Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 34,לn tv.933 ן JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 169 Wieviel kostet ein Haushalt in Palästina? Von unserem palästinensischen Korrespondenten. gl. Tel-Awiw, 18. April!933. Wieviel braucht man zum Leben in Palästina? Diese Frage wird heute oft gestellt, von Menschen, die schon in Palästina sind, und von solchen, die kommen möchten. Wollen wir versuchen, eine Antwort zu geben. Zuerst einmal; eine allgemein gültige Antwort gibt es natürlich nicht. Die individuellen Ansprüche, die Lebensgevvohnheiten, der Standard sind ganz verschieden. Man darf auch nicht aus besonders günstigen Fällen eine Norm machen, sondern muß einen Durchschnitt annehmen; jeder einzelne wird mit seinen besonderen Gewohnheiten und Ansprüchen, aber auch seinen Kräften zu arbeiten und sich umzustellen, rechnen müssen. Die Lebenskosten werden heute sowohl in den Städten wie in den Kolonien gesteigert durch die hohen W 0 h - nungs mieten. Der Posten für Miete nimmt schon seit langem einen unverhältnismäßig großen Teil im Budget des Arbeiters und des kleinen Mannes ein. In letzter Zeit, wo die Ansprüche gestiegen sind und die Einwanderung breiter wird, spitzt sich das Problem immer schärfer zu. Wie in der Zeit der großen Einwanderung von 1925/27 ist es außerordentlich schwer, eine erschwingliche Wohnung zu bekommen. Es wird zwar überall im Öltempo gebaut, aber die Nachfrage steigt ebenso schnell. Da jetzt ein großer jüdischer und nichtjüdischer Touristenstrom durch das Land geht, ist es so voll, daß die Unterbringung mit normalen Mitteln nicht zu bewerkstelligen und man zu speziellen Aktionen gezwungen ist. Mit dem Abschwellen der Touristensaison wird diese Frage etwas leichter werden. Man kann damit rechnen, daß die Baubewegung auch in diesem Jahre anhält und damit ein neues Angebot entsteht, so daß die Preise sich auf der exorbitanten Höhe von heute kaum halten werden. In jedem Falle muß aber der Ein- Wanderer damit rechnen, daß es nicht leicht ist, eine entsprechende Unterkunft zu finden und daß diese ziemlich teuer bezahlt werden muß. Man rechnete vor wenigen Wochen im Durchschnitt auf jedes leere Zimmer £ 2. Bei der gewaltigen Nachfrage ist diese Summe als die untere Grenze anzusehen. Bei größeren Wohnungen kommt auf ein Zimmer ein niedrigerer Preis. Kleinwohnungen sind relativ wenig zu haben. Oft wird ein Zimmer und Nebenräume gewünscht, solche Wohnungen gibt es aber nicht. Auch abgeschlossene Zweizimmerwohnungen sind nicht häufig. Für eine Drci/immerwohnung muß man heute £ 6—7 rechnen, für größere entsprechend mehr. Möblierte Zimmer gibt es sehr wenig. Meist werden die Zimmer leer vermietet und der Einwohner schafft sich dann die nötigen Möbel — es handelt sich dabei in der Regel nur um das allernötigste — wie Bett, Tisch, Schrank, selbst an, da er die Dinge ohnehin braucht. Ein Unternehmen, das es sich zum Ziel macht, billige Klein* Wohnungen herzustellen, hätte heute vermutlich gute Aussichten. Für Verpflegung muß man, bei gutem und ausreichendem Essen ohne Luxusansprüche, auf die Person gegen £ 3 rechnen. Für Hilfe im Haushalt als Gehalt £ 3 und Verpflcgung. Es ist nicht üblich, daß die Hausgehilfin auch im Hause übernachtet. Es wird — oder es sollte — eine feste Arbeitszeit eingehalten werden. Billiger ist die hier und da anzutreffende Arbeit von Kindern oder von Angehörigen der orientalischen Gemeinden wie Jemeniten. Für eine vierköpfige Familie ergibt sich also folgende Rechnung: eine Dreizimmerwohnung £ 6, Verpflegung für vier Personen £ 12 inklusive Feuerungsmaterial und Wäsche, Gehalt und Essen für Hausgehilfin £ 6. Dazu kommen Steuern und Licht, die sich zusammen auf ungefähr £ 1 belaufen. Für Schulgeld im Gymnasium gegen £ 2 im Monat, in Volksschulen die Hälfte. Dazu kommt Kleidung und Nebenausgaben, so daß man für eine vierköpfige Familie des Mittelstandes mit gegen £ 30 im Monat zu rechnen hat. Wir betonen hierbei, daß es sich um Mittelständler handelt, die einigermaßen bequem und auskömmlich wohnen wollen. Wenn die Hausfrau die Arbeit selbst besorgt, verbilligt sich das Leben bedeutend. Ueberhaupt läßt sich bei sparsamem Wirtschaften und Kenntnis der Verhältnisse hier und da ein Pfund sparen. Auch mit £ 25 kann sich eine Familie auskömmÜch einrichten, aber gerade bei neuen Einwanderern, die von früher ein bequemes Leben gewöhnt sind, empfiehlt es sich, die Summe nach oben abzurunden. Was die Haushalte über £ 30 angeht, so brauchen sie uns hier nicht zu interessieren. Einwanderer mit einem Einkommen, das ihnen einen höheren Standard als den hier angegebenen ermöglicht, können sich ebenso bequem und behaglich einrichten wie irgendwo sonst in der Weit, da das Land genügend entwickelt ist, um den entsprechenden Komfort zu bieten. Dagegen ist es wichtig, sich mit der Situation derer zu befassen, die weniger besitzen oder verdienen als die angegebene Summe. Die Arbeiterorganisation besitzt eine Gehaltsskala, die als die Basis für einen gehobenen Arbeiter angesehen werden kann. Sie rechnet für einen einzelnen Menschen mit £ 7Vs, wobei gegen £ 2 für ein Zimmer, £ 2’{■ für Verpflegung und der Rest für Kleidüng. Zeitungen, Nebenausgaben zu rechnen ist. Für eine Familie von vier Köpfen beläuft sich der Gehaltssatz auf ungefähr £ 15, wobei gegen £ 3—4 auf Wohnung entfallen, gegen £ 7—8 auf Essen, der Rest auf Schulgeld, Kleidung, Nebenausgaben usw. Mit dieser Skala ist selbstverständlich keineswegs die untere Grenze erreicht, sie reicht noch absolut für eine geordnete und bescheidene Existenz aus. Der Arbeiter in der Fabrik hat in den meisten Fällen für seine Familie mit £ 8 auszukommen und der ungelernte Arbeiter ln einer Kolonie rechnet mit nicht mehr als durchschnittlich £ 5—6 im Monat. Dabei ist es natürlich nur möglich, den primitiven Ansprüchen zu genügen, die .Wohnverhältnisse^ sind keineswegs befriedigend, die Arbeit ist schwer, die Lcbensverhältnisse stark beengt. Nur für junge Leute, die sich völlig umstellen wollen, die bereit sind, ganz bescheiden zu leben und dabei schwer zu arbeiten, wird diese Lebensweise in Betracht kommen. Noch eine Nachbemerkung, die vielleicht von Wichtigkeit ist: das Leben ,,auf dem Lande" sieht in. Palästina ganz anders aus als in Deutschland. In unentwickelten Gegenden, wie zum Beispiel in den Kolonien in Galiläa, bedingt es starke Primitivität, Verzicht auf viele Selbstverständlichkeilen europäischer Zivilisation. Anders ist es in den heute vorgeschrittenen Arbeiterwirtschaften im Emek, die bereits Häuser besitzen und damit beträchtliche Erleichterungen bekommen haben. Hier wird sich jedoch nur der ein gliedern können, der mit seinem bisherigen Leben völlig zu brechen, sich auf eine andere Arbeitsart, andere Lebensformen, andere Bedingungen umzustellen bereit ist. Wer in die alten Kolonien zieht, in eines der großen Orangendörfer in Judäa geht, wird auch dort beide bemiem leben können, aber kaum billiger als in der Stadt. Billiger wird das Leben dort nur, wenn man selbst imstande ist, einen Teil der Lebensmittel für die eigene Wirtschaft wie Hühner, Eier. Gemüse usw. selbst za prodtizicren. Um zusarnmenzufassen: eine Familie mit Ansprüchen des Mittelstandes kann mit £ 25—30 einigermaßen auskommen. Der Hausstand eines gehobenen Arbeiters für vier Köpfe rechnet mit einer Ausgabe von ungefähr £ 15. Eine Familie, die mit weniger auskommen muß, muß sich — vor allem was Wohnung betrifft — stark einschränken. Eine der wichtlgstcn Ersparnisse wird dann erreicht, wenn die Hausfrau imstande ist, ohne Hilfe ihr Haus zu besorgen. FBr Ansiedler!(! deutscher Joden Jerusalem, 24. April. (J.T. A.) Unter dem Vorsitz des Mitglieds der Exekutive der Jewish Agency, Emanuel N e 11 m a n, wurde am 23. April in Jerusalem eiiie Beratung abgchalten, an der u. a. der Vorsitzende des Direktoriums des Keren Kajemetli, M. M. Ussischkin, der Direktor des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke, Herr Pinchas Ruthenberg als Vertreter der Palesfine Electric Corporation, sowie Vertreter des Waad Leumi und des Verbandes deutscher Juden in Palästina teilnahmen. Die Teilnehmer an dieser Beratung gelangten zu völliger Ucbereinstimmung hinsichtlich der Durchführung der von der Londoner Exekutive der Jewish Agency aufgcstelltcn großzügigen Pläne zur Ansicdlung deutscher Juden in Palästina. Bis zum 19. April waren, wie aus Jerusalem gemeldet wird, in Palästina etwa 500 Juden aus Deutschland eingetroffen. Eine große Zahl deutscher Juden ist noch nach Palästina unterwegs. Fast mit jedem Schiff treffen in den palästinensischen Häfen neue Gruppen jüdischer Einwanderer aus Deutschland ein. Wesen des Antisemitismus Von Theodor Herz!. In seiner Broschüre ״Der Judenstaat" (erschienen 1896) hat Theodor Hcrzl mit denjenigen Juden polemisiert, die ihm einwandten, die Lage der Juden (insbesondere in Deutschland) sei gar nicht so schlecht und werde sich mit der Zeit immer mehr verbessern, so daß cs falsch sei, überhaupt von einer ״Judenfrage“ zu sprechen. In diesem Zusammenhang legte Herzl dar, wie e r die Lage der Juden sieht. Dieses Kapitel aus seiner Broschüre, das, heute gelesen, an einzelnen Stellen geradezu verblüffend prophetisch wirkt, bringen wir nachstehend zum Abdruck. Bed. Die Notlage der Juden wird niemand leugnen, in allen Ländern, wo sie in merklicher Anzahl leben, werden sie mehr oder weniger verfolgt. Die Gleichberechtigung ist zu ihren Ungunsten fast überall tatsächlich aufgehoben, wenn sie im Gesetze auch existiert. Schon die mittelhohen Stellen im Heer, in öffentlichen und privaten Aemtern sind ihnen unzugänglich. Man versucht, sie aus dem Geschäftsverkehr hinauszudrängen: ״Kauft nicht bei Juden!” Die Angriffe in Parlamenten, Versammlungen, Presse, auf Kirchenkanzeln, auf der Straße, auf Reisen — Ausschließung aus gewissen Hotels — und selbst an Unterhaltungsorten mehren sich von Tag zu Tag. Die Verfolgungen haben verschiedenen Charakter nach Ländern ,und Gesellschaftskreisen. In Rußland werden Judendörfer gebrandschaizt, in Rumänien ersehlägf man ein paar Menschen, in Deutschland prügelt man sie gelegentlich durch, in Oesterreich terrorisieren die Antiserhit'e'n das ganze öffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in Paris knöpft sich die sogenannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles schließen sich gegen die Juden ab. Die Nuancen sind zahllos. Es soll hier übrigens nicht eine wehleidige Aufzählung aller jüdischen Beschwerden versucht werden. Wir wollen uns nicht bei Einzelheiten aufhalten, wie schmerzlich sie auch seien. Ich beabsichtige nicht, eine gerührte Stimmung für uns hervorzurufen. Das ist alles faul, vergeblich und unwürdig. Ich begnüge mich, die Juden zu fragen: Ob es wahr ist, daß in den Ländern, wo wir in merklicher Anzahl wohnen, die Lage der jüdischen Advokaten, Aerzte, Techniker, Lehrer und Angestellten aller Art immer unerfraglicher wird? Ob es wahr, daß unser ganzer jüdischer Mittelstand schwer bedroht ist? Ob es wahr, daß gegen unsere Reichen alle Leidenschaften des Pöbels gehetzt werden? Ob es wahr, daß unsere Armen viel härter leiden als jedes andere Proletariat? Ich glaube, der Druck ist überall vorhanden. In den wirtschaftlich obersten Schichten der Juden bewirkt er ein Unbehagen. In den mittleren Schichten ist es eine schwere dumpfe Beklommenheit, in den unteren ist es die nackte Verzweiflung. Tatsache ist, daß es überall auf dasselbe hinausgeht, und es läßt sich im klassischen Berliner Rufe zusammenfassen: Juden raus 1 Ich werde nun die Judenfrage in ihrer knappsten Form ausdri'icken: Müssen wir schon ״raus"? und wohin? Oder können wir noch bleiben? und wie lange? Erledigen wir zuerst die Frage des Bleibens. Können wir auf bessere Zeiten hoffen, uns in Geduld fassen, mit Gottergebung abwarten, daß die Fürsten und Völker der Erde in eine für uns gnädigere Stimmung geraten? ich sage, wir können keinen Umschwung der Strömung erwarten. Warum? Die Fürsten — selbst wenn wir ihrem Herzen ebenso nahestehen wie die anderen Bürger — können uns nicht schützen. Sie würden den Judenhaß indossieren, wenn sie den Juden zu viel Wohlwollen bezeigten. Und unter diesem ״zu viel“ ist weniger zu verstehen, als worauf jeder gewöhn liebe Bürger oder jeder Voiksstamm Anspruch hat. Die Völker, bei denen Juden wohnen, sind alle samt und sonders verschämt oder unverschämt Antisemiten. Das gewöhnliche Volk hat kein historisches Verständnis und kann keins haben. Es weißt nicht, daß die Sünden des Mittelalters jetzt an den europäischen Völkern heimkommen. Wir sind, wozu man uns in den Ohetfi gemacht hat. Wir haben zweifellos eine Ueberlegenheit im Geldgeschäfte erlangt, weil man uns im Mittelalter darauf geworfen hat. Jetzt wiederholt sich der gleiche Vorgang. Man drängt uns wieder ins Geldgeschäft, das jetzt Börse heißt, indem man uns alle anderen Erwerbszweige abbindet. Sind wir aber in der Börse, so wird das wieder zur neuen Quelle unserer Verächtlichkeit. Dabei produzieren wir rastlos mittlere Intelligenzen, die keinen Abfluß haben und dadurch eine ebensolche Gcsellschaftsgefahr sind wie die wachsenden Vermögen,. ■ Künstler und Professoren Die Ausschaltung der Juden aus dem wissenschaftlichen und künstlerischen Leben in Deutschland schreitet unaufhaltsam vorwärts. Durch die Beurlaubungen an den Hochschulen, deren erste Listen veröffentlicht wurden, sind — neben mehreren Nichtjuden — eine große Zahl Juden aus dem Lehramt entfernt worden. Bisher haben sich in Deutschland nur vereinzelte Stimmen gegen diese Maßnahmen erhoben. Viel beachtet wurde der Brief von Wilhelm Furtwängler an Dr. Goebbels, der gegen ein Hineintragen politischer Elemente in das Kun stieben Einspruch erhob. Furtwängler will nur den Gegensatz von guter und schlechter Kunst gelten lassen, nicht aber die Abstammung des Künstlers als maßgebend anerkennen. Außer Furtwängler hat kein bedeutender Künstler in Deutschland öffentliche Erklärungen gegen die Ausschaltung von Juden abgegeben. Eine Reihe von Hochschullehrern haben ihre Aemter niedergelcgt, was man wohl auch dahin deuten darf, daß sie mit den neuen kulturpolitischen Richtlinien und auch mit der summarische!■ Am eba'Umg der Juden nicht einverstanden sind. Von jüdischer Seite hat bisher nur der Nobelpreisträger, Prof. Franck, einen öffentlichen Protest eingelegt. Franck, einer der bedeutendsten Physiker der Welt, hat der Presse einen Brief übergeben, den er 3n den Rektor der Göttinger Universität geschrieben hat und worin es heißt: ״Ich habe meine Vorgesetzte Behörde gebeten, mich von meinem Amt zu entbinden. Ich werde versuchen, in Deutschland weiter wissenschaftlich zu arbeiten. Wir Deutsehen jüdischer Abstammung werden als Fremde un# Feinde des Vaterlandes behandelt. Man fordert, daß unsere Kinder kl dem Bewußtsein aufwachsen, sich nie als Deutsche bewähren zu dürfen. Wer im Kriege war, soll die Erlaubnis erhalten, weiter dem Staat zu dienen. Ich lehne es ab, von dieser Vergünstigung Gebrauch zu machen, wenn ich auch Verständnis für den Standpunkt derer habe, die es heute für ihre Pflicht halten, auf ihrem Posten auszuharren.'* Nunmehr veröffentlichen, wie T. IJ. meldet, ״einige Göttinger Hochschulprofessoren“ eine Erklärung zu dem Rücktritt Francks: ״Wir Unterzeichneten Göttinger Dozenten sind der Ansicht, daß dieser Schritt allgemein, insonderheit aber der Satz: ״Wir Deutsche jüdischer Abstammung werden wie Fremde und Feinde des Vaterlandes behandei t“, eine erhebliehe Erschwerung der innen- und außenpolitischen Arbeit unserer Regierung der nationalen Erhebung bedeuten kann. Wir sind uns einig darin, daß die Form der obigen Rücktrittserklärung einem Sabotageakt gleiclikommt und hoffen, daß die Regierung die notwendigen Rrinigungsmaßnahmen beschleunigt durchführen wird.“ An dieser Erklärung, deren Unterzeichner nicht genannt werden, ist nur merkwürdig, daß sic meint, die Oeffentiichkeit (auch des Auslandes) erfahre erst aus Prof. Francks Kundgebung, was in Deutschland über Juden und Judentum gesagt wird. Daß die Juden ״Feinde des Vaterlandes“ seien, ist doch eine in Zeitungen und Reden häufig vorkommende Formel, und wenn z. ß. ein Gesetz, das Juden von den Hochschulen ausschUcßt, genannt wird ״Gesetz zum Schutze vor UebCr f r e m d u n g“, dann ist doch nicht Prof. Franck dafür verantwortlich, daß die Juden in Deutschland als ״Fremde“ bezeichnet werden. Interessant ist auch, daß gleichzeitig mit dieser Göttinger Erklärung die_ neuen Maßnahmen veröffentlicht werden, durch die eine Reihe von Hochschuliehrern (auch an der Göttinger Universität) beurlaubt werden. Daß ein so weltberühmter Gelehrter wie Prof. Franck einer etwaigen Entlassung zuvorkommt und außerdem sich mit seinen Kollegen solidarisiert, sollte doch auch im anderen Lager als Akt des Ehrgefühls und der Ritterlichkeit gewertet werden. In aller Kürze Dr. Weizmann ist auf seiner Rückreise aus Pa« lästina nach London in Rom cingetroffen. Dr. Chairn Arlosoroff ist am 27. April nach Europa abgereist. Seine Reise steht im Zusammenhang mit den von der Exekutive der Jewish Agency cingdeitetcn Finanzaktionen. Im Laufe des ersten Vierteljahres 1933 haben sich 135 jüdische Studenten aus 17 Ländern uni Aufnahme in die Universität Jerusalem beworben; davon 57 aus Polen, an nächster Stelle stand Amerika, an dritter Deutschland. Am 19. April fanden am heb■־:: Ivb.'11 T 0 c h ׳■ i k 11 in in Haifa die Diplom-Prüfungen in Anwesenheit des High Commissioner Wauehope statt. Der High Comniissioner hielt eine Ansprache, in der er die Bedeutung des Technikums für die Entwicklung Palästinas würdigte. Am 18. April wurden in Jerusalem die hebräisehen Schulen wieder eröffnet. Der Waad Leumi führt Verhandlungen mit der Regierung und der Jewish Agency, um die finanzielle Basis des hebräischen Schuhverks zu sichern. Der griechischorientalische Erzbischof von Saloniki, Ghenadios, hat eine P a! ä s t i n ar e i s e angetreten. Erzbischof Ghenadios, der viele Freunde in jüdisehen Kreisen besitzt, hielt in einer zionistischen Versammlung in Saloniki einen Vortrag, in dem er eine Parallele zwischen der griechischen und der jüdischen Erneuerungsbewegung zog. Im Hafen von Jaffa sind am 18. April 80 jüdische Einwanderer cingetroffen. 13 von ihnen wurde von den Einwanderungsbehörden die Landungserlaubnis verweigert. Der Oberste Moslemische Rat hat beschlossen, die Patriarchengruft bei Hebron, in der anläßlich eines vor einigen Wochen verübten Einbruchs Beschädigungen angerichtet wurden, wiederhcrstcllen zu lassen. Der Rat hat zunächst 500 Pfund für diesen Zweck bewilligt. Vor seiner Abreise aus Palästina hielt der indische Mohammedanerführer Sehaukat A 1 i in der Omar-Moschee eine Ansprache, in der er die Mohammedaner Palästinas aufforderte, lieber ihr Leben zu opfern, als den Juden Land zu verkaufen. ln der letzten Sitzung des American Econorri' Committee for Paicstine entwickelte dessen Präsident Israel B. Brodle den Plan, eine jüdische Anleihe in der Flühe von etwa 15 Millionen Dollar zur Beschleunigung der landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung Palästinas aufzunehmen. Eine Kommission von Fachleuten soll einen Plan hierfür ausarbeiten,. Nach langjähriger Krankheit starb in Bukarest der Generalsekretär des Verbandes der jüdischen Gemeinden Altrumäniens und der ]üdischen Gemeinde Bukarest, M. Schwei«.