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Jüdische Rundschau · 1933-03-17 · Heft 22 (17.3.1933) · p. Seite 106

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 22 (17.3.1933)
Date
1933-03-17
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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Seite 106 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22, 17.1H. 1933 Leers verkauft wird, worin über die Herkunft der jüdisehen Rasse, über das Alte Testament, über die jüdische Religion usw. die beleidigendsten Behauptungen aufgestellt werden, worin das teuflische Märchen von ״jüdischen Ritualmorden an unschuldigen nichtjüdischen Kindern“ lang und breit dargelegt wird, dann sind doch durch diese Beleidigungen und Verleumdungen alle Menschen jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens, wo immer sie leben, getroffen. Die völkische Bewegung hat stets besonderen Wert darauf gelegt, dem Gedanken der Ehre im Völkerleben einen stärkeren Nachdruck zu geben. Liegt es nicht auf der Hand, daß Juden überall sich empört und entrüstet gegen derartige Kränkungen derjüdischen Ehre wenden? Dazu bedarf es keiner Aktivität der deutschen Juden, die vom ״Völkischen Beobachter“ vermutet wird, wenn er darauf verweist, daß die ״C.-V.-Zeitung“ den Zusammenhang mit Auslandsmeldungen ablehnt und fortfährt: ״Die C.-V.- Juden aber werden an die Brust klopfen und mit den devotesten Bücklingen versichern, daß sie mit jenen Juden nichts, gar nichts, auch nicht das allergeringste zu tun hätten.“ Der ״Völkische Beobachter“ müßte ebenso gut wie wir und jeder andere verstehen, daß es eine jüdische Solidarität dort geben muß, wo das Judenturn als Ganzes angegriffen und beleidigt wird. Svmpathien und Antipathien von Menscheng־n1ppen im Aus- ]and lassen sich nicht durch Befehle regulieren. Es ist eine absurde Beschuldigung, die deutschen Juden zu verdächtigen, daß sie an einer Erzeugung außenpolitischer Schwierigkeiten für Deutschland interessiert wären. Die deutschen Juden sind so eng mit dem Schicksal Deutschlands verbunden, daß niemand ihnen Zutrauen kann, gegen Deutschland und damit auch gegen sich selbst zu hetzen. Nichts würden die deutschen Juden freudiger begrüßen, als wenn nach der vollzogenen Uniwälzung in Deutschland mm auch die Ursachen aufhören würden, die die ausländischen Juden immer wieder zu schweren Besorgnissen veranlassen, vor allem also die judenfeindlichen Aetißerungen der nationalsozialistisehen Presse und Publizistik. Das deutsche Volk hat in verschiedenen anderen Staaten Volkssplitter, die dort Minderheiten bilden. Alle diese deutschen Gruppen, so sehr sie auch in dem Staate, dem sie angehören, loyal ihre Pflichten erfüllen, sind geeint durch die ״Weltverbundenheit“ des deutsehen Volkstums. Eine solche nationale, kulturelle, re!igiöse Verbundenheit ist nicht notwendigerweise ein poli tisch es Element und bedeutet keine Stellungnahme gegen den Staat und das Volk, in dem diese Minderheiten leben. Aber wenn jemand wagen würde, den deutschen Namen öffentlich zu schänden, dann würde gewiß diese Weltverbundenhcit in Erscheinung treten und alle Deutschen, wo immer sie leben, würden sich zur Wehr setzen. Aehnlich ist es in bezug auf die Juden. Das jüdische Volk hat keine weitpolitischen Ziele und die Vorstellungen einer ״jüdisehen Weltherrschaft“ gehören in das Reich der Fabel. Weltpolitisch hat das jüdische Volk nur in einer einzigen Beziehung einet! gewissen Status, nämlich insofern es sich um die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina handelt, ein Werk, das von allen Großmachten, auch von Deutschland, wohlwollende Fördemag erfährt. Abgesehen von diesem Ziel, das in keiner Weise mit der politischen Stellung der Juden als Staatsbürger in den einzelnen Ländern kollidiert, gibt es keine aktive jüdische Weltpolitik. Es wäre nützlich, wenn statt krasser Mißdeutungen dieser ganze Fragenkreis mit dem gebührenden Ernst, ohne Verzerrungen, erörtert werden könnte. Wir sind überzeugt, daß auf lange Sicht auch für die nationalsozialistische Presse sich eine derartige Behandlung fruchtbarer erweisen würde. Jüdische autonome Einheiten in den Städten? Jerusalem, 13. März. (J. T. A.) Die Jewisli Agency hat der Regierung Palästinas soeben ein 108 Seiten starkes Memorandum unterbreitet, in welchem ihre Ansichten zu der geplanten neuen Munizipal - Verordnung enthalten sind. In ihrem Memorandum fordert die jewish Agency die Bildung autonomer jüdischer Verwaltungsein 11 eiten innerhalb der allgemeinen Stadtverwaltungen in Städten, die, wie Jerusalem und Haifa, eine gemischtnationale Bevölkerung aufweisen. Ferner werden im Memorandum Wahlrecht für Frauen, Erweiterung der Befugnisse und des Arbeitsbereichs der Stadtverwaltungen und schließlich Durchdringung der Verwaltungen mit modernem Geiste gefordert. Wie erinnerlich wurde bereits J. 1928 vom Jerusalemer Jüdischen Gemeinderat der Vorschlag gemacht, daß in dem jüdischen Teil Jerusalems eine rein jüdische Stadtverwaltung eingerichtet werden soll. Der Vorschlag wurde später wiederholt, als die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrats, die dauernd von der arabischen Majorität überstimmt und deren Vorschläge systematisch ignoriert wurden, den Jerusalemer Stadtrat verließen. Laut den Ziffern der Volkszählung i. J. 1931 wohnen in Jerusalem 51 300 Juden bei einer Gesamtbevölkerung von 80 52(3 Seelen. Die Juden bilden demnach die große Mehrheit der Bevölkerung, sind aber in der Stadtverwaltung eine Minderheit. Dennoch ist auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft die Zweckmäßigkeit eines jüdischen administrativen Scparatismus umstritten. Nach Mitteilungen der Jaffaer Zeitung ״Al lslamia“ ist die Meldung des ägyptischen Blattes ״Al Mukkattam“, wonach bereits Ende März in Bagdad der panarabische Kongreß stattfinden werde, unrichtig. Die palästinensischen Araber seien für die Veranstaltung noch gar nicht vorbereitet. Das Theater ״Ha bim ah“ begab sich dieser Tage nach Kairo und A 1 e x a n d r i c n zu einem Gastspiel, wobei ״Uriel Acosta“, ״Der ewige Jude“, ״Was Ihr wollt“, ״Dybuk“ und anderes aufgeführt werden wird, Exekutive an die Revisionisten Anläßlich der demnächst stattfindenden Tagung der schekelzahlenden Revisionisten veröffentlicht die Exekutive der Zionistischen Organisation folgende Erklärung: Im Bewußtsein ihrer Verantwortung für die Ganzheit und Unversehrtheit der zionistischen Bewegung hält es die zionistische Leitung für ihre Pflicht, in diesem schweren Augenblick an die Zionisten-Revisionisten, die der Zionistischen Organisation Treue zu bewahren entschlossen sind, folgende Worte der Mahnung zu richten: Innerpolitische Sonderanschauungen und oppositionelle Strömungen haben in unserer Organisation vollste Möglichkeit sich frei zu entfalten, solange an den konstitutionellen und organisatorischen Grundlagen unseres gemeinsamen Baues nicht geriitteltwird. Von diesem Prinzip ausgehend hat die Zionistische Organisation den Sonderverband der Zionisten-Revisionisten anerkannt. Als aber der Sonderverband es ablehnte, sich den Beschlüssen des Aktions-Comites in bezug auf zionistische Disziplin und das Verbot eigenmächtiger politischer Aktionen zu fügen, war das zionistische Ehrengericht gemäß diesem Prinzip gezwungen, seine Rechte zu suspendieren und bei der Exekutive die Auflösung des Sonderverbandes zu beantragen, ln der Urteilsbegründung erkliirte das Ehrengericht folgendes: ״Das Gericht spricht die Erwartung aus, daß diese Ent- Scheidung die im revisionistischen Sonderverband vereinigten Gesinnungsgenossen dazu veranlassen wird, ihre grundsätzliehe Stellung zu überprüfen und den Weg zur zionistischen Einheit zurückzufinden. Es wird nicht zum geringsten Teil von der jetzt einzunehmenden Haltung der Revisionisten abhängen, wann und in welcher Weise die Exekutive zu dem Anträge des Ehrengerichtes auf Auflösung des Sonderverbandes Stellung nehmen wird.“ Die Exekutive richtet an die organisationstreuen Revisionisten hiermit die Aufforderung, daß sie ihre grundsätzliche Stellung zur Zionistischen Organisation überprüfen und insbesondere ihr Verhältnis zu den Beschlüssen des Aktions- Comites revidieren, bezüglich deren Legalität das Urteil des Ehrengerichtes jeden bei ihnen etwa früher bestandenen Zweifel aufgehoben hat. Die Exekutive spricht die Erwartung aus, daß die Zionisten-Revisionisten sich unzweideutig den Gesetzen und Beschlüssen der Zionistischen Organisation, die selbstredend für alle Zionisten verpflichtend sind, unterordnen und damit den Weg zur Herstellung der zionistischen Einheit und Geschlossenheit ebnen. Gleichzeitig stellt die Exekutive, gegenüber weitverbreiteten irrigen Ansichten, zur Aufklärung der öffentlichen Meinung fest, daß bei der jetzt beginnenden Schekelaktion, die dem 18. Kongreß vorangeht, den Zionisten-Revisionisten, die der Zionistischen Organisation an gehören wollen, gemäß der zionistischen Verfassung jede Gelegenheit zum Erwerb des Schekels gegeben werden wird. Selbstverständlieh erwirbt jeder Schekelzahler mit der Entrichtung des Schekels nicht nur das höchste zionistische Recht der Teilnähme an den Kongreßwahlen, sondern übernimmt auch alle Pflichten, die sich aus der Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation ergehen. Die Exekutive richtet an die Zionisten aller Kreise den Appell, in der schweren Zeit, die große Teile der Bewegung jetzt durchmachen, die Bemühungen zur Herstellung des inneren Friedais und zur Festigung der Einheit und Aktions• fäliigkeit der Zionistischen Organisation zu fördern. London, 14. März 1933. Exekutive der Zionistischen Organisation. # Die palästinensischen Delegierten zur Kattowitzer Revisionisten-Konferenz haben die Instruktion erhalten, zu fordern, daß diejenigen Führer, die sich der Disziplin der Union unter Führung Janatinskys nicht unbedingt unterwerfen, die Partei zu verlassen haben. Soeben erschien in Jerusalem das erste Heft einer neuen revisionistischen Wochenschrift mit dem Titel ״Matarah“ (Das Ziel), die das Organ des von Großtnan geführten gemäßigten Flügels der Revisionisten ist. Der hinter Jabotinsky stehende radikale Flügel der palästinensischen Revisionisten gibt die Wochenschrift ״Hazit Haatn“ heraus. Der radikale Flügel befindet sich in Palästina bei weitem in der Mehrheit. In aller Kürze Mehr als 100 000 Menschen aus ganz Palästina, unter ihnen Hunderte amerikanischer Touristen, nahmen am 13. März in Tel-Awiw an dem großen Purim-Karneval teil. Ungeachtet der Aufforderung der arabischen Presse, der Festlichkeit fernzubleiben, haben schätzungsweise nicht weniger als 10 000 Araber dem Feste beigewohnt. Der soeben zurückgetretene Botschafter in den Vereinigter! Staaten von Pritiwitz und Gaffron hat auf die Einladung zu dem Dinner der ״Freunde der Universität Jerusalem“ zu Ehren von Professor Einstein erwidert, daß er persönlich an dem Dinner teilnehmen werde. Dem Bankett werden die elf amerikanischen Nobelpreisträger beiwohnen. High Commissioner Wauchope hielt bei der Eröffnung des Menorah - Clubs in Jerusalem, der von früheren jüdischen Soldaten der englischen Armee zum Andenken an die gefallenen Mitglieder der Jüdischen Legion gegründet wurde, eine Ansprache. ln Palästina wurde von revisionistischer Seite (Großmann) die Gründung einer Siedlungsbank eingeleitet, die langfristige Kredite an kleine Landwirte geben soll. Das Anfangskapital soll £ 20 000 betragen, wovon £ 4000 bereits gezeichnet sein sollen. Soeben ist eine Spezialnummer des offiziellen Organs des Handelsdepartements des belgischen Außenministeriums ״L’Expansion Beige“ erschienen, die den Handelsbeziehungen Belgiens mit Palästina gewidmet ist. Das Heft ist 100 Seiten stark. Diebe suchten die Grabeshöhle Machpelah in Hebron heim, in der nach der Tradition di« Grabstätten der Erzväter und Erzmütter sich befinden und die von moslemisehen Geistlichen bewacht wird. Die Diebe entwendeten Gegenstände von großem Werte, 11. a. 15 Teppiche vom Grabe Abrahams, Silberleuchter vom Grabe Isaacs und verschiedene uralte Schriften. Auch ein Teil vom Grabstein Abrahams wurde von den Dieben mitgenommen. Der Bürgermeister der Stadt Czernowitz teilte mit, daß er im Gemeinderat die Bewilligung eines öeldzuschusses für die im Sommer 1933 in Czernowitz stattfindende Weltmakkabiade beantragen werde. Der von der transjordanischen Regierung bereits angenommene Entwurf für die Einführung einer Einkommen- Steuer in Trans Jordanien wird demnächst dem Gesetzgebenden Rat Transjordaniens vorgelegt werden. (Ebenso wie in dem bedeutend rückständigeren Transiordanien beabsichtigt bekanntlich die englische Regierung die Einführung einer Einkommensteuer auch in Palästina.) Die Palästina - Prosperität Vom Wirts ch a fts d c p a rte m en t der Jewish Agency in Jerusalem wird als Einleitung zu einem gleichzeitig herausgegebenen ״Wirtschaftlichen Rückblick auf das Jahr 1932“ erklärt: In der jüdischen Presse vor allem des Auslandes sind in der letzten Zeit häufig Artikel erschienen, in denen davor gewarnt wird, die gegenwärtige Prosperität Palästinas zu überschätzen. Zum Teil wird sogar der Jewish Agency der Vorwurf gemacht, daß sie nicht Maßnahmen gegen das Uebermaß an Optimismus ergreift. Alle diese Veröffentlichungen erklären sich in erster Reihe daraus, daß die Verfasser in Milieus leben, die seit Jahren den allerstärksten wirtschaftlichen Depressionen ausgesetzt sind, es fällt ihnen daher schwer zu glauben, daß es gerade in Palästina besser gehen solle. Dazu kommt, daß sie sich der voreiligen ״Hausse“ von 1924/25 erinnern und es dann leicht haben, den Zusammenbruch auch der gegenwärtigen ״Hausse“ vorauszusagen. Das Economic Department der Jewish Agency ist nicht dazu da, Pessimismus zu verbreiten. Wir sprechen es offen aus. daß wir uns der Prosperität Palästinas und des Stirnmungsumschwungs zugunsten Palästinas, der die Veitjudenheit ergriffen hat. freuen und daß wir nach Kräften dazu beitragen wollen, daß dieser Umschwung von Dauer bleibt. Andererseits sind wir uns der goßen Vera ntwortung bewußt, die man uns aufbiirdet, und prüfen daher mit besonderer Vorsicht die Entwicklung der ökonomischen Dinge, um uns nicht selber in einen Optimismus hincintreiben zu lassen, der kein Fundament hat. Wir freuen uns, auf einige Kundgebungen hinweisen zu können, die in jüngster Zeit seitens solcher Personen an die Oeffentiichkeit gebracht wurden, denen man sowohl in bezug auf Objektivität als auf Sachkunde schwerlich bessere gegenüberstellen kann: wir meinen den High Commissioner und die leitenden Direktoren der beiden maßgebenden Banken: Clark von der Barclays Bank und Hoofien von der Anglo Palestine Bank. Alle drei Kundgebungen — des High Commissioriers Rede vor den Vertretern der Handelskammern, Clarks A.ufsatz im Novemberheft von ״The Annals of the American Academy of Political & Social Science“ und Hoofiens großangelegte Uebersichtsrede bei der Jahresversammlung der Tel-Äwiwer Handelskammer — stimmen im Grundton vollständig überein und sind getragen von der festen Ueberzeugung, daß die gegenwärtige Prosperität Im Lande keine zufällige, sondern eine fundierte Ist. Gestützt aut diese Kundgebungen, die wir sozusagen nur pour acquit de conscience, als Bestärkung unserer eigenen Auffassung registrieren, können wir allerdings vor Äuswüchsen der Spekulation und vor Aktionen der Unwissenheit warnen, die uns unsere Aufgabe, die Prosperität in die richtigen Kanäle zu leiten, erschweren und die in der Tat künstliche Rückschläge auslösen können. Das Wirtschaftsdepartement hat durch eine ״Wirtschaftliehe Studienkommission“ eine eingehende. Analyse der Situation eingeleitet und wird deren Ergebnisse in Kürze veröffentlichen. Inzwischen genügt es, darauf aufmerksam zu machen, daß die Aehnlich!< eit zwischen den beiden Aufschwungs- Perioden 1925/26 und 1932/33 weniger auffallend ist als ihr Gegensatz. Die großen Kapitalinvestierungen der lahre 1925/26, namentlich in Citrus-Plantagen, beginnen jetzt ansehnliche Gewinne abzuschütten, die auch in absehbarer Zukunft anhaiten werden. Der Preissturz, verbunden mit der Wertverminderung des englischen Pfundes, gibt den Leuten aus den Ländern mit einer Goldwährung ganz andere Möglichkeitcn als 1924/25. Ferner ist das Wirtschaftsleben vielscitiger als 1921/25 geworden. Die Industrie befindet sich heute, sowohl was Produktion als auch was Export anbelangt, in einer ganz anderen Lage als vor acht Jahren. Die Konkurrenzfähigkeit Palästinas, sowohl in Qualität wie auch in Preisgestaltung und Organisation, hat sich nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslande bedeutend vergrößer! Die Ansammlung von flüssigem Kapital einerseits und die Erhöhung des kulturellen und wirtschaftlichen Niveaus andererseits erhöhten den Lebensstandard der Bevölkerimg. Dazu kommt noch die bedeutende Vermehrung der Bevölkerungszahl, was eine Erweiterung des Innenmarktes zur Folge hatte. Schließlich haben die ungünstigen Folgen des Aufschwungs von 1924/25 sowohl die verantwortlichen Institutionen als auch die Kapitalisten gelehrt, mit mehr Vorsicht die eine oder die andere Investitionsmöglichkeit zu betrachten. Aufbau einer Jüdischen Höheren Schale Wir erhalten folgende Zuschrift: Mehr denn je kommt es heute darauf an, unsere Forderung nach der höheren jüdischen Schule zu verwirklichen. Eltern von Kindern, die die jüdische Schule Kl 3 pstockstraße beendet haben, beabsichtigen, einen weiteren Aufbau der Schule herbeizuführen und zu diesem Zweck ist ein Unterricht mit dem Lehrplan der Obertertia zu schaffen. Wir erwarten, daß alle die Eltern, die an der jüdischen Erziehung ihrer Kinder ein ernstes Interesse haben, die Einrichtung eines solchen Unterrichts dadurch fördern, daß sie ihr Kinder — Knaben und Mädchen ־— zuführen. Interessenten werden gebeten, sich sofort mit Frau Jenny Blumenfeld Uhland 7610 (zwischen 9—10p* Uhr) oder Frau Grete Barth, Brabant 2517 (zwischen 31/2—4 Uhr) in Verbindung zu setzen. 61,4״ Prozent". Man schreibt uns: Besondere Beachtung verdient ein Ziffempaar, das bei dem letzten Presseempfang im Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael in Jerusalem vom Leiter des Bodendepartements genannt wurde. Im Laufe des Jahres 1931 und in den ersten neun Monaten 1932 wurden 33 300 Dunam Land von Juden aus arabischer Hand gekauft. Nur 12 841 Dunam oder 38,6 0/0 davon sind durch Privatkäufe erworben worden, 20 459 Dunam oder 61,1 0״ durch den Jüdischen Nationalfonds. Diese Ziffern beweisen, daß der KKL sogar in dieser Zeit des Tiefstandes seiner Einnahmen und angesichts der Schwierigkeiten, große Verpflichtungen aus früheren Käufen abzudecken, auf dem Gebiete der Bodenerlösung mehr geleistet hat als die Privatinitiative. Sicherlich sei die Privatinitwtive für den Aufbau von großer Bedeutung. Es werden viele Pflanzungen angelegt, aber nur wenige Terrains werden neu aus nichtjüdischem Besitz erworben, Grundstücke gehen von Hand zu Hand, die Bodenpreise steigen, was aber die Expansion unseres Bodenbesitzes betrifft, herrscht, wie Ussischkin in seinem Referat sagte, eine beängstigende Interesselosigkeit. So ist der KKL weiter in dieser Zeit der Prosperität, die aber doch Gefahren in sich birgt, der entscheidende Schrittmacher für die Vergrößerung des Siediungswetkes.

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