Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 32 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 32, 21. IV. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 157 Landwirtschaftliche Siedlung Von Dr. Arthur Ruppin (Jerusalem) Möglichkeiten für deutsche Jaden (Vorbemerkung des Verfassers.) Der folgende Artikel war bereits vor einiger Zeit geschrieben, er gewinnt aber jetzt durch die Ereignisse in Deutschland besondere Aktualität. Palästina kann denjenigen Juden in Deutschland, deren Existenzaussichten durch die neue politische Wendung zerschlagen sind, zur Zuflucht werden, falls sie bereit sind, zur Landwirtschaft überzugehen und die dafür erforderlichen Voraussetzungen erfüllen. Zu diesen Voraussetzungen gehört bei Leuten, die infolge ihres Alters oder mangelnder physischer Kraft zu schwerer Arbeit nicht geeignet sind, sondern dafür Lohnarbeiter beschäftigen müssen, bei bescheidener Lebenshaltung ein Kapital von mindestens £ 3000; bei jungen, kräftigen Leuten im Alter bis zu 30 Jahren, die sich noch auf die Landwirtschaft und auf ein hartes und entbehrungsreiches, aber friedliches und mit der Natur verbündenes Leben umstellen können, ein Kapital von £ 1000 bis £ 1200; bei jungen, kräftigen Leuten von 16 bis 20 Jahren, die mindestens während eines Jahrzehntes als Lohnarbeiter und in der eigenen Wirtschaft weit über das durchschnittliche Maß hinaus arbeiten und sich in dieser Zeit mit dem baren Existenzminimum hegnügen müssen, ein Kapital von £ 400. Die beiden letzteren Kategorien sollen erst dann zur Begründung einer eigenen Wirtschaft schreiten, wenn sie während einer Probezeit von ein bis drei Jahren ihre Eignung für die landwirtschaftliche Arbeit bewiesen haben. Außer der Landwirtschaft kann die Industrie eine Existenzquelle für diejenigen werden, die gründliehe Fachkenntnisse und wenigstens einen erhebliehen Teil des erforderlichen Kapitals für einen Industriezweig haben, der in Palästina günstige Produktions- und Markt-Bedingungen hat. Ob dies zutrifft, kann nur von Fall zu Fall festgestellt werden. Die Aussichten für Akademiker (Aerzte, Zahnärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte) sind schlecht, da diese Berufe in Palästina bereits überfüllt sind. Rechtsanwälte werden außerdem nur nach einer Prüfung, die in englischer oder hebräischer Sprache abgehalten wird und eine längere Vorbereitung erfordert, zur Praxis zugelassen. Sehr geringe Aussichten bestehen auch für Detailkaufleute und kaufmännische Angestellte, da alle Handelszweige stark besetzt sind und Neuankömmlinge gegenüber den schon im Lande befindliehen, orts- und sprachenkundigen Handelstätigen einen schweren Stand haben. Handwerker, die in ihrem Fache tüchtig sind und mindestens £ 250 besitzen, finden in vielen Fällen noch ein Unterkommen. Ungelernte Arbeiter ohne Kapital werden nur im Rahmen der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit Palästinas auf Grund von Zertifikaten zur Einwanderung zugelassen. Kapitalisten, die ihr Geld in Palästina in sicheren Hypotheken langfristig anlegen wollen, können auf eine Verzinsung von 7—8 Prozent rechnen. Die Kosten des Lebensunterhalts einschließlich Wohnung, Kleidung, Steuern usw. betragen in einer Stadt im Durchschnitt für Familien von drei bis vier Seelen bei Arbeitern £ 10 monatlich, bei Familien von Handwerkern, kleinen Kaufleuten, Büroangestellten £ 15 bis 20, bei leitenden Angestellten, Aerzten, Rechtsanwälten £ 25 bis 50. In den landwirtschaftlichen Siedlungen sind die Kosten etwa 25 Prozent niedriger. Ein wichtiges Resultat unserer landwirtschaftlichen Kolonisation seit dem Weltkriege sind die E r f a 11 r 11 n g e n, die wir aus ihr gewonnen haben. Ohne auf die gewonnenen Erfahrungen in allen Einzelheiten einzugehen, sollen hier nur zwei Hauptmomente hervorgehoben werden: 1. Wir haben für die schweren und die leichten Böden in den Ebenen Palästinas Wirtschaftsformen gefunden, die der Eigenart des jüdischen Siedlers, den klimatischen Verhältnissen und den Erfordernissen des Marktes angepaßt und nach menschlicher Voraussicht imstande sind, dem Siedler dauernd eine angemessene Existenz zu gewähren. 2. Wir können heute die Ansiedlung mit viel geringeren Kosten durchführen als vor zehn oder sogar vor fünf Jahren. Das hängt mit dem allgemeinen Rückgang aller Preise, aber auch damit zusammen, daß wir heute eine Wirtschaft viel rationeller aufzubauen wissen und daß die inzwischen gegründeten Siedlungen Stützpunkte sind, von denen die neuen Siedlungen Nutzen ziehen können. Wenn wir uns fragen, welches in der Zukunft die Linie unserer Kolonisationstätigkeit sein soll, so zieht zurzeit unten den für jüdische Ansiedlung geeigneten Gebieten die Küstenebene, d. h. das Gebiet der Orange, in erster Reihe die Aufmerksamkeit auf sich. Außer ihr kommen die Akko-Ebene, der Emek Jesreel und die nördliche und mittlere Jordan-Ebene (Semach, Hule, Beisan) in Betracht, wo sich, besonders durch Vergrößerung und Intensivierung der bereits bestehenden Siedlungen oder im Anschluß an dieselben für eine beträchtliche Zahl neuer Siedler Platz schaffen läßt. Im vorliegenden Arti'%! soll zunächst die Kolonisation in der Küsten-Ebene behandelt werden. I. Vorzüge und Gefahren der Orangen-Kultur. Der Boden der Küsten-Ebene ist zu einem großen Teile leichter Sandboden, der für Getreide nicht geeignet ist, aber für die Pflanzung von Orangen ausgezeichnet paßt. Jede Kolonisation in der Küsten-Ebene muß deshalb wenigstens zu einem Teile die Pflanzung von Orangen in Betracht nehmen. Hier erhebt sich die Frage, ob eine Ansiedlern! auf Grundlage der!Orangenkultur nicht!rin zu großes Risikq in sich schließt, weil es für die sich gewaltig ausdehnende Orangenproduktion Palästinas in der Zukunft an Absatz fehlen könne. In der Tat hat sich die mit Orangen bebaute Fläche in Palästina, die im Jahre 1925 nur 30 000 bis 40 000 Dunam betrug, inzwischen auf etwa ISO 000 Dunam vergrößert, von denen allerdings zurzeit erst 40 — 50 000 Dunam zum vollen Ertrage gekommen sind. Die für Export in Frage kommende Orangenproduktion Palästinas, die int Jahre 1932/33 ungefähr 4י! Atillionen Kisten betrug, wird in dem Maße, wie die neuen Pflanzungen in das Ertrags- Stadium eintreten, im Laufe der nächsten 6 bis 8 Jahre aut 15 bis 18 Millionen Kisten steigen. Da auch die anderen Orangen produzierenden Länder (insbesondere Spanien und Florida) ihre Orangenpflanzungen außerordentlich erweitert haben, so ist es natürlich nicht ausgeschlossen, daß es der palästinensischen Orange in der Zukunft an Absatz fehlen kann. Hier liegt sicherlich eine nicht 711 unterschätzende Gefahr vor, und zwar nicht nur für neue Pflanzungen, sondern für die ganze Orangen-lndustrie Palästinas überhaupt. Denn ein Ueberangebot von Orangen oder die zeitweilige Sperrung gewisser Märkte aus Gründen der Finanzpolitik oder die j Einführung von Preferencetarifen zuungunsten der Palästinaj Orange kann einen katastrophalen Rückgang der Preise oder sogar die Unverkäuflichkeit eines Teiles der Produktion j herbeiführen. Ebenso kann ein zu großer Export von Früchten junger (6—Sjähriger) Pflanzungen, die in der Qualität hinter den Früchten älterer Pflanzungen Zurückbleiben, das Renomee der Jaffa-Orangen schädigen und ihre Konkurrenzfähigkeit vermindern. Aber andererseits nimmt der Orangenkonsmn in der Weit ständig zu. Bei der ausgezeichneten Qualität der Jaffa-Orange und bei der Hoffnung auf Senkung der jetzt sehr hohen Spesen vom Baum bis zum Konsumenten durch die Eröffnung des Haifaer Hafens und durch die Einfiihrung billigerer Verpackungsmethoden hat die Palästina- Orange im Konkurrenzkampf tim die Märkte relativ günstige Aussichten. Es ist auch ein Vorzug der Orange gegenüber anderen Waren, daß man viele Jahre vorher weiß, welche Mengen auf den Markt kommen werden und sich rechtzeitig um die Vergrößerung des Absatzes bemühen kann. Gegenwärtig ist die Kultur der Orange der lohnendste Zweig der palästinensischen Land- Wirtschaft, und sie kann besonders für den selbstarbeitenden Siedler, der keinen Arbeitslohn auszugeben braucht, auch dann noch lohnend bleiben, wenn in Zukunft die relativ hohen Preise der letzten Jahre auf den ausländischen Märkten einen Rückgang erfahren sollten. Ucberdies ist die Orangenkultur, deren Pflege ein hohes Maß von Umsicht und Intelligenz verlangt, für den jüdischen Siedler besonders geeignet. Schließlich aber spricht für die Orangenkultur, daß eine Siedlung auf Grundlage der Orangen- Pflanzung viel weniger Boden braucht als irgendeine andere Wirtschaftsform, und dies ist bei der Bodenknappheit in Palästina für eine große jüdische Siedlung von besonderer Wichtigkeit. Für Kapitalisten, die größere Beträge in der paliistinensischen Landwirtschaft anlegen wollen, die aber keine landwirtschaftlichen Kenntnisse haben, gibt es keine andere passende Anlage außer der Orangenpflanzung. Daß sie dabei ein Risiko laufen, kann nicht geleugnet werden. Aber es gibt heute nirgends ln der Welt eine Kapitalsanlage, die 1 0 0 G>? g e Sicherheit und gleichzeitig — wie die Orangenkultur in Palästina — die Möglichkeit eines relativ hohen Gewinnes bietet. Es ist außerdem anzunehmen, daß Kapitalisten nicht ihr gesamtes Kapital, sondern nur einen Ten desselben in Palästina investieren und auf diese Weise noch eine Reserve haben, wenn einmal schlechte Jahre kommen. Für die nichtkapitalistischen Siedler, die ihr kleines Vermögen und ihre ganze Arbeitskraft in ihre Wirtschaff hineinstecken, muß ein gewisses Gegengewicht gegen das Risiko der Orangenkultur dadurch geschaffen werden, daß diese Siedler nicht ausschließlich auf die Einnahmen aus der Orangenpflanzung angewiesen sind, sondern einen Teil ihres Lebensunterhalts aus Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Gemüsebau beziehen. Sie sollen bares Geld nur für solche Dinge (Tee, Zucker Kleidung) ausgeben, die sie nicht selbst prodozieren können, oder für Steuern und für geistige und medizimsche Bedürfnisse. Die Einnahmen aus der Orangenpflanzung sollen diese Bedürfnisse decken. II. Anlagekosten und Rentabilität der Orangenkultur. a) Einnahmen und Ausgaben bis zum Beginn der Fruchttragung. Boden in der Küstenebene kostet je nach Qualität und Nähe zu einer Stadt oder zu einer größeren Siedlung von £ 4 bis £ 20 pro Dunam. Die Bepflanzung eines Dunams durch Lohnarbeiter stellt sich bei sparsamer Wirtschaftsfiihrung einschließlich der Pflege in den ersten fünf Jahren auf £ 40 pro Dunam. Wenn mau als Preis für guten Boden in mittlerer Lage £ 15 annimmt׳, so kostet die Anlage eines Dunam Orangen also £ 55. ln den ersten fünf Jahren nach der Anpflanzung gibt die Orange keine Früchte und keine Einnahmen. Die Siedler müssen also in dieser Zeit von ihrem Kapital oder von Arbeitsverdienst leben. Vom 6. Jahre ab fängt die Orangenpflanzung an Früchte zu geben, und zwar im 6. Jahre im 7. Jahre im 8. Jahre im 9. Jahre 50 Kisten pro Dunam 65 Kisten pro Dunam 80 Kisten pro Dunam 100 Kisten pro Dunam vom 10. Jahre ab 120 Kisten pro Dunam. Die Ausgaben für Bearbeitung der Pflanzung betragen vom 6. Jjhre ab jährlich etwa £ 10 pro Dunam. Davon entfallen £ 4 aut Handarbeit, £ 6 auf sonstige Ausgaben (Dünger, Bewässerung usw.). In den letzten Jahren hat die Orange dem Pflanzer in Palästina pro Kiste vom Baum 4—5 Schilling, und in manchen Fällen noch mehr eingebracht. Aber cs ist unmöglich voraus- Zusehen, wie die Preise in der Zukunft sein werden. Alle Prophezeiungen darüber entbehren einer gesicherten Grundläge, weil für die Preisgestaltung Faktoren maßgebend sind, die sich jeder Voraussicht entziehen, wie z. B. die Gestaltung der Wirtschaftslage in den Hauptiinportländcrn, von denen die Kaufkraft der Massen abhängt, die Zollpolitik der Importländer, ihre Valutavorschriften usw. usw. Wenn wir im folgenden mit einem Preis von 31,; Schilling pro Kiste rechnen, so ist damit in keiner Weise behauptet, daß die Preise nicht auch unter diesen Betrag sinken können. Aber andererseits ist bei diesem Preise jedenfalls ein uewisser zukünftiger Preisrückgang schon diskontiert, Unter Zugrundelegung eines Preises von 3(4 Schilling pro Kiste erbringt ein'Dunam Orangen folgenden Reinertrag: Z«hl der Kielen Für den Siedler, der Lohnarbeiter beschäftigt Für den $* b»t* arbeitend*** Mittesst»nd>- ited er und Arbeitersied er im 6. Jahre nach d. Anpflanzung 50 £ 17, Verlust £ 23/* Gew.an *ל י■ tf *י ff ff 65 £ l!/,Gewinn £ 5*/4 M ®י I» #f ff ff 80 ״ 4 £ £ 8 O tt -7י »» #» f* ff 100 £ 71/s » ״ *£117 vom 10. Jahre ab 120 £11 £15 Bei dieser Berechnung ist vorausgesetzt, daß der Mittelstämller oder der aus dem I andarbeiterstande hervorgegangene Siedler die Handarbeit in der Pflanzung, die der kapitaüstischc Pflanzer durch Lohnarbeiter ausführen läßt, seihst verrichtet und dadurch die £ 4, welche diese Arbeit kostet, erspart. Der kapitalistische Siedler, der seine Pflanzung weder selbst verwaltet noch bearbeitet, muß zu den oben mit £40 pro Dunam angegebenen An'agckostcn der Pflanzung noch ungefähr £ 10 für Adniinistrntionsspesen hinzurcchnrn, ferner £30 als 7"'״ige kumulative Verzinsung des investierten Kapitals für die ersten sieben Jahre (dabei ist damit gerechnet, daß im 6. und 7. Jahre die Ertrage der Pflanzung die Ausgaben der Bearbeitung und Verwaltung decken und im 8. und 9. Jahre außerdem 6 7 Zinsen geben■). Ein Dunam Orangen kostet ihn also bis zur vollen Fruchttragung im 10. Jahre £'95. Von dem Reinerträge von £11 pro Dunam, den die Pflanzung vom 10. Jahre ab gibt, sind schätzungsweise £2''י für Administrationsspesen und Steuern abzuziehen. Fs verbleiben hiernach pro Dunam £ 8,500, was auf das invesiierte Kapital eine Verzinsung von ca. 0 "« ergibt. Diese Verzinsung ist zwar, verglichen mit den Zinssätzen in andeen Ländern, relativ hoch, unter den in Palästina zurzeit üblichen Zinsraten liegt sic aber schon nahe an der Grenze, wo die Orangcnpflanzung für das Privatkapital noch attraktiv ist Bei einem niedrigeren Preis pro Kiste würde die Orange ihre Anziehung sehr rasch verlieren, da sich bei einem Preise von 3 Schilling das investierte Kapital nur mit 5,8 ״'״, und bei einem Preise von 2י; Schilling nur noch mit 2,6 3״ ver• zinsen würde. Es bleibt unter diesen Umständen fraglich, ob es sich für Kapitalisten überhaupt empfiehlt, die von ihnen angelegten Pflanzungen nach der Fruchttragung unter eigenem Adniinistrafionssvstem zu explodieren, und ob es nicht für sie besser ist, die Pflanzung nacTi erreichter Fruchttragung in kleinen Parzellen zu verkaufen. Für den Käufer einer kleinen Parzelle, der seine Pflanzung selbst bearbeitet, stellt sich die Rentabilität durch Wegfall der Administrations* Spesen und des Arbeitslohnes für die Handarbeit in der Pflanzung erheblich besser. 111. Wirtschaftsform und Ansiedlungskosten. Für den Großbetrieb, hei welchem Kapitalisten oder kapitalistische Gesellschaften ihr Kapital in die Pflanzung investieren, aber alle Verwaltung und Arbeit durch Beamte oder Lohnarbeiter verrichten lassen, läßt sich eine reine. Rentabilitätsrechnung wie vorstehend aufstellen. Be! dem Kleinbetrieb liegt die Sache insofern anders, als hier der Besitzer der Pflanzung in dieselbe nicht nur Geld hineinsteckt, sondern sie mich seihst verwaltet oder so'-'ar auch selbst bearbeitet. Diese Kleinbetriebe lassen sich je nach dem Maße, in welchem der Besitzer eigene Arbeit in die Pflanzung hineinsteckt, in drei Kategorien teilen, die wir als Betriebe des klcinkapitalisiischen, des rnittclständischem oder des Arbeitersiedlers bezeichnen wollen. 1. Die Klein Kapitalisten mit £ 2000—3000 Kapital können 30 Dunam Boden erwerben und davon 25 Dunam mit Orangen bepflanzen. Sie bearbeiten die Pflanzung mit Lohnarbeitern, während ihnen selbst die Verwaltung der Pflanzung (d. h. Rückführung, Lohnzahlung, Einkauf und Verkauf usw.) zufällt. Die Einrichtung der Wirtschaft kostet: 30 Dunam Boden ä £ 15 £ 450.— Anpflanzung von 25 Dunam mit Orangen ä £ 40 £ 1 OOO.— Haus und Inventar £ 300.— £ 1 750.— Da der kleinkapita'Btische Siedler in der Regel nicht imstande ist, Neben/wei :e der Landwirtschaft mit Gewinn zu betreiben und ihm die Orangenpflanzung in den ersten 5 Jahren gar keine und vom 6. bis 8. [ah re nur g arm ge Erträge abwirft, so muß er seinen Lebensunterhalt während dieser Zeit aus seinem Kapital bestreiten. Gegenüber dieser großen Geldausgabe ist das, was er für die Pflanzung leistet, nämlich ihre Verwaltung, kein genügendes Aequivalcnt. Es ist deshalb ökonomischer, wenn diese‘ kleinen Kapitalisten noch 7—8 Jahre im _ Ausland bleiben und ihre Pflanzung in Palästina durch einen anderen Siedler oder durch eine der für diesen Zweck bestehenden Gesellschaften (״Jachin“ oder ״Notea“ oder die von Dr. B1־ ü n n begründete 1״af'a Plantations Company“ in Chedera) anlegen lassen. Dann haben sie in dieser Zeit keine Ausgaben für ihren Unterhalt. Dagegen erhöhen sich die Kosten der Einrichtung der Wirt- Schaft um den Verdienst des Unternehmers für Anlage der Pflanzung, um ungefähr £ 250 auf £ 2000. 2. Mitte.standssiedler. Personen, die selbst oder durch ein Familienmitglied nicht nur ihre Wirtschaft verwalten, sondern auch alle landwirtschaftliche Arbeit selbst verrichten können und ein Kapital von ungefähr £1000 besitzen, sollen von einer Fläche von 15 Dunam 10 Dunam mit Orangen bepflanzen. Sie sollen daneben eine Kuh halten und Geflügelzucht und Gemüsebau zum mindesten für den eigenen Bedarf treiben. Die Kosten der Einrichtung der Wirtschaft betragen: 15 Dunam Boden ä £ 15 £ 225 Bepflanzung von 10 Dunam mit Orangen, ohne Be- Zahlung für Arbeit £ 280 Bewässerungsanlage für weitere 5 Dunam .£ 40 Haus und Stall £ 120 Umzäunung, Inventar (Kuh, Geflügel, Geräte) £ 35 £ 700. Wenn die Siedler den Boden nicht kaufen, sondern vom Jüdischen Nationalfonds in Erbpacht bekommen, verringern sich die Kosten um £ 225 auf £ 475. Auch diese Mittelstandssiedler werden in der Zeit, bis ihre Orangenpflanzung zu genügendem Fruchtertrag gelangt ist, von ihrem Kapital leben müssen. Sie können infolge unzureichender landwirtschaftlicher Erfahrung und Uebung־ aus den Nebenzweigen der .Wirtschaft keine Bareinnahmen,