifrig mittun, sei es auch mit bestem Willen, mit reinstem Herzen, schaden wir mindestens so viel wie wir nützen. Ja vielleicht wird sich einem, der die letzten hundert Jahre prüfend überblickt, die Sache überraschenderweise ein* mal so darstellen, daß die Juden die großen revolutionären Bewegungen vereitelt haben, indem sie an ihnen zu heftig beteiligt waren. Dadurch lieferten sie nämlich den Gegnern das stets wirksame Gegenargument, die Bewegungen als ״jüdisch“ zu diskreditieren, obwohl diese tatsächlich keinen oder nur sehr losen und entstellten Zusammenhang mit jüdischein Gedankengut hatten und im Grunde deutsche, engfische, russische Volksbewegungen waren. Als solche hätten sie durchgeführt werden sollen — und dann wohl auch mit größerem Glück durchgeführt werden können. — Sich von einer Sache, deren Gedeihen man wünscht, gerade aus Sympathie für die Sache fernhalten; das ist etwas, was die Juden der Diaspora noch lernen müssen. Es ist freilich sehr schwer, ja ich erkenne sehr wohl, daß es fast widernatürlich ist, und jedenfalls frisch zupackenden, begabten, leidenschaftliehen Menschen im Innersten widerstrebt — wie leider so vieles, was unsere anormale Geschichte uns auferlegt.** man will deutsch-jüdische — Schriftsteller; denn es läge darin keine Gefahr einer ״Verfälschung“ des deutschen Wesens. Unter den deutschen Schriftstellern jüdischen Stammes, die seit Jahrzehnten nicht nur die Judenfrage, sondern speziell auch die Problematik des deulschschreibenden schaffenden Juden erörtern, gehört in die erste Reibe Max Brod, der bereits 1913 in dem Sammelbuch ״Vom Judentum" einen Aufsatz unter dem Titel ״Der jüdische Dichter deutscher Zunge“ veröffentlicht hat. Max Brod hat soeben einen neuen Roman beendet, in welchem dieses Problem eine Rolle spielt und gibt dem Bruchstück, das er uns zum Vorabdruck zur Verfügung stellt, denselben Ti lei wie seinem oben erwähnten Aufsatz. Dadurch schon ist die Konlinuität cler Behandlung des Problems angedeulel. Diese Art der Betrachtung der Dinge ist wahrscheinlich den meisten deutschen Nationalisten unbekannt. Sic sehen immer nur den Juden, der sich als Deutscher vordrängen will, nicht aber den bewußt als Juden auftretenden jüdischen Schriftsteller. Wir glauben daher, daß gerade das uns von Max Brod gesandte Bruchstück im Anschluß an die mit der Bücherverbrennung znsaminenhängende Aktion eine besondere Aktualität besitzt. Red. Der arme Georg Heinrich hatte schon mehrmals in Spiras Exegese einbrechen wollen. In der Rolle des bloßen Zuhörers fühlte sich der sonst Gesprächbeherrschende gar nicht wohl. Die dicken Hände zuckten vor. als rissen sie an einem Seil, hinter dem Justus ihn festhielt, — die vollen roten Backen mit dem einen schwärmerischen, dem anderen listigen Auge drin strahlten Hochglanz —, die völlig unregelmäßigen, dünnen, aufwärtsstrebenden Brauen, das^ Geistigste in diesem runden Gesicht, geradezu flackernd in ihrer unruhigen fragmentarischen Form, rückten noch höher in die Stirn. Snira hielt und hielt ihn gefangen. Jetzt aber konnte er die Explosion nicht länger verhindern. .,Sie reden immer nur vom Politiker, lieber Freund. Sie sind aber doch kein Politiker, Sie sind doch Dichter.“ ״Kein Unterschied. Der eine will führen, der andere verführen. Ich sehe da keinen Unterschied.“ ״Nein, langsam!“ Die beiden Männer liefen gereizt wie Raubtiere in Achterschlingen durchs enge Zimmer urneinander herum. ״Langsam — keine Schlagworte — mit Schlag- Worten klärt man nichts,“ schrie Meyer, ״wir wollen uns den jüdischen Dichter mal genauer ansehen,“ ״Ja, meinen Sie denn, lieber Herr Meyer, daß ich mir ihn nicht schon recht genau angesehen habe?“ Der Ausbruch, der Ausbruch. Ein Aufschrei war es. ein einziger Aufschrei Spiras das Folgende. Die Bilder an der Wand zitterten. Die Totenkopfmappe und die andere mit den Dokumenten des ihm sinnesverwandten Deutschtums raffte Justus vom Schreibtischchen am Fenster, zitternd hielt er sie dem verbläfften Gast unter die Nase, der natürlich keine Ahnung hatte, was er mit den aus den Bünden zu Boden stürzenden Schriftstücken etwa hätten anfangen sollen. ״Da — da — und doch um mein ganzes Herz. Meinen Sie denn, ich könnte es gleichmütig hinnehmen, was heute geschieht? Ich könnte es ertragen, nicht mehr das Kind vom Hause zu sein? Was hier und heute geschieht ist ja ein Vorgang schlechterdings ohne Parallele — ich wüßte wenigstens keine — ich wüßte nicht, daß man jemals Menschen das Recht auf ihre Seelenheimat abgesprochen hätte, die ihnen heilig war. Beschränkung des äußeren Lebens, das hat es immer gegeben, — aber Vertreibung aus der Heimat der Seele? Es ist ja so. als ob etwa nach der Erklärung Goethes ״das Land der Griechen mit der Seele suchend“ eine griechische Deputation bei ihm erschienen wäre, um ihm laut Volksbeschluß ebenso feierlieh wie brüsk mitzuteilen, dazu habe er kein Recht, das Land der Griechen ginge ihn gar nichts an und seine Liebe werde griechischerseits nicht nur nicht erwidert, sie sei überdies lächerlich, ja sie werde als Frevel wider das Griechentum betrachtet und entsprechend gestraft werden.“ ״Nö nö nö, lieber Freund,“ streichelte Meyer den in einen Sessel Hingestinkenen, ״nu machen Sie aber ’n Punkt. So heiß wird das ja alles nich gegessen. — Nu woll’n wir mal sehen. Der jüdische Politiker, da möchte ich nich streiten, davon hab' ich auch kein’ Dunst, das geht mich nischt an. Ist nich mein Fach. Aber der Dichter? Da ist ja wohl ein Unterschied, sogar ein sehr großer. Warten Sie, das geht mir im Augenblick auf, das wird mir gleich wieder ganz klar sein. Darüber habe ich mir ja auch schon öfters meine Gedanken gemacht. Was halt so ein sitnnler Buchhersteller für Gedanken haben kann. Also ich meine, — der jüdische Dichter, der deutsch schreibt, spricht ja offensichtlieh nur im eigenen Namen — er schildert sich selbst, seine eigene Sphäre, oder doch alles von dieser Sphäre aus, also aus der eigentümlichen Situation eines Juden, der in die deutsche Kultur hincingeboren, in ihr erzogen wurde, mit allen Fibern sozusagen. So lang er das deutsch-jüdische Mischgebiet schildert, ist doch gar nischt zu wollen, da bewegt er sich ja im eigensten. Das versteht sogar keiner so gut wie er. Und wenn er nun echte deutsche Menschen, deutsche Sitte darstellen will? Hören Se mal, wir wollen jetzt im Verlag den ganzen Proust machen, das heißt, wenn das Geld reicht. Fabelhafter Kerl. Der war doch ein Bürgerlicher und ist trotzdem sein Leben lang nicht müde geworden, vom Standpunkt eines bürgerlichen Beobachters aus die ihm völlig fremde Welt des Hoehadels zu begucken und zu beschreiben. Und sieh dazu. Aber natürlich als Bürgerlicher inmitten dieser anderen Welt. Ein Halbjude soll er ja auch gewesen sein, nebenbei bemerkt. Alles ist ihm so seltsam, oft verschroben, oft wieder höchst bewundernswert vorgekommen in dieser fremden Welt, von der er sieh aber immer mit Respekt gesagt hat: Ganz verstehen werd’ ich das nie. So ähnlich stell’ ich mir das nu bei Ihnen vor. Warum nicht? Distanz — haben Sie selbst gesagt. Merken Se wat? Aus der Distanz sieht man vieles anders, manches vielleicht unrichtiger, manches wieder klarer als der Beteiligte. So sehen Sie uns Deutsche. Und wenn Sie diese Distanz nicht vertuschen wollen, — dann kann ich mit der schärfsten Lupe keine Falschmeldung bei Ihnen entdecken und keinen Uebergriff.“ Die Selbstbejahung des Jaden bat ihre Tragik und ihre Größe. Denn wenn wir uns bejahen, dann fühlen wir die ganze Entartung mit, aus der wir unsere kompienden Geschlechter befreien müssen. Aber wir fühlen auch, daß noch Dinge in uns sind, die nicht hinausgestelft worden sind, daß noch Ge® walten in uns sind, die auf ihren Tag warten. Und diese Tragik und diese Größe des sich bejahenden Juden, diese nun ganz in sein Leben aufzurtehmen, das heißt als Jude leben. Martin Bub«r (1909) ״Nicht vertuschen! Sehr gut!“ warf Justus ein, ,.ich weiß mich frei davon und manchen andern jüdischen Autor gleichfalls. Andere aber —“ Diese Wendung brach nun allerdings sofort die verheißungsvolf begonnene Begriffserklärung ab, indem sie der hinströmenden Erzählfreude Georg Heinrichs eine neue Chance bot, zugleich aber auch seiner echten Ritterlichkeit und Noblesse: ״Jüdische Mimicrv — ich weiß. Aber gihr es nicht auch eine deutsche Mimicry? Wenn die liehen Deutsehen nur mal Gelegenheit zu ihr haben. Haben Sie schon mal Deutschamerikaner deutsch reden gehört? ,,Wir haben in Juröp (will sagen: Europa) sehr viel Geld gespendet.“ Gespendet, das ist ״speiid“, — Geld ausgegeben! Die ״spei’־ den“ also schon das Geld, wenn sie einkaufe!!. 1 huf neulich war ich mal in Genf. Auch da mal was fürs deutsche Buch getan. Ein großes Feld. Mit deutschen Beamten im Internationalen Arbeitsamt gesprochen. Die sind noch kein Jahr dort und schon halb und halb französiert. Bei euch Juden dauert der Prozeß der Angieichung an die Oastvölkcr immerhin bald zweitausend Jahre. Der höhere Sekretär in Genf aber, der mich empfing, ein Deutscher, kokettierte beim Deuts( h.-prechen geradezu mit seinem französischen Akzent, — wissen Sie, so die Silben scharf verdunkeln und im Kontrast scharf herausstoße״. Wie de Marseille, sagt er immerfort, und ich /.erbreche mir schon den Kopf, was das bedeut־ : ז׳■'• •"!erholt sich im/iiltligemal in seiner Darlegung, tnd'ieh komme ich darauf. .,Wie dem auch sei‘־' will er sagen, Und hat das für seinen Zweck so martialisch umgeformt.“ ״Sie sind sehr großmütig, Herr Meyer'1, sagte Justus, nicht ganz ohne einen Schein von Ironie, der ,-!her nur aus seiner Verlegenheit und Beschämung entsprang. —• _ ״Ich habe vorhin wofil zu sehr gebrüllt?“ setzte er vorsichtig hinzu. Und nach einer Weile: ״Es kommt höchst selten hei Aussprachen vor, aber warum sollte es nicht gelegentlich, ausnahmsweise doch einmal Vorkommen: Sie haben mich, lieber Herr Mever. auf einen neuen Gedanken gebracht, oder da — es ist doch meine ureigenste Angelegenheit, es geht vielmehr — was wichtiger ist — auf eine neue Unterscheidung innerhalb eines Gedankens. Distanz! Der Politiker, der als Jude deutsche Angelegenheiten regieren will, kann diese Prbr” ,,r-ijj sons-t hört er eben wahrscheinlich auf. ein poüiischer Führer zu sein. Es wäre ein Widerspruch in sich selbst. Wer handelt, muß sich zur Gänze in sein Handein mit hineinwerfen. Anders der Betrachtende. Der D i c h - ter kann sich den Luxus der Distanz leisten. Lind er soll’« wohl auch. Ich will ja durchaus nicht verleugnen, daß ich als J 11 d e, als deutscher Jude deutsches Lehen betrachte, — habe das auch nie verleugnet. Daß das der Stammesdeutsche in manchen Punkten besser versteht, so nah etwa wie nur Hamsun das Norwegische verstehen kann, das streite ich auch nicht ab. Bleibt immer noch Arbeit genug für mich •— meine eigene Problematik und die meiner Stammesgenossen, dann das deutsche Wesen und alles Menschliche, nur eben gesehen von diesem besonderen Blickpunkt aus. Es ließe sich vielleicht alles auf de:1 sehr einfachen Grundsatz der Ehrlieh k eit zurückführen, der für den jüdischen Dichter deutscher Zunge gilt — ״Für jeden Dichter,“ verwies ihm Meyer väterlich. ״Gut, für jeden. Nur ist keinem die Gefahr so nahe wie uns. Uns sollte man täglich, che wir uns zum Schreibtisch setzen, zurufen — vielleicht r>er Grammonhonplattc: Memento! Ein Schuft ist. wer mehr gib♦, als'er hat.“ ״Das stimmt. Aber Sie haben doch, war' Na. also, Spira,“ Ein Tatzenschlag auf die Schulter. ״Immer ’s Panier hoch, wie ein guter Freund und Verlagskollege sagt.“ ln aller Kürze Das Colonial Office gibt bekannt, daß John Huhnrn, bisher Abteilungsleiter im Colonial Office, zum Chcfsekret ä r der Palästina-Regierung ernannt worden ist. Er wird im August in Palästina eintrefferi, um sein neues Amt anzutreten. Der bisherige Chefsekretär, Herr M. A. Young, ist zum Gouverneur von Barbados ernannt worden. Im Monat April 1933 haben sich insgesamt 2119 Personen nach Palästina begehen. Von diesen sind 1827 Juden. 147 jüdische Einwanderer gehören der Kapitalistenklasse an. Die vorläufige Exekutive des Komitees zur An sied- I u!1 g deutscher Juden in Palästina besteht aus Miß Szold und den Herren Ussischkin, Ben Zwi, Neu man, Hantke und Dr. P i n n e r. Dem Drive-Komitee gehören an: Miß Szold und die Herren Hantke und Salomou: dem Komitee für landwirtschaftliche Kolonisation: die Herren Ussischkin, Dr. Bruenn, B Katzenelson, Smifanskv. Dr. Fintier, Agronom Krause, Dr. Runpin; dem Komitee für städtische Kolonisation: die Herren Berlin, Dizcngoff, Hnoficn, Neuman, Supraskv, Remez und Shenkar. Frau Felix M. VFarburg. die Tochter des amerikanisehen Philanthropen Jacob H. Schiff, hat zur Erinnerung an ihre Eltern eine Summe von 100 000 Dollars als einen Fonds für die Hebräische Universitätin Jerusalem gestiftet. Anläßlich des Geburtstages Königs Georg V. am 3. Juni wurde dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, das Großkreuz des Ordens St. Michael und St. George verliehen. Der palästinensische Arbeiterführer Isaac Ben Zwi, der auch der Leitung des Waad Letimi angehört, erhielt den Ehrentitel eines M. B. E. (Bachelor of Medicine). Drei Londoner Juden wurden geadelt. Das Pariser Hilfskomitee für jüdische Auswanderer aus Deutschland veröffentlicht seine erste Beitragsliste. Bisher wurden 1 375000 Francs gesammelt. Die Brüder Roth- Schild haben hiervon eine halbe Million Francs beigestcuert.