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Jüdische Rundschau · 1933-05-26 · Heft 42 (26.5.1933) · p. Seite 221

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 42 (26.5.1933)
Date
1933-05-26
Page
Seite 221 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42, 26. V. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 219 Solange der Jude seine Nationalität verleugnen wird, weil er eben nicht die Selbstverleugnung bat, seine Solidarität mit einem unglüddimen, ver» folgten und verhöhnten Volke einzu^estehen, muß seine falsche Stellung mit jedem Tage irnerträg» lieber werden. Wozu die Täuschung( Die euro« päischen Völker haben die Existenz der Juden in ihrer Mitte niemals anders denn als eine Anomalie betrachtet. Wir werden stets Fremde unter Na» tionen bleiben, die uns wohl aus Humanität und Rechtsgefühl emanzipieren, aber nie und nimmer achten werden, solange wir das ״ubi bene ibi patria" mit Hintansetzung unserer eigenen großen nationalenErinnerungen alsGrund» undGlaubens» satz voranstellen. Der heilige Geist, der schöpferische Genius־ aus dem das jüdische Leben und die jüdische Lehre entstanden sind, ist von Israel gewichen, seitdem es angefangen hat, sich seinerNationalität zu schämen. Aber dieser Geist wird unser Volk, nachdem es wieder zum Leben erwacht sein wird, von neuem beseelen und Schöpfungen hervorbringen, von welchen wir heute noch keine Ahnung haben. Moses Hess, ״Rom und Jerusalem" (1862). Die Schwarzen Listen Ueber die Hintergründe der Bücher-Verbrennting, die am 10. Mai in mehreren deutschen Städten ,vor sich gegangen ist, sind weite Kreise der Oeffentüchkeit im Unklaren. Es bestehen Zweifel darüber, wer eigentlich der verantwörtliche Initiator und Organisator dieser Aktion, die von der Studentenschaft geführt wurde, ist. Man weiß auch nicht genau, wer die sogenannten ״Schwarzen Listen“, auf denen die verfemten Bücher standen, zusammengestellt hat. Es scheint, daß hierbei manches überstürzt vor sich gegangen ist und daß innerhalb der beteiligten Kreise nicht in allen Fragen völlige Uebereinstimmung herrscht. So ist es vielleicht auch zu erklären, daß die Zeitungen jetzt folgende Notiz veröffentlichen: ״Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda weist darauf hin, daß die bisher dem Buchhandel und der Oeffentüchkeit zur Kenntnis gebrachten ,Schwarzen Listen‘ nur vorläufigen Charakter haben und lediglich für Bibliotheken und Leihbüchereien gelten. Mit der Ziisammensteliung endgültiger und vollständiger Listen, für die Bibliotheken und Leihbüchereien wie für den Buchhandel, ist ein Ausschuß beschäftigt, dem Vertreter der Bibliotheken und Leihbüchereien, Verlage, Buchhandlungen und SchriftsteHer-Organisationen angeboren. Dieser Ausschuß wird seine Arbeit חזו Einvernehmen mit dem Rcichsministeritim für Volksaufklärung und Propaganda in diesen Tagen aufnehmen. Das Ministerium bittet, in allen Fällen, in denen sich aus 1•׳cn bisherigen Zusammenstellungen Zweifel ergeben, mit der Entscheidung bis zum Erscheinen der endgültigen Listen zu warten.“ Diese Notiz wird erklärlich, wenn man die ״Schwarze Liste“ betrachtet, die das ״Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ in seiner Nummer vom 16. Mai veröffentlicht hat. Dort figuriert z. B. Waldemar Bo ns eis, ein Mann, der erst kürzlich einen von Dutzenden deutscher Zeitungen abgedruckten Aufsatz über die völkischen Grundlagen der deutschen Literatur mit einer kulturell-geistigen Begründung des Antisemitismus veröffentlicht hat (s. die Wiedergabe in Nr. 37 der ״Jiid. Rundschau“). Auch sonst steht eine ganze Reihe von rein arischen Autoren, die zum Teil bei nationalen Kreisen in hohem Ansehen stehen, auf der Schwarzen Liste. Von Hanns Heinz Ewers werden die (erotische Perversionen behandelnden) Romane ״Vampir“ und ״Alraune“ ausgemerzt: zweifellos mit Recht, aber es mag vielen unerwünscht sein, daß der Name von Ewers, der jetzt als einer der populärsten mtional-patriotischen Autoren auftritt, auf dieser Liste steht. Wenn wir zunächst gerade auf nichtjüdische Namen hingewiesen haben, so geschieht das darum, weil — gegenüber vielen Mißverstandnissen im Ausland — die Gerechtigkeit erfordert, fcstzustellcn, daß die Aktion nicht einen ausschließlich antijüdischen Charakter gehabt hat, sondern daß es sich hier um prinzipielle kulturpolitische Tendenzen handelt, die wohl im einzelnen sehr unvollkommen durchgeführt sind, aber doch nicht primär mit Judentum zu tun haben. Und gerade aus diesem Grunde — und weil die endgültige Regelung noch bevorsteht — beschäftigen wir uns mit der Angelegenheit. Denn es scheint uns, daß die Veranstalter der Autodafes in vielen Einzelheiten daneben gegriffen haben. Sie haben insbesondere bei der Behändlung jüdischer Autoren nicht immer den aus der Sache sich ergebenden Maßstab angewandt. Wenn wir diese Frage erörtern, so können wir natürlich nicht in die Diskussion darüber eingehen, ob überhaupt literarische Werke unter dem von den Veranstaltern aufgestellten Gesichtspunkt geschieden werden können; es ergeben sich sicherlich auch hier, z. B. bei der Zurechnung literarischer Werke zur Kategorie von ״Schmutz und Schund“ aus Sittlichkeitsgründen, sehr schwierige literarisch« Fragen, und berühmteste Werke der Weltliteratur sind in Gefahr, unter diesem Gesichtspunkt verdammt zu werden. Aber wenn wir hiervon absehen und den Ausgangspunkt dieser Aktion nun einmal als gegeben anerkennen, dann bleibt noch immer gerade in jüdischer Beziehung gar manches zu klären, ln der Judenfrage haben die Veranstalter jedenfalls unkonsequent gehandelt. Dies ergibt sich deutlich aus einer Darstellung im ״Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“. Hier wird angesichts der literatur-politischen Natur der Schwarzen Listen die Vorfrage aufgeworfen: ״Wer ist der eigentliche Feind, gegen wen richtet sich der, Kampf?“ Und nun heißt es weiter: ״Die Antwort gibt eine grundsätzlich gehaltene Erk 1 ä r u n g, die vom Preußischen Ministerium für Wissenschaff, Kunst und Volksbildung anerkannt, urid für die staatlichen Biicherelberatungsstellen auf dem Lande verbindllch erkllrt worden ist In dieser Erklärung ,heißt es: ״Der Kampf richtet sich gegen die Zersetrunpserscheinungen unserer artgebundenen Denk- und Lebensform, d. h. gegen die Asphalt literatur, die vorwiegend für den großstädtischen Menschen geschrieben Ist, um ihn in seiner Beziehungslosigkeit zur Umwelt, zum Volk und zu jeder Gemeinschaft zu bestärken und völlig zu entwurzeln. Es ist die Literatur des Intellektuellen Nihilismus“. Der Begriff der Asphaltliterat 11 r wird dam im einzelnen dahin festpofegt: ״Diese Literaturgattung hat vorwiegend, jedoch nicht nur jüdische Vertreter. Aber nicht jeder jüdische Schriftsteller ist ein Asphaltliterat, z. B. vertritt die Kritik, die der Zionist Emanuel bin Gorlon stets an den 1 i t e r a r i - sehen Assimiiationsjuden geübt hat, das jüdisch-völkische Prinzip“. Wer de!׳ Verfasser dieser vom Ministerium anerkannten ״grundsätzlich gehaltenen Erklärung“ ist, wird nicht gesagt. Aber ails dem erwähnten Absatz, der bisher der Oeffentlichkeit unseres Wissens nicht bekannt war, geht deutlich hervor, daß die Betrachtungsweise sehr stark vom Zufall abhängig ist. Die kritische Stellung gegenüber dem Assimiiationsjudentum unter den Juden ist viel weiter verbreitet, als die ״Erklärung“ annimmt; und überdies stehen auf der Schwarzen Liste auch Werke, die gerechterweise der ״Asphaltliteratur“ nicht ziigereclmet werden können, wohl aber bewußt jüdisch sind. Daß die Veranstalter auch in dieser Hinsicht Unters c h i e d e zu machen bemüht waren, geht aus einigen Klcinigkeifen hervor: So z. B. wird von Arthur Schnitzler alles verdammt mit Ausnahme des ״W eg ins Frei e“, eines Buches, das in ernster, psychologisch eindringlicher Weise das Judenproblem behandelt. Auf der anderem Seite wird ein Dichter wie Richard Beer-Hofmann, den auch seine entschiedensten Gegner nicht unter ״Asphaltlitcratur“ werden einordnen können, auf die Schwarze Liste gesetzt. Von Georg Hermann sind interessanterweise ״Jeftchen Gebert“ und ״Henriette Jacoby“ nicht unter den verdammten Werken, 9 ״Was wird aus unseren Kindern?“ Kundgebung für die jüdische Schule Sonntag, den 28. Mal, vormittags 11V'; Uhr Kino Alhambra, Kurfürstsndamm 68 Redner: Kurt Blum enfeld Dr. Joachim Prinz Karten zu RM. 1,— und 0,50, fflr Jugendliche 0,30 BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Bücher, die «fne jüdische Welt darstellen. Dies zeigt, daß die Verfasser der Schwarzen Listen verstehen und würdigen, daß auch Juden und Judentum Gegenstand der Literatur sein können und daß solche Werke sogar für niclitjüdisehc Leser viel Wichtiges und Belehrendes enthalten können. Denn der Nichtjude, der das Judentum als etwas Fremdes empfindet, braucht deswegen doch nicht so zu verfahren, als ob Judentum überhaupt nicht in der Welt wäre; je mehr er eine distanzierte Steilung zum Judentum finden will, um so notwendiger ist es, sich mit der Realität ״Judentum“ auseinanderzusetzen. Eine Lektüre von Büchern über jüdische Gegenstände, gerade auch von Juden geschrieben, kann auf dasselbe Interesse rechnen, wie die Lektüre von Büchern über andere fremde Welten, denn auch der deutsche Leser wird doch seinen Gesichtskreis nicht so einschränken, daß er stets nur Bücher aus dem engsten Bezirk seines eigenen Lebens liest. Wir können natürlich hier nicht alle Bemcrkungen machen, die unter diesem Gesichtspunkt zu jedem einzcinen Autor gemacht werden können. Nur ein Beisipel wollen wir noch erwähnen. Auf der Schwarzen L iste steht ״Das Erbe im Blut“ von Ludwig Lewisohn. Es handelt sich nicht um ein deutsches Werk, sondern um die Uebersetzung eines Romans eines amerikanischen Autors, Das Buch schildert die Geschichte einer jüdischen Familie, das jüdische Schicksal eines ganzen Jahrhunderts, mit all den Ab- Spaltungen vom jüdischen Stamm, mit den vergeblichen Assimilationsversuchen, es zeigt eine gescheiterte Mischehe, und wie das Erbe im Blut schließlich mächtiger ist und die Menschen zum Bekenntnis zu sich selbst zwingt. Ein solcher Roman, von der jüdischen Seite gesehen, müßte unter dem für die Schwarze Liste maßgebenden Gesichtspunkt in alle Volksbüchereien eingereiht werden. Es scheint also in allen diesen Bemühungen noch sehr viel Unklarheit zu liegen, die sich vielleicht dadurch erklärt, daß auch in den Kreisen, die die Bücheraktion geleitet haben, das Judenproblcm nur sehr unvollkommen durchdacht wurde. Wir würden wünschen, daß bei der angekündigfen Revision der Listen eine sachliche Beurteilung gemäß dem Prinzip, daß ernste, aus den echten Tiefen schöpferischer Gestaltung heraus von Juden geschaffene Werke nicht ״Asphaltliteratur“ sind, zur Geltung käme. Wir nehmen an, daß es unsere Leser interessieren wird, wenn wir nachstehend die ganze Schwarz« Liste, die jedoch, wie aus der eingangs abgedruckten Verlautbarung des Propaganda-Ministeriums hervorgeht, nur provisorischen Charakter hat, zum Abdruck bringen. Hierbei ist zu bemerken, daß es sieb hier lediglich um eine Teilliste handelt, da für die Gebiete Politik, Staatswissenschaft, Geschichte, Literaturgesrhiehte, Kunst, Geographie, Biographien noch extra Schwarze Listen bestehen. Das ״Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ bemerkt, daß die Schwarze Liste, die nur für die Säuberung von Volksbüchereien Richtlinien gibt, ״für den freien deutschen Buchhandel nur sehr bedingt als Maßstab gelten dürfe“. Hingegen wird bei Auf- Zahlung der zwölf mit einem Kreuz versehenen Autoren erklärt, daß sie ״als die eigentlichen Schädlinge gelten, die auch für den Buchhandel auszumerzen wären“. Da jetzt der gesamte Börsenverein der deutschen Buchhändler dem ״Kampfbund für deutsche Kultur“ beigetreten ist, ist ohnedies anzunehmen, daß weitere Regulierungen noch folgen werden. Man könnte sich nur dem auch vom Ministerium geäußerten Wunsch anschließen, daß künftige Aktionen mehr der posit i v e n Produktion gelten werden als dem Kampfe gegen Werke, deren kritische Beurteilung nicht einfach nach agitatorischen Gesichtspunkten erfolgen kann. Die sdiwarzc Liste Anthologie jüngster Lyrik; Anthologie jüngster Prosa; As:״, Nathan; Asch, Schalom; Babel f Budjonnys Reiterarmee: Barbusse, Henri; Barthel, Max: Die Mühle zum toten Mann; Becher, Johannes; Beer-Hofmann, Richard; Birkenfcld, Günther; Robinskaja, Karbunauri; ßogdanow: Das erste Mädel; Bonseis: alles außer: Biene Maja, Himmelsvolk, Indienfahri; Bley, Fritz: alles außer: Tier- und Jagdgeschichten; Braune: Mädchen an der Orga Privat; Brecht, Bert; Breitbach: Rot gegen Rot; Brod, Max: alles außer: Tycho Brahe; Brück, Anita: Schicksale hinter Schreibmaschinen; Carr, Robert; Doeblin, Alfred: alles außer: Wallenstein; Dos Passos; Dreißig neue• Erzähler des neuen Rußlands; Dreißig neue deutsche Erzähler; Ebermayer: Die Nacht in Warschau; Edschmid, Kasimir: alles außer: Timur, Die 6 Mündungen: Ehrenburg: alles außer: Grachus Baboeuf; Essig. H.; Ewers, H. H.: Vampir, Alraune; Fehlen, Fei 11 es Menschen Weg; fFeuchtwanger, Lion; Fink, Georg; Frank, Leonhard: alles außer: Räuberbande, Ochscnfurter Männerquartett; Frey: Pflasterkästen; Geist, Rudolf; Gladkow, Fjodor; tGlaeser, Ernst; Goll, Iwan; Gorki: Der Spitzel, Märchen d. Wirklichkeit, Eine Beichte, Wie ein Mensch geboren ward, Das blaue Leben: Graf, Oskar Maria: alles außer: Wunderbare Menschen, Kalcndergcschiclvten; Grucnberg, Karl: Haäek, Jaroslav; Hasenclever, Walter; Hemingway: In einem andern Land: Hermann. Georg: Kuhinke, Schnee, Die Nacht des Dr. Herzfeld; Hirsch: Vorbestraft, Kaisfrwetter; Hofbauer: Der Marsch ins Chaos; Hoffmann: Frontsoldaten; tHolitscher, Arthur; 1iotopp, Albert;!lies, Bein; Jacob, Heinrich Eduard: Blut und Zelluloid: johannsen: Vier voti der Infanterie: Ilff: 12 Stühle; Inber, Vera; Kaestner, Erich: alles außer: Emil; Kallinikow, Josef׳ Katajew; Kaus, Gina; Kellermann: Der 9. November; +Kcrr, Alfred; Kenn, Irmgard; Kesten; tKisch, Egon Erwin; Klacber, Kurt; Koeppen: Heeresbericht; Kollontav, Alexandra; Kurtzig: Dorfjuden; Ktismin; Lhatzko; Lampel, Peter: nur: Verratene Jungen. Revolte im Erziehungsheim; Leidmann, Eva; Lcitner: Hotel Amerika; Leonow: Aufbau: Lernef-Holcnia: außer: Gedichte; l.cwinsohn: Das Erbe irn Blut; Libedinskv: Jurij; Lidin. Wladimir; Liepmann, Heinz; Linck: Kameraden im Schicksal; London: Martin Eden, Zwangsjacke. Eiserne Ferse; + Ludwig, Emil; ־)־Mann, Heinrich; Mann, Klaus; Meyer-Eckhard: nur: Das Vergehen des Paul Wendelin: Meyrink; Michael, F.: Die gut empfohlene Frau; Neumann, Robert: alles außer: Mit fremden Federn; Ncwerow; Ognjew; Olbraeht, Iwan: fOttvvalt, Ernst; Panferow; Paritelcjew; Pinthus, Kurt; f-Plivier; Regler; +Remarque, Erich Maria; Renn, Ludwig: nur Nachkrieg; Ringclnatz; Roth; Ruhincr, Ludwig; Rtunann; Sanzara; Schaffer: Elli oder die sieben Treppen; Schirokaucr, Alfred; Schlump; Schnitzler, Arthur: alles außer: Der Weg ins Freie; Schroeder, Karl; Sejfullina: alles außer: Der Ausreißer; Seghers, Anna; Sinclair, Upton: Socliaczewer. Hans; Sostschenko, Michael; Seraphimowitsch: Der eiserne Strom; Ssologub, Fjodor; Suttner; Die Waffen nieder; Tetzner: Hans Urian; Thomas, Adrienne; Tokunaga; Toller, Ernst; Traven: Regierung, Der Karren; •)־Tucholsky, Kurt; Türk; Ulitz: Ararat, Worbs, Testament; Unruh: alles außer; Offiziere, Louis Ferdinand; Vanek, Karl; Wassermann, Jakob; Wedding, Ede und Unku; Wegner, Armin T.; Weiskopf: Werfel; alles außen Barbara, Verdi, Tod des Kleinbürgers; Woehrle: Querschläger; f^weig, Arnold; Zweig, Stefan. ״Fori mit den indischen Aerzten!“ Die ״Jüdische Rundschau“ hat in Nr. 38 vom 12. Mai aus dem ״Aerzfeblatt der Provinz Brandenburg, Grenzmark und Pommern“ den Aufruf eines Dr. Ruppin, Kommissar im Provinzialvcrband der Aerzle der Provinzen Brandenburg und Grenz,- mark, abgedruckt, der unter der Ucberschrift ״Fort mit den jüdischen Aerzten!“ die ״v ö I! i g e Entfernung der Juden aus den akademischen Berufen“ forderte. In diesem Aufruf hieß es u. a.: ״Wir deutschen ,V—* - ״׳H.-rn daher Ausschluß aller Juden von der ärztlichen Behandlung deutscher Volksgenossen, weil der Jude die Inkarnation der Lüge und des Betruges ist.“ Die ״Jüdische Rundschau“ hat damals diesen Aufruf als eine ״tieflr.iurige Entgleisung‘‘ bezeichnet und darauf hingewiesen, daß auch nach dem Zeugnis von Millionen nichtjüdischer Patienten aller Schichten und Berufe unzählige jüdische Aerzte wegen ihrer idealen Berufsauffassung, Menschlichkeit und Fürsorge verehrt werden. Dieselbe Proklamation ist nun auch im ״Groß-Berliner A e r z t c - B I a 11“ vom 20. Mai abgedruckt. Dies hat endlich auch einige deutsche Blätter veranlaßt, gegen den Aufruf Stellung zu nehmen. Das ״Berliner Tageblatt“ vom 23. Mai bezeichnet den Aufruf als ״erstaunlich“. Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 21. Mai wendet sich nachdrücklich gegen diesen Aufruf und sieht darin einen Widerspruch zu ihrer Beobachtung, daß in Angelegenheiten des Antisemitismus eine besonnenere Haltung sich durchzusetzen begonnen habe. Die ״D. A. Z.“ vom 24. Mai veröffentlicht den Aufruf unter der Uebcrschrift ״Eine Entgleisung“ und fügt folgende Bemerkung hinzu: ״Zwecklose Uebcrtreibungen dieser Art, die man in Deutschland nicht ganz ernst nimmt, werden von der d e u t s c h f ei n d I i c 11 e n Propaganda der Fnnzoscn und Polen bis ins fernste Ausland verbreitet und sind geeignet, die Außenpolitik der nationalen Re. gierung schwer zu schädigen.“ (Sperrungen von uns. — ״J. R.“) Diese Bemerkung der ״D. A. Z.“ trifft den Nagel nicht ganz auf den Kopf. Wir wissen nicht, ob das Ausland sich 11m solche Veröffentlichungen kümmert. Was wir aber wissen, ist, daß zwar von unzähligen arischen Deutsehen solche Uebcrtreibungen, wie die ״D. A. Z.“ richtig sagt, ״nicht ganz ernst“ genommen werden, aber auch, daß es sehr viele geben muß, die sie doch ernst nehmen. Wäre dies nicht der Fall, dann wäre es doch unmöglich, daß in den offiziellen Organen der Acrzteschaft, eines Intelligenzberufes, diese Auslassung abgedruckt wird. Nicht um des Auslands willen und nicht 11m der Außenpolitik willen, sondern um des deutschen Volkes willen müßte ein nationales deutsches Blatt gegen diese Propaganda protestieren. Die verhängnisvolle Gleichsetzung von Patriotismus im neuen Deutschland mit möglichst radikaler antisemitischer Propaganda ist so weit gediehen, daß weiten Kreisen das Gefühl für die Unzulässigkeit eines solchen Aufrufes, der grundlos eine ganze Kategorie von ehrbaren und verdienten Männern kränkt, abhanden gekommen ist

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