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Jüdische Rundschau · 1933-05-30 · Heft 43-44 (30.5.1933) · p. Seite 235

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 43-44 (30.5.1933)
Date
1933-05-30
Page
Seite 235 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 43/44. 30. V. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 233 Joden aasgesdblosse■ Der ״Völkische Beobachter״ München vom 23. ä. M. rrieldet: Das Staatsministerium der Justiz erläßt eine Bekanntmachung, wonach Personen nicfitarlscher Abstammung als Sachverständige nicht mehr öffentlich bestellt und allgemein beeidigt werden dürfen. Die bestehenden Bestellungen solcher Personen sind zu widerrufen. Das gleiche gilt für die Ernennung und Beeidigung der Schätzer. Auf Dolmetscher für nichtarische Sprachen bezieht sich diese Bekanntmachung nicht. Die ״Aerztiichen Mitteilungen“ vom 20. Mai berichten: . Die Schulabteilung des Oberpräsidiums der Provinz Brandcnburg und der Stadt Berlin hat an geordnet, daß in Zukunft bei Erkrankungen, Anträge« auf Erholungsurlaub, Ermäßigung der Pfliehtstundenzah! u. dgl. nur noch Bescheinigungen von nicht jüdischen Aörzten der Vorgesetzten Behörde einzureichen sind. Kleine Nachrichten Das Vereinigte Komitee zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina hat eine Sammelkampagne proklainlcrt, die am 26. Mai eröffnet Wurde und während des ganzen Monats Sivan fortgesetzt werden soll. An der Spitze der Kampagne steht Miss Henrietta S 1 0 i d. Unter dem Vorsitz von Dr. D. Jochelman fand fn L o n - d 0 n eine Sitzung der Vereinigung der Freunde des Jüdischen Weltkongresses statt, in der der europäische Direktor des Jüdischen Weltkongresses, I>r. Nahum O old mann, über den Stand der Vorbereifungsarbeiten für den Weltkongreß berichtete. Dr. Ooldman« teilte mit, daß eine Vorkonferenz des Weltkongresses Ende Juni in Qenf stattfinden wird. Der Weltkongreß selbst solle im Winter 1933 zusammcntreten. Die in Jerusalem erscheinende hebräische Tageszeitung ״Doar Hajom" wurde von der Vereinigung der palästinensischen Kolonisten (Pflanzer) übernommen. Zum Chefredakteur wurde der Präsident der Vereinigung, Mosche S m i 1 a n s k y, bestellt, Das bisherige wöchentlich erschienene Organ des Kolonistenverbandes ״Büste nai“ wird eingestellt. In dem der Jahreskonferenz der jüdischen Aerzte Palästinas, die soeben in Tel-Awiw abgchalten wurde, vorgelegten Bericht wird die Zahl der Anfang 1933 in Palästina niedergelassenen Aerzte mit 626 angegeben. Von diesen waren 452 Juden; 36 jüdische Aerzte übten keine Praxis aus, 62 waren bei der jüdischen Arbeiterkrankenkasse (Kupath Cholim), 36 bei der Hadassah, 76 bei anderen Institutionen angcstclit. Dem Gesu«dheitsdepartement der Regierung gehören bloß 7 jüdische Aerzte an. ln Tel-Awiw praktizieren 192 jüdische Aerzte. Um die Niederlassung von Juden in Transfordanien Jerusalem, 27. Mai. (J. T. A.) Bei der Palästina-Exckutive der Jewish Agency sind Vertreter von 23 transjordanischen Dörfern und das Oberhaupt einer größeren transjordanischen Stadt sowie eine Anzahl weiterer transjordanischer Führer erschienen und haben die Bitte vorgelegt, die Jewish Agency möge ihnen Land zur Errichtung jüdischer Siedlungen in Transjordanien abkaufen. Die Delegation erklärte, sie wolle gleichzeitig mit der ln Transjoräaitien für Anfang Juni geplanten Konferenz von Gegnern der jüdischen Siedlung eine Tagung einberufen, aut der der Wunsch nach Oeffnung Transjordaniens für die jüdische Einwanderung zum Ausdruck gebracht werden soil. In einem in der arabischen Zeitung ״Meraat ei Shark“ veröffentlichten offenen Brief wendet sich der transjordanisciie Araber Soiiman Samawl gegen die Einmengung palästincnsiseher Araber in transjordartiSehe Angelegenheiten. Die transjordanischen Araber, so wird in dem offenen Brief ausgeführt, litten unter Hungersnot und hätten sich erfolglos an die Regierung und an arabische Banken um Hilfe gewandt. Der oftene Brief schließt mit folgenden Worten: ״Wir fürchten uns nicht vor einer Eroberung durch die Zionisten. Wir wollen unsere Angelegenheiten selbst besorgen und bedürfen keines Vormunds.“ Auf dem Kongreß des Pen-Ktubs in Ragusa kam es, wie die Zeitungen melden, zu Konflikten mit der offiziellen deutschen Delegation, weil verschiedene andere Delegationen, vor allem die französische, belgische und polnische, die Frage der Behandlung verschiedener literarischer Werke in Deutschland, vor allem die Bücherverbrennung, zur Sprache bringen wollten. Verschiedene Berliner Zeitungen haben, insbesondere was die jüdischen Teilnehmer betrifft, ungenaue Berichte gebracht. So wurde Schalom Asch in manchen Blättern als Vertreter der aus Deutschland ausgewanderten Schriftsteller, an anderer Stelle wieder als Vertreter Paläsfinas genannt. In Wahrheit ist Asch, der in Warschau lebt, Vorsitzender des jiddischen Pen-Klubs. Schalom Asch hielt eine Rede, in der er in bewegten Worten auf die Beiträge der deutschen Juden zur deutschen Literatur hinwies. Bei der Behandlung der Resolution, die sich gegen die Zurücksetzung jüdischer Schriftsteller in Deutschland richtete, erklärte neben den Vertretern Amerikas und der Schweiz auch der als Vertreter Oesterreichs anwesende jüdische Schriftsteller Felix Salten, der Pen-Klub dürfe sich׳ nicht in die innere Politik Deutschlands einmischen. Der Kongreß einigte sich schließlich auf «inen Vermittlungsvorschlag des italienischen Schriftstellers Marinetti, der eine Vertagung der Behandlung der Judenfrage auf den nächsten Pen-Klub- Kongreß vorsieht. Marinetli hielt eine eindrucksvolle Rede, in der er sein Bedauern über den in Deutschland herrschenden Antisemitismus zum Ausdruck brachte und im Gegensatz dazu aut den in Italien herrschenden Geist der Toleranz hinwies. An unsere Abonnenten! Um ein« Unlerbrediung In der Zuleitung der ״Jüdischen Rundschau" lu Vermelden, bitien wir diejenigen Abcnnenten, die ihr Abonnement für }aal noA ntdit bezahlt haben, den f&litgen Abonnementsbetiag umgehend zu überweisen, bexw., die ihnen in den nüdhsien Teufen zugehenden Nachnahmen prompt etnzutSsen. Expedition dorJQdiidhen Rundschau״ Berlin W15. Meinekesfrabe 10 Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Briefe an die Redaktion $«elf»che Klärung Berlin-Friedenau, den 2t. 8. 1988. Sehr geehrte Redaktion! In dieser Zeit, die uns Juden Innerlich tief aufwühlt, 18t Ihre Zeitung vielen ein Herzensbedürfnis geworden. Ihr Standpunkt, steh stob zum Judentum zu bekennen, hat such stets mein Tun und Lassen geleitet, und ich habe mir mit dieser überzeugten Einstellung in einer besonders stark national eingestellten Gegend als kleiner Geschäftsmann Achtung Und Anerkennung meiner Mitbürger erworben. Dies kam besonders an jenem denkwürdigen Boykott-Tage zum Ausdruck, und es ist mir ein Bedürfnis, meine Erfahrungen an jenem Tage gerade Ihrer Zeitung mitzuteilen. Als der Posten gegen 5/410 Uhr vormittags vor meinem Geschäft Aufstellung nahm, bängte ich ein Plakat folgenden Inhalts in mein Schaufenster: ״Vier Jahre habe ich für Deutschland mein Lehen eingesetzt; davon fast drei Jahre auf dem Unterseeboot U. C. 22. Zwei Brüder von mir sind in Frankreich für Deutschland gefallen. Wer es mit deutscher Gesinnung vereinbaren kann, der boykottiere mich jetzt und kaufe nicht bei mir.“ An das Plakat befestigte ich meine sechs Kriegsauszeichnungen, darunter das E. K. I und das U-Bootsabzeichen. Ich hielt mein Geschäft geöffnet. In unmittelbarer Nähe war Markt. Vor meinem Schaufenster stauten sich die Mensehen, die fast durchweg für mich Stellung nahmen. Ein General kam, ostentativ an dem Posten vorbei, zu mir ins Geschäft und sprach mir unter ermunternden Worten seine Anerkennung Über meine erfüllte Pflicht aus. Ein Landgerichtsdirektor kam und kaufte eine Kleinigkeit, um mir an dem für mich so bitteren Tage seine Treue zu zeigen. Eine Dame, die Frau eines bedeutenden Gelehrten, brachte mir ein Sträußchen Veilchen — und so könnte ich noch viele aufzählen. Als die Ansammlung immer größer wurde, kam der Hauptmann vom Revier und ersuchte mich in höflichster Form, das Plakat abzunehmen, da der Verkehr behindert würde. Das tat ich nun selbstverständlich und schloß gegen 3/11 Uhr mittags mein Geschalt, Trotzdem mir die oben geschilderten Synlpnthäcbeweise angesehener, ernster Bürger an dem schweren Tag. der uns Juden letzten Endes doch so unerwartet und wuchtig traf, Wohltaten, habe ich danach eine seelische Klärung durchlebt, die mich innerlich frei und glücklich macht, und die ich nllcn Juden wünsche. Ich habe die innere Zerrissenheit überwunden: Ich hin Jude, vollbewußt und Stolz! Und Paliistina will ich mit aufbniten helfen, nicht aus charifntiven Empfindungen für meine Glaubensgenossen, sondern für meine Volksgenossen. Unsere Kinder sollen aufrecht gehen durch ein Land, dessen Scholle sie bearbeiten dürfen! I lochachtungsvoll Max Haller. * Honigprodukiion Sn Palästina Berlin, 24. Mai. Sehr geehrte Redaktion, In Nr. 38 der ״Jüdischen Rundschau“ erschien ein Artikel ״Honlnrproduktion in Palästina“, von Robert Blum. Zu den von Blum genannten Zahlen über Reingewinn und Zahl der aufzUsteüenden Bienenstöcke will ich nicht Stellung nehmen. Am Anfang seines Artikels schreibt Blum: ,,Es ist wohl ein Vorteil, wenn man sich zuvor in Europa mit der Bienenzucht vertraut macht.“ Diesen Satz möchte ich besonders unterstreichen, es ist meiner Ansicht nach nicht nur ein Vorteil, sondern eine!ranz dringende Notwendigkeit Blum hält eine lange Ausbildung vor der Ausreise für falsch, ganz meine Ansicht. Etwas anderes allerdings wäre ein Bienen- 7 u c 111 k u r s u s, der doch gewöhnlich nur 3—5 Tage dauert. Ich selbst habe vor mehreren Jahren an einem solchen Kursus in der Gärtnerlehranstalt in Dahlem bei Professor Küstenmacher teilgenommen, bei dem ich mein Wissen doch sehr bereichert habe. Wir müssen bedenken, daß unsere zukünftigen Imker in der Mehrzahl Großstädter sind, die von den Bienen nur wissen, daß Honig süß schmeckt und daß die Bienen stechen. Damit diese Menschen zunächst einen ganz oberflächlichen Begriff von der Sache bekommen, würde ich allen, die sich die Imkerei als Beruf oder Nebenberuf erwählen wollen, ganz besonders ans Herz legen, wenn die Teilnahme an einem Bienenzuchtkursus nicht angängig Ist, sieh wenigstens durch ein vernünftiges, volkstümliches Lehrbuch einen Einblick zu verschaffen. Für diesen Zweck würde Ich raten, das Buch ״Am Bienenstand“ von Pfarrer August Ludwig, Dozent für Bienenzucht an der Universität Jena, Verlag Fritz Pfenningsdorf, das etwa 1,50 RM. kostet und von jedem Buchhändler besorgt wird, anzuschaffen. Wer sich nach der Lektüre dieses Buches, das weder beschönigt, noch schwarz malt, dazu entschließt, Bienenzucht zu betreiben, wird auch Erfolg haben. Georg Lachmann. ״Ja-Sagen *um Judentum!“ Diese vor kurzem von der ״Jüdischen Rundschau“ geformte Ausprägung eines Gedankens, der uns heut alle erfüllt — oder erfüllen sollte, war die Losung zweier Vorträge, die Rabbiner Dr. Prinz am 22. und 23. Mai in der B. 7. V. hielt. Wie ungeheuer und verantwortlich wird die Stellung des Rabbiners in dieser Zelt! Jüdisch« Menschen aus allen Lagern, auf den Lippen noch die Schlagworte aus früherer Zeit, strömten 811 fgeschiosscnen Herzens zu diesen Vorträgen; viele mußten umkehren, weil die Türen des übervollen Saales schon geschlossen waren. Prinz, von R.-A. Benno Cohn begrüßt, umschrieb knapp die Situation der neuen Umwelt, die von uns nicht untätige Klage, noch weniger würdeloses Anbiedern an die neuen Herren, sondern tatkräftiges Ergreifen unseres eigenen Schicksals verlangt. Unsere aktive Judenpolitik will nichts verbergen und nichts vergessen. Aus der unvergessenen Formung unseres Wesens durch deutsche Kulfür und deutsche Landschaft ergibt sich das Recht zur Frage: Was geschieht mit uns Juden im neuen Staat? — Helfen kann uns in dieser Not nur der innere Aufbau des deutschen Judentums. Berufsumschichtung; Wirtschaftshilfe; vor allem die zentrale Frage der jüdischen Erziehung müssen heute gelöst werden. Es gilt, wie Buber vor wenig Tagen sagte, ein Geschlecht zu erziehen, das dieser Not gewachsen ist. Befreiung der Völker von dem Problem der Juden frage und Lösung unserer eigenen Lebensfrage selbst verspricht nur Palästina. Es ist die Schuld des deutschen Judentums, das Sich jahrzehntelang gegen diese Erkenntnis wehrte, wenn heute Erez Israel nicht imstande ist, so viele Juden aufzunehmen wie wir es wünschten. Aber auch heute schon Wurden tausend Zertifikate bewilligt für solche, die gewillt sind, sich an der gewiß nicht leichten, aber beglückenden Aufgabe des Aufbaus ln Erez Israel zu be-!eiligen. R.-A. Benno Cohn unterstrich die Worte des Redatr« und forderte zur Mitarbeit auf, •be• Löbel Taubes Vor einigen Wochen erst feierte die zionistische Welt seinen siebzigsten Geburtstag, heute schon beklagen wir den Verlust eines Pioniers der zionistischen Bewegung. Als in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Ruf nach Sammlung in der jüdischen Welt hörbar wurde, als Theodor Herz! auftrat, stand Löbel Taubes in den ersten Reihen der aktiven Kämpfer uni die Erneuerung des Judentums. Wer damals den junge« Menschen von Stadt zu Stadt wandern sah, als Volksredner, als Agitator, ganz der Sache ergeben, die für ihn zur Lebensaufgabe wurde, verstand bald, warum die Juden iii Galizien diesem Manne zujubelten. Ein hinreißender Redner, ein Mann hohen jüdischen Wissens, verstand er mit seiner Begeisterung auch die anderen hinzureißen und wenn in Galizien der zionistische Gedanke die große Masse der Judenheil in seinen Bann zwang, so war es ein großes Verdienst Löbel Taubes’, der Jung und Alt, Männer und Frauen, der Zionistischen Organisatiön zuführte. Männer wie Stand, Zipper, Korkis, Schiller, Malz und Von den jüngeren Reich, Ringel, Waldmann und viele andere sind von ihm erzogen worden. Wenn der Oedanke der Jüdischen Kolonialbank in der Judenheit Galiziens populär wurde, wenn der Keren Kajemetli Gemeingut aller geworden ist, so war es Löbel Taubes zu danken. Die Jugend um das blau-weiße Banner zu scharen und die chassidischen Kreise für die zionistische Sache zu ge- Winnen, waren Aufgaben, die sich Löbel Taubes gestellt Und mit jugendlicher Begeisterung erfüllt hat. Aber auch als jiddischer Publizist und Schriftsteller war Taubes erfolgreich tätig. Der gute Jude und begeisterte Zionist hat auch sein Haus zu "einem Zentrum nationalen Lebens gestaltet. Seine Kinder hat er zu aktiven zionistischen Arbeitern erzogen, so gilt auch heute unser Mitgefühl seinen beiden Söhnen Dr.'David und Dr. Israel Taubes, die seit Jahrzehnten in unseren Reihen tätig sind. ß «11 - Z i o n Fett Die Abfahrt unserer Chaluzim nach Palästina Montag, den 22., und Sonntag, den 28. Mai, verließen die ersten beiden Gruppen von Chaiuzim Berlin. Der Abschied gestaltete sich zu einer großen Kundgebung auf dem Anhalter Bahnhof. Mehr als 10 Chawerim und Cha weroth fuhren mit jedem der beiden Transporte. Hunderte hatten sich Schon lange vor Abgang des Zuges gesammelt und stauten sich auf dem Bahnsteig. Als der Zug sich in Bewegung setzte, stimmte die Menge die ״Techesakna“ an, das Lied des Zionismus der Verwirklichung, die weithin durch den Bahnhof ballte. Für jeden der Anwesenden (Eltern, Mitglieder des Hechaluz und der Jugendbünde) war dieser Abschied ein zionistisches Eriebnis. Hervorzuheben ist, daß dank der eifrigen Arbeit von Heinrich Kressel und Rüben Goldstein es in wenigen Wochen gelungen ist, die Mitglieder des deutschen Hechaluz, die in dieser Zertifikationsperiode nach Palästina fahren, zu organisieren und zu einer Einheit zusammenzuschweißen. Neue Praktikantenstellen im lehrgui Winkel Wir erhalten folgende Mitteilung: In diesen Tagen werden auf dem Lehrgut Winkel bei Sprccnhagen/M. (Simon-Schocken-Nachlafi) etwa 15neu«Proktikantenstellen, und zwar Zunächst nur für die Sommermonate geschaffen. Da die Schwierigkeiten, landwirtschaftliche Lehrstellen für Juden zu erlangen, heute außerordentlich gewacheen sind, ist diese Erweiterung des Lehrbetriebes in Gut Winkel für die heute einsetzende jüdische Berufsumschichtung besonders bedeutsam. Man ist in Gut Winkel stete mit Erfolg bemüht gewesen, ein Ausbildungsniveau von besonderer Vielseitigkeit und Gründlichkeit zu garantieren. Die Voraussetzungen hierfür sind in Gut Winkel durch die Kombination von Landwirtschaft und Gärtnerei (besonders auch Obst- und Gemüsebau und -Verwertung, für die Mädchen Haushalt, Geflügelzucht, Milch- Wirtschaft und -konscrvicrung), durch bewußte und klare Erfassung der Zusammenhänge der Wirtschaft, in die die Lehrlinge nach jeder Richtung 11 in durch tätige Mitarbeit eingeführt werden, durch die Qualität der fachlichen Anleitung und schließlich durch die ausgezeichnete theoretische Ergfinzung der praktischen Arbeit gegeben. Für die neu geschaffenen Prnktikantenstcllen liegt bereite eine große Anzahl von Bewerbungen vor. Besonders geeignete junge Menschen, die sich noch bewerben wollen, werden aufgefordert, sich umgehend schriftlich mit allen Unterlagen eu wenden an das Sekretariat Schocken, Berlin SW 19, Jerusalemer Sir. 65/66. * Landwirtschaftlicher Unischuiungskursus Groß-Gagiow. Ausbildung: praktische und theoretische Ausbildung in Gartenbau und Landwirtschaft zur Vorbereitung auf Uebernähme kleinerer gärtnerischer oder landwirtschaftlicher Betriebe. Kursusbeginn: Anfang Juni 1933, KTirsusdaner: 12 Monate. Kursusgehiihr: RM. 60,— mil. (Lehrgeld, Kost und Unterkunft im Outshaus Gaglow inbegriffen). Teilnehmer: 24 männl. jüdische reichsdeutsche Teilnehmer im Alter von 20—30 Jahren, 4 Haushaltspraktikantinnen zur Ausbildung im ländlichen Haushalt mit Geflügel und Hausgarten (Kursusgebühr für Praktikantinnen RM. 20,— mti.j. Anmeldungen sind zn richten an: Jüdische Landarbeit G. m. b. H., Bcrlin W 15, Kurfürstendamm 200. Das jtiÄlsche Hilfskomitee in Prag ersticht uns um Veröffentlichung nachstehender Informationen: A c r z. t e können in der Tschechoslowakei nur in dein Falle eine Praxis ausüben oder in einer Krankenanstalt «ine Anstellung finden, wenn sie die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft besitzen und ein Doktordiplom einer inländischen Universität vorweisen können. Dieses können Ausländer nur erreichen, wenn sie die Prüfungen einer tschechoslowakischen Universität ablegen. Dabei ist notwendig, daß sie die tschechische Sprache beherrschen. Eine Ausnahme gibt es theoretisch für Badeärzte nur während der Saison und mit Genehmigung des Gesundheitsministeriums und der Aejztckammer, die in den seltensten Fällen erteilt wird. — Rechtsanwälte haben ebenfalls keine Aussichten, da sie den gleichen Bedingungen unterliegen wie die Aerzte. — Freie Berufe, die selbstständig ausgeübt werden, unterliegen nur dann einer Bewilligung, wenn cs sich um konzessionierte Gewerbe handelt, und Reziprozität mit dem Heimatstaate besteht. Mitteilung an die zionistischen Lehrer. Die zionistischen Lehrer werden gebeten, Angaben über ihre bisherige Steilung, Ausbildung, augenblickliche Beschäftigung usw. umgehend der Z. V. t. D. mitzuteilen. Die genaue und schnelle Erlediist wichtig. — Z. V. f. D., Meinekcstr. 10. ebrfllsche Schnellkurse. Die jüdische Schule Klopstockstraße beginnt nach den Pfingstferien mit hebräischen SchnellkUrsen für ihre Schüler und Schülerinnen. Näheres durch Frau Nathan. Arbeitsnachweis. Wir haben eine größere Anzahl Schneiderlnnen- und Zuschneiderinnenstetitn für Berlin und die Provinz vorgemerkt und bitten geeignete Bewerberinnen sich bei uns zu melden. Wir suchen dringend handwerkliche Lehrstellen jeder Art für Jungen und Mädchen, außerdem handwerkliche Volontärstellea iüc Studentea

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