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Jüdische Rundschau · 1933-05-19 · Heft 40 (19.5.1933) · p. Seite 206

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 40 (19.5.1933)
Date
1933-05-19
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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Seite 204 JÜDISCHE RUNDSCHAÜ Nr. 40, 19. V. 1933 Gruppe von Fensterputzern, mit blauen Uniformen und ihren Arbeitsgeräten. Ihr Initiator war ein Warenhausdirekter aus Deutschland, der zuerst mit dem Gedanken umging, hier etwas für Schaufensterdekoration zu tun, was auch in der Tat ganz verdienstlich wäre. Das war jedoch nicht sofort durchzusetzen. Und so kam er auf die Idee, die Schaufenster, bevor er sie dekorierte, erst einmal zu putzen. In ein paar Tagen hatte er eine Gruppe beisammen und wandert jetzt mit ihnen durch die Straßen der Stadt, zur Freude und Sensation der Einwohner. Ein anderer, mit tausend Pfund in der Tasche, suchte nach einer Investitionsmöglichkeit. Als er aber sah, daß er lange Zeit zu Untersuchungen brauchte, nahm er erst einmal eine Stelle als Kellner an und bedient zur Zufriedenheit seine Gäste. Man kann die Liste solcher Fälle beliebig verlängern. Sie zeigen die Bereitschaft vieler, ganz von neuern anzufangen, den Versuch, alle nur irgend bestehenden Möglichkeiten auszunutzen. Es herrscht ein amerikanisch anmutender Geist, der auf Experimente eingestellt ist, sich nicht an das Herkömmliche hält und neue Wege geht. Mit großen und kleinen Untcrnehmungen, mit großen und kleinen Projekten sind wir in eine Periode der ersten Industrialisierung Palästinas eingetreten. Neben der Industrie geht der Handel. Neue Oeschäffsviertel, neue Läden, neue Artikel, neues Angebot. Und da es zugleich auch neue Käufer gibt, da der Bedarf steigt, die Ansprüche sich vergrößern, besteht ein einigermaßen ausbalanciertes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Neue Läden für Konfektion, für Berufskleidung, für Wäsche, neue Restaurants, neue Cafes; ein Schönheitsinstitut, ein neuer Photograph, neue Hotels und Pensionen. Alle diese mannigfaltigen Versuche werden nicht dirigiert; sie unterliegen keiner ״Planwirtschaft". Man hat seit Jahren gefordert, daß ein umfassender Wirtschaftsplan geschaffen und seine Durchführung gesichert würde. Heute, wo die Einwanderung zu einem überwiegenden Maße im Zeichen der Privatinvestitionen steht, ist an eine wirkungsvolle Planung der Wirtschaff kaum zu denken. Eine gewisse Beeinflussung der Einwanderer wird durch die Informationsbüros erreicht, vor allem durch die Arbeit des American Economic Committee, das an der Ausarbeitung fast aller größeren Projekte mitwirkt und für einen Kontakt zwischen einzelnen Interessenten, auch zwischen Kapitalisten und Fachleuten sorgt. Im übrigen ist nicht zu vermeiden, daß die lebhafte Tätigkeit auch eine ebenso lebhafte Konkurrenz nach sich zieht, daß entstehende Lücken im Wirtschaftsleben übermäßig ausgenützt werden und sich mehrere zugleich auf eine Chance werfen. Das Resultat dieses Existenzkampfes wird heute noch nicht stark fühlbar, weil eben die Einwanderung selbst, die die konkurrierenden Elemente anschwemmt, auch zugleich Immer neue Kaufkraft in das Wirtschaftsleben pumpt. Die Verhältnisse ändern sich mit einer Schwindelerregenden Raschheit. Auskünfte, die heute noch richtig waren, sind morgen schon antiquiert. Was heute noch unmöglich scheint, kann morgen real sein. Freilich, ein Platz, der heute noch frei ist, kann morgen schon besetzt sein. Ein Platz, der heute noch frei ist — es gibt nicht nur Arbeitsuchende und Investierende; es gibt die Mittelschiebt, die ״eine Stelle sucht". Auch sie findet Lücken, 1'n denen sie unterschlüpfen kann, oftmals wider alle Erwartung. Aber ein großer Teil muß doch neu beginnen, sich ganz umstellen, umschichten. Der Prozeß ist für so manchen, der an einem leichten Leben hängt, der harte Arbeit scheut oder nicht machen kann, sehr schmerzvoll. Bei vielen fehlt auch die Bereitschaft, spielen Bequemlichkeit, Vorurteile, übermäßige Ansprüche mit. Man wird hier versuchen aufzuklären, eine gewisse neue Berufsschulung zu vermitteln, Kooperativen zu schaffen. Vielfach wird erst die nackte Not die entsprechende Ueberzeugungskraft aufbringen. Sic lehrt in Palästina nicht nur beten, sondern auch den Lebens-Standard senken, arbeiten, sich anpassen. Ist die Einwanderung von 1933 schon ökonomisch verschieden von den übrigen Iinmigrationswellen, so ist sie geistig zu einem großen Teil ganz anders gerichtet. Freilich, es kommen auch gerade jetzt ״alte Zionisten“ ins Land; solche, deren Uebersiedlung seit Jahren fällig ist. Sie haben eine Vorstellung vom Land, interessieren sich für seine Mentalität, für seine Ziele, wollen sich ״eingliedern“. Aber es kommen viele, sehr viele, die überhaupt nichts von Palästina wissen, die niemals dafür Interesse gehabt haben, die hierhergehen, weil gar nichts anderes übrig bleibt. Daß sie die Sprache nicht beherrschen, ist selbstverständlieh. Aber sie haben auch keine Ahnung, auf welche Weise und unter welchen Ideen und Kämpfen das alles entstanden ist, was sie hier sehen und als selbstvertändlieh hinnehmeti. Es fehlen ihnen die primitivsten Grundlagen für einen Kontakt mit dem Lande und seinen Mensehen. Sie legen vielfach groteske Maßstäbe an das, was sie sehen. Und — bizarr genug — gerade unter diesen ist so mancher, der mit Prätentionen auftritt, Ansprüche stellt, Kritik übt. Es fällt ihnen nicht im Traum ein, das ״quod licet Jovi non licet bovi“. Für sie ist Palästina ״Asien*‘, sie verstehen alles besser als die Alteingesessfenen und haben eine auf nichts basierte Selbstsicherheit Palästina hat schon manche Einwanderungswelle geschluckt Jede hat ihre eigenartigen Schwierigkeiten, ihre eigenartigen Gefahren und ihren eigenartigen Nutzen gebracht. Die Einwanderung von 1933, die bisher ökonomisch so glatt geht, bringt ein gerüttelt Maß ge ist»• ger Aufgaben. Diesen Strom nicht nur ökonomisch unterzubringen, sondern auch kulturell zu assimiHeren, ihn zu lehren, was Palästina ist, was es will und was daraus werden soll, ist eine gewaltige Aufgabe. Man wird versuchen, sie von allen Seiten anzupacken. Es wird einen Kampf geben um die Durch- Setzung der hebräischen Sprache, palästinensischer Auffassungen und Begriffe. Und vielleicht wird die gewaltige Erschütterung, die heute die Judenheit der ganzen Welt bewegt, Palästina in diesem schweren unerläßlichen Werke zu Hille kommen. Papen zur Judenfrage In einem' Interview, das der Londoner ״Evening Standard“ veröffentlicht, versucht Vizekanzler von Papen dem Ausland die letzten Entwicklungen in Deutschland verständlich zu machen. Er erzählt (laut ״Voss. Ztg.“) u. a., wie nicht nur in Berlin, sondern selbst in kleinen Landstädten und Dörfern der jüdische Ladeninhaber die wirtschaftliche Macht besessen habe, und wie diese ,.Einwanderer“ immer wohlhahender wurden, während Millionen Deutscher arbeitslos waren. Was wurden die Engländer dazu sagen, wenn solche Zustände in Yorkshire oder anderen englischen Provinzen existierten? Da uns die Acußerungen des Vizekanzlers nicht im Wortlaut vorliegen, wissen wir nicht, oh die Wiedergabe den Tatsachen entspricht. Sollte dies der Fall sein, dann müßte die Aeußerung des Vizekanzlers Erstaunen erregen. Wenn man die Juden schlechthin als ,,Einwanderer“ bezeichnet, wird man dem jüdischen Problem in Deutschland nicht gerecht. Es gibt viele Juden in Deutschland, die mindestens so lange hier leben, wie 7. B. Deutsche in Polen, Ungarn, Rumänien, aber auch in England und Amerika. Die englischen und amerikanischen deutschen ״Einwanderer“ sind gewiß auch zum Teil recht wohlhabend geworden, während in diesen Ländern es heute viele Erwerbslose gibt, ist das ein Argument? Abgesehen hiervon aber muß auch bestritten werden, daß jüdische Ladeninhaber ״die Wirtschaftliehe Macht besessen haben“. Die wirtschaftliche Macht besaßen ganz andere soziale Gruppen, in denen Juden überhaupt nicht vertreten sind. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation sind auch die jüdischen Ladeninhaher sehr beeinträchtigt worden. Der Vizekanzler kann doch nicht ernsthaft meinen, daß mit diesem Hinweis der wahre Charakter des Judenproblems auch nur teilweise enthüllt wird. Ehrung eines jüdischen Gelehrten In Rom fand kürzlich ein Juristenkongreß anläßlich des Jubiläums des Corpus juris civilis (der berühmten Kodifikation des für die ganze zivilisierte Welt maßgebend gewordenen römischen Rechtes) statt. Bei dem Kongreß waren 16 Nationen vertreten. Der faschistische Minister für Justiz, Ercoie, erklärte in einer Ansprache mit besonderer Betonung, ״Die Wissenschaft kenne keine Rassen- oder konfessionellen Unterschi cd e, die Wissenschaft sei unpolitisch“. Der Kongreß faßte sodann den Beschluß, den Professor der Jagiellonischen Universität in Krakau, Rafael Taubenschlag, einen Juden, zu beauftragen, im Namen des gesamten Kongresses die Festrede bei der Uebergabe eines Ehrendiploms an den Senator Seialoja, den italienischen Völkerbundsvertreter, zu halten. Gegen die Beauftragung Taubenschlags stimmten lediglich die deutschen Delegierten. Die Ansprache Prof. Taubenschlags wurde mit starkem Beifall begrüßt. Für unsere neuen Leser Die ״jüdische Rundschau“ hat ln den letzten Wochen viele neue Leser gewonnen. Aus ihren Kreisen erhalten wir Zuschriften mit dem Ersuchen, manche Ausdrücke, die In Artikeln und Nachrichten häufiger Vorkommen, zu erklären. Es handelt sich meist um hebräische Wörter oder um Bezeichnungen von Organisationen und Institutionen, die den alten Zionisten längst bekannt sind; manche derartige Ausdrücke sind bereits Tn den allgemelnen Sprachgebrauch eingedrungen, wir finden z. B, das Wort ״Chaluz“ häufig auch ln Palästinaberichten deutscher Zeitungen ohne weitere Erklärung. Um den erwähnten Wünsehen aus unserem Leserkreis gerecht zu werden, werden wir von nun ab von Zeit zu Zeit in der ״Jüdischen Rundschau“ ein kleines Vokabular von Ausdrücken bringen, die für die Leser, die mit der zionistischen Materie und den Eigenheiten des jüdischen Lebens noch nicht vertraut sind, unverständlich sein könnten. Wenn spezielle Anfragen in dieser Hinsicht an uns gelangen, werden wir die gewünschten Wörter gern in die nächste Veröffentlichung dieser Art aufnehmen. Wir empfehlen denen, die es nötig haben, dieses Vokabular auszuschneiden und aufzubewahren. Im übrigen verweisen wir Leser, die sich näher informieren wollen, auf die bestehenden jüdischen Nachschlagewerke, vor allem auf das fünfbändige Jüdische Lexikon (Jüdischer Verlag, Berlin). — Wir beginnen In der heutigen Nummer mit der Veröffentlichung. dieses Vokabulars. ״Ich wüßte nicht, welches Blatt gerade heute seine Propaganda so be״ ruhigt seinen lesem überlassen könnte, wie das Ihre" — so schreibt ans ein Abonnent aus Hatte. Wir sind auf die Hilfe unserer Leser angewiesen. Helfen Sie um bei der Verbreitung der Zeitung/ Jeder neaeinfretende Vierteljahrs-Abonnent erhält aaf Wunsch die Mainummem gratis nachgeliefert. Dar Monat Ij ■r ist der Werbenoaat für die ״Jüdische Rundschau**. Presseschau Die ״Frankfurter Zeitung‘* vom 11. Mai bringt einen ausführlichen Bericht über die jetzige ״Einwanderung in Palästina“ aus der Feder ihres Jerusalemer Korrespondenten, In dem Berichte heißt es u. a.: ״Damit (d. h. mit der neuen Einwanderung deutscher Juden) wird die Zahl der deutschen Juden in Palästina, die nach der Volkszählung vom November 1931 1010 Personen betragen hat, schnell wachsen. Die Berulsschiehtung der palästinensischen Judenheit ist aber von der deutsehen verschieden. Palästina bietet in seinem heutigen Zustand Raum für Personen, die mit Kapital und fachlicher Ausbildung oder als gelernte Arbeiter tür städtische wie ländliche Betriebe herkommen, dagegen ist eine Aufnahmefähigkeit für Aerzte, Rechtsanwälte und kaufmännische Angestellte heute recht beschränkt. Der heute Einwandernde wird freilich völlig andere Lebensbedingungen vorfinden als der, der vor etwa zehn Jahren ins Land gekommen ist. Diese wirtschaftliche Entwicklung wie der äußere Lebenszuschnitt haben in diesen zehn Jahren außerordentliche und ungeahnte Fortschritte gemacht, die etwa 200000 Juden Palästinas entfalten ein wirtschaftlich, kulturell und sozial erstaunlich reges und mannigfaltiges Leben, überall spürt man, sehr zum Unterschied von der Lage der fi'rnf Jahre 1927 bis 1931, neue pulsierende Energien, ein machtiges Vorwärtsstreben, eine feste Zuversicht.“ Der Artikel schildert dann das Wachstum T cl-Awiws, demgegenüber Haifa auffallend zurüekbleibt und gibt dann ein Bild der neuen Aktivität der arabischen Nationalbewegung sowie der ökonomischen und kulturellen Sorgen der Araber; im arabischen Lager sei in den letzten Monaten ein steigender Extremismus festzustcllen. Die Haltung der Engländer wird schließlich w־ie folgt dargesteilt: ״Die britische Verwaltung Palästinas, die vor drei Jahren der zionistischen Kolonisation des Landes mit wenig aktiver Sympathie gegenüberstand, hat unter dem neuen Hohen Kommissar in den letzten zwei Jahren ihre Stellung grundlegend geändert. Sie hat nicht nur die außerordentliche Leistung der Juden anerkannt und ihrer vollen Sympathie versichert. Durch ihren großen Kapitalreichtum (man kann die Höhe des im Lande investierten jüdischen Kapitals auf eine Milliarde Mark schätzen), ihre Intelligenz und Organisationsgabe, ihre europäische Ausbildung, ihre nationale Hingabe, Disziplin und Energie haben die jüdischen Einwan• derer in dem wirtschaftlich armen und zurückgebliebenen Lande ein Ko!onisationsw׳erk geschaffen, das in vielfacher Hinsicht dem besten europäischen Standard entspricht. Die Regierung hat unter dem jetzigen Hohen Kommissar dem Kolonisationswerk aktive Förderung angedeihen lassen. Aber sie 'kann sich dem Drucke der öffentlichen Meinung der Araber nicht ganz entziehen. Diesem Umstand ist es wohl zum Teil auch zuzuschreiben, daß ungeachtet der günstigen Lage des zionistischen Kolonisationswerkes und der schweren Lage der Judenheit im Ausland für das jetzt beginnende Halbjahr die Regierung statt der von der Zionistischen Organisation geforderten Anzahl von beinahe 15 (XX) Einwanderungserlaubnissen für unbemittelte Arbeitskräfte nur 5500 ge* währt hat, wobei in diese Zahl auch die bereits für Deutsch-!and bewilligten Erlaubnisse eingeschlossen sind. Diese Entscheidung der Regierung kommt unmittelbar nach dem dem Studium der Verhältnisse des Landes gewidmeten Besuch des britischen Kolonialministers Sir Philippe Cunliffe-Lister, der ebenso wie der zionistische Führer Dr. Weizmann Ostern im Lande geweilt hat. ln ihren Besprechungen mit dem Hohen Kommissar ist zweifellos die gesamte Palästinafrage ausführ, lieh erörtert worden, aber es bleibt fraglich, ob das grundlegende Problem des Landes, die a r a b i s c h - j ü d i s c h e Annäherung, einer Lösung nähergeführt worden ist.“ Englische Kirchenfürsien sprechen In einer Sitzung des ״Board of Deputies“ (Delegierten- Versammlung der englischen Juden) in London unter Vorsitz von Neville Laski erstattete Leonard Montefiore einen Bericht des ״Joint Foreign Committee“ (Komitee für Auswärtige Angelegenheiten), worin er die Lage der Juden in verschiedenen Ländern Europas schilderte. Er gab auch bekannt, daß das Oberhaupt der englischen Hochkirche, der Erzbischof von Canterbury, sich bereit erklärt habe, auf einem vom Londoner Lord Mayor einzuberufenden Massenmeeting zur Lage der Juden in Deutschland Stellung zu nehmen. Die Londoner ״Times“ vom 16. Mai berichtet über eine Versammlung in Birmingham unter Vorsitz des Lord Mayor der Stadt, bei der der Bischof von Birmingharn sowie der katholische Bischof der Stadt, ferner der Vizekanzler der Universität (Sir Charles Grant Robertson) gegen den Antisemitismus und speziell gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland Stellung nahmen. Die Reden waren auf einen sehr freundlichen Ton gegenüber dem neuen Deutschland gestimmt. Der Bischof betonte, daß Deutschland in der Vergangenheit Unrecht gesehehen ist, und indem er sich von gewissen Zwischenfällen in London (gemeint ist wohl die Entfernung des von Herrn Rosenberg am Cenotaph niedergefegten Kranzes) distanzierte, appellierte er an die besseren Gefühle des deutschen Volkes, das nach Episoden der Erregung wieder Großmut zeigen solle. Sir Ch. Grant Robertson erklärte, die großen nationalen Ziele Hitlers hätten auch ohne die bedauerlichen Zutaten, gegen die Christen protestieren müssen, erreicht werden können. Aehniich verlief die unter dem Vorsitz des Bischofs von Bradford, Dr. Biunt, in Bradford abgehaltene Versamm- Iung. Neben dem Bischof saßen auf der Tribüne Bürgermeister!. W. Longley, der Leiter des römisch-katholischen College St. Bodo Monsignore Tyndali, der Präsident des Freien Kirchenrats von Bradford Rev. R. I. Hopwood, die Abgeordneten Herbert Holdsworth und J. H. Lockwood, der Präsident der Handelskammer von Bradford, Suddards, der Leiter des Yorkshire United College E. J. Price, der Vertreter des Board of Deputies E. Zeitlin, der Vorsitzende der Labour Party von Bradford Foster Bunderland und der Bradforder Rabbiner J. Israelstam, sowie zahlreiche Vertreter religiöser Gesellschaften und verschiedener Erziehungsinstitutionen. Der Bürgermeister von Bradford hielt eine Ansprache, woraufhin eine vom Bischof Blunt vorgelegte Resolution angenommen wurde, in der die Zurücksetzung der Juden in Deutschland in bürgerlicher, politischer und .wirtschaftlicher Hinsicht, sowie auf dem Gebiet des Unterrichtswesens bedauert und als unvereinbar mit den Vorschriften der Religion bezeichnet wird. An das Gewissen des deutschen Volkes und an den Gemeinsinn seiner Führer wird der Appell gerichtet, diese Politik der Zurücksetzung aufzugeben und ehestens für alle Bewohner Deutschlands, Juden und Nichtjuden, Gewissensfreiheit und Gleichheit der Rechte auf wirtschaftlichem, bürgerlichem und politischem Gebiet wiederherzusteilen. Zeitungsverbot. Die Prager jüdische •Wochenschrift ״Selbstwehr“ ist für Deutschland verboten worden.

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