Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1933)
- Date
- 1933-03-21
- Page
- Seite 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 112 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23, 21. HL 1933 L.. Bund nationalsozialistischer Juristen hat nach einer in Leipzig abgehaltenen Tagung folgende Forderungen aufgestellt: 1. Alle deutschen Gerichte, einschließlich des Reichsgerichts sind von Richtern und Beamten fremder Rasse unverzüglieh zu säubern. 2. Für Angehörige fremder Rasse Ist unverzüglieh die Zulassungssperre zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufes an deutschen Gerichten zu verhängen. 3. Soweit für Angehörige fremder Rasse weiblichen Geschlechts Zulassungen bereits bestehen, sind diese mit sofortiger Wirkung autzuheben. 4. Nur noch deutsche Volksgenossen dürften deutsche Notare sein, wobei die Berufung von Kriegsteilnehmern zu beschleunigen kt. 6. Im Ablauf von vierjahren darf nach dem Plan unseres Führers kein Angehöriger fremder Rasse mehr Anwalt sein. In jedem Jahre hat ein Viertel dieser auszuscfieiden. _6. fm Zusammenhang damit ist schon jetzt allen fremdrassigem Anwälten, die als eingeschriebene Mitglieder marxistisehen Parteien, also der SPD. und Ki’D, angehört haben, die Zulassung sofort zu entziehen. Das gleiche gilt natürlich auch für die marxistisch gesinnten Richter. Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft darf, soweit Pension zugebilligt wird, überhaupt nicht, sonst erst nach vier Jahren erfolgen. T. Endlich sind die Anwaltskammem sofort aufzulösen, neu zu wählen und jaden- und in a r x i s t c n f r c i zu gestalten. Ausnahmen dürfen nur für jene bestehen, die nachweislich an der Front, nicht nur in der Etappe, gewesen sind und die Söhne an den Fronten verloren haben. Dazu bemerkt die ״Vossische Zeitung“: Die Berufsvertretungen der deutschen Anwaltschaft werden sich mit diesen Forderungen, die in entscheidenden!'׳unkten weder mit der Verfassung noch überhaupt mit den Prinzipien eines Rechts- Staates zu vereinbaren sind, nachdrücklich aiiseinandcrzusetzen haben.“ Der deutschnationale ״Montag“ vom 20. d. M. berichtet: Beim Amtsgericht Berlin-Mitte sind alle jüdischeu Richter aus den Verwaltungsstellen zurückgezogen worden. Ebenfalls werden alle jüdischen Richter mit Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. April 193i aus den S t ra i a b t e i 1 u n g e n iui Kriminalgericht, im Schnellgericht und im Jugendgericht herausgezogen. Beim Landgericht I sind die gleichen Maßnahmen in die Wege geleitet, um am 1. April die Besetzung der S t r a f kammern mit den Erfordernissen der nationalen Bewegung in Einklang zu setzen. Bei den übrigen Berliner Strafgerichten im Bezirk der Landgerichte 1! und III sind seit Jahren _ jüdische Richter nur vereinzelt beschäftigt worden. Wie wir hierzu noch erfahren, hat der Präsident des Landferichts I beschleunigte Maßnahmen ergriffen, um die Umesetzung noch vor dem 1. April vornehmen zu können. So werden bereits in der nächsten Woche an Stelle von drei ausscheidenden Straf kam in er-V orsitzenden, die Zivilkammern erhalten werden, drei neue Strafkammer- Vorsitzende nach dem Kriminalgericht berufen werden. Ungarisches Gericht gegen Jadenhetze Budapest, 15. März. (J.T. A.) Der Oszwald-Senat der kön. Kurie verhandelte den Prozeß, den die Staatsanwaltschaff gegen den Universitätsprofessor L u d \v i g Me he ly wegen Aufreizung gegen eine Konfession anhängig gemacht hat. Mebely hatte seinerzeit geschrieben, die Juden wären eine Schmarotzerrasse, die die Angehörigen anderer Glaubensbekenntnisse schamlos aus beute, und auch der Bolschewismus sei die Folge einer jüdischer! Weltanschauung. Wegen dieses Artikels wurde Mebely erstinstanzlich zu 14 Tagen Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt. Die kön. Tafel, vor die die Sache im Berufungswege gelangte. _ sprach jedoch Mehely mit der Begründung frei, daß sein Aufsatz lediglich ,,theoretische‘• Feststellungen enthalte. In dritter Instanz verhandelte die Kurie diese Angelegenli eit. Der Kronanwalt Kolo mau Lojzer sagte, daß in diesem Palle die Wissenschaftlichkeit bloß ein Deckmantel war, unter dein der Angeklagte sich der Aufwiegelung schuldig machte, gegen die jüdische Konfession Gehässigkeit ausstreute, die geeignet war, eine gesetzlich anerkannte Glaubensgemeinschaft der allgemeinen Verachtung preiszugeben. Nach längerer Beratung verkündete der Senat der Kurie das Urteil, das den Spruch der königlichen Tafel aufhebt und das Urteil der ersten Instanz in Rechtskraft erhebt. Das Urteil hebt hervor, daß das Gericht weder ersemverende noch entlastende Momente vorgefunden habe, immerhin jedoch eine Bewährungsfrist einräume, weil es hohe, ״daß der Angeklagte unter dein Eindruck des Urteils sich in der Zukunft ähnlicher Feststellungen enthalten werde“. Presseschau Die große französische Monatsschrift ״La Grande Revue“ veröffentlicht in ihrem Fcbruarheft eine umfangreiche Studie von A. Hcrmoni über den ״Dichter-Propheten Bialik1“. Der Verfasser bespricht insbesondere Bialiks ergreifendes Poem ״In der Stadt des Mordens“, das während der russischen Pogrom-Aera zwar die russische Judenfrage nicht ״gelöst“ hat, aber dem russischen Judentum einen außerordentlichen seelischen Rückhalt gab. Prophetisch müsse auch die Feuerrolle anmuten, wenn man an den durch den Bolschewismus herbeigeführten Zusammenbruch des russischen Judentums denkt. Hermoni erinnert daran, daß Bialik oft mit Lamartine verglichen wurde. Wenn man ihn aber schon mit einem französischen Dichter vergleichen wolle, so könne man ihn mit De Vigny vergleichen, hei dem wir den gleichen bitteren metaphysischen Pessimismus finden. * Die Londoner ״Time s“ bringt in der letzten Zeit eine Reihe von Zuschriften über das Thema ״Juden in Deutschland“. Es wird in diesen Zuschriften meist zu dem deutschen Antisemitismus, dessen Aeußerungen durch die Presse bekannt wurden, Stellung genommen. In der Nummer vom 16. März veröffentlicht Sir Laurie Magn u s eine ausführliche Abhandlung über die Leistungen der Juden in der deutschen Kultur seit dem Mittelalter. Es wird darin auf Reuchlin und seine jüdischen Lehrer und auf die Einwirkungen der jüdischen Wissenschaft bei der Vorbereitung der Reformation hingewiesen. Freilich scheint der Einsender sich über die wahre Situation in Deutschland nicht im klaren zu sein, wenn er zur Stütze seiner Darlegungen über die Bedeutung des Judentums in Deutschland auch auf Heine, Börne und aas Haus Rothschild verweist. Die Wiener ״Arbeiterzeitung“ meldet aus Berlin, daß der greise Rabbiner Frankel, der vor einiger Zeit in seiner Wohnung in Berlin überfallen wurde, seinen Verletzungen erlegen ist Diese Meldung entsDricnt nicht den Tat* sa eben. Zum Problem eines hebräischen Nationaliheaters Von M. Y. Ben-gavriBl (Jerusalem) Nachdruck verboten! Es ist keine ganz einfache Aufgabe, über das Theater in einer Gesellschaft, die sich noch im Aufbau befindet kritische Bemerkungen zu machen, denn es ist naheliegend, daß die Ge* Seilschaft jede Kritik an einer außerhalb der politischen Sphäre liegenden Institution, die also sozusagen Nationalgut ist, als antipatriotische Tat bezeichnet. Wäre diese Gesellschaft heute schon so weit — sie kann es natürlich noch nicht sein *—, die primüren Aufgaben eines Theaters, das mehr sein will als reine Untcrhnltungsstütte, dem es also nicht daran liegt, dem Film Konkurrenz zu bieten, zu erkennen, dann wäre aie Aufgabe des Kritikers eine wesentlich leichtere. Da aber der Kritiker, eben durch seine kritische Tätigkeit, in einer jungen Gesellschaft die Rolle eines aufbauenden Elements trägt, muß er diese Rolle trotz ihrer höchst unpopulären Schwere bis zum Ende tragen. Der Kritiker ist natürlich kein Prophet; er weiß nur eines sicher: daß das hebräische Theater — wenn es die politischen und die wirtschaftlichen Umstände gestatten werden — ein National theater sein wird. W a n n es dies sein wird, das freilich weiß er nicht. Die Wege, die nicht zu diesem Ziel führen, die also, außerhalb der politischen und der wirtschaftlichen Sphäre liegend, die Erreichuhg dieses erstrebten Zieles retardieren, zu beleuchten, ist seine Aufgäbe. * Vor allem sieht die Frage zur Beantwortung: was ist die Aufgabe des Theaters in der jungen jüdischen Gesellschaft Palästinas? Die Antwort darauf muß eine absolut eindeutige und scharf konturierte sein: es ist die Aufgabe eines Aufbauinstitutes, seine Mission ist die Mission eines Pioniers der hebräischen Sprache und der hebräischen Kultur. Das hebräische Theater, das die wichtigste Rolle im geistigen Aufbau der Gesellschaft trägt, hat den Sinn, die Verbindung dieser Gesellschaft mit einer — wieder im Entstehen begriffenen — eigenen Kultur und ihrer Sprache herzustellen und das künstlerische Gewissen dieser Gesellschaft zu wecken. (Diese Rolle sichert dem Theater im allgemeinen Aufbau eine Stellung zu, die ebenso wichtig ist, wie die eines politischen oder Ökonomischen Volksinstruments; die Gesellschaft ist daher verpflichtet, ihr Theater genau so zu überwachen, wie sie ihre ökonomischen und politischen Institutionen überwacht.) Diese, im Zeitalter der in ihren nationalen Grundbedingungen bereits gefestigten Nationen ungewöhnlich gewordene Aufgabe eines Theaters ist es, welche unserer Bühne eine in aller Welt exzeptionello Stellung verleiht. Kein anderes Theater ist das Thea• ter eines Volkes im Aufbau und keine andere Schaubühne hat die heroische Aufgabe einer Pioniertruppe. Um zu erkennen, was unser Nationaltheater sein soll, müssen wir uns vor allem klar werden, welchem Zweck die Bühne in einer national bereits gesicherten Gesellschaft dient, die in dem ihr spezifischen Milieu und Sprachkreis erwachsen ist. Wenn man von Tendenzzwecken — wie im modernen Rußland — und von den Zielen des Theaters als moralische, respeklive moralisierende Anstalt absieht, ist das Nationaltheater einer solchen Gesellschaft der prägnanteste Ausdruck ihres künstlerischen und nationalen Willens, welcher Milieu, historischen Erinnerungen, historischer Sc hielt s als ״emt in sehn ft und Sprachkreis entspricht. Darüber hinaus Instrument zur Förderung und Aufmunterung autoebthoner Dichtung und darstellender Kunst — (auf Grund der diesem V 01k spezifischen künstlerischen Gesetzen!) — und schließlich, letzten Endes, Instrument zur Vermittlung fremder Dichtung und andersartiger Kulturen. Bei einem Volk aber, das, wie das jüdische Volk Palästinas, noch keine homogene Masse mit gemeinsamen, der Landschaft, Tradition und Sprache entsprechenden künstlerischen Zielen, Formen und Bewegungstendenzen darstollt, dessen Iebens- und Dcnkstil ein nicht einheitlicher ist, wäre eine derartige Programmsetzung für den Anfang verfehlt. Abgesehen von der Verpflichtung, die im Volke schlummernden dichterischen Kräfte zu erwecken, gibt es heute noch kaum eine Vergleichsbasis mit der Bühne anderer Völker. So kann es heute noch nicht Aufgabe des hebräischen Theaters sein, fremde Dichtung in hebräischer Ueborselzung zu spielen, besonders in einer Zeit, da die Assimilntion an Europa und an die westeuropäischen Kulturen (nicht zuletzt durch den Tonfilm!) — ungeheuer den Aufbau einer spezifischen Kultur Palästinas gefährdet. (Man mißver• stelle mich nicht: diese Wahrung liegt von jeder Chauvinist!- sehen Tendenz polar abseits! Ich glaube, daß die vor sicht ige Loslösung von dem Kulturbündel dos Westens erst die Möglichkeit für die Existenz einer hebrfiisch-palästinensischen Kultur giht, die eigene Formen und eigene Inhalte besitzt. Gehen wir diesen Weg nicht, dann wird unser Los das kulturelle Los des christlichen Arabers, des Verlevantinerlen sein, wobei, um den einzigen wesentlichen Unterschied hervorzuheben, bei uns das Theater die Rolle der Missionsschule übernimmt.) Ich glaube also: das palästinensische Theater kann in dieser Zeit erst in zweiter Linie Gewicht auf kütust• lerische Spitzenleistungen legen, ohne die jüdisch-kulturelle Aufgabe zu gefährden. Diese spezifisch״ Aufgabe umfaßt vor allem: llöherbildunp, Erweiterung und Fixierung des Sprach- Schatzes, derart, daß auch der einfache Mann der Straße daran partizipiert, und außerdem: Aufbau einer Mentalität, welche an jenes Judentum wieder anknüpfen will, das von fremden F.inflüssen am wenigsten zersetzt war. Es ist also keineswegs Mission eines neuen jüdischen — also hebräisch-paliistinensischen — Theaters, systematisch Reminiszenzen aus der ״Dybukperiode“ des Volkes zu pflegen, wie es durchaus nicht seine Mission ist, die völlig an die russischen oder deutschen Sprachgesetze assimilierte Phonetik des Hebräischen gedankenlos weiterzuführen. Endlich einen erlösenden Schritt zur richtigen Phonetik unserer Sprn che zu tun, könnte jedes hebräische Theater dieser Tage unsterblich machen. * Man kann die gewaltige Problematik unseres jungen Theater5 nicht in einem kurzen Artikel darstellen, doch man kann es versuchen, durch Kritik einen Weg zu weisen, der aber wahrscheinlich weit schwieriger ist, als die Realisierung irgendeines wirtschaftlichen oder politischen Gedankens, denn hier handelt es sich um grundlegende Aenderung der Massenmentalität in Dingen, die auch tief in das Leben des täglichen Tags hineingreifen. Man muß klar machen, daß in dieser Zeit das jüdische Theater nicht der Ausdruck einer bestehenden Gesinnung — (oder Gesinnungslosigkeit) — zu sein, sondem vielmehr die Gesinnung der Zukunft zu formen hat. Diese Gesinnung aber, 8011 sie mit dem Milieu und der neuen geaehichtlichen und gesellschaftlichen Sendung jüdischen — (also der palästinensischen) — Kernzelle flbereinstimmen, diese Gesinnung kann nicht aus den Dybuksphären eines in Auflösung begriffenen Milieus und einer vor hundert Jahren verstorbenen oder zumindest seit damals erstarrten Mentalität geholt •werden. Die weißen Socken eines katholisierten Chassidismus passen etwa so auf die Bühne unseres Nationaltheaters wie der Dybuk in die Seele der reinen Jungfrau. Dies# Gesinnung kann einzig und allein aus den realen Gegebenüeiten 4%- Laadachitft and au» den Problemen des Aul• baus — vom wirtschaftlichen bis zum religiösen — geholt werden, wie au» jenen Partien jüdischer Historie, die kulturell und gesinnungamüßig beispielgebend, also jüdischspezifisch im Sinne einer erstrebten Gegenwart sind. Zweitens: es geht weniger um den Aufbau eines Theaters, das mit den Maßstäben jener Theaterkulturen zu messen ist, welche durchaus andere Aufgaben in ihrem Volke haben, sondern um den Aufbau eiaer eigenen hebräisch-palästinensischen Schau- Spielkultur. Dieses Ziel aber führt zu einer Ueberlcgung: kein nationales Theater der Welt konnte seine ״primitive“ Periode, die Periode der Volksspiele, der Fest- und Gelegenheilsspiele umgehen, weil diese Spiele die Fundamente jedes nationalen Theaters bilden. Versuchen wir daher, Festspiele zu stellen, die mit den nationalen und den religiösen Festen irgendwie verknüpft sind und trachten wir, daß die natürliche Lust am Theaterspielen und Regieführen nicht ins Welttheater führt, wo wir heute noch nichts zu suchen haben, weil wir keine eigenen Elemente zum Weiterbau dieses Welttheaters mitbringen. Jede Großmannssucht in dieser Beziehung muß vom wahren Ziel dieser Bühne ablenken. Unser Theater ist nicht organisch erwachsen, ist ein Gemenge von Theaterversuchen aller Völker, vermischt mit ein paar jüdischen Senlimonten und den Ergebnissen einer verrückten Programmwähl und Versteinerungen aus Perioden unserer europäischen Dekadenz. Wenn wir aus dieser Kenntnis die Konsequenzen ziehen — dann erst können wir daran denken, ein jüdisches Theater in Palästina zu bauen, dessen Mission nicht geringer ist, als die neuer Siedlungspunkte, als die einer Sprachakademie oder einer Universität. Landschaft, richtig gesprochene und richtig artikulierte Sprache und Aulbaugesinnung sind die untrennbar ineinander verknüpften Elemente, aus denen sich spezifisch jüdische Theaterkunst entwickeln kann — wenn die hebräische Gesellschaft einschen wird, daß sie einer eigenen Kunst bedarf. ö Mit diesen Bemerkungen möchte ich sagen: daß das Jfldische Palästina versagen muß, solange wir nicht die Phantasie haben, aus dem politisch-geographischen Bezirk Palästina in die Landschaft Palästina hinauszuschreiten, das heißt, daß wir unter Verzicht auf alles angelernte, noch so verlockende Europäertum un» demütig in die Schwingungen des in allen seinen Aeußerungen spezifischen Lebensraums zu schmiegen haben und daß, andererseits, unsere künstlerische Position heute noch durchaus keine gesicherte ist, daß wir also, Volk, Dichter und Schauspieler, mit uns und mit dem, was wir boreit» erreichten, uns durchaus nicht zufrieden geben dürfen. Ela Jade amerikaaischer Botschalter Präsident Franklin D. Roosevelt hat Herrn Jesse Isidor Straus zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich ernannt. Jesse Isidor Straus ist ein Sohn des bei der ״Titanic“- Katastrophe ums Leben gekommenen Isidor Straus und ein Neffe des verstorbenen Diplomaten Oscar Straus und des verstorbenen Philanthropen und Zionisten Nathan Straus. Jesse Isidor Straus ist Leiter der Macey-Warenhäuser in New York und Vorsitzender der New Yorker Handelskammer. Ein anderer Jude, Henry Morgenthau jr., in dem man den zukünftigen Landwirtschaftsminister sieht, wurde vor einigen Tagen vom Präsidenten Roosevelt zum Vorsitzenden des Federal Farm Board ernannt. Ein Bruder von Jesse Straus, Percy Seiden Straus, ist Präsident der jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft (Jewish Agricultural Society). Aus Washington wird ferner gemeldet, Präsident Roosevelt beabsichtige, den jungen James Warburg, Sohn des verstorbenen New Yorker Bankiers Paul Warburg! zum zweiten Sekretär im Schatzamt zu ernennen. Der 3öjal1rige James Warburg ist noch in Deutschland geboren und ist jetzt Präsident der Bank von Manhattan. Ctiristiaa NnBbaam ist aicbt Jade Der ״Angriff“ und andere nationalsozialistische Zeitungen meldeten, daß der badische sozialdemokratische Landtagsabgeordnete N u ß b a u rn in Freiburg/Br., der einen Hauptwachmeister und einen Kriminalsekretär erschossen hat, als sie bei ihm eine Haussuchung vornehmen wollten, Jude sei. Die Jüd. Tcl.-Ag. konnte feststellen, daß Nußbaum, der den Vornamen Christian trägt, weder Jude ist noch von Juden abstammt. Er ist ein geborener Elsässer und wohnt seit 1927 in Freiburg. Er ist gelernter Holzbildhauer. Abgewebrle antijüdische Ausschreitungen Warschau, 16. März. (J. T. Ad In dem polnischen Kreis Zywiec bei Bielitz im früheren Oesterrcichisch-Schlcsicn kam es in verschiedenen kleinen Städten zu Ausschreitungen rechtsradikaler polnischer Nationalisten gegen jiidische Geschäfte. Polnische Polizei ging mit großer Schärfe gegen die Demonstranten vor, von denen einer getötet und drei schwer verletzt wurden, lieber 80 Teilnehmer der antisemitischen Demonstration sind verhaftet werden. Die Warschauer Regierungspresse erklärt heute in sehr scharfen Ausdrücken, daß ein Uebergreifen der antisemitischen Agitation nach Polen von der Regierung auf jeden Fall verhindert werden würde. Die Vor- Stellung, daß die nationale Größe durch das Zerschlagen jüdischer Läden begründet werden könnte, hätte in der freien polnischen Republik keinen Platz. Der nationaldemokratische Student der Warschauer Universität. Taddeusz Dworak, wurde wegen Teilnahme an der Vorbereitung antijüdischer Ausschreitungen in Kielce zu 60 Tagen Gefängnis ohne Bewährungsfrist verurteilt. Die Verhandlung gegen die Mitschuldigen Dworaks!indet in den nächsten Tagen statt. Sterbefall. Vorige Woche starb in Berlin iin 51. Lebensjahre unser Gesinnungsgenosse Dr. Isaac Straus. Der Verstorbene war schon in seiner frühen Jugend Zionist, ebenso wie auch seine Geschwister, Dr. Elias Straus und Dr. Raphael Straus in München, Frau Adele Sandler, Berlin, sämtlich aktiv in unserer Bewegung stehen (eine verstorbene Schwester war die Frau unseres Gg. Dr. Franck, Altona). Obwohl Dr. Straus politisch nicht hervorgetreten ist, stand er doch schon während seiner Studentenzeit in engsten Beziehungen zu zahlreichen führenden Zionisten, darunter Dr. Weizmann. Dr. Isaac Straus ließ seine Kinder in Palästina erziehen, und die beiden Söhne, die gegenwärtig in Zürich studieren, kehren binnen kurzem als Chaluzim nach Palästina zurück. Der Verstorbene selbst war gerade mit den Plänen seiner Uebersiedlung in das Land des jüdischen Wiederaufbaus beschäftigt, als ihn der plötzliche Tod ereilte. Die überaus große Beteiligung an der Beerdigung war ein Beweis dafür, welcher Sympathien sich der Verstorbene in seinen Freundeskreisen und insbesondere auch unter dm deutschen Zionisten erfreute,