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Jüdische Rundschau · 1933-04-28 · Heft 34 (28.4.1933) · p. Seite 170

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 34 (28.4.1933)
Date
1933-04-28
Page
Seite 170 (sequence 6)
Language
German
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Seite 170 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 28. IV. 1933 Heilung durch Arbeit Die Antwort der Generation von 1935 Von Dr. Heinrich Fleiß. Die Antwort, die das deutsche Judentum auf die Schicksalsschweren Ereignisse der letzten Wochen geben wird, ist von entscheidender Bedeutung für seine weitere Existenz. Ob die Gemeinden rühmlos zerfallen, oder ob mit letzter Kraft der Kampf um eine neue Lebensform aufgenommen wird, der uns unsere wirtschaftliche und jüdische Existenz aufrcchtzuhaltcn ermöglicht, hängt nur davon ab, was jetzt gedacht, geplant, unternommen werden wird. AH unser Denken muß von einer grundlegenden Tatsache ausgehen: Was die gegenwärtige Situation von allem Bishörigen unterscheidet, ist die innere Bereitschatt der Jahrgänge zwischen 15 bis 30 Jahren, dem Handel, der Kontor- Arbeit und dem Studium zu entsagen und sich manuellen Berufen einzuordnen. Diese seelische Verfassung ist einmalig. Wir müssen sie nutzen und in Aktion umsetzen. Die Erkenntnis, die wir Zionisten jahrelang vergeblich tauben Ohren gepredigt haben: daß wir Juden in dieser unglücklichen beruflichen Schichtung nicht weiterleben können, daß die unnatürliche Häufung in einzelnen Berufen zu Konflikten fuhren muß, ist allen handgreiflich durch die Ent- Wicklung der letzten Wochen bestätigt worden. Eine zweite Erkenntnis, die sich mit zwingender Gewalt durchsetzen muß, ist dies: Hier 11 i 1 f t keine Flucht, hier hilft nur Umkehr! Zehntausende werden Deutschland verlassen müssen. Es gibt wenig freie Arbeitsplätze auf der Welt. Die uns erwünschten Arbeitsmöglichkeiten werden ängstlich von jedem Volke behütet, Wir dürfen nicht länger unsere Netgütigen oder Fälligkeiten 7u!n allein bestimm enden Faktor unserer wirtschaftlichen Berufswallt machen. Wir müssen mit den Gegebenheiten rechnen. Wir können auch nicht länger die Gefahren gering schätzen, die eine ungeregelte Einwanderung mit sich bringt, Begleiterscheinung jeder jüdisehen Immigration ist eine Konzentration in einzelnen Berufen und Städten. Pie dadurch herbeigeführte Erschwerung der Lcbcnsbedingtitjgen nicht nur für die anderen, sondern auch für sie selbst fuhrt unvermeidlich 71! Konflikten. Antisemitische Gedankeukeime fallen jetzt auf fruchtbaren Boden. Daraus folgt: Solange jeder Jude nur an sich und seine Reit!;:' denkt, nur das tut, was ihm liegt, nicht das, was man braucht, besteht eine Gefahr der Verschleppung des Antisemitismus in andere Länder und damit einer weiteren Verschärfung unserer Situation. Ob diese Wirkungen von Ost- oder West-Juden, von Händlern oder Akademikern ausgelöst werden, ist gleichgültig. Das Verlangen nach einer gesunden, endgültigen Lösung muß zu einer elementaren Bewegung gesteigert werden, die alle Parteien und Schichten des deutschen Judentums umfaßt. Nur eine geistige Bewegung vermag die ungeheuren Scliwierigkeiten finanzieller und wirtschaftlicher Art zu überwinden. Nur eine Idee kann die schwierigste Wirklichkeit gestalten und aus Not Tugend machen. Deshalb kommt alles jetzt nur darauf an: Wir müssen versuchen, zum erstenmal in unserer Geschichte eine Wanderung großen Stiles so vorzubereiten und zu organisieren, daß die neue Niederlassung nicht wahllos, nach eigenem Gutdünken erfolgt, sondern nach Gesichtspunkten, die die Gegebenheiten berücksichtigen. Die Generation von 1033, all die jüngeren aus ihren Arbeitsplätzen verdrängten Menschen müssen die Antwort geben, die die geschichtliche Situation von ihr verlangt: Ausnahmslos, im eigenen Interesse und dem der Gesamtheit: Hinein in die produkt i v e n Berufe, die allein eine planmäßige Eing I i e d e r u n g ermöglichen! 11. Wie soll dies geschehen? Das jüdische Volk, den Krisen der letzten Jahre besonders ausgesetzt und durch diese in allen seinen Teilen cmpfindÜchst geschwächt, hat nicht die .Mittel, eine Umschichtung so großen Stils zu finanzieren. Keine andere Möglichkeit, diese Aufgabe zu lösen, gibt es, als einet! Appell des deutschen Judentums an die Judenheit der Welt und der Gesamtjudcnheit an die Nationen der Welt. Nur eine internationale Aktion kann uns Ausbildungsstellen für soviele Menschen versrhaffen. Es handelt sich dnbei um mehr als einen Schritt der großen jüdischen Organisationen beim Völkerbund. Es bedarf der Fühlungnahme mit den Ministerien, Landwirtschaft-, Handwerker-, Oewcrbokainmern der einzelnen Länder. Die öffentliehe Meinung der Welt muß für die Erkenntnis mobilisiert werden, daß hier ein Volk, das zur Normalisierung seiner Wirtschaftsfunktionen aus eigenen Kräften nicht kommen kann, in seinem Bemühen unterstützt werden muß, [Die öffentliche Meinung muß wissen, daß das Judentum nur durch Arbeit genesen kann und daß wir uns dieses Heilmittel nicht kaufen können. Die Gewährung Palästinas als einer Nationalen Heimstatte für ein heimatloses Volk kann nur Anfang, nicht Ende jener Bewegung bedeuten, die das Besondere der Lage des jüdischen Volkes anztierkennen und umzugestalten sich bereiterklärte. Im Einverständnis mit den Regierungen der einzelnen Länder würde es möglich sein, Zahl und Art der zugänglichen Ausbildungsstcllcn fcstzulcgen, ohne die Interessen irgendeines Volkes zu verletzen. Nahrung und Unterkunft von seiten ihrer Arbeitgeber sind die einzigen Gegenwerte, die die Auszubildenden erwarten dürfen. Wo die Natur des Gewerbes eine solche nicht möglich macht, müssen jüdische Organisationen und jüdische Familien in breiter Front cinspringen. Eine strenge nationale Disziplin muß jedes Ausbrechen in leichtere und bequemere, angenehmere Berufe verhindern. Verlust der Aufenthaltsbewilligurig und der Fürsorge seitens unserer Organisaiioacn muß jede Verletzung der solbstgcsetztcn Disziplin zur Folge haben, Hier ist ein Weg, der mit der ganzen Leidenschaft eines zum Schaffen strebenden Volkes begangen, das riesige Werk der Umschichtung eines Zweiges des jüdischen Volkes mit erschwingbaren Mitteln verwirklichen kann. Wird er nicht begangen, sind neue Konflikte mit anderen Völkern in absehbarer Zeit unvermeidlich. Führt er zu einem Erfolg, dann ist er wegweisend für andere Glieder unseres Stammes. III. Damit ist der große Schritt getan, unnütz gewordene, sicht zu haltende Berufe m verlassen und pnxhtzicfcttt* eich selbst versorgende Menschen zu schaffen. Er Ist nur der erste. Diese Arbeitskräfte müssen jetzt produktiv verwertet werden, in einer Weise, die dem natürlichen Streben des einzelnen nach Verwurzelung und genügsamer Existenz ebenso Rechnung trägt wie den Interessen der Nationen, in deren Mitte unsere umgcschulte Jugend sich gerade aufhält. Es kann vielleicht mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß ein Teil der so ausgebildcten Menschen in der Volks- Wirtschaft des betreffenden Landes Fuß fassen kann, natürlich nur da, wo ein natürlicher Mangel an eigenen Arbeitern dieser Art besteht. Oberster Gesichtspunkt muß der Bedarf des Gastvolks, nicht das Interesse oder die Neigung der einzelnen bleiben. Der andere Teil muß neu untergebracht werden. Seine geschlossene Ansiedlung bleibt die nächste und schwierige Aufgabe. Daß eine solche Ansiedlung so beträchtliche Mitte! erfordert, daß wir aus Eigenem sie aufzubringen nur allmählich in der Lage sein werden, bedarf keiner näheren Ausführung. Wo und mit welchen Mitteln kann dies geschehen? IV. Unsere eigenen Bodenreserven in Palästina sind nahezu erschöpft. Neuen Boden in dem erforderlichen großen Umfange dort zu erwerben, ist angesichts der rapide gestiegenen Bodenpreise fast ausgeschlossen. Nur in Transjord a n i e n, wo ungenutzter, Nahrung spendender Boden in Ucbermaß vorhanden ist, aus Mangel an Kapital und tcchnisch geschulten Arbeitskräften aber brach liegt, steht er wartend bereit. Eine durch Hunger und äußerste Entbehrung verzweifelte Bevölkerung wird dort täglich reifer für ein Bündnis mit der Zivilisation. Es bedarf nur eines geeigneten Anstoßes, wie er jetzt gegeben ist, und der vermittelnden Initiative des die Meinung der Welt repräsentierenden Völkerblindes, um die noch vorhandenen kurzsichtigen und egoistisehen Widerstände zu überwinden. Eines der akutesten Probleme unserer Zeit: gesperrten, unbenutzten, vertrocknenden Boden mit arbeitshungrigen Mensehen zum Segen des Landes zu verbinden, kreuzt hier den Weg unseres Volkes. Dieses Problem ist so akut geworden, daß ein großzügiger Versuch, diesen ,Weg zu beschreiten, auf einem Territorium, das außerhalb der Interessensphären der westlichen Völker liegt, das Interesse des Völkerbnndes wohl erregen kann. Die Versöhnung zwisehen Arabern und Juden, die schon ein solcher Versuch, geschweige denn ein Erfolg bewirken müßte, bedeutet für die wirtschaftliche Aufschließung des Vorderen Orients so viel, daß alle Völker daran interessiert sein müßten. Unsere Leistungen in Palästina, die Aufnahmefähigkeit des palästinensischcn Marktes für die Erzeugnisse der Industriestaaten sprechen für sich. Die Aspekte eines solchen Versuches sind so groß, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Abnormität unserer Lage heute so stark, daß es mir möglich erscheint, eine Völkerbundsanleihe zu bekommen, .wie sie zur Repatriierung der Griechen aus Smyrna aufgebracht wurde. Da ihre Erträgnisse zum größten Teil in die Hände der Bcvölkerung Transjordaniens selbst fließen würde, kann die Realisierung einer solchen Anleihe auch in Transjordanien eine Entscheidung zugunsten der Parteien des Landes herbeifüiiren, die ihr Land wirtschaftlich heben und das Los der Bevölkerung verbessern wollen. Das Zusammenwirken eines arabischen Landes mit dem Judentum der Welt zu beiderseifigem Nutzen unter den Auspizien des Völkerbundes, muß die Entscheidung zugunsten der nationalen aufbauenden Kräfte des Judentums und eine entscheidende Aenderung in seiner sozialen Bewertung auf der ganzen Welf zur Folge haben. An die bankmäßige Sicherung einer solchen Anleihe dürfen wir aber dabei nicht vergessen. Sic ist möglich, wenn die jüdischen mittleren und größeren Gemeinden aller Länder in Erkenntnis der Bedeutung der Aufgabe, die hier dem Gesamt- Judentum gestellt wird, die Verzinsung und Amortisation des Kapitals übernehmen und wenn die großen jüdischen Stiftungen sich einschalten. Diese Aufgabe durchzuführen liegt so sehr im Interesse aller unserer Parteien, nationaler und nicht nationaler, religiöser und freidenkqnder, daß sie alle zu ihrer Durchführung zusammengeschlossen werden können. Dann aber ist eine Selbstbcsteuerung aller jüdischen Gemeinden zur Aufbringung der durch Amortisation und Verzinsung der Anleihe entstehenden Kosten möglich und finanziell durchführbar. Vergessen wir nicht: es gibt viele Länder, deren Judenheit in ähnlich gelagerte Konflikte geraten kann, und deshalb geht es alle, nicht nur die deutschen Juden an- Verbleibt der zu kaufende Boden in der Hand eines vom Völkerbund zu schaffenden Kreditinstituts als Sicherung bis zur Rückzahlung der Anleihe, der Siedler als letzter Schuldner für das ihm zur Verfügung gestellte Kapital, für den die jüdische Gesamtheit in Vorlage tritt, und wird vor Investierung dieser Anleihe mit Transjordanien eine Vereinbarung getroffen, daß ein geringer Prozentsatz des Mehrumsatzes aus dem neu entstehenden Export und Import zur Tilgung verwendet wird, so erscheint es nicht unmöglich, eine solche Anleihe durchzusetzen. Aber auch die Beziehungen zu den in Transjordanien lebenden Arabern müssen von vornherein auf eine neue Basis gestellt werden. Gegen Aequivalente bestimmter Art, z. B. zur Vcrfiigungstellurig eines Prozentsatzes Bodens zu besonders günstigen Bedingungen, sollten wir uns bereiterklären, einen bestimmten Prozentsatz arabischer Jugend im Verhältnis zu unserer eigenen Einwanderung in unsere Siedlung aufzunehmen und sie so auszubilden, daß sie dann als Instruktoren und Träger der wirtschaftlichen Entwicklung ihres eigenen Volkes dienen können. Unsere Sachverständigen müssen sich rechtzeitig mit der Frage befassen, nach welchen Gesichtspunkten die Wirtschaft dieser transjordanischen Einwanderung aufzubauen ist. Sie muß landwirtschaftlich lebcnserhaltend und industriell eine Ergänzung und Steigerung der Entwicklung in Palästina sein. Wie z. B. eine moderne Viehzucht, die Wolle, Leder, Felle einer verarbeitenden Industrie in Palästina hcranbringt. Durchsetzen wir diesen Einwanderungsstrom mit erfahrenen Kolonisten und Arbeitern aus Palästina, dann sind alle Voraussetzungen für einen Erfolg und für Anregung des Wirtschaftslebens im Vorderen Orient gegeben. Es kommt jetzt alles darauf an: Finden wir eine positive Antwort auf die erdrückenden Schläge dieser Zeit, so sind wir ihren lehenszerstörenden Folgen nicht nur glücklich entgangen, sondern sie werden sich zum Segen unseres Volkes auswirken. Die Mineralquellen Palästinas Eine produktive Investierangsmögiichkeit Von Dr. Lachmann, Bad Landeck L Schl. Der Versuch einer Oeffnung Transjordaniens für jüdische Siedlung kommt gerade in einem Augenblick, in dem zahlreiche, aus Deutschland verdrängte Juden neue Investierung»■!Höflichkeiten für ihr Kapital und neue produktive Schaffens• gebiete suchen. So soll hier auf ein Gebiet hingewiesen werden, daß noch wenig bekannt und beachtet, doch aber aussichtsreich und vielversprechend ist, wie bekannte Tat■ sacken aus Europa beweisen: die Verwertung der palästinensischen Heilquellen, von denen einige von sehr bemer• kenswertem Char3kter sich gerade in Transjordanien, unweit der Ostgrenze des heutigen Mandatsgebiets befinden. Eine aus• führliche Darstellung des ganzen Fragcnbercichs erscheint dem• nächst von mir in der Wiener Zeitschrift ״Palästina"; hier sei nur kurz das Wichtigste davon skizziert. Es handelt sich nicht darum, neue Kurorte in Palästina zu schaffen. Für diesen Zweck ist Liberias eine genügend große Aufgabe, und das jüdische Volk sollte ihre Größe und Bedeutung besser erkennen und sie zu fördern suchen. Denn nur von der Art und Weise, in der der Ausbau von Tibcrias vor sich gehen wird, hängt es ab, ob daraus ein Kurort von Weltbedeutung wird, oder ob in der bisherigen primitiven Weise weiter vorgegangen und so den konkurrierenden Nachbarkurorten Zeit zur Ueberfliigclung und endgültigen Verdrängung von Tibcrias gegeben wird. Hier sei aber vor allem auf diejenigen Mineralquellen Mn• gewiesen, die sich ihrer Natur nach dazu eignen, nach sach• gemäßer Fassung in Flaschen abgefüllt und versandt zu werden. Derartige Quellen können dann je nach ihrer Art und Zusammensetzung entweder als reine natürliche Tafel• Wässer auf den Markt kommen oder auch als eigentliche H e i I w ä s s e r, wie sievon Europa her ja in Millionen von Flaschen zum Versand gelangen, und wie sie der Orient bisher noch nicht besitzt. Quellen, die sich für die eine oder andere dieser beiden Verwendungsmöglichkeiten hervorragend eignen dürften, be• sitzt Palästina auch in seinem heutigen Bereich an verschie• denen Stellen. Aber gerade im Ostjordanland liegen einige derartige Quellen, die nach den bisher vorliegenden unvoll• ständigen Analysen erwarten lassen, daß sich für sie eine medizinische Verwertung und damit ein aussichtsvoller Markt finden lassen dürfte. So gibt cs z. B. nahe der Mündung des Jabbok in den Jordan bei El-Machrük eine derartige Quelle, eine zweite gegenüber Jericho, die heute (wie viele dieser Quellen) Ain el-Hammäm heißt, weiter vermutlich unter den zahlreichen Quellen an der Ostscite des Toten Meeres, wobei nicht gerade an Zcrka Main oder Zara gedacht ist. Aber im Wadi Ham Jra, bei Ain Suweme und an der Siidwestecke des Toten Meeres bei Ain ei Miroha sind noch Quellen bekannt, die vermutlich eine ganz andere und viel weiterreichende Verwendung finden können als man heute ahnt.!Diesen Problemen sollte sich der Unternehmungs• geist und das Kapital der ans!Deutschland kommenden Juden zuwenden. Hier ist nicht nur Gewinn zu erzielen, sondern hier kann auch auf einem weiteren Gebiet Palästina von der europäischen Einfuhr unabhängig gemacht werden. Denn es darf nicht vergessen werden, daß jede derartige Quellindustrie zugleich Raum für eine Reihe von Nebenbetrieben gibt: Her• Stellung von Flaschen oder anderen Versandgefäßen, von Verschlüssen, Verpackungsmaterial und Kisten, Belebung des Transportwesens usw. Voraussetzung für jedes derartige Unternehmen ist ’freilieh, daß es unter durchaus sachverständiger Leitung steht. Zunächst, muß eine genaue Analyse der betreffenden Quellen Anhaltspunkte geben, aus denen der erfahrene Balncologe sein Urteil über die Möglichkeiten der Verwertung gewinnt. Dann ist die Quelle je nach dem Zweck, dem sie dienen soll, so zu fassen, daß eine absolute Garantie für ihre Konstanz in Menge und Zusammensetzung gegeben ist; eine Aufgabe, die keineswegs von einem nicht für Mineralquellen spezialistisch vorgcbildcten Tiefbatiingcriieur zu lösen ist. Dann bedarf es zur Einführung der Quelle in Aerztekreiscn einer medizinisch• wissenschaftlichen Propaganda, die zwar zunächst an ander■ weitig mit ähnlichen Quellen gewonnene Erfahrungen anknüpfen kann, aber dann auch durch wissenschaftliche Unter• Stichlingen, die an den jüdischen Krankenhäusern des Landes mit Leichtigkeit anzustcllcn wären, gestützt werden muß.!Die Geschichte der bekanntesten Heilbrunnen Europas lehrt, wie ungeheuer groß die Aussichten sind, die sich hier jüdischer Initiative eröffnen. Auch auf diesem Gebiet sollte sich jüdische Intelligenz und jüdischer Unternehmungsgeist im eige• nen Lande betätigen, wenn ihm an anderer Stelle der Lebens• faden abgeschnitten zu werden scheint. Lernt hebräisch! Tausende von Juden in Deutschland haben den Entschluß gefaßt, nach Palästina auszuwandern. Neben der Sorge um die neue Existenz ja ganz anders gearteten Verhältnissen gilt es für diese Juden, noch mit einem anderen Problem fertig zu werden: Mit der Sprache des jüdischen Pali• stina. Die Kenntnis der hebräischen Sprache ist für die Auswanderer zu einer Lebensfrage geworden. Ohne Hebräisch gibt es kein Verwurzeln im Lande, keinen Zugang zum öffent• iichen Leben, zur Literatur, Presse, Theater und Wissenschaft. Aber nicht nur für die Palästina-Auswanderer ist der hebräische Unterricht zu einer unumgänglichen Notwendigkeit geworden. Die Erneuerung der Verbindung der deutschen Juden mit altem jüdischen Kulturgut und der Anschluß an das neue kulturelle Schaffen in Palästina können nur durch die hebräische Sprache vermittelt werden. Hebräisch ist die Forderung der Stunde! Die BZV. will dieser Forderung entsprechen. Sie jrrün• det hebräische Sprachkurse, die sich wie folgt gliedern: 1. Systematische Kurse zur gründlichen Erlernung der hebräischen Sprache. Gruppen mit höchstens je 12 Teilnchmem zweimal in der Woche zu l'/2 Stunden, Preis RM. 3. 2. Schnellkurse für die in absehbarer Zeit nach Palästina Auswandcrnden^ die der Erwerbung des zunächst not• wendigen Wortschatzes zur ersten Verständigung im L.andc dienen und eine Grundlage für die weitere sprachliche Fortbildung schaffen sollen. Gruppen mit höchstens je 8 Teilnehmern, dreimal in der Woche zu 1'; Stunden, Preis RM. 4.50. 3. Konversationszirkel, in denen die erworbenen Kenntnisse durch Konversation und Lektüre vertieft werden können. Einmal in der Woche. Eintrittspreis 10 Pfg. pro Abend. Allen diesen Kursen liegt eine neuzeitliche pädagogische Methode zugrunde. Meldungen täglich von 6—7 Unr persönlich im Büro der BZV., Meinekcstraße 10, damit der Kursuslciter Schüler je nach den vorhandenen Kenntnissen in die verschie• denen Stufen einteilen kann. Anfänger können sich auch schrittlieh unter der Angabe der gewünschten Kursart und der für den Unterricht gewünschten Zeit melden. Es werden Kurse für Vormittag, Nachmittag und Abend eingerichtet. Berlin« Zionistische Vereinigung,

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