Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1933)
- Date
- 1933-05-03
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 174 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 35, 3. V. 1933 welchem Berufe auch der Jude stehen mag, in keinem wird ihm der Geist gleichgültig sein. Der Verlust an Akademikern bedeutet noch keinen Verlust an Geist. I!1 den einzelnen organisatorischen Schulfragen müssen die Aufgaben örtlich und nach Ländern dezentralisiert werden. Die Bedingungen sind hier ganz verschiedene, und da, wo Ansätze in bestehenden Anstalten schon vorhanden sind, müssen sie ausgebaut werden. Die Richtlinien aber eines Schulplans für die jüdischen Schulen in Deutschland müssen a 11 gemein verbindlich sein. Die Reichsvertretung der deutschen Juden muß unverzüglich an die Ausarbeitung des Schulplans herangeheit. Wie er ausfällt, wird davon abhängig sein, wessen Geistes die Männer sind, die die Reichsvertretung zu diesem Zwecke heranholt. Gegen Privatzirkel Von Hanna Arendt. Die jüdischen Schulen kamen bisher nur für einen verschwindend kleinen Bruchteil des jüdischen Nachwuchses in Frage. Sofern sie nicht auf orthodoxer Basis standen, waren sie vor allem von Kindern besucht, deren Eltern ein spezifisch jüdisches Sclbstbcwufitsein wünschten. Sie beruhten also auf einer bestimmten innerjudischen Auffassung. Sie wurden von der Gemeinde nur dürftig unterstützt, weil die Gemeinde in der jüdischen Schule die Gefahr der ״Isolierung״ und der Entfremdung von der nichtjüdisclicn Umwelt sah. Die heutige Situation erfordert jenseits aller veltanscliauliehen Differenzen eine jüdische Schule auf allerbreitester Basis Nur so wird sie den durch die Ereignir.se geschallenen Tatsachen gerecht werden können; mir so wird sie die heute von deutschen Schulen abwandernden Kinder nicht rnir^ als A 11 s gestoßene belassen, sondern Diese Kinder nnf/ufaticon. ist eine der dringendsten Aufgaben der augenblickliche״ Situation. Ucberläßt' man sie sich selbst, so werden die reichen jüdischen Familien sich /us.immcnitm und in P r i v a 11 i r k e f n irgend eine höhere Bildung zu vermitteln suchen. Dies aber würde nicht nur in unheilvoller Weise die hrillige Situation belassen, son- (lern das Amgcrtoßerwin direkt legitimieren. Es würde die Kinder aus jedem sozialen Zusammenhang reißen, sic in einer künstlichen Atmosphäre jeder Wirklichkeit entfremden, sie weder zu Deutschen, noch zu Juden erziehen. Selbst eine Hörhstqualitik,ilion der Lehrer könnte an dieser Tatsache nichts andern: konnte vor allem nichts daran .indem, daß diese Kinder immer mir Ausgestoßene sein und bleiben werden. Diese Belastung kann man aber einem Kinde im Grunde genau so wenig zimmten wie eine feindliche antisemitische Umgebung. Auf der anderen Seite wird durch solche Privatunternehmtingen, die doch nur Möglichkeiten der Reichen sind, die jüdische Schule existenzunfähig gemacht, weil ihr die zahlenden Kinder entzogen werden. Es besteht die Gefahr, daß wir eines Tages auf der einen Seite eine lebensunfähige jüdische Schüfe haben, auf der anderen viele kleine Zirkel. Man wende nicht ein, daß diese Privatzirkel ja noch nicht bestehen, daß der Andrang zur jüdischen Volksschule heute groß ist, daß man erst die Dinge sich entwickeln lassen muß. Die Privatzirkel werden entstehen; das ist jedem klar, der die ,Mentalität der deutschen Juden kennt. Der Andrang zu den Volksschulen ist kein Gegenbeweis. Die Privatzirkel werden gerade den Anspruch auf höhere Bildung erheben. Das ist die eigentliche Gefahr. Wenn sie erst da sind, wenn erst unzählige jüdische Lehrer, die jetzt brotlos geworden sind, so beschäftigt werde», wird es außerordentlich schwierig sein, dem wieder zu steuern. Notwendig ist eine prophy- 13 k tische P r o p ,1 ״ a n d a, in der die Elfem aufgeklärt werden über die Gefahren, die ihren Kindern drohen; über die Gefahr der Entfremdung von der Wirklichkeit, über die Gefahr der Charaktcrlorigkcit, über die Gefahr einer Bodenlorigkeit, in der nicht einmal mehr die Gründe für diese BodenlOfigkrit bekannt werden. Die jüdische Schule wird das wichtigste Instrument sein, das der jtuiiwhen Gesamtheit zur Beeinflussung der kommenden Generation zur Verfügung steht. A la longuc gesehen gibt es kaum eine Frage heute, die so sehr eine Existenzfrage ist, von deren Lösung so siel abhängt, je einheitlicher diese Losung ausfalien wird, je geringer die Differenzen der einzelnen fchulm sjj!d. je srhneller .alle Kinder erfaßt werden, desto mehr kann erreicht werden. Die aufwach'Cnde Generation muß che Geschichte der Assimilation und des Antisemitismus ebenso kennen wie die Geschichte des Judentums bis zur Assimilation. Nur so kann sie eine Basis erhalten, von der aus sie in einer wahrhaft verniinttigen Art ihre Umwelt und sich selbst beurteilen lernt; nur so kann sie eine Tubstanz für ein Selbstbewußtsci«! haben, das als bloße moralische Forderung doch immer leer bleiben muß. Die jüdische Schule sollte sich nicht auf das Prinzip der Reinrassigkeit fcstlegen. Sie mußte grundsätzlich bereit *ein, auch Halb- oder Vierteljuden aufzunehmen, d. h. alle, die durch die politische Situation gezwungen sind, zu ihr kommen. Denn es ist wichtig, sich darüber klar zu sein, daß die Assimilation und ihre Folgen nicht einfach rückgängig gemacht werden können — ganz gleich, wie man über diese Assimilation sonst denken mag. Vorläufig sind wir alle noch deutsche Juden, d. h. ,,assimilierte׳‘. Unsere Kinder werden weder im Ghetto, noch eigentlich im öffentlichen Deutsch- Land aufwachsen können. Diese Situation ist in der jüdischen Geschichte ein Novum. Nur die jüdische Schule kann dieser reuen Situation gewachsen sein. Und dies nur dann, wenn sie von Menschen geleitet wird, die diese Situation ohne Illusionen Obersehen. Das orthodoxe Schulwerk. Zu unseren früheren Ausführungen über die jüdische Schulfrage in Deutschland werden wir noch darauf aufmerksam gemacht, dal) in diesem Zusammenhang erwähnt werden sollte, welches gewaltige Schulwerk von der Orthodoxie in Deutschland, insbesondere von der Adass Jisroel-Gemeinde in Berlin, geschaffen worden ist. Die orthodoxen jüdischen Gemeinden haben bereits in Hamburg, Leipzig, Frankfurt, Berlin und Köln höhere jüdische Schulen begründet, die zum Teil erst in den letzten Jahren unter großen Opfern entstanden sind und sich als Bildungsanstalten voll bewährt haben. Es ist noch hervorzuheben, daß dieses Schulwerk sowohl orthodoxen, als auch zionistischen Persönlichkeiten seine Entstehung verdr t. Der Anttvcrpener Jüdische Studentenverejn ״Heafhld * hat eine Spczialkommission mit der Aufgabe eingesetzt, jüdisehen Studenten aus Deutschland, die in Belgien ihre Studien iortsetzen wollen, bd den Einschreibungen an belgischen Hochschulen behUflcb 2» »ein, Wer kann in da* Schweiz studieren? Bne notwendige Aufklärung Basel, 25. April. ln den ersten Aprirtageii haben infolge der Boykottankündigung Tausende von deutschen Juden Deutschland überstürzt verlassen, um im Ausland Unterkunft zu finden. Innerhalb von wenigen Tagen haben 3909 deutsche Juden die Grenze bei Basel überschritten, um sich in der Schweiz für kürzere oder längere Zeit aufruhaften. Die sonst in großer Ruhe und Beschaulichkeit lebenden Schveizer Juden kamen zu einer Vor- Stellung von gehetztem, mildem Qaluthdasein, die ihnen das eigene Land bisher glücklicherweise versagt hatte. Rasch war ein Bahnhofsdienst organisiert, war rin Flüchtlingskomitee konstituiert, ein Quartierdienst eingerichtet; man muß den Juden in der Schweiz, die in normalen Zeiten keinen allzu großen Wert auf soziale Betätigung legen, das Ehrenzeugnis ausstellen, daß ihnen für ihre deutschen Brüder, mit denen die Mehrzahl keineswegs eine Interessengemeinschaft verbindet, keine Mühe zu viel war. Einquartierung, soweit Platz vorhanden, bedeutete eine Selbstverständlichkeit, zumal gcrade die Schweizer Mustermesse stattfand und die Hotels überfüllt waren. Viele Überließen ihre eigenen Schlafstellen den Flüchtenden. Leider gab es solche, die im Exil die nötige jüdische Würde und den ihrer Lage entsprechenden Takt nicht a u f z u bringen verstanden. Refugianten, die nichts gelernt haben, großenteils aber in das von ihnen abgelchnte Palästina ziehen wollten . . . Das war vor vier Wochen die erste Etappe. Mittlerweile haben die Universitäten ihre Arbeit wieder aufgenommen und erst jetzt, zu Semesterbeginn, wurde vielen jüdischen Studenten in Deutschland klar, daß sie ihre Arbeits- und Examensmöglichkeit verloren haben. Und wieder setzte ein Strom von Wanderern nach der Schweiz ein, die hier Möglichkeiten zur Ausbildung und zur Arbeit zu finden hofften. Es handelt sich nun lim junge, unverbrauchte Menschen, die nicht länger als notwendig in der Galuth stationieren sollten, nachdem man ihnen ihre Heimat gesperrt hat. Damit nicht noch mehr junge Akademiker mit Hoffnungen nach der Schweiz kommen oder etwa bereuen, daß sie es nicht gleich zu Semesterbeginn getan haben, möchte ich einige Angaben zwecks Orientierung machen. Grundsätzlich ist zu bemerken, daß ein Staatsexamen nur nach Vorlage eines schweizerischen Abiturientenzetignfsses absolviert werden kann, bei Juristen und Philologen besteht ferner die Bedingung, daß der Bewerber Schweizer Bürger sein muß. Das Schweizer Bürgerrecht ist nach 15 jährigem Aufenthalt kostenlos zu erhalten, unter 45 Jahren hat man sogar nach 12 Jahren ein Anrecht darauf, aber man wird jetzt niemandem, der nicht 15 Jahre zu Studienzwecken Aufenthalt nehmen kann, eine Niederlassungshewilligung ausfertigen. Vor 12jährigem Aufenthalt ist die Erlangung des Bürgerrechts mit erheblichen Kosten verbunden. Die Zulassung zur Eidgenössischen Maturitätsprüfimg ist für Ausländer seit einigen Jahren gesperrt und hochstens auf dem Wege durch die öffentlichen Schulen eventuell zu erlangen, als Externer nicht. An der philologischhistorischen Abteilung• der philosophischen Fakultät liegt die Sache am günstigsten, hier kann sich jeder einschrciben, Vorlesungen hören und promovieren. An der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung dagegen nur, soweit Plätze in Laboratorien und Praktika verfügbar sind, denn zunächst werden die Einheimischen berücksichtigt. Bei den Juristen Ist der Stoff begreiflicherweise regional Begrenzt, die Verbundenheit mit dem Lande am meisten erforderlieh und die Ueberfülhmg am beängstigendsten. Trotzdem besteht auch hier die theoretische Möglichkeit zur Promotion, doch nicht zur praktischen Arbeit, nicht einmal als Volontär, da Volontarlate selten geworden sind. Aehnlich liegen die Dinge bei der medizinischen Fakultät, die ebenfalls unter Ueberfiillung leidet und bei der Verteilung von Klinik- und Laboratoriumsplätzen in erster Linie Inländer beriicksich• figt, die in der Regel den verfügbaren Platz fast aufbrauchen. Doch besteht die Möglichkeit, falls die Zulassung und der Studiengang geregelt sind, zum medizinischen Doktorexamen zugelassen zu werden, nicht aber zum Staatsexamen ohne schweizerisches Abitur. Der Doktor der Medizin hat im Gegensatz zum Doktor der Rechte die Möglichkeit, als Arzt nach Palästina zu gehen, falls dort die Verhältnisse für diesen Beruf sich etwas bessern. Beizufügen ist noch, daß manche Schweizer Universitäten für Ausländer einen Numerus clausus eingeführt haben, der ihnen die Aufnahme des Studiums von vornherein unmöglich macht. Für Philologen gilt das nicht. Ich habe diese Ausführungen gegeben, weil in den letzten Tagen viele Studenten aus Deutschland nach der Schweiz gekommen sind, ohne recht eigentlich zu wissen, wie die Verhältnisse hier liegen. So erinnere ich an einen meiner Freunde, der in Zürich keine Möglichkeit zur Immatrikulation fand, nach Basel fuhr und auch dort nicht ankommen konnte, bis ihm nichts anderes mehr verblieb, als nach Frankreich zu fahren, wo seine Immatrikulation auch keineswegs schmerzlos zu bewerkstelligen wir. Es ist meines Erachtens unerläßlich, wenn man nicht große und unnötige Kosten verur- Sachen will, sich vorher bei der betreffenden Univeräftät zu erkundigen. Die Not des jungen Intellektuellen ist riesengroß und es bleibt uns nur die schmerzliche Erkenntnis, daß in der heutigen Zeit eben alle Länder gesperrt sind und uns nur Erez Israel bleibt, das wir nicht von Anfang an mit westlichen Intelligenz überlaufen dürfen, sondern das unverbrauchte, zur Erde zu r i! c k k c h r end e Menschen verlangt. Ich möchte niemanden davon abhalten, in der Schweiz zu stationieren, an unserer Hilfsbereitschaft fehlt es nicht, aber ich glaube, diese Ausführungen zur Aufklärung geben zu müssen, weil viele Anfragen an mich auf Hoffnungen schließen lassen, die leider unberechtigt sind. Dr. Lothar Rothschild. Ein Jude amerikanischer Gesandter in Schweden New York', 28. April. (J.T. A.) Präsident Roosevelt hat den hervorragenden New Yorker Rechtsanwalt Laurence Steinhardt, einen Juden, als Oesandten der Vereinigten Staaten in Schweden nominiert und diese Nominierung dem Senat zur Bestätigung unterbreitet. Laurence A. Steinhardt, der 40 Jahre alt ist, wurde in New York geboren. Er ww bis heute Mitinhaber der Rechtsanwaitsfirma Guggenhelmer, Untermyer und Marshall, der auch der verstorbene amerikanisch-jüdische Führer Louis Marshall angehörte. Mit Samuel Untermyer, der gleichfalls Teilhaber derselben Firma Ist, ist er verwandt. Gesandter Steinhardt; ein aktiver Zionist und Mitglied der Exekutive der amerikanischen Zionisten-Föderation, ist eine Autorität auf medizinisch-juristischem Gebiet. Er hat in der Zeitschrift der medizinischen Gesellschaft Amerikas eine Reihe von Aufsätzen über die juristische Seite gerichtsmedizinischer Probleme veröffentlicht. Steinhardt ist bereits der zweite auf Oesandtenposten berufene Jude. Vor kur2em wurde bekanntlich J e s s i e Strauß zum amerikanischen Botschafter in Paris * magst. Der Prozentsatz der Juden an Höheren Schulen und Hochschulen ♦Anläßlich der Verkündung des Gesetzes gegen die Lieberfülltirig und Ueberfremdung der höheren Schulen wird amtlieh cs statistisches Material veröffentlicht, aus dem die Zahl der jüdischen Schüler an den deutschen Lchranstaden ersichtlich ist. Die bisherigen Statistiken erfassen die jüdischen Schüler und Hochschüler nur unter dem Gesichts- Punkt der konfessionellen Zugehörigkeit, die Zahl der Schüler und Hoehschiilcr nicht arisch er Abstammung ist bisher nicht statistisch festgestelit worden. Entsprechend der Zahl der Bekenner der jüdischen Religion wurde daher der Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gcsam(Bevölkerung mit 0,9 Prozent angenommen. Im Schuljahr 1931/32 zählte man in den öffentlichen und privaten Anstalten des Reiches 43214 Abiturienten und Abiturientinnen, von denen 1474 jüdischer Konfession waren, somit nicht ganz 4 Prozent. Unter den Abiturienten waren die Juden mit 2,9, unter den Abiturientinnen die jüdischen Schülerinnen mit 5 Prozent vertreten. Mehr als 10 Prozent Schüler jüdischer Konfession gab cs in B e r i i n in 25, in B r e s i a u in 3, in Frankfurt a. M. in 3 Anstalten, in Fulda in einer Anstalt. Mädchenanstalten mit mehr als 10 Prozent jüdischer Schülerinnen gab es in Berlin 20, in Breslau 2, in Frankfurt a. M. 2, in Köln 1. in dieser Aufstellung sind die rein jüdischen Stiftsanstalten nicht mit eingerechnet. Mehr als 20 Prozent jüdischer Schüler wiesen auf in Berliß 8 Knabenanstalten mit folgenden Prozentsätzen: 31, 27, 46, 28, 26, 23, 54, 30; 8 Mädchenanstalten mit folgenden Prozentsätzen: 24, 43, 41, 32, 22, 28, 2]; in Breslau 1 Knabenanstalt mit 50 Prozent, 1 Mädchcnanstalt mit 31 Prozent; in Frankfurt a. M. 1 Knabenanstalt mit 37 Prozent, 2 Mädchenanstalten mit 23 und 30 Prozent. Mehr als 20 Prozent Abiturienten jüdischer Konfession hatten in Berlin 10 Knabenanstalten mit folgenden Prozentsätzen; 21, 44, 23, 28, 34, 32, 26, 56, 35, 26; 10 Mädchenanstalten mit 28, 30, 23, 60, 26, 43, 43, 37, 28 und 29 Prozent; in Breslau 1 Knabenanstalt mit 40, 1 Mädchcnanstalt mit 34 Prozent; in Frankfurt a. M. 2 Knabenanstalten mit 42 und 23 Prozent, 3 Mädchenanstalten mit 28, 47 und 42 Prozent; in Matmheim 1 Mädchenanstalt mit 22 Prozent. An den Universitäten betrug die Zahl •der An gehört• gen der jüdischen Religion durchschnittlich 4,71 Prozent. Unter 19 889 männlichen Studenten der allgemeinen Medizin befinden sich 1302 Angehörige der jüdischen Konfession, von 4919 weiblichen Studierenden der allgemeinen Medizi» sind 591 der jüdischen Religion angehörig. In der Rechts- und Staatswissenschaft sind die entsprechenden Zahlen 17 227 zu S92,4 1137 zu 181. An den preußischen Universitäten beträgt der Prozentsatz der Angehörigen der jüdischen Konfession 5,76, an den badischen Hochschulen?,17 Prozent. Von 1294 männlichen Studenten der Rechts- und Staatswissenschaffen in Baden gehören 131 der jüdischen Konfession an, von 127 weiblichen 31. Von 1867 männlichen Studenten der allgemeinen Medizin sind 175, von 6S9 weiblichen 111 jüdisch. Zu dieser Statistik ist zu bemerken, daß bei der Aufzäh• fung der Schulen mit starker jüdischer Schülerzahl ein falscher Eindruck entstehen kann. Selbstverständlich sind in Ortsteilen, wo besonders viele jüdische Einwohner konzentriert sind, auch viele jüdische Schüler vorhanden. Auf der anderen Seite aber gibt es in Deutschland unzählige Schulen, bei denen das Verhältnis von T Prozent nicht erreicht wird oder die vollständig judenrein sind. Angesichts der überaus stark betonten Klage über das übermäßige Vorherrschen der Juden an den höheren Schulen ist auch der für das gcsamte Deutschland sich ergebende Prozentsatz viel ge ring e r, als man im allgemeinen anz.unehmen pflegt, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die Juden in unverhältnismäßig hohem Grade Bewohner von Großstädten sind. Englisch *Jüdisches Hilfskommitee fn London wurde ein Zentralkomitee geschaffen, dem die Leitung aller Maßnahmen im Interesse der Wirtschaftliehen und sozialen Wohlfahrt der deutschen Juden obliegen Soli. Dem Komitee gehören an: Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz, Lionel Cohen, Sir Robert Waley-Cohen, O. E. d’Avigdor Cloldsmid, Neville Laski, Simon Marks, Abg. Major H. L. Nathan, Anthony de Rothschild, Lionel de Rotschild, Otto Schiff und Dr. Chaim Weizmann. ln einem in der ,,Times“ vom 28. April veröffentlichten Briefwechsel boten die Herren Laski und Montefiore den beiden Brüdern Rothschild das Präsidium des Komitees an, das die beiden annahmen. Das Komitee hat einen von Lionel de Rothschild, Neville Laski und Leonard Montefiore Unterzeichneten Aufruf erlassen, in dem darauf hingewiesen wird, daB die großen Aufgaben des Augenblicks ein Zusammenwirken aller Kräfte des englischen Judentums erfordern. Einzelaktionen seien, so lobenswert die Absichten ihrer Urheber auch sein mögen, unerwünscht. Amerikanische Hilfsaktionen New York, 28. April. (J.T. A.) Das American Je wis h'Com m Ittee und der Unabhängige Orden Bne Br iss haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie für Verstärkung und Koordinierung der Hilfsaktionen für notleidende Juden in Deutschland eintreten. Die beiden Organisationen mißbilligen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland, sprechen sicli jedoch gegen dicOrganisJerung antideutscher Boykottaktionen, Straßendemonstrationen und Protestmassen- Versammlungen aus. Mit dieser Kundgebung bekräftigen American Jewish Committee und Bne Briss eine vor einigen Wochen erlassene, vom Präsidenten des American Jewish Committee Dr. Cyrtis Adler und vom Präsidenten des Ordens Bne Briss Alfred M. Cohen Unterzeichnete Erklärung. In dieser auf Grund der Beschlüsse einer gemeinsamen Vertretcrkonfereriz beider Organisationen gefaßten Resolution wurde erklärt, man werde alles tun, um der Zurücksetzung der deutschen Juden abzuhelfen und die ihnen drohenden Gefahren abzuwenden, in dieser Arbeit aber dürfe nicht an Leidenschaften und Ressentiments appelliert werden, so berechtigt diese auch sein mögen. Man werde alles unternehmen, um der heiligen Verantwortung gerecht zu werden, die auf den beiden Organisationen laste, und sich an die öffentliche Meinung der Amerikaner aller Bekenntnisse wenden, damit das den Juden in Deutschland zugefügte Unrecht wieder gutgemacht und der Grundsatz menschlicher Freiheit verteidigt werde. Die die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten repräsentierenden religiösen Verbände, Gcmeindevertretungen und gesellschaftlichen Vereinigungen haben sich der von Dr. Jonah B. Wise geleiteten Aktion des American Jewish Joint Di*tribution Co m mitt c e zur Aufbringung von Mitteln für eine großzügige Hilfsarbeit zugunsten aer Juden fn Deutschland und anderen Ländern ־Mittel- und Osteuropas angeschlossen.