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Jüdische Rundschau · 1933-05-23 · Heft 41 (23.5.1933) · p. Seite 214

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 41 (23.5.1933)
Date
1933-05-23
Page
Seite 214 (sequence 2)
Language
German
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Seite 212 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 41, 23. V. 1933 läge. Wenn man jetzt gerade auf diesem Gebiet eine jüdische Beteiligung zuläßt, während man in anderen Wirtschaftszweigen den Juden jeden Zugang versperrt, dann — so muß festgestellt werden — ist es nicht jüdi sehe Schuld, wenn die Juden verhältnismäßig ge* rade auf diesem Gebiet stärker vertreten sind als auf anderen Gebieten. Die Juden haben keine Vorliebe für die Fiörse, aber sie sind im Galuth nicht Herren ihres Schicksals und ihrer Berufswahl. In Palästina, wo sie die Möglichkeit haben, sind sie auch Bauern. Es liegt auch auf der Hand, daß die neue politische Strömung-, die mit einem Schlage für das ganze Volk maßgebend wurde, zu privaten geschäftlichen Zwecken mißbraucht wird. Die Reichsregierung hat ein Oesetz zum Schutze der nationalen Symbole erlassen. In der Linie dieser Gesetzgebung würde es liegen, wenn auch die Verwendung der aus dem politischen Kampf stammenden Schlagworte im Geschäftsleben und in der Geschäftsreklame verboten würden. Schilder mit der Aufschrift ״Deutsches Geschäft“ scheinen nach der neuen Anordnung der NSDAP, für die Mitglieder der ״Selbsthilfe-Arbeitsgemeinschaft“ doch wieder gestattet zu sein. Die Verwendung des Beiwortes ״deutsch“ bei Waren bedeutete bisher nichts anderes als die Feststellung, daß die betreffende Ware im Inland produziert, also nicht aus dem Ausland importiert ist. Heute hat das Wort ״deutsch“ in diesem Zusammenhang einen spezifischen Klang bekommen und bedeutet soviel wie ״nichtjüdisch“. Wenn 7. B. bei der Reklame für eine Hautcreme auf den ״arischen“ Ursprung hingewiesen wird, so ist dies unseres Erachtens ein Mißbrauch. Die Regierung, die auch die Sphäre des privaten Geschäftslebens ihrer Kontrolle unterzieht, sollte rechtzeitig dagegen ei!!schreiten, daß zu eigennützigen Zwckken solche Formeln benützt werden. Minister Goebbels hat sieh in einer seiner Reden dieser Tage wieder gegen den demonstrativen Uebereifer der neuen Adepten der nationalsozialistischen Partei gewandt, die sich in Radikalismus besonders hervortun wollen, und er, ebenso wie Ministerpräsident Goering, verurteilten entschieden das um sich greifende Angebertum. Auch in bezug auf die Verfemung der Juden ist ein solcher Uebereifer zu spüren. Durch das von Dr. Goebbels beklagte Unwesen der ״Kommissare“, die in private Betriebe eingriffen, sind insbesondere Juden und jüdische Angestellte schwer geschädigt worden. Wenn die Regierung nach vollzogener Revolution diese Kommissare beseitigt, so müßte auch in vielen Fällen der durch sie geschaffene Status wieder aufgehoben werden. Eben erst hat die ״Lügenabwehrzentrale der NSDAP.“ eine amerikanische Meldung, wonach die nationalsozialistischen Betriebszellen dafür zu sorgen haben, daß ״nach dem 1. Oktober keine Juden mehr in geschäftlichen sowie in industriellen Betrieben mehr tätig sein dürfen“, kategorisch dementiert. Der preußische Führer der NSDAP. Kube hat kürzlich geschrieben: ״Der Jude möge sich wieder daran gewöhnen, bescheiden und unbeachtet im Rahmen deutscher Gesetze seinem Gewerbe nachzugeliea.״ Wenn dieser Satz Realität haben soll, dann dürfen die deutschen Gesetze nicht so gefaßt sein, daß sie es den Juden unmöglich machen, irgend einem Gewerbe nachzugehen. Auch in diesem Zusammenhang gelten die eindrucksvollen Worte, die der Reichskanzler in seiner Friedensrede als allgemeine Grundsätze ausgesproeben hat: ״Es ist nicht weise, die wirtschaftlichen Lebcnsmöglichkciten einem Volke zu entziehen ohne Rücksicht darauf, daß die davon abhängige Bevölkerung darauf angewiesen ist, in diesem Gebiete weiterhin zu leben.“ Darum muß über eine erträgliche Neuordnung in bezug auf die Juden leidenschaftslos nachgedacht werden. Die alten Römer bezeichneten als die Grundpfeiler der Beziehungen verschiedener Menschengruppen zueinander das ״Connubium“ und das ״Commercium“: die Freiheit der gegenseitigen Eheschließung und die Freiheit des wirtschaftlichen Verkehrs. Das ״Connubium“ zwischen Juden und Niclitjuden, das in der Praxis ohnedies nur in geringem Umfang bestand und von der Mehrheit beider Gemeinschaften abgelehnt wurde, wird jetzt vom Nationalsozialismus, der auf dem Rassenstandpunkt steht, mit aller Schärfe bekämpft. Was aber das ״Commercium“ betrifft, so kann dieses den deutschen Juden nicht entzogen werden, ohne daß sie, soweit sie nicht auswandern können, zum Hungertode verurteilt sind. Dies ist ein Problem, das aber weit über den Rahmen der Judenfrage hinausreicht. Stellt man den Grundsatz auf, man müsse einem Menschen, nur weil er zu einer andersartigen Gemeinschaft gehört, die Möglichkeit der wirtschaftlichen Existenz in einem Gebiete entziehen, deutschen Politik, sondern der allgemeine Grundsatz des Völkerlebens, und insofern ist Deutschland auch positiv an dieser Debatte interessiert, weil das deutsche Volk dreißig Millionen Volksgenossen als Minderheiten im Ausland hat. Die Ausschließlichkeit, mit der Deutschland seinen Ständestaat für deutschstämmige Volksgenossen organisiert und Fremdstämmigen außer dem Connubium auch das Commercium entzieht, könnte in anderen Staaten, die häufig geistige Anleihen bei Deutschland gemacht haben, Nachahmung finden. Dies würde aber nicht nur die in diesen Ländern wohnenden Juden, sondern auch a n d e re Minderheiten gefährden. Schon am 6. April schrieb die ״Tägliche Rundschau“: ״Eine neue chauvinistische Welle in Zwischeneuropa brandet in erster Linie gegen die Ausländsdeutschen an.“ In bezug auf die europäische Minderheitenfrage waren bisher deutsche und jüdische Interessen weitgehend parallel. Sind doch nach den Deutschen die Juden dasjenige Volk, das am meisten Angehörige als nationale Minderheiten in verschiedenen zwischeneuropäischen Staaten zerstreut leben hat Wenn daher jetzt die Judenfrage vor dem Völkerbund zur Sprache kommen sollte, so soll man nie aus dem Auge verlieren daß es sich über den Spezialfall hinweg um das viel weiter reichende Problem der Oleichberechtigung andersgearteter Staatsbürger in den Staaten, denen ein Staatsvolk das nationale Gepräge gibt, handelt. Darum muß man hoffen, daß ein Weg gefunden wird, um mit Zustimmung aller Beteiligten dieses schwere europäische Problem einer menschlich zulänglichen, der Kulturhöhe der europäischen Völker angemessenen Lösung zuzuführen. ״Vollarisierung Y* Die Deutsche Turnerschaft hatte vor einiger Zeit die Ausschaltung der Turner jüdischer Abstammung beschlossen, doch sollten, wie der Vorsitzende, Dr. Neuendorff, in einem Aufruf erklärte, jüdische Frontkämpfer sowie Väter oder Kinder von Gefallenen ״in allen Ehren in der Turnerschaft verbleiben“. Später hatte der Berliner Turngau ״Vollarisierung“ gefordert. Nunmehr teilt die ״Vo“-Korrespondenz mit: ,JDie Bestimmung, daß bei der Durchführung der Arisierung der Deutschen Turnerschaft jüdische Frontkämpfer, jüdische Sühne oder Töchter von im Weltkrieg gefallenen Vätern und jüdische Väter und J\t!Itter von im Weltkrieg efallcnen Söhnen in der Deutschen Turnerschaft bleiben önnten, hat zu einer großen Reihe von Zweifeln, Schulerlgkciten und Mlßhelligkeitcn geführt. Der Führer der Deutsehen Tumerschaft, Direktor Neuendorff, hat daher — übrlgens in vollkommenem Einverständnis mit den am stärksten von der Arisierung betroffenen Kreisen — die Ausnahmen aufgehoben und bestimmt, daß alle männlichen und weiblichen Mitglieder der Deutschen Turnerschaft, die jiidischer Abstammung sind, diese bis. zu den Großeltern gerechnet, aus der Tumerschaft ausscheiden müssen. Die Vollarisierung Ist spätestens bis zum Deutschen Turnfest durchzuführen." Zur Psychologie der deutschen Juden wäre es interessant zu erfahren, ob es wirklich Juden gibt, die diesen endgültigen Hinaus wurf abgewartet haben, in der Hoffnung, daß man bei ihnen (z. B. als Väter oder Söhne von Gefallenen) ״Ausnahmen“ machen wird. Wir fürchten fast.,. ״Antisemiten, aber keine Barbaren” Die erste Reichstagung deutscher Referendare fand am Sonnabend ihren Höhepunkt mit einer Massenkundgebung in den Tennishallen. Reichsjustizkommissar und bayerischer Justizminister Dr. Frank sprach über das Thema ״Gegen jüdische Rechtsdrehung, für ein deutsches Voiksrecht“. Im Verlauf seiner Rede erklärte der Minister, Zeitungsberichten zufolge, u. a.: ״Wir Deutsche nehmen für uns in Anspruch, daß wir unser Recht in deutscher Sprache und in deutschen Gedanken aufbauen. Wir sind unermüdlich auf dem Wege, dem Frenidrassigen jede Mitwirkung an der Rechtsschaffung, Rechts Verwirklichung und Rechtsdeutung in Deutschland zu nehmen. (Stürmischer Beifall.) Mir ist bekannt, so fuhr der Reichsjustizkommissar fort, daß an der heutigen Veranstaltung verschiedene fremde Diplomaten teilnehmen. Ich möchte diesen daher mit aller Deutlichkeit sagen, wir sind wohl Antisemiten, aber keine Barbaren. Wir führen den Kampf gegen die Juden in einer Weise, wie er sich mit der Kulturhöhe des deutschen Volkes vereinbaren läßt. Wir werden uns aubh von niemandem da hineinreden lassen, denn es gibt Grundsätze, über die wir mit niemandem ln der ganzen Wett debattieren werden. (Brausender Beifall-) Das Recht, das wir uns jetzt schaffen werden, ist das Recht des deutschen Soldatenvolkes, es Ist aber auch das Recht des deutschen Herrenvolkesl Wir können wieder stolz sein. Wir sind wieder bereit, ein Herrenvolk zu werden, und die Welt wird sich daran zu gewöhnen haben! (Stürmischer, lang anhaltender Beifall!) Dabei wollen wir dem Recht keines Volkes zu nahe treten, aber wir werden uns die Gesellschaft auch unter den Völkern aussuchen, in der wir verkehren wollen.“ Bfiliidicr Hilfrfond* für deutsche Juden Die Möglichkeiten der Pal&shna -Wanderung London, 18. Mai. (I, T. A.) Die Zusammenfassung aller Hilfsaktionen zugunsten der deutschen Juden in England ist nach längeren Verhandlungen zustande gekommen. Als Haupt- Instrument der Hilfsarbeit wurde in London der ״Britische Zentralfonds für die deutsche Judenheit“ gegründet, dessen Präsidium Lord R e a d 1 n g, Dr. Weidmann, Lionei de Rothschild, Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz und Nahum So ko low׳ übernommen haben. In der Verlautbarung über die Gründung des Fonds wird gleichzeitig mitgeteilt, daß die Durchführung der geplanten großen Elnncitssammlung demnächst durch ein Komitee in Angrift genommen werden wird, an dessen Spitze Anthony de Rothschild steht und dessen übrige Mitglieder Simon Marks, Edward Baron und Philip S. Waley sind. Es sei beabsichtigt, ein Exekutivkomitee und einen Rat einzusetzen, ebenso andere zentrale und lokale Komitees, um alle Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft Großbritanniens zu erfassen, ln der kommenden Woche soll der Aufruf des Zentralkomitees gleichzeitig■ mit der ersten Spendenliste veröffentlicht werden. Der Sitz des Zentralfonds wird sich im jüdischen Gemeindezentrum in Woburn-House befinden. Zu Sekretären wurden die Herren L. Bakstansky und M. Stephany bestellt. Der Verlautbarung ist ein Auszug aus einem Bericht des Direktors des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke und des Vorsitzenden des Keren Hajessod-Zentralkornitees für Großbritannien und Irland Simon Marks beigegeben, in dem cs heißt: Bisher bietet die Einwanderung deutscher. Juden nach Palästina keine besonderen Schwierigkeiten. Die Arbeit kann von den bestehenden Aemtern — in erster Reihe kommt das Arbeitsvermittlungsa!nt der Histadruth Haowdim (Jüdische Arbeiterorganisation) in Betracht — durchaus bewältigt werden. 1m allgemeinen kann man sagen, daß jeder in irgendeinem Fache — Medizin und Rechtswissenschaft ausgenommen — Ausgebildcte ohne besondere Schwierigkeiten untcrgebracht werden kann. Bloß Büroangestellte, insbesondere, wenn sic Englisch und Hebräisch nicht beherrschen, können nicht leicht Beschäftigung finden. Die Unterbringung junger Leute in verschiedenen Zweigen landwirtschaftlicher und gewerblicher Arbeit ist verhältnismäßig leicht; zahlreiche Kwuzoth (kooperative Siedlungen) und Moschawim (Kolonien mit individuellen Kleinbetrieben) sind bereit, neue Mitglieder aufzunehmen. In Industriebetrieben können Lehrlinge Unterkommen. Zahlreiche höher qualifizierte Handwerker und Arbeiter können Beschäftigung finden. Es gibt kaum einen Handwerks- oder Fabrikationszweig, der nicht neue Arbeiter benötigte. Es herrscht fühlbarer Arbeitermangcl, insbesondere in der Zeit der Orangenernte. Sachverständige in Tel-Awiw und Haifa haben übereinstimmend ihrer Meinung dahin Ausdruck verliehen, daß die Industrie Palästinas leicht und schnell eine beträchtliche Zahl deutscher Juden absorbieren könnte. Die Erfahrung der letzten 13 Jahre und die hervorragenden Fähigkeiten der deutsehen Einwanderer werden ihre Niederlassung erleichtern. Es ist im Hinblick auf die Lage in Deutschland zu erwarten, daß der Strom der Auswanderung aus diesem Lande nach Palästina sich ständig verstärken wird. Im Namen des Keren Hajessod-Komitees für Großbritannien und Irland erläßt gleichzeitig dessen Vorsitzender Simon Marks einen Aufruf, in dem festgestellt wird, daß alle Teile der englischen Judenheit sich zu einer einheitlichen Hilfsaktion zusammengeschlossen haben, deren Erträgnis zu einem wesentlichen Teil der Ansiedtung deutscher Juden in Palästina, wohin sie ״nicht als Geduldete, sondern kraft Rechts“ kommen sollen, gewidmet sein wird. Das Zentralkomitee des Keren Hajessod habe nach Vorsorge für die normale Arbeit beschlossen, seine Kräfte restlos der gemeinsamen Aktion zur Verfügung zu stellen. An alle Freunde des Keren Hajessod in Großbritannien wird der Appell gerichtet, durch persönliehe Mitarbeit und Opferbereitschaft zum Erfolg der gemcinsamen Hilfsaktion beizutragen. Auch die ״English Zionist Federation“ hat einen ähnlichen Aufruf erlassen. Zum Thema: Wirtschaft««Antisemitismus Wir haben in der ״Jüd. Rundschau“ Nr. 39 eine Veröffentlichung aus dem ״W ürzburger General-Anzeige.r“ wiedergegeben, worin die Gauleitung der NS BO. zur wirtschaftlichen Vernichtung jüdischer Kaufleute aufrief. Nun bringt dasselbe Blatt vom 18. d. M. folgende Verlautbarung: Eine Erklärung der Kreisleitung der Nationalsozialistischen Partei zu einem Ucbergrlff untergeordneter Stellen. Die Kreisleitung Würzburg der NSDAP, teilt uns mit: ״Am Mittwoch, 10. Mai, erschien im ״Würzburger C-eneral- Anzeiger“ ein Artikel der NSBO., Gauleitung Unterfranken. Durch Ucbergriff einer untergeordneten Stelle kam in diesen Artikel ein überscharfer Ton, wonach t. B. Käuferinnen in jüdischen Geschäften mit Namensnennung und Abschiebung nach Dachau bedroht wurden. Der Kamp{ der politischen Leitung, und damit gebt auch die NSfSO. einig, richtet sich vor allem gegen diejenigen jüdischen Geschäfte, die wir als Auswüchse und Schädlinge des Mittelstandes bezeichnen, also Warenhäuser, Einheitspreisgeschäfte usw. Auch die allgemeine Mahnung bleibt bestehen: Deutsche, kauft nicht bei Juden! Wir beabsichtigen alter nicht eine Vernichtung des in jüdischen Hfinden befindlichen Einzelhandels mit Rücksicht auf seine Volkswirtschaftliche Bedeutung und aul die christlichen Angestellten. Der Kreisleiter.“ Aus dieser Erklärung geht hervor, daß die Parteistellen der NSDAP, die mancherorts praktizierten Formen des Kampfes gegen jüdische Geschäftsleute nicht billigen. ״Keine jüdische Firma״ Inf ״Hamburger Tageblatt“ und in der ״Dortmunder Zeitung“ finden wir einen (wohl auch anderwärts) veröffenthehten Geschäftsbericht der AEG, worin es u. a. heißt: ״Das Geschäft habe kn allgemeinen eine Zelllang unter einem gewiss« Boykott gelitten, da die AEG als Gründung eines Juden als jüdische Firma angesehen wurde. In Verhandlungen mit der NSDAP, ist et gelungen, festzustellen, daß die AEG keine jüdische Firma ist und auch nicht überfremdet ist. Es ist die Anweisung gegeben worden, bei Aufträgen der Behörden der AEG. keine andere Behandlung als den übrigen Firmen zuteil werden zu lassen." (Sperrungen von uns. — ״J. R.“) Die AEO ist ein Unternehmen, das Deutschlands Wirt- Schafts rühm und Wirtschaftsexpansion gemehrt hat. Sie ist die Gründung des Juden Emil Rathenau. Es liegt eine tragische Ironie darin, wenn sie sich jetzt in ihrem Geschäftsbericht rühmt, daß ihr dieser Geburtsfehler nichtarischer Abkunft verziehen wurde und sie jetzt ״keine andere Behändiung als die übrigen Firmen“ zu befürchten hat. dann wird die Lage aller Minderheiten unhaltbar. Hier ist der Zusammenhang zwischen Judenfrage und Minderheitenproblem offenkundig, auch wenn die Juden in Deutschland nicht eine ״Minderheit“ im technischen Sinne der Staatsverträge bilden. Der Völkerbund wird sich voraussichtlich in dieser Woche mit der Frage beschäftigeri. Sie wurde in der Presse bereits mehrfach von internationalen Persönlichkeiten, die stets Deutschlands Kampf für die deutschen Minderheiten unterstützt haben, aufgegriffen. Der Völkerbund kann sich in Fragen der inneren deutschen Politik nicht einmischen; aber was, den Berichten zufolge, in Genf zur Debatte gestellt zu werden scheint, ist nicht der Eiazelfall det internen ,,Verbrecher ugd Juden" Der ״Völkische Beobachter״ bringt einen Aufsatz unter der fetten Ueberschrift ״Verbrecher und luden dringen sich in die österreichische Hilfspolizei“. Es wird in dem Artikel über die Recje des Wiener Gaqlciters Frauenfeld berichtet, der Vorwürfe gegen die österreichische Hilfspolizei erhob. Charakteristischerweise kommt in dem ganzen Artikel das Wort ״Jude“ überhaupt nicht vor. In dent Vortrag des Gauleiters war nicht von Juden die Rede, sondern von ״Verbrechergesindel“, Dennoch hält cs der ״Völkische Beobachter“ für richtig, eine solche Ueberschritt über den Artikel zu setzen in der Annahme, daß viele Leser nur Ueberschriften lesen und daß die Verbindung ״Verbrecher und Juden״ gar nicht oft genug wiederholt werden kann, um sich dem Gedächtnis aller Leser ein• zuprägen.

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