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Jüdische Rundschau · 1933-04-07 · Heft 28-29 (7.4.1933) · p. Seite 138

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 28-29 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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Seite 38ו JÜDISCHE RUNDSCHAU ( Nr. 28/29, 7. IV. 1933 offe.1 die Treue hält, der wird auch vom Gegner als ein ehrlicher Partner empfunden werden können. Der weitaus größte Teil der deutschen Juden besteht aus Menschen, die ihrem Judentum gefühlsmäßig stark verbunden sind, auch wenn sie unserer Meinung nach nicht imstande waren, sich in der Welt richtig zu sehen und die Konsequenzen zu ziehen, die wir Zionisten gezogen haben. Wir wollen heute mit keinem Juden rechten, der sein Judentum als Wert empfindet. Dieses Peßachfest soll uns ein Anlaß sein, allen jüdischen Juden das große Gefühl von der Ewigkeit unserer Art und unseres Lebens zu geben. Wir wollen mit ihnen durch die Liebe zu unserem Volke verbunden sein und wollen in einer Zeit, die uns das Wort Jude als Schimpf entgegenschleudert, den Neubeginn eines gereinigten jüdischen Lebens versuchen. In der Zeit der Not und des Unglücks bedürfen wir zunächst der Selbstprüfung. Gemeinsam sollten wir erkennen, daß das Aufgeben der jüdischen Substanz, die Vernichtung des geschichtlichen Zusammenhanges das größte Unglück ist, das uns in der vergangenen Weltperiode getroffen hat. So wurden wir haltlos, verloren den Maßstab für die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden, vergaßen die Distanz, in der die einzige Gewähr für ein dauerndes erträgliches Zusammenleben verschiedenartiger Menschengruppen besteht. ״Unsere Zukunft — der nächste Tag." So sprach Leo Pinsker, im Jahre 1SS2 zum jüdischen Volk, das in den meisten Ländern von dem Wort ״Galuth“ nichts wissen wollte. Wenn aber heute jeder erkennt, daß wir Juden nicht in der Lage sind, unser eigenes Geschick in den Ländern der Welt zu gestalten, dann ist es höchste Zeit, noch einmal nach dem Sinn des Judentums zu fragen. Frei von Panik, in aller Ruhe, sollte jeder Jude heute über sich selbst zur Klarheit kommen. Er soll sich nicht dadurch beirren lassen, daß es jüdische Organisationen gibt, die nach starren Prinzipien ihre Mitglieder zu leiten versuchen und ängstlich bemüht sind, zu verhindern, daß die behüteten Mitglieder über die Vereinsgrenzen liinatisseheri. In diesen Tagen kann der ״Verein“ dem einzelnen Juden nicht das Denken abnehmen. Man kann auch niemanden durch Berichte über Aktionen beruhigen, wenn in der wirklichen Situation der Juden doch nicht die geringste Aenderurig eintritt. Es wäre unverzcih’ich, wenn die Juden sich auch weiter mit den Prestige-Angelegenheiten ihrer Gruppen beschäftigten, statt dem gemeinsamen Schicksal ins Auge zu sehen. Der Umschwung im Denken erfolgt bei den Juden heute langsamer als die Wandlung im Tun. Tausende deutscher Juden haben den Wunsch, nach Palästina zu gehen. Wer weiß, was in den Auswandererberatungsstellen vorgeht, der sieht mit Erstaunen, daß man dort Menschen aus allen Kreisen des deutschen Judentums begegnet, Antizionisten, Juden, die nicht die geringste Vorstellung von Palästina haben. Sie wollen nach Ercz Israel gehen, um dort unter Juden und mit Juden leben zu können, um einer Welt zu entgehen, in der das Wort Jude ein Schimpfwort ist. Sie erinnern sich nicht gern daran, daß dieselben Vorstellungen, die sie heute nach Palästina treiben, vor ganz kurzer Zeit noch die stärksten persönlichen Gegengründe gegen den Zionismus gewesen sind. Gewiß ist es riehti״, daß die Not heute die jüdischen Menschen in jüdische Bezirke treibt. Es ist aber nicht richtig, daß sich in der Not immer nur die schlechten Eigenschaften offenbaren. Bei Tausenden führt das Erlebnis dieser Zeit auch zur inneren Neuorientierung. Ercz Israel ist nicht nur eine Zufluchtsstätte, cs ist heute auch ein großer Erzieher des deutschen Judentums. Der Jude lernt an sich selbst glauben, wenn er erfährt, daß es Juden gelungen ist, in langer schwerer Arbeit ein eigenes Volksleben auf einer gesunden Grundlage aufzubauen. Immer wieder werden wir gefragt, ob die palästinensisehen Juden nicht Schutzmafiregeln gegen eine überstarte Einwanderung verlangen werden. Der Jude ist so gewohnt, durch Berufsneicl aus seinen Positionen verdrängt zu werden, daß er sich kaum vorstellen kann, wie heute in Palästina jeder neue Einwanderer willkommen geheißen wird, wie Berufsgenossen in Berufen, in denen sie selbst kaum noch ein Auskommen finden können, noch näher zusammenrücken, um Neuen Platz zu machen, daß selbst jüdische Aerzte und Anwälte in Palästina noch niemals den Versuch gemacht haben, sich vor der großen Zahl einwandernder Kollegen zu schützen. Im neuen Judentum kommt erst Brüderiichkeit, dann Geschäft; erst Gemeinschaftsgefühl, dann Eigennutz. Jeder Jude Palästinas ist glücklich, wenn Palästina Juden aufnehmen kann. An Stelle des symbolischen Jerusalem ist das wirkliche getreten, und das wirkliche Jerusalem, das lebendige Palästina, sie stehen heute vor uns, wenn wir an diesem Peßachfest an die Freiheit des eigenen Lebens denken. ״Das Land trägt wieder Blüten, es trägt wieder Früchte“. Und es trag“ schon heute die Ehre und die Freiheit des Juden. Gewiß werden nicht alle Juden wirklich selbst nach Palästina gehen. Aber für alle Juden, wo immer sie leben, ist Palästina, ist das neue dort entstehende Judenvolk, die große Chance für ihre eigene jüdische Existenz. Es wird auch weiterhin ein Judentum in Deutschland geben, wie immer seine äußeren Lebensbedingungen sein mögen. Aber diese deutschen Juden, die genau so wie vorher mit Deutschland schicksalhaft verbunden sind, werden nun wirklich Juden sein müssen, und sie werden es sinnvoll nur sein können, wenn sie konkrete jüdische Inhalte haben. In Zeiten des Wohllebens, im Zeitalter des Liberalismus, konnte man sein Genügen in einet« schemenhaften, nach de« Bedürfnisse« des Tages zurechtgezimmerten Judentum finden. In der Welt der harten Wirklichkeit von heute gibt es solche Halbheiten nicht mehr. Wenn die Worte Geschichte, Religion, Gemeinschaft aufhören, nur Vokabeln zu sein, wenn der Jude zu seiner eigenen Welt ja sagt und aus den jüdischen Quellen zu schöpfen lernt, dann kann man ihm noch soviel antun, er wird so wenig verzweifeln, wie seine starken Vorfahren, die das Werturteil über ihr eigenes Sein von der Meinung der Welt unabhängig machten. Juden, die man heute als Glied eines ״parasitären“, materialistischen, zu Arbeit und Idealismus unfähigen Volkes abstempeln möchte, werden dann auch in der Verbindung mit dem konkreten, lebendigen, schaffenden und arbeitenden Palästina selbst daran mitwirken können, daß das Bild des Juden vor der Welt sich wandelt. Für uns deutsche Zionisten wird dies Peßachfest unvergeßlich bleiben. Viele unserer besten Mitarbeiter sitzen in Palästina und werden in diesen Tagen besonders ernst noch einmal Rückschau halten. Sie werden sich erinnern, daß man uns vor 20 Jahren gesagt hat, den Zionismus der ״Ostjuden“ könne man verstehen, da es irn Osten eine Gleichberechtigung nicht gäbe. Sie werden die Schmerzen noch einmal fühlen, die sie gequält haben, in langen Jahren schwerer und wenig erfolgreichcr Arbeit im Galuth. Sie werden heute aber auch wissen, daß ihr Tun sinnvoll und nicht vergeblich war. Wir bringen dem deutschen Judentum in diesen Tagen des Drucks eine blühende jüdische Welt in Palästina, die für a 11 e J u d e n da ist. Die zionistische Bewegung wollte dem ganzen jüdischen Volk dienen, an dessen Erlösung zu eigenem Leben sie glaubte. Wenn es uns gelingt, den Weg zueinander zu finden, uns durch eine Arbeit, durch eine Hoffnung zu einen, dann werden wir für alles, was wir gemeinsam durchmachen, reich belohnt werden. Wir werden jenen Zeiten nicht nachtrauern, in denen die Juden vor allem auf ihre Stellung in der Wirtschaft stolz waren, in denen sie den Beifall der anderen suchten, in denen sie Repräsentanten nichtjiidischcr Kreise und Bewegungen sein wollten, sondern wir werden wissen, daß wir unsere Aufgabe in der Welt nur durch Entbindung der in uns liegenden ursprünglichen eigenen Kräfte erfüllen können, daß unser Volk nach einer Zeit der Auflösung zur Wiedergeburt in seinem eigenen Lande kommt und daß auch, wie wir zuversichtlich hoffen, eine anständige und würdige Beziehung zwischen Juden und Nichtjuden hergestellt wird. Auch wir werden eine Zeit als einen bösen Traum empfinden, in dem der Jude versuchte, den ״Makel“ des Judentums dadurch zu beseitigen, daß er sich mögliehst stark in der nichtjiidischen Welt befestigte; wir werden aber verstehen, daß die heftige antisemitische Reaktion eine Antwort auf den großen psychologischen Fehler des Liberalismus war, der die Betätigung der Juden iin deutschen Leben als einen besonderen Beweis aktiver patriotischer Gesinnung ansah. Der Verächtlichmachung und der Verdächtigung des gesamten Judentums werden wir auf die Dauer nur dadurch wirksam gegenübertreten können, daß wir offen und freimütig der Welt als Juden gegenübertreten. Wir können und wollen niemanden zur Liebe zwingen, aber auch für eine uns feindliche Welt kann es nicht ohne Bedeutung sein, mit aller Deutlichkeit zu erfahren, daß wir Nachkommen jener Juden sind, die einst aus Aegypten gezogen sind, die in der Wüste zum Volk wurden, die ein Gesetz auf sich nahmen, dessen Grundsätze auch heute noch Geltung haben und daß dieses Volk nach vielen Schicksalen in schwerer Zeit noch einmal die Kraft findet, zu zeigen, daß es nur eine Form der wirksamen Ver״ kündung einer Wahrheit gibt: daß man die erkannte Wahrheit sich selbst sagt und sie b e w ä h rt. Dieses Peßachfest führt die deutschen Juden zu sich zurück. Ostern in Jerusalem Wie stets ist auch in diesem Jahre die Oster zeit der Höhepunkt der palästinensischen Touristensaison. Außer dem Strom jüdischer Touristen und Immigranten, der sieh in das Land ergießt, sind auch nichtjüdische Besucher in großer Zahl zu erwarten. Das christliche Heilige Jahr, die lDOOjährige Gedenkfeier der Kreuzigung Christi, wird eine große Zahl katholischer Pilger in das Land bringen. Es wird berichtet, daß in Jerusalem alle irgendwie erreichbaren Unterbringungsmöglichkeiten für diese Pilger bereits belegt worden sind. Ein Ereignis von großer Bedeutung ist ferner die Einweihung des neuen Gebäudes der Young Men Christian Association, das über 200000 Pfund gekostet hat. Die Einweihungsfeiern sollen volle zwei Woehen in Anspruch nehmen und ihren Höhepunkt in einer Zeremonie am 18. April erreichen, bei der Feldmarschall Alien bj unter dem Vorsitz des High Commissioner den offiziellen Eröffnungsakt vollziehen wird. Am 10. April wird Lord AUenby in Jerusalem einen Vortrag über den palästinensischen F e I d z u g halten. Dieser Vortrag wird durch Radio in die ganze Welt übertragen werden. Es wird betont, daß um diese Zeit viele angesehene Persönlichkeiten als Gäste in Jerusalem erwartet werden. Durch das Zusammenfallen der Feste aller drei Religionen: Pessach, Ostern und Nebi Musa, wird die Ueberfüllung der Stadt besonders fühlbar; die Regierung hat alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um eine ruhige Abwicklung aller Feierlichkeiten und Veranstaltungen zu sichern. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint wegen der Feiertage am Donnerstag« dem 13. April 1933. 7 Der Abbruch des Boykotts Der offizielle Boykott gegen die deutschen Juden ist am Mittwoch nicht wieder aufgenommen worden. Dazu wurde am 4. d. M. von zuständiger Seite folgende Mitteilung an die Presse ausgegeben: ״Die Reichsreglerting hat mit Befriedigung davon Kenntnls genommen, daß der Abwehrboykott gegen die deutschfeindliche Hetze seine Wirkung im Ajusland nicht verfehlt hat. Abgesehen von kleineren Ucberbleibseln der Greuelhetze gegen Deutschland ist im übrigen die Hetzevollkommen abgestelit worden. Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß es keinen Zweck hat, gegen diese Ueberbleibsel im Wege des Boykotts weiter vorzugehen, zumal es sich hier um eine Hetze handelt, die ihren Ursprung bei den Kommunisten hat. Der deutsche Abwehrboykott wird also am Mittwoch vormittag nicht wieder aufgenommen, da er überflüssig geworden ist. Die Reichsregierung betont jedoch, daß die Abwehrorganisation der NSDAP, noch aufrechterhalten bleibe, so daß für den Fall eines Wiederauflebens der Hetze der Abwehrkatnpf jederzcitwiedereinsetzen könne.“ Ferner wird durch WTB mitgeteilt: Das Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze hat die weitere Abwicklung seiner Geschäfte einstweilen der Reichskampfbundführung des gewerblichen Mittelstandes übergeben. Der Sitz der Rcichskampfbundführung ist München. In einer Meldung des Conti-Büros wird berichtet, daß in einer Versammlung des Zentralen Boykott-Komitees in Müneben, der Vors., Abg. J. Streicher, erklärt habe, ״noch sei die Gefahr, die Deutschland bedrohe, nicht gebannt. Es gelte jetzt, die erstürmte Stellung auszubauen. Die Judenfrage sei die ernsteste Frage, «die von einem Volk zu lösen sei. Selbstverständlich werde von allen verantwortlichen Stellen weiter an der Aufklärung des deutschen Volkes gearbeitet, und vielleicht würde bereits in allernächster Zeit eine Zentralstelle für Rassenfragen geschaffen. An alle deutsehen Geschäfte würden in allernächster Zeit große Schilder ausgegeben, die sie als solche kennzeichneten.“ Die Befestigung solcher Schilder würde wohl einer Art indirekter Aufforderung zum Boykott derjenigen Geschäfte, die diese Schilder nicht tragen, gleichkommen. Diese Maßregel ist um so erstaunlicher, als nach der Mitteilung der Reichsregierung die Auslandshetze, die durch den Boykott abgewehrt werden sollte, vollkommen aufgehört hat. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch interessant, daß der ״Völkische Beobachter“ vom 6. April für Freitag, den 7. April, fünfzehn Versammlungen in allen Teilen Berlins unter der Ueberschrift ״Boykott-Versamm- Jungen des GausGroß-Beriin“, Thema ״Gegen Judas Lügen und Hetze“ ankündigt. Was in diesen Versammlungen behauptet und verbreitet werden dürfte, kann man sich wohl vorstellcn. Unbegreiflich bleibt aber, wieso man gleichzeitig die Unterbrechung der Boykott-Bewegung bekanntgeben und doch die Bewegung fn so großem Stile weiterführen kann. Zu unserer Bemerkung, daß die berichtigende Erklärung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland über das falsche Herzl-Zitat in dem nationalsozialistischen Boykott-Aufruf von keiner deutschen Zeitung abgedruckt wurde, wird uns aus Frankfurt mitgeteilt, daß die ״Frankfurter Zeitung“ in ihrer ״Normalausgabe“ die Erklärung gebracht hat. In der ״Reichsausgabe“, die in Berlin verbreitet wird und die bereits früher als die lokale Normalausgabe fertiggestellt wird, war die Erklärung nicht enthalten; wie wir annehmen aus technischen Gründen. Wir freuen uns, auf Grund dieser Mitteilung unsere bedauernde Bemerkung mm in diesem einen Punkt einschränken zu können, indem wir feststclien, daß die für den Stadtbezirk Frankfurt (und wohl auch für einen großen Teil der siiddeutschen Leser) bestimmte ״Normalausgabe“ der ״Frankfurter Zeitung“ als einzige die der ganzen Presse zugesandte Erklärung ihren Lesern mitgeteilt hat. Im übrigen können wir beobachten, daß die unkommentierte Verbreitung des erwähnten Boykott-Aufrufs auch weiter Früchte trägt. In allen möglichen Zeitungen der Provinz erscheinen Notizen, die die spezielle Aufmerksamkeit ihrer Leser auf das sogenannte Herzl-Zitat hinlenken, oft unter der Ueberschrift ״Was der Deutsche nicht w e i ß“. Und gegen diese Methoden der Verunglimpfung und der Verbreitung von Unwahrheiten gibt es kein Schutzmittel. Amtsenthebung jüdischer Notare Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Reichskommissar für das preußische Justizministerium, Kerrl, an sämtliche preußischen Oberlandesgerichtspräsidenten und Landgerichtspräsidenten die nachfolgende Verfügung gerichtet: ״Aus den in meinem Erlaß vom 31. März d. J. angegebenen Gründen muß damit gerechnet werden, daß die AutrechterhaltungderöffentlichenOrdnungund Sicherheit ernstlicher Gefahr ausgesetzt ist, wenn Deutsche sich int Rechtsverkehr weiterhin Urkunden entgegenhalten lassen müssen, die von jüdischen Notaren aufgenommen oder beglaubigt worden sind. Mit Rücksicht hierauf ersuche ich, den jüdischen Notaren in ihrem eigenen Interesse dringend zu empfehlen, sich bis auf weiteres der Ausübung ihres Amtes zu enthalten. Dabei sind die Notare darauf hinzuweisen, daß sie im Falle ihrer Weigerung sich mit Rücksicht auf die erregte Volksstimmung erheblichen Gefahren aussetzen. Die Notare sind anzuweisen, dem zuständigen Landgerichtspräsidenten umgehend anzuzeigen, daß sie sich bis zu einer anderweiten Regelung der Verhältnisse der Notare der Ausübung ihres Amtes enthalten werden. Von der Verpflichtung zur Amtsausübung werden die in Betracht kommenden Notare hierdurch entbunden.“ Dieser Erlaß ist durch die Landgerichtspräsidenten bereits durchgefiifirt worden. ״Völkischer Beobachter1‘ berichtet, daß Reichsinnenminister Fr ick im Verlauf einer Ansprache anläßlich der Fahnenweihe der nationalen Beamtcnfachschaften auf dem Tempelhofer Feld für die nächste Woche ein Gesetz ankündigte, das vorsieht, daß nur deutschblütige Beamte Staatsautorität in Deutschland verkörpern dürfen. Wie die ״Jenaische Zeitung“ berichtet, wurde in der soeben abgehaltenen Generalversammlung des Einzelhandelsveroandes Jena ein Antrag, demzufolge nur deutschstämmige christliche Kaufleute Mitglieder des Einzelhandelsverbandes sein dürfen, einstimmig angenommen. Zur Begründung erklärten die Antragsteller, daß es sich hier keinesfalls darum handele, den einzelnen zu treffen, sondern das durch di« Rasse bedingte jüdische Geschäftsgebaren. Es sei erforderlich, eine Gleichschaltung der Verbandspolitik mit der .Wirtschaftspolitik der heutigea Regierung herbeizufiihrea.

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