Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 28-29 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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!Seite 140 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 28/29, 7. IV. 1933 £ix1 ,,Aktionsausschuß" nationaldcutschcr Juden Die Berliner Presse veröffentlicht die Nachricht über die E.L'ung eines ״Alitionsausschusses jüdischer Deutscher gegen die antideutsche Hetze“. Es handelt sich um eine Gründung des ״Verbandes nationaldeutscher Juden״. Soweit wir sehen, hat die ״DAZ.“ das Communiqud am ausehrlichsten gebracht. Wir entnehmen ihr daher den folgenden Text: ״Für die Beseitigung der Auswirkungen der Greuelhetze und zur Verhinderung zukünftiger ähnlicher Vorgange hat sich ein Aktionsausschuß jüdischer Deutscher unter Führung des Verbandes nationaldeutscher uden und unter Mitwirkung des Reichsbundes jüdischer ronUoldaten, sowie einer Reihe hündischer Jugendorganisationen jüdischer Deutscher gebildet. Der Aktionsausschuß und die hinter ihm stehenden Kreise jüdischer Deutscher bejahen mit größter Entschiedenheit ein starkes nationales Deutschland, sind zur Mitarbeit an dem Ausbau des neuen Deutschen Reiches mit allen ihren Kräften bereit und verwahren sich energisch gegen jeden Versuch (יי׳ייד•;u1s1:׳ndis'-1u־n Einmischung in innerdeutsch: Angelegenheiten. Der Ausschuß wird durch organisierte Aufklärungsarbeit, insbesondere auch durch die Auslandsvertreter deutscher Firmen, durch Nachrichten an die ausländische Presse und durch alle anderen, ihm erreichbaren Mittel — und zwar überall im Zusammenwirken mit den deutschen Behörden und nationalen Organisationen — das Seiriigc tun, um der Hetze gegen Deutschland ein vollständiges und schnelles Ende zu _ bereiten. Ferner wird der Ausschuß sich um die W i e d e r a n k n ü p f u!1 g der durch die bedauerlichen Ereignisse der letzten Zeit teilweise unterbrochenen Handelsbezieh:,ngen;׳\>!•;cheri deutschen und ausländischen Firmen bemühen. Darüber hinaus betrachtet cs der Ausschuß als seine Aufgabe, im Inlande auf Beruhigung der erregten Gemüter hinzuwirken und auf die Wicdcrhcr- Stellung eines vertrauensvollen Z u s a m - m c n a r h e i t Mi s n a t i 0 n a 1 g e s i n n t e r jüdischer und n i c 111 jü d i s c 11 e r Deutscher. Zur Erreichung dieser Ziele sollen in allen Teilen Deutschlands Aktionsgruppen geschaffen werden. Wer sich für diese Zwecke zur Verfügung stellen will, melde sich bei dem Aktionsatisschuß 11it!;-׳ יho- >cu!s1!'׳er, Berlin W 35, Blumeshof 9.“ Zu dieser Mitteilung ist folgendes zu sagen: Soweit es sich darum handelt, einer Verbreitung unwahrer G . c u e 1 m e 1 tl u ti g c n i in A u s 1 a n d e entgegenzutreten und eine deutschfeindliche Agitation zu verhindern, haben alle jüdischen Organisationen Deutschlands wirksame Schritte unternommen. Was die ״organisierte Aufklärungsarbeit“ betrifft, so bedarf es, wenn diese Aufkläumgsarbeit auf Juden anderer Länder einen Eindruck machen soll, einer gewissen Legitimation. Der Name des ״Verbandes nationaldcutscher Juden'‘ genießt leider in der jüdischen Welt weder innerhalb noch außerhalb Deutschlands großen Kredit. Wir fürchten daher, daß dieser Verband der deutschen Sache im Ausland keine großen Dienste wird leisten können. Was aber den Willen zur Mitarbeit in Deutschland betrifft, so könnte man aus dem Communiqud des ״Verbandes nationaldeutscher Juden“ den Eindruck bekommen, als ob es bisher den Juden an gutem Willen zu dieser Mitarbeit gemangelt hätte. Demgegenüber muß festpcstellt werden, daß alle deutschen Juden zur Mitarbeit im Staate, jeder an seinem Platze und nach seinen Fähigkeilen, bereit sind, und daß sie alle ihr Bestes auf jedem Gebiet zu leisten wünschen. Leider steht die herrschende Partei in diesem Staate auf den Standpunkt, daß Juden nicht gbichbberechtigte Staatsbürger sein können, und desnentsprechend werden die Juden aus der Rechtspflege, der Medizin, der Kunst und Literatur, sowie aus zahlreichen Betitigungsfeldern der Wirtschaft ausgeschieden. Das Mißtrauen der nationalen Regierungskrise richtet sich gegen alle Personen ״semitischer Abstammung“. Wie anged lits dieser Tatsachen das Communique des ״Verbandes nationaldeutsclier Juden“ jovial davon sprechen kann, der Ausschuß wünsche ״auf die Wiederherstellung eines vertrauensvollen Zusammenarbeitens nationalgesinnter jüdischer und nichtjüdischer Deutscher“ hinzuarbeiten, muß jedem objektiven Leser, nicht zuletzt den hier angesprochenen ״nationalgesinnten Deutschen“, unerfind lieh scheinen. Wenn der Aufruf aber — wie wir fürchten — den Zweck hat, von anderen Juden abzurücken und sich selbst beiden herrschenden nationalen Kreisen zu empfehlen, wenn also so etwas wie eine nationale ״Jewsekz.ia“ beabsichtigt ist (ein V;!!sinn in sich angesichts der herrschenden Rassentheorie), dann muß dieser Versuch mit aller Entschiedenheit von jüdischer Seite z u r ii c k g e w i e s e n werden. Die Maßnahmen gegen Juristen Der Nati ׳ י ’י׳h’idische Zeitungsdienst meldet: ״In einer gewissen Presse wird der Anschein zu erwecken versucht, als ־־׳ ייס siel! bei der! durchgreifenden Säuberungsmaßnahmen des preußischen Justizministers Kerrl lediglich am Maß- ת"’. dele, die in Verbindung mit dem Boykott gegen das Judentum stehen. Wir sind Ln der Lage, demgegenüber zu erklären, daß es sich keineswegs lim vorü!י rächende Maßnahmen handelt, sondern um Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, daß die preußische Justiz von fremd rassischen Einflüssen gereinigt, das Ansehen der Rechtspflege dadurch wieder hergestellt und tiefgehende Beunruhigung des Volkes in Zukunft verhindert wird.“ Unter der Ueberschrift ״Endlich!“ lesen wir irri ״Volk. Beob.“: Im Alten Kriminalgericht ist jetzt endlich folgender Anschlag angebracht worden: ״Allen indischen Rechtsanwälten, soweit sie nicht mit besonderem Ausweis des Reichskommissats der Anwaltskammer zugeiassen sind, ferner allen jüdischen Ger 1 c h t s b er ich t er s t a 11 e r n ist das Betreten des Gerichtsgebäudes zum Zwecke der Ausübung ihres Berufes untersagt.“ Zur Frage der füdlsdien Anw&Jfe Wir v.erden um Veröffentlichung nachstehender Nofiz erc.cht: Das Schicksal der jüdischen Anwälte ist nach ungeklärt Die gegenwärtige Situation stellt einen Ueuergangszustand dar; eine gesetzliche Regelung wiru demnächst erfolgen. Es ist dringend zu (ordern, daß jedenfalls die jüdische Klientel Ruhe und Gedul,d bewahrt. Wie wir aus Anwaltskreiscn hören, wird aut jeden Fall Vorsorge getroffen, daß die Interessen der Klienten jüdischer Anwälte auch in dieser Uebergangszeit gewahrt bläh» Die Wandlung des ״Berliner Tageblatt״ Unter der Ueberschrift ״Antisemitismus bei Mosse" schreibt der ״Volk. Beobachter“ am 5. April: ״Es geschehen Zeichen und Wunderl Der jüdische Zeitungskonzern Mosse hat dieser Tage nicht weniger als 118 jüdische Angestellte, Sekretäre und Stenotypistinnen entlassen. Wenn das so weiter geht, sind In diesem Jahr nicht erst im Herbst, sondern schon iiu Frühjahr alle Blätter braun!“ Darauf antworten am 5. d. M. abends die Masse-Blätter wie folgt: ״Soweit Entlassungen in der Firma Rudolf Mosse verfügt wurden, entsprach dies den mit dein Boykott zusammenhängenden Richtlinien der Nationalsozialistischen Partei, beziehungsweise der Betriebszellen- Organisationen. Härten sind dabei in genauester Prüfung jedes einzelnen Falls nach Möglichkeit vermieden worden, um jeden einzelnen Fall ist von der Geschäftsleitung gekämpft worden. Was jedoch auf keinen Fall möglich ist, das ist die Methode, mit weichet das Organ eben derjenigen Bewegung, deren Richtlinien in der Frage der Entlassungen stattzugeben war, den Vollzug solcher Richtlinien zu einem Angriff auf den Verlag und zu einer Verhöhnung benutzt Wir glauben, daß die Sache viel zu ernst und, nicht nur für die Betroffenen allein, viei zu traurig ist, als daß man ia einem Organ, welches doch den Vollzug solcher Richtlinien bejahen muß, noch Salz in die Wunden streut. Es entspricht nicht den grundsätzlichen Acußerungen führender Männer der Regierung, wenn die Umgestaltung Deutschlands in einem solchen Geiste durch Randglossen begleitet wird, die diejenigen, welche die Macht ausüben, nicht nötig haben, und die den Betroffenen den schweren Weg noch unnötig verbittern. Was die sachlichen Angaben der genannten Nofiz angeht, so können wir erklären, daß diese Angaben nicht wahr sind.“ Diese Antwort des Verlags Mosse ist überaus interessant, weil sie ein Licht wirft auf Vorgänge, die sich gegenwärtig keineswegs nur im Verlag Mosse, sondern in zahlreichen Juden gehörenden Betrieben ereignen. Ueberall werden Massenentlassungen jüdischer Angestellter erzwungen, und zwar nicht etwa nur leitender Kräfte, sondern gerade auch der mittleren und kleinen. Angestellten. Menschen beiderlei Geschlechts, die 80 RM. iin Monat verdienen, werden unerbittlich ihrer Erwerbsmöglichkeit beraubt. Die Frage, was mit ihnen geschehen soll, ist bisher in der deutschen Oeffentlichkeit nicht erörtert worden. Zugleich aber ist diese Angelegenheit ein Anlaß, sich mit der Haltung der Mosse-Blättcr und insbesondere des ״Berliner T a g e b 1 a 11 s“ zu beschäftigen. Auch heute noch wird das ״Berliner Tageblatt* vielfach als ״jüdisches“ Blatt betrachtet, obwohl in mehreren offiziellen Leitartikeln unmißverständlich erklärt worden ist, daß die Redaktion nunmehr in rein christlich-arischen Händen liegt. Gerade unseren Lesern brauchen wir nicht zu erklären, daß nach unserer Meinung das ״Berliner Tageblatt“ niemals den Titel eines ״jüdischen“ Blattes verdient hat. Diese Zeitung war stets vor allem ein Geschäftsunternehmen; in der Hochblüte der jüdischen Bourgeoisie bot es den Juden ein Instrument der Selbstverleugnung und redete ihnen ein, daß auf diese Weise ihre Interessen gut aufgehoben seien. Die deutschen assimilatorischen Juden waren betrogene Betrüger. Sie wurden dazu erzogen, eine Anzahl zwar dem Judentum entstammender, aber völlig entjudeter Journalisten, Literaten und Geschäftsleute als ihre Repräsentanten vor der Oeffentlichkeit zu betrachten. Alle Warnungen des Nationaljuden־ tums, daß Judentum nur mit offenem Visier und ohne Anmaßung der Rolle eines ״Praeceptor Germaniae“ vertreten werden kann, waren vergeblich. Nun erleben wir es, daß das ״Berliner Tageblatt“ selbst von den Männern jüdischer Abstammung, die gestern noch seine Größen waren, in gewundenen Artikeln abrückt. Jetzt sucht des ״B. T.“ sich zu empfehlen, indem es, von sich selbst begeistert, sich von seinen Korrespondenten berichten läßt, wie sehr auf dem Balkan und in Budapest (1!) gerade die Artikel des ״Tage■• blatts“ zur Widerlegung der Greuelnachrichten beigetragen haben. Minister Goebbels hat in seiner Berliner Rede sich über den Gesinnungswandel dieses ״Judenblattes“ lustig gemacht. Es ist wichtig, daß auch die jüdische Oeffentlichkeit diese Veränderungen beachtet und versteht, daß diese ״Judenpresse“ keine Judenpresse ist und es nie war. Jüdisch ist nur, was sich jüdisch nennt und alle Konsequenzen auf sich nimmt. Palästina - Zertifikate für deutsche Juden Jerusalem, 4. April. (J.T.A.) Der Leiter des polltischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Dr. Arlosoroff sprach am 4. April beim High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope vor und erstattete Ihm einen ausführlichen Bericht über die Lage der Juden ln Deutschland. Dr. Arlosoroff richtete an den High Commissioner das Ersuchen, Im Hinblick auf die in Deutschland herrschenden Verhältnisse so schnell als möglich einige Hundert Einwanderungszertifikatc für deutsche Juden zu bewilligen, eine umfangrelchcre Einwanderung deutscher Juden mit eigenem Kapital zu ermöglichen und Vorzugsbestimmungen für die Einwanderung in Deutschland lebender Verwandter palästinenslscher Einwohner, insbesondere von Frauen und Kindern, zu treffen. Der High Commissioner erklärte, er wolle die Frage In wohlwollende Erwägung ziehen und stellte eine günstige Erledigung für Donnerstag, den t. April, in Aussicht. NachprOIang von Pässen ״Berliner Tageblatt“ meldet aus Königsberg: Auf Anordnung des Polizeipräsidenten sind die Pässe der preußisehen Staatsbürger jüdischen Glaubens zur Nachprüfung eingezogen worden. — Laut ״Frankfurter Zeitung“ hat das Frankfurter Polizeipräsidium angeordnet, daß alle Personen ״semitischer Abstammung“, die im Besitze eines deutschen Reisepasses sind, diesen bis spätestens Dienstag, 4. April, 18 Uhr, bei ihrem zuständigen Wohnrevier zur Ueberprüfung abzugeben haben. Bemühungen um Einwanderungsmöglidikeiien London, 3. April. (J.T.A.) Jn einer in London abgehaltenen Versammlung erklärte das Unterhausmitglicd Dr. O’Donovan, englische Abgeordnete seien bereit, ihr Heim Juden aus Deutschland zu öffneu und dem Parlament einen Antrag auf Milderung der Einwanderungsgesetze vorzulegen. In derselben Versammlung erklärte Lord Mount Temple, die deutschen Juden, 630000 an Zahl unter einer Gesamtbevölkerung von 64 Millionen, hätten einen großen Beitrag zum kulturellen Fortschritt ihres Vaterlandes geliefert. Sie seien seit vielen Jahrhunderten im Lande ansässig und hätten wiederholt ihre Vaterlandsliebe mit ihrem Blute besiegelt. Wenn auch nicht beabsichtigt sei, sich in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten einzumengen, denen die Engländer aufrichtige Sympathie, menschliches Verstehen und christliche Nächstenliebe, die die Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft ist, entgegenbringen, so könne man sich doch nicht der Tatsache verschließen, daß die Juden Deutschlands in ihrer Generationen lang behaupteten bürgerlichen Rechtsstellung bcdroht sind. Aus Friedensliebe und dem Gefühl der Achtung vor der großen deutschen Nation müsse man sich gegen die Zurücksetzung der jüdischen Bevölkerung in Deuts-hland und eine gegen diese gerichtete Gesetzgebung, die mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung nicht harmoniert, wenden. Was jene deutschen Juden anlangt, die infolge der herrschenden kritischen Lage eine Niederlassung itn Ausland anstreben, so sei es eine heilige Pflicht derlWenschlichkejt, ihnen eine Zufluchtsstätte zu gewähren, wo sie in Ruhe und Sicherheit leben und arbeiten können. Es entspreche dem Sinn der Balfour-Deklaration, die Tore Palästinas so weit als möglich zu öffnen, um einem Teil der Juden aus Deutschland eine Niederlassungsmöglichkeit zu bieten. Doch müsse nachdrücküchst betont werden,, daß das Problem der luden in Deutschland durch die Errichtung des Jüdischen Nationalheims nicht berührt werden könne. Die Aufrechterhaltung der Rechte der Juden in Deutschland und in anderen Ländern sei ein Grundprinzip, das auch in der Balfour-Deklaration selbst zum Ausdruck komm:. Jn ähnlichem Sinne äußerten sich noch einige andere englische Parlamentarier. Der Abgeordnete Barnett Jänner erklärte u. a., das deutsche Volk müsse einsehen, daß es tinnualich sei, eine halbe Million Menschen einerseits nicht als gleichberechtigte Bürger zu behandeln, ihnen aber andererscits das Recht zur Auswanderung zu nehmen. ln London wurde ein Hilfskomitee für die deutschen Juden gebildet. Das Komitee hat bereits Geldbeträge zur Linderung der Not In den schwersten Fällen gesandt. Das Hilfskomitee gibt bekannt, daß die Möglichkeit besteht, Kinder nach England zu bringen, wenn nachgewiesen werden kann, daß sie in einem Hause Aufnahme finden. Zahlreiche Familien haben sich zur Aufnähme von Kindern aus Deutschland bereit erklärt. * Die Leitung der Vereinigten Organisationen für jüdische Auswanderungshilfe Hfas-tca-Emigdirect (HICEM) veröffentlicht ein Communique, in dem sie erklärt, sie gebe sich gleich allen anderen jüdischen Organisationen der Hoffnung hin, die deutsche Regierung werde auf die gegenüber der jüdischen Bevölkerung eingeschlagene Ausnahmepolitik verzichten und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um der jüdischen Bevölkerung ihre normale Existenz in politiseher, religiöser und wirtschaftlicher Hinsicht wiederzugeben. Es ist zu hoffen, heißt es in dem Comnuiniquö, daß diese Maßnahmen eine Auswanderung der Juden aus Deutschland überflüssig machen werden. Dessen ungeachtet habe die Vereinigung HICEM für alle Fälle Maßnahmen getroffen, um die Aufnahme von Juden aus Deutschland in allen Ländern zu sichern. Sowohl in den europäischen Län• dern, insbesondere in Frankreich, a<s auch in den überseeischen Ländern, wurden Schritte unternommen, um eine gastfreundliche Aufnahme iiidischer Flüchtlinge aus Deutschland vorzubereiten. Besonders energische Bemühungen wurden gemacht, um Flüchtlingen günstige Bedingungen für ihre Niederlassung zu sichern. Leider sind diese Möglichkeiten infolge der augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse hegrenzt, was die schwierige Aufgabe besonders kompliziert. Denlscbe Joden in Holland Amsterdam, 3. April. (J.T.A.) Im Verlauf der vorigen Woche sind etwa 2000 Juden aus Deutschland in Holland eingetroffen, die Hälfte von ihnen hat sich in Am st erdam niedergelassen. In ganz. Holland wurden Hilfskomitees gegründet, die die Einwanderer unterstützen. Wie der Amsterdamer JTA.-Berichterstatter erfährt, wurden bereits Hfl. 30 000 für Hilfszwecke gesammelt. Zahlreiche Familien in Amsterdam haben deutsche Juden als Gäste in ihrem Hause au f ge n o m m e n. * Die Pariser Tageszeitung ״Le Temps“ erklärt in einem Leitartikel, es sei Frankreichs Stolz, eines der wenigen Länder zu sein, die Juden aus Deutschland ein Asyl geboten haben. Das Blatt beklagt es gleichzeitig, daß England von seiner diesbezüglichen Tradition abgegangen ist. In London liegen Nachrichten vor, denen zufolge die tschechoslowakische und die jugoslawische Regierung nach Vorsnrache jüdischer Delegationen sich bereiterklärt naben, jüdischen Auswanderern aus Deutschland das Asylrecht zu gewähren. Aus Beuthen meldet ״Der Montag“: Aus dem D-Zug Berlin—Bukarest wurden am Sonntag auf dem Beuthen er Bahnhof 15 Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die sieh nach Polen begeben wollten, herausgeholt und am Grenz- Übertritt verhindert. Aus Leipzig kam ferner ein jüdischer Arzt polnischer Staatsangehörigkeit mit Frau und Schwiegermutter. Der Arzt und seine Frau durften weiterfahren, die Schwiegermutter wurde zurückbchalten, da sie deutscher Staatsangehörigkeit ist ״Völkischer Beobachter“ meldet aus Dresden: In der letzten Nacht wurden in den von Dresden zur Reichsgrenze fahrenden Zügen, vor allem in Bad Schandau, eine umfangreiche Razzia durchgeführt. Dabei wurden zahlreiche Juden festgestellt, die sich in die Tschechoslowakei begehen wollten. Sie wurden an der Weiterfahrt gehindert. Dagegen wurde ihnen die Rückreise in ihren Wohnort freigestellt. Auch größere Summen Geldes wurden beschlagnahmt. Reuter meldet aus Kopenhagen, daß alle am 1. April in Dänemark eingetroffenen Züge von Juden aus Deutsch* land überfüllt waren. In Kopenhagen allein landeten viele Hunderte deutsche Juden, die auf dem Seeweg eingetroffen yvarea.