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Jüdische Rundschau · 1933-05-30 · Heft 43-44 (30.5.1933) · p. Seite 231

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 43-44 (30.5.1933)
Date
1933-05-30
Page
Seite 231 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 43/44. 30. V. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 229 Lehren der Katastrophe Von Arthur Prinz. I. Unter den deutschen Juden bebt die Erde — die deutsehe Erde, auf der sie sich sicher fühlten und auf die sie ihr Haus gebaut hatten. Nun stürzen die großen festen Häuser ein, wer gestern wohigeborgen schien, hat heut kein Obdach, und wenige wissen, wie sie sich ein Morgen aufbauen sollen. Und doch ist Tausenden von deutschen Juden nicht die verlorene Habe, nicht die Not, ja das schwarze Nichts, vor dem viele stehen, das Furchtbarste — schlimmer ist der Zusammenbruch der Ideale, an denen Generationen Halt zu finden glaubten, die grenzenlose Enttäuschung, die den Lebenswillen selbst zu ersticken droht. Wer all die Jahre hindurch seine Religion als belanglos, Abstammung als peinlichen Zufall zu empfinden gewohnt war, — wer seine ganze Hingabe, all seine guten Kräfte dem Deutschtum oder einer ״allmenschliehen“ Bewegung wie dem Sozialismus zugetragen hatte, der kann nicht wissen, wie er jetzt plötzlich als Verfemter leben soll, versteht nicht, was um ihn vorgegangen ist und was ihm selbst geschieht. Wir anderen aber, die auch in den guten Jahren nicht vergessen hatten, Juden im Galutl^zu sein, wir, deren Predigten auf taube Ohren stießen, weil wir am hellerlichten Tag ״Gespenster“ sahen, nämlich unter der stechenden Mittagssonne der Weimarer Republik das Gespenst der Judenfrage — auch wir sind jetzt von Schmerz erfüllt angesichts des namenlosen Unglücks, und sind tief betroffen, daß sich im Lande Beethovens und Kants der Judenhaß so hemmungslos durchsetzen und so schrecklich offenbaren konnte — aber im Grunde sind wir nicht überrascht und nicht erschüttert. Ist doch dies alles nur die schlimme Bestätigung schlimmer Ahnung und Erinnerung — damit aber auch Bestätigung unserer selbst, deren Stimme nicht trog. Wir glauben zu verstehen, daß die deutschen Juden das furchtbare alte Judenschäcksal gerade deshalb ereilt hat, weil sie von Judentum lind Juden- Schicksal nichts mehr wissen wollten, — daß uns Haß und Ablehnung der Deutschen gerade deshalb trifft, weil die meisten von uns wähnten und den Ehrgeiz hatten, ganz deutsch zu sein — im Besitz aller, auch der ״ungeschriebenen“ Rechte! Wer die verhängnisvolle Täuschung fast der gesamten deutschen Judenheit über ihre Lage, wer die Verblendung, die auch einen großen Teil der Zionisten miterfaßte, in den langen Jahren nach dem Kriege mit steigender Beängstigung sah, für den erfüllen sich heute die Worte aus der Kriegsdichtung Stefan Georges mit eigenem Sinn: Was euch erschüttert ist mir lang vertraut Lang hab ich roten Schweiß der Angst geschwitzt als man mit Feuer spielte . . . meine Tränen vorweg geweint . . . heut find ich keine mehr. Aber in dieser Stunde des Unglücks, da die meisten nur Trauer und Entsetzen spüren, einzelne sich mit leichtfertiger Hoffnung auf baldigen Umschwung oder eigenes Entrinnen trösten, bewegt die einstigen Warner Hoffnung und Zweifel: Werden jetzt endlich der Judenheit (soweit sie noch eine seelische Einheit bildet) die Augen dafür aufgehen, w o s i e steht, und wird sie die Kraft finden, sich einen neuen und festeren geistigen Standort zu schaffen? Was jetzt in Deutschland geschieht, ist ganz gewiß für die Zukunft nicht nur der deutschen Juden entscheidend, sondern ändert die Weltjuden frage. Geht von der Katastrophe des deutschen Judentums ein entscheidender Anstoß aus, die Steilung der Judenheit innerhalb der Krisis der abendländischen Kulturwelt zu überprüfen, und ist es unserem Geschlecht gegeben, diese Stellung zu erneuern und zu festigen, so muß die jetzige Not zu einem großen Segen werden, ln solcher Hoffnung liegt der Trost für die heute Leidenden: Ihr laßt euch pressen von der äußern Wucht . . . dies sind die Flammenzeichen, nicht die Kunde. Oder aber wird diese Hoffnung uns trügen? Wird diese Stunde vonibergehen, ohne daß wir ihren Sinn begreifen — diese Stunde, die jedem denkenden Nichtjuden mit unerhörter Deutlichkeit zum Bewußtsein bringen muß, wie einzigartig und tief fragwürdig die Existenz von Millionen nicht mehr durch eigene Tradition gebundener, aber auch die Werttafeln der anderen Völker nicht verehrender Juden innerhalb der von schwerster Krankheit befallenen westlichen Kultur- und Staatenwelt ist? Wenn die geistigen Führer der Judenheit nicht begreifen, wo wir stehen, oder nicht die Kraft finden, weiter zu fiiheren, — wenn all die furchtbaren Fehler, die zur Katastrophe des deutschen Judentums geführt haben, bei nächster Gelegenheit wiederholt werden, dann dürfte der deutsche Zusammenbruch nur ein Vorspiel sein... Das meiste war geschehen und keiner sah . . . Das Trübste wird erst sein und keiner sieht. II. Um der Zukunft willen ist es also unsere Pflicht, die begangenen Fehler zu erkennen. Einzelne Personen und ihr Schuldkonto zu prüfen, verbietet nicht nur der Raum, sondern schon die Absicht dieser Zeilen; denn wenn auch mancher, dem eigentlich das Wort heute im Halse stecken bleiben müßte, noch groß zu reden wagt, so sind doch die allermeisten, die am Unglück des deutschen Judentums besondere Schuld tragen, heute politisch tot. Deshalb werden Namen hier nur zur Illustration oder rascheren Verständigung genannt. Im übrigen können die folgenden Stichworte und kurzen Thesen natürlich nur dazu dienen, die Blicke auf die Fragen selbst zu lenken und Auseinandersetzungen in Gang zu bringen. Soweit die Katastrophe überhaupt auf jüdische Fehler (und nicht auf Besonderheiten der deutschen Lage nach dem Kriege) zurückzuführen ist, liegt vor allem ein furchtbares Versagen der deutschen Juden in der Politik vor: außerdem haben sich gewisse Erscheinungen auf kulturellem Gebiet stark ausgewirkt. Hier wie dort ist von einer i ü d i - sehen Kollektivschuld zu sprechen, während es natürlieh nicht angeht, etwa die bekannten Wirtscliaftsskandale, in denen einzelne Juden an sichtbarster Stelle figurierten, irgendwie der Gesamtheit zur Last zu legen. 111 der Außenpolitik haben fast sämtliche deutschen Politiker jüdischer Herkunft nach dem Kriege einen verhängnisvollen Mangel an Instinkt für das Gewicht der historischen Tradition und solcher Imponderabilien wie des Nationalstolzes, aber auch für die Tiefe machtpolitischerOegensätzeüberhauptan den Tag gelegt, — während andererseits bloße institutioneile Neuerungen wie der Völkerbund, die wohl die Methoden, nicht aber (wenigstens in so kurzer Zeit) das Wesen des politischen Kampfes selbst ändern konnten, bezeichnenderweise von fast allen deutschen luden maßlos überschätzt wurden. (Es wird wohl niemand, besonders angesichts de! fernöstlichen Entwicklung, leugnen wollen, daß die deutsche Rechte mit ihrem Mißtrauen gegen den Völkerbund weitgehend Recht behalten hat!) Um Mißverständnissen vorzubeugen: daß die allermeisten Juden nach dem Kriege innerlich der Verständigungspolitik oder sogar einem ausgesprochenen Pazifismus zuneigten, war nur natürlich. Aber daß sie sich dabei in der Regel weder über ihre zum großen Teil spezifisch jüdischere Motive Rechenschaft gaben, noch über die ungeheuren realen Schwierigkeiten und Gefahren, die unter den gegebenen historischen Umständen jeden Staat von einer schnellere Verwirklichung pazifistischer Prinzipien abschrccken mußten, — das war ein Beweis des Mangels an politischem Ernst und persönlicher Ehrlichkeit, und mußte zu einer unerhörten Verschärfung des Antisemitismus auf der Rechten führen. Denn das überaus starke Hervortrefen von juden in der radikal-pazifistischen Agitation und die mehr oder minder pazifistischen Tendenzen der gesamten ״Judenpresse“ mußten bei den Nationalisten das Gefühl hervorrufen, daß wichtige Slaatsinteressen fortwährend von ״den“ Juden, und also wohl aus jüdischen Motiven, geschädigt würden. — Als Bismarck das Wort prägte, man beschleunige nicht den Lauf der Zeit dadurch, daß man seine Uhr vorstelle, scheint er den Geisteszustand der deutschen Judenheit nach dem Kriege vorausgeahut zu haben, und bei ihrem gewaltigen Einfluß auf die öffentliche Meinung hätte sich wirklich das Volk recht gefährlieh in der Zeit irren können... Fragt man aber nach den Ursachen dieser jüdischen Geisteshaltung, so scheint die wichtigste darin zu liegen, daß im allgemeinen mit der Religiosität, insbesondere mit dem Glauben an die messianisclien Verheifiungen, den Juden auch die Kraft verloren gegangen ist, einer harten Wirklichkeit ins Auge zu sehen und mit langen Zeiträumen zu rechnen: daher die Versuchung, den ersehnten Friedenszustand für schnell erreichbar und nahe bevorstehend zu halten! Aber das politische Unvermögen der deutschen Judenheit ist in der Innenpolitik noch krasser hervorgetreten. Wir wollen hier absehen von all den Fehlem, für die sozusagen die gesamte Linke ,,ohne Unterschied der Konfession“ gleich verantwortlich ist, — so insbesondere die Verwechslung parlamentarischer Mehrheiten mit politischer Macht und die damit zusammenhängende Unterschätzung und Verärgerung der Reichswehr. Speziell von Juden zu verantworten, und aus jüdisehen Motiven zu erklären, sind andere Fehler. Daß die große demokratische Presse — entscheidend beeinflußt von jüdischen Journalisten wie Th. Wolff, Bernhard, Feder, Eibau usw. — die längste Zeit über nicht merkte, wie sehr die Republik das tiefe Bedürfnis der Jugend nach Helden und Heldenverehrung, oder wenigstens nach sichtbaren Trägem der Verantwortung, unbefriedigt ließ, und wie der formlos-häßliche Betrieb im Reichstag ein an Glanz und Repräsentation gewöhntes, dialektischen Uebungen nicht sehr geneigtes Volk abstoßen mußte, — das war gewiß schon ein starkes Zeichen fehlender ״Volksverbundenheit“. Bezeichnender aber war das — eigentlieh so ganz unliberale! — starre Festhalten der großen demokratisclien Presse am Weimarer Werk, ihre Ablehnung selbst der mäßigsten und vernünftigsten Reformvorschläge (wie der Abschaffung des Listenwahlrechts) zu einer Zeit, da die Unhaltbarkcit des Bestehenden längst auf der Hand lag und die ehemals prominentesten nichtjüdischen Demokraten, die Hellpach, Qeßler, v. Siemens, Schacht e tutti quanti, einer nach dem anderen rechts abmarschiert waren! Vor allem aber machte diese Presse, die einen geistigen Hochmut sondergleichen zur Schau trug, nicht einmal einen ehrlichen Versuch, mit den neuen Strömungen, die in Zeitschriften wie dem ״Ring", der ״Tat“, der ״Deutschen Rundschau‘ usw. eine sehr bemerkenswerte geistige Kraft bewiesen, sich ernsthaft auscir,anderzusetzen. Nein, diese Liberalen diskutierten nicht, sondern predigten alte Dogmen und verdammten junge Ketzer — und sie konnten nicht diskutieren, weil sie als jüdische Assimilanten in dem neu heraufkommenden Geist ihren Todfeind spürten, •— und tatsächlich wurde dieses verkappte Judentum auch von dem Teil des neuen Nationalismus abgelehnt, der sonst nicht antisemitisch war. — Ohne jeden positiven Halt am Judentum, aber verfolgt und besessen von der Angst, man könne ihnen als Juden die Berechtigung absprechen, deutsche Politik zu treiben, — so brachten diese Männer in der politischen Taktik eine fast lückenlose Kette von Fehlern zustande, um in der geistigen Auseinandersetzung erst recht zu versagen. Wahrlich, eine Zeitung wie das ,,Berliner Tageblatt“ war geistig Hingst bankerott, bevor es die politische ״üleichschaltung״ ereilte! Unglück und Instinktlosigkeit des deutschen Judentums, mit so wenigen Ausnahmen und Widerständen, solche Sachwalter geduldet zu haben! III. Ist die Tatsache, daß unsere jüdischen Demokraten und Sozialisten gegenüber dem deutschen Nationalismus keinerlei Diskussionsmöglichkeit fanden, psychologisch und soziologisch aufschlußreich genug, so führt uns ein anderes Symptom noch näher an den Kern der heutigen Judenfrage heran: nämlich daß die gleichen Kreise gegenüber dem Bolsclicwismus keine solchen Hemmungen empfanden! Während wohl jeder Christ, der um die Grundlagen der zweitausendjährigen abendländischen Kultur weiß und sie, wenn auch nicht ganz unverändert, zu erhalten wünscht, angesichts des ungeheuren Angriffs auf die Freiheit der Persönlichkeit, auf Familie und Religion, zurückschaudert und gerade wegen der furchtbaren Größe des Vorganges hier nicht diskutieren, sondern sich nur zwischen Ja und Nein letztlich entscheiden kann, — hat wohl ein großer Teil der deutschen Juden den Bolschewismus als ״hochinteressantes Experiment“ empfunden, an dem man dieses loben und jenes tadeln könnte — eine Betrachtungsart, die im wirtschaftlichen Bereich zulässig sein mag. Aber viele Juden (wie freilich auch viele Nichtjuden) besaßen überhaupt kein Gefühl dafür, daß der Sieg des Bolschewismus in einem der großen ehemals christlichen Länder die ganze christliche Kultur erschüttert und in Frage gestellt und dadurch jedem einzigen kulturellen und religiösen Problcm ein anderes Gesicht und Gewicht gegeben hat! Und Die ״Jüdische Rundschau“ in jedes jüdische Haus/ Helfen Sie uns zur Erreichung dieses Zieles! Jeder neueintretende Vierteljahrs-Abonnent erhält auf Wunsdt die Mainummern gratis nachgeliefert. ebensowenig kam den meisten Juden zum Bewußtsein, daß die (freilich oft übertrieben dargestellte!) Beteiligung von Juden am russischen und ungarischen Bolschewismus das Gesicht der Judenfrage in der ganzen Welt verändert hatte. Nur die furchtbarste Verblendung sowohl über die Wandlung der Judenfrage seit 1917 wie über die allgemeine religiöse •und kulturelle Krise Europas konnte jenen verhängnisvollen Zustand des letzten Jahrzehnts herbeiführen, indem ein paar Dutzend flacher Literaten mit jüdischer Herkunft mit Problemen frech zu spielen wagten, für deren Schwere sie das Gefühl verloren hatten — während eine große Zahl der deutsehen Juden dieses Treiben ergötzlich oder wenigstens ertraglieh fand und mehr oder weniger hinnahm ... W< thv ungcl.eti׳ Rolle dieser ״Kuitu.-boischewismus“ in der antisemitischen Propaganda gespielt hat, ist heute bekannt. Aber noch sehen die meisten Juden nicht, daß sich aus dieser Situation eines der größten, ja, wie wir glauben, sogar das entscheidende Problem der jüdischen Zukunft ergibt: nämlieh die Frage, ob es gelingen wird, den modernen, von der Orthodoxie alten Stils gewiß nicht mehr zu befriedigenden Juden, und vor allem gerade ihren stärksten geistigen Potenzen, wieder eine religiöse Bindung zu gehen, die auch ihr Verhalten zur Umwelt anders gestaltet als bisher. Vor über dreißig Jahren hat der französische Katholik Maurice Muret in einem erstaunlich hellsichtigen Buche ״L’esprit juif“*) nach einer Analyse verschiedener Gedankensysteme moderner Juden den Schluß gezogen, gerade die geistig bedeutendsten Juden hätten ihre religiösen Bindungen zerrissen, verträten aber gewisse jüdische Ideale, meistens unbewußt, in sozusagen ,,säkularisierter“ Form, um! versuchten für diese ihre Ideale, die zum Teil im Gegensatz zu den christlichen standen, die Massen zu gewinnen. Dieser Prozeß hat seitdem, und besonders in Deutschland nach dem Kriege, einen gewaltigen Umfang angenommen, und irr den Angriffen auf fremde Heiligtiimer, die früher wenigstens von bedeutenden Denkern herrührten, erging sich noch vor kurzem fast jeder Literat. Und wenn wir heute vor einer so erschreckenden, keineswegs nur durch politische Demagogie künstlich hervorgerufeiien Auflehnung gegen den jüdischen Einfluß im deutschen Geistesleben stehen, — so ist die tiefste Ursache wohl nicht die, daß der Einfluß von Juden ausging, als vielmehr, daß es im allgemeinen nicht der Einfluß eines positiven, mit bestimmten ethischen Inhalten gesättigten Judentums war, sondern ein gestaltloser׳, anarchischer Einfluß... Wenn wirklich der judenheit das unendlich schwere Werk einer religiösen und nationalen Erneuerung gelingen sollte, so könnte es geschelten, daß Europa in seiner schweren Krise den jüdischen Einfluß, den es heute so vielfach verflucht, mit freudigem Dank aufnehmen, ja wiederum als Quell eigener Erneuerung empfinden würde. Den Weg zu einem echten Judentum, das nicht mehr wurzellos ist, beschreiten wir freilich nicht um dieser erhofften Wirkung willen, sondern um unser etwillen. Erla$ für die Privaischulen Ein soeben erschienener Erlaß des Überpräsidenten von Brandenburg schreibt vor, daß an allen Privatschulen den Schulräten sofort Bericht zu erstatten ist, welche nichtarischen und nichtdeutschen Privatlehrer beschäftigt werden und zu welchem frühesten Termin sie entlassen werden können. Die Unterrichtserlaubnis für diese Privatlehrer ist fiir ungültig zu erklären, die Unterrichtserlaubnisscheine werden nicht erneuert. Diejenigen Leiter von Privatschulen, die ihre arische Abkunft nicht zu beweisen vermögen, sind binnen drei Wochen dem Oberpräsidenten zur weiteren Veranlassung namhaft zu machen. Alle P r i v a 11 e h r e r, die Privatunterricht erteilen, haben binnen 6 Wochen ihren Schulräten ihre arische Abkunft nachzuweisen. Die Unten ichtserlaubnisschcine für nichtarische Privatlehrer sind einzn/.iehen. Den Schulräten wird verboten, Nichtariern oder Nichtdeutsehen Unterrichtserlaubnisscheine zu erteilen. Ausländer, die Unterrichtserlauhnisscheine fordern, sind an den Oberpräsidenten zu verweisen. Die Nachsuchung von Uiiterriditserlaubnissch einen durch Nichtarier ist zwecklos. Diese B e s t i m 111 u n g e n treffen nicht i ü - d is c 11 e P r i v a t s c h u len, di e a u s s c h! i e ß I i c 11 j ü - d i s c h c Kinder n u f n e h m e 11. m Zu der in Nr. •12 der ״Jtid. Rundschau“ abgedruckten An- Ordnung des Preußischen Kultusministers, wonach ein Aus- Schluß jüdischer Kinder von höheren Schulen vorderhand nicht zulässig ist, ist ergänzend darauf hin/uweisen, daß sieh dieser Erlaß 11 i c h t a 11 f di c 11 e u e i 11 t r e t e n d e n Sextaner bezieht. Für Sextaner gilt vielmehr die Be- Stimmung, daß 11 i c 11 t a r i s c 11 e Schüler (abgesehen von den im Gesetz. Iiezeichneten Ausnahmen) nur in der Weise autzunelinien sind, daß ihre Zahl 1,5 "<! der Gesamtzahl der Besucher der Schule nicht übersteigt. Zwei Bade-Nachrichten Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 25. <1. M. ver• öffcntücht auf derselben Seite zwei Nachrichten über Bade- Angelegenheiten, und zwar aus Tübingen und aus Wiesbaden. Aus Tübingen wird berichtet: In der Tübinger Gemeinderatssitzung vom 15. Mal wurde von der NSDAP, ein Antrag cingebracht, in dem es u. a. heißt: ״Juden und Fremdrassigen ist der Zutritt z 11 der städtischen Freibad eanstalt zu verwehren.“ Der Antrag wurde mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Aus Wiesbaden wird berichtet: Das Kurgeschäft ist in diesem Jahre bisher weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. ...Es ist daher im Interesse der Kurindustrie zu begrüßen, daß Magistrat, Kurdirektion und die nationalsozialistische Kreis- 1 eitun g in einem Aufruf an alle in Frage kommenden Stellen des In- und Auslandes bekanntgeben, daß die Heilquellen und sonstigen Heilmittel Wiesbadens auch unter der neuen Regierung allen Heilung- und Erholungsuchenden aus allen Ländern nach wie vor ungehindert zur Verfügung stehen, daß Ruhe und Ordnung niemals hier gestört waren. Es heißt weiter: ״Die für die Verwaltung Wiesbadens maßgebenden Stellen sind sich voll der Verpflichtung bewußt, die ihnen sowohl der Bevölkerung wie den auswärtigen Gästen gegenüber obliegt, und verbürgen allen, die zum dauernden oder vorübergehenden Aufenthalt nach Wiesbaden kommen, gleichgültig, welcher Konfession und Einstellung, einen ungestörten, sicheren und angenehmen Aufenthalt.“ *) L’esprit juif. Essai de Psychologie ethnique. Paris 1901. 320 S. Uebrigeas ist der Verfasser jetzt Mernbre de!’Institut.

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