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Jüdische Rundschau · 1933-03-21 · Heft 23 (21.3.1933) · p. Seite 111

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 23 (21.3.1933)
Date
1933-03-21
Page
Seite 111 (sequence 1)
Language
German
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? Zum Problem eines hebr&ischcn Naiionallheaiers Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabonsetnenta werden in der Wähning der einzelnen Lander berechnet• Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareitfezcile 0,50 G.■ M Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen •Verwaltung: Jüdischc Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 716570־. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Pottsch eck Konten: Berlin 17392, Basel V 9355• Belgrad 68032, Brussel 394 33. Budapest 596 93. Danzig 1973. Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155. Straßburg 164 30. Warschau 190708, Wien 156 030. Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin. Kurfurstendamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa. Jerusalem. Tel-Aviv. Nummer 23 | Berlin, 21. III. 1933 RedakrionsschluÄ Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ׳ ג אדר תרצי כ | xxxvm. jahrg. Der Zionfsnias erstrebt für das JOdlsehe Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." 21• März ״Pro-Universitäts-Tage" in Palästina Dr. Magnet Ober die iinanzielie Notlage der Universität Jerusalem in einem Interview mit dem Jerusalemer Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agcntur äußerte sieh der Kanzler der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. Judah L. Magnes, über Lage und Zukunft der Universität. Er erklärte, die Hebräische Universität habe heute finanziell sehr schwer zu kämpfen, ihre Kassen seien erschöpft. Wenn nicht die Weltjudenheit in einem höheren Maße als bisher zu dem Budget der Universität beiträgt, so werde man sich sehr bald vor die Notwendigkeit gestellt sehen, eine Anzahl Abtcilungen der Universität, wenn nicht gar die ganze Universität zu schließen. Obwohl die Universität, fuhr Dr. Magnes fort, eine Studentenschaft von nicht mehr als 200 jungen Männern und Frauen und einen akademischen und Forscher-Stab von nicht mehr als 60 Mitgliedern zählt, hat sie bereits äußerst nützliche und erfolgreiche Forsch ungsarbeit, insbesondere in den Gcsundhcits- und naturwissenschaftlichen Disziplinen des Landes Palästina, geleistet. Die Universität wird ihre Tätigkeit wie bisher fortfüliren, sofern nicht die Zuschüsse zu dem Budget unter das Minimum der Erhaltungskosten sinken. Die Universität verfügt über sehr wenige Stiftungen und ist fast ganz auf jährliche Zuschüsse von Körperschaften und Persönlichkeiten angewiesen. Zu Ende des akademischen Jahres 1028 29 betrug das Universitätsbudget etwas mehr als 50 000 Pfund. Auf der Tagung des Kuratoriums der Universität in Zürich irn August "1929 wurde ein Budget von 70 000 Pfund festgesetzt, wobei gleichzeitig ein regelrechter Ausbauplan für Forschung und Unterrieht ausgearbeitet wurde. Der damalige Vorsitzende der Amerikanischen Freunde der Hebräischen Universität, Felix M. W a r b u r g, wohnte der Tagung des Kuratoriums bei und billigte die gefaßten Beschlüsse^ Ich sollte nach Amerika gehen, um die notwendigen Gelder aufzubringen. Als aber dann, im Herbst 1929, die Unruhen in Palästina ausbrachen, verzichtetc ich aut die Amerika-Reise und kehrte nach Jerusalem zurück. Seit jener Zeit mußte das Budget der Universität tast von Monat zu Monat herabgesetzt werden. Gehälter und andere Ausgaben wurden reduziert, gewisse Ausgaben ganz gestrichen, das technische Personal wurde vermindert, die Arbeitsbudgets der verschiedenen Forschungsabteilungen wurden auf ein Minimum gesetzt, neue Bücher wurden nicht angeschafft, Zeitschriften wurden nicht abonniert, der Bibiiotheksdienst wurde eingeschränkt, auch sonst wurden alle möglichen Mittel zur Erzielung von Ersparnissen angewandt. Das Budget der Universität für das laufende Jahr bewegt sich zwischen 37 000 und 38 000 Wund, und es bestehen Zweifel, ob dieser Betrag wird aufgebracht werden können. Bei allen diesen Budget- und Ausgaben-Kiirzungen ging eine ständige Erweiterung der Unterrichtstätigkeit vor sich. Bisher, sagte Dr. Magnes weiter, flössen 90 0׳,״ der Gelder für das Budget aus den Vereinigten Staaten. Das eben war der Fehler, daß man sich allzu ausschließlich auf die Mittel aus Amerika eingestellt hatte. Die Freunde der Universität in Amerika hören nicht auf in ihren Bemühungen, den Bestand der Universität zu sichern, aber es scheint ihnen nicht gelingen zu wollen, die Fonds, die sie versprochen hatten, wirklich aufzubringen. Wir sehen uns heute darum genötigt, an die Judenheit in allen übrigen Län- (lern der Welt und besonders an die pal ästinensischen Juden zu appellieren. Bisher haben die Juden Palästinas faktisch so gut wie nichts zu dem Budget der Universität beigetragen. Heute aber, wo die Wirtschaftliehe Lage des Jischuw sich gefestigt hat und in Palästina eine verhältnismäßige Prosperität herrscht, ist es Plicht der palästinensischen Judenheit, der Universität zu Hilfe zu kommen. Dazu kommt, daß ein enger Kontakt zwischen Universität und Jischuw sich als absolut notwendig erwiesen hat. Eben dies sind die beiden Faktoren, mit denen sich die ״Pro-Universitäts-Tagungen“ in Jerusalem und Tel- Awiw zu befassen haben. Die Universität in Jerusalem, erklärte Dr. Magnes, könnte jüdischen Studenten aus Deutschland und aus anderen Ländern der Welt ein Unterkommen bieten. Es ist dies aber eine Frage der Mittel. Vor drei Jahren etwa hätte ich dies noch nicht sagen können. Aber heute, wo die Universität sowohl auf dem Gebiete der Forschung als auch auf dem des studentischen Unterrichts bereits eine gewisse Tradition begründet hat, könnte sie viele Hunderte jüdischer Studenten aus verschiedenen Teilen der Welt in ihre Mauern aufnehmen. Die Hebräische Universität müsse in die Lage gebracht werden, die Bedürfnisse der jüdischen Studierenden aus Ländern, in denen Juden daran gehindert werden, sich eine höhere Bildung anzueignen, befriedigen zu können. Ich bin überzeugt, daß auch die heute verarmte Weltjudenheit noch in der Lage ist, die notwendigen Gelder aufzubringen, damit in naher Zukunft etwa 1000 bis 2000 junge Juden an unserer Universität ihren Studien obliegen können. Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Am Sonntag abend erschien eine Gruppe von Leuten in SA.-Uniform In den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie in der Wohnurig eines führenden Zionisten und nahm Durchsuchungen vor. Die sofort durch uns unternommenen Schritte ergaben, daß es sich nicht um behördlich autorisierte Maßnahmen handelt. Wie man uns zusicherte, ist Vorsorge dafür getroffen, daß sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen wird. Unser Bürobetrieb ist in keiner Weise gestört; unsere Arbeit geht unverändert weiter. Um von vomeherein unrichtige Meldungen Im In- und Auslande zu verhüten, legen wir Wert darauf, den Sachverhalt durch vorstehende Mitteilung authentisch klarzulegen. Zionistische Vereinigung für Deutschland Zum Der heutige Tag ist ein Wendepunkt der deutschen Geschichte. Der Zusammentritt des ncugewählten Reichstags In Potsdam dient der feierlichen Grundsteinlegung eines neuen Deutschen Reiches. Die deutsche Nation, durch eine gewaltige Umwälzung auf neue Grundlagen gestellt, soll einer ruhmvollen Zukunft entgegengehen. Eine Epoche europäischer Politik beginnt, in der Deutschland als entscheidender Faktor an der Neugestaltung der Welt nach den Erschütterungen der großen Krise mifarbeiten wird. Wir Juden — und besonders wir Zionisten sind bestrebt, den Blick für geschichtliche Zusammenhänge zu behalten — vermögen die ganze Bedeutung dieses Geschehens zu empfinden, auch wenn der neue deutsche Nationalismus sich auf eine Bewegung stützt, die uns Juden aus dem deutschen Leben auszuschalten wünscht. Der neue deutsche Staat wird anders aussehen als der bisherige. Auch an diesem Tage der Kundgebungen und Feiern kann die Sorge nicht schwinden, wie die Existenz der deutschen Juden sich künftig gestalten soll. Die Frage, welches die Rechtsgrundlagen des Staates sein werden, ob das Prinzip der Rechtsgleichheit aller Bürger gewahrt bleiben wird, beschäftigt nicht nur uns. Wir hörten ähnliche Besorgnisse aus der Rede des Vizekanzlers von Papen und aus manchen deutschnationalen Aeußerungen heraus und ein so weit rechtsstehendes Blatt wie die ״DAZ“ schreibt in ihrer Montagabend-Ausgabe, der jetzige Uebergangszustand, der ״manche Unsicherheit und Unzuträglichkeit mit sich gebracht hat“, müsse beendet sein und ״die ewigen Grundsätze des Rechts- und Kulturstaates werden in neue, dem deutschen Wesen gemäßere Form ge- ,*Tracht werden, und eine neue Freiheit muß entstehen“. Die ״DAZ“ spricht auch von den antijiidischen Maßnahmen der letzten Woche und weist darauf hin, daß durch die Be- Die Verdrängung der Juden aus der Justiz Nur 17 füdiiche Anwälte in Breilau lieber die Aktion gegen jüdische Rechtsanwälte und Richter in Breslau, über die wir bereits in der vorigen Nummer berichtet haben, melden die Zeitungen weiter: Der Breslauer Justiz-Stillstand ist nun beendet. In einer Besprechung, an der alle interessierten Behörden und Verbände Breslaus teilnahmen, erklärte, wie die Breslauer Polizeipresscstellc mitteilt, der Polizeipräsident u. a., daß er für die ungestörte Abwicklung des Geschäftsganges bei den Justizbehörden unbedingt Sorge tragen werde. Er fügte hinzu, die Justizverwaltung möge unter dem Eindruck der Erregung dieser Tage für ein Eindämmen des Einflusses jüdischer Rechtspflege Sorge tragen. Anderenfalls sei mit Unruhen vor den Gerichtsgebauden und Behelligung jüdischer Rech tsptlegeorgane zu rechnen, die zwar durch die Polizei im Rahmen des Möglichen verhindert werden, jedoch in das Wirtschaftsleben neue Unsicherheit hineintragen könnten. Nach eingehender Besprechung wurde sodann festgelegt: Im Hinblick auf die erregte Stimmung der Bevölkerung muß an diejenigen Rechtspflegeorgane, die in letzter Zeit Gegenstand von Angriffen gewesen sind, die dringende Bitte gerichtet werden, sich im Rahmen der ihnen von der Justiz- Verwaltung zugelienden Richtlinien zu halten. Die Justiz- Verwaltung ihrerseits hat sich bereit erklärt, den durch die aufgestelltcn Richtlinien Betroffenen in geeigneter Form Kenntnis zu geben. Im Anschluß an diese Besprechung hat der O b e r 1 a n - desgerichtspräsident über die Zulassung von jüdisehen Rechtsanwälten an den Gerichten u. a. folgende Richtlinien ausgegeben: Unter allen jüdischen Breslauer Anwälten werden 17 ausgewählt, welche an den Breslauer Gerichten auftrete n. Diese Herren erhalten zu ihrer Legitimation besondere polizeiliche Ausweise. Alle anderen jüdischen Rechtsanwälte halten sich vom Auftreten vor Gericht fern. Im übrigen sind sie in ihrer Berufstätigkeit unbeschränkt. Wegen des Ausweises wird an die Herren, auf welche die Wahl gefallen ist, besondere Mitteilung ergehen. Es ist die dringende Bitte an die jüdischen Rechtsanwälte ausgesprochen worden, sich im Rahmen dieser Richtlinien zu halten. Der Oberlandesgerichts- Präsident verspricht sich hiervon eine Beruhigung der Bevölkerung und eine Entspannung der allgemeinen Lage. Insofern dürfte diese Regelung auch im eigenen Interesse der davon Betroffenen liegen. Die ״Deutsche Allgemeine Zeitung“ bemerkt dazu, daß die Zahl von 17 zugelassenen jüdischen Rechtsanwälten dem ״prozentualen Anteil der jüdischen Bevölkerung■ Breslaus entspricht“. Die ״D. A. Z.“ meldet ferner, daß Tn Breslau am 17. März abends eine Vereinigung nationaler Anwalte gegründet worden ist, die etwa hundert Mitglieder umfaßt, die sich zur christlichen Religion und parteimäßig zum Nationalsozialismus, zur Kampffront Schwarz-Weiß-Rot und zum Zentrum bekennen. * '־־־־־־ Ueber die Vorgeschichte dieser Entwicklung berichtet die Breslauer ״jüdische Zeitung“: ״In der letzten Woche hat die politische und antisermifcclK Erregung *täte .Volkstatte in fircslaa at Er*ignisssi handlung der Juden in Deutschland anderen Völkern ein billiger Vorwand zur Unterdrückung deutscher Minderheiten geboten werden könnte. Die jüdische öffentliche Meinung ist gespannt und man blickt mit Erwartung und Befürchtung nach Berlin, ob das Deutsche Reich als einzige der großen Westniächte wirklich eine antijüdische Praxis, wie sie von mancher einflußreichen Seite gefordert wird, zur 3ffizielleit Politik erheben wird. Der neue Reichstag hat den Charakter einer Konstituante. Das Ermächtigungsgesetz wird der Regierung weitgehende Vollmachten geben. Bei dem dann beginnenden Neuaufbau muß eine Regelung erfolgen, die der durch eine lange geschichtliche Entwicklung geschaffenen Situation der deutschen Juden Rechnung trägt und auch den Jude» wie den übrigen Mitbürgern eine ehrenvolle, würdige und ökonomisch fundierte Existenz möglich macht. Die bislierigeri Aktionen, besonders im Gebiet der Justiz und Modizin, müssen bei den deutschen Juden schwere Besorgnisse hervorrufen. Mit der Einkehr ruhiger Zeiten muß auch auf diesen Gebieten die Rechtssicherheit wiedcrhergestclit werden. Nationalismus ist eine große ethische und ideelle Macht. Wenn der Ueberschwnng dieser Gefühlswelt bewußt anknüpft an die Traditionen des großen Aufklärers Friedrieh, des unbedingten Verfechters der Idee ein« freien und unabhängigen Rechtes und Richtcrtums, des Philosophe;: Toleranz, dann muß ein Staatswesen geboren werden, das über sein nationales Sein hinaus ewige Menschheitswerte verkörpert. Dies ist auch die Hoffnung, mit der die deutschen Juden der kommenden Entwicklung entgegensehen. geführt, die wohl zu den schlimmsten gehören, die die Breslauer Juden seit Menschengedenken erlebt haben. Es ist heute noch nicht an der Zeit, eine umfassende Rückschau zu halten. . . .Die Besetzung der Gerichte durch die SA. und SS. und die Entfernung der jüdischen Richter,_ Staatsanwälte und Rechtsanwälte fand im Land- und Amtsgericht am Sonnabend gegen Mittag, irn Oberlandesgericht am Montag statt unu dauerte bis Dienstag früh. Es fanden in der Zwischenzeit Versammlungen der christlichen Richter und Anwälte statt, welche den Beschluß faßten, daß infolge der Gewaltanwendung bis auf weiteres ein Stillstand der Rechtspflege eingetreten sei. Eine entsprechende Kundgebung wurde durch die Justizpressestelle der Oeffentlic 11kcit übermittelt. ־ Ferner wandte sich der Vorstand der Breslauer Anwaltskammer, der für Sonnabend nachmittag aus anderem Anlaß zufällig zu einer Sitzung ztisammenberufen war, an die zuständigen Stellen und Behörden. Durch die Intervention des Vorsitzenden des Deutschen Anwaltsvereins in Berlin bei dein Vizekanzler von Papen und durch gleichzeitigen Schritt des Deutsehen Richterbundes wuide erreicht, daß die Leitung der Breslauer SA. den Befehl zur sofortigen Räumung der Gerichte erhielt. Die Gerichte stehen seitdem unter dem Schutz der staatlichen Polizei. Leider sind eine Anzahl jüdischer Richter und Anwälte bei den Vorfällen v e r 1 e 111 war• den, zum Glück sind aber die Verletzungen nicht schwerer Natur. Auch ein getaufter An w a 11 w 11 r d c g e s c h I a - gen, ebenso durch ein Versehen ein rein arischer Vorsitzender einer Kammer für Handelssachen. Es muß rühmend hervorgehoben werden, daß verschiedene politisch sehr weit rechtsstehende christliche Juristen energisch für die jüdischen Kollegen Partei ergriffen 11ab e n. Auf der anderen Seite haben manche christlichen Anwalte, darunter auch solche, deren Deutschstämmigkeit recht zweifelhaft ist. sich der Anerkennung des Stillstandes der Rechtspflege widersetzt.“ Die Breslauer ״Jüd. Zeitung“ fährt fort: ״Bei der Gegenüberstellung der Anzahl der jüdisch en Richter an den drei Breslauer Gerichten (Amtsgericht, Landgericht und Oberlandesgericlrt) im Jahre 1914 und im Jahre 1933 ergeben sich folgende Zahlen: Das Oberlandesgericht hatte 1914 nur 1 jüdischen Richter und hat jetzt 7 jüdische Richter und 2 getaufte Juden. Beim Landgericht waren im Jahre 1914 von 42 Richtern 2 Juden und 2 getaufte Juden. Im Jahre 1933 von 68 Richtern 6 Juden und 3 getaufte Juden. Beim Amtsgericht waren im Jahre 1914 von 57 planmäßigen Richtern 6 Juden und 1 getaufter Jude, im Jahre 1933 von 62 Richtern 5 Juden und 2 getaufte Juden. Daraus ergibt sich, daß lediglich beim überlandesgericht die Zahl der jüdischen Richter sich gegenüber der Vorkriegszeit vermehrt hat, daß sie dagegen, im Verhältnis zur Gesamtzahl der Richter, die in der Nachkriegszeit erheblich gestiegen ist, konstant geblieben ist. Allerdings gibt es am Landgericht jetzt zwei jüdische Direktoren, darunter einen am Landesarbeitsgericht. Aber hierbei muß berücksichtigt werden, daß die Einrichtung der Arbeitsgerichte überhaupt neu ist und daß ferner jetzt alle Vorsitzenden der Kammern für Handels- Sachen den Rang eines Landgerichtsdirektors haben, während früher diese Stellen von Landgerichtsräten besetzt waren. Einer der Kammern für Handelssachen hat auch in Vorkriegs- Zeiten schon immer ein Jude vorgesessen. Das Schlagwort von der ״V e r j u d U n g der Just! z“ unter der Republik, mit welcher der Haß gegen die jüdischen Juristen immer wieder angefacht wurde, trifft also für Breslau ganz sicher nicht za.“ *

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