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Jüdische Rundschau · 1933-05-09 · Heft 37 (9.5.1933) · p. Seite 186

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 37 (9.5.1933)
Date
1933-05-09
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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Seite 186 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 37, 9. V. 1933 Die Führer stecken ganz in einem für jede praktische Arbeit unbrauchbaren Parlamentarismus. Es gibt eine ״Reichsvertretung der deutschen Juden“, aber niemand glaubt, nicht einmal die Mehrheit der Mitglieder dieser Reichsvertretung, daß sie wirklich in ihrer gegenwärtigen Form handelnd auftreten kann. Die Angelegenheiten der Juden werden von der Regierung geregelt. Es gibt z. B. ein Schulgesetz, bei dessen Ausführung die Regierung voraussichtlich die Stimme der Juden hören könnte; handelt es sich doch ausschließlich darum, zu sagen, wie die Juden im eigenen Kreise die Erziehung ihrer Kinder gestalten wollen. Bis heute muß die Regierung glauben, daß es den Juden bei jüdischen Schulen auf die Berechtigungsschule ankommt, während in Wahrheit die Juden sich darüber klar sind, daß es sich in diesen Schulen in erster Linie um jüdische Erziehung handelt, nicht aber dar■ um, daß das Abgangszeugnis irgendeine Berechtigung gibt. Wird für die jüdische Jugend in Deutschland noch Platz sein? Missen wir nicht unsere Kinder für die Aus- Wanderung vorbereiten? Vertreter einzelner Gruppen sagen maßgebenden und nicht maßgebenden Stellen, was sie denken und wünschen, und solche Unterhaitungen werden in erster Linie dazu benutzt, um den Mitgliedern ein Bild von der Bedeutung der Arbeit bestimmter Sonderorganisationen zu geben. Auch das naivste Mitglied müßte eigentlich fragen, was denn praktisch erreicht worden sei. Aber durch die bisherige Erziehung hat man mit Erfolg die Stellung solcher unangenehmer Fragen abgewehrt. Wir hören, daß im Ausland Hilfsorganisationen für deutsehe Juden gebildet werden und wissen, daß man in einigen Ländern hilfsbereit für jüdische Auswandernde sorgt. Meist ist cs gut gemeinte Philanthropie alten Stils. Wir gaben die Parole ״Hilfe und Aufbau“ und wollten nicht, daß die Parole ״Hilfe“ die Parole ״Aulbau“ überwuchert. Wir wissen und mit uns wissen es viele Stellen, daß die Produktivicrung von Tausenden von Juden, vor allem durch Ansiedlung, heute möglich ist. Es haben sich auch im Ausland verschiedene Komitees gebildet, an ihrer Spitze stehen Menschen mit klingendem Namen, geschehen ist bisher in Wahrheit aber gar nichts. Wer kann sich für Menschen einsetzen und insbesondere für einen schöpferischen Aufbau, wenn die Repräsentanten dieser Menschengruppe, in diesen Falle also die Leitung der deutschen Judenheit, bisher noch nicht die Kraft gefunden hat, in sichtbarer und klarer Form einte eindeutige Meinung in dieser im Augenblick wichtigsten Frage zu sagen? Die deutsche Judenheit hat eine Adresse, aber hinter dieser Adresse steht lediglich eine beratende Körperschaft. Es kommt aber auf das Tun an. Die ״Wandlung“ der Juden muß jetzt auch in jener unbeweglichsten Sphäre der bisherigen Repräsentauten eintreten. Zunächst muß klar sein, daß die deutsehen Juden mit der gegenwärtigen Situation in Deutsch- Land zu rechnen haben, daß sic, ob cs ihnen angenehm oder unangenehm ist, die Tatsache der deutschen nationalcn Revolution zur Kenntnis nehmen müssen und keinesfalls ihre Lebenshoffnung mit der Wiederkehr des liberalen Staates verbinden können. Es handelt sich, wie gesagt, hierbei nicht um die inneren Wünsche, die der einzelne in seinem Herzen trägt, sondern um die unausweichliehe und notwendige Einsicht in dem lebendigen Ent- Wicklungsprozeß unserer Zeit. In dieser Zeit gibt es für den Juden die Parole ״Lernen und Abu f b a u e n“. Beide Teile dieser Parole müssen absolut ernst genommen werden. Der Jude muß umkehren, indem er jede Anstrengung macht, sich mit jüdischer Substanz zu erfüllen und sich freudig, auch unter schwersten Bedingungen, als Jude in einer Welt, die ihn nicht mag, zu fühlen und zu behaupten. Und diese Umkehr kann nur erfolgen, wenn er neben seiner Gegenwart noch das Wissen um ein anderes Leben in sich trägt, ln Deutschland ist er heute ein Minderberechtigter und Verachteter. Das Pendel, das einmal zu sehr zu unseren Gunsten abgeschlagen ist, schlägt heute zu sehr zu unseren ]Jngunsten aus. Aber auch dem Staat, der uns aus dem deutschen Leben ausschließt, kann es nicht erwünscht sein, daß der Jude zum Desperado wird und jene Menschensorte vermehrt, die nichts mehr zu verlieren hat. Ein solches Dasein, wie es heute den Juden in Deutschland zugemutet wird, können mir Menschen ertragen, die ihre eigenen Hoffnungen haben. Wir Juden wollen die Entwicklung des deutschen Volkes, über die es allein zu bestimmen hat, weder stören noch beeinflussen. Wir müssen aber gleichzeitig wollen, daß bei aller Zurückdrängung aus dem öffentlichen Leben und aus den meisten Positionen, in denen die Juden bisher gewesen sind, dem Juden die Möglichkeit für den Aufbau seiner eigenen Welt bleibt. Daß der Jude wieder zum Juden wird, kann aber nur dann sinnvoll geschehen, wenn es für ihn eine wirkliche Heimkehr wird. In der Schaffung des nationalen Heims für das jüdische Volk in Palästina kann ein Judentum auch hier Befriedigung in seinem eigenen Leben und seiner eigenen Entwicklung finden. Die jüdische Assimilation hat zu unerträglichen Zuständen geführt. Ein offen bekanntes eindeutiges Judentum, das den Juden die innere Lebensniöglichkeit gibt, kann eine klare und erträgliche Beziehung wiederherstellen. Dieses Judentum ist innerlich unabhängig von der Anerkennung oder der Mißachtung der anderen. Es trägt das Bewußtsein seines Wertes in sich selbst und kann daher auch grundsätzlich Gegnern offen und unbefangen gegenübertreten. Die deutsche Judenheit muß heute ganz und gar zur Umkehr sich bereiten, auch wenn alle mit dieser Umkehr verknüpften äußeren Erwartungen sich als trügerisch erweisen sollten. Der Jude, der als Mensch weiterleben will, er muß heute über sich und seine Vergangenheit zu Gericht sitzen, muß den Mut haben, Irrtümer zu erkennen, die Kraft haben, das Glück der wiedergefundenen Liebe zur eigenen Art ganz zu fühlen und ein neues Leben zu beginnen. Der Abschied ist ein titffer Schmerz, aber die jüdische Gemeinschaft geht in ihr Land, in die ureigenen Bezirke, aus denen sie niemand vertreibe« kann, in denen sie aus sich herausholt, was in ihr ist, wo sie wieder wie einst Schöpfungen hervorbringt, die eine Welt bei ihr abholen kann, wenn ihr danach zu Mute ist. Kurt Blumenleid. Ausschluß aus Kultur und Wissenschaft Die Ausschaltung der Juden aus den kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen in Deutschland hat in der vergangenen Woche weitere Fortschritte gemacht. Aus der Dichter-Akadem i e sind sämtliche jüdischen Mitglieder ausgeschieden und an den Hochschulen wurde wieder eine Reihe von jüdischen Professoren beurlaubt. Die neue Kulturpolitik trifft freilich nicht nur Juden, auch viele, sehr prominente Nichtjuden müssen ihren Platz räumen. Aber nur die Juden sind als solche, als geschlossene Gruppe, einheitlich ausgeschaltet. Zwar gibt cs noch eine Reihe jüdischer oder halbjüdischer Hochschullehrer, die nicht ihre Beurlaubung erhalten haben, aber während man sie im Amt läßt, wird gleichzeitig von maßgebendster Stelle proklamiert, daß deutsehe Studenten sich von fremdstämmigen Professoren nicht führen lassen können. Kultusminister Rust hat in seiner Programmrede vor der deutschen Studentcnschaft diesen Grundsatz der Studenten gebilligt, und wenn er in seiner Rede hinzufiigte, es sei nur gerecht, den ״Anteil nichtarischer Hochschullehrer an die Zusammensetzung des Volkes anzugleichen“, so bleibt die Frage offen, ob bei den Hochschullehrern, die gemäß dieser Formel des Kultusministers im Amte verbleiben würden, eine Ausnähme von dem Grundsatz, daß deutsche Studenten bei Juden nicht lernen können, gemacht wird. In der Tat sind die Verhältnisse auf diesem Gebiet bisher, obwohl das Semester bereits begonnen hat, recht ungeklärt. Die Studentenschaft hat den Boykott aller bisher ״noch“ verbliebenen nichtarischen Professoren proklamiert. Einige jüdische Dozenten haben ihre Vorlesung ungestört begonnen, bei anderen wieder gab es während des Kollegs Zwischenfälle und Demonstraüoncn, die zu einem Abbruch der Vorlesung führten. Die Zeitungen berichteten über den Fall des berühmten Zivilrechtlehrers Martin W o 1 f f, der an der Abhaltung der Vorlesung verhindert wurde, wobei, wie der ״Völkische Beobachter“ hervorhebt, auf dem Podium Photographen postiert wurden, die jeden Studenten, der im Hörsaal verbleiben wollte, zu photographieren drohten, damit sein Bild als das eines Feindes der nationalen Sache verbreitet werden könne. Eine Reihe von Professoren und Dozenten wurden von dem Dekan ihrer Fakultät gebeten, in diesem Semester nicht zu lesen. Gewöhnlich wird dies damit begründet, daß nur auf diese Weise die Ordnung und Sicherheit in der Hochschule in dieser aufgeregten Zeit aufrechterhaltcn werden könne. Dem steht freilich die Erklärung der Studentenschaft gegenüber, daß sie im nationalen Staate strenge Disziplin zu wahren verspreche; demnach müßte wohl die Vermeidung von Ruhestörungen auch durch autoritatives Einschreiten zu erlangen sein. Das Verhalten dieser Dozenten ist nicht einheitlich. Vom jüdischen Standpunkt ist zu bemerken, daß es sich bei den meisten dieser mehr oder weniger prominenten Professoren und Dozenten um getaufte Juden handelt, teilweise auch schon als Christen geborene, so daß diese Personen, niemals einer jüdischen Bewußtseinsgemeinschaft angehörend, keineswegs als Repräsentanten des Judentums empfunden werden können. Diese Menschen sind persönlich in einer wirklich tragischen Position, die um vieles schlimmer ist als die Lage bewußter Juden. Sie erhalten jetzt die Quittung für eine Treulosigkeit, die sie — ahnungslos und befangen in den Vorstellungen ihrer Zeit — vor Jahrzehnten begangen haben. Im Ausland hat bekanntlich das Ausscheiden so vieler hervorragender Gelehrter aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb großes Aufsehen erregt. So z. B. äußert sich der sehr deutschfreundliche Garvin im ״Observer“ ganz perplex über die Demission Prof• Habers, der Deutschland so große Dienste geleistet habe und meint, diese Ausscheidung jüdischer Wissenschaftler sei nachteiliger, als die Vertreibung der Juden aus Spanien oder der Hugenotten aus Frankreich gewesen sei. Diese besonders in England häufigen Urteile beweisen, daß der Sinn der nationalsozialistischen Aktion nicht überall klar verstanden wird. Für den Nationalsozialismus geht es um ein Prinzip, und darum sind ihm diese Urteile des Auslandes ganz belanglos; er lehnt cs ab, aus Opportunismus, etwa weil dieser oder jener Gelehrte wichtige Dienste leisten könnte, prominente Juden zu belassen, während er gleichzeitig andere beseitigt. Die Ausmerzung der Juden aus dem Kulturleben erscheint ihm als eine der wichtigsten Aufgaben, die durchgeführt werden muß, auch wenn sie mit persönlichen Härten verbunden ist. ln diesem Punkt gibt es innerhalb der nationalsozialistischen Welt kaum Meinungsverschiedenheiten, ln charakteristischer Weise äußerte sich Oberpräsident Ku be in einer Versammlung des nationalsozialistischen Lehrerbundes über die Ziele der neuen Kulturpolitik. Nach Zeitungsberichten sagte er ü. a.: ״Es habe nie ein Zweifel bestanden, daß die großen Ewigkeitszieie des Nationalsozialismus, des Trägers einer neuen Geistes- und Charakterbildung unseres Volkes, nicht angetastet werden dürften. Es gelte hart zu bleiben, zu sentimentalen Regungen liege kein Anlaß vor. Weil wir unser deutsches Volk lieben, und weil wir in Treue zu deutscher Kultur stehen, haben wir uns immer gegen die Schande gewehrt, daß man die Erziehung unserer Jugend fr emdstämmigen Elen ent en Aberläßt. Es gibt viele, die heute fragen: Was sagt die Welt zu der Entwicklung in Deutschland? Wir antworten: Es ist uns vollkommen gleichgültig, was Börsianer in London und Paris über unsere Kultur denken. Das Dritte Reich will keine Untertanen, sondern freiheitsbewußte stolze Männer und Frauen haben. Mancher scheint zu glatiben, daß das große Aufräumen schon vorüber sei, das ist ein großer Irrtum, lieber allen Maßnahmen stellt der Satz: die Führer treten mit ihrem Leben dafür ein, daß der Nationalsozialismus in Deutschland durchgeführt wird.“ Im Rahmen der Aktion ״Wider den undeutschen Geist“ wird gegenwärtig auch die Beseitigung der Bücher marxisiisehen Inhalts und der Bücher jüdischer Autoren aus allen öffentlichen und Leih-Bibliotheken durchgeführt. Auf Grund der bestehenden ״schwarzen Listen“ werden die Bücher ausrangiert und in großen Lastwagen von der Studentenschaft ahgeholt. Der ״Angriff“ berichtet am Mo!!• tag morgen, daß der erste Tag dieser Aktion ein unerwartet reiches Ergebnis hatte. 22 Lastwagen, von privater Seite zur Verfügung gestellt, seien in Berlin an der Arbeit gewesen und infolge der überaus großen Ernte habe man den für die Verbrennung ״des geistigen Kehriehts“ in Aussicht genommenen Termin vom 10. Mai auf den 12. Mai verschieben müssen. Auch dieser Termin scheint jedoch noch nicht festzustehen. Eine der ersten Aktionen galt dem Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld; dies vielleicht gibt die Möglichkeit, über den Bericht als Ueberschrift ״Das große Werk der sittlichen Reinigung“ zu setzen. Auf der ״schwarzen Liste“ stehen aber nicht nur Schriften, die aus irgendwelchen inhaltlichen Gründen angefochten werden, sondern eine große Zahl von Büehern angesehener Autoren, sowohl Dichter als auch Gelehrter, deren Bücher nur darum verbrannt werden, weil d i c Autoren Juden sind. Es handelt sich also nicht um den Kampf gegen bestimmte Weltanschauungen oder Lehrmeinungen, sondern es soll klar manifestiert werden, da(! man von jeder geistigen Schöpfung eines jüdischen Mensehen eine Gefährdung des deutschen Volkes befürchtet und daß für Juden in der deutschen Literatur, Kunst und Wissenschaft im neuen Deutschland kein Raum ist. Presseschau Haifa und Bcyruth. Im Pariser ״T e m p s“ belaßt sich ein längerer Artikel aus Beyruth unter dem Titel ״Der Hafen von Haifa und der Libanon“ mit den Rückwirkungen, die von der in einigen Monaten bevorstehenden Eröffnung des neuen Hatcns von Haifa für das französische Mandatsgebiet zu erwarten seien. Die vorgesehene Anwesenheit des Prinzen von Wales zeige die große Bedeutung, die man in England dieser Eröftnung beimesse, die eine seit Kriegsende unbeirrt verfolgte englische Orientpolitik krönen werde. Der neue Hafen werde durch seine Zweckmäßigkeit, seine Dimensionen und seine Ausstattung sicherlich zu einem der wichtigsten Punkte für die Entwicklung der Schiffahrt im östlichen Mittelmcerbecken werden. Die außerordentlichen Vorteile Haifas auf Grund seiner natürlichen Lage wie der englischen Initiative, die es zum Endpunkt der Hiuptröhrenieitung von Mossul und zum Ausgangspunkt der großen׳ Eisenbahn nach Bagdad und, Teheran gemacht habe, würden es zum Zentrum des internationalen, besonders des britisehen Handels in Kleinasien werden lassen. In weniger als drei Jahren habe britisches und jüdisches Kapital, zusammen mit britischer Industrie und Technik und einheimischen Arbeitskräften, einen Tiefwasser-Hafen von 50 Hektar Größe und mit einer höchst bemerkenswerten, auf eine grandiose wirtschaftliche Entwicklung berechneten maschineben Ausstattung geschaffen, und zur gleichen Zeit habe man noch die Kraft gehabt, die Elektrifizierung de; Landes mit Hilfe des Jordan ■Kraftwerkes und den großen, schon in den politischen Abmachungen von 1016 geplanten Eisenbahnbau nach Bagdad zu beginnen. — Für das französische Mandatsgebiet besteh« aber unter diesen Umständen die Gefahr, daß Haifa nicht nur den Handel des palästinensisehen ״Hinterlandes“ an sich ziehe, sondern den Gesamthandel des Westens mit dem Irak und Persien, zwei Ländern, die höchstwahrscheinlich eine großartige Entwich• lung vor sich hätten, besonders der Irak. Da aber der Libanon und Syrien schon ungemein schwer unter der Wirtschaftskrise litten, während Palästina besonders in der Küstengegend, aber auch in einem beträchtlichen Teil des Innern, große Pj-osperität genieß«, so errege die Aussicht, einen im französischen Mandatsgebiet schwerste Befürchtungen. Deshalt müsse Frankreich mit größter Beschleunigung Maßnahmen treffen, um sein Mandatsgebiet nicht durch die große Initiative in Palästina wirtschaftlich erdrücken zu lassen. Vor allem seien folgende Maßnahmen ernstlich ins Auge zu fassen: Umwandlung Beyruths, das der natürliche und historische Markt für die ganze syrische Levante sei, in einen Freihafen, Schaffung und Verbesserung von Verkehrswegen, Gewährung von Erleichterungen für die Irakesen und Perser, deren offensichtliches Interesse ■die Benutzung der Strecke Beyruth•—Bagdad—Teheran statt der um 400 km längeren Strecke von Haifa erfordere. Jedenfalls sei die Frage der palästinensischen Konkurrenz heute, in der schweren Krise, ein wichtiger Teil des syrischen Aufbau- Problems überhaupt, und die Einheimischen erhofften von Frankreichs Initiative, die Rettung aus einer ungemein be• ängstigenden und schwierigen Situation. A.P. * Im Maiheft der amerikanischen Monatsschrift ״Current History“ weist der Berichterstatter für den Vorderen Orient, Albert H. L y by er, auf die tiefe Beunruhigung der p a 1 ä s t inensischen Judenhei t wegen der Ereignisse in Deutschland hin und gibt der Erwartung Ausdruck, daß Palästina, dank der günstigen Wirtschaftslage des Landes um! der liberalen Politik der Mandats™ acht, mehrere tausend deutsehe Juden werde aufnehmen können. Im gleichen Heft der Zeitschrift befindet sich ein größerer Aufsatz des bekannten Kriegsschuldforschers Professor Sidney B. Fay über die Judennolitik der neuen deutschen Re■ gierung. Fay meint zwar, daß die jetzigen Ereignisse in Deutschland wahrscheinlich den stärksten Ausbruch des Antisemitismus seit dem Dreyfus-Prozeß und den russischen Pogromen vor dem Weltkrieg darstellten, und daher auch so starke Reaktionen der ausländischen Juden hervorgerufen hätten, aber er hebt auch zutreffend hervor, daß die deut• sehen Juden selbst alles getan hätten, um allen Uebertreibungen durch die Greueipro• paganda entgegenzutreten und die Judenfrage vor Ausbeutung durch deutschfeindliche Elemente im Ausland zu schützen.

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