Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1933)
- Date
- 1933-05-26
- Page
- Seite 220 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 218 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42, 26. V. 1933 Gleichberechtigung, von den hervorragendsten Juden und Deutschen der Zeit geführt, um im Rahmen der Stein-Hardenbergsehen Reformen das Edikt vom 11. März 1812 zu schaffen, dessen erster Paragraph lautete: ״Die in Unseren Staaten jetzt wohnhaften, mit Gcneralprivilcgien, Naturalisationspatenten, Srhut/briefen und Konzessionen versehenen Juden und deren Familien sind für Inländer und preußische Staatsbürger zu achten.“ Damit begann die Emanzipation der deutschen Juden, die sich nun eifrig durch ernste Erfüllung neuer Pflichten bemühten, sich der verliehenen Rechte würdig m erweisen, wie Hardenberg in einem Briefe vom 4. Januar 1814 an den Grafen von Grothe anerkannte. Die Emanzipation der deutschen Juden stand im Zeichen der Aufklärung und des Humanismus. Dadurch war ihr Charakter von vornherein gegeben. Sie zielte nicht etwa auf die Eingliederung der jüdischen Nationalität in das Gefüge des Staates, sondern auf die Auflösung der Natio- Balitat und völlige Assimilation der Juden. Das war etwas, woran Moses Mendelssohn keineswegs gedacht hatte, als er durch seine Aufklärungsarbeit seine Stammesgenossen auf die Emanzipation vorbereiten wollte. Wie er durch seine Person und durcii sein Werk bewiesen hatte, war es wohl möglich, ohne die Grenzen der Abstammung zu verwischen, Bürger eines modernen Staates und Mitarbeiter am Bau seiner Kultur zu sein. Die Förderung der Assimilatioiistendcnzen jener Zeit durch die Vertreter des Staates mußte notwendigerweise bei der! Juden, die dieser Tendein anfänglich ablehnend gegenüber st anden, den Glauben erwecken, daß es nur durch Aufgabe der Sfamnu'st'igcnarlen möglich sei, vollwertige Staatsbürger zu werden. Durch dieses Mißverständnis (das aus den herrsehenden Ideen der Zeit leicht zu verstellen ist) wurde in die Emanzipation der Juden der Keim zu jener Entwicklung gelegt, deren Resultat, die Aufhebung der Gleichb e r e e h 11 g r! n g , wir Juden heute 1'n tiefer Erschütterung erfahren. Sehr bald netzte nämlich eine zunächst kulturelle, dann aber auch politische G e g c n b e w e g!1 n g ein, die das Eindringen ,,volksfremder Flernenfc“ in den Körper des deutschen Volkes mit Besorgnis verfolgte. Solange Preußen und Deutschland mit den Problemen der inneren Billigung schwer zu ringen hatten, verschwand die jüdische Frage unter der Flut lebenswichtiger und die Nation tief bewegender Aufgaben. Mit der Einigung der Deutschen im Kniserreich beginnt auch die antisemitische Bewegung, die, von den vorschiedensten Ideologien unterbaut, im Grunde doch immer nur das gleiche Erlebnis ausdriiekte: Das Unbehagen über eine Verfälsch ti n g der e i g e!1 c n A r t u n d der b 0 d e n s t;! n <! i g e n Kultur, d i e d e m Einfluß des jüdischen Geistes /umschreiben sei. Hier muß nun notwendig eine Bemerkung gemacht werden, die die Rolle, die dem ״jüdischen Geist“ bei jener kulturellen Entwicklung zukommt, in die richtige Beleuchtung setzt. Das Zeitalter der Emanzipation der Juden ist die Zeit der T e c 11 11 i s i e r 11 n g der Menschheit. Die Völker, die Jahrhunderte hindurch wie durch eine Mauer voneinander getrennt lebten, rückten plötzlich in greifbare Niilie zueinander. Nie zuvor hat eine gegenseitige geistige Durchdringting der Nation von solchem Ausmaße stattgefunden wie in den letzten fünf Jahrzehnten. Daraus mußte sich eine gewisse Nivellierung des geistigen und kulturellen Lebens ergeben, wie sie ja auch in Hinblick der Sitten und Bräuche: der nationalen Eigenarten, weitgehendst sich ergab. Es wäre grundfalsch zu sagen, die Juden hätten diese Nivellierung verursacht. Sie haben sie weder gewollt noch gekonnt. Das, was sic verursacht hat, liegt deutlich zutage, die Technisicrung. Dennoch spielte die Judenschaft in diesem Prozeß eine bedeutsame Rolle. Ihre alte, verhängnisvolle Rolle des Vermittlers, zu der sie durch ihre soziologische Struktur vorgesehen, man könnte auch sagen: verdammt war. Die leidensvolle- Geschichte der Juden zeigte es viel« Male, daß die ji!de!1 schaff eines Landes, nachdem sie in einer sich aus inneren Gesetzen anbahnenden Entwicklung die Vermittlerrolle aiisgeübt hatte, nachher, überflüssig geworden, vernichtet wurde. Den gleichen Vorgang erleben wir heute in Deutschland. Die Volker Europas heganr.cn seit dem IS, J.ilirhumlert an tÜberalterung zu leiden. Die technische Entwicklung gab die Möglichkeit zu geistiger Neubrfrudming und dadurch zur Neugestaltung. Wieder füllten die Juden ihre \'orniittlerstelle aus. Die mußte ihnen in Deutschland aus bestimmten Gründen zum besonderen Verhängnis werden. So ungern nämlich der nationale Deutsche diese Behauptung wahrhaben will, so dürfte man es doch als erwiesen .insehen, daß in der se •:!!sehen Struktur einige überraschende Uehereinstimmungen zwischen Jude n und Deutschen bestehen. Soweit man solche Behauptung aus dem Bestreben der Juden erklären will, eine Rechtfertigung für ihre intensive Anteilnahme am deutscher! Kulturleben damit zu geben, wäre ihre Ablehnung seitens der Deutschen begründet. Indessen gibt es objektive Gegebenheiten, die für jene Geistesverwandtschaft sprechen. Die eine ist die große Bedeutung, die dem Akustischen sowohl physiologisch als auch hinsichtlieh der Struktur der Seele bei beiden Gruppen ziikotnmt. Vom Akustischen her ist einerseits die hohe Musikalität beider Gruppen verständlich als auch vor allem die Tatsache, daß ihre höchste künstlerische Ausdrucksform die Lyrik darstellt, die bei den Deutschen sowohl wie bei den Juden (in den Psalmen) eine bei keinem anderen Volke anzutreffende Höhe erreicht hatte. Als eine andere objektive Gegebenheit für eine gewisse Verwandtschaft in der geistigen Struktur von Juden und Deutschen muß die Tatsache anerkannt werden, daß die Juden — in Deutschland bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in Osteuropa heute noch — eia Idiom sprachen, das als ,,Judendeutsch“ oft diffamiert, ein rührender Ausdruck der Anhänglichkeit der Juden an die Sprache ist, die sie int 12.—14. Jahrhundert in Deutschland sprachen und nach ihrer Vertreibung durch die Länder und Zeiten sich bewahrt haben. Diese Verwandtschaft nun wurde ihnen in Deutschland bei der Ausübung ihrer Vermittlerrolle zum besonderen Verhängnis; veranlaßte sie doch die Juden zu der Ueberzeugurig, daß im Denken, im Fühle« und in den Anschauungen nichts zu finden sei, das die Juden von den übrigen Deutschen unter* schiede. Diese Ueberzeugung kam in dem Kampf, den der Zionismus gegen sie führte, zum Ausdruck in der immer wiederholten Wendung: ״Ich fühle mich ganz als Deutscher.״ Aus diesem psychologischen Irrtum erwuchs die Mitschuld der Juden an dem Verhängnis, das sie betroffen hat. Und damit kommen wir zur Beantwortung der obeogestellten Frage. Es war schon gesagt worden, daß durch die, von den Juden ursprünglich nicht veranlaßte Hineinbeziehung der Assimilationstendenz in das Emanzipationswerk der Keim zu der. verhängnisvollen Entwicklung gelegt wurde, deren Resultat wir heute erleben. Die Judenschaft griff diese Tendenz bald selbst mit großem Eifer auf, und zwar in einem Maße, daß cs zeitweilig schien, als beabsichtige sie durch Taufe und Mischehe sich selbst auizulösen. Etwa vom 4. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts an erwuchs dieser Strömung eine Oe genb e w e g u n g. Uns, die vir rückschauend jene Zeit überblicken, erscheint sie wie das Erwachen eines neuen Stammes- oder Nationalitätsbewußtsein. Die Menschen jener Epoche erlebten sie hingegen in der Verkleidung einer religiösen Erneuerung, die einerseits in der Reform und später im liberalen Judentum, andererseits in der Neuorthodoxie ihre Gestaltung fand. Damit erhielt das Judentum dm Charakter einer ״Konfession“, und die Verfälschung jüdischen Wesens setzte ein. Jede Stammeseigentümliehkeit wurde geleugnet. Auch die Deutschen, tiefinnerst mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, waren bereit, sich dieser Meinung anzuschließen. Man darf wohl annehmen, daß es 1848 wenig Deutsche gegeben haben mag, für die so etwas wie eine Judenfrage existiert hätte. Nur im Unbewußten der Volksseele blieb ein Rest der alten Fremdheit spürbar, die sich aber höchstens darin äußerte, daß mit dem Worte ״Jude“ andere, seelische Komplexe wirksam wurden als mit dem Worte ״Protestant“ oder ״Katholik“. Mit anderen Worten: Der Verfälschung jüdischen Wesens machten Juden wie Nichtjuden sich in gleichem Maße schuldig. Ihre volle Wirksamieit und gefährliche Macht erhielt diese Verfälschung aber erst durch das Zusammentreffen dieser Entwicklung mit der wissenschaftlichen Strömung, die in jener Zeit begann und der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und dem ersten Jahrzehnt des neuen das Gepräge gab: mit der naturwissenschaftlichen Bewegung. Mit ihr wurde das neue und einzige Fundament des deutschen Judentums, die Re- 1 i g i o n, mächtig erscliüttert. Bis in die breiteren Schichten der jüdischen Bevölkerung drang diese Erschütterung zwar nicht. Aber ihre durch günstige soziale Lage ausgezeichnete Oberschicht, die — infolge der besonderen soziologischen Struktur der Juden — durch das Netz einer breiten Verästelung ständig von unten herauf erneuert wurde, verlor mm jeden Zusammenhang mit dein Judentum. So entstand eine Schicht entwurzelter bindungslaser und glaubensloser Juden, die, überall und nirgends zu Hause, ohne Gefühl einer Verantwortung für die Gemeinschaft, der sie entstammten, im Grunde überhaupt ohne Verantwortungsgefühl waren. Diese Schicht war es, die von der Umwelt als die Repräsentantin des Judentums angesehen wird, weil sie immer und überall in Erscheinung tritt: in der Politik, in der Wirtschaft, in der Presse und in der Kunst. Wir Juden haben keine Möglichkeit, diese entjudeten Mensehen von uns abzuschütteln. Wir Juden haben aber auch kein Recht dazu, denn dafür, daß sie wurden, was sie sind: entjudete Menschen, trägt das deutsche Judentum die Verantwortung, da es «licht rechtzeitig genug die Verfälschung erkannte und vielfach leute noch nicht erkennt, die durch die Negierung unserer Stammeseigenarten, durch den Verzicht auf die bewußte Pflege unseres Volksgutes, durch die hemmungslose Identifizierung mit der Umwelt veranlaßt wurde. Die Folgen waren unausbleiblich. Seit Jahrzehnten sprachen Deutsche von der Verfälschung ihrer Art durch die Jüden. Sie empfanden sie besonders im kulturellen Leben, beinahe aber auch ebenso sehr im politischen, das ״von der Judenpresse beherrscht“ schien. Wenn national empfindende Deutsche, wie Ferdinand Avenarius, eine ״Trennung der Kulturkreise“ forderten (Kunstwartdebatte 1912), wurden sie als ״Antisemiten“ verschrien. Wenn ein Sotnbart Juden Zurückhaitung im politischen Leben empfahl, verfiel er der gleichen Unterstellung. Der Krieg vermochte die immer kräftiger werdende antijiidische Bewegung zu unterbrechen. Die Juden bewiesen durch Hingäbe von Gut und Blut, daß es ihnen mit ihrem Deutschsein wollen ernst war. Das Ende des Krieges brachte den deutschen Juden den Sieg der Emanzipation: die volle bürgerliche Gleichberechtigung. Sie wurde ihnen zum Verhängnis. Denn mit der Niederlage Deutschlands erhielt das deutsche Nation algefühl einen mächtigen Auftrieb. Nun wurden die Juden, deren Schuld, wie vorhin gezeigt, auf einem ganz anderen Gebiete lag, für das Unglück Deutschlands verantwortlich gemacht. Die weitere Entwicklung hat jeder Zeitgenosse miteriebt. (Ein zweiter Abschnitt, der Richtlinien für die Zukunft aufstellt, folgt.) AeoBernag eines Amerikaners Eine Reihe von Zeitungen veröffentlichen eine Nachrieht aus Amerika, die besagt: ״Der aus Deutschland zuriiekgekehrte ehemalige amerlkanische Botschafter fi oughton erklärte Pressevertretern, er habe in Deutschland nur Ruhe und Frieden vorßefunden. Er habe nie gesehen, daß Juden belästigt worden seien oder gehört, daß gegen Juden agitiert worden sei. Die Stimmung in Deutschland sei heute erheblich besser als bei seinem letzten ®«such Im Vorjahr.“ Wir können nicht kontrollieren, ob die Aeußerutig des Botschafters richtig wiedergegeben ist. Aber sollte dies der Fall sein, dann hat er Deutschland keinen guten Dienst geleistet. Denn daß gegen die Juden in Deutschland agitiert wird, wird von keinem maßgebenden Mann in Deutschland, auch nkht von den Mitgliedern der Regierung, in Abrede gestellt. Die Nationalsozialisten begründen die Notwendigkeit dieser Agitation mit Argumenten, die aus ihrer Weltanschauung stammen und mit denen man sich, mit allem Respekt, auseinandersetzen kann. Wenn der Botschafter diese Anschauungen unterstützt, dann ist es sein gutes Recht, dies zu sagen. Aber wenn er in Deutschland ״nie gehört“ hat, wovon alle deutschen Zeitungen täglich reden, dann ist er ein seltsamer Botschafter. Helfen Sie mm bei der Verbreitung der Zeitung! Jeder neueintretende Vierteljahrs-Abonnent erhält auf Wunsch Me Mainummem gratis nachgeliefert. Der Monat: Ij ■r lat der Werbemonat fftr die ״Jüdische Rundschau«• Die Judenfrage vor dem Volkerbund Zweifel an der Aktivlegüim&ttan Bemhelnu Die ״K r e u « - Z e i t u n g“ berichtet aus Genf: Die 72. ordentliche Tagung des Völkerbundsrates wurde am Montag unter dem Vorsitz des Vertreters von Mexiko eröffnet. In geheimer Sitzung behandelte der Völkerbundsrat eine vom Generalsekretär zur dringlichen Behandlung gesetzte Beschwerde eines jüdischen Angestellten in' Deutsch-Oberschlesien, Franz Bernheim, in der unter Hinweis auf das deutsch-polnische Minderheitenabkommen von 1922 ein Einschreiten des Völkerbundsrates zur Wiedergutmachung des aneblicli dem Judentum in Deutsch-Oberschlesien zugefügten ehadms verlangt wird. Durch die Beschwerde sollte zweifellos entsprechend dem Wunsch verschiedener Regierungen im Völkerbundsrat «ine große Aussprache über die;gesamte Judenfrage und die Stellung des neuen Deutschland zum Judentum herbeigeführt werden. Auf deutscher Seite ist iedoch sogleich darauf hingewiesen worden, daß die Frage der aktiven Berechtigung des Beschwerdeführers geprüft werden müsse, da der Angestellte Bernheim in Salzburg geboren sei, die wui rttembergische Staatsangehörigkeit besitze und gegenwärtig in Prag lebe. Mach deutscher Auffassung sei es außerordentlich frag* lieh, ob eine derartige Persönlichkeit berechtigt sei, den besonderen im deutsch-polnischen Minderheitsabkommen lestgelegten Minderheitenschutz für sich in Anspruch zu nehmen. Auf die deutschen Vorstellungen hin beschloß der Völkerbundsrat die Frage bis zur Mittwoch-Sitzung zurückzustellen, auf der entschieden werden soll, ob die Beschwerde nach dem deutsch-polnischen Minderheitenverfahre ח direkt vom Völkerbundsrat zu behandeln ist, oder auf den üblichen Weg der Dreierausschüsse verwiesen werden soll. Die beiden übrigen beim Völkerbundsrat eingegangenen jüdischen Beschwerden gegen Deutschland werden nicht vor den Völkerbundsrat gelangen, sondern in dem üblichen Verfahren für alle Minderheitenbeschwerden behandelt werden. Der Bcrüner ״A n g r i f f“ bemerkt zu der Angelegenheit unter dem "Titel ״Juda ruft den Völkerbund an“: ״Daß dieser Jude Bernheim im Aufträge des gesamten deutschen Judentums vorgeschoben wurde, ist klar ersichtlich. Man will auf diese Weise den Versuch machen, die gesamten ״Verfolgungen“ der Juden seit dem 30. Januar d. J. vor den Völkerbund zu bringen, und hofft dort eine allgemein gültige Entscheidung erzwingen zu können, was bei der Macht, die das Judentum im Völkerbund ausüht, nicht allzu schwer sein dürfte. Kommt man der Beschwerde nach, so will man sie auf alle Juden ausdehnen und ihnen den Schutz der Minderheitenvölker zuerkennen. Juda dürfte jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Die Kündigung und Entlassung von jüdischen Angestellten, die deutsche Staatsbürger sind, ist eine innen« politische deutsche Angelegenheit, in die sich niemand auf der Welt einzumischen hat, auch nicht der Völkerbund.“ * Gemäß einer WTB.-Meldung hat auch die Regierungskomrnission des Saargebietes die mit dem deutschen Beamtengesetz zusammenhängenden Fragen vor den Völkorbundsrat gebracht; ein jüdischer Gesichtspunkt ergibt sich hierbei nur insofern, als das Beamtengesetz den Arierparagraphen enthält, ־der also, falls der Antrag der Saar-Kommission akzeptiert wird, auch 2ur Diskussion stünde. In Völkerbundskreisen wird, wie die JTA. aus Genf berichtet, eine Aufrollung des Gesamtkomplexes der deutschen Judenfrage vor dem Rat für. unwah «sch ein lieh gehalten. Man weist darauf hin, daß eine Reihe wichtiger Internationaler Probleme wie das Schicksal der Abrüstungskonferem, der Viennächtepakt, die Weltwirtschaftskonferenz usw. den Rat so sehr beschäftigen werden, daß schon rein technisch für die Behandlung der Minderheitenpetition nicht allzu viel Raum übrig bleiben dürfte. Auch wollen die Im Völkerbundsrat vertretenen Mächte eine scharfe Stellungnahme gegenüber Deutschland In dieser Frage vermeiden, um Ihre Beziehungen zu Deutschland von dieser Seite her keiner Gefährdung auszusetzen. Gegen das Kommissar-Unwesen Die Anordnung des Wirtschaftskonunissars Dr. W a g e - ner, durch die die ״Kampfbünde״ in der Wirtschaft aufgelöst werden, fordert die Dienststellen der NSDAP, auf, ״Personen, die noch weiterhin als Kommissare in der Wirtschaft auftreten, ohne dazu durch die Regierung oder eine öffentliche Behörde berufen worden zu sein, den Gesichten auszuliefern.“ Danach besteht also die Hoffnung, daß die ״Kommissare“, die in zahlreichen Privatbetrieben sich selbst ernannt haben und u. a. Entlassungen jüdischer Anges t e 111 e r vornalimen, verschwinden werden. Die Leitung der Betriebe wird dann wieder in der Hand des G e schnftsinhnbers liegen, der die Möglichkeit hat, daä an jüdischen Angestellten begangene Unrecht zu ren-.rieren. Eine Rede des Bundeskanzlers DolIfnB Der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß hielt eine durch den Rundfunk verbreitete Ansprache an das amenkanische Volk, in der er mit besonderem Nachdruck darauf hinwies, daß in Oesterreich alle Bürger ohne Unterschied gleiche Rechte genießen. Auch nach der jetzt in Ausarbeitung befindlichen Verfassungsreform, so versicherte der Österreichlsche Bundeskanzler, werde der Grundsatz staats bürge rlicherOleichberechtigung aller Bürger Oesterreichs gewj hrt bleiben. Das österreichische Volk, erklärte er, sei gegenüber Kulturen anderer Völker duldsam und milde, denn aas österreichische Deutschtum habe in seinem historischm Zusammenleben mit anderen Völkern die Fähigkeit erworben, Verständnis für das EJgenleben und die Besonderheiten anderer Volksgemeinschaften aufzubringen. Dl« jüdischen Künstler von den Kunstausstellungen ausgeschlossen. Zu der unter diesem Titel in Nr, 40 der ״Jüd. Rundschau“ veröffentlichten Notiz sendet unS der Verfasser folgenden Nachtrag: Die Mitteilung, daß in den Kunstausstellungen keine jüdischen Künstler ausstellen dürfen, muß dahin berichtigt werden, daß als einziger Jude der Graphiker Erich Wolfsfeld in der Akademie vertreten ist. Sonst erhielten vor der Einsendung die jüdischen Künstler die Mitteilung, nicht auszustellen; in der ״Oroßen Berliner Kunstausstellung“ gab man den Einsendern einen Zettel in die Hand, der darauf hinwies. Während man den Zettel einem blonden Jüdin mit einem allgemein klingenden Namen nicht gab, erhielt Ihn ein brünetter Nichtjuae, der einen Namen aus der Pflanzenwelt hat. Solche Rassenirrtümer scheinen unvermeidlich - zu sein. Bei Wolfsfdd scheint die Zulassung deshalb zu sein, weil er Lehrer an der Kunstakademie ist und man wohl schwer den Lehrer ausschlleßen kann, wenn die Schüler vertrrttca sind,