Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 43-44 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- Seite 230 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 228 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 43/44. 30. V. 1933 heit verpflichtet. Das ausziehende Volk wird ein regelloser Haufe sein, wenn es nicht von der Idee ergriffen ist, wenn es nicht seiner Bestimmung eingedenk bleibt, wenn es nicht durch die Donner des Sinais geht. Die Befreiung ist noch nicht da; sie kann nicht von außen kommen und von keiner Macht der Welt, sondern nur von der sittlichen Entscheidung, die das Volk sprechen läßt: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun. Der geschichtliche Sinn und der Ewigkeitssinn unse* res restes wird Sinn unserer Gegenwart. (Auch erschienen in dem Sammelbuch ״Zleni• stische Politik" von Hans Rohn und Robert Weltsch, Verlag Färber, M.-Ostrau.) Die Hilfsaktion in England Der unter dem Präsidium von Lord Reading, Lionei de Rothschild, Dr. Chaim Weizmann, Nahum Sokolow und Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz stehende ״Britische Zentralfonds für die deutsche Judenheit“ hat soeben den ״dringenden Appell“ an die englische Judenheit, der von einer tragischen Kata- Strophe betroffenen deutschen Judenheit zu Hilfe zu kommen, veröffentlicht. In dem Aufruf heißt es, tausende von Juden hätten heute in Deutschland keine Aussicht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und keine Hoffnung für die Zukunft. Deshalb solle ein Zcntralfonds aufgebracht werden, der groß genug sein müsse, um den Leidenden sofortige Hilfe zu sichern und die Inangriffnahme des ungeheuren Problems von verschiedenen Seiten her zu ermöglichen. Im Hinblick darauf, daß Palästina denjenigen, die auszuwandem genötigt sind, die besten Aussichten für den Aufbau eines neuen Lebens biete, werde ein wesentlicher Teil der gesammelten Dehler zur Ansiedlung geeigneter Einwanderer In Palästina im Rahmen der Aufnahmefähigkeit des Landes verwendet werden. Ein besonderes Komitee werde über die Art der Verwendung der Gelder im einzelnen bestimmen. Jedem Spender aber bleibe es unbenommen, die Verwendungsart seiner Spende selbst festzulegen. Gleichzeitig wurde die erste Liste der bisher für den Fonds eingegangenen Spenden veröffentlicht. Ihre Summe betragt annäherd 62 000 Pfund. Je 1ÜOO0 Pfund haben die Bankhäuser W. M. Rothschild & Sons und M. Samuel ft Co., der Baron-Familientrttst und die Mitglieder der Familie Marks (Simon Marks, I. M. Sieff, Norman Laskv, Harry Sacher und Frl. Mathilde Marks) gespendet; je 1000 Pfund zeichneten Dr. Weizmann, Lord Melchctt, I)r. Claude 0, Montefiore, Sir Monfague Burton, Sir Robert Walley-Cohen, Oberstleutnant S. 01, Cohen, S. Japliet und Claude M. Lclgh; d’AvIgdor Cioldsmid und eine Reihe anderer Spender zeichneten je 500, Leonard G. Montefiore u. v. a. je 250 Pfund. * Die Aktion für den Hilfsfonds wurde in einer von 500 geladenen Gästen besuchten Versammlung im Saale des Londoner jüdischen Gemeindehauses eröffnet. Den Vorsitz führte Anthony de Rothschild. Die Reihe der Ansprachen wurde durch den Vorsitzenden eröffnet, der u. a. erklärte, das gesamte englische Judentum müsse zur Hilfsarbeit herangezogen w׳erden. Man müsse für die Auswanderer aus Deutschland in verschiedenen Ländern Existenzmöglichkeiten finden. Insbesondere müsse jede Möglichkeit, Auswanderer in Palästina anzusiedeln, ausgenutzt werden. Dr. Weizmann hielt eine große Rede, in der er erklärte, man solle nicht Anklage erheben, sondern mit der tragischen Realität einer plötzlichen Katastrophe rechnen. Es handle sieh bei den Geschehnissen in Deutschland nicht um ein lokales Ereignis, vielmehr sei die ganze Judenheit durch sie betroffen. Dr. Wetzmann zog einen Vergleich zwischen den Judenverfolgungen im zaristischen Rußland und der heutigen Lage der Juden in Deutschland, zeigte, daß jene Verfolgungen von einer kleinen autokratischen Schicht ausgingen, während die jetzige Politik in Deutschland von einem großen Teil des Volkes getragen werde. Tragisch sei die innere Situation des deutschen Judentums. Die russischen Juden hätten in Ihrem Ghetto als stolzes Volk gelebt, erfüllt von moralischer Kraft. Das Judescin des deutschen Juden sei in vieler Hinsicht ausgehöhlt. Die Juden sagen ihm ״Du bist kein Jude“, der Deutsche sagt ihm ״Du bist kein Deutscher“. Tragisch sei auch der Rückschlag nach 150 Jahren Emanzipation in einem Lande, in dem Juden seit 1000 Jahren ansässig sind. Unmittelbare Nothilfe und Wanderfürsorge biete nur den Teil einer Lösung, ln den Jahre 1920 bis 1923 seien 80 Millionen Dollar für das osteuropäische Hilfswerk aufgebracht worden, aber es ist dadurch keine dauern de Hilfe geleistet worden: Ein neuer politischer Umschwung, und eine neue Hilfsaktion müßte cinsetzen. Die alten Einwanderungsländer seien verschlossen. Unter solchen Umständen gewinne Palästina, wohin der Jude nicht als Flüchtling, sondern kraft seines Rechts komme, besondere Bedeutung. Was in Palästina geschaffen wird, ist ein Werk, von Dauer, Palästina werde in den nächster! (ähren eine grofie Zahl deutscher Juden absorhieren können. Allerdings sei Anpassung notwendig. In palästinensischen Dörfern habe er, sagte Dr. Weizmann, junge Menschen aus guter Familie ein bescheidenes Leben führen gesehen. Am Kurfürsfendamm gebe man wahrscheinlich mehr Geld aus; aber ln Palästina lebe man glücklicher. Rückkehr zum Ursprung, zu unseren Traditionen gebe Kraft zum Aufbau eines neuen Lebens. Der Aufbau einer reinen, ehrenhaften Gemeinschaft in Palästina werde sich die Achtung der Welt erzwingen. Es sprachen noch Chief Rabbi Dr. Hertz, der liberaljüdische Führer Claude Montefiore, Simon Marks und der Vorsitzende des Board of Deputles Neville La*ki, der erklärte, die Tatsache, daß ein Rothschild sich an die Spitze der Aktion gestellt habe und daß so verschieden gesinnte Männer wie der Chief Rabbi, Dr. Montefiore und Dr. Welzmann auf einer Tribüne erschienen seien, beweise, daß für diese Aufgabe eine Einheitsfront geschaffen worden ist. Es sei heilige Pflicht, in der Arbeit für die deutsche Judenheit zusammenzustehen. Der Jüdische Nationalfonds für Großbritannien und Irland appelliert an die jüdische Ocffentlichkeit, dem Nationalfonds den Ankauf eines geschlossenen Landstücks zur Errichtung einer deutsch-jüdischen Siedlung ln Palästina zu ermöglichen. Der Bund der jüdisch en Gemeinden in Jugosla Wien Organisiert in allen Gemeinden Ausschüsse zur Hilfeleistung für die deutschen Juden. Die Ausschüsse befassen sich hauptsächlich mit der Beschaffung von Unterkünften und mit der Beköstigung mittelloser Juden aus Deutschland. Das zentrale Hilfsalctionskomitee fordert die gesamte Judenheit Jugoslawiens auf, die Fonds der Jewish Agency reichlicher zu bedenken, um die Schaffung einer sicheren Heimstätte für die aus Deutschland ausw&ndemden Juden zu ermöglichen. Die Judenfrage vor dem Völkerbund ln der Sitzung des Völkerbundsrates vom 26. Mai erteilte der Ratspräsident entsprechend dem in vertraulicher Sitzung gefaßten Beschluß dem deutschen Delegierten von Keller das Wort zu einer Erklärung über die Petition Bern heim, die sich mit der Lage der Juden in Oberschlesien und der angeblichen Unvereinbarkeit der deutschen Gesetzgebung mit den internationalen Verpflichtungen bezieht. Gesandter Von Keller erklärte, daß er die Petition sofort der Regierung übermittelt habe und von ihr ermächtigt wurde, die folgende Erklärung vor dem Völkerbundrat abzugeben: ״Die Internationalen Verträge des Deutschen Reiches werden selbstverständlich durch die innerdeutschen Gesetze nicht berührt. Wenn in Deutsch-Oberschlesien Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der Genfer Konvention erfolgt sein sollen, so kann es sich nur um Irrtümliche Maßnahmen nachgeordneter Organe auf Grund einer falsehen Auslegung der Gesetze handeln.“ Die Erklärung wurde, wie die ״DAZ." berichtet, schwelgend entgegengenommen. Der Berichterstatter, der irländische Delegierte Lester, erklärte darauf, er werde noch In diesen Tagen seinen Bericht über die Petition, die als dringlich erklärt worden ist, vorlegen. Wie berichtet wird, hat der Vorsitzende der intematlonalcn Oberschlesien־Kommission, der Schweizer Calonder, entsprechend der Verpflichtung, die ihm die deutsch-polnische Konvention von 1922 auferlegt, bereits Mitte April das deutsche^ Mitglied der Kommission auf die 11 n vereinbarkeit der deutschen Judengesetze mit der deutsch-polnischen Konvention aufmerksam gemacht. Das deutsche Kommissionsmitglied war nach der gleichen Konvention gehalten, von diesen Mitteilungen des Präsidenten seiner Regierung Mitteilung zu machen. Die Bedeutung und Tragweite der in der Ratssitzung vom 26. Mai abgegebenen deutschen Erklärung ist aus dem Berichte noch nicht klar zu erkennen. Insbesondere ist nicht klar, ob die Erklärung besagt, daß in Ober- Schlesien die Gleichberechtigung der Juden wieder 11 crgestelit werden soll und die auf Grund des Arierparagraphen vollzogenen Acndern igen rückgängig gemacht werden. Lieber die mutmaßliche weitere Behandlung der Angelegenheit verbreitet die JTA. aus Genf eine Darstellung, die wir mit allem Vorbehalt wiedergeben: Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die deutsche R e g i e r u n g ־ eine vor dem Völkerbundsrat abzugebende Erklärung vorbereitet habe, die folgende Hauptpunkte enthält: 1. Deutschland zieht seinen Einspruch gegen die Behandlung der Bernhelm-Petitlon zurück: 2. Deutschland stimmt zu, daß die Verhältnisse in Oberschlesien entsprechend den internationalen Verpflichtungen gestaltet werden; 3. Im Hinblick darauf, daß aus den dem Völkerbund überreichten jü• dischen Petitionen hervorgelle, daß die Juden sich als nationaie Minderheit betrachten, ist die Deutsche Reichsregierung bereit, die Frage zu studieren, wie die Rechtsstellung der Juden in Deutschland als nationale Minderhelt geregelt werden könnte. in Völkerbtmtlskreisen erregt insbesondere der dritte Punkt der angeblich von der Reichsregierung vorbereiteten Erklärung außerordentliches Interesse. Es wird darauf hingewiesen, daß die Regelung der Judenfrage in Deutschland auf Grund der Auffassung, daß die Juden eine nationale Minderheit seien, von Deutschland nicht getroffen werden könne, ohne daß den Juden Gleichheit der politischen und bürgerlichen Rechte zugestanden werde. Obwohl nunmehr feststeht, daß die Frage der Zurück- Setzung der Juden in Deutschland vom Völkerbundsrat behandelt werden wird, — das mit dem Studium der Petitionen der jüdischen Organisationen befaßte Dreierkomitce war entschlossen, den Gegenstand selbst dann zur Sprache zu bringen, wenn der Völkerbundsrat der Beschwerde Bernheims die Legltimation abgesprochen hätte —■ zweifelt man in diplomatischen Kreisen daran, daß bei den Beratungen die deutsche Judenfrage in ihrem ganzen Umfang aufgerollt werden wird. Es bestehen Anzeichen dafür, daß diese Frage noch vor ihrer Beratung zum Gegenstand politischer Koni pensationsverhandlungen gemacht wurde. In diesem Lichte gesehen, gewinnt die mit Unterstützung der englischen Delegation zustande gekommene eintägige Verschiebung eine größere Bedeutung als es zunächst den Anschein erweckte. Da nämlich der englische Außenminister Sir John Simon und der französische Außenminister Paul Boncour schon am Donnersfag-Abend aus Genf abreisten, würde die Erörterung in einem politisch wesentlich weniger bedeutsamen Rahmen erfolgen. Nach den letzten bis zu RedaktionsSchluB eingetroffenen Nachrichten sollte die Petition bezüglich der Lage der Juden in Oberschlesien Montagnachmittag (29. d. M.) zur Verhandlung kommen. Der Berichterstatter, der Irländer Lester, hat irt den letzten Tagen mit der deutschen Vertretung mehrere lange Sitzungen abgehaiten, wobei es jedoch zu einer Verständigung über eine gemeinsame Formel nicht gekommen sein soll. Sokolow bei de Valera Dublin, 27, Mai. (J. T. A.) Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, wurde Vom Präsidenten des irischen Freistaates, de Valera, In längerer Audienz empfangen. Sokolow legte ausführlich die Gesamtlage des jüdischen Volkes in den verschiedenen Ländern dar und schilderte die in Palästina geleistete Aufbauarbeit. Alle zivilisierten Nationen seien an dem Erfolg dieses großen Werkes interessiert, de Valera erWiderte, er habe den Bericht über die Lage in Palästina mit großer Befriedigung zur Kenntnis genommen und werde sich freuen, zu tun, was in seiner Macht stehe, sobald man seine Hilfe als notwendig erachten würde. (De Valera hat sich jetzt auf eine Reise nach Rom begeben. — Red. ״J. R.״) Englisches Hilfskomitee für Gelehrte. Wie die ״Times" meldet, ist in London ein Hilfskomitee gebildet worden, um Geldmittel zur Unterstützung derjenigen Hochschul• lehrer aufzubringen, die ״auf Orund von Religion, politischer Ueberzeugung oder Rasse außerstand sind, ihre Tätigkelt In ihrem eigenen Lande auszuüben". Obwohl der Ausschuh in seinem dieser Tage veröffentlichten Aufruf vor allem von den Ereignissen in Deutschland ausgeht, will er doch keineswegs seine Arbeit lediglich auf die Unterstützung von deutschen Gelehrten beschränken. Der Zweck der gewahrten Hilfe soll vor allem sein, dem unterstützten Oelehrten die Gelegenheit und die Mittel zu geben, seine wissenschaftlichen Arbeiten fortzusetzen. Der Aufruf Ist unterzeichnet von einer Reihe der bedeutendsten britischen Oelehrten aller Fakultäten. In einem Anhang verzeichnet der Aufruf die Namen der von den deutschen Hochschulen und Universitäten entfernten Professoren. — Die Professorenkollegien der Universitäten Oxford und Cambridge sowie die Professoren der Londoner Handelshochschule haben beschlossen. 3®/# ihrer Gehälter dem neugeschaffenen Fonds zur Verfügung zu stellen. Für Grofjkolonisation in Palästina New York, 28. Mai. (J. T. A.) Auf einer vor kurzem im Hofei Asfor zu New York in Anwesenheit des Vorsitzenden des Council der Jewish Agency, Osmofld Elim d’Avigdor Goldsmid, abgehaltenen Tagung der amerikanischen Mitgiieder des Council der Jewish Agency wurde folgende Reaolution gefaßt: ״Angesichts der gegenwärtigen Notlage, die eine große Zahl unserer dem Druck in Zentraleuropa weichenden Brüder in einen Zustand der Heimatlosigkeit versetzt hat, fordern die amerikanischen Vertreter der Jewish Agency für Palästina die Exekutive der Jewish Agency auf: Erstens: sich an die Regierung der Mandatarmacht, die tiefes Verständnis für das dem jüdischen Volke In dieser entscheidenden Stunde gestellte Problem bewiesen hat, mit der Bitte zu wenden, die Zulassung einer größtmöglichen Zahl von Juden, die vor Verfolgungen geflohen sind, nach Palästina sofort zu ermöglichen; zweitens: an die Mandatarmacht die Aufforderung zu richten, dem Völkerbund die Tatsachen der gegenwärtigen jüdischen Lage zu unterbreiten und gemeinsam mit ihm das Programm einer internationalen Aktion zu formulieren, in der Art, wie solche Aktionen schon früher vom Völkerbund zugunsten Expatriierter und deren Ansiedlung in Territorien, in denen sie frei und gleichberechtigt lebe* können, unternommen worden sind; drittens: an die Regierung der Mandatarmacht den Appell zu richten, sie möge den Völkerbund auffordern, eine Kammission, in die auch die Vereinigten Staaten einen Vertreter zu entsenden eingeladen werden sollen, zu organisieren und einzusetzen und dieser Vollmacht zu geben, einen Plan zur Ansiedlung einer so großen Zahl von Juden aufzustellen, als Palästina in die Lage zu absorbieren versetzt werden kann; ferner dieser Kommission die Ermächtigung zu erteilen, gemeinsam mit der Regierung der Mandatarmacht und der Jewish Agency die Mittel zur F i n a n - zlerung dieser Operation aufzubringen; viertens: Eingedenk der von der amerikanischen Reglerung der Sache der Errichtung des Jüdischen Nationalheims bei verschiedenen Anlässen und insbesondere durch die von beiden Häusern des amerikanischen Kongresses angenommene und später in einem besonderen Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Mandatarmacht für Palästina zum Ausdruck gebrachte Resolution gewährten Unterstützung fordern die amerikanischen Vertreter der Jewish Agency für Palästina die amerikanische Regierung auf, Plänen zur Lösung der aus den augenblicklichen Bedingungen des jüdischen Lebens sich ergebenden Probleme, die etwa in gemeinsamer Arbeit vom Völkerbund, von der Regierung der Mandatarmacht und von der Jewish Agency für Palästina ausgearbeitet werden sollten, ihre Unterstützung und ihre Mitarbeit bei deren Verwirklichung zu gewähren.‘‘ Gegen jüdische Händler Das ״Neue Magdeburger Tageblatt״ vom 23. Mai meldet: Der Polizeipräsident hat. in Verfolg der Bekämt), fung kommunistischer Propaganda für alle Polizeidienstgebiinde in Magdeburg und Schönebeck (Polizei- Präsidium -־־ Polizeiamt — Polizeiunterkünfte — Polizeirevicrc — Polizeiwachen) jeden Waren Handel und jedes Anpreisen von Waren (Hausieren) durch jüdische Firmen und deren Beauftragte erneut auf das strengste untersagt. ln der Sonntagsausgabe des ״Neuen Magdeburger Tage- Blatt“ haben Wir bereits darauf hingewiesen, daß Jdfifse Maßnahme nicht nur vom grundsätzlichen national Sozialist!- sehen Standpunkt aus, sondern im Interesse des Hausierhandels selbst überaus begrüßenswert ist. Auf Grund welcher Tatsachen der Warenhande! jüdischer Firmen als ״Kommunistische Propaganda“ betrachtet wird, ist leider in der Veröffentlichung nicht mitgetcilt. * Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 28. Mai schreibt: Auf einer Gautagung des Reichsverbandes ambulanter Gewerbetreibender wurde nach dem ״Pößnccker Händlerblatt“, dem offiziellen Organ des Verbandes deutscher Händler, Schausteller und Marktreisender (Sitz Dresden), die Frage gestellt, ob künftighin jüdischeHändler und Gewerbetreibende auf den Messen und Märkten zugelassen sein sollen. Der Gauführer vertrat den Standpunkt, daß ״die Juden radikal ausgemerzt werden müssen“. Nur bewährte Frontkämpfer sollten durch das Prä- Sidium des Reichsverbandes ambulanter Gewerbetreibender eine andere Behandlung erfahren und besondere Ausweise erhalten. Es Scheint, als ob tatsächlich ein solches Verfahren bereits auf zahlreichen deutschen Kleinmessen praktisch angewendet wird. So hat, um ein Beispiel zu nennen, eine jüdische Händlerin von dem Stadt-Rentamt in Konstanz den Bescheid erhalten, daß sie nur dann eine Bude erhalten könne, wenn sie nicht der jüdischen Konfession an gehöre; dies obwohl sie seit längerer Zeit bereits für eine Bude vorgemerkt war. Ebenso lautet der Bescheid des städtischen Marktmeisters in Darm stadt, der kurzerhand schreibt: ״An jüdische Händler dürfen zu den hiesigen Messen keine Platze abgegeben werden.“ Auch in Frankfurt wurde bereits auf der letzten Ostermesse angeordnet, daß die jüdischen Händler in einer besonderen ״J u d e n - R e i n e“ ihre Plätze angewiesen bekamen. Die Frage erhebt sich, auf welche gesetzlichen Be» Stimmungen sich dieses Vorgehen stützt. Juden im Pelzhandcl zugelassen Der Kreiswirtschaftsreferent der NSDAP. *Kreisleitung Leipzig teilt folgendes mit: ״ln Liebereinstimmung mit Herrn Erich Wiklt, dem Handelsreferenten der NSDAP, und gleichzeitigen Vizepräsidenten des Reichsstandes des deutschert Handels, gebe ich bekannt, daß jüdische Firmen der Rauchwarenbranche, die In Deutschland, hauptsächlich in Leipzig ihren Sitz haben, keinerlei Eingriffe zu gewärtigen brauchen, wenn ihre Oeschfiftsführung in jeder Beziehung einwandfrei war und bleibt. Eingegriffen wird nur in Fällen von Betrug, Korruption und ungesetzlichem Verhalten, und dies gleichermaßen bei Nicht- Juden und Juden. Die Leitung des Reichsverbandes der deutsehen Rauchwarenfirmen, Sitz Leipzig, steht selbstverständlieh allen Mitgliedern, also auch den jüdischen, gemaß den Satzungen zur Verfügung. Die Mitglieder des Reichsverbandes der deutschen Rauchwarenfirmen werden ersucht, allen anders lautenden Gerüchten, ebenso wie der Greuelpropaganda im In- und Auslande mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln entgegenzutreten.״ Diese Erklärung verdient besondere Beachtung, weil hier in einer Spezialbranche ausdrücklich betont wird, daß Juden und Nichtjuden die gleiche Behandlung zuteil werden soll, Es ist zu hoffen, daß sich dadurch eine Konsolidierung in dem so gefährdeten Pelzhandel vollzieht und daß die vom ״Völkischen Beobachter“ kürzlich gemeldeten Bemühungen der Londoner jüdischen Pelzhändler, den Leipziger Pelzhandel lahmzulegen und London statt Leipzig zum Pelz-Zentrum zu machen, erfolgreich abgewehrt werden.