Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1933)
- Date
- 1933-04-04
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 27, 4. IV. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 133 durch eine Aktion, der man den kränkenden Namen ״Sauberung“ gibt, die Juden von Qerichten, Spitäiem usw. vertrieben werden, dann entsteht sfür große und angesehene Kreise des deutschen Judentums eine katastrophale Situation. Die so betroffenen Juden beschweren sich nicht beim Ai; : nd. Aber wenn im Ausland sich Stimmen der Verwunderung erheben, dann können nicht die Juden dafür verantwortlich gemacht werden. Wir hoffen, daß, um nicht in diesen erregten Tagen Miß- Verständnisse zu erzeugen und nicht den Anschein antideutscher Haltung zu erwecken, es den verantwortlichen Führern der Judenheiten in England, Amerika und den anderen Ländern gelingen wird, alle Demonstrationen zugunsten der deutschen Juden zu unterdrücken. Schon jetzt ist zu ersehen, daß viele Irrtümer im Ausland aufgeklärt wurden und die Sprache ruhiger ist. ln einer ruhigen Atmosphäre muß die Frage dann erörtert werden, was mit den Juden geschehen soll, die in Deutschland ihrer Lebensstellungen verlustig gehen. Dies ist eine Frage, die vor allem die Juden selbst angeht, aber auch die deutsche Regierung kann sich ihr nicht verschließen. Je eher der Versuch gemacht wird, aus der heutigen Verwirrung herauszukommen, um so größer ist die Möglichkeit, einen Ausweg zu finden. Die Judenfrage ist für das ganze deutsche Volk eine furchtbare Belastung geworden; das deutsche Volk ist an ihrer Lösung fast ebenso stark interessiert wie die Juden. Daher ist die Zeit zum Handeln gekommen. «Wie alle anderen Staatsangehörigen" W. T. B, meldet: Die Vereinigten deutschen Gesellschaften in New York hatten an Reichskanzler Hitler das nachstehende Telegramm gerichtet: ״V' e r e i n i g t e deutsche Gesellschaften in New York in Gemeinschaft mit hiesigen deutschen Juden deutscher und amerikanischer Staatsangehörigkeit erhoben heute schärfsten Einspruch gegen unerhörte Deutschenhetze in Amerika. Erbitten zwecks Abwehr Erklärung über k ü n f - tige rechtliche, politische und Wirtschaftliehe Stellung der Juden in Deutschland. Persönliche Antwort für das Deutschtum hier von größter Bedeutung.“ Darauf ist vom Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Lammers, die folgende Antwort ergangen: ״Reichskanzler dankt für Ihre Mitwirkung im Kampf gegen jüdische Hetze. Deutsehe Juden werden wie alle anderen Staatsangeh origen gemäß ihrer Einstellung zur nationalen Regierung behandelt werden. Abwehraktion Nationalsozialistischer Partei durch Verhalten deutscher Juden im Ausland herausgefordert.“ Ausschaltung der Jüdischen Richter und Anwälte Reichskommissar Kerri hat an sämtliche Oberlandesgerichtspräsidenten, Generalstaatsanwälte und Präsidenten der Strafvollzugsämter in Preußen eine Anweisung erlassen, derzufolge alle amtierenden jüdischen Richter aufgefordert werden sollen, sofort ihr Urlaubsgesuch einzureichen. Dem Gesuch ist sofort stattzug-eben. Die Kommissorien jüdischer Assessoren sind sofort zu widerrufen. Jüdischen Richtern, die sich weigern, ihr Urlaubsgesuch einzttreichen, ist das Betreten des Gerichtsgebäudes kraft Hausrechts zu untersagen. Jüdische Laienrichter sind nicht mehr einzuberufen, jüdische Staatsanwälte und jüdische Beamte im Strafvollzug umgehend zu beurlauben. Jüdische Rechtsanwälte sind nur in einer dem Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur sonstigen Bevölkerung entsprechenden Verhältniszahl zuzulassen. Die Auswahl der zum Auftreten autorisierten Rechtsanwälte ist im Einvernehmen mit der NSDAP, oder dem Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen zu treffen. Aufträge zur Vertretung von Rechtsstreitigkeiten des Staates sind jiidisehen Anwälten abzunehmen und nichtjüdischen Anwälten zu übergeben. Im ganzen sollen in Berlin 35 jüdische Rechtsanwälte zugelassen werden. Aehnliche Maßnahmen wurden in Bayern, Sachsen und anderen Ländern durchgeführt. Gegen jüdische Aerzte und Apotheken Der ״V. B.“ meldet: Der Staatskommissar für das Berliner Gesundheitswesen, Dr. Klein, hat eine umfassende Neuorganisation der ihm unterstellten Verwaltung durchgeführt: Mit Beginn der Bovkott-Bewegung gegen die ausländische Greuel-Propaganda scheiden Sonnabend, vormittags 11m 10 Uhr, sämtliche jüdischen Wohlfahrtsärzte der Stadt aus ihrem Dienst aus und werden durch deutsehstämmige, nationale Aerzte ersetzt. 72 nationalsozialistische Aerzte haben diesen sehr schweren Dienst ehrenamtlich übernommen. Auf Grund des Boykotts gegen das Judentum hat im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister die Städtisehe Krankenversicherungsanstalt zu Berlin ihre Abteilungen angewiesen, Erstattungsanträgen ihrer Mitglieder mit Mitversicherten, aus denen hervorgeht, daß die ärztliche Behandlung am oder nach dem 1. April 1933 bei einem jüdischen Arzt begonnen hat, nicht stattzugeben. Bei bereifs begonnener Behandlung bei einem jüdischen Arzt sollen die Mitglieder sich überlegen, ob sie die Behandlung bei diesem fortsetzen. Die Krankenversicherungsanstalt erwartet, daß die Mitglitder aus ihrem nationalen Pflichtgefühl heraus auch j ü - dis che Apotheken, Kliniken, Bandagisten, Optiker, Badcanstaltsbesitz er, Massage- und Licht heilin st ate, Röntgeninstitute, Zahnärzte und Dentisten und dergleichen nicht in Anspruch nehmen. Für Numerus clausus Wie der Preußische Pressedienst der NSDAP, mitteilt, hat die Fraktion der nationalsozialistischen preußischen Lantagsabgeordneten an den Reichskommissar für das jireaßisehe Kultusministerium ein Schreiben gerichtet, in dem gefordert wird: 1. Sämtliche jüdische, d. h. von Juden herstammende oder bastardierende Lehrpersonen sind mit sofortiger Wirkung von allen preußischen Unterrichtsanstalten zu bcurlauben bzw. abzubauen. 2. Für die jüdischen Schüler und Schülerinnen, Studenten und Studentinnen wird der Numerus clausus entsprechend der Bevölkerungszahl des jüdischen Volkes innerhalb des deutschen elngeführt, d. h. nur immer ein Prozent der Schülerschaft einer Anstalt darf jüdisch oder jüdischer Herkunft sein. Mu$ das sein? Der ״Völkische Beobachter“ bringt in seiner Ausgabe vom 2. April folgende Notiz in Fettdruck: In den ״Nachgelassenen Schriften“ von Walter Rathcnan, die in dem jüdischen Verlag S. Fischet, Berlin, erschienen sind, lesen wir im ersten Band eine Schrift ״An Frankreich“, die dieser jüdische Außenminister Deutschlands am 6. Februar 1920 schrieb. Hört zu! Ihr werdet erstarren. Der Jude Rathenau schreibt an Frankreich: ״Frankreich ist heute politisch sehr stark: durch eine große und siegreiche Armee und durch mächtige Bündnisse. Auch wenn diese Bündnisse fünfhundert Jahre lang mit Italien, England und Amerika standhaltcn, ohne sich einen Augenblick zu lockern, wird jeder weitsichtige Mensch Frankreich nur den einen Rat geben kömieii: Verlaßt euch nieht darauf. Vernichtet Deutschland im eigen(- liehen Sinne, tötet seine Menschen, besiedelt sein Land mit anderen Völkern. Ks genügt nicht, daß ihr das Reich in kleine Staaten zerstückelt. Wollt ihr eure Nachbamation entehren, so vernichtet sie, damit ihr Gedächtnis zugrunde gehe. Fs bleiben noch genug machtige Völker übrig, wenn sich eines gegen euch erhebt in einem Augenblick, wo ihr nicht auf der flöhe eurer politischer! Stärke seid, so wird es mit der Erinnerung der deutschen Schmach gegen euch kämpfen und diese Erinnerung gegen euch geltend machen. Vernichtet die Erinnerung, indem ihr das deutsche Volk vornicht!׳!.“ Jeder intelligente Leser muß sofort erkennen, daß es sich hier nicht um einen ernst gemeinten Appell Rathenaus an Frankreich handelt, sondern im Gegenteil um ejnen aus tietster Erbitterunggeborenen Protest gegen die barte Politik Frankreichs gegenüber Deutschland. Walter Rathenau war ein großer deutscher Patriot, und er glaubte, durch einen Appell an die besten Instinkte der Menschlichkeit in Frankreich und an die französischen Ideen von Humanität denkende Franzosen zur Besinnung bringen zu können. Das Zitat des ״Völkischen Beobachters“ stammt aus dem ersten Band der ״Nachgelassenen Schriften“, Seite 116. Unmittelbar hinter der angeführten Stelle geht es weiter: ״Seid ihr euch dessen bewußt? Wollt ihr das? Ist das die Mission Frankreichs? Gut. Was wir noch zu verlieren haben, einschließlich des Lebens, lohnt kaum der Miihe. Eure Heere sind bereit, marschiert! Wollt ihr es nicht? Dann, Männer und Frauen Frankreichs, schafft den Frieden. Der aber kann nicht beruhen auf Entehrung und Unrecht, sondern auf dem, was ihr bisher vertreten habt: dem Gedanken der Menschlichkeit und der Menschenrechte.“ Es ist unmöglich, daß der Verfasser der Notiz im ״Völkisclien Beobachter“ diesen Zusammenhang nicht kannte, da er selbst das Zitat aus dem Buche abseh reibt. Muß der Kampf gegen einen Toten in dieser unritterlichen Weise geführt werden? In der Zeitschrift ״Deutsches Volkstum“ besprach kürzlich Dr. Stapel das auch in der ״Jüdischen Rundschau“ angczeigte Buch von Hans Joachim Sehoeps und Hans Bliiher. Dabei weist er Sehoeps eine Ungenauigkeit bei einem Zitat aus Paracelsus nach und fügt hinzu: ״Es ist eigentlich schade, daß man so vorsichtig sein muß“. Wird Dr. Stapel oder irgendeiner aus der völkischen Bewegung dafür sorgen, daß — hei aller Gegnerschaft dieser Kreise gegen Walter Rathenau, den auch wir keineswegs als repräsentativen Juden anerkennen — dieses Zitat des ״Völkischen Beobachters“ berichtigt wird? Frauen sprechen ... Das offiziöse W. T. B. veröffentlicht einen Aufruf der NS-Fraucnschaft (Deutscher Frauenorden) der NSDAP., den wir wörtlich wiedergeben; er zeigt, wie weit die Verblendung in der Judensache gediehen ist. Die Juden.werden der ״T od - feind des deutschen Volkes“ genannt und ihnen die Verantwortung für die Toten des Weltkrieges aufgebürdet. Und es gibt keine Macht in Deutschland, die derartigen An- Schaltungen entgegentritt; die Stimme der Juden selbst ist zu schwach und wird nicht gehört. Der Aufruf lautet: Parteigenossen! Volksgenossinnen! Am 1. April, vormittags 10 Uhr. wird der Boykott gegen alle jüdischen Geschälte erklärt. Warum? Weil die jüdische (Iretielpropaganda im Ausfand kein Mittel unversucht läßt, um Deutschland und seine nationale Regierung vor der ganzen Welt verächtlich zu machen und sie gegen uns aufz.uhetzen. M Jahre lang habt Ihr, Parteigenossinnen, Schulter an Schulter mit der braunen Front gegen die Juden, den Todfeind des deutschen Volkes, gekämpft, habt jüdische Lügen anfgedeckt und jüdische Geschäfte gemieden, denn nur durch wirtschaftlichen Boykott ist der Jude niederzuringen. Jetzt werdet Ihr als Aufklärungsgruppe eingesetzt. Ihr habt dafür zu sorgen, daß keine deutsche Frau beim Juden kauft. Der Kampf ist hart und unerbittlich, persönliche Rücksichten sind auszuschalten. Ihr habt die deutschen Frauen darüber auf zu klären (! — Red. ״J. R,“), daß dieselbe jüdische Greuelpropaganda schuld ist am Ausgang des Weltkrieges, schuld ist an den zwei Millionen Toten, schuld ist an den verhungerten Greisen, Frauen und Kindern, schuld ist an V e r s a i I I e s, D awes und Youn g. In unermüdlicher Aufklärungsarbeit im Hause, im Beruf, auf der Straße, vor den Warenhäusern müssen wir unseren deutsehen Schwestern einhämtnern: daß wiederum Juden die Welt gegen uns in Harnisch bringen wollen, weil sic wissen, daß der Kampf, den der Nationalsozialismus gegen sie führt, das Ende ihrer Weltmacht bedeutet. Daß die deutsche Frau aller Stände allein den Sieg dieses Kampfes gewährleistet, liegt aut der Hand. Euch, Parteigenossinnen, ist eine einheitliche Abwehr selbstverständlich. Sorgt dafür, daß in jeder deutschen Frau der Abwehrwille erw acht und sich 7utn stärksten Abwehrkampf steigert. Keinen Groschen mehr in ein jüdisches Geschäft, keinen jüdischen Arzt, keinen jüdischen Rechtsanwalt für die deutsche Frau oder deutsche Familie. Frauen! Unterschätzt nicht den furchtbaren Ernst dieses Entscheidungskampfes. Der Jude will ihn führen bis zur Vernichtung des deutsehen Volkes. Wir führen ihn bis zttr Vernichtung des Judentums. Parteigenossinnen! Amtswalterinnen! Gebt das letzte her in Aufklärung und Vorbild! Nicht allein für den Augenblick, sondern für immer muß der Jude aus Volk und Staat ausgeschaltet werden. Deutschland den Deutschen! Der Sieg der deutschen Revolution ist in eure Hände gelegt, beweist, Volksgenossinnen, eure Liebe zu Deutschland durch die Tat: Es ist ein heiliger Kampf, den Ihr kämpft. Alle jüdischen Lehrer beurlaubt Der kommissarische Stadtschulrat von Berlin, Dr. Meinshausen, hat sämtliche Berliner Bezirksämter angewiesen, alle dem Blut nach jüdischen Lehrkräfte an den s t ä d t i s c h e n Schulen sofort zu beurlauben, um jede Unruhe von den Schulen fernzuhalten. Ueher ihre Maßnahmen sollen die Bezirksämter unter Angabe der Personahen der Beurlaubten innerhalb von drei Tagen Bericht erstatt eu. Zeitungsverbot. Das ״Israelitische Familienblatt“ (Hamburg) ist von der zuständigen Behörde auf drei Monate verboten worden. Zum Aufruf des Boykotfkomitees Eine Erklärung der L V. I. D. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland sandte Freitag, am 31, März, folgende Erlcliirung an die Redaktionen aller größeren deutsehen Zeitungen und, an die A'nchrieht enagenturen; eine Abschrift •wurde, auch den zuständigen Instanzen der Reiehsrcgicrung und Preußischen Regicrung zugesandt. Die heutigen Morgenzeilungen veröffentlichen den Text eines Aufrufes des Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykott-Hetze. Nach den Zeitungsmeldungen heißt es in diesem Aufruf: ״Die Juden handelten nach dem Programm, das der jüdische Zionistenführer Theodor Herz! im Jahre 1897 in Basel auf dem großen jüdischen Kongreß feierlich verkündete. (Auszug aus der 7. Sitzung.) ,Sobald ein nichtjüdischer Staat es wagt, uns Juden Widerstand zu leisten, müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Kriege gegen ihn zu veranlassen. Als Mittel dazu werden wir die öffentliche Meinung vorschützen. Diese werden wir vorher durch die sogenannte achte Großmacht — die Presse — in unserem Sinne bearbeiten. Mit ganz wenig Ausnahmen, die überhaupt nicht in Frage kommen, liegt die ganze Presse der Welt in unseren Händen.“ Die heutige Ausgabe des ״Völkischen Beobachters“ bringt im Leitartikel dasselbe Zitat in etwas anderem Wortlaut, als Auszug aus angeblichen ״Zionistischen Protokollen“, niedergeschrieben zu Basel im Jahre 1879 (Verlag Franz Eher, München). Hierzu erklärt die Zionistische Vereinigung für Deutschland: 1. Es hat 1879 keinen Zionistenkongreß gegeben. Der erste Zionistenkongreß fand 1897 in Basel statt. — Die Zitate des erwähnten Aufrufs und des ״Völkischen Beobachters“ sind Werken entnommen, die längst als Fälschungen entlarvt sind. Es existieren keine zionistischen Pratokolle dieser Art, es haben keine zionistischen oder jüdtsehen Sitzungen stattgefunden, wo Derartiges beschlossen worden wäre. Es existieren keine derartigen B c s c h I ii s s e. Die Zionistische Organisation dient einzig und allein der friedlichen Besiedlung Palästinas durch Juden. Ihre Ziele sind der ganzen Welt bekannt und völkerrechtlich sanktioniert. 2. Das Zitat entstammt vielmehr dem Pamphlet ״Die Gch c i m n i s s c der Weisen von Z i o n“, herausgegeben von Gottfried zur Beck (3. Auflage, Verlag Auf Vorposten, Charloltenburg 4, 1919) Seite 89. Die Verbreiter dieser Schrift erklärten, wiederholt dringend nach der Herkunft der angeblichen Protokolle befragt, daß dies Richtlinien seien, die der jüdische Schriftsteller Ginsberg für den 1. Zionistenkongreß abgefaßt habe, ln der Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte am 19. April 1923 erklärte Graf Reventlow, einer der Verbreiter dieser Behauptung, daß er seine Behauptung nicht aufrechterhalten könne. Er bedauerte, seine Angaben verbreitet zu haben und übernahm die Kosten des Prozesses. 3. Die Protokolle der Weisen von Zion sind kompiliert aus verschiedensten Quellen. Eine dieser Quellen Ist die Schrift des Pariser Anwalts Maurice J o I y ״Dialogue aus Enfers entre Machiavel et Montesquieu ou la politlque de Machiavel au XlXe. Siech• par un Contemporain“. Die Schrift ist in zweiter Auflage in Brüssel 1868 erschienen. Sie enthält Zwiegespräche in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieu: diese Zwiegespräche sind eine Satire auf den französischen Kaiser Napoleon lli. Schon diese Tatsache genügt, um die völlige Halttosigkeit der in den Protokollen der Weisen von Zion hergcstc'lten Verbindung dieser Texte mit zionistischen Kongressen vor aller Welt klarzulegen. Gottfried zur Beek zitiert vielmehr den Text auf Seite 89 der Schrift von J o 1 y, wo die einschlägige Stelle in deutscher Ueber- Setzung lautet: ״Sobald ein nichtjiidischer Staat es wagt, uns Widerstand zu leister!, müssen wir in der Lage sein, seine Nachbarn zum Kriege gegen ihn zu veranlassen. Wollen aber auch die Nachbarn gemeinsame Sache mit ihm machen und gegen uns Vorgehen, so müssen wir den Weltkrieg entfesseln“ . . . 4. Wir erklären hiermit nochmals, daß die Zitate im Aufruf des ״Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykott-Hetze“ und im heutigen Leitartikel des ״Völkischen Beobachters“ auf einen schon lange als Fälschung n a c 11 g c - w i e s e n e n und als Fälschung anerkannten Werke beruhen, daß ihr Inhalt in keinem Punkte irgendeinem wirkliehen Vorgang entspricht. Wir legen feierlich Verwahrung dagegen ein, daß Extrakte aus französischen literarischen Spielereien, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus innerpolititischen französischen Gesichtspunkten verfaßt wurden und aus Machwerken späterer Zeit Grundlage für einen Vcrnichtungskampf gegen die deutsche Jtidenlieit sein sollen. * Mit Bedauern muß festgestellt werden, daß, soweit wir kontrollieren konnten, keine einzige deutsche Zeitung diese Zuschrift abgedruckt und damit der Wahrheit die Ehre gegeben hat. Eine Erklärung Dr. Baccks Der Vorsitzende des Deutschen Rabbiner-Verbandes, Dr. Leo Baeck, erklärte in einem Gespräch mit dem Berliner Korrespondenten des ״Intransigeant“ u. a.: ״Die nationale deutsche Revolution, die wir durchleben, hat zwei ineinandergehende Richtungen: den Kampf zttr IJ c b e r \vi n d u n g d e s Bolschewismus und die der Erneuerung D e tt t s c!! I;1 n d s. Wie stellt sich das deutsche Judentum zu diesen beiden? Der Bolschewismus, zumal in seiner Ciottlosen-ßewegung, ist der heftigste und erbittertste Feind des Judentums. Die Ausrottung der jüdischen Religion ist in seinem Programm: ein Jude, der zum Bolschewismus übertritt, ist ein Abtrünniger. Die Erneuerung Deutsch- Iands ist ein Ideal und eine Sehnsucht innerhalb der deutsehen Juden. Mit keine!« Lande Europas sind Juden in jahrhundertelanger Geschichte so tief und so lebendig verwachsen wie mit Deutschland. Keine Sprache Europas bedeutet für sie so viel wie die deutsche. Wir Juden hier hegen den ehrliehen Wunsch und die ehrliche Hoffnung, daß wir in Ruhe auch unser Verhältnis zu den neuen Herren in Deutschland aufrichtig werden gestalten können.“ I