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Jüdische Rundschau · 1933-04-13 · Heft 30-31 (13.4.1933) · p. Seite 150

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 30-31 (13.4.1933)
Date
1933-04-13
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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Seite 150 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30/31, 13. IV. 1933 Der Wechsel Im ״Berliner Taftebla«1׳ Die ״D. A. Z.“ veröffentlichte am 8. April über die neue' Leitung des ״Berliner Tageblattes“ folgendes: ״In den Besitzverhältnissen des ,Berliner Tageblatte s‘ ist eine entscheidende Aenderung eingetreten, die sich, wie wir hören, auf den gesamten Verlag Mossc ausdehnen wird. Der bisherige persönliche Besitzer, Herr L 3 c h m a n n - M o s s e, scheidet aus. Statt dessen wird eine O. m. b. H. gegründet, die das Tierliner Tageblatt‘, die Annoncenexpedition und die übrigen Betriebe übernimmt. Aus ihrem Reinertrag wird Herr Lachmann-Mosse einen Betrag erhalten, der jährlich 100000 Mark nicht überschreiten darf. Sollte ein höherer Ertrag eTwirtschaftet werden, so ist ercharitativen Zwecken zuzuführen. Dem Aufsichtsrat bzw. der Direktion der neuen GmbH, werden angehören: der Kommissar des Reiches, Herr Ost, der bereits seit mehreren Wochen im ,Berliner Tageblatt‘ tätig ist und dort die Umorganisation vorbereitet hat, der Verlagsdirektor Karl Vetter und der Vorsitzende des Betriebsrates.“ In der Sonntagausgabe des ״B. T.“ wurde dann die nachstehende Erklärung veröffentlicht, von der der Korrespondent der Londoner ״Times“ sagt, sie sei etwas ״dunkel formuliert“: ״Der Verleger des ,Berliner Tageblatt*, Herr Hans Lachmann-Mosse, hat sich entschlossen, die Leitung des Hauses Rudolf Mosse niederzulegen und die Geschäftsführung in die Hände altbewährter Mitarbeiter seines Hauses zu legen. Gleichzeitig haben Herr und Frau Lachmann-Mosse auf die Dauer von 15 Jahren den Uebmchuß ihrer sämtlichen Betriebe einem gemeinnützigen Fonds zur Verfügung gestellt, damit er zugunsten der Opfer des Weltkrieges ohne Unterschied der Konfession verwendet werde. Mit dem Dank an Herrn und Frau Lachmann-Mosse verbinden wir das Gelöbnis von vielen Tausenden von Angestellten und Arbeitern, mit uns die Unternehmungen des Hauses im Geiste des Begründers, der Familie und im Geiste einer nationalen und demokratisehen Weltanschauung fortzuführen, ln diesem Sinne werden wir unsere gesamte Kraft einsetzen für den Aufbau unseres Vaterlandes. Die Geschäftsführung der Rudolf Mosse-Stiftung G. in. b. H.“ Gerade die l.ondoner ״Times“ hatte in der letzten Zeit schon mehrfach ihrer Verwunderung Ausdruck gegeben, daß das ״Berliner Tageblatt“, das als ״jüdische“ Zeitung gilt und einem jüdischen Verleger gebiert, vielfach eine ״antijüdische Haftung״ eingenommen habe. Wir haben bereits häufig darauf hingewiesen, daß das ״Berliner Tageblatt“ nicht den Namen eines ״j ü d i s c h e r!" Organs verdient. Fine Zeitung Dt eine zweiseitige Angelegenheit: einerseits eine geistige Tribüne, andererseits ein Geschäftsunternehmen. Die Tatsache, daß die Inhaber oder Nutznießer des Geschäftsunternehmens Juden sind, berechtigt niemanden, eine solche Institution auch in geistigern Sinne als ״jüdisch“ repräsentativ zu betrachten. Wir Juden haben aber darunter zu leiden, daß dieses Mißverstandnis bedauerlicherweise in weiten Kreisen besteht. Um so mehr müssen wir es jetzt begrüßen, daß die Verhältnisse k Ia־rgestellt sind. Da das ״B. T.“ in der Oeffentlichkeit nun nicht mehr als ״J u d e n b I a 11“ angesehen werden kann, sind wir auch der Notwendigkeit enthoben, uns dagegen zu verwahren, daß seine Stellungnahme etwa als ״jüdisch“ verstanden wird. Sonst müßten wir uns z. B. dagegen verwahren, daß in einen! Artikel, der nach dem Boykott vom 1. April im ״B. T.“ erschien, dieser Boykott und seine Wirkung als ״großer außenpolitischer Sieg Deutschlands“ dargestellt wird. Es besteht nun nicht mehrdieGefahr, daß eine solche Darstellung als ״jüdischer Schwindel“ uns Juden angekreidet werden kann. Denn wer nur halbwegs die Verhältnisse übersieht, wird sich dagegen wenden müssen, daß dem deutschen Volk die Meinung des Auslands in so schiefem Licht dargestellt wird. Gerade wer eine Verbesserung der außenpolitischen Stellung Deutschlands, ein tair plav für das neue nationale Deutschland wünscht, gerade wer, wie jeder verantwortliche Staatsbürger, zu denen auch die große Mehrheit der jüdischen Staatsbürger gehört, eine Ueberwindung der lierung Deutschlands wünscht, in führenden Organen nicht wiesen werden. jetzigen außenpolitischen Isowird verlangen müssen, daß falsche Wege hierzu ge- Ausschaltung aus dem Theater Direktor Barnowsky hat die Leitung des Berliner Komödien Hauses nkdergelegt. Mit der konimissarischen Füllrung des Theaters wurde der Schauspieler Hans Nachreiner, Mitglied des (nationalsozialistischen) Kampfbundes für dctiD sehe Kultur, betraut. Das 12״-Uhr-Blatt“ bemerkt hierzu: Nach dem Rücktritt Meinhard und Bernauers und Max Reinhardts war Barnowsky der letzte große Privattheaterdirekter der Vorkriegszeit. Im 28. Jahre seiner Tätigkeit muß er jetzt auch die Konsequenzen aus der Umwälzung und der neuen Entwicklung des Berliner Theaters ziehen und zurücktreten. Die ,,D. A. Z.“ berichtet, daß das gesamte Personal des Theaters Barnowsky eine Kundgebung überreichte, die folgenden Wortlaut hat: ״Verehrter Herr Direktor Barnowsky! Die in langen Jahren mit Ihnen in gemeinsamer Arbeit verbunden gewesenen Mitglieder und Angestellten des Komödienhauscs haben den Wunsch, Ihnen in der schweren Stunde der Trennung von allem, was Leistung und Verdienst Ihnen schuldet, ihre tiefste Teilnahme und ihre unverminderte Hochschätzung zu versichern. Gleich erschüttert von der Härte eines unverdienten Schicksals, wie in Sorge um Ihr künftiges Ergehen, haben wir die zuversichtliche Hoffnung, Ihre in Sorgen und Kämpfen gehärtete Natur werde sich auch diesem vernichtenden Schlag gegenüber behaupten. Möchten Sie an der Gewißheit Aufrichtung finden, daß das deutsche Theater Ihr dreißigjähriges Wirken an seiner Bedeutung zu würdigen nie verlernen wird.“ Einer Meldung des ״Völkischen Beobachters“ zufolge wurden mehrere jüdische Mitglieder des Nassauischen Landestheaters, und zwar der Tenor Thulmann, der Bassist Lazar, der Chorsänger Goldberg, der Inspizient Liehten, der Geiger Viktor und die Tänzerin Fräulein Stern vorläufig ihres Dienstes enthoben. Neue! Studentenrecht Der von dem Reichskommissar für das Preußische Kulfusministerium Rust mit der Abfassung eines Entwurfes für ein neues Studentenrecht beauftragte Referent Dr. Haupt hat seine Arbeiten abgeschlossen. Der Entwurf wird dieser Tage in Kraft gesetzt werden. Das neue Studentenrecht beruht im ■wesentlichen auf den Gedankengängen der seit längerem unter nationalsozialistischer Führung stehenden ״Deutschen Studentenschaft“. Das sogenannte Volksb ü rg er p ri n z i p, das also die Studenten jüdischer Abstammung von der Beteiligung in der künftigen Studentenschaft ausschließt, wird die Zusammensetzung der Studentenschaft bestimmen. Einstein und die Akademie Die Preußische Akademie der Wissenschaften übergab der Presse folgendes Schriftstück: ״Die Preußische Akademie der Wissenschaften übermittelt im Anschluß an ihre Erklärung vom 1. April 1933 folgende Mitteilung Herrn Albert Einsteins: ״Le Coq bei Ostende, 5. 4. 33. An die Preußische Akademie der Wissenschaften. Ich habe von durchaus zuverlässiger Seite die Nachricht erhalten, daß die Akademie der Wissenschaften in einer offiziehen Erklärung von einer ,Beteiligung Albert Einsteins an der Greuel-Hetze in Amerika und Frankreich‘ gesprochen hat. Ich erkläre hiermit, daß ich mich niemals an einer Greuel-Hetze beteiligt habe, und ich muß hinzufügen, daß ich von einer solchen Hetze überhaupt nir- §ends etwas gesehen habe. Man begnügte sich im großen!anzen damit, die offiziellen Kundgebungen und Anordnungen der verantwortlichen deutsehen Regierungspersonen sowie das Programm betreffend die Vernichtung der deutschen Juden auf wirtschaftlichem Wege wiederzugeben und zu kommentieren. Die Erklärungen, welche Ich der Presse gegeben habe, beziehen sich darauf, daß ich meine Stellung an der Akademie niederlegen und mein preußisches Bürgerrecht aufgeben würde; ich begründete dies damit, daß ich nicht in einem Staate leben wolle, in dem den Individuen nicht gleiches Recht vor dem Gesetze sowie Freiheit des Wortes und der Lehre zugestanden wird. Ich erklärte ferner den Zustand im jetzigen Deutschland als einen Zustand psychischer Erkrankung der Massen und sagte auch einiges über die Ursachen dieses Zustandes. In einem Schriftstück, das ich der internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus zu Werbezwecken überließ, und das überhaupt nicht für die Presse bestimmt war, forderte ich ferner alle besonnenen und den Idealen einer bedrohten Zivilisation treu gebliebenen Menschen auf, alles daran zu setzen, daß diese in Deutschland in so furchtbarer Weise sich äußernde Massen-Psychose nicht weiter um sich greife. Es würde der Akademie ein leichtes gewesen sein, sich in den Besitz des richtigen Textes meiner Aussagen zu setzen, bevor sie sich über mich in solcher Weise äußert, wie sie es getan hat. Die deutsche Presse hat ineine Aeußertmgen tendenziös entstellt wiedergegeben, wie es bei der gegenwärtig dort herrschenden Knebelung der Presse auch gar nicht anders erwartet werden kann. Ich stelle für jedes Wort ein, das ich veröffentlicht habe. Ich erwarte aber andererseits von der Akademie, zumal sie sich ja selbst an meiner Diffamierung vor dem deutschen Publikum beteiligt hat, daß sie diese meine Aussage ihren Mitgliedern sowie jenem deutschen Publikum zur Kenntnis bringe, vor welchem ich verleumdet worden bin. Mit vorzüglicher Hochachtung Albert Einstein.“ * Hierzu bemerkt die Preußische Akademie d~er Wissenschaften, daß ihre Erklärung vom 1. April 1933 sich nicht nur auf die deutsche, sondern in der Hauptsache auf ausländische, insbesondere auf die Berichte französischer und belgischer Zeitungen gründet, denen Herr Einstein nicht widersprochen hat; ferner lag ihr unter anderem seine weithin wörtlich verbreitete Erklärung an die Liga gegen den Antisemitismus vor, in der er sich gegen den Rückfall Deutschlands in die Barbarei längst vergan« gener Zeiten wendet. Im übrigen stellt die Akademie fest, daß Herr Einstein, der nach seiner eigenen Erklärung an der Greuelhetze sich nicht beteiligt hat, auch nichts getan hat, um den Verdächtigungen und Ver- 1eum düngen entgegen zutreten, wozu er nach Auffassung der Akademie als ihr langjähriges hauptamtliches Mitglied verpflichtet gewesen wäre. Herr Einstein hat vielmehr, und zwar im Auslande, Erklärungen abgegeben, die als Zeugnis eines weltbekannten Mannes von allen den Kreisen ausgenützt und mißbraucht werden mußten, die nicht nur der gegenwärtigen deutschen Regierung, sondem dem ganzen deutschen Volke in Ablehnung und Feind- Schaft gegenüberstehen. Für die Preußische Akademie der Wissenschaften H. v. Ficker E. Hey mann Beständige Sekretäre. Der Briefwechsel wird von der ״DAZ.“ und von der ״Voss. Ztg.“ vollinhaltlich und ohne Kommentar abgedruckt. Bemerkenswert ist, daß das ,,Berl. Tageblatt״ wohl den Haupttei! der Erwiderung der Akademie, nicht aber den Brief Einsteins im Wortlaut veröffentlicht. m Wie der spanische Unterrichtsminister bek'anntgibt, hat Professor Einstein die Einladung angenommen, als Gastprofessor an der Madrider Universität zu wirken und dort seine eigenen Studien fortzusetzen. Wie der Schutzverbasnd deutscher Schriftsteller mitteilt, hat der von ihm eingesetzte Aufnahmeausschuß den Schriftsteiler Arnold Zweig sowie einige andere bisherige Mitglieder aus dem Verbände ausgeschlossen. Einladung zum Abonnement der ״Jüdischen Rundschau** Wir bitten olle unsere Leser, uns bei der Werbung neuer Abonnenten der ״Jüdischen Rundschau״ behilflich zu sein. Der ungeheure Widerhall, den unsere Zeitung in den letzten Wodien gefunden hat, beweist uns, defe eine weite Verbreitung der ״Jüdischen Rundschau" heute möglich Ist. Unterteilt nicht aus Trigheit die Bestellung des Abonnemente Neueintretende Abonnenten, die ab!.April mindestens ein Vierteljahr bestellen, erhalten auf Wunsch, soweit noch verfügbar, die Nummern des Monats MSrz nachgeliefert. Empfang im Auswärtigen Amt Wir erhalten folgendes Communique: Dr. Martin Rosenblüth, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, und Dr. Ludwig Tietz, Stellvertreter des Vorsitzenden des Central-Vereins, die im Aufträge ihrer Organisationen gcmeinsam einige Wochen in London tätig waren, wurden atn 11. April von dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Herrn von Biilow, empfangen, dem sie ausführlichen Bericht über ihre Wirksamkeit und die dortige Situation erstatteten. An dem Empfang nahmen ferner Dr. Georg Landauer und Dr. Alfred Hirschberg teil. Dr. Alfred Hirschherg berichtete anschließend unter Ueberreichung von Dokumen■ ten über die Wirksamkeit, die Ernst Wallach, Stellvertreter des Vorsitzenden des Central-Vereins, in Amerika, insbesondere in New. York entfaltet hatte. Herr Staatssekretär von Bülow nahm die eingehenden Darstellungen mit Interesse entgegen und sprach sich über die Tätigkeit der Herren in anerkennender Weise aus. * Dazu wird uns noch mitgeteilt: Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hatte am 25. März eine Delegation, bestehend aus den Herren Dr. Martin Rosenblüth und Richard L i c h t h e i m, nach London entsandt, die, wie aus dem obenstehenden Communique hervorgeht, mit Herrn Dr. Ludwig Tietz, dem Vertreter des Central-Vereins, kooperierte. Die vertrauensvollen und herzlichen Beziehungen zu den verantwortlichen jüdischen Körperschaften in London, insbesondere auch zur Zionistischeu Exekutive, erleichterten der Delegation die Durchführung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe. Durch Darstellung der Unrichtigkeit der im Ausland verbreiteten Greuelnachrichten und der wirklichen Situation gelang es, klarzumaclnn, daß die Sympathien der Weltjudenhcit für die deutschen Juden keinesfalls mit einer antideutschen Hait u n g verbunden sein dürfen. Urteil des Berliner Sonderfteridiies Wir wiederholen unsere Warnung an unsere L'Cser vor Verbreitung von Nachrichten über Mißhandlungen von Juden. Derartige Aeußerungen werden von den Be« hörden verfolgt una von den Sondergerichten mit Strafe belegt. Diese Woche wurde in Berlin, wie die Zeitungen melden, der 45jähri״e Markthändler David Leisten zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er mit einem Nachbarn auf dem Markt ein Gespräch über angebliche Mißhandhingen und Verstümmelungen von luden in der Provinz geführt hat. Bemerkenswert an der Verhandlung ist, daß der Offizial-Verteidiger, R.-A. von der Linden, sich der Anklage des Staatsanwalts anschloß. Er erklärte, das Anklagematerial sei überwältigend, und er plädiere lediglich für mitdernde Beurteilung bei Berücksichtigung der Rassezugehörigkeit und des Berufes des Angeklagten, sowie seiner Erre« gung und Aengstlichkcit. Landgerichtsdircktor Rehn führte — gemäß ״Voss. Ztg.“ — in der Urteilsbegründung aus, es könne keine Rede davon sein, daß Behauptungen, wie der Angeklagte sie aufstellte, in irgendwelchen Zeitungen gestanden hätten. Die Behauptungen seien durchaus unwahr. Der Angeklagte habe sie vorsätzlich aufgestellt. Wenn auch eine gewisse Erregung bei dem Angeklagten zu berücksichtigen gewesen sei, so habe doch das Gericht aus den Erwägungen, die der Staatsanwalt geltend machte, zu einer erheblichen Strafe kommen müssen, denn die Behauptungen, die der Angeklagte aufstellte, seien das Gemeinste, was man behaupten könne. Als Ausländer habe der Angeklagte Deutschlands Gastfreundschaft mißbraucht. Am Schluß der Urteils- Begründung betonte der Vorsitzende, daß solche Behauptungen, wie sie der Angeklagte aufstelite, in der Regel in aller Heimlichkeit weitergetragen werden, so daß es sehr schwer sei, die Verbreiter zu ermitteln. ״Alle diese Leute sollen aber wissen,“ fuhr der Vorsitzende fort, ״daß sie, wenn sie gefaßt werden, mit irgendwelcher Milde des Sondergerichts nicht zu rechnen haben.“ Der angeklagte Leisten war Soldat in der äst erreichischen Armee, und auch der Verteidiger 110b hervor, daß er im Felde seine Pflicht getan habe. Im übrigen handelt es sich um einen Markthändler, und es mag sein, daß sein Verhalten vor Gericht, wenn man sich an die Presseberichte hält, vom jüdischen Standpunkt eine Kritik verdient. Leider wird der Felddienst des Verurteilten vom ״Völkischen Beobachter“ in folgender Weise verhöhnt; ״Leisten verteidigte sich mit dem üblichen Schmus. Er gab an, daß er seit dem Jahre 1912 in Deutschland lebe und hier immer ein gutes Auskommen gefunden habe. Er ist Markthändler und will keiner Partei tragehören. ,Feh kümmere mich nur um Nächstenliebe,‘ rief er weinerlich aus. Er will in der österreichischen Armee gekämpft haben, von den Russen dann gefangen, von deutsehen Truppen befreit worden sein. ,Ich bin ein guter Daitscher,‘ redete er dann mit Mund und Händen weiter. ,Ich habe zweimal um Einbürgerung nachgesucht.‘ Sie wurde ihm — ein Wunder unter dem damaligen System — abgelehnt. Sechs Kanonen und tausend ,Handgewehre‘ will er dann den deutschen Truppen in die Hände gespielt haben, mit ,Sehnsucht‘ erwartete er das Erscheinen der deutschen ,Truppen‘. David ist, daran dürfte niemand zweifeln, also ein durch und durch deutscher Mann — wenn man ihm glauben würde.“ Was hätte der ״Volk. Beob.“ geschrieben, wenn der Mann keine Erfüllung des Kriegsdienstes hätte nachweisen können? Palästina-Bankett In New York New York, 4L April. (J. T. A.) Das amerikanische Komb fee der Jewish Agency veranstaltete zu Ehren von Nathan Straus jun. im Astor Hotel zu New York ein Bankett, an dem führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, hervorragende Politiker und Wirtschaftsführer teilnahmen. Ansprachen hielten der Bürgermeister von New York, Jolm P. O’Brien, Dr. Stephen S. Wise, Louis Lipsky, Morris Rothenberg, James Marshall u. v. a. Unter den Gästen befanden sich u. a. der Richter am Appellationsgerichtshof Irving Lehman, der Richter am Obersten Gericht Mutchell May, der Präsident der Manhattan Borough Samuel Levy, Rabbi Samuel Shulman ־und die Staatskommissarc für öffentliche Arbeiten und Gesundheitswesen. Herrn Nathan Straus wurde in Anerkennung seiner Leistungen beim Aufbau Palästinas der Ertrag einer zu seinen Ehren veranstalteten Sammlung zur freien Verfügung übergeben. Diesen Fonds bestimmte Flerr Straus für das Einwanderungs-, Kolonisations-, Erziehungs- und sanitäre Werk der Jewish Agency in Palästina.

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