Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 43-44 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- Seite 233 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43/44, 30 V. 1933 JUED1SCHE HUNDSCHAU Seite 231 Aus Palästina Die Ebene Scharon Fahrt nach Pethach Tikva Von Hugo Herrmann. Aus dem dieser Tage im Fiba-Verlag, Wien-Leipzig, erscheinenden, reich illustrierten Buche; ״Palästina, wie es wirklich ist", stellt uns der Autor dieses Kapitel zum Vorabdruck zur Verfügung. Ich war schon 1924 von Tel-Awiw nach Pethach Tikva gefahren. Es sind etwa 15 Kilometer; das wackere, kleine Auto Issars brauchte damals auf dem schrecklichen, holperigen Karrenweg gut vierzig Minuten. Und diese Fahrt war eine der unerquicklichsten im Land; kaum hatte man Tel-Awiw und die dicht umgrünte deutsche Templerkolonie Sarona 1m Rücken, führte der Weg durch öde Halbsteppe; brachliegender Boden wechselte mit primitiv bebauten arabischen Durrafeldern, auf denen, wie ein Reisegefährte scherzhaft übertreibend sagte, nur jeden halben Kilometer eine Pflanze wuchs. Mitten in der trostlosen Oede begann man ein paar Häuschen der jüdischen Mittelstandssiedlung Bne Brak zu bauen; nicht weit davon lag die Napoleonschanze, ein nackter, regelmäßiger Hügel, die einzige Abwechslung in der langweiligen Gegend, angeblich der Standplatz Napoleons bei der Belagerung von Jaffa. Ich war sehr glücklich, als die ersten dichten Pflanzungen von Pethach Tikva auftauchten und uns von Staub und Trauer erlösten. ״Und aber nach acht Jahren bin ich desselbigen Weges gefahren.“ Genau gesprochen, war es nicht derselbige weg, sondern eine prachtvolle asphaltierte Chaussee, auf der unser Wagen dahinflitzte und in zehn Minuten nach Pethach Tikva kam. Aber eine wie veränderte Landschaft durchzieht diese Chaussee: Man kommt aus den Ansiedlungen gar nicht heraus, Tel-Awiw hat sich gewaltig gestreckt, umfaßt heute Sarona von drei Seiten und wird es demnächst völlig verschlucken. Dann kommt eine vorstädtische Arbeiter- und Kleinbürgersied• lung, Schechunath Borochov, von der Hypothekenbank des Keren Hajessod finanziert, noch mit einigen leeren Flecken zwischen Häusern und Gärten, und mit einer gut entwickelten Arbeiterinnenwirtschaft, wo eine Gruppe von Mädchen Haus- und Landwirtschaft lernt, eine von den vielen gleicher Art, die es jetzt gibt und die vor allem für die so wichtige Verbesserung der Lebenshaltung in den Gemeinschaftssiedlungen verantwortlich sind. Kaum haben wir Schechunath Borochov verlassen, kommen wir zu den Ffäuschen von Ramath Gan, von denen eine Gruppe auch die Napoleonschanze erklettert. Ramath Gan zeigt, wie selten ein Beispiel, den Werdegang solch einer Siedlung. Die jungsten Ankömmlinge hausen im Zelt; die etwas älteren haben sich schon eine Hütte aus Brettern und Balken errichtet und die Alteingesessenen, die vier oder fünf Jahre liier sind, wohnen bereits in schmucken, definitiven Häuschen. Du sichst sogar einzelne Anwesen, wo der Besitzer sein definitives Häuschen schon wieder zu einem Stall- und Wirtschaftsgebäude degradiert und sich ein neues Wohnhaus errichtet, das seinen inzwischen gewachsenen Ansprüchen genügt. Hinter Ramath Gan kommt Bne Brak, eine ausgedehnte Siedlung vom Charakter eines Wohnviertels an der Periphenc einer Großstadt. Hier gibt es eine gut entwickelte Hätis- und Kleinindustrie; es ist das gegebene Zentrum für die sich entwickelnde Obstverwertungsindustrie, die Erzeugung von Fruchtsäften, Marmeladen, Kanditen; die hier erst 1931 errichtete Fabrik Assis stellt Orangen- und Zitronensaft so vorzüglicher Art her, daß er sich im Sturm den Markt Palästinas, aber auch der Nachbarländer erobert. Und von hier haben wir nur noch drei Kilometer nach Pethach Tikva. Aber nicht daß der Weg so umsiedelt ist, macht den stärksten Eindruck, sondern wie die Strecken zwischen den Siedlungen ausschen. Du fährst von Tel-Awiw bis Pethach Tikva durch einen einzigen Garten. Orangengärten rechts, Orangengärten links, wohlgeordnete Reihen dunkel belaubter Bäume, umzäunt, von Wegen durchschnitten, mit Pumpenhäusern, Wachthütten, Wohnpavillons, gelegentlich auch einer luxuriösen Villa. Manche Gärten sind noch jung, mit kleinen Bäumchen; manche sind reif, in vollem Ertrag; die ältesten sind sieben Jahre alt. Und was du auf der Fahrt nach Pethach Tikva gesehen hast, siehst du immer wieder, wenn du von Pethach Tikva weiter in den Südteil der Ebene Scharon hinausfährst. Hier ist fast nichts sieben Jahre alt; die große Entwicklung, der märchenhafte Aufschwung des Scharon datiert erst seit etwa drei Jahren; daher ist der Anblick noch nicht so reich, die Gärten nicht dicht, die Bäumchen noch klein, aber die ganze Ebene, von Tel-Awiw bis Chedera 45 Kilometer lang und vom Meer bis an die Bahnstrecke nahezu 15 Kilometer breit, verwandelt sich allmählich in einen einzigen Garten, Um die älteren Anlagen, Pethach Tikva, Kfar Malal, Kfar Saba, hat sich eine große Anzahl neuer Siedlungen gruppiert, En Ganirn, Kirjath Schau!, Ramatajim, Magdiel, Raanana, Herzlia, Gan Rachel, Gan Chain! Kalmania, Menora, Tel Mond; dann folgt eine Lücke, sieben oder acht Kilometer breit, wo zwar schon Bodenkomplexe angekauft, aber noch keine Siedlungen angelegt sind, und jenseits der Lücke stellt Nathania die Verbindung zum Wadi Chavarith und den ausgedelinten Pflanzungen von Chedera, Nachliel Chefzibah, Gau Schmuei her; nördlich von diesen schließt sich wieder ein gewaltiger Block an, dessen Hauptteil der P. I. C. A. gehört und wo nebst den< alten Siedlungen Kerkur, Givath Ada, Sichron Jakob, Schfeja und Bath Schlomo eine Anzahl neuerer und neuester augelegt sind, Benjamina, Pardessana, Wadi Ara und andere. Als Gegenstück zum Emek Jesreel, wo du heilte schon 60 Kilometer weit über jüdischen Boden, von Siedlung zu Siedlung gehen kannst, entsteht hier ein jüdischer Emek Scharon, ein ebenfalls 60 Kilometer langes geschlossenes Siedlungsgebiet. Auf all diesen Böden lebten bisher nur Beduinen. Die Fellachen mit ihrer primitiven Landwirtschaft wußten mit diesen Sandhügeln nichts anzufangen, sie überließen sie halbnomadischen Beduinentrupps, die hier ihre Herden von Büffeln, Rindern, Schafen und Kamelen weideten. Beim Ankauf der Ländereien durch Juden entstanden häufig Konflikte mit diesen Beduinen. Der Lebensraum des Beduinen, des viehzüchtenden Nomaden, wird in der heutigen Welt überall, nicht nur in Palästina, sondern ebenso sehr in Aegypten, Libyen, Tunis, Algerien, Marokko, Syrien und Mesopotamieri zusehends enger; hier handelt es sich um eine primitive Wirtschaftsform, die überall rationelleren modernen Formen Platz machen muß; die Menschen aber, die in ihr leben, können sich dem Leben des seßhaften Bauern nicht anpassen und so bedeutet die Umwandlung ihrer Weidegründe in Pflanzungen ihre Verurteilung zur Rückkehr in die Wüste mit ihrer Not und Gefahr. Die Regierung will die Interessen dieser Beduinen schützen, und daher bedeutet Bodenkauf hier zunächst fast jedesmal Kämpfe und Prozesse; letzten Endes werden aber die Beduinen, die den Boden in extensiver Weise nutzen, von denen wenige hundert Familien auf diesem weiten Gebiet leben, weichen müssen den Siedlern, die jeden Fußbreit ausnützen, deren bald Zehntausende hier wohnen werden. Es ist wichtig festzustellen, daß diese stürmische Bewegung zur Bepflanzung des Scharon durchaus auf Privatinitiative beruht, daß es nicht die Zionistische Organisation und die Jewish Agency mit ihren Finanzinstrumenten, dem Keren Kajemethj dem Bodenfonds, und dem Keren Hajessod, dem Kolonisationsfonds, waren, die diese Kolonisation unternommen haben und durchführen, sondern daß die Siedler alles auf eigene Rechnung und Gefahr tun. Es gibt hier infolgedessen auch ein gewisses Maß von Spekulation mit ihren unliebsamen Begleiterscheinungen. Die Siedler verstehen aber genau, daß ihre Leistung die Existenz einer starken jüdischen Arbeiterschaft, die eben durch die sogenannte nationale Kolonisation geschaffen wurde, zur Voraussetzung hatte. Auch sind die meisten Siedlungen doch in irgendeiner Form von den natiorialen Fonds gefördert worden. Auch den Scharon baut eine Generation echter Chaluzim, die die Hilfe der Nation brauchen — und verdienen. Haushaltskosten in Palästina Als Ergänzung zu der von unserem Korrespondenten aufgestellten Berechnung geben wir einer abweichenden Auffassung Raum, die zu niedrigeren Ziffern kommt. So wird die Frage Von zwei Seiten beleuchtet. Red. Die Frage der Haushaltskosten in Palästina beschäftigt jetzt begreiflicherweise viele deutsche Juden, die sich ernst mit dem Gedanken der Uebersiedlung befassen. Die Angaben darüber, die vom palästinensischen Korrespondenten der ״Jüdischen Rundschau“ (Nummer 34) gemacht wurden, erscheinen mir, einem Palästinenser, einer Korrektur bedürftig. Dabei meine ich natürlich nicht die ersten Ausgaben einer neueingewanderten Familie, die sich im Lande noch nicht orientiert hat. Diese Ausgaben sind selbstverständlich relativ hoch, aber auch anderswo wird der Lebensstandard nicht an den Ausgaben eines Landfremden gemessen. Prüfen wir also die Bedarfsrechnung von £ 25—30. Der Posten von £ 6 für eine Dreizimmerwohnung für eine vierköpfige Mittelstandsfamilie, die ,,einigermaßen bequem und auskömmlich wohnen will‘•, ist augenblicklich für Tel-Awiw zutreffend, ist aber für Haifa und Jerusalem, ganz, abgesehen von Kolonien, zu hoch berechnet. Es ist auch zu hoffen, daß in Tel-Awiw, mit der Fertigstellung der recht zahlreich im Bau befindlichen Häuser, die Miete niedriger wird. Unlängst hat die palästinensische Regierung die Munizipalitäten durch ein besonderes Gesetz ermächtigt, Schritte zum Mieterschutz zu unternehmen. Es ist damit zu rechnen, daß Tel-Awiw reichlich Gebrauch davon machen wird. Der andere Posten in der Rechnung, der mir anfechtbar scheint, betrifft die Verpflegung. Es mag richtig sein, daß ein Einzelner, der auf Gasthäuser angewiesen ist, etwa £ 3 im Monat hierfür braucht, es ist aber nicht angängig, diese Summe für eine vierköpfige Familie einfach mit 4 zu rnultiplizieren. Niemals braucht eine vierköpfige Familie für Verpflegung vier mal so viel, als vier einzelne Personen. Der Korrespondent gibt ferner zu, daß der hohe Posten für Hausgehilfin von £ 6 gestrichen werden könne, wenn ״die Hausfrau ihre Arbeit selbst besorgt“. Hierzu ist zu bemerken, daß eine solche Lebensweise in Palästina — auch in Mittelstandsfamilien — gang und gäbe ist und keineswegs gesellschaftlich negativ bewertet wird. Eher trifft das Gegenteil zu. Die klimatischen Verhältnisse erleichtern die Hausarbeit in hohem Maße. Die empirischen Tatsachen stehen zu der Monatsberechnung von £ 30 oder auch nur £ 25 in schroffem Gegensätze. Die Gehaltsskala der Arbeiterorganisation für ihre Angestellten, die sich für eine vierköpfige Familie auf £ 15 beläuft, wird in dem Artikel erwähnt. Tatsächlich wird die Mehrzahl der Privatangestellten eher schlechter als besser bezahlt (ich sehe selbstverständlich von den relativ wenigen höheren Beamten ab). Auch das Gehalt der Munizipalitätsangestellten, der meisten Lehrer, vieler Krankenkassen- und Krankenhaus- Srzte ist kaum höher. Wenn wir vom Plantagenbesitzer absehen, so ist der Monatsverdienst und damit die Monatsausgäbe der meisten Kolonisten eher noch niedriger. Das gleiche gilt für Handwerker und kleine Kaufleute. Zusamniengenommen: es handelt sich hier um die überwiegende Mehrzahl des jüdischen Mittelstandes in Palästina. Dabei sind diese Schichten, ihrem Lebensstandard gemäß, keineswegs den Arheitern oder gar den orientalisch-jüdischen Familien zuztirechnen. Sie führen kein sehr komfortables Leben, oft müssen sie sich den Groschen genau ansehen, bevor sie ihn ausgeben, ihr Haushalt ist einfach, ihre Kleidung ebenfalls; sie haben aber ein sicheres Dach über dem Haupte, ihre Kinder leiden keinen Hunger und gehen in die Schule, sie können sich eine Zeitung, ein Buch, eine Theatervorstellung ruhig leisten und manche können dabei auch noch Ersparnisse machen. Die bemerkenswerte Entwicklung der Vorstadt- Siedlungen, die aus eigenen Mitteln der Kleinhaus- und Wohnungsbesitzer besteuert werden, wurde vor allem durch diesen Mittelstand (Angestellte, Aerzte, Lehrer) und daneben auch durch eine Reihe von Arbeitern, deren Lebensstandard noch niedriger ist, möglich gemacht. Dabei sticht dieser Mittelstand, mit einem Monatseinkommen von, sagen wir £ 15—18, keinesfalls von dem allgemeinen ״Landesbild“ ab, eher umgekehrt. Und was die Juden anderer Länder anbetrifft — Polen, Rumänien, Litauen und, wenn nicht schon jetzt, so doch in der nahen Zukunft wohl auch Deutschland (von Rußland und den orientalischen Ländern schon gar nicht zu reden) —, so hat die große Mehrheit von ihnen auch in dieser Hinsicht Grund, das bescheidene Los des palästinensischen Mittelstandes und auch des palästinensischen Arbeiters zu beneiden. Wieviel jüdische Mittelstandsfamilien gibt es denn in der Welt, die ״mit £ 25—30 einigermaßen auskommen können?“ Aus zwei Gründen erschien es mir wesentlich, die Haushaltsrechnung von £ 25—30 ״heruntemidrückcn“: einmal, damit die eventuellen Einwanderer sich durch diese relativ hohe Summe nicht abschretken lassen, zweitens damit sie einen richtigen Begriff von dem erhalten, was in Palästina als ״landesgemäß“ und ״standesgemäß“ gilt, und nicht dazu bewogen werden, den Lebensstandard in die Höhe zu treiben. Palästina muß noch sehr viel Juden aufnehmen, unter ihnen auch recht viele Mittelstandsfamilien, die von einem Monatseinkommen von S. 25—30 weit entfernt sind und bleiben werden. Es ist ein hartes und bescheidenes Land, dem ein hartes und bescheidenes Leben entspricht. Moses Bcüinson. Das Gericht in Nablus hat eine von arabischer Seite eingereichte Feststelliirigsklage auf Anerkennung der Wcidebercchtigung im Walde der jüdischen Kolonie Nahalal abgewiesen. Palästina ■ Qlirtöcbaftötcü Von unserem palästinensischen Korrespondenten Die führenden Wirtschaftsinstitute des Landes verstärken ihre Propaganda für eine größere Berücksichtiung Haifas innerhalb der jetzt bearbeiteten ökonomischen läne. Die erstklassige Verkehrslage Haifas, die jetzt mit der Vollendung des Hafens voll ausgenutzt werden kann, seine bedeutsamen internationalen Verbindungen liefern der geschäftlichcn und industriellen Initiative außergewöhnliche Möglichkeiten. Trotzdem diese Tatsachen überall anerkannt werden, herrscht nach wie vor die Tendenz, mehr in und um Tel-Awiw zu investieren. Nur einzelne Unternehmungen, die als Vorläufer der späteren großen Entwicklung zu betrachten sind, werden jetzt dort in Angriff genommen. * Es mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, die vor Ueberinvestitionen in den Orangenplantagen warn en. Einzelne schlagen sogar eine Pflanzungspause von mehreren Jahren vor, damit unterdessen eine Klärung der Marktbedingimgen stattfinden kann. Zur besseren Balancierung clor Wirtschaft wird verlangt, daß jetzt der Großteil der investierten Gelder in die Industrie abgelenkt wird. In der Tat ist auch ein wachsendes Interesse an industriellen Projekten überall zu bemerken; dennoch hält die Zitruspflanzung unverändert ihren ersten Platz in den Investitionen. * Unter den großen Projekten, die zurzeit in Bearbeitung sind, ist von speziellem Interesse der Plan einer Gesellschaft für die Entwicklung des Tel-Awiwer Strandes. Er umfaßt einen großzügigen Um- und Ausbau der Meergegend, Anlage von Strandwegen, Hotels, großen SchwirrirtDecken, Baumpflanzungen und ähnliches. * fm Zusammenhang mit dem steigenden Orangenexport erhält die Herstellung guter Zufahrtsstraßen zu Eisenbahnen, Häfen und Zentralchausseen Bedeutung. Es gibt immer noch viele kleine Strecken zwischen Dörfern und Chausseen, wo der Transport durch Kamele bewerkstelligt wird, was eine Verlangsamung der Versendung bedingt. Die Regierung;!;ißt die Frage in ihrem zuständigen Komitee bearbeiten. Einzelne jüdische Siedlungen gehen daran, aus eigenen Mitteln Zufahrtsstraßen anzulegen, die bis zur nächsten Pflückzeit fertiggestellt werden sollen. * ln Haifa wird neben dem neuen Arbeiterviertel, das am!Meer auf dem Wege nach Akko gebaut ist, die Anläge eines neuen Viertels für den Mittelstand geplant. Es werden Anleihen für den Bau beschafft, die im Laufe von 8 bis 10 Jahren abzuzahlen sind. Von den Interessenten wird die Einzahlung von £ 75 verlangt. Es haben sich bereits 100 Kandidaten für Bauten gemeldet. Der Plan gehört in die Gruppe derer, die jetzt zur Aufschließung der wichtigen Gelände um die Haifaer Bucht entworfen werden. * Die neuen Obligationen der Hypothekenbank, die auf fünf Jahre laufen und mit 6 ״/o verzinst werden, sind auf der Alexandrinischen Börse notiert worden. Es ist das erstemal, daß ein palästinensisches Papier auf einer Börse zum Verkauf kommt. * Der Verband der palästinensischen Industriellen hat eine Bank für die Gewähr langfristiger Kredite an lnd u s 1 r i eile auf kooperativer Basis gegründet. * ln Haifa wird eine Fabrik für Stahlmöbel, Nähmasrliinenteiie, Kinderwagen und Fa 11 rräder eingerichtet. Das investierte Kapital beträgt £ 10000. 111 Tel-Awiw wird die Errichtung einer neuen großen Trikotagenfabrik geplant. Die neuerrichtete Fabrik für Aluminiumwaren in Ramat-Oan (bei Tel-Awiw) hat zu produzieren begonnen und bringt ihre Waren auf den Markt. Sie beschäftigt zurzeit 25 Arbeiter. Ihre Zahl soll auf 50 erhöht werden. Die neuerrichtete Fabrik für Silberwaren in Tel-Awiw hat die Produktion aufgenommen und in einer Ausstellung ihre Produkte dem Publikum vorgeführt. Unter dem Namen Oriental Film Co. hat sich in Tel- Awiw eine Filmgesellschaft gebildet. Sie beabsichtigt, hebräische und arabische Tonfilme herzustcllcn. Sachverständige und Schauspieler sollen aus Deutschland herangezogen werden. * In Ramat-Gan, dem neuen Industrieviertel bei Tel-Awiw, sind zwei Fabriken für die Herstellung von Schokolade und Zucke!•werk im Bau. Io Tel-Awiw wird eine Werkstatt zur Herstellung von Kinderspielzeug aus Blech und Papiermache eingerichtet. Seit kurzem besteht eine arabische Autobusverbfndung zwischen Jaffa und Jerusalem, ähnlich der von Juden betriebenen Verbindung Tei-Awiw—Jerusalem. Die Karosscricn für die Autobusse wurden in Tei-Awiw hergestellt. * Die Irak Oil Company hat bei der Röhrenleg ung von Mossul nach Haifa bereits die palästincnsisch.c Grenze von Transjordanien aus überschritten. Sie vollendet jetzt die Leitung von Beth-Schan in der Jordansenke bis nach A f u 1 e in der Ebene Jesreel. Von dort bleibt nur ein kurzes Stück bis Haifa, dem Ausgangshafen der Linie. Unterdessen ist auch die T elephonleitung der Gesellschaft zwischen Kirkuk, einem der wichtigen Punkte der Leitung im Irak, und Haifa fertiggcstellt worden. Dieser Draht wird von der Gesellschaft für ihre speziellen Zwecke gelegt. Es ist das die erste telephonische Verbindung zwischen Irak und Palästina. ¥ Die Gesundheitsabteilung der Regierung in Tel- Awiw fordert von den neuen größeren Betrieben ausreichende sanitäre Einrichtungen, wie Wasch- und Eßräume für die Arbeiter und Vermeidung der Rauchbildung. Die größeren neuen Anlagen werden sämtlich nach Plänen gebaut, die diesen Anforderungen entsprechen.