Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 34 (28.4.1933)
- Date
- 1933-04-28
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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168 •״■״c JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 34, 28. IV. 1933 Warum tut das die DAZ? Zur judendebaiie im englitchen Unterhaus Die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ hat sich in den letzten Wochen innerhalb der deutschen Presse eine besondere Position erworben, weil sie als unabhängiges nationales Blatt, das stets eine positive Bewertung des Nationalsozialisnius irn Staatsleben vertreten hat, nach Antritt der neuen Regierung die Möglichkeit hatte, freier und offener zu sprechen als so manches früher liberale Blatt. Es muß anerlrannt werden, daß die ״D. A. Z.“ bestrebt ist, auch gegen Andersdenkende gerecht zu sein und auch was die Judenfragt betrifft, die deutsche Oeffentlichkeit auf Gefahren aufmerksam zu machen, die in der Begeisterung der neuen Zeit leicht gcringgeschätzt werden, insbesondere in bezug auf di« Außenpolitik. Die ״D. A, Z.“ hat z. B. öfter darauf hingewiesen, daß die Behandlung der Juden in Deutschland eine direkte Gefahr für die deutschen Minderheiten im Auslände bildet, weil fremde Regierungen, die einen Vorwand zur Unterdrückung ihrer deutschen Minderheiten suchen, sich auf Deutschlands Haltung gegen die jüdische Minderheit berufen. Auch verschiedene Aeußcrungen des Auslandes hat die ״D. A. Z.“ richtiger zu bewerten vermocht als andere Organe. Darum muß es um so peinlicher erscheinen! wenn der Londoner Korrespondent der ״D. A. Z.“ in manchen Berichten den Eindruck erweckt, als ob für die wahren Anschauungen der Engländer in bezug auf die Judenfrage die Unterhaus-Debatte vom 13. April nicht charakteristisch sei. Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, die Redner dieser Debatte seien nicht für England repräsentativ. Diese Behauptung des Kornspondenten der ,,D. A. Z.“ wurde bereits von der Londoner ״Times“, die gewiß als maßgebendes Organ zu bewerten ist, befremdet und nicht ohne Ironie registriert. Nun aber veröffentlicht die .,D. A. Z.“ in ihrem Sonntagblatt vom 23. d. M. ,,Zwei Briefe aus Eng- I a ת d“, die sich bemühen, dieselbe Behauptung nachzuweisen. Man muß bezw eifeln, daß die Redaktion der ״D. A. Z.“ diese beiden Briefe ihrem Londoner Korrespondenten zur kritischen Ucherprüfimg vorgelegt hat, Denn Dr. Silex, der selbst ein interessantes Buch über England geschrieben hat, hätte wohl kaum?!!stimmen können, daß diese Briefe deutschen Lesern als englische Meinungsäußerung vorgrsetzt werden. Deutsche I o=er haben im allgemeinen wenig Kenntnis vom Ausland. Sie werden also leicht zu einer falschen Einschätzung verführt, und das liegt nicht im deutschen Interesse. Einer der Briefschreiber, Joseph Banister, schreibt: ,,Die Mitglieder unseres Unterhauses, die Ihre Regierung wegen ihrer Anstrengungen, die schlimme Macht der Juden einnischränken, angreifen, können nicht mit Recht als Vortreter irgendeiner Gruppe von Engländern angesehen werden“. Und dann gibt dieser Herr eine Aufzählung all dieser Politiker, und zeigt von jedem Einzelnen, daß er entweder 1 ude ist oder eine jüdische Wählerschaft vertritt, oder Ire ist oder irischer Abstammung oder Schotte oder Waliser usw., also alles, nur kein Engländer. Wo es schon gar nicht anders geht, z. B. hei dem einem alten englischen Adelsgeschlccht entstammenden C.!1 1! r c h! 11, heißt es: ״Winston Churchills Großvater mütterlicherseits, Jerome, soll ein ji'sdischer Finanzmann gewesen sein.“ Weiter: ״Sir John Simon ist Waliser und proiüdisch, Oliver Loeker-Lampson ist Eng- Linder und berufsmäßig projiidisch. Sir Austen Chamberfain erbte seines Vaters Monokel und seine Liebe für die Juden, *her nicht dessen Verstand.“ (Hier ist ״projüdiseh“ sowohl hei dem liberalen *1s auch bei dem konservativen Staatsmann so etwas wie eine Rassenhezelchntmg.) Bekanntlich sind Hefe englische Politiker, und darunter gerade solche, die immer für Deutschland eingetreten sind, Schotten, Waliser, Iren, Juden usw. Solche Männer wegen ihrer Abstammung 7u diffamieren, ist etwas, wofür man in England kein Verständnis hat, was dort nicht für ,,fair“ gilt, so diß dieser Brief aus Engfand, wie jeder auch mir oberflächliche Kenner Englands weiß, ein sehr ״u nengliseher“ Brief ist. Man leistet dein deutschen Vaterlande einen schlechten Dienst, wenn man die führenden Männer einer Macht, zu der Deutschland freundliche Beziehungen haben will und haben muß. in dieser persönlichen Weis״ vor dem deutschen Publikum herabsetzt find überdies die politische 1 Vteilshildung des eigenen Volkes in falsche Rahnen lenkt, was zu peinliehen Enttäuschungen führen kann. Daß im übrigen die Redaktion der ״D. A. Z.“ sich über die• Zweifelhaftigkeit solcher Argumente, wie sie ihr enrlrci.er Korrespondent und diese beiden Briefschreiber heuiitzen, nicht im unklaren ist, beweist der Abdruck des Artikels ,,Die Gefahr der Sicherheit“ in der Morgenausgabe von! 27. d. M . worin die letzte Unterhaus-Debatte ganz anders eingeschätzt wird. Warum also das sacrificlum in- ־fclledus? * Gegenüber den falschen Informationen, die wir in manclien deutschen Zeitungen — zum Schaden Deutschlands — finden, sei auf die Darstellung der ״F r a n k f. Z t g.“ hinf<:vd(־׳.et1. deren f ondoner Korrespondent in der Ausgabe vom 2T Aprii fe.tsteüt, daß die Redner der Unterhausdebattc und der Außenminister Sir John Simon leider das englische Volk hinter ' h haben. Lr schildert die Lage u. a. folgendermaßen: ,,Das englische Volk steht heute Deutschland mit starker Abneigung gegenüber. Sir John Simon, der selber' einer altenglischen Familie entstammt, hat als Gründe dafür ,die Behandlung der Juden und anderer Minoritäten‘ angegeben. England ist in seinem Verhalten gegenüber fremdartigen Menschen sicherlich kein Musterland. ... Die antijüdische b!immun,g, soweit sie besteht, macht sich hier lediglich in gesellschaftlicher Hinsicht geltend. Dem Engländer ist polit i s c 11 e r Antisemitismus etwas Wesensfremdes. Pc:! Juden staatsbürgerliche Rechte zu nehmen, kommt ihm nicht in den Sinn. Wenn derartiges in einem anderen Lande geschieht, so ist das gänzlich unverständlich. Daß auch Größen der Wissenschaft, der Kunst und beruflichen Erfahrung in Deutschland betroffen wurden, hat besonders befremdet und gerade in der für die gegenseitigen Bezichungen so wichtigen Gcisteswelt bisherige Freunde zu Gegnern gemacht. Die Propaganda englischer Juden hat mit der gegenwärtigen Abneigung der Engländer gegen- Ober Deutschland nichts zu tun. ... Für sie Ist die Proaganda etwas, was sic nicht angeht. Wenn sie si׳*h von Deutschland abwenden, so tun sie es, weil es dort zu gesetzliehen und administrativen Eingriffen gekommen ist, die sie in England für völlig unmöglich halten. Die Stimmung, die entstanden ist, ist tatsächlich sehr sei imm. ... Der Wille ist auf englischer Seite ganz gewiß rick. schlecht. Er war sogar bis vor kurzem ausgezeichnet. Großbritannien (und Arrkrilta, zu dem England eine geistige Pforte ist) brauchen wir, wenn wir auf dem Revisionswege v/öter vorwärts kommen wollen. In ihrer augenblicklichen Stimmung stellt sich jedoch die englische Oeffentlichkeit auf die Seite der Revisionsgegner. Pflicht politischer Klug- Itcit ist es deshalb für das deutsche Volk, sich England zu erklären. Da dies auf der Ebene gegenwärtiger Geschehnisse völlig unmöglich ist, warum dann «licht tiefer gehen, um bis zur Beruhigung der innerdeutschen Atmosphäre eine Verständigung wenigstens yorzubereiten?“ Außenpolitik und Judenfrage Der Berliner Vertreter der ״Frankfurter Zeitung“ stellt am 23. d. M. in einem sehr beachtenswerten Aufsatz ״Die Rückkehr nach Genf“ folgende Betrachtung über die Zusammenhänge der deutschen Außenpolitik und Judenfragc an: ״Die polnische Besetzung der Westernplatte in Danzig ist von England und Frankreich sehr energisch zurückgewiesen worden, allerdings in einer Zeit vor dem Judenboy* kott. Wir bezweifeln nicht, daß die großen europäischen Mächte nach wie vor — wenn vielleicht auch weniger spontan — entschlossen sind, jeden, der den internationalen Frieden bedroht oder stört, aufs schärfste in seine Schranken zu verweisen, aber es mag im Osten Leute geben, die davon nicht ebenso fest überzeugt sind wie wir und die deshalb im Trüben fischen möchten. Tri den Oststaaten kommt hinzu, daß die deutsche Behandlung der Judenfrage dort begreiflicherweise noch stärkere Wirkungen hervorruft als im Westen. Das Judentum in Polen schien bisher den militärischen Nationalismus nicht zu unterstützen, aber das könnte anders geworden sein. Aehnliches hört man aus Lit a u en, wo sich auch wirtschaftliche Folgen zeigen. All dies* entwickelt sich auf der Basis des Stimmungsum* Schwungs der Westmächte, der am deutlichsten bei den beiden angelsächsischen Nationen eingetreten ist und der sich in der Haltung und Sprache Frankreichs widerspiegelt. Wir haben früher wiederholt festgestellt, daß dieser für die Gesamflage maßgebliche Stimmungsumschwung der Westmachte keineswegs die Folge des Regierungswechsels in Deutschland ist. Selbstverständlich wirkte der Aufstieg Hitlers und der NSDAP, im Ausland alarmierend, denn man wußte zunächst nicht, was er für die Welt zu bedeuten habe. Diese war aber in ihren wichtigsten und mächtigsten Teilen im stärksten Maße aufnahmebereit für ein beruhigendes Wort und vor allem für eine gute internationale Politik des neuen Kanzlers. Denn man wußte allgemein: hinter dieser neuen Regierung steht die Macht zur Durchführung. Die große Kanzlerrede in der Kroil-Oper war ein guter Start in der richtigen Richtung, — die Boykottbewegung und alles, was an Worten und Taten mit ihr zusam in enhing, war es nicht. Die planmäßige Diskriminierung des gesamten deutschen Judentums — also nicht bloß die Aus- Schaltung der nachgewiesenermaßen schädlichen Elemente, seien sie jüdisch oder arisch — ist es ebensowenig. Mit Recht hat man sich gegen Greuelmärchen gewendet, aber wer im Ausland einigermaßen Bescheid weiß, der wird nicht leugnen können, daß• dieser verruchte Schwindel von abgeschnittenen Ohren oder was es sonst sei, in einem Lande wie Großbritannien sehr wenig, die bloße Tatsache eines planmäßigen und aggressiven Antisemitismus dagegen außerordentlich viel zu bedeuten hat. Mit der Abstellung der Greuelpropaganda ist deshalb sehr wenig getan, mit der Anerkennung des Verfassungsparagranhen, nach dem alle Deutsche vor dem Gesetz gleich sind, wäre dagegen sehr viel getan. Schließlich sind cs doch wir Deutschen, die seit Jahr und Tag um Gleichberechtigung, um Schutz der Minderheiten una um das Lebensrecht der Besiegten kämpfen — und wir wollen diesen Kampf gewinnen, wir wollen ihn uns nicht erschweren. Natürlich kann man der Meinung sein, dies alles gehe das Ausland nichts an, ja, mail kann auf das Urteil des Auslandes pfeifen — aber es ist uns in der deutschen Geschichte kein Staatsmann bekannt, der auf diesen Gedanken gekommen wäre. Wir aber sind von Gefahren umlauert, wir stehen allein in der Welt, niemand wird uns helfen, wenn wfr uns nicht selbst helfen, indem wir nach außen hin Brücken schlagen. Dies muß die große Aufgabe der deutschen Außenpolitik sein . . Nene Unterhaus-Anfragen Ober Deutschland London, 26. April. (W. T. B.) Im Unterhaus wurde heute dem Außenminister die Frage vorgelegt, ob er bereit sei, mitzuteilen, welche Berichte er über die Lage der Juden in Deutschland habe. In seiner Antwort wies Sir John Simon darauf hin, daß er häufig Berichte der britisehen Auslandsvertreter über die innenpolitische Lage derjenigen Länder erhalte, in denen sie akkreditiert seien. Wie er bereits in seiner Antwort auf eine Anfrage vom 12. April festgestellt habe, könne man es im allgemeinen nicht für wünschenswert halten, den Charakter dieser Berichte offenzulegen: ein derartiges Vorgehen entspreche auch nicht den Gepflogenheiten. Der liberale Abgeordnete Jänner legte dann dem Außenminister die Frage vor, ob die deutsche Regierung in irgendeinem Bericht in Abrede gestellt habe, daß sie gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland eine Politik der Diskriminierung betreibe mit dem Ziel, sie schließlich von allen Arten des Erwerbs in Deutschland auszuschließen. Das Mitglied der Nationalen Arbeiterpartei Holford-Knight fragte dann Sir John Simon, ob er die Gelegenheit wahrgenommen habe, den deutschen Botschafter von der tiefen Anteilnahme in Kenntnis zu setzen, die England an der Diskriminierung der Juden und anderer politischer Persönlichkeiten in der Rechtspflege nehme. Der Sprecher unterbrach hier den Abgeordneten Holford-Knight mit der Bemerkung zur Geschäftsordnung, daß diese Frage über die schriftlich formulierte Anfrage hinausgehe. Der Abgeordnete der Arbeiteroppositbn Thorne legte Simon die Frage vor, ob er aus den bereits eingegangenen Berichten die Ueberzeugung gewonnen habe, daß in Deutschland die Juden unter erheblichen Verfolgungen zu leiden hätten. Sir John Simon erwiderte: Wenn ich die hier aufgeworfene Frage umfassend beantworten wollte, 8נ würde es dem Unterhaus klar werden, daß es sich um äußerst heikle Dinge handelt. Ich wiederhole, was ich in der letzten Debatte über diese Frage vor Ostern sagte, daß ich nämlich der Ueberzeugung bin, die Gef ft hie der englischen Oeffentlichkeit seien in den damals gehaltenen Ansprachen genügend zum Ausdruck gekommen. Allenby In Tel-Awiw Jerusalem, 23. April, (J.T. A.) Anläßlich seines Besuches in den jüdischen Kolonien Rcchoboth und Beer Tuvia erklärte der Eroberer Palästinas, Feldmarschall Lord A 11 e n b y, den zu seinem Empfang erschienenen ehemaligen Mitgliedern der jüdischen Legion, er werde sich bei den maßgebenden Stellen nachdrücklich für die Forderung der jüdischen Legionäre, Boden der Palästina-Regierung zu Sicdiungszwecken zugetcilt zu bekommen, einsetzen. Am 21. April traf Allenby in Tel-Awiw ein, wo ihm von der Bevölkerung ein enthusiastischer Empfang bereitet wurde. In Gegenwart einer unübersehbaren Menschenmenge hielt der Bürgermeister Dizcngoff eine Begrüßungsansprache und teilte mit, daß die Stadt Tel-Awiw Allenby zu ihrem Ehrenb ü r g e r ernannt habe. Lord Allenby sprach seine Bewundertmg über die von den Juden in Palästina entwickelten schöpferischen Fähigkeiten, die u. a. zu dem raschen Aufblühen Tei-Awiws geführt tiabcn, au*. Jüdischer Kongreß in Polen Warschau, 24. April. (J.T.A.) In Warschau wurde am 23. April ein Kongreß der jüdischen Gemeinden una Organisationen Polens eröffnet, der einberufen worden war. um zur Lage der Juden in Deutschland Stellung zu nehmen. An dem Kongreß nahmen 852 Delegierte, und zwar 724 Delegierte von 36t jüdischen Gemeinden und 128 Vertreter verschiedener jüdischer Organisationen, sowie Tausende von Gästen teil. Der Kongreß wurde durch eine Ansprache Dr. J. Gottliebs im Namen des Komitees der jüdischen Gemeinden und Oranisationen, an das sich unmittelbar vor dem Kongreß auch er Klub der jüdischen Abgeordneten im polnischen Sejm angeschlossen hatte, und das nunmehr aus zwei Mitgliedern des jüdischen Parlamentsklubs, zwei Vertretern der Agtidah und je einem Vertreter der jüdischen Wirtschaftsorganisasationen, des Misrachi und der jüdischen Presse besteht, eröftnet. Die Juden, sagte Dr. Oottlieb u. a., hegen keinerlei Haß gegen irgendein Volk, auch nicht gegen das deutsche. Sie kämpfen gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland, aber sie kämpfen nicht gegen das deutsche Volk. Auch zur deutschen Minderheit in Polen stünden die Juden in keinerlei Gegensatz. Die Juden haben sich an den zwischen Polen und Deutschen in letzter Zeit stattgefundenen Zusammenstößen nicht beteiligt und sie tragen keinerlei Verantwortung für diese Vorkommnisse. Auch in ihrem jetzigen ihnen aufgezwungenen Kampfe dürften die Juden, die stets als Vorkämpfer des Friedens auftraten, die gebotenen Grenzen nicht überschreiten. Dr. Gottlieb gab seiner Befriedigung über die auf diesem Kongreß zustande gekommene Einigung sämtlicher Riehtungen des polnischen Judentums Ausdruck und umriß in großen Linien die Aufgaben des Kongresses. Diese bestünden u. a. darin, die Lage der deutschen Juden zu studieren, eine Hilfsaktion zugunsten aus Deutschland ausgewanderter Juden zu organisieren und Maßnahmen zur Regelung der lüdischen Auswanderung aus Deutschland zu treffen. Ein großer Teil des Auswandererstromes müsse nach Palästina gelenkt w׳erden. Gerade die deutschen Juden mit ihrer honen Kultur, ihrem reichen Wissen und ihren mannigfaltigen Fachkenntnissen könnten für den Aufbau des jiidisehen Landes ein Segen werden. Deshalb müsse d!e_ Forderung nach freier Einwanderung nach Palästina an die Mandatarmacht gerichtet werden. Nach eingehender Aussprache wurde eine Reihe von Entschließungen angenommen, die der Sympathie mit dem deutschen Judentum Ausdruck gaben und praktische Hilfsmaßnahinen für deutsche Juden, u. a. Ansiedlung in Palästina, Vorschlägen. Der Warschauer Korrespondent der Londoner ״Time s“ stellt fest, daß dies der größte jüdische Kongreß war, der je in Polen stattgefunden hat. Deutsche and Jaden in Polen Lodz, 23 .April. (J.T. A.) Das Komitee der Zionistischen Organisation für Lodz und Umgebung veröffentlicht eine vom Abgeordneten Dr. Rosenblatt und Rabbiner Brande Unterzeichnete Erklärung, in der es heißt: ״Die Juden mißbilligen durchaus jeglichen Terrorakt. Die Lodzer Juden verurteilen schärfste 11s die gegen deutsche Institutionen in Lodz verübten Terrorakte und richten an die Führer der Lodzer Deutschen die Aufforderung, den von verbrecherischen Elementen verbreiteten Gerüchten, durch die Haß zwischen Juden und Deutschen in Polen erzeugt werden soll, entgegenzutreten. Der jüdische Deputierte Rosenblatt hatte mit dem dcutsehen Abgeordneten von Lodz, Uta, eine Besprechung betreffend die von Deutschen in den letzten Tagen gegen Juden in Lodz verübten feindseligen Akte. Von beiden Seifen wurde zum Ausdruck gebracht, daß die deutsche und die jüdische Bevölkerung in Polen miteinander ln Frieden leben müssen und sich durch niemanden dahin beeinflussen lassen dürfen, eine feindliche Haltung gegeneinander einzunehmen. Den Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Lodz, Abgeordneter L. Minzenberg, hatte eine Besprechung mit dem Lodzer evangelischen Stadtvikar Pastor Dietrich. Minzberg he tonte nachdrücklich, daß die jüdische Bevölkerung mit den von polnischer Seite verübten Anschlägen gegen das deutsche Gymnasium und die Redaktionen der deutschen Zeitungen in Lodz absolut nichts zu tun habe. Pastor Dietrich versprach, die ihm gegebenen Aufklärungen an das deutsche Komitee weiterzuleiten. Das Lodzer Kreisgericht hat bisher insgesamt 52 Personen wegen Teilnahme an den in letzter Zeit dort gegen Juden verübten Ausschreitungen zu Gefängnisstrafen von einer Woche bis mehreren Monaten verurteilt. Czernowltzer Maklcabi-Kamplspiele Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandes in London bat folgenden Aufruf erlassen: Die Makkabl-Kampfspiele des Weltverbandes ״Makkabi“ finden Im August 1933 in Cemauti, Rumänien, statt. Sie stellen den ersten Auftakt der umfassenden turnsportlichen Vorbereitungen für die zweite Makkabiah dar, welche im wo die fördernde Teilnahme breiter jüdischer Massen zu erwarten ist. Lord Henry Melchett, unser Ehrenpräsident, und Ladv Erleigh haben das Protektorat der MKS. in Cernauti übernominen und ihre Teilnahme am Feste steht fest. Das technische Programm und die Bestimmungen der Kampfspiele sind vor sechs Wochen allen Landeskreisen zugesandt worden. Anfragen über das turnsportliche Programm sind zu richten an ing. R. Pacovsky, Praha II, Klimentska 9/III. Informationen Über Reise, Unterkunft und Verpflegung wird der veranstaltende Verein Makkabi Cernauti in den nächsten Tagen erteilen. In einer Zeit schwerer Bedrängnis des Judentums ruft der Weltverband Makkabi seine treue und bewährte Gefolgschaft in der Welt zur inneren und äußeren Sammlung auf. Die MKS. in Cernauti sollen eine würdige Kundgebung der jüdischen Jugend der Welt werden, welche Schicksalbewußt und in Treue zum angestammten Volke in den Reihen des Weltmakkabi steht. Wir erwarten von Euch. Makkabim und Makkaboth, daß Ihr, einer für alle und alle für einen, die Verpflichtung und Verantwortung für das Gelingen ’der Makkabi-Kampfspiele 1933 in Cernauti erfüllen werdet. Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandes. Ing. R. Pacovsky. Dr. H. Leiewer. Lord Henry Melchett. Wegen des 1, Mal erscheint die nächste Nummer der *JiJdiKbeii Rundschau“ ata eben Tag verspätet. «