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Jüdische Rundschau · 1933-05-03 · Heft 35 (3.5.1933) · p. Seite 177

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 35 (3.5.1933)
Date
1933-05-03
Page
Seite 177 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35, 3. V. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHäÜ Seite 177 Gymnasiasten bei der Landarbeit Gymnasiasten bei der Erntearbeit in den Feldern einer Keren Hajestod - Siedlung. Als sich in der Erntezeit in Palästina ein Arbeitermarigel in den landwirtschaftlichen Siedlungen schwer fühlbar machte, wurde mit der Leitung des jüdischen höheren Schulwesens ein Abkommen getroffen, wonach die erwachseneren Schüler sich zur Hilfsarbeit in der Landwirtschaft zur Verfügung stellen. Aut diese Weise wurde ein doppelter Zweck erfüllt: der Mangel an arbeitenden Händen wurde behoben, und die Schüler hatten Gelegenheit, die Schulbank mit der Feldarbeit zu vertauschen. Die pädagogische Wirkung solcher Wochen ist hoch zu veranschlagen. Zum ersten Male arbeiten jüdische Schüler auf dem Felde. Die Zeit des einseitigen Intellektualismus ist vorüber. Palästina erzieht ein Geschlecht neuer jud,n, die, auch wenn sie höhere Bildung ö#t־< ו a! V׳=Ac. ,Z* ־•*.!'׳ ׳ ‘ “־־} a vimA»'ä£־»c 1 TIM# *ft״;*. Gymnasiasten aus Jerusalem kehren vom Felde heim. Gymnasiastinnen in der Baumschule von Gmath llatchlotcha. erwerben, mit dem Boden verwachsen sind und in harter In diesen Tagen haben die hebräischen Schulen den Untermanueller Arbeit eine Ehre und eine Lust sehen. Unsere rieht wieder aufgenommen und die Schüler sind von der Bilder zeigen drei Aufnahmen von der Feldarbeit der Schüler. Feldarbeit zurückgekehrt. ....... Vorbereitung der Einwanderung Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 16. April 1033. Die palästinensische Judcnhcit beginnt mit Energie die Bedingungen für eine größere Einwanderung deutscher |uden zu schaffen. L)as Zentrum der Arbeit bildet die ,,Hitachduth Oie Germania“, jene Vereinigung der aus Deutschland eingewanderten Zionisten, die sich für die Schaffung eines Informationsdienstes für Einwanderungslustige gebildet hatte. Die Vereinigung hat die früher bescheidenen Grenzen ihrer Tätigkeit längst überschritten. Die Anfragen über Einwaridertings- und W'irtschaftsinöglichkeifen häufen sich zu Hunderten und der Empfang und die erste Unterbringung der Einwanderer fällt selbstverständlich ebenfalls in das Gebiet dieser Organisation. Die wirtschaftliche Lage, der Arbeitermangcl, die Nachfrage nach Fachleuten, die Stabilität und Entwicklung der Wirtschaft erweitern automatisch die wirtschaftliche Kapazität des Landes. Das rasche Tempo der Entwicklung aber, die Einwanderung und der gewaltige jüdische Touristenstroin dieses Jahres schaffen eine ganze Reihe tech- Bischer Probleme, die in ״normalen“ Zeiten nicht so scharf zum Ausdruck kommen. Am bedeutsamsten ist die Frage der Unterbringung. Trotz, der fieberhaften Bautiitigkeit sind Wohnungen heute so gut wie gar nicht zu bekommen und die Preise, die gefordert werden, sind in vielen Fällen so hoch, daß sie eine ernste wirtschaftliche Behinderung der Mieter darstellen. Man hat es sich also angelegen sein lassen, erst einmal für die deutschen Ein- Wanderer billige Quartiere bcreitzustellen, und dafür zu sorgen, daß die Neulinge nicht in den ersten Wochen oder Monaten große Summen für Essen und Unterkunft zu verschwenden haben. Die ״Hitachduth Oie Germania“ tut in den drei großen Städten das Nötige. In Haifa ist durch die Initiative und Arbeit von Joseph L o e w y in dem in der Haifa-Bav liegenden Arbeiterviertel die Anlage eines Wohncamps in Angriff genommen worden, ln den Häusern des Viertels wurden 40 Zimmer zur Verfügung gestellt, für Betten, Matratzen, Decken, Sorge getragen. Im Garten eines jeden Hauses wird ein Zelt aufgcstellt und es besteht die Möglichkeit, weitere Zelte und Baracken um diese Vorstadt auf den anliegenden Böden des Keren Kajcmcth zu konzentrieren. Bereits heute ist für mehr als hundert Leute auf diese Weise Raum geschaffen und in der allernächsten Zeit wird die Aufnahmefähigkeit des Camp auf mehr als 500 Menschen steigen. Damit wird eine billige und hygienischen Ariforderungen entsprechende Unterkunft geschaffen. Der Einwan- Wanderer hat zudem hier die Möglichkeit, sich auf eine primitivere Lebensweise umzustellen und erhält in den ersten Wochen seines Aufenthalts Rat und Hilfe. Es wird ein Elisaal eingerichtet, für billige imd gute Verpflegung gesorgt. Bei allen Arbeiten, die mit dem Camp verbunden sind, sollen die Insassen selbst mit Hand anlegen. Auch in Tel-Awiw wird für entsprechende Quartiere, wenn auch in kleinerem Umfange, gesorgt. Diese erste Unterbringung ist natürlich nur der erste Schritt. Es erhebt sich zugleich das weit umfangreichere und komplizierte Problem der Eingliederung der Immigra nten in die Wirtschaft des Landes. Die Kapazität der Wirtschaft muß ausgeweitet werden. Hier sind heute eine Reihe von Plänen in Bearbeitung, die sowohl die Landwirtschaft, wie auch di« Industrie betreffen. Es handelt sich um größere Projekte, die noch im Rohbau stecken, aber mit Energie gefördert werden. Die Möglichkeit, sie aus- Zufuhren, ist mit zwei grundlegenden Bedingungen verbunden: Einerseits mit der Bereitstellung entsprechender Mittel, die sowohl im Lande, wie auch außerhalb aufgebracht werden miissen, und der entsprechenden Vorbereitung der cinwandemtlen Menschen. Ueber die Aufbringung der Mitte! wird in der ״Hitachduth Olc Germania“ und (len leitenden Instanzen des Jischüw beraten. Was die Vorbereitung der Menschen an betrifft, so ist völlig klar, daß sie init einer Umschichtung in großem Maßstabe verbunden sein muß. Angehörige der freien Berufe sind nur noch in beschränktem Maße absorbierbar; insbesondere gilt das für Acrzte und Anwälte. Mit diesen Berufskategorien ist ein Land wie Palästina nicht zu kolonisicrcn. Wir werden bei diesen Elementen — soweit cs sich um jüngere Menschen handelt — sofort mit einer berufliehen Umstellung zu beginnen haben. Es wird daran gedacht, das Camp in Haifa nicht mir zur Unterkunft, sondern auch für das erste Training zu benutzen, Fachleute für Selmlungskurse bcreitzustellen und sogleich bei Beginn die Ein- Wanderer zu erfassen und entsprechenden landwirtschaftlichen, handwerklichen und industriellen Berufen zuzufiihren. Wir sehen bereits heute, daß ein Teil der Einwanderer die Notwendigkeit einer solchen radikalen Umseh,ilbtng versteht und wir haben Beispiele für ein sofortiges energisches Anpacken, In anderen Fällen ist erst Aufklärung nötig und der tmvermeidiiehe Druck der bestellenden Verhältnisse, die Unnifigliehkeit, im gewohnten Gleise weiter zu gehen, die nackte Not, sind selbstverständlich das stärkste Ueberzcugungsmitte!. Palästina ist heute so weit, daß Menschen mit entsprechendem Vermögen hier ebenso bequem leben können, wie irgendwo im Westen. Für Menschen dieser Kategorie ist die Periode des Pioniertunis durchaus abgeschlossen. Fachleute aus Industrien oder Handwerksunternehmungen habmi ebenfalls beträchtliche Chancen, wobei freilich in Befracht gezogen werden muß, daß sich im Laufe der Einwanderung die!Möglichkeiten von Tag zu Tag ändern und freie Stoßen rasch aufgefülit werden können. Für Menschen, die aus freien Berufen kommen oder keine speziellen F kenntnisse besitzen und di« wenig oder gar kein Vcrmö ,eu haben, bietet das Land jedoch nur dann Möglichkeiten, wenn sie bereit sind, zu Berufen überzugehen, die der gegemvä: t.g e!1 Situation entsprechen. Das werden in den meisten Fällen körperliche Arbeiten sein, vom Landwirt und Industriearbeiter bis zum Handwerker und Chauffeur. Es ist wie!!;!״, dies sehr scharf zu betonen, und sic jedem einzelnen einziihämmern. Man soll sich nicht damit trösten, daß der oder jener noch in einer Lücke;mtergeschlüpft ist und sich nicht auf besonders günstige Umstände verlassen. Wenn wir nicht vo!1 vornherein "eine umfassende Wirtschaftspolitik ins .'.!:ge fassen, die auf einer weitzügigen Berufsumschiehtung basiert, so werden wir auf die Dauer weder dem Lande, noch der großen Zahl der Einwanderer, auf die gegenwärtig IL ,'ming besteht, helfen können. Selbstverständlich ist mit der Berufs- Umschichtung noch nicht alles getan. Es müssen auch die nötigen Mittel zur Ausweitung der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Doch das ist ein Speziaiproblem; es wird zurzeit mit allem Ernst bearbeitet. Das gewaltige Tempo im Palästina-Aufbau gibt ׳,er Judenheit eine neue Chance. Palästina lebt in dem Gehder Hoffnung, daß für die furchtbaren und drückenden Froülem« des Tages hier wenigstens eine Teillösung gefunden werden kann. Vor kurzem haben vier Mitglieder der ägyptischen Regierung, unter ihnen der Verkehrsminister Ihihitn Fachmi Pascha, mehrere jüdische Kolonien in Palästina iiesucht und sich sehr anerkennend über die Erfolge der ,,ulen aut landwirtschaftlichem Gebiet, ausgesprochen. Sie waren von dem Leiter der Pica Victor Cohn begleitet. Palästina-Visa für Handwerker Jerusalem, 27. April. (J.T. A.) High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat die mit der Prüfung der Gesuche um Erteilung von Einreise-Visen für Palästina beauftragten Stellen dahin Instruiert, daß Gesuche von Handwerkern und Gewerbetreibenden mit einem Eigenkapital von mindestens 250 Pfund weitgehend berücksichtigt werden mögen. Dagegen hat der Higli Commissioner einen Vorschlag der Jewish Agency, eine neue Kategorie von Ein- Wanderern mit einem Eigenkapital von ISO Pfund zu schaffen, a b g e 1 e h n t. Diplomprüfungen am Tedmtknm Haifa Bei den vor kurzem im Gegenwart des High Commissioneis Sir Arthur Wauchope abgehaltenen Dinlomprüfungen am hebräischen T e c h n i k u m in Haifa haben 15 von 21 Kandidaten das Diplom als Ziviiingenieure erlangt. Der Prüfungskommission gehörten neben Professoren des Technikums auch Mitglieder der Rcgicnmgsdepartemcnts für öffentliche Arbeiten und Erziehung an. Die Diplomvcrteihing nahm der High Commissioner vor. Gleichzeitig fand die Verteilung von Abschlußzeugnissen an 12 Vollmatrosen, die die nautischen Abendkurse am Technikum absolvier.* hatten, durch den Bürgermeister von Haifa statt. Dr. Rappel in Palästina Der von der Mandatskommission des Völkerbundes als Rapporteur über die Frage der jüdischen Gemeinschaft in Palästina eingesetzte Dr. Ruppe! sludiert gegenwärtig in Palästina das Problem der offiziellen Vertretung der palästinensischen Judenheit. Dr. Ruppe! empfing Deiegationen des Waad Letimi (öffentlich-rechtlich anerkannten Vertretung der jüdischen Gemeinschaft Palästinas) und der separatistisciien orthodoxen Agudah Israel-Gemeinde. Palästina-Ausstellung ln London. Der High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, hat das Kolonialamt telegraphisch aufgefordert, die Organisatoren der An gl o-Palästina-Ausstellung, die in der Zeit vorn 7. bis 17. Juni d. J. in der Londoner Royal Agricultural Hai stattfinden wird, in jeder Weise zu unterstützen. Das bereits nach England verschickte Ausstelhingsmaterial umfaßt eine einzigartige B ü c 11 e r s a m m I u n g, Gemälde und zahlreiche Gegenstände archäologischen und historischen Citarakters. Ein Appell Lord Melchctts an englische Sammler, Leihgaben für die Aussteilung zur Verfügung zu stellen, hat einen außerordentlich starken Widerhall gefunden. Finden Sie, daß die ״Jüdische Rundschau“ die Judensache mit Würde vertritt? Dann helfen Sie uns bei der Verbreitung der Zeitung! Der Monat I j a r Ist der Werbemonat für die ״Jüdische Rundschau“. Programm der Iransjordanfsehen IVationalpartei Jerusalem, 23. April. (J. T. A.) Anläßlich des zwölfjährigen Bestehens des transjordanischen Emirats hielt die transjordanische Nationalpartei in Amman einen Kongreß ab, auf dem folgende Resolutionen gefaßt wurden: 1. Der im April 1921 geschaffene politische Status in Transjordanien, d. h. die Herrschaft Emir Abdullahs und das britische Mandat, wird unter der Bedingung anerkannt, daß eine aus Transjordaniern bestehende parlamentarische Regierung eingesetzt wird. 2. Alle offenen oder geheimen Abmachungen, die transjordanische Interessen verletzen könnten, werden verworfen, solange sie nicht von einer ans Transjordaniern zusamrr.enrrcsetztcn, einem Parlament verantwortlichen, Regierurig gebilligt wurden. 3. Die angenommene Interpretation von Punkt 25 des Palästina-Mandats, dcrzufolgc Transjonianlcn aus dem Gebiet des Jüdischen N'ationalheinis ausgeschaltct ist, wird bek r a f t i g t. Von der Apdas Israel Brüssel, den 27. April. (J. T, A.) In Brüssel fand eine Konferenz der Weltorganisation Agtidas Jisroel unter Teilnahme von Delegierten aus Frankreich, Italien, England, Belgien und Hoilanrl statt. Es wurde eine Resolution geiaßt, in der die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt aufgefordert werden, eine p-ozentuellc Abgabe von allen Einfünften der Gemeinde rinzufuhren, deren Ertrag zur Stützung der jüdischen Gemeinden in Deutschland dienen solle. Das westeuropäische Büro der Aguda wird nach Zürich verlegt. Bei der Zentrale wird ein Komitee für Rechtsschutz und Wirtschaftshilfe für jüdische Flüchtlinge aus Deutschiand eingesetzt. Aut der in Brüssel abgehaltenen Konferenz der westeuropäischen Landesorganisationen der Agudah Israel wurde beschlossen, in London ein P 1 ג ä s t i n a a rn t zu errichten, das die Aufgabe haben soll, die Auswanderung religiöser Juden nach Palästina zu fördern. Neue Lehrkanzel In Jerusalem, litt King David-Hotel ln Jerusalem fand ein von der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität veranstalteter Tee statt, an dem mehrere hundert Personen tcilnahmen. Der Richter am Obersten Gerichtshof Palästinas, Gad Fruinkin, Univcrsitätskanzler Dr. Magnes, der Vorsitzende des Keren Ka- Jeineth, Ussischkin, und der amerikanische Rabbiner Abba Hiilei Sil ver hielten Ansprachen. Ussischkin teilte mit, daß der Jüdische Nationalfonds einen jährlichen Beitrag von 500 Pfund für eine zu errichtende Lehrkanzel für Bodenproblemc bewilligt habe. Richter Frumkin, der Vorsitzende der Gesellschaft, erklärte, die Gesellschaft beabsichtijje die Herstellung eines Lehrstuhls für Pädagogik, der den Namen Ch. N. Biaiiks tragen sol. Zionistisches Studentenlager ln Holland. Man schreibt uns: Der holländische zionistische Studenten verein wird auch dieses Jahr, wie in vorigen Jahren, Anfang Juli ein achttägiges Lager abhaiten an einem Ort in Holland, der noch nicht feststeht. Die Beteiligungsspesen werden sich auf etwa fl. 15 (25 RM.) p. p. belaufen. Mitglieder der ausländischen zionistischen?tudentenvereinc, welche prinzipiell zur Beteiligung bereit sind, werden gebeten, dies bis zum 15. Mai 1933 mitteilen zu wollen (oder wenn möglich früher). Diese vorläufige Mittcilung verpflichtet in keinerlei Hinsicht zur definitiven . Betdligiing. Nachrichten erbeten an: S. J. Meyers, Juliana van Stolberglaan 210. Den Haag (Holland),

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