Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1933)
- Date
- 1933-02-24
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 78 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 16, 24. n. 193S Nach der ersten Konferenz der S.Z.V. Von Dr. Fritz Loewcn stein, Berlin. Die Vereinigung der palästinensischen Arbeiterparteien ״Adtduth Haawodah“ und ״Hapocl Hazair“ bestätigte im Grunde nur einen in der Wirklichkeit längst vollzogenen Vorgang. Die Parteien waren in der Histadruth, im Waad Leumi, im Stadtparlament von Tel-Awiw und auf dem Kongrell, in Siedlungen und Gewerkschaften längst vereinigt, und die formelle Vereinigung (,,Ichud“) war nur die Legalisierung des bestehenden Zustands. Anders in den!.ändern der Galutli, auch in I )eutschlaml. Die Verschiedenheit von Poale Zion und I litachduth in den Fragen der Landespolitik, der Gcmeindcpolitik־, des Verhältnisses zu den anderen zionistisehen Gruppen bestanden noch als reale Faktoren, als die Vereinigung geschlossen wurde. Die Verschmelzung zu einer Gruppe, das Entstehen des Gefühls, als Chawerim Schulter an Schulter miteinander zu kämpfen und zu leben, kann erst innerhalb der neu geschaffenen Gemeinschaft verwirklicht werden. Es wäre unter diesen Umständen kein Wunder gewesen, wenn die erste Laiuleskonferenz der Vereinigten Partei in Deutschland im Zeichen heftiger Auseinandersetzungen der Chawerim der beiden früheren Parteien gestanden hätte. Es ist vielleicht das Wichtigste, was sich über diese Konterenz aussagen läßt, daii bei keinem der Gegensätze, der auf der Tagung erörtert wurde, jemals ein Trennungsstrich die ehemaligen Chawerim des Hapoei Hazair auf die eine Seite, die der ehemaligen Poale Zion aut die andere Seite verwies. Vielmehr ergab sich, dali schon jetzt, nach wenigen Monaten der Vereinigung, die Gruppierungen ganz anders verlaufen und die Vereinigung sehon jetzt als auch innerlich gelungen bezeichnet werden kann. Es liegt in der Natur derartiger Konferenzen, daß bei liehen Men!tu .,rsdii• .öe'lllieit un i'׳m׳ tri 1e:1, schnell 1 tin weggehen, um 11'!11 > O J1H Itr bei denjeni •:> zu verweilen. WO Mctnu n '׳•־׳י, u FM ׳ h? t‘1i enhrit :11! lies! St 1 hat denn auch die Ausspi •״du־ /li den! Ittel( ■rat von Locker n :1r woni.Lf zu ernmn/en gehabt . 1 >: di fiiu Part. ׳i in \( )Her So S!k laritüt mit ihren Ge-!los:- un in 1 >;d ■wtin a /!! ׳iminuiis ,teilt, d! sIj sie lest entschlossen ist, all es /11 t 1!n, um l ien Block der A; rh eit erschaff auf dem komm; vmrnn K mni; ru’j s 0 stark svie n! fi (. dich zu machen. daß sic mi t alle וזד N1׳, ׳hörne k für c ine firn Üi lerting der natum aivn Arbeit et kolorti -atu > n, ui! n* S1.uk 1mg de r Zionistischen < )rg mni~ satiori lind de r na Ufmal cn Tom 's t־intn :U •11 wird, ist so sc Ihstverstand■! 11׳ , ( :n in der Del ritte kattt n erwähnt zu \ve: rden brauet ■ fe und iljv vmmi .mittig u Anne!!!: i'.C einiger Resohttii ווסתי als Ausiln! k׳. der S t i m :nun :r ( b׳r Ko׳ ׳ *! ■rettz ausreichte. 1 >ie At beit der 11 tdt׳d e:t M 011:11t1 ־ reilieh wl ml am stärksten von der V o r h u r e i t ז: 11 n / 11 nt k v o!1 :.f r e 1! bestimmt sein, und die V. erbt!!•. Itir 1־r n lit dt. an rcnl r.deu V er hamisbüro der P, artei in Warschau, dir dm.;’•! die Ktmferen/ gestärkt worden ist, wird zur einheitlichen Führung des Wahlkampfs der Unken beitragen. Audi daruher waren sielt alle Teilnehmer der Konferenz einte, dali di•■ Linke versuchen wird, mit denjenigen 7io״.istisV׳en Gruppet!, die die Grundsätze der national«! Kolonisation glei.lt uns bejahen, taktisch zusammen zu gehen. Die Verhinderung einer reaktionären lind revisionistischen, atbeiterfein<lliehon und Organisation:;feindlichen Mehrheit auf dem Kongreß ist die Aufgabe der nächsten Monate. Auch bei der Erörterung anderer zentraler Fragen der Bewegung ergab sich eine weitgehende Einigkeit der Konterenz. Die Proletarisierung des deutschen Judentums, die wirtschaftliche Not, der steigende politische Druck haben im deutschen Judentum eine Lage hervorgerufen, auf die die deutschen Zionisten int allgemeinen und die sozialistischen Zionisten in erster Linie eine Antwort zu geben haben. Es ist zwar nicht anzunehmen, daii die sozialistisch-zionistische Bewegung in kurzer Zeit in Deutschland zu einer Massenbewegtmg werden kann: so leicht ist cs nicht, den Gedankengehalt und die Anschauungwve't des sozialistischen Zionismus zu akzeptieren. Aber cs gilt zu zeigen, dali alle Mittel zur Abhilfe der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Judennot in der Galutli mir [,;!]!infivinittel sind, die Lösung nur im Aufbau eines arbeitenden Erez-Isracl liegt, daß wir uns aber berechtigt und Verpflichtet fühlen, mit all unseren Kräften auch an der i imleritng der Augenblicksnöte mit/uwirken. In dieser Rifhtting hat die Konferenz eine große Reihe sozialer und kultureller Vorschlä: e nusgearheitet, mit denen im Laufe der lolgendcn Jahre versucht werden soll, die Propaganda des sozialistischen Zioniseiuis an ganz nette Kreise heran/11fragen. Oh nicht auch für die Arbeit der Z. V. f. D. im allgenteinen aus der veränderten .Struktur des deutschen Judenfttrns gewisse Korts01|ue.1׳/ert für Art und Richtung der Arbeit zu ziehen sind, soll jetzt nicht behandelt werden. Die Diskussion über das Verhältnis zur Z. V. f. D. ist insofern mißverstanden worden, als der Eintritt der Vereinigten Partei in die Z. V, f. fl. von allen Seiten als nicht mehr zu diskutierend(׳ und vollzogene Tatsache angesehen wird. Separatistische Tendrn/en im Sinne einer Rückgängigmachung tl'-“> Eintritts sind nicht zutage getreten. Es ist nicht mehr als natürlich, daß für einen Teil der alten Poale Zion der Eintritt in eine zionistische Landesorgmiisation ein neuer Gedanke ist, mit dem mail sich erst befreunden muß. Es besteht auch keineswegs ein Interesse daran, diese Frage In erster Linie unter formal-organisatorischen Gesichtspunkten zu betrachten statt einen natürlichen Entwicklungsprozeß ablauten zu lassen. Viel wesentlicher ist die Stellung, die die Vereinigte Partei inner!! alb der Z. V. I. D. einzunehmen hat. Je größer die Partei ist, je geschlossener sie den Eintritt in die Z. V. f. D. vollzieht, um so stärker wird ihr Gewicht sein, um so stärker wird der Eindruck sein, daß die Partei mit eigenem Gesicht und eigenem Programm für ihre Auffassung der zionistischen Arbeit in Deutschland kämpft und dabei vor offener Opposition, wo sie sich nötig erweisen sollte, nicht zurückschreckt. Das gilt z. B. vom Grundsatz einer eigenen sozialistischen Gemeindepolitik, der jedenfalls bei künftigen Wahlen überall das Aufstellen eigener’sozialistisch-zionistischer Listen erforderlich macht, wie cs von den Fragen der Landespolitik überhaupt gilt, wo für eine sozialistische Partei von vornherein eine eindeutigere Haltung möglich und nötig ist, aJs^für^ die aus verschiedenen Gruppen zusammengesetzte Es muß genügen, an dieser Stelle einen Ueberhlick über einige Hauptprobleme der Konferenz gegeben zu haben. Daß die Konferenz in der kurzen Zeit von einem Tage erfolgreich und intensiv gearbeitet hat, zeigt die Annahme eines Statuts, durch das die Partei eine feste organisatorische Grundlage erhalten hat. Die Landeskonferenz tritt einmal in zwei Jahren zusammen, die Exekutive liegt in den Händen des Zentralkomitees, während ein Erweitertes Zentralkomitee als Kontrollinstanz eingesetzt wurde. Es steht zu hoffen, daß die Partei ihre großen Aufgaben gegenüber den Chawerim in Palästina, gegenüber dem Weltverband, bri der Vorbereitung des Kongresses und bei der Durchführung ihrer sozialistischzionistischen Aufgaben in Deutschland mit aktiver Unter» Stützung aller ihrer Chawerim und aller ihrer Gruppen wird durchführen können. Resolutionen der S.Z.V. Die Sozialistisch - Zionistische Vereinigung Poale Zion- Hapoal Hazair in Deutschland sendet uns die von ihrer Landeskonferenz am 12. d. M. beschlossenen Resolutionen. In diesen Resolutionen wird seht ausführlich zu der Lage im Zionismus, In Palästina und In Deutschland Stellung genommen. Die erste Resolution begrüßt die Vereinigung der zionistischen Arbeiterparteien und erklärt Ihre unverbrüchliche Verbundenheit mit dem arbeitenden Palästina. Die Konferenz ruft alle sozialistischen und fortschrittlichen Kräfte zur Verteidigung der nationalen und sozialen Grundlagen des arbeitenden Palästina auf. In der zweiten Resolution wird der Genugtuung über die Fortschritte des Jischuw und die Chaluz-Immigration Ausdruck gegeben und gegen die sozial-reaktionären Tenden zen gewisser Unternehmer in Palästina Steilung genomtnen. ln dem kommenden Kongreß-Wahlkampf soll gegen diese Tendenzen gekämpft werden. Die dritte Resolution ist der Jugend- und Hechaluz-Bewegung gewidmet. Sie spricht sich für Förderung von Berufsutmchtchtung und Palästina-Vorbereitung aus und versichert den Hechaluz der wärmsten Unterstützung. In der vierten Resolution werden alle Angehörigen der Partei aufgefordert, dem Palästina- Arbeiter-Fonds den Ertrag eines Arbeitstages zu widmen und auch sonst den Fonds zu Stutzen. Die fünfte Resolution setzt sich für eine Verstärkung der Keren Kajemeth -Arbeit ein, der in dieser Zeit der Bodenspckulation besonders wichtige Funktionen zu erfüllen hat. Die weiteren Resolutionen lauten: VI. Die Lage des jüdischen Volkes in der ganzen Welt hat sich in katastrophaler Weise verschlechtert. Der zunehmende Druck der nationalistischen und reaktionären Mächte trifft die Juden mit besonderer Schärfe und hat zu einer fortschreitenden Verelendung der jüdischen Massen und Ein- Schränkungen der Rechtsstellung der Juden geführt. Schwerer denn je ist der Kampf der jüdischen Arbeiterschaft um das Recht auf Arbeit und die Sicherung ihres Arbeitsplatzes. Alle Versuche der Assimilation sind kläglich zttsammengebrochen. Waler die Ideen des bürgerlichen Liberalismus noch die Versuche einer kommunistischen Lösung der Judentrage in Rußland, konnten und können die jüdische Galuthproblematik beseitigen. Die S. Z.V. tritt für jeden Versuch der Prodnktivier u n g der jüdischen Massen ein. Die Landeskonferenz bedauert deshalb um so mehr den Mißbrauch, den die ״üeserd“ mit dem elementaren Streben der jüdischen Massen nach Produktivicrung treibt, indem sie unter der Maske einer neutralen Organisation einen politischen Kampf gegen den Zionismus und den Aufbau des arbeitenden Palästina führt. Die Landeskonferenz der S. Z. V. erklärt ihre brüderliche Verbundenheit mit den Chawerim in Rußland, die unter den schwersten Verfolgungen für das Recht der Selbstbestimmung der jüdischen Massen, den sozialistischen Zionismus und die hebräische und jiddische Kultur kämpfen und leiden. Die Zugehörigkeit zur S, Z. V. schließt die Z u g e h ö - rigkeit zur Organisation ״Gcserd* aus. VII. Der schnell fortschreitende Verelcndungsprozeß der Juden, der sich dauernd verstärkende nationale Druck und die Verschärfung des Klassenkanipfes in Deutschland zwingen die S. Z, V. zur erhöhten Aktivität bei der Wahrnehmung der Interessen der jüdischen Massen. Die Konferenz stellt daher folgendes Arbeitsprogramm auf:!.Interessenvertretung, insbesondere durch entsprechende Tätigkeit der Z. V. f. D., in den jüdischen Gemeinden und Landesverbänden, Gewerkschaften, Betriebsorganisationen und in der Oeffentlichkeit, durch Bildüng von Arbeitskollektiven, Erwerbsiosetiorganisationen und sonstigen Arbeitnehmervertreturigen. 2. Gesellschaftliche Erfassung, insbesondere durch Gründung von jüdischen Arbeiierklubs, Arbeiter- Sportvereinen, Arbelterküchen, Erwerbslosenheimen, Wohngemeinschaften u. a, 3. Kultur - und Bildungsarbeit, Insbesondere durch Schaffung von jüdischen Arbeiterschulen, Erwerbslosenkursen, Pflege und Verbreitung der hebräischen und jiddischen Literatur usw. Die erste Landeskonferenz der S. Z. V. verpflichtet alle Ortsgruppen und Instanzen der Partei zur intensiven Arbeit in dieser Richtung. VIII. Die erste Landeskonferenz fordert, daß die Z. V. f. D. a) unverzüglich den Kampf für die Rechte des jüdischen Volkes in Deutschland aufnimmt; b) die Gemeinden und Landesverbände auffordert, die politische Vertretung der jüdischen Gesamtheit zu bilden; c) die Gründung des demokratischen Reiehsverbandes der gesamten deutschen Juden durchsetzt, der vor allem die politische Vertretung der deutschen Juden zu sein hat. IX. Die erste Landeskonferenz der S. Z. V. macht es den leitenden Instanzen zur Pflicht, sich den Fragen der jüdischen Ausländer in Deutschland mit besonderer Aufmerksamkeit zu widmen. X. In Uebereinstimmung mit den Prinzipien der Verein'!• gungsplattform verpflichtet die Landeskonferenz die Ortsgrup» pen und Chawerim der S, Z. V. zur Führung einer selbständigen sozialistisch-zionistischen Gemeind epolitik. Organisatorisch bedeutet dies die Aufstellung eigener Listen und Bildung eigener Fraktionen. Listenverbindung■ oder Beteiligung von anderen zionistischen oder überparteilichen Listen ist nur nach vorheriger Zustimmung des Z.-K. zulässig. Die Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses. Das von der Genfer Jüdischen Weltkonferenz gewählte Exekutivkomitce zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses trat in Berlin zu einer Sitzung zusammen, ah der Dr. Mayer Ebner-Cernauti, Dr. Nahum Goldmann-Berlin, J. Grünbaum-Warschau, Dr. E, Jochelman-London, Georg Kareski- Berlin, Dr. Miron Kreinin-Paris, Dr. E- Margulics-Leitnieritz, Leo Motzkin-Paris, Dr. Nurok-Riga, Dr. H. Rosmarin- Lemberg, Robert Stricker-Wien und B. Zuckerman-New York teilnahmen. Im Rahmen dieser Tagung fand ein Empfang der Vertreter der jüdischen Presse statt. Dr. Nahum Goldmann, der Leiter des Berliner Büros zur Vorbereitung des Weltkongresses, erläuterte die Idee des Kongresses und seine Ziele und gab einen Umriß der Organisation des Kongresses, dessen Abhaltung im Jahre 1934 in Aussicht steht. Eine Propaganda in großem Stile wird erst im kommenden Herbst und Winter vor sieh gehen. In einer Reihe von Ländern wurden Landeskomitees gebildet, über die Dr. Goldmann Einzelheiten mitteilte. ״American Jewlsh Congress“ sandte an das in Berlin tagende Exekutivkomitee zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses eine Kundgebung, die im wesentlichen besagt: ״American Jewish Congress entbietet der historischen Tagung der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß seine brüderlichen Grüße. Unsere Sorge um das Schicksal und um die Zukunft der deutschen Judenheit ist gemildert durch unser Vertrauen in Deutschland, das nicht von der hohen Stufe bürgerlicher Gleichheit auf ein Niveau der Ungleichheit und der Ungerechtigkeit wird herabsinken wollen. Im Bewußtsein jüdischer Solidarität steht die amerikanische Judenheit mit ihren Sym» pathien einmütig hinter den deutschen Juden, ebenso wie sie stets willens ist, für die Rechte jedes Teils der Judenheit einzutreten. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten würde jede Verletzung der Rechte der jüdischen Bevölkerung in Deutschland scharf mißbilligen.“ Jewlsh Agency״Arbeit in Deutschland Veranstaltungen in Westdeutschland Frankfurt a. M.: Auf einer am 15. Januar abgclialtenen Bezirkskonferenz der Jewish Agency für Südwestdeutschland, die unter Vorsitz von Herrn Justizrat Dr. Blau stand, hielt Herr Stadtkämmerer Bruno Asch, Berlin, das Hauptreferat über ״Oeffentliche oder private Kolonisation Palästinas?“ Der Redner betonte die Bedeutung der Fonds als wirtschaftsregulierende Faktoren gegenüber einer an sich wünschenswerten Entfaltung der Privatinitiative. An der sehr lebhaften Ausspräche beteiligten sich 11. a. die Herren Dr. Franz Wolf, Dr. Eduard Strauß, Direktor Behrend, Aschaffenburg, Dr. M. Rosen biüth, Berlin, und Mendel Bader, Palästina. Am gleichen Abend fand im Hause von Herrn Emil Oettinger ein Zirkel statt, zu dem zahlreiche Damen und Herren erschienen waren, die bisher dem Gedanken des jüdischen Palästina-Werks gänzlich fernslanden. Stadtkämmerer Asch sprach über die gegenwärtige Situation des deutschen Judentums; Dr. Roscnblüth schilderte die palästinensische Ent- Wicklung der letzten Jahre; Mendel Bader berichtete über das Leben der jüdischen Bauern in Ercz-fsrael. Justizrat Blau schloß den Abend mit einer eindringlichen Begründung der Verpflichtung aller Juden, zum Aufbau Palästinas beizutragen. Die im Anschluß an diese Veranstaltung in Frankfurt durchgeführte Keren Hajcssad-Aktion, für die sich in dankenswerter Weise Zionisten und Nichtzionisten ehrenamtlich zur Verfügung stellten, ergab ein zufriedenstellendes Resultat. Eine Reihe neuer Freunde und Mitarbeiter konnten für den Keren Hajessod gewonnen werden. Wiesbaden: Am 19. Januar sprach auf einem gut besuchten, von der Zionistischen Ortsgruppe Wiesbaden veranstalteten Palästina-Abend Dr. Martin Rosenblüth über ״Die jüdische Situation der Gegenwart“, itn Anschluß an diesen Vortrag wurden aus der Mitte der Versammlung eine Reihe von Fragen über die politische und wirtschaftliche Situation in Palästina gestellt, die von Herrn Mendel Bader zusammenfassend beantwortet wurden. Von den zahlreich erschienenen Nichtzionisten beteiligte sich Justizrat Marxheim er an der Aussprache, der den Standpunkt der nichtzionistischen Palästina-Freunde in Deutschland klar präzisierte und deren Treue zum Palästina-Gedanken zum Ausdruck brachte. Köln: Am 29. Januar fand unter Vorsitz von Herrn Dr. h. c. Alfred Leonhard Tietz eine Bezirkskonferenz der Jewish Agency für Rheinland-Westfalen statt, bei der Dr. Martin Rosenblüth über ״Jüdische Wirtschaftsentwicklung in Palästina (öffentliche und private Kolonisation)“ referierte. An sein Referat schloß sidi eine lebhafte Aussprache an, in der die Frage der wirtschaftlichen Entwicklung in Palästina ein* gehend erörtert wurde. Am gleichen Abend veranstaltete die Jewish Agency —■ wiederum unter Vorsitz vor! Herrn Tietz — eine Kundgebung, in der die Herren Dr. Hohenstein, Dr. Martin Rosenblüth und M. Bader referierten. Die Veranstaltung, an der mehrere hundert Personen teilnahmen, verlief sehr eindrucksvoll und bildete den Auftakt für eine Keren- Hajessod-Aktion, die unter Leitung von Herrn Tietz und unter aktiver Anteilnahme einer Reihe 'von Freunden des jüdischen Palästina-Werkes mit gutem Erfolg in Köln durchgeführt wurde. Bemerkenswert ist, daß es auch in Köln ,gelang, Im Rahmen dieser Aktion eine ganze Reihe jüdischer Persönlich* keiten erstmalig für die Förderung des jüdischen Palästina- Werkes zu gewinnen, die bisher dem Palästina-Gedanken indifferent oder ablehnend gegenübergestanden haben. Düsseldorf: Auf einem Vortragsabend der Jewish Agency am 21. Januar, der von Herrn Dr. h. c. Alfred Leonhard Tietz eröffnet und geleitet wurde, sprach Herr Dr. Adolf Hohenstein (früher Polizeipräsident in Kassel) über die gegenwärtige geistige und seelische Situation der deutschen Juden, während Dr. Martin Rosenblüth eine Darstellung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage der Judenheit 111 Osteuropa, Mitteleuropa und Amerika gab. Herr Mendel Bader spracn über ״Zwölf Jahre als Arbeiter in Erez- Israel“; den Abend beschloß Herr Rabbiner Dr. Esche!- bacher mit einem wirkungsvollen Appell zur Förderung des jüdischen Palästina-Werkes. München-Gladbach: Unter Vorsitz von Herrn Ernst Aschaffenburg veranstaltete das Ortskornitee der Jewish Agency am 8. Februar einen Vortragsabend, bei dem Herr Stadtdirektor Dr. Kramer, Köln, und Herr Mendel Bader, Palästina,, referierten. Die Ausführungen beider Redner hinterließen einen nachhaltigen Eindruck, und die in den folgenden Tagen unter dankenswerter Teilnahme der Mitglieder des Komitees durchgefiihrte Keren-Hajessod-Aktion hatte ein ausgezeichnetes Resultat. Preußische Ratstagung Die Presse-Abteilung des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden teilt mit: Am 19. Februar 1933 trat der Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu seiner ersten Tagung im laufenden Jahre in Berlin zusammen. Der Präsident, KGR. Leo Wolff, richtete an die anwesenden Mitglieder des Rats die dringende Bitte, ihren Gemeinden die Versicherung zu übermitteln, daß an verantwortlicher Stelle nötigenfalls alles geschehen werde, was dem Ernst der Lage entspreche. Bei gier Feststellung des Haushaltsplans ergab sich die Notwendigkeit, die Ausgaben des Landesverbandes so weit wie möglich einzuschränken. Es war dabei zu beachten, daß der Landesverband zur Erfüllung seiner hauptsächlichsten Aufgaben befähigt bleiben muß und, um dies zu ermöglichen, eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben, die er im Laufe der Jahre auf sich genommen hatte, nicht oder nur in vermindertem Ausmaße weiterführen kann. Dem Rat lag der Entwurf eines Haushaltsplans vor, dessen Festsetzung im einzelnen dem Kollegium der Berliner Dezernenten übertragen wurde. Es wurde beschlossen, die Umlage für 1933/34 in der bisherigen Höhe von 1 •A> des Reichseinkommensteuersolls zu erheben. Da im Augenblick nicht zu übersehen Ist, zu welchem Zeitpunkt die Einberufung des Verbandstages sich als zweckmäßig erweisen wird, wurde dessen Bestimmung ebenfalls dem Kollegium der Berliner Dezernenten übertragen. Professor Leopold J e s s n e r, der dem Staatlichen Schauspielhaus 13 Jahre angehörte, davon 10 Jahre als Intendant, verläßt am 1. März die Staatsbühne; er wird sich an diesem Tage mit der Inszenierung des Werkes von Rudolf Bi 11 Inger, ״Rosse“, vom Publikum verabschieden. Gemäß einer vor dem Gericht zustande gekommenen Einigung wird ihm sein noch laufender mehrjähriger Vertrag bis Ende 1934 abgegolten. Dies Ist wohl schon ein Resultat des nationalsozialistischen Kurses der neuen Intendanz. Erwin Piscator ist von der Sowjetregierung zum Leiter und Hauptregisseur des Moskauer Jiddischen Staatstheaters berufen worden, Dieses Theater wurde als ״Jiddisches Künstlertheater“ von Alexis Granowsky begründet und mehrere Jahre geleitet. Man erinnert sich noch seines Berliner Gastspiels. (Piscator Ist nicht Jude.) Rechtsanwalt Heinrich Stern Ist in den Vorstand der Anwaltskammer gewählt worden, Stern ist Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde.