Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1933)
- Date
- 1933-04-04
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 134 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 27, 4, l\r. 1933 Debatte im Oberhaus v «beidie Aussprache im englischen Oberhaus, die am 30. März in London stattfand, verbreitet das W. T. B. einen ausführlichen Bericht. Zunächst macht Viscount Cccfl längere Ausführungen über die Lage in Deutschland und besonders der deutschen Juden. Er wolle die Regierung, so betonte er, zwar nicht zu einer diplomatischen Aktion drängen, wäre jedoch dankbar, wenn sie das Oherhaus über die Lage informieren wolle. Ein Bericht des britischen Botschafters in Berlin, von dem der Außenminister im Unterhaus gesprochen habe, wäre wohl die wertvollste Darlegung und imstande, die in England vorhandenen Besorgnisse zu zerstreuen. Die Presse habe ihrer Informationspflicht mit Mut und Diskretion genügt. Bei den Vorgängen in Deutschland müsse man verschiedene Dinge genau auseinanderlialten. Zunächst seien Meldungen verbreitet, wonach Juden gewalttätig und rücksichtslos behandelt warden seien, Vorkommnisse, die aber nicht auf Ermächtigung der deutschen Regierung, sondern ohne deren Eingreifen sich abgespielt hätten. Die deutsche Regierung habe nachdrücklieh gegen die übertreibende Darstellung solcher Vorkommnisse protestiert und erklärt, sie sei schuldlos. Soweit sich derartige Vorfälle ereignet hätten, gehören sie zu den bedauerlichen, aber unvermeidlichen Begleitumständen einer Revolution. Das Oherhaus, so erklärte Viscount Cccil, werde cs begrüßen, wenn die britische Regierung ihrerseits etwas zur Bestätigung der Auffassung der deutschen Regierung 711 sagen wisse. Weiterhin seien in deutschen Zeitungen heftigste und überreizte Artikel wegen der Juden veröffeutlicht worden. Dies sei angesichts der in Deutschland herrschenden strengen Zensur nur schwer verständlich. Man hätte, so meinte Cedi, doclr annchinen können, daß die Zensur in der Lage gewesen wäre, gegen derartige Artikel einzusclm'iteu. Ernster aber als die bis her von ihm erwähnten Dinge seien die im großen Umfang vorgenommenen Ent-! a s s u n g e n jüdischer A ent t, Juristen und Gelehrter, die die deutsche Judeniieit am folgenschwersten träfen. Die besondere Stellung, die England als Mandatar Palästinas einnehme, habe zur Folge, daß England m i t W ohl u n d Wehe des j ii d i s e h e 11 Volkes in b es on d e rer Weise verknüpft sei. Wenn man hetone, daß die J u d e 11 f r a g e eine Angelegenheit der deutscher! Regierung sei, in die England sich nicht einmisehen dürfe, so treffe dies zwar in gewissem Maße zu. Doch sei es seit mehr als einem halben Jahrhundert allgemein üblich, die Behandlung volklichcr und religiöser Minderheiten als eine Frage zu betrachten, die nicht nur die Länder angelte, in denen die Minderheiten leben, sondern die das Interesse und eventuell auch Maßnahmen anderer Länder erfordere. Kein Staat Europas habe eifriger auf der strikten Durchführung der Minderheitenbestimmungen des Versailler Vertrages bestanden als Deutschland in Genf. Kriegsminisier Lord Kaibham ab in Erwiderung der Ausführungen Viscount Cedis über ie Behandlung der Juden in Deutschland eine Erklärung der Regierung ab. Kein britischer Untertan jüdischer Herkunft, so führte er aus, habe Ursache gehabt, sich über Mißhandlung in Deutschland zu beklagen. Die Regierung glaube nicht, daß es gerechtfertigt wäre, bei der deutschen Regierung über die Behandlung■ nicht britisch er Staatsangehöriger jüdischer Herkunft Vorstellungen zu erheben. Der amerikanische Botschafter wie auch der britische Botschafter in Berlin seien angewiesen worden, ihren Regierungen über die Lage in Deutschland Bericht zu erstatten. Es treffe zu, daß vor einiger Zeit zwischen dein britischen Botschafter und dem deutschen Außenminister eine Unterredung stattgefunden habe; auch entspreche di« Behauptung den Tat- Sachen, daß Sir John Simon die Angelegenheit dem deutscheu Botschafter in London gegenüber erwähnt habe. Die in beiden Fällen gegebenen Antworten hätten beruhigenden Charakter geliaht. Um Mißverständnisse ־zu vermeiden, müsse er feststellen, daß man sich zwar durchaus im Recht befinde, wenn man davon spreche, es sei England als Mandatsmacht für Palästina eine besondere Verpflichtung 71!m Schutz der in Palästina ansässigen Juden übertragen worden, Das veneihe jedoch England nicht ein allgemeines Recht, für Juden in bestimmten Ländern zu intervenieren. Es treffe zu, daß die Friederisverträge den Schutz der Minderheiten vorsehen. Diese Bestimmungen seien aber aut die Lage in Deutschland nicht anwendbar, Es läge nicht im Interesse der Juden selbst, wenn irgendeine Andeutung gemacht werde, daß die britische Regierung sich irgendwie zur Intervention für die Juden in Deutschland für autorisiert halte. Lord Reading erklärte, er habe nicht gewußt, daß diese Debatte stattfinden wird, aber da die Frage berührt wurde, sei er der Ansicht, er könne als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und des Oberhauses unmöglich darauf verzichten, die Regierung zu ersuchen, alles Menschenmögliche zu unternehmen.’Zumindest müsse man die Ansicht, die die große Mehrheit des engfischen Volkes von den furchtbaren Unterdrückungen der Jude« in Deutschland hätte, darlegen. Der für den i, April in Deutschland angesetzte Angriff richte sich gegen die jüdisehen Universitätsprofessoren, Richter, Rechtsanwälte und Aerzte. Er erkenne durchaus die schwierige Lage der britischen Regierung in dieser Angelegenheit an. Trotzdem wolle er bei ihr darauf dringen, daß sie die ihr zu Gebote stellenden legitimen Mittel benutze, um Deutschland wissen zu lassen, welche Auffassung von den Vorgängen in Deutschland man in England habe. Den Ausführungen Lord Rcadings schloß sich auch Lord H a I s b u r V (konservativ) an. Lord 1 d d e s 1 ei g h (konservatlv) stimmte als Katholik den Ausführungen Lord Readings über die Lage der Juden in Deutschland zu. Auch der Erzbischof von Caitterbury schloß sich den Erklärungen Lord Readings an. Die britische Regierung tue alles in ihren Kräften Stehende, um die Besorgnis des englischen Volkes und der christlichen Mitbürger mit der jüdischen Gemeinschaft, nicht zürn mindesten auch der aufrichtigen Freunde Deutschlands, zum Ausdruck zu bringen. Den Ausführungen Lord Readings, erklärte I.ord Hailsham, müsse man, da sic von einem Mann von anerkannter Autorität stammten, großes Gewicht beilegen. Die Erklärungen des Er/bi-choh vo;1 Gen;erb׳;:.׳v und des Lord lddcslcigh die für die heiden christlichen Konfessionen gesprachen hätten, zeigten deutlich, wie weitverbreitet die Besorgnis sei. Lord Read Ing erklärte darauf, er habe nicht eine förmliche Intervention der britischen Regierung wegen der deutschen Juden anregen wollen. Es scheine ihm lediglich wichtig zu sein, daß die von der Mehrheit des britischen Volkes vertretenen Auffassungen Ober die Lage in Deutschland angemessen und mit dem ״Imprfmatur“ der Regierung versehen der deutschen Regierung übermittelt würden. Darauf erwiderte Lord Hailsham, es könne wohl kaum eine wirksamere Art geben, die von sehr großen Teilen des britischen Volkes gehegten Ansichten zum Ausdruck zu bringen, als die heutige Debatte des Oberhauses. Wenn er sich so sehr bemüht habe, gegen jeden Vorschlag Einwendungen zu erheben, der einen Schritt der britischen Regierung in Berlin wünsche, so sei das deshalb geschehen, weil eine derartige Demarche eine nicht zu rechtfertigende Einmischung in deutsche Verhältnisse bedeuten würde. Sie würde zudem mehr Schaden als Nutzen anriehten und von der öffentlichen Meinung in Deutschland «bei vermerkt werden. Er freue sich, dem Haus mitteilen zu können, daß auf Fragen der britischen Regierung von deutscher Seite befriediende Versicherungen abgegeben worden seien, r vertraue darauf, daß die deutsche Regierung nichts geschehen lasse, was die Berechtigung der in der Oberhausdebatte ausgesprochenen Besorgnis beweise. Auch hn Unterhaus kam es am selben Tag zu einer Besprechung der Judenfrage in Deutschland. Die Aussprache wurde eingeleitet durch eine Interpellation des rechtsstehenden konservativen Unterhausmitgliedes Com, Lock e r - L a m p s 0 n, der den Außenminister fragte, ob er die Frage vor die nächste Sitzung des ץ ölkerb undsrates bringen werde. Der Außenminister Sir John Simon erwiderte, daß es im Statut des Völkerbundes keinen Anhaltspunkt gibt, auf den man sich stützen könnte, um die Frage vor dem Völkerbundsrat zu behandeln. Hierauf stellten Locker-Lampsoti, sowie das Unterhausmitglied für Whitechapel, Jänner, und schließlich der Führer der Oppositäon, Lansbury, noch eine Reihe weiterer Fragen. Der Aufknminister erklärte schließlich, daß die Anregung des Oppositionsführers Lansbury, einen Bericht des britischen llotschattcrs in Berlin cinznfordem, damit authentisches Alaterial verfügbar sei, vernünftig ist, und daß er in diesem Sinne mit der Botschaft in Verbindung bleibe. SK Die englischen Zeitungen vom 1. d. M. veröffentlichen ein Telegramm, das der bekannte antikommunistische Politiker und Gründer der englischen ״Blauhemden“, der Unterhausabgeordnete Kapitän a. D. Oliver Locker- Lampson, an Reichskanzler Hitler geschickt hat, den er persönlich kennt. Das Telegramm lautet: ״Als englisches Parlamentsmitglied und ehemaliger See- Offizier, der stets und in aller Ocffentlichkeit die deutschen Ansprüche auf militärische Gleichberechtigung und Territorialrevision verteidigt und unterstützt hat, und als jahrelanger aufrichtiger Bewunderer Ihrer Person, darf ich mir gestatten, darauf aufmerksam zu machen, daß durch die beschlossene A u s n a 11 m ebchandlung deutscher Juden die bereits stark erwachsene Sympathie für Deutschland im engüsehen Volk für Deutschlands nationale Erneuerung unter ihrer Führung in größter Gefahr ist, sich gegen Deutschland zu drehen und meine und anderer Freunde Arbeit für Deutschlands gerechte Forderung beinahe unmöglich zu machen. Verzeihen Sie, Herr Reichskanzler, diese freimütigen Worte eines Engländers, der ihnen in ihren Versammlungen oft zugeklatscht hat.“ Der Schutz verband deutscher Schriftstel-! e r hat eine Reihe linksstehender Mitglieder, darunter zahlreiche luden, ausgeschlossen. Unter den ausgeschlossenen jüdisehen Mitgliedern befinden sich Dr. Lion Feuclitwangcr, Dr. Alfred Kerr, Otto Heller, Egon Erwin Kisch, Dr. Apfel, I>r. Bruno Frey und Manfred Georg. An unsere Leser! Wir erhallen in diesen Tagen eine große Reihe von Zuschriften aus unserem Leserkreis, worin wir darauf aufmerksam gemacht werden, dal) die ״JÜDISCHE RUNDSCHAU׳ in diesen Wodien, in denen die Judenfrage im Vordergrund des Interesses bei Juden und Nicht* juden steht, eine überaus starke Resonanz findet. Wir werden überflutet mit Anregungen, für eine weite Verbreitung der ״Jüdischen Rundschau" zu sorgen. Insbesondere wird uns mitgeteilt, daß sehr viele diristlidhe Mitbürger, besonders audt solche, die reditsstehenden, die Regierung unterstützenden Parteien angehören, von der Haltung der ,,Jüdischen Rundschau" stark beeindrutkt sind. Um den an uns ergangenen Anregungen nadikommen zu können, bitten wir alle unsere Leser, un« Adressen anzugeben, an die Probenutnmern der ״Jüdischen Rundschau" gesandt werden können. Insbesondere ist es Pflicht aller unserer Freunde und Leser, unter den Juden Abonnenten zu werben. Wir stellen zu diesem Zweck gern Probenummern zur Verfügung. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß eine Abonnentenwerbung in didsen Tagen überaus erfolgreich sein kann. Angaben von Adressen erbitten wir an die Expedition der ״Jüdisehen Rundschau", Berlin W 15, Meinekestr. 10. Dk ״JÜDISCHE RUNDSCHAU" muß von Hand zu Hand gehen!! Presseschau Der ״Volk. Be ob.“ übersehreibt seine Sonntagsnuntmer: ״Ganz Deutschland boykottiert die Juden“, und darunter ״Der Feind der Nation geächtet!* Im Text des Berichtes heißt es dann: ' ״In den Massenkundgebungen, die sieh in den Städten nach grandiosen Umzügen entwickelten, kam die Entschlossenheit unserer Bewegung spontan zum Ausdruck, im Kampf gegen das Judentum nicht nachzulassen, bis das Märeher! von den Greueln in Deutschland restlos im Ausland bescitigt ist. Die Juden haben eine bittere Lehre hinnehmen müssen. Die Lehre war, daß man jetzt nicht mehr gewillt ist, sich auf lange Verhandlungen mit ihnen einzulassen, sondern daß man sie da packen wird, wo sie am empfindlichsten sind: Am Geldbeutel. Der Boykott vom Sonnabend Ist lediglich als Genera!- probe für eine Reihe von Maßnahmen zu betrachten, die, wenn sich die Meinung der Welt, die im Augenblick gegen uns ist, nicht endgültig ändert, durchgeführt werden. Der letzte, im Druck besonders hervorgehobene Absatz unterstellt demnach, daß es in der Macht der Juden liegt, zu bewirken, daß sich ״die Meinung der Welt“ zugunsten des Nationalsozialismus ändert. * Die ״Nachtausgabe" vorrf 3. d. M. teilt mit, daß der amerikanische Staatssekretär Hui! am Sonntag ein Gesprach mit der Berliner amerikanischen Botschaft hatte. Weiter schreibt das Blatt: ״Die Berichte, die in amerikanischen Blättern jetzt über Deutschland veröffentlicht werden, sind wesentlich ruhtger. Die Hctzmeldungen sind mit Ausnahme der Berichte des Revolverblatts ״Daily M ir r 0 r“ verschwunden. Die öffentliche Meinung Atnerkas ist beruhigt. Der amerikanisch-jüdische Kongreß hat eine Erklärung herausgegeben, in der es tt. a. heißt: ,Wir fügen uns dem Wunsch des Staatsdepartements und enthalte n uns Jegliehen Ko m inentars über die tragische Lage der Juden in Deutschland.“ An dieser Notiz der ״Nachtausgabe“ ist besonders bemerkenswert, daß der hetzerische ״Daily Mirror“ als ״Revolverblaft“ bezeichnet wird. Es handelt sich um ein Organ, das sielt bisher in Europa völliger Unbekanntheit erfreute und nur in den letzten Tagen leider in Verbindung mit der antideutschen Kampagne so oft in Deutschland zitiert wurde, als wäre es ein ernsthaftes Organ. Dieser ״Daily Mirror“ hat aus Genf seine Nachrichten von (eilgebotenen Mädchen und zerstückelten Leichen bezogen. Wir haben uns sofort dagegen verwahrt, daß matt die deutschen Juden für das Geschreibsel dieses Sensationsblättchens verantwortlich machte, und es ist mit Genugtuung hinzunehmen, daß es nunmehr als ״Revolverblatt“, das eine Beachtung nicht verdient, charakterisiert wird. * Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 2. d. M. leitet einen Fragen der Außenpolitik behandelnden Artikel ihres Berliner RK-Mitarbciters folgendermaßen ein: ״Wird man an diesem Tag einer tiefen inneren Erregung geneigt sein, uns zu folgen, wenn wir versuchen, die Gedanken unserer Leser herauszureißen aus der Atmosphäre der Greudhetze und des Abwehrboykatts, in dessen Zeichen dieser 1. April steht? Das soll nicht geschehen, um diejenigen über die Bitternis hinwegzureden, die heute die schwerste Stunde erleben, die' man einem Menschen bereiten kamt: die Stunde einer bewußten und ungewollten Erniedrigung und einer unverdienten Schmach. Sie bedürfen keines Trostes, denn sie können gewiß sein, daß die überwältigende Mehrheit des Volkes zwar jedes andere Mittel gutheißt und mit Ungestüm fordert, das der Abwehr der Greuclhctzc dient, daß sie aber diesen Akt unbestreitbarer Ungerechtigkeit ehrlich, wenn auch vielleicht wortlos bedauert. Wer wollte denn etwa behaupten, daß die jüdischen Kinder, die man heute vormittag in manchen Orten aus der Schule weggeschirlct hat, sich je in ihrem kurzen Leben gegen die Nation vergangen hätten? Wenn man schon den Erwachsenen, vor allem aen Zehntausenden im öffentlichen Leben erprobten und seit vielen Jahrzehnten bewährten Männern und Frauen keine Gerechtigkeit widerfahren lassen und wenn man bet ihnen nicht die Spreu vom Hafer scheiden will —, warum schützt man nicht einmal das zarte Rückgrat harmloser Kinder? Wer für die Nation fühlt, muß verlangen, daß;;־eradc diese Jungen zu aufrechten deutschen Staatsbürgern erzogen werden. Wer die Reden liest, di« im englischen Oberhaus auf eine sehr würdevolle und dadurch wirksame Weise gehalten wurden, der wcifl, daß es fürwahr nicht bloß Juden sind, die im Ausland mit Erschütterung die Sprache der Boykotteure veraommen haben . , Kein Boykott in Palästina Jerusalem, 31. März. (J. T. A.) Die Zionistische Exekutive und der Waad Leunti haben an Reichskanzler Hitler ein. Telegramm gerichtet, in dem erklärt wird, es handle sich bei dem a n t i - d e u t s c h e n Boykott um spontane individueile Aktionen, die aufhören würden, wenn die deutschen Behörden ihre gegen die Juden gerichtete Aktion nicht fortsetzen. Eine Kopie des Telegramms wurde dein deutschen Konsulin Jerusalem überreicht. Dieser richtete nach Besprechung der Lage mit einer Delegation des Waad Leunti ebenfalls ein Telegramm nach Berlin, in dem erklärt wird, daß der bisher auf individuelle Aktionen beschränkte Boykott abflauen werde, wenn die palästinensischen Juden nicht durch eine judenfeindliche Aktion in Deutschland in eine deutschfeindliche Haltung gedrängt werden. V « Erleichterung in der Erteilung von Visen für ״Aufwunderer mit eigenemV«־mögen" Das Berliner Palästina-Amt teilt mit: Die Palästina-Regierung hat erneut «ine Erleichterung in der Erteilung von Visen für Auswanderer mit eigenem Vermögen aus Deutschland eingeführt. Auswanderer aus Deutschland mit einem Kapital im Werte von wenigstens £ 1000 (ca. 15 000 M.) können ein provisorisches Visum ohne Rückfrage in Palästina erhalten, 1. wenn sie über ein flüssiges Kapital von wenigstens £ 1000 (15 000 M.) nachweisbar verfügen, 2. wenn sie sich verpflichten, innerhalb von drei Monaten Antrag auf Erteilung eines ordentlichen Visums der Kategorle A 1 gemäß den geltenden Einwanderungsbestlmmunged m Palästina zu stellen, 3. wenn sie einen gültigen Paß besitzen, 4. wenn das Palästina-Amt oder eine andere entsprechende Stelle bestätigen kann, daß die Angaben der Antragsteller den Tatsachen entsprechen und es sich um ernsthafte Auswanderer handelt. Alle Anträge dieser Art werden daher zweckmäßig zunächst an das Palästina-Amt, Berlin W 15, Meinekestr. 10 (Tel. Bismarck 7165), geleitet. 1