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Jüdische Rundschau · 1933-05-09 · Heft 37 (9.5.1933) · p. Seite 185

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 37 (9.5.1933)
Date
1933-05-09
Page
Seite 185 (sequence 1)
Language
German
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Ausschluß aus Kultur und Wissenschaft Einzelnummer RM 0,25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstagu. Freitag. Bezugspreisbei der Expedition monatlich 2,— Reichsmark, vierteljährlich 5,75Reichsmark. Auslandsabonnemeius werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 gespaltene Nonpajanllezeilc 0,50 RM. Stellengesuche 0,25 RM Nummer 37 / j BCrUn, 9■ V. 1933 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Postscheck ־ Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 680 32, Brüssel 394 33, Budapest 59995, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 5941a Riga 4155. Straßburg 164 30, Warschau 190708, Wien 156030. Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürstendantm 52; Rumänische Kreditbank, Cernsuti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Irlaila. ]erusalem, Tel-Aviv. Redaktionsschluß Sonntag und Mi ttwoch nachmittag. י״ג אייר הרצ״ג Jxxxvill. Jahrs. Der Zionismus Bestrebt tQr das Jüdische Volle die Schaffung einer gffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina ״Baseler Programm.“ Edrieodcr sdieinbare Wir leben in einer verwandelten Welt. Der liberale Staat, vor kurzem für die Juden noch eine selbstverständliche und dauernde Einrichtung, eine höchste Errungenschaft menschlichen Fortschritts, liegt in Deutschiand als vergangene Periode hinter uns. Was mit Renaissance und Reformation begann und die mittelalterliehe Welt auflöste und zersetzte, fand Krönung und Ende im Anarcho-Individualismus des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Jene für die Juden scheinbar so glückliche Zeit, sie war der Ausgang eines saturierten, selbstklugen und müde resignierenden Zeitalters. Auf angenehme Dämmerung und Abendlichkeit folgte, lange vorbereitet, für die Juden aber scheinbar urplötzlich, ein frostiger und unwillkommener Morgen, aber ein Morgen. Wissen die deutschen Juden eigentlich, wie es um sic und die Welt steht, in deren neuem Licht sie leben? Gibt es die ״Wandlung“ und ״Umkehr“, von der man heute spricht und über die auch einiges in der nichtzionistischen jüdischen Presse zu lesen ist? Zwei oder drei Wochen lang war auch bei den bekannten Vertretern des deutschen Judentums etwas davon zu merken. Inzwischen hat man mit etwas veränderter Phraseologie in die vertrauten Bezirke zurückgefunden. Genau so wie man früher den Antisemitismus als vorübergehende Erscheinung behandelte, behandelt mail heute in jenen Kreisen die neuen Herrschaftsformen als einen kurzen Uebergang zu einem neuen Liberalismus. Man ist überzeugt, daß die Männer, die als Träger der deutschen nationalen und sozialen Revolution die deutsche Nation zu neuer bisher ungekannter Einheit formen wollen, unbewußt allmählich wieder in das alte System der Lebensordnung hineingleiten werden, da es ja ״vernünftigerweise“ gar nichts anderes geben könne als eine Wiederaufrichtung jener besten aller Welten. Mit den übrigbleibenden Nüancen werden sich die Juden schon abfinden können. Diese falsche Beurteilung der politischen Ent- Wicklung ist verhängnisvoll, insoweit es sich um die Zukunft und die Ehre des Judentums handelt. Oft genug haben wir die psychologischen Motive aufgezeigt, warum die Juden in assimilatorischen üedankengängen — die durch Beteuerungen eines aufrechten Judentunis nicht durchkreuzt werden -- so gern und so ausdauernd verharren. Im äußerlichen Sinne war die Welt, die sich von ihnen verabschiedet hat, in hohem Maße ihre Welt, in Deutschland mehr als in allen anderen Landern. Wohl gab es überall eine liberale Aera und es gibt Länder, m denen der Liberalismus ursprünglicher und politisch wirksanier gewesen ist, aber in allen diesen Ländern, in England, in Holland, in Belgien, sogar in Frankreich und auch ju Amerika hat er nicht so sehr den Versuch gemacht, die natürlichen Bindungen zu zerstören und das geschichtliche Bewußtsein der Menschen zu verdunkeln. Der deutsche politische Rationalismus nimmt eine besondere Stellung ein innerhalb der antiromantischen und gemeinschaitsfeindlichen Bestrebungen. Dieses Urteil verkennt in keiner Weise die eigentümlichen individuellen Leistungen, die gerade in Deutschland unter stärkster Anteilnahme der Juden auf den verschiedensten Gebieten entstanden sind. Mag man aber auch diese Leistungen noch so hoch einschätzen, so kann es doch keinem Zweifel unterliegen, daß die Juden sich leichter in eine von geschichtlicher Bedingtheit unbeschwerte Welt einfügen konnten, als in ein Leben, das jedem Menschen von Geburt an den ihm gebührenden Platz zuweist. Volle Gleichberechtigung konnte es ja nur in einer Welt geben, in denen alle Unterschiede zwischen den Menschen für nichts geachtet werden, und daher trennte sich der Jude schnell und meist konfliktslos von der eigenen jüdischen Gemeinschaft, um ein ״gleichberechtigtes“ Individuum int großen Staat-ganzen zu werden, in dem er nach seiner Meimmg niemals danach gefragt werden durfte, von welchen Menschen er stammt, zu welcher Religion er gehört und wie es um politische und andere Bindungen bei ihm bestellt ist. Der patriotische deutsche Jude war in seinen charakteristischen Exemplaren zugleich immer der Welt• bürg er, der Leugner der jüdischen Volkscxistcnz, die frei schwebende Intelligenz, die bei allem Gefühl der Verpflichtung gegenüber dem Staat das Individuum höher stellte als jede Ordnung der Gemeinschaft. Was heute offenbar geworden ist, hat sich lange vorbereitet, sichtbar zumindest seit dem Ende der 70er Jahre. Als Trcitschke meinte, er habe den Antisemitismus, nur salonfähig gemacht, da hatte er, wie jeder unvoreingeiiommene Forscher feststelien wird, schon damals völlig recht. Das Eindringen der Juden in die Welt, die Assimilation der Juden erzeugte eine furchtbare Gegenwehr. Als die emanzipierten Juden Europäer wurden, da hätte ihr Instinkt ihnen sagen müssen, daß sie bestenfalls als Salz in der Suppe willkommen sind und daß die Frage ihres Mitlebens mit der Welt immer eine Frage des eigenen Taktes und des Geschmacks der anderen sein wird. Die äußeren Aufstiegsmöglichkeiten machten die Juden für ihre eigene. Position blind; was sie nicht anerkennen wollten, erschien ihnen rückständig und sie glaubten, aufrichtig, aber irrtümlieh, nach dem Verlust der Religion au den Mythos des ״Fortschritts“, der in der Aufhebung aller Unterschiede zwischen den Menschen besteht. Ihr politisches Ethos lag darin, daß sie sich aufopfern wollten, um unerkannt in der Weit ununtcrschiedencr Millionen von Menschen einzugelien. Früh entstand der Zionismus aus jüdischer Selhstbcsinn miß. 1867 schrieb Heß ״Rom und Jerusalem“, 1882 Pinsker die ,,Autoemanzipation“, 1896 lierzl den ״Judenstaat*‘. Die anderen hätten aufhorchen können bei antisemitischen Angriffen. Wenn sie Adolf Bartels lasen oder die Judemlebaite im ״K u n s t w a r t“, dann waren sie zufrieden mit geistreichen Antworten, die zeigten, wie unzulänglich der Antisemitismus argumentierte. Man rechtfertigte sich mit der jüdischen Leistung und merkte gar nicht, daß eben jene sichtbare Leistung es war, die zur stärksten Ablehnung der Juden führte; und man widerlegte die Gründe, des Antisemitismus, ohne zu fühlen, daß man in dem Augenblick, in dem die Grundlosigkeit aller Gründe bewiesen war, der volle Beweis für die Echtheit des Judenhasses erbrachte. In jener bekannten Judendebatte aus dem Jahre 1912 fand Ernst Lissauer den großen Beifall, der meinte, daß der Haß gegen die Juden auf der ״Hypertrophie ihrer wirtschriftlichen Eigenschaften“ beruhe, daß er keine bloße Empfindtmg sei, sondern seine klaren Gründe hahe. Damit war man zufrieden, wie mit allein, was plausibel klang. .Man war um so beruhigter, als ja auch zahlreiche einflußreiche Niclitjuden glaubten, daß mit zunehmender Assimilation der Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden schwinden würde. Jetzt muß man sehen, was man bisher nicht hat sehen wollen, daß die deutsche Welt sich in ganz neuen Formen auf ihre vertikale Gliederung besinnt, wohltemperierten Stimmen das deutsche Volk nicht erreichten. Man darf sich nicht an kleine Hoffnungen klammern, man muß, wenn mau Jude sein will, heute erkennen und ,־merkenneu, daß der Jude sich und die Umwelt nur als Jude sehen darf, wenn er der Verzweiflung entgehen will. — Wir lesen heute in der n i c h 1 7. i o!! i s t i s c h e n j ti d i s c 11 e 11 Press e Artikel, die Zionisten mit gutem Gedächtnis vertrau! vorkotnmen. Fs wäre aber voreilig, aus der Ucbernahme einer früher abgelehnten Terminologie auf eine innere Wandlung schließen zu wollen. Organi-eihonsfonmu haben ein zähes Leben; sie kämpfen um ihre Somlerevlsten/ auch unabhängig von ihrem ursprünglichen Zweck, Die deutsche Judenheit steht vor a kt 1! e 11 s t e n Aufgaben, die pr.aktisch nur in Angriff genommen werden können, wenn wir Juden uns untereinander auch g r 11 n d s ä t z 1 i c f» verständigen. Will man weiter ,.unabLslicher Bestandteil'' sein und genau so argumentieren wie man es im vorigen Jahre, vor Kl und 26 Jahren *getan hat, oder will man mutig und offen feststellen, daß die Juda! nur a I s Juden!Irren Platz im Staat finden können? Bleibt man in Wunsch Vorstellungen oder verstellt man, daß es sieh um den Beginn einer Entwicklung handelt, in der jüdisches Asmniilantentimi keinen Platz hat und auch in Zukunft keinen Platz haben kann? Gibt es ein e 11 r 1 i e 11 e s Bekenntn i s zu 11 n s c r e 111 Sein oder lehnt man jeden Versuch, mit offenen Augen den! Wißtgeschehen gegeiiüiier/iistdicn, mit der Begründung ab, eiaß man in diesem Augenblick über jüdisebe .,Weltanseli.iumigsfragen“ nicht diskutieren könne? Es handelt sieh nicht 11111 ein Diskutieren im alten Sinne. Fs geht um die Frage, ob wir die geschichtlichen Tatsachen nncrkennen oder oh wir sie, soweit es sieh um uns Juden handelt, weiter leugnen wollen. Es kommt auf eine ganze und klare Entscheidung an. Wir dürfen uns heute nicht benebeln lassen. Viele sprechen von Judentum und seiner Erneuerung, dabei aber lassen sie alles so wie es ist. daß das deutsche Volk, zerrissen durch eine Fülle ungliicklieber geschichtlicher Ereignisse, aus l J11 ein heit lichkc it zur Einheit kommen will, und daß dieser Prozeß, der sich in Jahrzehnten vorbereitet hat, heute mit elementarer Kraft in Riesenschritten fortschreitet. Es ist nicht wahr, daß die Kraft des Nationalsozialismus mir auf der geschiehten Propaganda beruht, daß er ein der deutschen Welt aufgepfropftes Reis ist, er ist der gegenwärtige Ausdruck einer Bewegung, die in den Tagen der Romantik sich vorbereitet hat, deren Anzeichen seit langem vielerorts zu sehen waren. Wenn v,־ir Juden, die mit einer solchen Entwicklung gerechnet haben, heute innerhalb der neuen deutschen Welt zur allgemeinen Entwicklung Stellung nehmen müssen, so sind wir gewiß in einer schweren und furchtbaren Lage. Ls ist unsere dringendste Verpflichtung, alles zu tun, um nicht das Opfer einer Entwicklung zu werden, die übrigens der deutschen Sache mit ihrem extremen Kampf gegen das Judentum keinen Dienst erweist. Wir können aber unter keinen Umständen unser jüdisches Leben mit der Fiktion fortsetzen, als oh gar nichts geschehen wäre. Der liberale Staat verlangte die A s s i m i 1 a - t.lon der Juden, weil er kein Gefühl für den Wert der historischen Persönlichkeit hatte, der nationalsozialistische Staat muß sie mit aller Leidenschaft ablehucn, da er nichts mehr perhorreszieren kann a’s .,getarntes“ Judentum, Versteck- und Verkriechjudentum. Er will nicht, daß Getaufte und J 11 d e n s t ä m m 1 i n g e als Deutsche eine Rolle spielen, mag auch ihre Gesinnung der herrschenden Partei angepaßt sein. Es gibt Juden, die in Verkennung der Sachlage sich über dieses Verhalten des Staates besonders erregen. Mit Unrecht. Wir Juden haben die Getauften als charakterlos abgelehnt, warum soll es der deutschen Nation verwehrt sein, ihnen d:e Aufnahme in ihre Gemeinschaft zu versagen? Das Schicksal der Individuen ist tragisch, zumal wir ihre erzwungene Rückkehr in unsere jüdische Gemeinschaft mit begreiflichem Mißtrauen hetrachten und sie, die Abtrünnigen, auf unser Konto gebucht werden. Juden mit blinden und tauben Seelen mögen auch heute noch als Assimilanteu auftreten und glauben, man könne sich wie früher durch ״Gesinnungstüchtigkeit“ einschmeicheln und sich selbst als denaturierte Juden empfehlen. Der andere weiß aber, daß die jüdische Natur im jüdischen Menschen wiederkehren muß, auch wenn der Versuch gemacht wird, sie mit der Heugabel auszutreiben. Viele Nichtzionisten wissen dies und alle Juden könnten es wissen. Aber da kommt einer und meint, daß es doch noch große Chancen auf kulturellem Gebiet gäbe, da die deutsche Welt jetzt endlich Stefan George als nationalen Dichter proklamiere, der zunächst nur von Juden verstanden wurde und in dessen Kreis Juden die Hauptrolle spielten. Ganz, richtig; wie so vieles andere, was heute bei der Entlassung hervorragender Gelehrter jüdischer Abstammung gesagt werden kann. Die Frage ist aber nicht, ob Stefan George dankbar oder undankbar ist, sondern ob er, der gehändigte Geist, der den Park mehr liebte als das freie Feld, der aristokratische Besitzer geheimen Wissens, das nie für viele bestimmt war, den wir verstanden, den wir verehrten, nicht doch heute weit eher der geistige Führer der deutschen Nation ist als einer uns vielleicht interessanten Gruppe jüdischer Menschen, die von den \Y'ur- ,־ein ihres Seins sich losgerissen hatten, denen George ein volles Judentum verbot, die seine Herolde wurden, aber mit ihren In der ״C. - V.- 2 e i t!1 11 g" kann mau jetzt plötzlich lesen, man müsse als Jude lohen *und die innere Ungchroclienlieit •des jüdischen Menschen sei wichtiger als seine materielle Sicherheit; aber man kommt dann doch nur zu *den üblichen wirtschriftliche!! Forderungen, die wir einmal allein vertraten und die heute, wo sie zu:11 Teil falsch, zum Teil undurchführbar geworden sind, den konventionellen Bestandteil jedes Artikels und jeder Rede der früheren Gegner bilden. Alan zitiert in der G.-V.-Zeitung sogar Richard Her 1 loitmans ״Sclilaiiied tiir Mirjam“, dieses Lied, das die Einheit alle* jüdischen Lebens in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft am großartigsten erfühlt, aber man macht sich nicht klar, welche Konst■ ßuenzen aus so!eher Gesinnung ge/ogen werden müssen. Wo Palästina erwähnt wird, geschieht es nur, tun es au!11 Iteutc noch zu bagatellisieren. Kein Wort, daß dort eine große Hoffnung; für das jüdische Volk erwächst, nicht einrnal ein Wort ries Verständnisses für das, was im kaute von Jahrzehnten in mühevoller Arbeit von Zionisten geschaffen wurde. Man hört, die Forderung der j ü d i s c 11 e n S c 11 11 1 0 wird jetzt auch von anderen Juden erhoben. Wir wiesen, daß auch das Beste, was hier geschaffen werden kann, vom Standpunkt rlcs Jude minus unbefriedigend sein wird. K1 iite-fill.-: kann man, wie Rosenstock in der ״G.-V.-Zeitung“' e.e tut, die Gründung der S c 11 u 1 e in Jahne zum Vergleich heranziehen. Zur Zeit der Zerstörung Jerusalems, als der ji'nlp. he Staat ztisamincnhiaih, da gründete Joeiiamm ha; Sakai tu einer Welt, in der die Fülle jüdischen Wissens lebte, die Schule von Jahne, um dort dem j 11 eiis־׳I1 <• n Geist in seiner Totalität eine Stätle zu schaffen. Ans der Ass im Hation heraus entstellt auch hei bester Gesinnung kein jabne. Wenn cs 1ms gelingt, hier in Schulen jüdische Kinde! zu aufrechten Juden zu erziehen, wenn wir ihnen heute die l iebe zur hebräischen Sprache, zur eigenen Geschichte gehen können, so können wir das, weil diese Sprache in I’alästina lebt, weil cs ein Judentum gibt, das ungebrochen mit ganzer Seele, selbst an der Gestaltung seiner Zukunft arbeitet. Hüten wir uns heute, mit dem kleinen Erfolg zufrieden zu sein, der sich bald als eine große Täuschung erweisen wird. Es gibt doch aber die vielen Tausende, die heute zu uns kommen? Ja, es gibt sie. Unsere Bewegung wächst wie nie 7. u vor; die Wirkung des Zionismus ist groß und nachhaltig und eine Fülle unbefangener Juden aus den verschiedensten Schichten und Lagern findet heute den Weg zu uns. Unsere Kritik trifft nicht die große Menge der deutschen Juden; sic trifft die F e s t g e 1 e g t e 11, auf Programme Eiugcschworenen. Vielleicht können wir warten, vielleicht sollen wir wirklieh die innere Entwicklung nicht überschnell herbeizuführen versuchen? Solcher Erwägung kann man heute nicht Raun! gehen. Das Tempo der deutschen Entwichlung ist schnell. Wir Juden stehen in ihr. Und cs wäre unsere Pflicht gewesen, im Interesse der jüdischen Sache, aber ebenso sehr auch im deutschen Interesse, als ver handlungsfähiger Partner dazustehen. Bis zu diesem Augenblick ist aber nichts geschehen; Man hat Komitees gegründet, man hat nicht mehr zu zählende Sitzungen abge!1 allen, jeder kennt die Meinung einejeden und man weiß, daß es im Grunde gab keinen Zweck hat, eine Meinung zu vertreten.

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