Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1933)
- Date
- 1933-05-19
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653725-2653769--23733-2686634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 206 JÜDISCH! RüHDSCHäü Nr. 40, 19. V. 1933 Die jüdischen Künstler von den Kunstausstellungen ausgeschlossen Aus Künstlerkreisen wird uns geschrieben: In den diesjährigen Berliner Ausstellungen der ״Akademic“. ״Secession" und ,,Große Berliner Kunstausstellung" wird kein jüdischer Maler, Bildhauer oder O r a ph i k e r mit seinen Werken vertreten sein. Die jüdischen Mitglieder der ״Secession" mußten den Verein mlassen. (Von 120 Mitgliedern waren 9 Juden.) Wie sich die anderen Aussteller-Verbände zu den jüdischen Mitgliedern vtr* halten werden, ist noch nicht entschieden, man wartet wohl ab, wie der ״Reichsverband bildender Künstler“ sich verhalten Wird. Bisher sind überall aus den Vorständen die Juden ausgeschieden. Obgleich sonst die Kriegsteilnehmer in den anderen Berufen zugelassen sind, hat man auch die jüdischen Künstler, die Frontkämpfer sind, von den Ausstellungen ausgeschlossen. Wer in der bildenden Kunst als Jude gilt, ist bisher noch nicht entschieden; bei Beamten genügt schon, wenn ein Oroßeiternteil (wie bei Oberstleutnant Düsterberg) jüdischer Abstammung ist, in den Schulen gilt ein Kind schon als arisch, wenn ein Teil der Eltern Arier ist, beim Bauernrecht muß der Bauer bis ins vierte Olied im Mannesstamm ohne jüdisches Blut sein. Vielleicht ist man den bildenden Künstlern gegenüber nachsichtiger; in der diesjährigen ״Großen Berliner Kirnstausstellung“ hat man dem jungen Maler Peter Oötz eine Wand zur Verfügung gestellt, der ein halber oder dreiviertel Jude ist. Der Maler Prof. Herrn. Sandkuhl hat erst vor kurzem Fresken in einer Kirche gemalt; seine Mutter war Jüdin, sein Schwager ist ein jüdischer Patentanwalt. Und ־wozu wird nun Max ICIinger gerechnet, dessen Großvater ein Jude, oder Hans von Martes, dessen Mutter eine Jüdin war? Audi die ״Künstlerläden e. V.“, eine Vcrfcaufsgelegenhcit, die in der Hauptsache von jüdischen Malern organisiert wurde, hat Fragebogen herumgeschickt, ob der Aussteller jüdischer Abstammung ist; auch dort sind oder werden die Juden, auch die Kriegsteilnehmer, ausgeschaltet. In dem Vorwort des Kataloges seiner letzten Ausstellung betonte ■der ״Verein Berliner Künstler", ,,daß er sich nicht umzustellen braucht, da er schon immer auf dem Boden der heutigen Auffassung stand". Von gegen 350 Mitgliedern sind höchstens 5—10 Juden (Maler oder Bildhauer), Frauen werden in den Verein nicht aufgenommen, ebenso die extrem modernen Maler. Mur stimmt es nachdenklich, daß bekanntlich vor dem Kriege der nordisch-germanische Maler Ed. Munch, der im Künstlerhaus eine Ausstellung hatte, diese auf den Protest der Mitglieder unterbrechen mußte; man hätte erwarten müssen, daß gleiche Abstammung, gleiches Blut das Wesen dieses germanischen Künstlers erkannt hätte. Statt dessen brach für Munch besonders TI1. Wolff eine Lanze und verteidigte seine Kunst. Im Gegensatz zur geringen Zahl der jüdischen Mitglieder sieht die Zahl der jüdischen Spender für den Bau des Künstlerhauses, die auf einer Marmortafel am Eingang des Künstlerhauses verewigt sind; von ungefähr 45 Namen ist ein Drittel jüdischer Abstammung. Auch den Prozentsatz jüdischer Bilderkäufer sollte man veröffentlichen. * Bei der Eröffnung der grollen Berliner Kunstausstellung im Schloß Bellevue hielt Kultusminister Rust eine Ansprache, in der er a. a. ausführte: Die Kunst der jüngsten Vergangenheit war vom Volke gelöst, und zwar künstlich gelöst durch artfremde Herrscher, die in Kritik und KuristhandeJ herrschsüchtig und gewinnsüchtig den deutschen Künstler sich unterwarfen. Wir müssen den Unterschied machen zwischen einer bewußt art- 11nd geistesfremden Kunstdiktatur, ihren willfährigen Werkzeugen und den deutschen Künstlern, in deren Schaffen sich die Tragik einer Ziel- und Führungslosigkeit in Volk und Staat widerspiegelt. Ausschaltung aas dem deutschen Buchhandel Der Oesamtvorstand des Börsen Vereins der deutsehen Buchhändler in Leipzig macht bekannt: ״Zu den zahlreichen, uns aus allen Teilen des Reiches zugehenden Meldungen über bereits erfolgte oder in Aussicht gestellte Beschlagnahme von Büchern in den Sortimentsbuclthandlungcn teilen wir folgendes mit: Wir haben Verhandlungen mit den zentralen Regierungsstellen aufgenommen, um eine einheitliche Regelung für die jetzt aus dem Vertrieb auszuschaltenden Werke herheizuführen. Bis zu dieser Regelung ist allen Sondermaßnahmen gegenüber auf diese Verhandlungen zu verweisen. Gegenüber unzulässigen Eingriffen ist der Schutz der örtlichen zuständigen Verwaltungsstellen anzurufen. Es darf als selbstverständlich vorausgesetzt werden, daß unsere Mitglieder solche Werke, die als in nationaler oder kultureller Hinsicht zersetzend an- Zusehen sind, bereits aus dem Betrieb gezogen haben.“ Wie die Zeitungen aus Leipzig berichten, ist sich der Vorstand des Börsen ver eins mit der Reichsleitung des KnnipfbumU'S für DeuiseJie Kultur und der Zentralstelle für das deutsche Bibliothekswesen darin einig geworden, daß die zwölf Schriftsteller Lion Feuchtwanger, Emst Glaeser, Arthur Holliiseher, Alfred Kerr, Egon urwin Kisch, Emil Ludwig, Heinrich Mann, Ernst Ottwalt, Theodor Plivier, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky und Arnold Zweig für das deutsche Ansehen als schädigend zu erachten sind. Der Vorstand erwartet, daß der Buchhandel die Werke dieser Schriftsteller nicht weiter verbreitet. — Etwa die Hälfte dieser Schriftsteller sind Juden. Für jüdische Aerzte. Das ״Comite d’Action rnödical de Strasbourg“ schreibt uns: Eine internationale Acrzte-Organisation ist zurzeit im Ausbau begriffen. Für die jüdischen und nichtjüdischen Kollegen, denen in Deutschland die Aus- Übung ihres Berufes unmöglich gemacht ist, will diese Organisation Niederlassungsmöglichkeiten in der Welt ausfindig machen und Verhandlungen mit den betreffenden Regierungen anbahnen. Die Erfolge einer derartigere Organisation werden sich begreiflicherweise erst nach Wochen, wenn nicht Monaten auswirken. Bis dahin wird den deutschen Kollegen geraten, abzuwarten und, soweit dies noch möglich ist, die Praxis weiterzuführen. Jetzt bereits auszuwandern, ist nicht zu empfehlen, es sei denn, daß persönliche oder wirtschaftliche Gründe dazu drängen; liegen diese vor, so können die Kollegen der Unterstützung durch die verschiedenen Hilfsorganisationen sicher sein. Hingegen hat jeder deutsche Kollege, der erwartet, früher oder später im Aus- Und eine neue Existenz suchen zu müssen, ein Interesse daran, heute schon seine Ansprüche vorzumerken. Dies geschieht am besten in Form eines kurzen Lebenslaufes (mit Angabe der Famiiienverhältnisse), der an den Vorsitzenden des Comit£ d׳Action mfdlcal Dr. Nordmann, Boulevard du Champs de Mars, Colmar (Haut-Rhin) zu adrfissieren ist Die Vergebung von Gemeinde•׳ Aufträgen Der Preußische Ministerpräsident und Innenminister 00 rin p hat an die Oberpräaidcnten und Regierunasprfisidenten sowie an die Gemeinden und Gemeindeverbünde einen Erlaß gerichtet, der sich mit der Vergebung von Aufträgen durch die Gemeinden und Gemeind«• verbinde beschäftigt Nach diesem Erlaß ist die Vergebung gemeindlicher Auf• träge ausschließlich Sache der zuständigen Organe der Ge• memden und Gemeindeverband«. Schon aus rechtlichen Grün• den könne es nicht in Betracht kommen, Vergebungen von dem Einverständnis oder der Zustimmung der außerhalb der Gemeinde stehenden Organisationen, wje z. B. des Kampf bundes für den gewerblichen Mittelstand oder sonstiger Einrichtungen abhängig zu machen. Darüber hinaus müsse von den zuständigen Organen der Gemeind« unter allen Umstünden verlangt werden, daß sl« bei der Vergebung von Auftrügen eis hierfür allein verantwortlich« Stollen auch jede Einflußnahm e von außen her — auch durch Organisationen der erwähnten Art — ab* lehnen. Für die Vergebung gemeindlicher Aufträge dürfen nur die Interessen der Gemeinden oder des Gemeindever* Landes selbst, nicht die Sonderinteressen außenstehender Orgnnis&tionen oder ihrer Mitglieder ausschlaggebend sein. Dieser Erlaß des preußischen Mi11isterprüsident«n kann von großer Wichtigkeit sein, wenn er dahin zu verstehen ist, daß die Gemeinden sich in Zukunft auch hei Vergebung von geschäftlichen Auftrügen nur von Wirtschaft• li dien und Zweckmäßigkeits-Gesichtspunkten, nicht aber von politischen Motiven leiten lassen sollen. Bisher haben sehr viele große Kommunalverbände nicht nur selbst alle Geschäftsverbindungen mit Juden ge• löst und den Einkauf bei Juden untersagt, sondorn sic haben auch ihren Beamten und Angestell• t e n verboten, bei Juden zu kaufen, Der ״Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand“, der die Vernichtung des jüdischen Geschäftsmannes offen proklamiert, hatte hierbei überall einen starken Einfluß. Wird dieser Einfluß nach der klaren Anordnung des Ministerpräsidenten ausgeschaltet, 80 sollte nun auch die Verfemung des jüdischen Geschäftsmanne», der seine Steuern ehrlich bezahlt, zurückgezogen werden. Wenn sich die Kommunen, trotzdem sie unter nationalscmialistischcr Leitung .stehen, zu einer Milderung der in den Tagen der Revolution ausgegebenen scharfen Parolen entschlössen, würde dies als ein Beweis der Kon• solidicrung der Verhältnisse sicherlich in der ganzen Welt, wo heute das üble Wort ״Boykott“ zu einer gef ährliehen Waffe geworden ist, angesehen werden. Wirtschafts-Antisemitismus Ein Leser sendet uns das ״Neustädter Anzeigen* b 1 a 11“ (Neustadt a. d. Aisch), laut Untertitel Amtsblatt des Bezirksamtes Neustadt und zahlreicher anderer Aemter und Behörden, vom 9. Mai, worin folgendes Inserat, das wir hier verkleinert wiedergeben, abgedruckt ist: Pranger Es gibt immer noch Deutsche, die Knechte der Juden sind. Zu diesen gehört Herr Johann Vorläufer, Obernesselbach. Dieser wollte am Sonntag beim Juden kaufen. Als er daran gehindert wurde, sagte er unter anderem: ״Die Christen schmieren einen ärger aus, als die Juden.“ Herr Vorläufer, wir raten ihnen, sich' dem Ausrüg Israels aus dem Neustädter Bezirk anzuschließen. Aktionsausschuß zur Bekämpfung des Judentums. Dieses — überdies mit 2 Hakenkreuzen versehene — In- Serif gehört zweifellos zu den Einzclakten, gegen die von Regierungsstellen und von offiziellen Partcistellen der NSDAP in letzter Zeit wiederholt Stellung genommen wurde. Es wäre zu wünschen, daß die Behörden mit Entschiedenheit solche Versuche der Einschüchterung, die der Vernichtung jüdischer Existenzen dienen und als unzulässig bezeichnet wurden, verbieten. Besonders bedauerlich ist der Mißbrauch, der hier mit dem Embleme des neuen Deutsehen Reiches getrieben wird, das, seitdem es Hoheitszeichen des Reiches ist, nicht für unautorisierte Handlungen verwandt werden dürfte. In derselben Nummer der Zeitung linden wir einen Bericht über eine Versammlung der Gewerbetreibenden der Stadt, in der Präsident Lehr ,u. a. erklärte, die Inflation!920- 23 sei das größte Verbrechen der Weltgeschichte, das von den Juden ersonnen war, wahrend 1929—1931 ן,Alljuda“ durch das Mittel der Steuerschraube gegen den Mittelstand kämpfte. ״Der Mittelstand wurde davon ln einer Weise erfaßt, daß es zum Himmel schrie. Da dies alles von den Juden verschuldet war, sei es ein besonderes Verdienst, daS die Rassenfrage aufgerollt wurde, in der Julius Streicher bahnbrechend vorgegangen ist. Erst die Geschichte werde seine Leistungen in dieser Frage würdigen.“ Im Bezirk Lichtenberg sind allen nach dem 1. Aag. 1911 hier zugewanderten Ausländern jüdischer Rasse die auf den städtischen Märkten überlassenen Stände zum 1. Juni 1933 gekündigt worden. Juden und Landwirtschaft Die Einführung des Arier -Paragraphen in detri neuen Bauernrecht wirft für die Juden ein neues schweres Problem auf. Einer der häufigsten Vorwürfe, den man gegen den Juden in Deutschland hören kann, ist der, daß sich die ud-en vorwiegend im Handel betätigen. Es wird darauf ingewiesen, daß auf diesem öebiete der Erwerb relativ leicht, d. h. mit weniger physischer Arbeit verbunden sei. Wir wollen zunächst dahingestellt sein lassen, ob dies auf den kleinen Krämer wirklich zutrifft. Unbestreitbar aber ist die Tatsache, daß die Juden in Urproduktion, insbesondere in der La ndwirtschaft schwach vertreten sind. Jahrhunderte lang wurden die Juden vom Boden ferngehalten, und erst nach der Emanzipation konnte der Gedanke, auch Landwirf zu werden, bei Juden entstehen. In der letzten Generation hat sich ein deutlicher Umschwung vollzogen. Ein großer Teil der jungen jüdischen Menschen ersehnt die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Betätigung. Dort, wo sich die Möglichkeit bietet, z. B. in Pa Iä sti n a, wird Landwirtschaft und Bauerntum als höchstes Ideal gefeiert. Auch in Deutschland haben viele Juden den Wunsch, sich der Landwirtschaft zuzuwenden. Aber es standen hier stets große Schwierigkeiten entgegen, die jetzt durch da* neue Bauerngesetz zu einem praktischen Ausschluß samtlieber Juden gesteigert sind. Das Bauerntum ist einem Juden in Deutschland von nun an verschlossen. Wird man ihm gleichzeitig auch weiterhin den Vorwurf machen, daß er die schwere physische Arbeit des Bauern scheut und sich lieber in das ״ihm mehr zusagende'* Gebiet des Handels he- 1 giMZ Auszug Danziger Juden? Aus Danzig meldet die Polnische Telegraphen- Agentur, daß zahlreiche jüdische Firmen ihre Geschäfte nach Odynia verlegen, weil sie für den Fall der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Danzig die Einführung ähnlicher Beschränkungen wie gegen die Juden in Deutschland befürchten. Dem Bericht der Polnischen Telegraphen-Agentur zufolge soll der Auszug der luden aus Danzig bereits ,^Massencharakter“ angenommen haben, obwohl auch in Gdynia die Verhältnisse für die Juden nicht besonders günstig liegen, ln einzelnen Teilen der Stadt, insbesondere ln der Hafengegend, weigert man sich, ihnen Häuser oder Grundstücke zu verkaufen. Das von den Danziger Nationalsozialisten dem Vöikerbundskommissar abgegebene Versprechen, für den Fall eines nationalsozialistischen Sieges die Verträge und die Danziger Verfassung zu respektieren, schließt auch die Verpflichtung ein, die Gleichberechtigung der Juden in Danzig nicht anzutasten. Für eine innere Anleihe in Palästina Jerusalem, 16. Mal. (J.T.A.) In der in Palästina in englischer Sprache erscheinenden Tageszeitung ״Palestine Post“ wird der Vorschlag gemacht, eine innere Anleihe aufzunehmen, mit deren Hilfe großzügige investitionen gemeinnützigen Charakters durchgeführt werden sollen. Der Verfasser des Artikels weist darauf hin, daß in den Banken Palästinas Depositen in der Höhe von 7 Millionen Pfund liegen, ohne daß dieses Kapital entsprechend verwertet werde. Es bestünden wohl zahlreiche Anlagemöglichkeiten in verschiedenen Unternehmungen, die jedoch in ihrer Entwicklung mit dem normalen wirtschaftlichen Risiko verbunden sind und zu ihrer Führung entsprechend vorgebildete Kräfte benötigen. Die palästinensischen Banken seien aber auf eine derartige Verwendung ihrer Gelder nicht eingerichtet. Unter Hinweis auf den großen Erfolg der Palästina- Anleihe des Jahres 1927, die infolge des allgemeinen Vertrauens zur vorsichtigen Wirtschaft der Palästina-Regierung in kürzester Zeit in England untergebracht war, regt der Verfasser des Artikels an, daß die Regierung eine neue Anleihe aufnehmen möge, die zum größten Teil in Palästina selbst zur Subskription aufgelegt werden soll. Er glaubt, daß die palästinensischen Sparer ihr Geld sehr . Kapital könnte zur Durchführung großzügiger öffentlicher Arbeiten, wie Regulierung der vTass er Versorgung in ganz Palästina, Errichtung von Wasserleitungen für Städte und Dörfer und von Berieselungsanlagen für die palästinensische Landwirtschaft u. ä. verwendet werden. Yonng verlaßt Palästina Jerusalem, 18. Mai. (J.T. A.) Der bisherige Chef- Sekretär der Palästina-Regierung, Marc Aitchinson V o u n g, wurde zum Gouverneur von Barbados in Westindien ernannt. Der Chefsekretär trat sein Amt im Jahre 1930 als Nachfolger von Chefsekretär Luke, dessen Haltung während der Palästina-Unruhen im Jahre 1929 heftig kritisiert wurde, an. Mr. Young wird vor Antritt seines neuen Postens der Sitzung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes als akkreditierter Vertreter Großbritanniens beiwohnen. Drei Tote Aus Bulgarien wird uns geschrieben: Das bulgarische Judentum hat den Verlust von drei promlnenten Zionisten zu beklagen. Dr. Sabal Ascheroff aus Tatar Bazardjik ist in Palästina gestorben. Er gehörte zu der älteren Generation Chowewe-Zion in Bulgarien, hatte große Verdienste im Kampfe gegen die assimilatorische Tätigkeit der Alliance Israölite und für die Hebräisicrung der bulgarischen jüdischen Schulen. Er übersied eite vor einigen Jahren nach Palästina und war eines der führenden Mitglieder der Gruppe bulgarischer Juden, welche die Kolonie Beth-Chanan gründeten. Dort wurde er auch zur ewigen Ruhe bestattet. Kakum Chasson, gewesener Vorsitzende der Rustsehuker Oemeindc, hervorragender Organisator des Zionismus und Gemeindelcbens, hochgeschätzt auch in den nicht jüdisehen Kreisen, ist vor kurzem in Rustschuk gestorben. Pressiado Romano war einer der ersten in Bulgarien, der, dem Rufe Josef Marko Baruchs folgend, die junge Garde des Zionismus repräsentierte, welche sich später Herzls Führung anschloß. Mit dem Namen Pressiado Romanos ist die Geschichte des Zionismus in Bulgarien, wie auch die ganze Geschichte des bulgarischen Judentums nach Befreiung des Landes eng verbunden. Glühender Jude, talentierter Organisator, vorzüglicher Redner, ist Pressiado Romano das Sinnbild eines Apostel unserer Bewegung in Bulgarien geworden. Als Vorsitzender der meisten unserer Konferenzen, als Mitglied des Konsortiums in Sofia, als Vorsitzender der Gemeinde und des Schulkomitees in Plovdiv hat Pressiado Romano sich große Verdienste erworben. Sein Tod bedeutet eine schwer ausfüllbare Lücke im Leben des bulgarischen Judentums. H. R. Vor der VOlkerbundstagung. In Warschau sind Nachrichten eingetroffen, denen zufolge das Völkerbundsekretariat in Genf beschlossen haben soll, den Standpunkt einzunehmen, daß die vom Klub der jüdischen Abgeordneten im polnischen und vom Klub der jüdischen Abgeordneten im tschechosbwakischen Parlament dem Völkeroundsekretariat eingesandten Petitionen betreffend die Lage «ler Juden in Deutsch- Oberschlesicn nicht in Berücksichtigung gezogen werden können, weil das polnisch-deutsche Abkommen ausschließlich den Bürgern Öberschiesiens selbst ein Petitions- und Beschwerderecht einräume, nicht aber Organisationen außerhalb dieses Gebiets. Nichtjuden für den Palästina-Aufbau. Wie der Leiter der Palästina-Kampagne für Groß-New York, Nathan Straus junior, bekanntgibt, haben zahlreiche nichtjüdische Freunde des Palästina - Aufbaus sich mit größeren Beiträgen an der jetzt in New York durchgeführten Sammlung beteiligt. So hat der päpstliche Marquis George Mac Donald 1000 Dollar mit einem Begleitbrief übersandt, in dem er seine Sympathien für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina, wo heimatlose Juden aus allen Ländern Sicherheit und Freiheit finden sollen, zum Ausdruck bringt. Der Präsident der amerikanischen Tabakgesellschaft, Georgs Hill, hat 500 Dollar gespendet, von John r. Curry und James J. Hines sind je 250, von Major John O’Brien 100 Dollar eingelangt. Aufgabe für Detektive. Inserat aus dem ״Berl. Tageblatt“ vom 14. Mai: Ermittlungen betr. christliche oder jüdische Abstammung dem Arier-Gesetz entsprechend (Stammbäum), deren Ergebnisse für öffentliche, geschäftliche und private Zwecke unerläßlich sind, durch das seit 28 Jahren tausendfach bewährte Ermittlungs-Institut ״Welt-Detektiv“. Auskunftei P«1ß, Berlin M bO, Taueatzienstr. 5.