Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1933)
- Date
- 1933-02-28
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 82 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 28. II. 1933 finden hoffen, setzen im Grunde nur fort, was ihre Väter im Anschluß an den Liberalismus —י politisch erfolglos, für das jüdische Assimilantentum aber mit bedauerlich großem Ergebnis — versucht haben. Es bleibt den Juden nichts anderes übrig als: Juden zu sein und der nicht jüdischen Welt deutlich distanziert gegenüberzutreten. Das bedeutet nicht, daß Juden an den Vorgängen des allgemeinen Lebens weniger interessiert sind als früher, es bedeutet nur, daß sie an ihnen wesentlich auch als Juden interessiert sind. Mit verst eckt em Judentum, mit Renegatentum, mit einer gewollten nichtjüdischen Form des Auftretens kann der Jude seinen Platz nicht finden. Die Weit hat genug von dem ״getarnten Judentum'', das sie fürchtet, weil cs proteusähnlich in zahlreichen Verwandlungen auftritt und sich zum Sachwalter von Richtungen und Bewegungen der nichtjüdischen Welt!nicht, die es zwar geistig beherrscht, die es aber legiiimenveise niemals repräsentieren kann. Und wir Juden können es nicht ertragen, daß wir dauernd für Elemente verantwortlich gemacht werden, mit denen wir nichts zu tun haben, denen Judentum kein Wert ist, die erst im Falle eines Konflikts von der nichtjüdischen Oeffentlichkeit gleichsam 7.u ״J uden“ ernannt werden. Wir sind es müde, unsere Solidarität nur im Schlechten zu bewähren; wir brauchen sie heute in einem neuen, in dem uralten positiven Sinne. Wenn das jüdische Volk unserer Tage an den Ablauf seiner Geschichte denkt, von den Tagen der Vorzeit ins zu diesem Tag, so kann cs sehen, daß von Geschlecht zu Geschlecht Feinde aufstanden, um es zu vernichten. Aiier was auch den Ja den zustieß, wie sehr man sie erniedrigte, quälte und mit Gewalt von der Erde zu verlügen versuchte, sie behielten die Kraft zu einem stolz c n und freien Leben inmitten aller Verk n e c 111 u n g. Was wir heute erleben und was uns bedroht, ist sicherlich nicht schlimmer als das, was das jüdische Volk in früheren Zeiten durchgemacht hat. Nur einen Unterschied gibt es: Die Jude n sind anders geworden. Jene Juden haben niemals ihre Hoffnung auf Hilfe mit irgendwelchen Welt- oder Zeitströmungen verbunden, sie hatten ihre eigenen Erinnerungen und behielten deshalb auch die mir ihnen eigentümlichen Hoffnungen als unverlierbaren Schatz. Die Folgerung liegt nahe: Die Juden unserer Tage müssen wieder wissen, veie es um sie bestellt ist und aus diesem Wissen muß ihnen die Kraft nicht nur zum Ertragen von Schicksalsschlägcn, vielmehr zum Aufbau des eigenen Lebens kommen. In demselben Jahr, in dem der Haß gegen uns immer furchtbarere Formen annimmt, zeigte sich Erez Israel in neuer, ungekannter Pracht und Schönheit. Wir alle nehmen Teil an dieser Erneuerung jüdischen Lebens, nicht nur als Betrachtende, sondern als unmittelbar Beteiligte. Wer Zionist ist, in dessen Seele lebt ein von keinem Feinde zu zerstörendes Gut; er sieht vor sich die Zukunft seines Volkes; er weiß, warum er Jude ist, und während andere ihn bedrohen, gestaltet er für Kinder und Enkel das neue Leben, in dem es für alle Menschen, auch für die Nschtjudcn, die Freiheit der Entwicklung ihrer Art geben wird. Niemand weiß, was die nächste Zukunft bringen wird. Aber in jedem Fall werden wir mehr noch als bisher von Gewalten abhängig sein, deren Art und Wesen wir nicht zu beeinflussen vermögen. Wir werden alles tun, um uns zu behaupten, wir kämpfen um unsere Gleichberechtigung und wehren uns gegen alle Beeinträchtigungcn, die unter dem Deckmantel des nationalen Interesses vielfach als brutaler Konkurrenzkampf erfolgen. Mit den Mitteln der sogenannten ,,Aufklärung*', mit den Methoden eines abgelebten Abwehrkampfcs, der nichts von dem hat verhindern können, was seit lahrzehnten in immer stärkeren! Maße eingetreten ist, kann nichts ausgerirhtet werden. Was wir hier tun, tun wir mit offenem Visier, Als deutsche Bürger, die sich ihrer jüdischen Eigenart voll bewußt sind, die als Juden ihre Gegenwart und Zukunft gestalten wollen, treten wir in diese Welt mit unseren Forderungen ein. Aber nur der wird die Möglichkeit für sein jüdisches Leben auch in den Ländern der Galuth finden, der sich gerneinsam mit allen Teilen des jüdischen Volkes dazu vorbereitet, die große Entscheidung in der Judenfrage herbeizuführen. Das beste, was wir den Juden zu geben vermögen, ist die zionistische Idee, die das jüdische Volk zu aufbauender Tat befähigt hat. Unsere oberste Pflicht und unser schönstes Recht ist die Werbung für den Zionisrnus. Die Zionistische Organisation ruft heute alle Juden auf zu sinnvoller Vereinigung für die eine Aufgabe, von deren Verwirklichung Zukunft und Glück des jüdisehen Volkes und des Judentums abhängt. Der Jiscbaw gegen Bodenspekulanten j er us a 1 em, 26. Februar. (J.T.A.) ln der jüdischen Oeffentlichkeit Palästinas herrscht große Empörung über das Verhalten des kanadischen jüdischen Anwalts Philip Joseph, durch die der Jüdische Nationalfonds daran gehindert wird, eine große Bodentransaktian abzuschließen, über die die Nationalfondsleitung seit mehreren Jahren Verhandlungen führt. Joseph behauptet, er habe als Vertreter einer amerikanischenglischen jüdischen Gruppe eine Option auf den Boden erhalten. Der Jüdische Nationalfonds ersucht in einer offiziellen Mitteilung Juden in Palästina und außerhalb Palästinas, sich mit Philip Joseph in keinerlei Verhandlungen über Boden kauf einzulassen, bevor nicht die Ansicht des )üclisehen Nationalfonds hierüber eingeholt wird. Die hebräische Presse Palästinas weist auf diesen Fall als auf ein eklatantes Beispiel einer die öffentlichen Interessen schädigenden Boden- Spekulation hin. Wissenschaft vom Volkstum Max HHdebcrt Bochm: ״Das eigenständige Volk'* Es ist an dieser Stelle wiederholt darauf hingewiesen worden, daß dem deutschen Nationalismus meist das Gefühl dafür fehlt, daß das Eintreten für die sehr große Zahl von Deutschen, die außerhalb der Rcifhsgrenzen als Minderheiten unter fremden Staatsvölkem leben, in so hohem Maße davon abhängt, mit welcher grundsätzlichen Gesinnung und Haltung die Deutschen im Reiche den anderen Gruppen, insbesondere auch den Juden, gegenüberstehen. In Deutschland tritt heute vor allem jene Massenbewegung in die Erscheinung, die sich über die wirklichen Konsequenzen ihrer nur auf die gegenwärtige Erreichung der Macht gerichteten Ideologie und Politik keineswegs klar ist. Daneben kann man aber feststellen, daß es unter den geistigen Vertretern der Rechten solche gibt, die, vielfach seihst Auslanddeutsche und mit der Minderheitenarbeit persönlich verbunden, das nationale Problem in seiner Allgemcingültigkeit zu erfassen suchen. Zu diesen gehört Max Hildebert Bochm, der, iin Baltikum geboren, seine lugend in Elsaß-Lothringen verbracht hat und jetzt in Berlin als Leiter des Instituts für Grenz- und Auslandsstudien und der Deutschen Gesellschaft für Nationalitatenrecht sowie als Dozent an der Hochschule für Politik tätig ist. Bochm gibt zusammen mit O. Junghann den Ethnopolitischen Alrnanach (Verlag W. Braumiiller, Wien) 11eraus, der bereits im 3. Jahrgang erschienen ist und neben Aufsätzen wertvolle Jahresberichte über die Minderheitenarbeit und die ethnopolitischen Ereignisse sowie Dokumente und Materialien zur Minderheitenfrage, mit jüdischer Mitarbeit und unter Berücksichtigung der Lage der Juden, bringt. — Bochm hat jetzt auch die wertvollen Schriften des verstorbenen Rechtsberaters der deutschen Minderheiten, Carl Georg Bruns, gesammelt und herausgegeben (Carl Heymanns Verlag, Berlin). Diese Arbeiten, auf die auch in der ״Jüdischen Rundschau“ früher schon hingewiesen wurde, können als grundlegend für die theoretische Durchdringung des Minderhcitenreclits gelten. Es sei auch deswegen darauf hingewiesen, weil Bruns reges Interesse für die jüdischen Fragen bekundet und die Bedeutung der Zusammenarbeit der deutsehen mit den jüdischen Minderheitsvertretern gerade auch für die Deutschen wohl zu würdigen gewußt hat. Bochm hat nun den Versuch unternommen, in dem großen historischen Gegensatz von Staat und Volk, der einen wesentliehen Inhalt der letzten Entwicklung bildet, der 2000jährigen Staatstheorie den Entwurf einer Volkstheorie gegenüberzustellen (״Das eigenständige Volk“; Verlag Vandcahoeck & Ruprecht, Göttingen 1932). Bochm gründet seine Untersuchungen auf die eigentümliche Doppelscitigkeit vom Wesen des Volkes, die man als die Spannung zwischen seiner wesenhaften Ganz.heitlichkeit oder Substantialität und seiner individualen Zusammengesetztheit oder Kollektivität begreifen könne. Neben diese Spannung trete eine zweite, diejenige zwischen dem Subjektiven und Objektiven, insofern als seiner wesensmäßigen Subjektivität als Haltung und Ethos ein Bestand an Objektivierungen gegenübergestellt werden müsse, der als Volkstum zu bezeichnen sei. In diesem Rahmen behandelt der Verfasser alle jene Erscheinungs- und Wirkiuigsformen des Volkes, die sich dem Betrachter des Ganzen und der Elemente darbieten. Bereits die einleitende Behandlung des Volksbegriffs zeigt, daß er sich klar und deutlich von den Verirrungen und Ueber- Reibungen des rasseiikundlichen Dilettantismus, der heute in der Oeffentlichkeit so sehr in den Vordergrund gestellt wird, distanziert. Die Kapitel über das Volk in der Zeit und im Raum, über seine Gliederung, Volkszugehörigkeit, Volksumfang und Volksverfassung, über Volklichkeit als Haltung zeigen, daß der Verfasser über jene umfassende Kenntnis der Dinge und jenes tiefere Verständnis für die Probleme verfügt, die ihn befähigten, dieses großzügige Bild von der Lebens- und Wesenswirklichkeit des eigenständigen Volkes zu entwerfen, das ״gleich weit entfernt ist von den Maßlosigkeiten einer Volksiiberspannung, deren Wollen und Denken zugleich an den Grenzen des Volkes, und zwar des eigenen Volkstums aufliört, wie von dem gegenteiligen kosmopolitisehen Extrem, wo cs aus Blindheit für das Volkliche und Nationale überhaupt an Maßstäben für die Beurteilung aller einschlägigen Erscheinungen fehlt.“ Man spürt überall die Herkunft aus der Gedankenwelt der vielfach zitierten Modler van den Bruck und Stefan George. Der für die Theoretiker des deutschen Nationalismus vielfach kennzeichnende Mangel an Schärfe der Gedankenfülirung ist auch hier bei starkem Bemühen um die Neubildung zahlreicher Grundbegriffe zu beobachten, nur mag hier die Rechtfertigung darin liegen, daß es sich um die Schaffung der Grundlagen einer Theorie des eigenständigen Volkes handelt, bei der eine strenge Gliedming und Formulierung a'lzu leicht die Mannigfaltigkeit der Erscheinungsformen des eigenständigen Volkes unsichtbar machen könnte. Boehm seihst bezeichnet eine allzu geschlossen? und konstruktive Systematik für sich nicht als Pflicht, sondern viel eher als Versuchung und Gefahr. Wird auch durch all dies die Auseinandersetzung mit dem Buch in einem kurzen Referat außerordentlich erschwert, so muß hier doch auf die Stellung des Verfassers zum jüdisehen Volk und die Bedeutung seiner Arbeit für uns kurz hingewiesen werden. Es gibt eine Stelle in dem Buch, an der Boehm von den Juden etwas ausführlicher spricht. Das ist kcnnzeichnenderweise in dem Kapitel über die ״Räumlichkeit“ des Volkes. Er weiri darauf hin, daß die Juden das einzige Volk seien, das für die Möglichkeit raumlosen Ueberdauerns zu sprechen scheine. Aber sogleich zeigt er, daß dieser Anschein nicht zutrifft: das Einwurzelungsbedürfnis sei auch bei ihnen in Gestalt des Zionismus sichtbar geworden, und überdies sei auch ihr Schicksal mehr durch langdauernde Staatlosigkeit als durch eigentliche Unräumlich- Reit gekennzeichnet; denn ihr eigentümlich zusammenhaltender und tragischer Lebeitsraum sei durch die Jahrhunderte hindurch das Ghetto gewesen. Er rechnet zwar die Juden zu denen, die heute um eine Erfassung des reinen Volksbegriffs ringen, meint aber, daß die geschichtlichen Voraussetzungen für sie so eigentümlich seien, daß ihre Lösungsversuche und Theorien von anderen Völkern nur mit großer Vorsicht übernommen werden könnten. Boehm hat durchaus die Besonderheit und Einmaligkeit des jüdischen Schicksals erfaßt Trotzdem deuten seine Bemerkungen in den am Schluß des Buches angefügten Hinweisen und Zusätzen darauf hin, daß er die maßgebenden Strömungen im jüdischen Volk nicht immer richtig einschätzt. So wenn er sich etwa gegen den von ihm als besonders aufdringlich bezeichne+en Anspruch, die internationale Nation als eine neue jüdische Idee von Weltbedeutung zu verkünden, wendet, und als Zeugen hierfür Lieblich anruft, ohne das tatsächliche Fehlen jeder ernsthaften Resonanz dieses Autors zu berücksichtigen. Gerade auch das jüdische Volk will nicht nur aus Büchern, die vielleicht zufällig an den Leser herangebracht sein mögen, sondern auch aus der lebendigen Erfahrung heraus beurteilt werden. Fragt man danach, welche Bedeutung das Buch für uas hat, so wird man zunächst eine grundsätzlich positive Antwort zu geben haben. Und zwar schon deswegen, weil das meiste, was in dieser Zeit von Philosophen, Historikern und Politikern über das Wesen des Volkes geschrieben wird, letzten Endes auf eine Verabsolutierung des eigenen Volkes hinauslauft, während die Juris.-., sich an die überkou• menen Definitionen des Volkes zu halten suchen und ein kaum abgewandeltes Schema des Nationalitätcnrechts vortragen. Da gerade das jüdische Volk so wenig in die überkommenen Vorstellungen vom Nationalen hineinpaßt, muß eine Dar. Stellung, die so tiefgründig und vielseitig wie die vorliegende ist, auch für die Erkenntnis des Wesens der jüdischen Gemeinschaft im Sinne eines volksmäßigen Zusammenhangs von Wert sein. Bei der Lektüre des Buches zeigt sich, daß der Autor, ohne seine konservative Grundeinstellung und seine Abneigung gegen alles Liberale und Marxistische zu verleugnen, sich bemüht, eine Theorie des Volkes, d.!1. eine nicht nur auf deutsche Interessen und Maßstäbe zugeschnittene allgemeine Lehre vom Volk als allgemeiner geisteswissenschaftlicher und politischer Kategorie zu entwickeln, was bei der auf deutscher Seite vielfach zu beobachtenden Vermischung etwa der Minderheitenpolitik mit deutschen allgemeinen staatsolitischen, wenn nicht gar mit irredentistischen Absichten, eachtlich ist. Bedenklich dagegen erscheint es, daß Boehm seine Theorie vom eigenständigen Volk in so starkem Maße an den politischen Konservativismus bindet. Gerade wenn man, wie es Boehm doch tut, den Begiilf des eigenständigen Volkes jenen anderen Lebens- und Begriüskreisen des Staatlichen, Rciigiösen und Sozialen als selbständig gegenüberstellen will, so kann nicht anerkannt werden, daß die Verbindungen zu diesen anderen Mächten nur im Sinne des politischen Konservativ^- mus — und sei es auch des Jungkonservativismus — möglich sind. Denn keine Gedankenwelt betont stärker als diese die Konzentration des Denkens und Wollens auf die eigene Nation. Die für eine a 11 g c m e i n g ü 1 f i g e Volkstheorie unerläßliehe Grundeinstellung nationaler Toleranz, die bei aller Bewußtheit des eigenen Volkstums den anderen Völkern in gleichem Maße gerecht zu werden sucht, hat aber gerade in den Kreisen des politischen Sozialismus und Liberalismus ihre geistige Heimat. Abschließend kann nur der Wunsch ausgesprochen werden, daß die Bemühungen des Verfassers um ein weitsichtiges Verstehen des Volksproblems in seiner Allgeincingiiitigkcit weitere Kreise gerade der deutschen Intellektuellen dazu führen mögen, auch zu den Juden in ein Verhältnis zu kommen, das nicht mehr von der unmenschlichen, ungeisfigen Primitivität unserer Tage diktiert wird. Dr. Rudolf Lcvy. Revisionistische Ausschreitungen in Munkacz Von unserem Korrespondenten. h.I. Prag, 23. Februar 1933. Im östlichen Teile der Tschechoslowakei, in der Stadt Munkacz, hat der innerzionistische Kampf in der vergange• :nen Woche Formen angenommen, wie sie bisher wohl noch niemals in der Geschichte der zionistischen Bewegung zu verzeichnen waren. « Die revisionistische Propaganda wurde schon seit jeher in Karpathorußland hemmungslos gcführt. Hier gibt es jüdische Massen, die ganz besonders 1unter der Not des Tages leiden, in primitiven Verhältnissen leben und deren kultureller und politischer Horizont noch recht eng ist. Ein Großteil steht in einer direkt untertänigen Abhängigkeit zu dem Wunderrabbi Spira, viele andere wiederum sind bereit, blind, gläubig und fanatisch jedem zu folgen, der sich ihnen in der Pose eines ״Erlösers“ zeigt. In diesem Milieu konnte darum seit Jahr und Tag die Propaganda auf einem Niveau geführt werden, mit dem man sich in den westliahen Teilen der Republik keinesfalls vor das jüdische Publikum gewagt härte. Die Früchte sinef nun gereift. Bereits vor vierzehn Tagen versuchten revisionistische Jugendliche in Munkacz eine von allen zionistischen Gruppen veranstaltete Bialik-Feier zu stören. Was ihnen damals nicht gelungen ist, trat diese Woche ein. Am 18. d. M. sollte im Rathaus eine große Kundgebung für das arbeitende Palästina startfinden Die Ankündigungen zu dieser Veranstaltung wurden von den Revisionisten fast überall abgerissen. Bei der Kundgebung, der ein vielhundertköpfiges Publikum beiwohnte, sprachen die Palästinenser Schlomoh Rosenzweig (Sarid), M. Braslawskv (Bet Alfa), sowie Prof. Dr. Goldelman (Prag). Als der Delegierte der ITistadruth, Ben Aharon (Haifa), das Wort ergriff, inszenierten die Revisionisten derartige Lärmszenen, daß die Kundgebung von der Polizei aufgelöst werden mußte. Es entstand ein Handgemenge, bei dem u. a. ein Chaluz einen Messerstich davontrug. Ain nächsten Tage wurde der ״Kampf" auf der Straße fortgeführt, indem von Mitgliedern des Brit Trumpeldor ein Ueberfall auf den Palästinenser Schlomoh Rosenzweig (Sarid) verübt wurde. Weiter wurden der Leiter des Hebräischen Gymnasium, Dr. Kugel, und der Lehrer dieser Anstalt, C. Isakovicz, bei den Behörden wegen ״kommunistischer Umtriebe“ denunziert. Auch späterhin ist es noch zu weiteren Schlägereien auf der Straße gekommen. Ueber diese unerhörten Vorgänge schrieb die angesehene tschechische Zeitung ״Lidove novinv“: ״Die radikale Gruppe des revisionistischen Flügels benimmt sich seit Samstag nach Art der reichsdeutsehen Hakenkreuzler. Sie überfällt auf der Gassse ihre Gcgner mit Stöcken und Schlagringen. Es wäre an der Zeit, daß die Behörden energisch einschreiten." So weit die nichtindische Zeitung. Die revisionistischen Exzesse werden von allen übrigen zionistischen Gruppen auf das schärfste verurteilt. Das zionistische Landeskomifee, dem allerdings die Revisionisten nicht mehr angehören, wird sich noch mit den Munkaczer Zwischenfällen beschäftigen. Was die ״Wdtbflhue" vermißt Ein Leser schreibt uns: In Nr. 8 der ״Weltbühne" heißt es im Leitartikel: ״Bedauerlich ist nur, daß das offiziell gewordene Pathos sich lediglich gegen diese Erscheinungen des gestürzten Systems richtet, ohne ihre Ursachen und Hintergründe aufzuzeigen. Früher versäumte die nationalsozialistische Literatur das nie. Sie schilderte vielmehr sehr eingehend, wie der Marxismus und das Finanzkapital, der Expressionismus und die französische Politik nur Werkzeuge des Juden sind, der sich ihrer bedient, um das arische Deutschland zu verderben, durch die Erkenntnis und Verbreitung dieser Zusammenhänge ist die nationalsozialistische Bewegung erst groß geworden, und ohne Zweifel werden ihre Ideen nun in ihren Regierungstaten zum Ausdruck kommen. Doch gerade davon hört man wenig.“ (Sperrungen von uns.) Die ״Weltbühne“ ist eines jener Organe, auf die die Judenfeinde sich berufen, wenn sie behaupten, es werde von ״jüdischer“ Seite ein Feldzug gegen alles Nationale im Deutschtum geführt. Viele Aeußerungen der ״Weitbühne“ belasten das jüdische Konto, obwohl die Zeitschrift selbst sich nie als ״jüdische“ gefühlt oder geriert hat. Daß ausgerechnet die ״Weltbühne“ jetzt ironisch vermerkt, daß die Nazis zu wenig (!) von der ״Schuld der Juden“ sprechen, ist wirklieh ein unerwartetes Dokument unserer Zeit