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Jüdische Rundschau · 1933-04-07 · Heft 28-29 (7.4.1933) · p. Seite 142

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 28-29 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 28/29, 7. IV. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 141 Die Judenfr&ge Von Theodor Herzl. lf״■ geben nach ■stehend (mit einigen Kürzungen) mehrere Abschnitte aus dem einleitenden Kapitel einer Schrill wieder, die im Jahre .1896, also vor 37 Jahren, erschienen ist. Sie heißt ,,Der Judettstaal", und ihr Verfasser ist Theodor Herzl. Mit dieser Schrift fängt eilt neues Kapitel jüdischen Denkens und jüdischer Geschichte an. Herzl hat vor37 Jahren cinenansUindigen und ehrlichen Versuch gemacht, dic Wclt von der Judenfrage zu befreien. Zwar wurde durch seinen Huf die zionistische Bewegung geweckt, zwar ist auf drei van ihm gepflügten Held eine ansehnliche Ernte gereift, aber sein großes Ziel wurde nicht verwirhdicht, weil man ihn nicht verstand. 1' o r allem die deutschen Juden haben ih n nicht vcrsl a n d e n. Man hat seine Darlegungen über die Notwendigkeit des Antisemitismus für Snlnearzsehcrri gehalten und, alle Hoffnung auf den ״Fortschritt der Zivilisation'‘ gesetzt. Heide lesen sich gewisse Abschnitte aus seinem Buch geradezu wie Prophetien, denn wir erleben in unserer Zeit eine Zuspitzung des Antisemifismus, die sich Herzl seihst kaum hätte träumen lassen. Beine. V eberzeugung aber, daß die Jude )}frage nur durch furchtlose. Selbst er ma/nnrng der Juden, durch unerbiUliehe Erke,rill eis der Wirklichkeit und durch eine großzügige, koimtrnkti Anstrengung beseitigt werden kann, ist auch heute »och so wahr irie damals. An dem Tage, wo wir in unserem. Eestgrbel sprechen ,,Hebers Jahr in Jerusalem“, wollen wir des Mannes gedenken, der als erster diesen ,.königlichen Traum“ geträumt hat. Bed. Ich will in dieser Schrift keine Verteidigung der Juden vornehme״. Sie wäre nutzlos. Alles Vernünftige und sogar alles Sentimentale ist ״her diesen Gegenstand schon gesagt worden. Nun genügt es nicht, die treffenden Gründe für Verstand und Oemut zu finden: die Hörer müssen zuerst fähig sein, zu begreifen, sonst ist man ein Prediger in der Wüste, Sind aber die 1 ihrer schon so weit, so hoch, dann ist die ganze Predigt überflüssig. Ich glaube an das Aufsteiger! der Menschen ־zu immer höheren Graden der (iesittung; ruir halte ich es für ein verzweifelt langsames. Wollten wir warten, bis sich der Sinn auch der mittleren Menschen zur Milde abklärt, die Lessing hatte, als er Nathan den Weisen schrieb, so könnte darüber unser Lehen und das unserer Sohne, Enkel, Urenkel vergehen. Die Jude »frage besteht. Es wäre töricht, sie zu leugn cn. Sie ist ein verschlepptes Stuck Mittelalter, mit dem die Kulturvölker auch heute beim besten Willen noch nicht fertig werden konnten. Den großmütigen Willen zeigten sie ja, als sie uns emanzipierten. Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Zahl Jeben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt. Wir ziehen natürlieh dahin, wo man uns nicht verfolgt; durch unser Erscheinen entsteht dann die Verfolgung. Das ist wahr, muß wahr bleiben, überall, selbst in hochentwickelten Ländern — Beweis Frankreich —, solange die Judenfrage nicht politisch gelöst ist. Die armen Juden tragen jetzt den Antisemitismus nach England, sie haben ihn schon nach Amerika gebracht. Ich glaube, den A 11 t i s e m i t i s m u s, der eine vielfach komplizierte Bewegung ist, zu verstehen. Ich betrachte diese Bewegung als Jude, aber ohne Haft und Furcht. Ich glaube zu erkennen, was in! .Antisemitismus roher Scherz, gemeiner Brotnckl,;»!geerbtes Vorurteil, religiöse Unduldsamkeit — aber auch, was darin vermeintliche Notwehr ist. Ich halte die Jtlifenfrage weder für eine soziale, noch für eine religiöse, wenn sic sich auch noch so und anders färbt. Sie ist eine nationaiv Frage, und um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer politischen Weltfrage machen, die im Rate der Kultur- Völker zu regeln sein wird. Wir sind ein Volk, e i n Volk. Wir haben überall ehrlich versucht, in der uns umgebenden Volksgemeinschaft unterzugehen und nur den Glauben unserer Vater zu bewahren. Man läßt es nicht zu. Vergehens sind wir treue und ari manchen Orten sogar überschwengliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten 111.nl Wissenschaften, ihren Reichtum durch Handel und Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge angeschrien; oft von solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren, 81s unsere Väter da schon seufzten. Wer der Fremde im Lande ist, das kann die Mehrheit entscheiden; es ist eine Machtfrage, wie alles im Völkerverkehre. Ich gebe nichts von unserem ersessenen guten Recht preis, wenn ich das als ohnehin mandatloser Einzelner sage. Im jetzigen Zustande der Welt und wohl noch in unabsehbarer Zeit geht Macht vor Recht. Wir sind also vergebens überall brave Patrioten, wie es die Hugenotten waren, die man zu wandern zwang. Wenn man uns in Ruhe ließe . . . Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen. Durch Druck und Verfolgung sind wir nicht tu vertilgen. Kein Volk der Geschichte hat solche Kämpfe und Leiden ausgehalten wie wir. Die Juden hetzen haben immer nur unsere Schwächlinge zum Abfall bewogen. Die starken Juden kehren trotzig zu ihrem Stamme heim, wenn die V e r folgungen ausbrechen. Man hat das deutlich in der Zeit unmittelbar nach der Judenemanzipation selten können. Den geistig und materiell höherstehenden Juden kam das Gefühl der Zusammengehörigkeit gänzlich abhanden. Bei einiger Dauer des politischen Wohlbefindens assimilieren wir uns über* all; ich glaube, das ist nicht unrühmlich. E)cr Staatsmann, der für seine Nation den jüdischen Rassencinschlag wünscht, müßte daher für die Dauer unseres politischen Wohlbefindens sorgen. Und selbst ein Bismarck vermöchte das nicht. Denn tief im Voiksgemüt sitzen alte Vorurteile gegen uns. Wer sich davon Rechenschaft gehen will, braucht nur dahin zu horchen, wo das Volk sich aufrichtig und einfach äußert; das Märchen und das Sprichwort sind antisemitisch. Das Volk ist überall ein großes Kind, das man freilich erziehen kann; doch diese Erziehung würde ,im günstigsten Falle so ungeheure Zeiträume erfordern, daß wir uns, wie ich schon sagte, vorher längst auf andere Weise können geholfen haben. Die Assimilierung, worunter ich nicht etwa nur Aeußcrlichkeiten der Kleidung, gewisser Lebensgewohnheiten, Gebräuche und der Sprache, sondern ein Gleichwerden in Sinn und Art verstehe, die Assimilierung der Juden könnte überall nur durch die Mischehe erzielt werden. Diese müßte aber von der Mehrheit als Bedürfnis empfunden werden; es genügt keineswegs, die Mischehe gesetzlich als zulässig zu erklären.!Die ungarisehen Liberalen, die das jetzt getan haben, befinden sich in einem bemerkenswerten Irrtum. Und diese doktrinär eingerichtete Mischehe wurde durch eitlen der ersten Fälle gut iliustriert; ein getaufter Jude heiratete eine Jüdin. Der Kampf um die jetzige Form der Eheschließung hat aber die Gegensätze zwischen Christen und Juden in Ungarn vielfach verschärft und dadurch der Rassenmischung mehr geschadet als genützt. Wer den Untergang der Juden durch Vermischung wirklich wünscht, kann dafür nur eine Möglichkeit sehen. Die Juden müßten vorher so viel ökonomische Macht erlangen, daß dadurch das alte gesellschaftliche Vorurteil überwunden würde. Das Beispiel liefert die Aristokrafie, in der die Mischehen verhältnismäßig am häufigsten Vorkommen. Der alte Adel läßt sich mit Judengeld neu vergolden, und dabei werden jüdische Familien resorbiert. Aber wie würde sich diese Erscheinuug in den mittlerer! Schichten gestalten, wo die Judenfrage ihren Hauptsitz hat, weil die Juden ein Mittelstandsvolk sind? Da wäre die vorher nötige Erlangung der Macht gleichbedeutend mit der wirtschaftlichen Alleinherrschaft der Juden, die ja schon jetzt fälschlich behauptet wird. Und wenn schon die jetzige Macht der Juden solche Wut- und Notschreie der Antisemiten hervorruft, welche Ausbrüche kämen erst durch das weitere Wachsen dieser Macht! Eine solche Vorstufe der Resorption kann nicht erreicht werden; denn es wäre die Unterjochung der Majorität durch eine noch vor kurzem verachtete Minorität, die nicht im Besitze der kriegerischen oder administrativen Gewalt ist. Ich halle deshalb die Re- Sorption der Juden auch auf dem Wege des Gedeihens für unwahrscheinlich. In den derzeit antisemitischen Ländern wird man mir beipflichten. In den anderen, wo sich die Juden augenblicklich Wohlbefinden, werden meine Stammesgenossen meine Behauptungen vermutlich auf das heftigste bestreiten. Sie werden mir erst glauben, bis sie wieder von der Judenhetze hcimgesuclit sind. Lind je länger der Antisemitismus auf sich warten läßt, um so grimmiger muß er ausbrechen. Die Infiltration hinwandernder, von der scheinbaren Sicherheit angezogener Juden, sowie die aufsteigende Klassenbcwegung der autochthonen Juden wirken dann gewaltig zusammen und drängen zu einem Umsturz. Nichts ist einfacher als dieser Vernunftschluß. Daß ich ihn aber unbekümmert und nur der Wahrheit folgend ziehe, wird mir voraussichtlich den Widerspruch, die Feindschaft der in günstigen Verhältnissen lebenden Juden eintragen. Soweit es nur Privatinteressen sind, deren Träger sich aus Beschränktheit oder Feigheit bedroht fühlen, könnte man mit lachender Verachtung darüber hinweggehen. Denn die Sache der Armen und Bedrückten ist wichtiger. Ernster wäre der Einwand, daß ich den Antisemiten zu Ffilfe komme, wenn ich uns ein Volk, ein Volk nenne. Daß Jen die Assimilierung der Juden, wo sie sich vollziehen will, hindere, und wo sie sich vollzogen hat, nachträglich gefährde, soweit ich als einsamer Schriftsteller überhaupt etwas zu hindern oder zu gefährden vermag. Dieser Einwand wird namentlich in Frankreich hervorkommen. Ich erwarte ihn auch an anderen Orten, will aber nur den französischen Juden im voraus antworten, weil sie das stärkste Beispiel liefern. Wie sehr ich auch die Persönlichkeit verehre, die starke F.inzelpersönlichkeit des Staatsmannes, Erfinders, Künstlers, Philosophen oder Feldherrn sowohl, als die Gesamtpersönlichkeit einer historischen Gruppe von Menschen, die wir Volk nennen, wie sehr ich auch die Persönlichkeit verehre, beklage ich doch nicht ihren Untergang. Wer untergehen kann, will und muß, der soll untergehen. Die Volks- Persönlichkeit der Juden kann, will und muß aber nicht untergehen. Sie kann nicht, weil äußere Feinde sie Zusammenhalten. Sie will nicht, das hat sie in zwei Jahrtausenden unter ungeheueren Leiden bewiesen. Sie muß nicht, das versuche ich in dieser Schrift nach vielen anderen Juden, welche die Hoffnung nicht aufgaben, darzutun. Ganze Acste des Judentums können absterben, abfallen; der Baum lebt. Noch mehr Vorteil als die christlichen Bürger würden die ״Assimilierten“ von der Entfernung der stammestreuen Juden haben. Denn die Assimilierten werden die beunruhigende, unberechenbare, unvermeidliche Konkurrenz des jiidisehen Proletariats los, das durch politischen Druck und wirtschaftliehe Not von Ort 2« Ort, von Land zu Land geworfen wird. Dieses schwebende Proletariat würde festgemacht werden. Jetzt können manche christlichen Staatsbürger — man nennt sie Antisemiten — sich gegen die Einwanderung fremder Juden sträuben. Die israelitischen Staatsbürger können das nicht, obwohl sie viel schwerer betroffen sind; denn auf sie drückt zunächst der Wettbewerb gleichartiger Wirtschaftlicher Individuen, die zudem auch noch den Antisemitismus importieren oder den vorhandenen verschärfen. Es ist ein heimlicher Jammer der Assimilierten, der sich in ״wohltätigen“ Unternehmungen Luft macht. Sie gründen Auswanderungsvereine für zureisende Juden. Diese Erscheinung enthält einen Gegensinn, den man komisch finden könnte, wenn es sich nicht urn leidende Menschen handelte. Einzelne dieser Unterstüfzungsvereine sind nicht für, sondern gegen die verfolgten Juden da. Die Aermsten sollen nur recht seltnen, recht weit weggeschafft werden. Und so entdeckt man bei aufmerksamer Betrachtung, daß mancher scheinbare Judenfreund nur ein als Wohltäter verkleideter Antisemit jüdischen Ursprungs ist. Niemand ist stark oder reich genug, um ein Volk von einem Wohnort nach einem anderen zu versetzen. Das vermag nur eine Idee. Die Staatsidec hat wohl eine solche Gewalt. Die Juden haben die ganze Nacht ihrer Geschichte hindurch nicht aufgehört, diesen königlichen Traum zu tränmen: ״Uebers Jahr in Jerusalem!“ ist unser altes Wort. Nun handelt es sich darum, zu zeigen, daß aus dem Traum ein tagheller Gedanke werden kann. England und der Antisemitismus Der Berichterstatter der ״D. A. Z.“ in London, Dr, Karl Sil äx, beschreibt in der Abendausgabe vom 4. April j!־, Haltung der englischen Ocffentlichkcit zu den Vorgängen!5 Deutschland unter der Ueberschrift ״Wir und die Angn. Sachsen“. Darin heißt es: ״Was die Juden in der Bcrwickstrect tun, ist \י!!1״ gleichgültig. Die Zusammenarbeit zwischen uns und den Ln/, ländern hängt nicht davon ah, ob auf irgendeine Weise dg Strunipfhändler in der Bcrwickstrect veranlaßt werden können, die Boykottschilder gegen Deutschland aus den Schaufenstern zu nehmen. Die Zusammenarbeit zwischen uns und den An!erikanem hängt ebensowenig davon ah, was im New Yorker Verginigungsviertel geschieht. Was die Juden in England und Amerika tun und denken, bleibt ein untergeordneter Tat. bestand. Wichtig wird er erst, wenn er das Tun und Denken der Angelsachsen in diesen Ländern beeinflußt. Haii dies in weitem Maße der Fall ist, erleben wir. Jeder Blick in die Zeitungen, jedes Gespräch mit besten englischen Frem!. den, beweist es jeden Tag von neuem. Wir sind über das erste Stadium hinaus. Wir haben die Grcuellietze, die Hetze mit unwahren Anschuldigungen hinter uns. Wir befinden uns mitten drin im zweiten Stadium, das gefährlicher ist. Die Greuelhetze bricht au den Tatsachen zusammen und überschlägt sich. Die zweite Kampagne geht tiefer, weil sie sich nicht gegen Uebergriffe und Ausschreitungen, gege!! wirkliche oder vermeintliche Tatsachen richtet, sondern ge״״! den Willen selbst. Es sind nicht mehr die Greuel, sonder״ tler antisemitische Wille schlechthin, dieser Wille als Motiv, den die Angelsachsen ablehnen. Die ehrliche Anerkeiimmg der Motive, von der wir sprachen, erstreckt sich bei den Engländern in ihrer Beurteilung der deutschen Revolution auf ein weites Feld. Wir nennen die Auflehnung Deutschlands gegen das Diktat der Unterdrückung, den An- Spruch auf Gleichberechtigung, die Sehnsucht nach Freiheit, den Wißen zum Lehen und die Forderung einer Revision, die dem deutschen Volk die Lebensmöglichkeit und die Selbstachtung zuriiekgibt. Das Motiv des A 111 i s e m i - t i s nm s aber stößt auf eine u n q ״ a I i f i z i e r t e Ablehnung, an der jeder Versuch einer Erklärung zusamntcnbricht.“ Der Verfasser erklärt dann, daß es in England die Jüdinfrage im deutschen Sinne nicht gehe, da die Juden nickt so viele geistige Positionen besetzt halten, und schließt mit dem Hinweis, es bestehe die Gefahr, daß in England ״:! Zerrbild des deutschen Charakters entstehe, wenn es de! Gegnern gelingt, den Nationalsozialismus auf ein Neben״!,״; zu locken. Der Londoner Korrespondent der ״D. A. Z.“ drahte׳ seinem Blatt ferner einen Bericht über die Haltung der Londoner Montagblättcr, die sämtlich zu der Br״,• kottaktion in Deutschland in Leitartikeln Stellung nehmen. Ir! den! Bericht der ״D. A. Z.“ (Abendausgabe vom 3. April) heißt es: ,,Die Presse drückt die Hoffnung aus, daß der Juden, bovkott in Deutschland am Mittwoch nicht .wieder aufgenonmen werde. Das Echo dieses Boykotts in der englischen Presse ist sehr laut. Die Ansichten, die die . Zeitungen in Leitanfsiitzen ausdriieken, sind sehr unfreundlich, unfrei»»!- lieber als seinerzeit das Echo auf die üreuetmärchen. Die üreuclmärchen sind nun aus der englischen Presse verschwundcn, und insofern ist der Sinn des Boykotts als eine: Gegen maßrege] und Abwehraktion erfüllt. A!1 die Stelle der antideutschen Stimmungsmache mit Oretielmärclicn tritt nun | die Kritik an der a!11 i j ii d i s e I! e n Politik ii b 0 r - 1 haupt. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß die an״• jüdische Politik jahrelang ein planvoller Teil des nationalsozialistischen Programms gewesen sei und daß daher eine solche antijüdische Politik nicht nur als eine Gcpcnmaßregcl und deutsche Abwehraktion erklärt werden könne.־‘ Es folgt dann die Wiedergabe der Artikel der kon'ervativen Zeitungen ״Times“, ״Daily Telegraph“, ״Daily Express“ der liberalen ״News Chronicle“ und des soziali-tisehen ״Daily Heraki“. Bestrafte Verbreitung von Greuelgeschichten Wir warnen unsere Leser dringend vor Verbreltung von Greuelmeldungen, die jetzt vielfach urikontrollierbar und aus unbekannten Quellen stammend, durch die Luft schwirren. Die Weitergabe solcher Gerüchte wird streng geahndet. Der ״Volk. Beob.“ meldet: Der kommissarische Bürgermeister des Bezirks Friedrich“ hain, Pg. Regierungsrat Conrad, hat die Fürsorgepin Hirsch fristlos entlassen, weil sie durch Verbreitung von Greudnaehrichten über angeblich zum Selbstmord getriebene oder verschwundene Juden irn Bürobetrieb Unruhe und Empörung verursacht hat und im Ver״ dacht steht, in gleicher Weise bei Hausbesuchen auf bet/• gewirkt zu haben. Die Akten sind zum weiteren Befinden der Staatsanwaltschaft übersandt worden. Weitere Meldungen des ״Volk. Beob.“ über bestrafte Greuelineldungen lauten: Frankfurt a. M., 3. April. Ein gewisser Löwen stein, der behauptet hatte, in Worms sei ein Jude aufgthängt worden und andere Juden seien jn Schweineställe gesperrt und dort gezwungen worden, sich gegenseitig zu verprügeln, ferner ein jüdischer Rechtsanwalt in Kiel sei von S.A.•Leuten er׳ schossen worden, wurde von dem hiesigen Sondergericht auf Grund des Gesetzes vom 31. März!«33 zur Abwehr heim• tückischer Angriffe ־zu einem Jahr Gefängnis ver• Kassel, 3. April, ln Kasse! wurde ein Einwohner festgenommen, der in einem Brief nach New York erklirr hat, alles, was drüben über die Greuelpropaganda geschrieben worden sei, sei richtig, und es sei ein Märchen, daß Komm!!- nisten den Reichstag angesteckt hätten. Der Absender des Briefes wird sich wegen Verstoßes gegen § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung vor dem So:!• dergericht zu verantworten haben. Flatow, 3. April. Der jüdische Kaufmann Eick aus Fla low behauptete im Gespräch, daß einem jüdischen Oeschäfisfiihrer in Königsberg ein Bein ausgerissen worden sei. Die Wunde habe man mit Pfeffer bestreut, und unter entsetzlichen Qualen sei der Mann nach sechs Tagen verstorben. Trotzdem Eick wiederholt das Unglaubliche seiner Schilderungen vorgehalten wurde, blieb er hei seinen Behauptungen. Eick wurde nach Bekanntwerden der Gerüchte sofort verhaftet und hat ein teilweises Geständnis abgelegt. Eine Quelle für seine Schauergeschichten vermag er natürlich n i c 111 a n z. 11 g e b e n. Der Bevölkerung Flatows bemächtigte sich über diese Greuelhetze eine außerordentliche Erregung, so daß sämtliche jüdischen Geschäfte geschlossen wurden. _

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