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Jüdische Rundschau · 1933-02-24 · Heft 16 (24.2.1933) · p. Seite 76

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 16 (24.2.1933)
Date
1933-02-24
Page
Seite 76 (sequence 2)
Language
German
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Seite 76 zwei Stunden Verspätung haben, Von gedrucktem Material war keine Rede, der Kern des Geschehens lag in der improvisation. Diese Zeiten scheinen heute sehr weit zurück. Am Tage der Konferenz erscheint ein voluminöser Rechenschaft•־ bericht der Exekutive der Arbeiterschaft, ein Band von •400 Seiten, den jeder der Delegierten keuchend mit sich herumschleppt. (Freilich ist es ein Kunststück, ihn in der Diskussion richtig zu benutzen, denn wer kann die vierhundert Seiten mit ihren Zahlen und Tabellen in einem Tage bewältigen?) Dann beginnt die Sitzung zehn Minuten nach der angesetzten Zeit. Das Präsidium stützt sich bei seinen Beschlüssen auf ein Regle• ment, das zu Beginn jedem Delegierten in die Hand gegeben wird. Man kommt ohne Karte nicht in den Verhandlungssaal. Kurz, der Apparat, der sich im Laufe der zwölf Jahre, seit es die Histadruth gibt, entwickelt hat, zeigt überall seine Resultate. Keine spontane Aktion, sondern Organisation. Alles ist vorher geplant; dem Zufall bleibt wenig Spielraum. Ein neuer Beweis dafür, daß die jüdische Arbeiterbewegung über ihre Anfangsstadien hinaus ist. III. Majorität und Opposition. Die Konferenz umfaßt 201 Delegierte. Und davon gehören mehr als hundertsechzig zur ״Mapai“, der großen Einheitspartei, die aus der Fusion der Acliduth Awodah und des Hapoe! Hazair entstanden ist. Der Rest teilt sich auf in die Oppositionsgruppen des Haschomer Hazair und der Poale Zion und die kleinen Splittergruppen wie Jemeniten, Jugend der Allgemeinen Zionisten, religiösen Arbeiter usw. Damit ist von vornherein klar, daß die Beschlüsse der Konferenz in allen wesentlichen Fragen denen entsprechen werden, die die Majoritätsparfei auf ihrer Konferenz vor einigen Monaten gefaßt hat. Es gibt keinen Kampf um reale Punkte, Punkte, die durch Abstimmung geändert werden können. Die solide Masse der Majoritätspartei muß automatisch jede Gegnerschaft erdrücken. Die Auseinandersetzung mit der Linken hat einen theoretischen Charakter, sie geschieht sozusagen zum Fenster hinaus, ist nicht Kampfverhandlung, sondern Propaganda. Daher hat auch die Konferenz für die Opposition eine Spezialbedcutung, sie gibt eine glänzende Gelegenheit, öffentlich Kritik zu üben, Ideen zu verbreiten, Anhänger zu werben. Daß diese Propaganda auf der Konferenz selbst den Gang der Verhandlungen auch nur im geringsten ändert, ist unwahrscheinlich. Die Ab- Stimmungsresultate müssen ja von vornherein klar sein. Die Opposition, vor allem der Haschomer Hazair und auch die Poaie Zion, kämpfen gegen die Führerschaft der Hisfadruth um eine Kursänderung. Radikalisierung, Abgehen von den ״reformistischen“ Neigungen, andere Einstellung der Oewerkschaftsbewegung — das sind einige der wichtigsten Streitpunkte. Besonders im Haschomer Hazair erkennt man die Schwenkung in der Ideologie, eine komplizierte Synthese von Zionismus und marxistischen Soziallehren, die ein anderes Gesicht trägt als die poale-zionistischen Kombinationen dieser Art, die seit Jahrzehnten versucht werden. Auffallend ist die gedankliche Kluft zwischen den ״Alten“ und den ״Jungen“, die anders geartete Terminologie. Die Gegner treten von ganz anderen Standpunkten an dieselben Fragen heran, so daß Waffen und Worte gleichmäßig verschieden sind. IV. Das Sonderprofil dieser Arbeiterschaft. Dem äußeren Bilde nach war die Eröffnungssitzung die einer ״sozialistischen“ Organisation: rote Fahnen, die ״Internationale“, Arbeitermassen. Aber vielleicht nirgends auf der Welt kann man heute eine Eröffnungsrede einer politischen Konferenz hören, in denen die sozialistischen Ereignisse, dia Politik des letzten Jahres so wenig zur Sprache kommen wie hier. Dieser erste Abend beschäftigte sich ausschließlich mit der jüdischen Kolonisation und Einwanderung, ihrer Ausbreitung und der Rolle der Arbeiter darin. Eine Verbindung mit der Außenwelt war gegeben durch die Juden des Gaiuth, nicht aber durch die sozialistischen Organisationen der anderen Völker. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas erschien an diesem Abend als der Pionier der nach Palästina wandernden Juden, ihr Sozialismus als eine Spezialauffassung, eine besondere Färbung ihres Zionismus. Es gibt Gruppen, vor allem in der Opposition, die sich gegen diese Haltung auflehnen. Im allgemeinen jedoch wird sie als eine Selbst verstandliehkeit empfunden. Sie ergibt sich für viele aus der Tat- Sache, daß hier nicht nur Arbeit geschaffen wird, sondern auch der A r׳b c i t e r erst entsteht, daß die Situation der Juden auf der Welf verschieden ist von der aller anderen Völker, daß Palästina Spezialprobleme stellt. Und diese Hailun£ gibt der palästinensischen Arbeiterschaft ein spezielles Profil. V. Widerspiegelung der Konjunktur. Auch in dieser Zusammenkunft spiegelt sich ebenso wie in den anderen der letzten Monate die Konjunktur Pa•* lästinas. Hier tritt die Vertretung von Zehntausenden von Arbeitern zusammen, und sie braucht über das zentrale Problem aller Gewerkschaften der heutigen Welt, über die Frage der Arbeitslosigkeit, überhaupt nicht zu beraten. Die Frage existiert zurzeit für den jüdischen Arbeiter im lande nicht. Im Gegenteil, er berät über seine Stärkung, über eine Expansion seiner Institute, über die Vorsorge für schlechtere Tage, über die Schaffung weiterer Möglichkeiten für jüdische Einwanderung. Die Spezialstellung, die Palästina gegenwärtig in der jüdischen Welt einnimmt, wird auch auf dieser Konferenz zu einer auffallenden Erscheinung. * Die Beschlüsse Jerusalem, 20. Februar. (J.T. A.) Die vierte Konferenz der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth) ist am 19. Februar geschlossen worden, ln einer Resolution wird die Forderung an die Regierung ausgesprochen, jede Art Ein wanderungsbcschränkung aufzuneben und die Kontrolle über die Einwanden::־׳.־ der Jewish Agency zu übertragen, in einem Anhang zu dieser Resolution wird gegen die Versuche, die Einwanderung von Ch aI u z im zugunsten einer Mittelita-dseinwanderung zu beschränken, protestiert; der Hecht-!uz in allen Ländern wird aufgefordert, Gruppen für Pal'-stina-Arbeit qualifizierter Arbeiter für die Einwanderung nach Erez Israel zu organisieren. In einer weiteren Resoiution wurde beschlossen, in allen Ländern einen Feldzug für den Konsum von Palästina-Produkten und von in Palästina hergestellten Waren %inzuleiten, Ferner wurde beschlossen, einen Kampf gegen diejenigen auswärtigen jüdischen Arbeitgeber, die in ihren Unternehmungen in Palästina (Pardessim usw.) jüdische Arbeiter nicht beschäftigen, einzuleiten. m JÜDISCHE RÖHDSCHäD Jabotinsky tat Berlin Kampfrede gegen die Arbeiterpartei Die Versammlung, die die Berliner Revisionisten •m 20. d. M. mit Jabotinsky veranstalteten, war wohl als Auftakt zum Kongreßwahlkampf gedacht. Freilich war es dann etwas inkonsequent, gerade einen Führer, der außerhalb des Kongreß-Zionismus steht, als Redner heranzuziehen. Es mag den ungeklärten Verhältnissen innerhalb des Revisionismus und den Meinungsverschiedenheiten innerhalb der deutschen Revisionistengruppe zuzuschreiben sein, daß Jabotinsky in seinem Vortrag die so umstrittene Frage der Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation und zum Kongreß nicht berührte. Aber mehrmals spielte er unverhohlen auf den bevorstehenden Kongreß an, als ob es auch für ihn diesen Kongreß gäbe. So war denn auch seine Rede in ihrem Haupttcü der Auseinandersetzung mit der Partei gewidmet, die als Kongreßgegnerin der Revisionisten eine führende und entscheidende Position hat, der Arbeiterpartei. Man ist gewöhnt und wohl auch berechtigt, Reden von Jabotinsky nicht nur nach ihrer politischen, sondern auch nach ihrer ästhetischen Seite hin zu würdigen. Auch Gegner seiner politischen Anschauungen haben sich oft an der blendenden Kraft seiner Rhetorik, der Scharfe seiner Oedankenfiilmmg, der Präzision seiner Diktion erfreut. Leider war er diesmal nicht auf der Hohe, Ob eine körperliche Indisposition oder seelische Ermüdung hierfür verantwort-!ich sind, vermögen wir nicht zu entscheiden. Aber seiner Rede fehlte diesmal der Glanz und der Schwung, seine Dar- Stellung zerfiel oft in Weitschweifigkeit, streifte hart das Banale, es gab in dieser drei Stunden langen Produktion eine ganze Reihe ״leerer Stellen“. Ein Meister der Rede wie Jabotinsky hätte den Gehalt dieses Vortrags in einer Stunde bewältigen können und damit größere Wirkungen erzielt. Inhaltlich war seine Rede eine Mischung von richtigen, scharfsichtigen Bemerkungen zur gegenwärtigen Lage mit vielen sehr anfechtbaren Behauptungen und Folgerungen. Im ersten Teil gab er ein wirkungsvolles Bild der heutigen jüdischen Situation und der Rolle Palästinas in der Oegcnwart. Den von vielen zionistischen Rednern geäußerten Gedanken, daß Palästina der einzige Lichtblick in der heutigen Not ist und von Palästina her ein neuer Aspekt des ganzen Judenproblems, auch die Aussicht auf reale Hilfe sich erschließt, vermochte Jabotinsky eindrucksvoll zu variieren, wobei es der speziellen Liebhaberei und der revisionistischen Terminologie zuzuschreiben?ein mag, wenn für das tatsächliche zionistische Geschehen möglichst oft das Wort ״Judenstaat“ verwendet wird. Man kann auch nur zustimmen, wenn der Redner darstellt, daß die ganze Welt heute in einem krisenhaften Umbau begriffen ist und auch das Judenproblem von hier aus betrachtet werden müsse, da mit der alten Weltordnung auch die bisherige Einordnung der Juden unhaltbar geworden ist. Die Judenfrage ist ein Teilgebiet der Weltkrise, und es komme darauf an, den Völkern klarzumachen, daß dieser eine kleine Teil der Weltnot ebenfalls der Lösung bedarf; diese Lösung aber könne nur im Judenstaat liegen. Zu diesem Zweck empfiehlt Jabotinsky jüdische ״Massenpetitionen“ an Regierungen und Völkerbund. Der Strom der Weltkrise, so sagt er, kann das Schiff des jüdischen Volkes in den Hafen des Judenstaates führen. ftn zweiten Teil des Vortrags (nach der Pause) schildert dann der Redner das Gute, das diese Krise für uns hat, vor allem die als Folge der Krise auftretende Auswanderung nach Palästina. Palästina blieb bisher von der Krise verschont, und zwar infolge von drei Momenten. Erstens ergibt sich durch die Einwanderung eine Anhäufung gewaltiger Energien in Palästina. Zweitens fällt zufällig mit dem Palästinawerk das Erwachen des Nahen Orients zusammen, wodurch ein großes ökonomisches Hinterland und Absatzgebiet Vorhanden ist. Und drittens wirkt dank dem Zionismus in Palästina das ״psychologische Pathos“, das für die Entfaltung der wirtschaftlichen Energien erforderlich, ist. Das Haupterfordernis aber für jeden Aufbau heißt Kapital. .Und da das Kapital nur dorthin wandert, wo Rentabilität winkt, ״muß es ein Hauptgrundsatz, des Zionismus sein, daß die Rentabilität des Kapitals gesichert wird“. Von hier aus setzt Jabotinskys ausführliche Polem i k mit dem jüdischen Sozialismus ein, die man bereits aus seinen zahlreichen Artikeln kennt. . Die ,,Klassenkampf-Parole“, so sagte er, gefährde die Rentabilität des Kapitals und sei daher antinational und antizionistisch. Man könne die Lage in Palästina nicht mit der Lage anderer Völker vergleichen. Die Aufgabe in Palästina heißt Kolonisatlon, und Kolonisation ist Kriegszustand. Hier hat man nicht zu prüfen, was ״gut“ oder ״schlecht“ ist, sondern wenn man sich entschieden hat, diesen Krieg zu führen, dann müsse alles andere diesem einen Ziel untergeordnet werden. Da dürfe man z. B. nicht sagen: ״meine Aufgabe ist cs, die Lage meiner Arbeitsgenossen zu verbessern“, sondern in dieses Land kommen, heißt: als Freiwilliger kommen zu einem Krieg. ״Die Grundlage dieses Kommens — sagt jabotinsky wörtlich — ist eine altruistische, sonst bleibe zu Hause.“ Man mußte sich freilich erstaunt fragen, was der Redner eigentlich unter ״Altruismus“ versteht und ob er meint, daß um die Rentabilität des Kapitals zu sichern, die Arbeiterschaft eines wirtschaftlich aufbliihenden Landes aus Altruismus arbeiten soll, während das Kapital natürlich keinen Altruismus kennt. Auch ist man verwundert, gerade von jabotinsky zu hören, daß das Energiezentrum in Palästina hauptsächlich, zur Versorgung des ökonomischen Hinterlandes mit Industriewaren bestimmt ist, also mit anderen Worten der Araber, von denen es noch gar nicht so feststeht, daß sie jüdische Waren aus dem ״Judenstaat“ kaufen werden, während er dem jüdischen Arbeiter, der nicht für Verbesserung seiner Lebensbedingungen eintreten darf, als Käufer offenbar gar keine Bedeutung beimißt. Auch hat er das Problem der ״organisierten“ Arbeit und die Möglichkeit arabischer Arbeit überhaupt nicht berührt. Ohne diese Erörterung aber ist eine Auseinandersetzung mit dem Arbeiterproblem der palästinxnsisehen Wirklichkeit (und nicht eines doktrinären Antimarxismus) gar nicht zu denken. Die scharfe Stellungnahme gegen den ״Marxismus“ und die Ausmalung seiner zerstörenden Macht wirkte, in Deutschland vorgetragen, etwas anheimelnd, und man mußte unwiilkürlieh lächeln, wenn der Redner sich dar/ulegen bemühte, daß andere Völker sich diesen Marxismus gefallen lassen könnten, aber gerade in unserem Falle, wo es sich um Kolonisation handelt, sei er unzulässig. Die rechtsradikalen Gruppen jedes Volkes meinen offenbar, sich darauf berufen zu müssen, daß gerade das eigene Volk in der Situation ist, wo es keinen ״Marxismus“ verträgt. Im weiteren Verlauf seiner Rede — war cs Unachtsamkeit oder Absicht? — vermengte Jabotinsky unversehens seine Polemik gegen die jüdische Arbeiterschaft Palästinas mit der Polemik gegen den Kommunismus. Er legte dar, warum Kommunismus unil Zionismus unvereinbar seien. Es sei z. B. das politische Ziel der Kommunisten, Europa aus allen Kolonialiändern vertreiben zu wollen, während sich Jabotinsky als enthusiastischer Anhänger des europäischen Rechtes auf Herrschaft in den Kolonialländern bekannte. Aber ist nicht die jüdisch-palästinensische Arbeiterschaft selbst die Nr. 16, 24. fl. 1933 •chlrfste Gegnerin de« Kommunismus? Rennt jabotinsky hier nicht offene Türen ein? Denn er widerlegte ja nicht die Zielsetzung de* Kommunismus als solchen, sondern die des sozialistischen Zionismus. Dieser ganze Teil des Vortrags fiel ins Leere. Der in der Histadruth organisierte jüdische Arbeiter denkt und empfindet bekanntlich in erster Linie national und zionistisch. Die jüdische Arbeiterbewegung Palästinas entstand nicht aus theoretischen Doktrinen, sondern organisch aus den Bedürfnissen des Landes und aus dem Wunsche einer zionistisch beseelten Generation, mit eigener Hand die Scholle zu Bearbeiten und das Land aufzubauen, statt daß nur jüdische Grundherren und Unternehmer Scharen arabischer Arbeiter befehligen. Gewiß ist in den Darlegungen Jabotinskys über die wirtschaftlichen Notwendigkeiten Palästinas viel Richtiges; aber das ist allgemein anerkannt und darüber bedarf die Arbeiterschaft der Belehrung nicht, denn sie stellt im Programm und besonders in der Praxis das Interesse des Aufbaus über alles. Daß sich der Aufbau, selbst wenn er nach Jabotinsky ״Kolonisafion“, ״Kriegszustand“ oder was sonst ist, niciit auf Ausbeutung des arabischen Arbeiters und auch nicht auf Verelendung des jüdischen Arbeiters stützen kann, ist kein sozialistischer oder marxistischer Grundsatz, sondern eine zionistische Anschauung. Es ist sehr fraglich, ob, wenn es erst eine größere Zahl revisionistischer wirklicher Arbeiter gibt, diese auf die Dauer Jabotinskys These vom ״Altruismtis“ des Arbeiters akzeptieren und ihre Lebenshaltung freiwillig senken werden. Daß ein natürlicher Ausgleich geschaffen werden muß, um dem Kapital Rentabilität zu sichern, ist eine Selbstverständlichkeit, die auch kein Arbeiteriührer anzweifelt. Wir sind nicht die Verteidiger der Histadruth, und es gibt gewiß Fälle, wo der Histadruth gegenüber eine Kritik am Platze ist. Bei Arbeitskonflikten wird stets genau zu untersuchen sein, welche Partei die Schuld trifft. Aber die ganze zionistische Arbeiterbewegung als antizionistisch zu verdammen, ist eine Umkehrung der Tatsachen, die vielleicht aus manchen zeitgemäßen Sentimentsgründen auf einen Teil des jüdischen Bürgertums wirkt, aber zionistisch letzten Endes verhängnisvoll werden müßte. Wir sind, wie Jabotinsky richtig sagte, etwas anderes als die auf ihrem eigenen Boden sitzenden Völker; man kann aber aus dieser Feststellung auch zu dem Ergebnis kommen, daß wir uns eine gewisse agitatorische Haltung, die bei anderen Völkern Vorkommen mag, nicht leasten können, ohne unser Werk in der Wurzel zu gefährden. Der volle Bachsaal folgte den Ausführungen mit Aufmerksamkeit bis zum , Schluß und spendete dem Redner reichen Beifall. Auf der Estrade hatte man zwei Dutzend braun uniformierter Jugendlicher, darunter Kinder von vielleicht 12 Jahren, die um diese späte Stunde längst ins Bett ehört hätten und von den Ausführungen ihres Führers estimmt kein Wort verstanden, postiert; sie mußten nach Schluß der Rede bei der Hatikwah stramm stehen und salutieren. Es war ein Schauspiel, das man mit sehr gemischten Gefühlen über sich ergehen ließ und das manchen nachdenklicher stimmen mochte als die Rede Jabotinskys selbst. Gegen Illegale Palästina - Elnwander nng Jerusalem, 21. Februar. (J.T.A.) Auf Ersuchen der Palästina-Regierung haben die französischen Behörden in Syrien scharfe Maßnahmen zur Verhinderung illegaler Palästina- Einwanderung auf dem Wege über Syrien ergriffen. Die Jerusalemör Regierung hat festgestellt, daß in Syrien eine arabische Menschenschmugglerbande am Werke ist, die sich systematisch mit der Einschmugglung von Juden nach Palästina befaßt. Diese Bande arbeitet mit den üblichen Lockmitteln. Dem Wunsche der Palästina-Regierung entsprechcnd, lassen die syrischen und libanesischen Behörden keine Schiftsreisenden landen, die nicht über Visa zu dauerndem Aufenthalt in Syrien oder Palästina verfügen. Bis jetzt wurden an der syrisch-palästinensischen Grenze 116 Personen angehalten, die versucht hatten, ohne Visum die Grenze nach Palästira zu überschreiten. ln Marseille sind neuerdings mit einem Schiff aus Beiruth 27 polnische Chaluzim angekommen, die an der syrisch-palästinensischen Grenze festgenommen worden waren, als sie versucht hatten, die Grenze nach Palästina ohne Visum zu überschreiten, nachdem vor einigen Tagen bereits 45 Chaluzim aus Polen aus dem gleichen Grunde von Beinith nach Marseille zurückgeschickt worden waren. * Wir haben bereits in Nr. 15 auf diese höchst bedauernswerten Vorfälle hingewiesen. Wenn die vorstehenden JTA.-Meldungen davon sprechen, daß ״arabische Menschen-Sclimuggler“ damit beschäftigt waren, Juden aus Polen über die Grenze nach Palästina zu schaffen, so ist dies gewiß sehr interessant, aber was die jüdische Oeffentlichkeit mehr interessiert, ist die Frage, wer eigentlich die Auswanderer die* sen nara bi sehen Menschen-Schmugglern“ zu* immer lokaler Hilfskräfte. Aber wie kamen die Menschen von Warschau nach Beiruth? Wer hat daran verdient? Das ist die Frage, die in erster Linie geklärt werden muß und an deren Beantwortung die jüdische Oeffentlichkeit im Inter• esse der Sauberkeit unserer Palästina-Bewegung interessiert ist. Wir hoffen, daß die zuständigen Behörden, die jewish Agency-Exekutive und insbesondere die verschiedenen zionistisenen Verbände Polens auf diese Frage bald eine klare Antwort geben werden. XUL Ksrtelltag des K.J.V. Programm. 1 Sonnabend, den 25. Februar, abends 8.30 Uhr: Oeffentliche Kundgebung, ״Der Weg des deutschen Juden“. Referenten: Bbr. Siegfried Rosenbaiim (Leipzig) und Bbr. Siegfried Kanowltz (Bertin), in der Alten Handelsbörse. Sonntag, den 26. Februar, pünktlich Qy» Uhr: Karteiltag im Hotel ״Sachsenhof“. Tagesordnung: 1. Er- Öffnung; 2. Wahl des Büros und der Kommissionen; 3. Referat Bbr. Herbert Foerder über ,,Zionistische Politik in Deutschland“; 4. Diskussion. — Nachmittags 3 Uhr: 1. Referat Prof. Citron (Berlin) über ״Die Hebräische Universität m Jerusalem“; anschließend: 2. Bericht des Präsiden; 3. Referat Bbr. Franz Brüll (Berlin) über ״Die zukünftig« Kartellarbeit“; 4. Generaldebatte. — Abends yä10 Uhr: Gesellschaftliche Veranstaltung mit Damen im Hotel ״Sachsenhof“. Montag, den 27. Februar, pünktlich 10 Uhr: 1. Fortsetzung der Generaldebatte; 2. Arbeitssitzungen der Aktivitas, Leitung: Bbr. Franz Brüll, Arbeitssitzung der Altherrenschaft, Leitung: die Bbr. Hans Lipschitz und Heinz Levinsohn. — Nachmittags 3 Uhr: Konnnirsionsberichte; Abs'i'nmnngeii; Wahlen.

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