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Jüdische Rundschau · 1933-04-25 · Heft 33 (25.4.1933) · p. Seite 162

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 33 (25.4.1933)
Date
1933-04-25
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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Seite 162 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 25. IV. 1933 Dieser Boden kann nur das Judentum sein. Viel• leicht gelingt es uns dann, nach Jahren oder Jahrzehn• ten die Besten unserer Mitbürger auch zu überzeugen, daß das, was sie an uns verwarfen, nicht ״Judentum“ war, sondern Begleiterscheinungen einer seelischen Haltlosigkeit, die durch die assimilatorische Loslösung vom Judentum entstanden waren. Niemand kann sich heute mehr der Notwendigkeit der Gründung jüdischer Schulen entziehen. Aber der Aufbau dieses Schukverkes muß in kundige Hände gelegt werden. Wenn das Ziel nicht klar vor Augen steht, dann besteht die Gefahr, daß wir jüdische Schulen bekommen werden, widerwillig eingerichtet von Mensehen, die noch gestern fanatische Gegner dieses Planes waren und auch heute noch nicht umgclernt haben, Schulen, in denen das jüdische Kind wieder heimatlos sein wird, weil nichts geschieht, um es zu jüdischem Stolz und jüdischem Wissen zu erziehen. Unsere Schulen müssen so sein, daß sie den Namen ״jüdisch“ verdienen. Jüdische Schulen in dieser Zeit sind kein bloßes Notstandswerk und keine bloße Verwaltungsaufgabe, sondem eine kulturelle und moralische Sache ersten Ranges. Sie müssen daher von einer geistigen Autorität geleitet werden, und durch entsprechende Vorkehrungen und Einrichtungen muß Sorge dafür getragen werden, daß Erziehung und Unterrieht auch in entlegene isolierte Orte gelangen, wo jüdische Familien noch mehr als anderswo auf innere Stütze und seelischen Rückhalt angewiesen sind. Wenn wir von dieser Aufgabe reden, so sprechen wir nicht im Namen einer jüdischen ,,Partei“, sondern wir sind überzeugt, daß wir die elementaren Bedürfnisse aller deutschen Juden vertreten. Worauf warten die deutschen Juden? Die Notwendigkeit, um die es geht, ist sogar unabhängig von dem Schulgesetz, dessen wir gewärtig sind. Wir haben noch nichts von einer Initiative der sogenannten ״Reichsvcrtretung der deutschen Juden“ in dieser Sache gehört. Die jüdische Ocffentlichkeit ist beunruhigt, die Eltern wissen nicht, was sie tun sollen. Der Jüdische Schulverein, der auf diesem Gehiete bereits Erfahrungen hat, sollte unverzüglich mit Vorschlägen hervortreten. Wir verstehen, daß die deutschen Juden deprimiert sind. Aber gerade auf dem Gebiet, von dem wir hier sprechen, darf nichts aus der Depression heraus geschehen, sondern wenn wir die geschichtliche Bedeutun״ der Wende vor Augen haben und das Ziel, auf das wir jetzt nach dem Zusammenbruch einer Epoche hinsteuern, erkennen, dann muß man mit Ent husiasmus an die Sache herangellen. Das Judentum muß sich von einer großen geistigen Bewegung ergreifen lassen, und aus dieser Bewegung heraus müssen die Institutionen entstehen, die uns in eine neue Epoche hinübertragen und ein Bollwerk sind der Unvergänglichkeit des jüdischen Geistes. Jüdische Studenten bet Mussolini Rom, 21. April. (J.T. A.) Durch die Initiative des faschistischen Studentenverbandes in Bologna wurde eine Reise der an der dortigen Universität inskribierten atisländisciien Studenten nach Rom Veranstalter. Die ausländischen Studenten der Universität Bologna sind zum größten Teil Juden ans R u m 11 נ i c ti, U n g a r n, Polen und anderen Ländern. Nach ihrem Eintreffen in Rom marseitierten die jüdischen Studenten in geschlossenem Zuge unter Vornntra giing einer blau-weißen Fahne durch die Haupt- Straßen der Stadt, Aut dem ('trabe des Unbekannten Soldaten legten sie einen Kranz nieder. Sie wurden von Mussolini empfangen, der sich mit ihnen angelegentlich über studentische untl allgemein jüdische Fragen unterhielt. Vor ihrem Abschied vom Fnüenbchcn MinNterpriKidenten sangen die jüdischen Studenten die Hatikwah. (Das faschistische Italien gewahrt bekanntlich ausländischen jüdischen Studenten besondere Vers:ünstigiinvcn an seinen Universitäten, schon im Interesse i*ilicni'cher Kultunropagnitda. Auch viele p a 1 ä s t inensisehe Juden studieren in Italien und werden dort mit besonderer Freundlichkeit aufgenommen. — Red.) ״Das Judentum hat Iflr Jahrhunderte ausgespieli“ Unter der Uebcrschrift ״Die Abrechnung mit dem Judentum“ veröffentlicht der Preußenführer der Nationalsozialisten und Oberpräsideiit von Berlin, Wilhelm Kube, im Preu- Bischen Pressedienst der NSDAP, einen Artikel, in dem es heißt, daß das Judentum in Deutschland der zäheste Vcü teidiger des schwarz-rot-goldenen Systems gewesen sei. Das Kaisertum der Hohcnzollern sei jtidenfreundlich gewesen und daran zugrunde gegangen. Die Republik von Weimar war j u d c 11 h ü r i g und sei darum daran noch schneller zugrunde gegangen. Das Dritte Reich Adolt Hitlers lehne das Judentum ab und werde darum dauern. Denken wir .daran so erklärt Kube, was das Judentum noch vor kurzer Zeit Deutschland zu bieten wagte. 14 Jahre lang habe die preußische Justiz bereitwillig im Dienste des Judentums gestanden. Die nationalsozialistische Revolution, so sagt Kube zum Schluß, sei notwendig gewesen, um das Volk vor dem Untergang zu bewahren. Der Jude möge sich wieder daran gewöhnen, besehe! den und unbeachtet im Rahmen deutscher Gesetze seinein Gewerbe nachzugehen. Er danke es nur der staatsklugen Leitung Hitlers und der Disziplin, wenn ihm im großen und ganzen nichts passiert sei. Aber es solle keine falsche Objektivität zum Schaden des Volkes vorwalten. Das Judentum habe in Deutschland für Jahrhunderte ausgespielt. Zu diesem Artikel ist von jüdischer Seite zu fragen, welchem Gewerbe eigentlich der Jude nachgehen soll, da ihm doch heute so gut wie jede Betätigung im Wirtschaftsleben verschlossen wird. Die Verdrängung aus der Wirtschaft Wir erhalten ständig von Lesern und Freunden aus ganz Deutschland Dokumente aller Art, aus denen hervorgeht, daß die wirtschaftliche Situation jixdischerGeschüft sie ute sich auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens in rapidem Maße verschlechtert. In verschiedenen Orten werden FlUgzettel des ״Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes“ verteilt, die dazu auffordern, nicht bei Juden, sondern nur bei Deutschen zu kaufen. Oft werden diese Flugzettel, wie uns z. B. aus Krefeld berichtet wird, vor jüdischen Geschäften verteilt, so daß niemand die jüdischen Geschäfte zu betreten wagt. Beamten, Angestellten und Arbeitern kommunaler Betriebe ist in vielen Orten verboten, bei Juden zu kaufen oder jüdische Prefessionalisten zu beschäftigen. An manchen Orten mußte von den Angestellten eine derartige Versicherung schriftlich abgegeben werden. Wieder anderwärts wird jüdischen Händlern die Ausübung ihres Gewerbes dadurch unmöglich gemacht, daß man ihnen mitteilt, ״sie mögen mit Rücksicht auf die politische Lage und die sich daraus ergebenden Folgen für die öffentliche Sicherheit auf die Ausübung ihres Gewerbes freiwillig verzichten“. So z. B. hat in Kottbus der Magistrat eine gedruckte Mitteilung dieser Art versandt, worin den jüdischen Marktfiranten ״dringend abgeraten“ wird, den vom 23. bis 26. April in Kottbus stattfindenden Frühjahrs-Jahrmarkt zu besuchen, ״da eine Garantie dafür nicht übernommen werden kann, daß in jüdischen Geschäften ein Verkauf vom Publikum unbehindert stattfinden kann“. Die in den Kölner Ausstellungs hallen cröffnete Musterschau wurde unter der Devise ״Kauft deutsche Waren“ veranstaltet, was aber in diesem Falle nicht nur bedeuten soll, daß man Im wirtschafts-politischen Interesse ausländische Importwaren durch Inlandsware ersetzt, sondern es ist mit dieser Parole, wie offen zugegeben wird, eine Ausschaltung der jüdisehen Geschäfte gemeint. Der ״Kölner Kurier“ vom 13. April stellt fest, daß die Formulierung ״Kauft nicht bei Juden“ zwar von niemandem klar ausgesprochen wurde, aber deutlich erkennbar sei. Dieses Blatt bezeichnet im übrigen die Ausschaltung der jüdischen Geschäfte für unzweckmäßig und kommt zu dem Schluß, daß ״die Kölner Woche 1933 unter einem politischen und nicht unter einem wirtschaftlichen Aspekt“ stattfinde. Die OefFenllichkeit hat sielt bisher hauptsächlich niit der Lage der Juden in den freien Berufen (Aerzte, Anwälte) beschäftigt, es muß aber betont werden, daß auch in anderen Berufen, wo eine gesetzliche Einschränkung nicht vorliegt, durch administrative Verfügungen und durch tatsächliche Behinderungen die Juden von der Erwerbsmöglichkeit ausgeschlossen sind. In diesem Zusammenhang kann nur andeutimgswcise auf die schwere Lage jüdischer Ange* stellt er hingewiesen werden, die —־ zum Teil sogar fristlos — wegen ihres Judentums entlassen wurden. Es erhebt sich die Frage, was aus all diesen plötzlich depossedierten Menschen werden soll. Wenn das jetzt übliche Verfahren bestehen bleiben sollte, dann ist mit einer beispiellosen materiellen Notlage der jüdischen Bevölker u n g zu rechnen, die selbst durch eine gigantische Hilfsaktion nicht zu bezwingen wäre. Ausschaltung der Juden aus dem Handel Wie der Reichsverband des Deutschen Groß- und U e b e r s ec h a n d e 1 s mitteilt, wurde unter Mirwirkting des vom Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes bestellten Kommissars Erich Wi'dt, der bereits die Gleich- Schaltung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und des Reichsverbandes ambulanter Gewerbetreibender Deutschlands durehgeführt hat, nunmehr auch die Gleichschaltung des Großhandels unter Vornahme der entsprechenden personellen Veränderungen vollzogen. Die vierte Spitzenorganisation des Handels, die der Handelsvertreter, hat ihre Zustimmung zur Glcichschaltung grundsätzlich schon erklärt. Aus Frankfurt a. M, wird gemeldet, daß der Führer des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand in der Generalversammlung der Einzelhandels-Gemeinschaft Hessen- Nassau-Süd die Leitung des Vorstandes übernommen hat. Der Beauftragte der NSDAP, referierte über di« Neuorganisation der Einzelhandels-Gemeinschaft, bei der entsprechend den Richtlinien des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand folgende Grundsätze zu beachten seien. Im Vorstand aller wirtschaftlichen Vereinigungen und Fachverbände müssen die Angehörigen der NSDAP, mit mindestens 51 «'0 vertri len sein, von den restlichen 49®:״ sind Juden grunds ä t z I i c 11 ausgeschlossen. Juden sind von der Betrauung mit Posten als Geschäftsführer von Verbänden ausgeschlossen. Soweit noch Angehörige der jüdischen Rasse in Geschäftsführerposten tätig sind, sind sie 2u entlassen. Keine jüdischen Studenten Wie der ״Deutschen Allgemeinen Zeitung“ berichtet wird, hat der badische Kultusminister angeordnet, daß vom kommenden Sommersemester ab keine weiteren jüdischen Studenten an badischen Hocnschulen ei ■ g ’schrieben werden dürfen. Wolff-Büro meldet aus Dresden: Im Hinblick aut den bevorstehenden Erlaß eines Reiebsgesctzes, durch das der Neuzugang von Personen nichtarischer Abstamm u n g zu den Hochschulen und höheren Schulen beschränkt werden soll, hat der Beauftragte des Reichskomtnissars für das Ministerium für Volksbildung bestimmt, daß bis auf weiteres die Immatrikulation solcher Personen bei den wissenschaftlichen Hochschulen und ihre Neuaufnahme bei den höheren Schulen auszusetzen ist. Wie das städtische Presseamt in Kassel mitieilt, werden in Zukunft an den städtischen höheren Lehranstalten nichtarische Schüler nur noch im prozentuellen Verh ä 11 n i s der nichtarischen zur allgemeinen Bevölkerung aufgenommen. Die bereits eingeschriebenen Schüler werden von dieser Maßnahme nicht betroffen. Auf Beschluß des Stadtrates von Braunschweig werden jüdische Schüler und Schülerinnen in die städtischen höheren Schulen so lange nicht mehr aufgenommen, bis der Prozentsatz der jüdischen Schüler dem der jüdischen Einwohner gleichkommt. Jüdische Schüler, die das Klassenziel nicht erreichen, werden von der Schule entfernt. Schulgelderlasse oder sonstige Vergünstigungen sollen jüdischen Schülern und Schülerinnen grundsätzlich nicht gewährt werden. Palästina-Notfoads tOr deutsche Jaden London. 20. April. (J. T. A.) Die Exekutive der Jewish Agency für Palästina hat eine großzügige Aktion zur An- Siedlung deutscher Juden, die infolge der Uni- Wälzung in Deutschland ihre Heimat verlassen mußten, eiageleitet. In einem Aufruf, der die erste Kundgebung der Jewish Agency zur Lage der Juden in Deutschland darstellt, wendet sie sich an Zionisten und Nichtzionisten mit der Aufforderung, einträchtig zusammenzuwirken, um binnen kürzester Frist die Mittel zur Durchführung dieses An- Siedlungswerks aufzubringen. Ein besonderer Palästina- Notfonds für deutsche Juden soll in Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Organisationen und führenden jüdischen Kreisen geschaffen und damit die Einwanderung und Ansiedlung Tausender deutscher Juden in Palästina gesichert werden. Deutschland, so heißt cs in dem Aufruf, ist ein Haupt- Zentrum jüdischer Not, die zu jüdischer Auswanderung führt, geworden. Wohl haben die Nachbarländer Deutschlands vorläufig eine Anzahl von Flüchtlingen aufgenommen, aber die Masse der aus Deutschland zu erwartenden Auswanderer steht, ebenso wie die jüdische Wanderung als Ganzes, vor der Schicksalsfrage: Wohin? Während im Mittelalter die Länder Osteuropas, im 19. Jahrhundert die überseeischen Länder ihre Tore jüdischer Einwanderung offen hielten, stehen wir heute einer Welt gegenüber, die uns fast vollständig verschlossen ist. Unsere größte Hoffnung ist heute Palästina mit seiner sich stetig entwickelnden Land- Wirtschaft und Industrie, seiner ununterbrochen steigenden Fälligkeit, jüdische Einwanderer aufzunclimen. Die Führer der zionistischen Bewegung und der Jewish Agency erachten es in diesem Augenblick als ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der gesamten zivilisierten Welt im Lieht der jüngsten Ereignisse auf die überragende Bedeutung Palästinas für die grundsätzliche und durchgreifende Lösung der Judenfrage zu lenken. Die Führer der zionistischen Bewegung und der Jewish Agency sind aufs äußerste hemiiht, größtmögliche Einwandcrungserleichterungcn seitens der Mandatarmacht zu erlangen, und geben sich der zuvorsichtlichen Hoffnung hin, 1m Laufe der nächsten Woeben neben dem ständigen Einwandererstrom aus Osteuropa cinigen tausend jüdischen Männern und Frauen aus Deutschland die Einwanderung nach Palästina ermöglichen zu können. Hilfsaktion des Joint Distribution Committee New York, 19. April. (J. T. A.) Im Gemeindehaus;■ der Synagogengcincinde EmanU-E! in New York fand eine vom American Jewish Joint Distribution Committee ein• berufene Versammlung statt, zu der über 750 Delegierte der dem Committee angesclilosscneri Organisationen erschienen waren. Es wurde beschlossen, neben der bisher vom Committee geleisteten großzügigen Hilfe- und Aufbautätigkeit in Osteuropa, die ungeschmälert weitergeführt werden soll, eine neue Hilfsaktion philanthropischer Art für deutsche Juden zu eröffnen. Mit der Leitung der Hilfsaktion wurde das europäische Büro des Joint Distribution Committee betraut und ihm gleichzeitig die Weisung erteilt, bei seiner Tätigkeit in dauernder enger Fühlung mit den jüdischen philanthropischen Organisationen in Deutschland zu bleiben. Der Vizepräsident des Joint Distribution Committee, James N. Rosenberg, betonte in seiner Eröffnungsansprache nachdrücklich, daß das Committee ebenso wie andere Organisationen seiner Art, etwa das Rote Kreuz und ähnliche Verbände, nichts mit politischen Dingen zu tun habe. Dementsprechend werde sich auch diese Konferenz ausschließlich mit der Erörterung von Hil 1 s- Problemen befassen. Auf der Konferenz wurden dann eine Reihe von Ansprachen gehalten. Ausschaltung jüdischer Aerzte Das Reichsarbeitsininisterium, dem die Entscheidung über die Zulassung der Aerzte zur Kassenpraxis zusteht, hat die Neuzulassung von Aerzten jüdischer Abstainm u 11 g durch eine allgemeine Anweisung gesperrt. Die Regelung der Frage, in welchem Umfang die bisher ztifclassenen nichtarischen Aerzte weiterhin Kassenpraxis ausüben dürfen, wird, wie vom Reichsarbeitsministerium mitgeteilt wird, auf Grund einer Beratung mit den ärztliche■! Berufsorganisationen, insbesondere mit dem Hartmann-Btinil und dessen neuen Vorsitzenden, Dr. Wagner, getroffen werden. Die Aufgaben des ins Reichsarbeitsministerium berufenen Dr. Hacdenkamp vom Verband der Aerzte Deutschlands erstrecken sich — wie der ״P. O. Z.“ berichtet — nahezu ausschließlich auf die Reorganisation des Aerztcwcsens innerhalb der Krankenkassen und sonstigen Sozialversichcrungsträger. Maßgebend für diese Arbeit sind in erster Linie die Grundsätze des ״Gesetzes für die Wiederherstellung des Benifsbcamtentums“. Was die Ueberprtifuugen anbelangt, so sollen hier entsprechend der Regelung für Beamte und Anwälte die jüdischen und kommunistischen Kassenärzte von der kassenärztlichen Täligkeit ausgeschlossen werden. Aus nahmen für die jüdischen Aerzte sind in den Fällen zulässig, in denen es sich entweder um Frontkämpfer oder Aerzte handelt, die ihrer ärztlichen Betätigung während des Krieges an der Front und in den Lazaretten nachgegangen sind oder die sich bereits am 1. August 1914 in Deutschland niedergelassen hatten. Zahlenmäßig gesehen, dürften heute in Deutschland insgesamt etwa 50000 Aerzte amtieren, von denen 40 000 auf die Kassenpraxis entfallen. Die Gesamt• zahl der jüdischen Aerzte in Deutschland bewegt sich um 7000 herum, von denen etwa 6000 kassenärztlich tätig sind. Bezüglich der späteren Neuzulassung zur ärztlichen Kassenpraxis nach Durchführung der Säuberung gelten dann sinngemäß die Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederher- Stellung des Berufsbeamtentums, insbesondere des Arier- Paragraphen, unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Gesetzes, das die Zulassung zur Anwaltschaft regelt um! das demnach bei den Kassenärzten ebenfalls sinngemäß angewandt werden würde. Die Anzahl der aus der Kassenpraxis ausscheiderulen jüdischen und kommunistischen Aerzte wird sich erst in etwa einem Vierteljahr übersehen lassen Die notwendig werdenden Entlassungen werden jedoch nicht überstürzt, sondern nach und nach vorgenommen. Sie kännen auch in den Fällen hinausgeschoben werden, in denen durch die Entlassung die ärztliche Versorgung der Bevölkerung gefährdet würde. in Nr. 32 der ״Jüdischen Rundschau“ gaben wir eine Meldung der ״D. A. Z.“ vom 19. d. M. wieder, worin über die Reden der Justizminister Kerrl und Frank bei einer Konferenz in München berichtet wurde. Dieser Bericht ist in der ״D. A. Z.“ von offizieller Seite berichtigt warden. Insbesondere habe Justizminister Kerrl nicht erklärt, daß die Prüfung der Gesuche der jüdischen Anwälte noch ״jahrelang dauern“ werde.

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