Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1933)
- Date
- 1933-03-24
- Page
- Seite 116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 116 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24, 24. ÜL 1933 vielfach damit erklärt wurde, daß man im Auslande meint, man könne aus Deutschland keine Informationen einholen. Die völkische Presse beschwert sich darüber, daß in einzelnen Ländern, vor allem in Amerika, auch jüdische Protestaktionen vorgekommen sind. Diese Aktionen sind zum Teil veranlaßt durch die in die Presse gekommenen Berichte über die Lage der deutsehen Juden. Die jüdische Presse in Deutschland, vor allem die in allen Ländern beachtete ״jüdische Rundschau“, haben stets zu Besonnenheit gemahnt und ver* sucht, beruhigend zu wirken, Wir verstehen zwar, daß sich unserer Volksgenossen in anderen Ländern angesichts der dort verbreiteten unkontrollierten Berichte, die zu ihnen gelangen, starke Aufregung bemächtigt, zugleich aber wünschen wir nicht, daß die Judenfrage für andere politische Ziele mißbraucht wird oder daß andere Mächte und Gruppen ihre politischen Aktionen auf dem Rücken der Juden austragen. Darum bedauern wir, daß manche ausländische Zeitungen, die sonst nicht unbedingt Sympathien für Juden hatten, Berichte über Judenverfolgungen in Deutschland bringen, um ihre aus ganz anderen Motiven herrührende Gegnerschaft gegen Deutschland oder die deutsche Regierung durch ein an die Menschlichkeit appellierendes Moment zu stützen. Es ist auch in diesem Sinne auffallend, wem! z. B. Polen und ein Teil der polnischen Presse plötzlich zu Fürsprechern des Judcntuins werden. Wir begrüßen sehr die aufrichtige Freundschaft jeder menschlichen Gruppe für die Juden, aber wir können uns nicht enthalten, darauf hinzuweisen, daß auch im Innern Pol ens in bezug auf die Judenfrage noch nicht alles zum besten aussieht. Es ist hervorzuheben, daß gerade zionistische Redner, die im polnischen Sejm zur Judenfrage Stellung nahmen, offen betonten, daß sie gegen jeden Antisemitismus, auch den der polnischen Gesellschaft, Einspruch erlichen. Der ״Völkische Beobachter“ bringt fast in jeder Nummer Berichte über jüdische Aeuficrungen im Auslände unter der Ueberschrift ״Die Judenhetze gegen Deutschland“. Selbst der ״Berliner Lokal-Anzeiger“ läßt sich am 22. März einen derartigen Bericht aus Amerika drahten, den er sogar überschreibt ״Zionistische Hetze gegen Deutschland“. Bei Lektüre der betreffenden Berichte muß man feststellen, daß der Text keineswegs die Ueberscliriften rechtfertigt. Was liier berichtet wird, hat nichts zu tun mit einer ״Hetze gegen Deutschland“. Im Gegenteil, in allen jüdischen Kundgebungen kommt der große Respekt vor Deutschland, das als Kuiturnation stets beim Judentum der ganzen Welt eine Vorzugsstellung hatte, zum Ausdruck. Nirgends wird der Versuch einer Einmischung in die deutsche Politik unternommen. Nur was die Lage der Juden betrifft, sind die amerikanischen Juden offenbar über Berichte, die nicht von Juden, sondem von nichtjüdischen Korrespondenten stammen, irritiert. Wir können nicht glauben, daß die deutschen Behörden und die deutsche öffentliche Meinung diesen Sachverhalt nicht als natürlich anerkennen. Wir Juden bedauern die Ausschrotung der gegenwärtigen Situation durch Sensations-Journalisten und finden selbst manche Acußerungcn, die im Ausland fallen, recht geschmacklos. Aber auch den offiziellen Pressestellen kann der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie in ihren Berichten häufig Material für Mißverständnisse liefern. Wenn z. B. offiziell über eine Pressekonferenz in München beöditet wird, ein so hoher und maßgebender ßeamter wie der kommissarische Polizeipräsident habe erklärt, wenn auch nur der erste Schuß eines Attentats fiele, selbst wenn er sein Ziel nicht erreicht, dann würde es in Deutschland zu dem größten Pogrom kommen, den die Weltgeschichte kennt, wenn gleichzeitig in den Straßen Berlins Broschüren mit dem Titel: ״Die Juden wollen Hitler ermorden“ verkauft werden, dann muß doch auch die Regierung ein sehen, daß solche Vor- Ränge zu großer Beunruhigung der Juden führen. Daß es völlig absurd ist, den ״Juden“irgendwelche Attentatspläne zuzuschreiben, versteht jeder Jude in der ganzen Welt ohne weiteres. Die Juden mit der Verantwortung dafür vorzubelasten, wenn irgendein Wahnsinniger einen Attentatsversuch wagen sollte, ist unmöglich und überaus ungerecht. Wder ״Völkische Beobachter“ am 23. März den ״Juden aller Nationalitäten“ vorwirft, sie versuchten, gegen Deutschland in der Presse Propaganda zu machen, und zwar ״in einer Weise, die aller Menschlichkeit, aller Gerechtigkeit und aller Wahrheitsliebe ins Gesicht schlägt“, dann müssen wir diesen Vorwurf mit Entschiedenheit zurückweisen. Wer die Position der Juden im Lichte der ,,Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe“ zu begreifen versucht, dein wird ohne weiteres klar werden, daß die Juden hier Objekt einer Entv.!;klung sind, die sie nicht wünschen, und daß der wirksamste Gegenschlag gegen die bedauernswerte Propaganda im Ausland eine gerechte und menschliche Haitun״ in der Judenfrage wäre, Die Sympathien des Weltjudantui-.s neigten stets zu Deutschland; jüdische Persönlichkeiten in den Ententeländern waren es, die unter Einsatz ihrer Person gegen Ungerechtigkeiten auch dort eintraten, wo sich diese gegen Deutschland wandten. Nirgends ist außerhalb Deutschlands der Versailler Vertrag so scharf kritisiert worden, wie von Juden, die auch als Patrioten ihrer Heimatländer der Idee der Gerechtigkeit Geltung verschaffen wollten. Auch das neue Deutschland, das jetzt an seinen Aufbau schreitet, wird in allen Ländern gerade von Juden objektiv beurteilt werden. Die Schwierigkeiten, die sich dieser Beurteilung gegenwärtig in den Weg stellen, sind nicht durch einseitige jüdische Aktion zu beseitigen. Touristen — Purim — Palästinafreude Von unserem palästinensischen Korrespondenten, gl. Tel-Awiw, 16. März 1933. Schiffe, Häfen, Städte, Kolonien sind voll. Die Zahl der Touristen dieses Jahr, die sich das jüdische Palästina ansehen wollen, ist im raschen Steigen. Die Schifte von Europa sind für Monate ausverkauft, in den Hoteis ist alles gesteckt voll, die Autos im Lande arbeiten mit Hochdruck und fast jedes Haus Ist voll von Gästen, Man trifft Bekannte und Freunde aus aller Welt, die Fäden, die zwischen Palästina und den verschiedenen Ländern des Galuth laufen, stärken und vervielfältigen sich. Der Eindruck, den das Land und natürlich speziell das Jüdische im Lande auf die Besucher macht, ist dieses Mal größer als je. Es war in den letzten Jahren immer wieder auffallend, daß Touristen und auch Neueinwanderer die Dinge hier mit weit größerer Begeisterung aufnahmen als die Alteingesessenen. Und das ist ja einigermaßen verständlich. Wer in den Dingen hier drinsteht, täglich um sie kämpft, an sie gewöhnt ist, verliert nur zu leicht die große Ucbcrsicht, kommt aus den Zusammenhängen heraus, sieht die Lage unter einem speziellen Gesichtswinkel, mit übermäßiger persönlicher Färbung. Der Neue hat einen anderen Blick, freut sich an Dingen, die der ״Palästinenser“ schon kaum mehr sieht, ist überwältigt durch alle möglichen Neuerrungenschaften, •durch Fortschritte,« durch die spezielle Atmosphäre. Dieses Jahr aber ist alles noch ganz besonders gesteigert. Der Gegensatz zwischen dem, was draußen vorgeht, und dem, was man im Lande zu sehen bekommt, ist frappant. Menschen, die aus einer Umgebung kommen, in der die Wirtschaft sich in einem unentwirrbaren Wüste von Schwierigkeiten bewegt, in dem Millionen und aber Millionen beschäftigungslos sind, werden mitgerissen von dem gewaltigen Arbeitstempo, in dem heute die jüdische Wirtschaft itri Lande vorwärtsstrebt. Daß es keine Arbeitslosigkeit unter den Juden hier gibt, daß man noch mehr Arbeiter verlangt, daß überall gebaut und gepflanzt wird, daß überall Projekte gemacht werden, das ist in der heutigen Welt etwas so Außergewöhnliches, daß allein der Gegensatz seine Wirkung tun muß. Nimmt man noch hinzu, daß die Juden, besonders die aus Mittel- und Osteuropa, sich plötzlich aus einer Almo- Sphäre des schwersten psychischen Druckes in eine Luft' des freien Atems und eine Umgebung der selbstverständlichen jüdischen Aktivität versetzt sehen, so kann man wohl ermessen, daß Zuversicht und Begeisterung wachsen müssen. Gerade heut springen Schwierigkeiten und Probleme viel weniger in Palästina in die Augen, als Erfolge und Möglichkcitcn. Ein ״Neuer“ kann kaum ermessen, was es gekostet hat, das hervorzubringen, was heute dasteht, et ist auch leicht geneigt, im Champagnerrausch dieses Frühlingsbesuches alles durch die rosige Brille zu sehen. Für Tausende und aber Tausende ist der Besuch im Lande heute eine wahre Herzstärkung. Wie immer um diese Jahreszeit wird die allgemeine Bewegung noch gestärkt durch die mit Purim verbundenen Feste und Empfänge. Tel-Awiw war in den Purimtagen zum Bersten mit Menschen vollgestopft, in Hotels und Privathäusern war jedes kleine Eckchen besetzt, die Straßen wogten von Menschenmassen. Auch der Regen, der in Zwischenräumen in diesen Tagen niederging, focht die Feiernden wenig an, besonders da jeder wußte, daß die gesamte Landwirtschaft seit Wochen auf Regen w׳artete und von der niedergehenden Wassermenge die Ernte für das künftige Jahr abhing. Mit dem eigentümlichen ironischen Humor der Tel-Awiwer Massen kämpft man sich durch das Durcheinander von Regem und Sonne, und da wenigstens der Umzug von Wasserschauern verschont wurde, so fand jeder alles in der Ordnung. Diese Gleichmütigkeit und das ungewöhnlich vernünftige Benehmen der Massen war auch dieses Jahr wie schon bei früheren Gelegenheiten der nachhaltigste und tiefste Eindruck dieser Festzeit. Man muß es gesehen haben, wie zur Zeit des Karnevalzuges Zehntausende (vielleicht Hunderttausende?) sich überall in den Straßen drängten, wie die Dächer, die Fenster, die Veranden voll von Menschen hingen, so daß alle freien Stellen und Plätze wie von einem bunten Teppich überzogen schienen. Und man muß weiter beobachtet haben, wie diese Menge sich zum Zuge begat» und nachher wieder zerstreute, wie alles ohne spezielle Regulationen und ohne irgendwelche Absperrungen vor sich ging, ohne daß irgendwo sich der kleinste Unfall ereignete, ohne daß auch nur ein einziger ernsthafter Streit ausbrach. Dabei gab es in dem Gedränge Kinder, auch ganz kleine, die noch tu Wagen gefahren wurden, und es ging trotz allem glatt ab. Die einzige Gefahr in der Menge bildeten vielleicht die Pferde der verstreuten reitender! Schutzleute, bei denen man immer in Angst schwebte, daß die Tiere durch das sie umtobende Gedränge scheu werden könnten. Auch diese Angst war freilich unbegründet. Es haben sich viele gefragt, wie es möglich sei, daß solche Massen ohne jede Dirigierung von oben, mit solcher Vernunft reagieren. Die Antwort liegt vermutlich in erster Reihe in einem Negativum: unter den Juden, auch bei den Festen, wird nicht getrunken und der absolute Mangei an Alkohol garantiert ein ungewöhnliches, in Europa nur selten erreichtes Maß von Vernunft und gegenseitiger Ri'icksichtnahme. Viele mögen der Ansicht sein, daß dieser Mangel an einem Stimulans auch die Festfreude dämpfe, daß es dadurch auf den großen Festen eben auch zu keiner Ausgelassenheit komme. Wie dem auch sei, das Nichttrinken schafft eine Stimmung der Sicherheit und Disziplin. Außerdem muß wohl auch der Jude, wenn man ihn sich überläßt und nicht zu viel mit Befehlen und Verordnungen gängelt, selbst imstande sein, sein Benehmen den Umständen anzupassen. Wie oft hat man über sein Gehaben in öffentlichen Angelegenheiten geklagt. Und doch macht der Verlauf dieser Purimtage auch die Pessimisten fröhlicher. Wenn es so eine Masse gibt, so muß sie besondere Qualitäten in sich haben. Ueber diesem Benehmen in den Straßen Tel-Awivvs liegt ein Widerschein alter Kultur. Die Festesfreude aller ohne Ausnahme wird stark gedämpft durch den Gedanken an die Lage der Juden in allen Ländern des Galuth. Palästina trägt an den Leiden und Schicksalen aller Weltgegenden mit, der Jude hier hat Verwandte, Freunde, Beziehungen in aller Weit, er wird berührt von wirtschaftlichen Schwankungen in allen Gegenden, er spürt den Antisemitismus ferner Länder in seinen Aus- Wirkungen durch tausend Kanäle. Ueberail spricht man mit den Besuchern über ihre Herkunftsländer, über die Lage dort, über die Aussichten. Gerade heute, wo es dem palästi• nensfschen Juden so gut geht, wendet er sich mehr als je der Judenheit aller Galuthländer zu und nichts ist so bedrükkend wie der Oedanke, daß auch heute in den Zelten der Konjunktur Palästina nicht einen Bruchteil der Hilfe leisten kann, die nötig wäre. Jeder Tag, jedes Gespräch, jede Pressenachricht erinnert an die verschlungenen Fäden, die heute Judenschicksale In allen Ländern verbinden. Und erinnern daran, daß trotz aller Verschiedenheit der Schicksale sie sich doch immer wieder berühren. Jüdische Wirtschaftspolitik Von Dr. Ernst Klimowsky (Königsberg). I. Zwei Wege gibt es, die zu der Notwendigkeit führen, aktiven Einfluß auf die soziologische Struktur des deutschen Judentums zu nehmen. Der eine geht aus von der allgemdinen Erwägung, daß wir bei unserem Bemühen, das jüdische Volk zu normalisieren, auch an der abnormen Sch ichtung unserer Volksgenossen in Deutschland nicht vorübergehen dürfen. Diese Auffassung hat bisher wenig Anklang und Verbreitung bei uns gefunden. Der zweite Weg hat einen aktuellen Ausgangspunkt, nämlich die seit den letzten Monaten mit aller Schärte zutagetretende Ausmerzung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsprozeß. Während die entsprechende Tendenz auf dem Gebiet der staatsrechtlichen und allgemein politischen Lage der Juden in Deutschland bereits auf dem Frankfurter Delegiertentag zu der (auffallend einstimmigen) Stellungnahme geführt hat, daß nunmehr eine praktische Gegenwartsarbeit in Deutschland notwendig sei, hat man der w i rt s c h a f ts po I i t i s c h e n Seite der Sache keine Beachtung geschenkt. Selbst bei eingehender Debatte auf der letzten Sitzung des Landesvorstandes ist dieses Thema so gut wie gar nicht berührt worden, obwohl es doch mindestens so brennend ist wie die allgemein-poiitische Aufgabe. Das alles ist so klar, daß es sich erübrigt, die Notwendigkeit oder gar die Zulässigkeit dieser Arbeit zu begründen. In einem Augenblick, in dem wir evtl., und zwar auf voraussichtlich sehr lange Zeit hinaus, Wirtschaftlieh auf das schwerste angegriffen und bedroht werden, dürfen wir aus bloßer Besorgnis um die Reinheit des palästino-zentrischen Kerns unserer Ideologie die Augen und Hände vor der Gegenwart der Galuth nicht verschließen. Wir haben nicht das Recht, gerade als die Träger des nationalen Gedankens, tatenlos zuzusehen, wie wir auch wirtschaftlich vernichtet werden. Wir, die wir die Körper des deutschen Judentums aktivieren und in Bewegung setzen wollen, können diesen Körper nicht einfach verbluten lassen. Abgesehen davon, daß wir uns selbst politisch und finanziell schaden, ließe sich das mit dem Gedanken der Verantwortung für die Judenheit auch nicht vereinbaren. Nach diesen kurzen Andeutungen handelt es sich also hier um eine Aufgäbe, diefür uns als in Deutschland lebende Zionisten von lebensnotwendiger Bedeutung ist. II. In der praktischen Auswirkung bedeutet dieses folgendes: Die kaufmännischen und akademischen Berufe sind verelendet. Die handwerkliche, klein gewerbliche und landwirtschaftliche Berufstätigkeit der deutschen Juden ist daher auf das intensivste zu fördern. Die Jugendverbände und Organisationen, die im ,wesentlichsten die akademische Jugend erfassen, werden auf eine derartige Berufswahl mit viel größerem Nachdruck als bisher hinzuwirken haben. Gewiß wird auf diese Weise auch eine gewisse jüdische ״Autarkie“, zumindest eine stärkere Bindung innerhalb jüdischer Produktion und Abnehmerschaft eintreten. Wir Zionisten können eine solche Aenderung der wirtschaftlichen Struktur des deutschen Judentums, abgesehen von den früher erwähnten Gründen, auch deshalb begrüßen, weil wir auf diese Weise für die Alijah viel besser vorbereitete Menschen, und diese in größerer Zahl als bisher, erhalten werden. Notwendig hierzu ist eine bankmäßige Finanzierung. Dazu reichen die bisherigen jüdischen Darlehnskassen nicht aus. Es wird vielmehr notwendig sein, bankähnliche Institute nach der Art der allgemeinen Pächterkredit- bzw. Gewerbebank zu errichten. Als zentrale Instanz wäre der allmählich heranreifende Reichsverband der deutschen Juden wohl am zweckmäßigsten. Jedenfalls sollte nach dieser Richtung von uns gearbeitet werden. Notfalls müßte man sich inzwischen der verschiedenen Bünde und Landesverbände bedienen. Ein neuer Ban der Halfaer Realschule D;; Hebräische Realschule in Haifa hat, wie bereits kurz in der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet, auf dem Grundstück ihres Internats ein neues Gebäude errichtet, das vorläufig für die Vorschulklassen der Schule bestimmt, ist. Darüber wird uns aus Haifa noch geschrie• ben: Es ist das dritte große eigene Gebäude, das die Schule errichtet. Es enthält acht Zimmer und ist mit einem Kostenaufwand von £ 1700 erbaut worden. Es besteht der Gedanke, im nächsten Jahre noch ein drittes Stockwerk hinzuzufügen, um alle vier Vorschulklassen, von denen jetzt schon jede einzelne eine Parallelklasse hat, dort unterbringen zu können.. Die Schule hofft in einer Zeit von nicht mehr als fünt bis sechs Jahren die ausschließlich durch Anleihen aufgebrachte Bausumme zu amortisieren. Bei der Einweihungsteier nahmen außer den Mitgliedern der Verwaltung: Professor Roth, Dr. Schlössinger, Dr. Zlocisti, Dr. Hiilel Yofe und anderen, eine große Anzahl von Freunden der Schule und Eltern der Schüler teil. Der Distrikts-Kommissar und zum ersten Male auch der Bürgermeister von Haifa, Hassan Schükry, begrüßten die Versammlung — Hassan Schükry in einer arabischen Rede, in der er die Bedeutung der Volksbildung für die Gemeinschaft hervorhob. Der Feier folgte im Internatsgebäude ein Empfang der Gäste, der aufs neue die herzlichen Beziehungen zwischen der Schule und der Bevölkerung erwies. Sir Oswald Mos 1 ey, der Führer der englischen faschistischen Partei, erklärte gegenüber dem Londoner Karrespondenten des ״Daily Dt*p»tch“ In Manchester, antijüdische Propaganda sei absolut nicht Sache einer faschistischen Orgamsation. Eine oder zwei unbedeutende Vereinigungen Englands hätten antijüdische Propaganda betrieben, aber was seine, Moslevs. Organisation betrifft, so sei in ihren Reihen jede antijüdische Propaganda strengstens verboten. Laut amtlicher Statistik wurden im Jahre 1932 in Palästina 5281 Juden und 34 505 Moslems geboren; in dem gleichen Jahre starben 1746 Juden und 18 542 Moslems. ln Bukarest wurde anläßlich des 50jährigen Bestehens der ältesten zionistischen Studentenverbindung, der Wiener ״K a d i m a h“ eine Studentenvereinigung gleichen Namens gegründet.