Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1933)
- Date
- 1933-02-28
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 17, 28. II. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 83 Rutenbergs Elektrizitätswerk ד ־־ - י ■י mrnmmwwM Gesamtansicht von Tel-Or mit der Kraftstation Die Palestlne Electric Corporation, Ltd. Anläßlich der Vollendung von Rutenbergs großem Werke dürften folgende Angaben interessieren: Das Aktienkapital der PEC beträgt eine Million Pfund Sterling. Der Keren Ilajcssod hat in dem Unternehmen 103.000 Pfund investiert, davon 100.000 Pfund für Aktien und 3000 Pfund ohne Entschädigung für Vorarbeiten. Die PEC hat zwei Serien von Pfandbriefen tm Betrage von 250.000 Pfund beziehungsweise 300.000 Pfund aufgelegt. Die Gesellschaft besitzt Ililfsclektrizitäts* werke in Tel-Awiw, Haifa und Tiberias. In den letzten Jahren hat ihre Arbeit folgende Entwicklung gezeigt : Im Jahre 1927 wurden 2.500.000 Elektri• zitatseinheiten vetkauft, 19328,700.000 ־; im Jahre 1927 betrug die Zahl der Verbrauchcr im Lande 7477, zu Ende 1931 aln-r 12.029; dir Hinge der elektrischen Kabel betrug 1927 120.5 Kilometer, zu Beginn 1932 maßen die Kabelleitungen 639 Kilometer; die palästinensische Industrie verbrauchte 1930 1,750.000 Kilowatt, 1931 3,100.00a ח!1£חווווו:ווווווח!ווחו1וווו!ו!:!וו!ווווו!ווו!וווווו1וו!ווווווווווווווווווו!ווווו>וו1:(11וווווחוווחווווו:וווווווווווחו!!וווו!וווו!וו!וו1ו!וווו!וווווו!ווו1}1ווווווווו!ווווווווו!ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו!ווווווווווווווו11ווווווווו1)1!וחווו1וווחוווווווווווווווווו!וו!ווווווווווווווווווווווווווו Wo steht die deutsche Judenheit? Biumenfelds Rede in Berlin In einer Versammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung am 23. d. M. unter dem Vorsitz von R. A. Benno Cohn sprach Kurt Blumenfeld über das Thema ״Wo steht die deutsehe Judenheit?“ Es ist eine Frage, auf die jeder deutsche Jude heute eine Antwort suchen muß, Blumenfeld verstand es, in scharfen Strichen ein Zeitbild zu entwerfen, das es ermöglichte, die Lage des deutschen Judentums unverfälscht nach den wirklichen Gegebenheiten einzuschätzen. Ohne Beschönigung und ohne Selbsttäuschung, aber mit dem Gefühl der Kraft und der geschichtlichen Verwurzelung zeigte Blumenfeld, daß die Zukunft der Juden in der jüdischen Verbundenh»it und der jüdischen Aufgabe liegt. Auf der einen Seite erwies sich, da!ß der zionistische Standpunkt eine innerlich unbefangene Erfassung der heutigen Weltmächte ermöglicht und keine Verzerrungen des Gegners braucht, um die eigene Position zu behaupten; auf der anderen Seite w׳ar es eine im Ton vornehme, in der Sache entschiedene vernichtendc Abrechnung mit den Irrlehren des Assimilationsjudentums, das noch heute die neue Zeit ,picht begreift und mit den Palliativmitteln einer längst veralteten Abwehrmethode wirken will. So eröffnetc sich aus Blumenfelds Ausführungen die Perspektive einer neuen jüdisehen Haltung, die für die nächste Epoche charakteristisch sein muß: einer aus den Geburtswehen dieser stürmischen Zeit entstehenden charakterlichen und gruppenhaften Festigung, bewährt an der Aufgabe des Aufbaus neuen Volkslebens in einer unter Kämpfen und Leiden errungenen Freiheit. Am Anfang des Zionismus, so führte der Redner aus, stand Pinskers Wort von der ״Autoemanzipation“. Unsere These, daß nur wir allein uns helfen können, wird jetzt auch von anderen gebraucht, die dieses Wort aber nicht im stolzen Bewußtsein des Eigentseins entschlossen ausdrücken, sondern in Wahrheit immer nur von anderen Rettung und Hilfe er- «׳arteten. Wir Zionisten waren dagegen, daß Juden sich mit ihrer Umw׳elt identifizieren. Wir traten für eine distanzierte Haltung zur Umwelt ein, was natürlich nicht Desinteressement bedeutet, sondern nur die natürliche Folge der Erkenntnis der Grenze ist, die unserem öffentlichen Wirken gesetzt ist. Durch die Nichtanerkennung dieser Tatsache ist viel Unheil entstanden. Die Juden glaubten, ihr Judesein als eine ganz private Angelegenheit betrachten zu können, im öffentlichen Leben traten sie auf nicht als Juden, sie glaubten, man werde hierbei ihre Zugehörigkeit zum Judentum übersehen. Dieser einseitige Wunsch der Juden blieb unerfüllt. Solange wir in Deutschland den liberalen Staat hatten, gab es eine Möglichkeit, über diese Dinge zu diskutieren. Die Zeit des liberalen Staates ist aber zu Ende. Wir stehen heute vor etwas grundsätzlich Neuem; und wir beobachten, daß die Juden nicht ernsthaft daran glauben, sondern meinen, die Ordnung des liberalen Staates werde wiederkehren. Man rechnet mit der inneren Schwäche des Nationalsozialismus, weil sich dieser nicht auf eine Formel bringen läßt, weil seine Programme sich widersprechen. Man übersieht, daß für jede Bewegung die seelische Grundhaltung maßgebend ist, die Programme kommen nachher. Noch ist der Trieb der Hitlerbewegung dumpf und gedanklich dürftig, aber Hoffnung und Glaube, die Grundhaltung jeder Bewegung, sind ihm immanent. Die Bewegung wird von der elementaren Kraft von Millionen gespeist. Sie führt zu anderer Form des Staates und des Lebens, ihr Ziel ist der ״totale Staat“. Das Prinzip des ״totalen Staates“ hat sich aber bereits in verschiedensten Formen durchgesetzt, im Bolschewismus, im Faschismus, jetzt im nationalsozialistischen Deutschland. Blumenfeld beschreibt nun die Auseinander- Setzung, die sich in Deutschland heute zwischen gewaltigen historischen Mächten vollzieht: Etwa zwischen dem Rationalismus, wie er im Liberalismus und im ״Marxismus“ besteht und einem irrationalen, triebhaften, vitalistischen Nationalismus; oder zwischen den Mächten des konservativen Autoritätsgedankens und dem aus der Demokratie hervorgegangenen Nationalsozialismus; schließlich — was man nicht für möglieh hielt — zwischen den Konfessionen, Katholizismus und Protestantismus. Es ist schwer für Juden, sich damit abzufinden, daß Argumente und Beweise nicht mehr gelten sollen, aber wir sehen ja vor uns die Tatsache, daß Bewegungen leben und mächtig sind, die Vernunft und Geist verwerfen und Argumente nicht hören wollen. Wir dürfen diese Ent- Wicklung nicht nur vom jüdischen Aspekt aus ansehen. Oft sind in der Geschichte Zeiten, die voll minderwertigen, antimoralischen Geschehens waren, später als Wendepunkte einer ueuen Zeit beurteilt worden. Wenn wir nur unsere Affekte sprechen lassen, so werden wir die wahre Situation nicht erkennen. Wir haben im liberalen Staat für die ״staatsfreie S p 11 ä r e“ gekämpft, d. 11. dafür, daß der Jude, der nicht zur Mehrheit gehört, dennoch ein vollberechtigter Bürger sein kann. Zum erstenmal stehen wir Juden einer staatlichen politischen Bewegung gegenüber, mit der wir uns nicht i d e n t i f i z i e re n können. Unsere Haltung ihr gegenüber muß notwendig gekennzeichnet sein durch: Distanz, wie dies, bis zur Emanzipation, die Haltung der Judenheit zur Welt gewesen war. Die anderen Juden sind uns hierbei in den Rücken gefallen. Jetzt ist ein Moment, wo alle Juden erkennen müßten, daß wir eine Anerkennung unseres Sonderseins brauchen; denn es ist nicht mehr möglich, als Einzelner im öffentlichen Leben und 1'n den politischen Parteien seinen Platz zu finden. Die Zugehörigkeit zum Judentum wird sogar von außen festgestellt, und wir werden zwangsweise zu einer Solidarität gezwungen mit Leuten, mit denen wir nie etwas zu tun hatten, die sich von uns losgesagt haben, mit getauften und halbgetauften, mit Assimilanten aller Art, denen die Assimilation nicht genützt hat. Wenn eine Skandal-Affäre entsteht, wird uns jeder Judenstämmling vorgerechnet. Und trotzdem sprechen unbelehrbare Juden im Ausland und zum Ausland im Namen des Deutschtums, indem sie sich als Vertreter eines besseren Deutschlands ausgeben. Das schafft eine ganz unmögliche Situation, gegen die wir als Juden uns wenden müssen. Wir Zionisten haben bereits seit Jahrzehnten gegen derartiges Auftreten von Juden protestiert, leider haben wir kein Gehör gefunden. Im weiteren Verlauf der Rede wendet sich Blumenfeld egen jene Kreise, die meinen, im kommunistischen ager den Kampf gegen den Nationalsozialismus führen zu sollen. Der Kommunismus bedeutet Zerstörung des historisehen Judentums, und wir sind überzeugt, daß auch innerhalb des Kommunismus die Judenfrage wieder manifest werden wird, wie sie im Liberalismus durchgebrochen ist. Der Jude, der in irgendeiner Weise noch Jude ist, muß verstehen, daß in dieser Zeit seine Chance darin besteht, alle seine Hoffnungen auf das Judentum zu setzen. Wir werden als Gesamtheit immer unsere Gleichberechtigung verlangen, gleichgültig ob der Kampf aussichtsreich ist oder nicht. Wir werden dafür ein treten, daß der Jude als Jude — nicht mehr als ״limitierter Jude“ — seinen Platz findet. In Zukunft wird es nur zwei Möglichkeiten geben, eine konsequente, sich völlig־ vom Judentum lösende Assimilation und auf der anderen Seite ein Judentum, das bewußt sein Eigenleben führen will; für das Zwischenreich des C.-V. bleibe kein Platz übrig. Wenn wir Juden sein wollen, dann wollen wir gerade in Zeiten der Bedrängnis, daß unsere Kinder wissen, warum sic Juden sind. Darum kämpfen wir für die jüdische Schule. Diese Forderung nach jüdis c h e m Leben ist unsere wichtigste Maxime, aber sie allein reicht nicht aus, das Judentum ist zu schwach und atomisiert. Die wirkliche große Erneuerung kann nur erfolgen in Pa- I ä s t i n a und durch Palästina. In Palästina erweist sich am klarsten die Ungerechtigkeit des vom Antisemitismus gegen uns erhobenen Vorwurfs des ״Parasitentums“. Durch den Zionismus entsteht für den Juden eine neue Wertung des ganzen Judentums. Auf den uns umgebenden Haß antworten wir mit neuer Liebe zum Judentum, wir bauen eine neue jüdische Wirklichkeit, um da zu sein in neuen Welt- Perioden. Vielleicht wird diese jetzige Zeit in unserer Geschichte gekennzeichnet sein als eine Zeit der schweren Bedrückung־, aber auch der großen jüdischen Volksw e r d u n g. Blumcnfeld schließt unter lebhaftem Beifall mit einem wirksamen Appell, sich der Zionistischen Organisation anzuschließen, einer Aufforderung, die im Anschluß daran von dem Vorsitzenden der Versammlung eindringlich wiederholt wird. Fausi II Im Sfaatilheafer. Ein Werk von den Dirnensionen des ״Faust“ muß jedem etwas bringen; und wenn man als Zionist die Aufführung des Berliner Staatstheaters besucht, wird man — ergriffeii wie nur jemand von der menschheitlichen und künstlerischen Größe dieser einzig dastehenden Dichtung — auch manches hören, was aus dem Born dieser Weisheit uns besonders dargeboten scheint. Hier stehen wir vor der großen Polarität von Vernunft und Glaube, \Vissenschaft und Leben, Denken und Trieb, und erkennen des suchenden Menschen Beruf, eine Synthese der Gegen- Sätze zu schaffen, um sein irdisches Dasein sinnvoll zu machen. Hinter manchem, was sich als elementarer Lebensdrang gibt und sich selbst pathetisch verklärt, steht in Wahrheit *der Teufel, sarkastisch zwinkernd; am deutlichsten in jener Schlachtenszenc, wo blasphemisch dem Gott des Sieges gedankt wird, den der Teufei bewirkt hat. Der Zusammenstoß zweier geistiger Welten, Nord und Süd, christlich-deutsche und antike Welt, gibt bei allen geistigen. Spannungen ein Gefühl für die Einheit des Menschlichen in seinem Kampf. Am stärksten berührt uns der Höhepunkt des Dramas, das tätige Leben des altgewordenen Faust, das sich in Kolonisation, im Schaffen von gesunden neuen Lebensmöglichkeiten für Mil- Honen Menschen, im Zauberwerk der Verwandlung des Sumpfes in Fruchtland, vollendet. Wer denkt nicht, wenn der sterbende Faust seinen glücklichsten Augenblick in der Vision der neuen Freiheit hat, an die Siedlungsgeschichte des Emek Jesrecl: ״Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, Verpestet alles schon Errungene; Den faulen Pfuhl auch abzuziehn, Das Letzte wär das Höchsterrungene; Eröffn’ ich Räume vielen Millionen, Nicht sicher zwar, doch tätig frei zu wohne n,“ ״Grün das Gefilde fruchtbar... Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft... Im Innern hier ein paradiesisch Land...״ und schließlich: ״Solch ein Gewimmel rnöcht ich selin, Aut freiem Grund mit freiem Volke stehn ...“ Für wen sind diese Worte so zeitgemäß wie für einen jüdisehen Zuhörer unserer Tage? Schon am Anfang der zionistisehen Bewegung wurde dieses Goetliewort oft zitiert (der Zionismus hat aus deutschem Geist viel gelernt); heute aber erst hat es seinen vollen Sinn für uns. Und auch die dunkleren Seiten dieser Problematik werden uns durch die Philemon-Baucis-Szene bewußt; Kolonisation fordert Opfer de? Idylls, aber wie weit darf man gehen und wo gebieten menschliehe Rücksichten eine unübersehreitbare Grenze? Faust löst das Problem nach Art eines modernen Politikers, der nichts wissen will von dem, was seine Leute nach seinen angedeuteten Wünschen tun. Aber —- hier bleibt ein Erdenrest, zu tragen peinlich , . . Die Faust-Aufführung Gustav Lindemanns im Staatstheater ist angesichts der Schwierigkeit der Aufgabe als sehr gelungen zu bezeichnen. Interessant übrigens, daß die vorhergehenden Berliner Aufführungen des Faust If von Juden inszeniert waren; 1900 von Raphael Löwenfeld, 1911 von Reinhardt. Im Wiener Burgtheater hat zum Goetliejahr 1932 Richard Beer- Hofmann den ganzen Faust (I. und II. Teil) für einen Abend eingerichtet. Das waren gewiß kühne Taten, die mit dem heutigen Gerede vom ״zerstörenden Einfluß der Juden im Kulturleben“ schlecht vergolten sind. Bei Faust II wird man so ganz inne, was für Widersinn die Politisierung von Kunst und Theater ist. Auf die Frage der Lösung einzelner künstlerischer Probleme bei der Berliner Aufführung kann hier nicht eingegangen werden. Es genüge die Feststellung, daß der Gesamteindruck ein starker ist. Den Mephisto spielt jetzt einer unserer besten jüdischen Schauspieler, Alexander Granach. Er legt es weniger aut das Dämonische an, als auf das Pfiffig-Vulgäre, er ist ein behender, handfester Mephisto, der auch zu eifern und poltern weiß. Seine besondere Stärke liegt in der tenoralen Stimme, der er geradezu musikalische Akzente abgewinnt. Es ist eine hervorragende Leistung, die auch allabendlich vom Publikum anerkannt wird. Neben ihm steht Walther Franks edelgestalteter Faust, besonders eindrucksvoll in den Alters-Szenen. Die übrigen Darsteller schließen sich würdig an.1 Mi. ״Weltkrieg ohne Waffen“. Unter diese .1 . Titel läßt Rciclisarchivrat f)r. Hans T 11 i ni rn e bei Cotta ein Buch erscheinen, das zum ersten Male, großenteils auf Grund bisher unbenutzter Akten der Obersten Heeresleitung, gründlich und sachlich Art und Wirkung der westlichen Propaganda gegen Deutschland während des Weltkriegs schildert. Die Wirklingen einer systematischen Weltpropaganda gegen uns, eines anderen ״Weltkriegs ohne Waffen“, kennen wir Juden ja nur zu gut, und wir deutschen Juden haben sie in Krieg und Nachkrieg in doppelter Farm verspürt. So wird das Buch, das auch manche Anregung zum Problem der Propaganda * überhaupt enthält, viele von uns interessieren. Es gibt zunächst einer! UebcrMick über die Propagnndaarganisationen in den einzelnen Staaten «׳ährend des Krieges, bchandelt darin Form, Inhalt, Wirksamkeit der Propaganda und Abwehrversuche dagegen und faßt schließlich das Ganze als großen Weltanschauungskampf zwischen Deutschland und den Westmachten, mit scharfer Kritik an den Versäumnissen der deutschen Innenpolitik, dem Einfluß alldeutscher Kriegs- Zielpropaganda usw. Besonders eingehend schildert das Buch den Kampf der deutschen Emigranten in der Schweiz und in Holland gegen die deutsche Regierung. Der ״Völkische Beobachter“ hat diese Ausführungen benützt, um (gelegentlieh des Prozesses Hitler—Abel) es so darzustellen, als wäre die Propaganda gegen Deutschland nur von Juden geführt worden, obwohl der Verfasser über eine Reihe nichtjüdischcr Persönlichkeiten ausführlich berichtet und die Herkunft überhaupt nur nebenbei und ohne besondara Betonung erwähnt. Wenn auch eine Anzahl Juden darunter war. dann ist dies soziologisch zu verstehen. Es handelt sich um Personen, die sich selbst außerhalb der Judenheit gestellt haben und von jeder ■Verwurzelung gelöst, abstrakten Ideen nachhingen. Sie handelten keineswegs das betont der Verfasser ausdrücklich — aus niederen Motiven, in Gegenteil: Ausgangspunkt ist meist ein ehrlicher und radikaler Gercchtigkeitswille. Die Dinge liegen hier viel zu verworren, als daß man von einer ״jüdischen“ Haltung1 oder gar Aktion sprechen könnt»» Die Judenheit als solche hat mit Aktionen einzelner, nur für sich verantwortlicher Personen ebenso wenig zu tun wie das deutsche Volk als Ganzes mit ähnlichen Taten einzelner Deutscher. Alex Bein. Die hebräische Zeitschrift ״Hagescher“ hat soeben ihre 50. Nummer herausgegeben. Die erste Nummer erschien im August 1929 in 150 Exemplaren und hatte einen Umfang von 5 Seiten. Jetzt, im Jahre 1933, hat ,,Hageseher‘‘ bereits eine Auflage von 1000 Exemplaren, jede, Nummer einen Umfang von '8 Seiten. Ursprünglich nur für den Erscheinung:;- ort, Breslau, bestimmt, hat ״Hagcschcr“ heute außer in allen größeren Städten Deutschlands und Oesterreichs. Abannenteii auch in zahlreichen anderen Ländern, so in der Tschechoslowakei, in Polen, Bulgarien., Rumänien, Ju.goslawicn, Rußland, der Türkei, Spanien, Frankreich. Amerika, Palästina n. a. m. Bei der Gründung von ״Hageschcr“ ging man davon aus, daß das Blatt einem bestimmten Kreis von Schülern zugänglich zu machen sei. Jetzt sind unter der Leserschaft alle Kreise, Parteien 1:nd Berufe vertreten: Agudas Jisroel und Poalc Zion, Rabbiner und christliche Theo- Ingen, Arbeiter und Gelehrte, freie Berufe, Schüler,. Studenten, Lehrer u. a. m. ,,Hngeseher“ bringt außer Originaltexten Auszüge aus der alten, mittelalterlichen und neuen hebräischen Literatur und der gesamten Presse. Wegen seiner Vielseitigkeit und Aktualität des Inhalts ist ״Hagcscher•‘ ein unentbehrliches Lehrmittel in allen Schulen und Gruppen geworden. Soll der Unterricht den Schüler wirklich fesseln, seine Freude am Lernen erhalten, so muß das dargebotene Material stets aktuell, lebendig, vielseitig, interessant sein, und gerade diese Forderungen erfüllt ״Hagescher“ in hohem Maße. Und darum ist ״Hagcscher" wirklich eine Brücke, eine Brücke, die den Schüler mit Sicherheit ans Ziel führt: ins Reich des lebendigen Hebräisch. Das Blatt wird von Z. V. f. D. und K. J.V. unterstützt. Dank .dieser Beiträge und der unermüdlichen ausdauernden Tätigkeit des Gründers und Leiters der Zeitung, J, Re/nicov, und eines kleinen Kreises von ganz wenigen Mitarbeitern, die ähre Arbeit unentgeltlich in den Dienst der Sache stellen, konnte sich das Blatt trotz der schwierigen materiellen Lage bisher ohne Defizit erhalten und fortentwicketn. Irma Horovitz, Breslau. Cottbus. (Verband Jüd. Frauen für Palästina- Arbeit.) Am 8. Februar sprach Frau Levy-St ein (Berlin) in Cottbus in einer Versammlung jüdischer Frauen über ״Typenwandel der jüdischen Frau“. In einem ausführliehen Referat, daß die inneren Werte der jüdischen Frau der Vergangenheit als Ausgangspunkt nahm, zeigte sie die Entwicklung, die in unseren Tagen die jüdische Frau vor neue und einzigartige Aufgaben gestellt sieht. Während sich in unserer Umwelt ein Wechsel der Gedanken und Ideale vollzieht, sieht die jüdische Frau auf jüdischem Boden in Paiästina ein neues Geschlecht entstehen. Hier liegen die Grundlagen einer neuen kulturellen und wirtschaftlichen Aufbau• tätigkeit, an der auch die jüdische Frau des Galuth geistigen Anteil nehmen muß, wenn sie nicht den Zusammenhang mit dem lebendigen Judentum verlieren will. Nach Beendigung des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages schloß sich eine Reihe interessierter Frauen zu einer Arbeitsgemein« Schaft zusammen.