Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 28-29 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 144 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28/29, 7. IV. 1933 Politische Palästina-Streiflichter Arabische Non-Cooperation — Aus der Exekutive Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 30. Mär* 1933 Für den 26. März war in Jaffa die arabische Konferenz .ingekündigt, die über die Frage der Non-Cooperation beraten sollte. Einen Monat vorher hatten die arabischen Notabein dem Oberkommissär ihre Forderungen vorgetragen, die in der Hauptsache in einem Verbot des Verkaufs von Boden an Juden und einer Drosselung der Einwanderung bestanden. Der High Gommissioner hat — sehr vorsichtig• und höflich, aber doch deutlich — diese Ansinnen abgelchnt. Die Antwort der Araber war die Einberufung der Versammlung in Jaffa. Sie führte zu f inem allgemein gehaltenen Beschluß über Non-Cooperation, einem erneuten Appell zur Stützung des arabischen Bodenfonds. Zur Ausarbeitung eines entsprechenden Aktionsplans für Non- Cooperation wurde eine ICornniission eingesetzt. Sowohl den Beschlüssen wie auch dem allgemeinen Verlauf der Versammlung kann man entnehmen, daß es bis zu einer wirklichen Non-Cooperation-Bewegung der Araber noch weit ist. Es handelt sich nicht nur darum, daß die Durchführung einer solchen Aktion a.1׳ sich große Schwierigkeiten bietot, eine große Solidarität, Einheitlichkeit der Haltung und Ht-1 zMibuiauun^eil, v_;p!!ordert. Es handelt siel nationalen Führung, di« druck kam und um di ihren Beschlüssen den < Bereits etliche Male ha tu umrassenue vorncrenungcn em um die Zersplitterung der )iilichkeiti leitende die Verkäufe Arabern der :hatft sich so 1ml da die Dii ..■fit, d: Um die Fragen der i n n e r j ü d i s c h e n Politik hat man sich in letzter Zeit in Palästina wenig gekümmert, da der Jischuw mit der Aufnahme der neuen Gelder und Menschen zu beschäftigt war. Die Zustände in der Exekutive der Agency haben sich jedoch im letzten halben Jahre so verschlechter;, daß die Oeffcnilichkeit sich mit den damit verbundenen Fragen beschäftigen muß. Daß die Exekutive kein Geld hat, weiß jeder in Palästina. Daß eine Reorganisierung, eventuell eine weitere Beschneidung ihrer Funktionen notwen* ciitg sein wird, damit Pflichten, die keine andere Instanz ihr abnehmen kann, auch wirklich gut erfüllt werden, darüber beginnt man sich auch klar zu werden. Aber cs handelt sieh innerhalb der Exekutive nicht nur um den leidigen Geldmangel, der freilich alle vernünftige Arbeit hindert und jede Handhingsfreiheit hemmt. Es hat sich auch gezeigt, daß die personaie Zusammenstellung der Exekutive verfehlt war, daß ein Zusammenarbeiten nicht ermöglicht werden konnte und daß die kollegialen Beziehungen bis zu einem Grade gespannt wurden, daß nur eine Aenderung in der Zusammensetzung Hilfe bringen kann. Einem kleinen Kreis wurde schon bei der Behandlung der transjordanischen krage klar, daß Farbstein bei sei- ׳ehe״‘bemüht war' und 'mii '«;erVhieiiene’weise '"״aurb unter lfiiktstoff Es war allem Anschein nach nicht mehr möglich, die Dinge bis zum Kongreß riiirehzuschleppen. Nur dem* geringen Interesse des Jisclmw heute ist es zti/usehreiben, daß diese Affäre sich nicht zu einer Sensation ausgewachsen hat. Viele denken vielleicht im geheimen, daß jetzt überhaupt die Exekutive und ihre .Arbeit nicht so wichtig sind. Das Vertrauen auf das private Kapital und seine Macht ist ja heute unhegrenzt. Es wird aber immer vergessen, daß auch bei einer Beschneidung der Funktionen der Exekutive ihr bestimmte und wichtige Aufgaben verbleiben, daß politische Aktionen, engiisclie und arabische Beziehungen der Exekutive überlassen sind und daß -— wie immer iio Moment der Not — bei dem ersten Abschwellen der Konjunktur an die Exekutive von allen Seiten Spczialanfordcrungen gestellt werden. Es bleibt daher gar nichts übrig, als gründlich durchzudenken, welche Funktionen die Exekutive in Zukunft behält, wie man ihr die finanzielle Basis für ihre Arbeit liefert und wie man sie den Personen nach entsprechend zusanimcnsetzt, damit solche Reibereien, wie sie in letzter Zeit an der Tagesordnung sind, ausgeschaltet werden. Errichtung eines Bialik-Lehrsiuids Jerusalem, 3. April. (J.T. A.) Am 2. April fand in Tel-Awiw eine Feier anläßlich des achtjährigen Bestehens der Hebräischen Universität statt. Es wurde beschlossen, an der Universität einen Lehrstuhl für hebräische S n r a c 11 e zu schaffen, der den Namen Chaim Nnchm.in Biaüks tragen soll. Nach Ansprachen des Kanzlers der Universität, Dr. Magncs, ferner Dr. Chaim Weizmanns, Bürgermeister Dizcngoffs, Bialiks und Schrnarja Leviris wurden 2000 Pfund für die Errichtung des Lehrstuhls gezeichnet. Alle Redner wiesen darauf hin, daß die Erhaltung der Universität im Hinblick auf die Lage der Juden in Deutschland notwendiger sei als jemals. Es wurde eine Konimission gebildet, die Mittel zur Erhaltung der Universität aufbringen soll. Ausschreitungen in Gottingen Wie das ״G öttinger Tageblat t“ meldet, ist es am 28. März in Göttingen zu Kundgebungen gegen jüdische Geschäfte und Unruhen gekommen, in deren Verlauf auch das Innere der Göttinger Synagoge zerstört wurde. Ueber diese Vorfälle gab die SA.-Untergruppe Göttingen folgenden parteiamtlichen Bericht aus: ״Zum Protest gegen die Greuelmeldungen der intemationalen Judenpresse veranstaltete die Göttinger SA. gestern einen Denionstrationszug durch die Straßen der Stadt. In mustergültiger Ordnung führte der Zug durch die Weender Straße, Goethe-Allee und durch die Groner Straße. Auf der Groncr Straße wurde der Zug aus dem Hause des jüdischen Schuhgeschäftes Pelz mit Holzpantoffeln beworfen, von denen durch die SA. 7—8 Stück aufgcsarnnielt werden konnten. Durch diesen Zwischenfall geriet die SA. in Erregung, die durch das prov3katorische Verhalten des Juden Katz in der Groner Straße noch verstärkt wurde, der sich in die Tür stellte und mit höhnischer Miene die Zunge herausstreckte. Die Folge war, daß der Jude Katz eine Abreibung bezog. Zur gleichen Zeit klirrten aber auch schon die Fensterscheiben der Firma Blurnenkrohn. In diesem Augenblick erschien der SA.-Qfcerfiihrer Soest, M. d. R., und verhütete «׳eitere Ausschreitungcn. Der Zug marschierte dann durch die Weender- Theater- und Judenstraße zum alten Kasernenhof, wo er planmäßig aufgelöst wurde. Alle weiteren Vorkommnisse, insbesondere Zertrümmerung weiterer Fensterscheiben, stehen mit dem SA.-Demonstrationszug nicht in Verbindung, sondern wurden von Straßenpassanten und Provokateuren begangen, die die Gelegenheit ausnut7.cn wollten, uin die SA. zu kompromittieren. Die SA.-Untergruppe legt Wert auf die Feststellung, daß die Zwischenfälle einzig und allein durch das provokatorische Verhalten der Juden Pelz und Katz verursacht worden sind. Es war der Befehl ausgegeben worden, die Demonstration ohne jede Gewalttätigkeit durclr/uführen.‘* Die Schilderung des ״Göttinger Tageblatts“ enthält u. a. noch folgende Einzelheiten: ״Als der SA.-Oberführer Soest auf dem Schauplatz erschien, geschah zunächst weiter nichts. Seinem Eingreifen ist es zu verdanken, daß der Zug in vollster Ordnung weitermarschierte und sich auf dem alten Kasernenhof in Ruhe auflöste. Was weiter geschah, ist allem Anscheine nach von Elementen provoziert worden, die sich immer bei solchen Gelegenheiten finden, um im Trüben zu fischen. . . . Jedenfalls sind die Schaufenster fast aller jüdischen Geschäfte in der Zeit von sieben bis neun Uhr abends zertrümmert worden. Sofort nach Bekanntwerden der Ereignisse wurden SA. und SS. zum Schutze der betroffenen Geschäfte gegen Pliinderungen eingesetzt, die um 10 Uhr abends durch die Polizei und Hilfspolizei abgelöst wurden. Sie konnten indessen nicht mehr verhindern, daß auch die Synagoge am Waageplatz gestürmt und deren Einrichtung zum g r ö ß t e n Teil demoliert wurde. Auch die Buntglasfeilster der Synagoge wurden größtenteils zertrümmert. SA.- Oberführer Soest konnte ein Individuum festnehmen lassen, das sich in verdächtiger Weise in der Synagoge zu schaffen machte. Die Kunde von diesen Ereignissen rief in der Stadt eine ungeheuere Erregung hervor. Die Straßen waren bis in die tiefe Nacht erfüllt von einer gewaltigen Menschenmenge, die zeitweilig eine drohende Haltung gegen jüdische Läden und Personen einnahm. Die Hauptgeschäftsstraßen boten heute morgen ein Bild der Zerstörung. Die Gehwege waren mit Glassplittern besät, durch Bretter vernagelte Schaufenster waren die stummen und doch so beredten Zeugen der gestrigen Ausschreitungen. Die Frage nach den Schuldigen wird die im Gange befindliehe polizeiliche Untersuchung hoffentlich bald lösen.“ Persönliche Tragödien Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 5. d. M. berichtet: ״Am Samstag ist in Heidelberg ein junger Gerichtsassessor jüdischer Abstammung, namens Bettmann, freiwillig in den Tod gegangen. Die Maßnahmen gegen Richter, Anwälte, Assessoren und Referendare jüdischer Abstammung hatten auch ihn getroffen. Als ihm davon Mitteilung gemacht wurde und er nach Hause kam, sah er an der Tür seines Vaters, eines angesehenen Mediziners der Universität Heidelberg, ebenfalls die Warnung vor dem iüdischen Arzt. Er machte seinem Leben ein Ende und sah darin ein Opfer, das er Deutschland bringe ebenso wie den Menschen, die ohne eigene Schuld plötzlich hinausgestoßen werden, ohne ihrem Vaterlande dienen zu dürfen und ohne die Erfüllung ihres Lebens in der selbstgewählten Arbeit noch suchen zu können.“ Dieselbe Nummer der ״Frankf. Ztg.“ enthält noch folgende Nachrichten: Berlin, 4. April. Wie erst jetzt bekannt wird, ist am Sonntag im Krankenhaus der Berliner Rechtsanwalt Dr. Georg Lehmann gestorben. Er war in seiner Wohnung mit Veronal vergiftet aufgefunden worden. Aus einem Brief an seinen Bruder geht hervor, daß Lehmann, bei detn Wirtschaftliehe Sorgen nicht bestanden, die Entwicklung der letzten Tage nicht glaubte ertragen zu können. Der Landgerichtsrat beim Landgericht I, Alexis Hollevor den, hat sich gestern in seiner Wohnung erschossen. Hollevorden war bis zum 10. März beim Kammergericht tätig und ist dann zum Landgericht I zurückversetzt worden. Seit letzten Samstag war er auf Grund der bekannten Maßnahmen beurlaubt worden. Gladbach-Rhevdt, 3. April. (Conti.) Der Geschäftslührer des Gladbachcr Warenhauses Tietz, Heymann, und seine Frau haben einen Selbstmordversuch unternommen. Ihr Zustand ist ernst, doch hofft inan, beide am Leben zu erhalten. Der Grund zu dem Verzwciflungsschritt dürfte in einem Nervenzusammenbruch des Geschäftsführers zu suchen sein. Wie J. T. A. berichtet, hat am 1. April der 32jiihrige Herbert Schirnek, Besitzer eines Papierladens in Berlin. Mühlenstraße 11, versucht, seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe ein Ende zu machen. Schimek ist nach zwei Tagen seinen Verletzungen erlegen. ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ veröffentlicht folgende Mitteilung des Chemnitzer Aktionsausschusses: Der Fabrikant Hans Sachs, der Mitinhaber der Weltfirma Marcell Frank Sachs AG. in Chemnitz, erschoß sich Freitag nacht in seinem Schlafzimmer, um der Inschutzhaftnahme durch Polizei und SA-Männer zu entgehen. Sachs wollte in der Nacht nach Frankreich abreisen. Telegraphen-Union meldet aus Alfeld (Leine): Infolge eines Nervenzusammenbruchs hat der aufsichtsführende Riehter beim hiesigen Amtsgericht, Dr. Paul Casper, Selbstmord verübt. Der Verstorbene hat dem Amtsgericht Alfeld seit dem Jahre 1910 zunächst als Assessor und seit dem Jahre 1920 als Richter angehört. Agentur Conti meldet aus Frankfurt a. O.: Der Inhaber der jüdischen Textiifirma J. Barber, der frühere Apotheker Meyer, und seine Ehefrau begingen am 1. April in ihrer Wohnung Selbstmord. Sie hatten im Badezimmer ein Feuer angesteckt und waren durch die Rauchentwicklung erstickt. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren nur bei dem 12jährigen Kind von Erfolg, Kleine Nadirichien Das Reichskabinett hat am 4. April ein Gesetz verabschiedet, das ein Sc 11 ä cht v er bot für das ganze Reich festsetzt Der Vorstand und Rat der Jüdischen Gemeinde für Manehester und Salford, die offizielle Vertretung von 40 000 Juden in der! beiden Städten, hat sich energisch gegen jeden Boykott deutscher Waren ausgesprochen. Das belgische Königs paar wird in den nächsten Tagen in strengstem Incognito eine Reise nach Palästina antreten. Vom königlichen Gefolge wird bloß Graf de Grunue das Königspaar begleiten. Mit dem russischer* Dampfer ״Tschitscherin“ sind zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus S o w j e t r u 13 1 a n d, unter ihnen vier aus Biro Bidschan, nach Palästina zurückkehrende Familien in Jaffa eingetroffen. Unter den übrigen Passagieren des Dampfers befanden sich auch 30 Ein- Wanderer aus Saloniki. ln der bei Haifa gelegenen Kwuzah der litauisch-tschechosiowakischen Gruppe des Ha sc ho m er Hazair wurden mehrere Baracken durch einen Brand vernichtet. Der Schaden beträgt 800 Pfund. In den nächsten Tagen begibt sich der Vizepräsident des Makkabi-Weltverbandes Dr. Roscnfcld nach Palästina, um die Verhandlungen mit der Leitung des Keren Kajemeth betreffend Ueberlassung eines Terrains im Ausmaß von 1000 Dunam zur Errichtung des Kfar Hamakkabi abzuschließen. Die Eröffnung der vom rumänischen Landeskomitee des Keren Kajemeth l.ejisrael organisierten Palästina- Ausstellung wurde mit einem Festakt im großen Saale des Bukarestcr jüdischen Volkshauses Barascheum, an dem u. a. der Generalsekretär des Handelsministeriums, Aureliu Popescu, der Präsident der Bukarestcr Handelskammer, Orghklan, Direktor Winter vom rumänischen Exportinstitut, Handelsattache Maltesen, die Präsidentin des rumänischen Hausindustrieverbandes, Frau Alimanesteanu, und ein ־,.ahireiches Publikum teilnahmcn, eröffnet. Eine Gruppe rumänischer Zionisten, unter ihnen der Präsident des jüdischen Parlainentsklubs Dr. Mayer Ebner und andere zionistische Führer Rumäniens, sind zu kurzem Aufenthalt in Palästina ei n g et r of f e n. Mehrere Mitglieder der Gruppe beabsichtigen, in Palästina Boden zur Anlage von Pflanzungen zu erwerben. Die h o 11 ä n d i s c 11 e Z i o n i s t e n - F ö d e r a t i o n und die holländische Misrachi-Organisation haben, wie JTA. aus Amsterdam meldet, ihre Propagandatätigkeit verstärkt, fn zahlreichen holländischen Städten wurden Ver- Sammlungen abgehalten, in denen dargelegt wird, daß Palüstina die einzige Lösung des jüdischen Problems darstellt. Für den im Vorjahre während seiner Palästinareise plötzlich in Jerusalem verstorbenen amerikanisch-jüdischen Philanthropen Philip Watten berg wird am 5. April in Jerusalem ein Grabmal enthüllt werden. Die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Warschau befaßte sich in ihren letzten Sitzungen mit der Aufstellung des Etats für soziale Fürsorge und sanitären Beistand. Der bisherige Beitrag zur Unterstützung von Palästina-Emigranten wurde von 20 000 auf 50 000 Zloty erhöht. Außerdem wurden 20 000 Zloty zur Errichtung eines Einwanderer hei ms für Juden aus Polen in Palästina bewilligt. Die nationaldeinokratische ״Gazetta Warszawska“ bcrichtet, daß die Untersuchung im Zusammenhang minder Ermordung des polnischen Studenten Grotkowski in L.*mberg abgeschlossen ist. Der soeben fcrtiggcstellte Anklageakt richtet sich bloß gegen einen der seinerzeit im Zusammenhang mit der Ermordung Grotkowskis Verhafteten, Moses Katz, der sich in Untersuchungshaft befindet. Wie die ״Literarische W e 11“ in ihrer letzten Nummer mitteilt, ist der Herausgeber W i 11 v Fd aas von der Leitung zurückgetreten. Die Redaktion führt jetzt Dr. Eberhard Meckel, dem einige andere nichtjüdische Herren für verschiedene Rubriken zur Seite stehen. Bei den transjordanischen Beduinen Dr. Ludwig Ferdinand Clauß, Als Beduine unter Beduinen. Mit 26 Bildern nach eigenen Aufnahmen des Verfassers. Freiburg im Breisgau 1933, Herder u. Co. Kart. 3,80 M. Dr. Ludwig Ferdinand Clauß, als Rassen- und Typenforscher bekannt, der seine Studien mehrere Jahre in J e_rusalem durchfülirtc und darüber auch ein (in der ״Jüdisehen Rundschau“ besprochenes) Buch veröffentlicht hat, hat jetzt in einem neuen Buch seine persönlichen Erlebnisse unter Beduinen beschrieben und so eine überaus lebendige Darstellung des Lebens der Araber in der nächsten Umgebung Palästinas gegeben. Für Zionisten ist dieses Buch nicht nur fesselnd und interessant, sondern auch von einer ganz besonderen Aktualität, weil im Mittelpunkt ein Besuch bei Mitkal Pascha steht, jenem Scheich des Bcni Sachr• Stammes in Transjordanien, der einer der Hauptvorkämpfer für den Gedanken einer Oeffnung Transjordaniens für jüdisclie Kolonisation ist, fn der Kontroverse, die sich an diese Frage knüpfte, ist Mitkal Pascha häufig hervorgetreten. Die verzweifelte wirtschaftliche Situation seines Stammes hat ihn veranlaßt, mit der Jcwish Agency Verbindungen atmikniinfen, um Instruktoren für die Anlage von Orangen- Pflanzungen zu erhalten und sich durch Verkauf eines Teils seines Bodens das notwendige Kapital zu verschaffen. Welche ungeheure Bedeutung einer solchen Aktion, falls sie zustandekommt, zuzuschreiben wäre, erhellt auch das Buch von Clauß. Denn cs ist kaum zu zweifeln, daß hierdurch eine allmähliche Scßhaftmachung der nomadischen Stämme und ein Ende des Bedninentums angebahnt wäre. Daß aber dieses Bediüncntum dem Ansturm des 20. Jahrhunderts nicht mehr standhalten kann, wird jeder Leser erkennen. Dr. Clauß gibt eine Schilderung von dem Leben und dem Charakter dieses Mitkal Pascha, beschreibt die Schicksale seiner verschiedenen Frauen und weist auch auf sein großes Geldbediirfnis hin. Auf den Tafeln, die dem Buch beigegeben sind, ist das Bild Mitkal Paschas und seiner Frauen zu sehen. Das Buch ist eine Einführung in eine sehr fremdartige Welt, die wenige Stunden von der modernen europäischcn Zivilisation der palästinensischen Judcnsiediungcn noch fast unberührt erhalten ist. Ueberfälle. T. U. meldet aus Düren, daß sechs Männer in SA.-Uniform in der Wohnung eines jüdischen Arztes eindrangen, angeblich, um eine Haussuchung nach marxistisehen Druckschriften durchzuführen. Sie hielten die Haushewohner mit Pistolen in Schach und raubten 300 M. Bargeld, sowie zwei Koffer. In der Nachricht wird gesagt, daß es sich nur um Verbrecher handeln .könne, die widerrechtlich SA.-Uniformen angelegt haben. — ,,Vossische Zeitiing“ meldet, daß der Händler Rosenzweig in der Wobnnng seines Freundes in Berlin von zwei jungen Burschen überfallen, mit Schreckschußpistolen bedroht und seiner Bar- Schaft beraubt wurde.