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Jüdische Rundschau · 1933-02-24 · Heft 16 (24.2.1933) · p. Seite 75

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 16 (24.2.1933)
Date
1933-02-24
Page
Seite 75 (sequence 1)
Language
German
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Tradition und Moderne im heutigen Palästina Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstagu. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AusUndsabonnctnenisf werden in der Währung der einzelnen Linder berechnet• Anzeigenpreis: 8 gesp. Nonpareillezeile 0,50 G.-M* Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 1<» | Berlin, 24. II. 1933 Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Riga 4155, Straßburg 164 30, Warschau 190 708, Wien 156 030. Bank-Konten: Dresdener Bank, Depositen - Kasse Berlin, Kurlürstcndamm 52; Rumänische Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palcsiine Co. in Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv. כ״ח שבם תרצ״ג I xxxviii. jahrg. Per Zionist«us erstrebt tOr da« JOdlaclie Volk die Schaltung alner Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm■״ Alltag und Epoche Eine tröstliche Erscheinung ln aller Kürze Wie der Präsident des A.-C., Motzkin, erklärt, haben die Exekutive def Zionistischen Organisation und das Präsidium des Zionistischen Aktions-Comitds in einer gemeinsamen Beratung beschlossen, den 18. Zioniste nkongreß für den 8. August nach Karlsbad einzuberufen. Als Emir Abdullah von Transjordanicn auf der Rückreise voll Jerusalem nach Amman in Transjordanien die Stadt Es Salt passierte, wurde sein Auto von Scliuljuugen mit Steinen bombardiert, wodurch sämtliche Glasscheiben des Autos in Trümmer gingen. Der Emir wurde nicht verletzt. Fünf Knaben wurden im Zusammenhang mit diesem Vorfall verhaftet. ln einem während der 4. Konferenz der Histadruth in Palästina erstatteten Bericht stellte H. Frumkin fest, daß im Verlaufe des Jahres 1932 vier Millionen Pfund P ri v at k a p i ta I in Palästina investiert worden sind, davon 1350 000 Pfund in Böden, 1400 000 Pfund in Neubauten, 500 000 Pfund in neue Industrien, 900 000 Pfund in Plantagen. Von der in Neubauten investierten Summe fielen 550000 Pfund allein aut Tel-Awiw. Lord Allcnby eröffnet am 23. d. M. in Jerusalem das. neue große Gebäude der Young Men Christian Association mit einem Vortrag über die Eroberung Palästinas. Der Präsident der Arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, hat sämtlichen arabischen Königen und moslemischen N o t a b e 1 n der Welt das Pro- ״ramm ,des arabischen Bodenfonds ztigesandt mit der Aufforderung, sich an der Sammlung von Geldern zur .Erlösung des palästinensischen Bodens aus der Hand der Zionisten zu beteiligen. Auch in Palästina selbst wird eine eifrige Agitation für diesen Fonds geführt. Der 15. .Sclnvat, das Neujahrsfest der Bäume, wurde auch in diesem Jahre in Palästina überall durch große Kinderfeste und Umzüge feierlich begangen. Die Schulkinder, geschmückt mit Blumen und grünen Zweigen, wurden von ihren Lehrern in Anlagen geführt, wo Bäume gepflanzt wurden. An manchen Orten, z. B. in Jerusalem, wurde freilich ein Teil der Feier durch heftig einsetzenden Regen gestört. Das Direktorium des A me rican Joint Distribution Committee, das vor kurzem in New York eine Tagung abhielt, teilt mit, daß es auf Grund von hunderten Gesuchen jüdischer Hilfsorganisationen und Gemcindcfiihrer in Ost- und Mitteleuropa beschlossen hat, im Verlauf des Jahres 1933 seine Hilfstätigkeit in Europa in verstärktem Maße f or t z u f ii h r e n und an die amerikanischjüdische Oeffentlichkeit dringend zu appellieren, die notwendigen Gelder zur Verfügung zu stellen. Maschineneinftihr nach Palästina Die ״Deutsche B e r g w c r k z e i t u 11 g“ in Diisseldorf berichtet: 111 Palästina ist infolge der von der Regierung unterstützten Bemühungen, einheimische Industrien zu entwickeln, die das Land in bezug auf die Versorgung mit tagliehen Bedarfsartikeln, Kleidung usw.. vom A׳׳s':mdc möglichst unabhängig machen sollen, ein im wesentlichen noch ungedeckter Bedarf an Maschinen und anderen technischen Produktionsmitteln vorhanden, dessen Befriedigung von der fortschreitenden Besserung der Wirtschafts- und Währungsverhültnisse abhängt. lieber kurz oder lang wird jedoch einem Handelsbericht aus Haifa zufolge zur Anschaffung der dringend benötigten Maschinen geschritten werden müssen. In Frage kommen besonders elektrische Maschinen, Dieselmotoren. Pumpen, Maschinen für Wasserreservoire, einfache landwirtschaftliche Maschinen, ferner Näh- und Schreibmaschinen. Nach einem Lieberblick über die Maschineneinftihr der letzten Jahre teilt die Zeitung noch mit, daß in den Jahren 1928,!929 und 1930 England 26,7, bzw. 37,6, bzw. 51,8 «0׳, D e u t s c h 1 a n d 44,8, bzw. 40,2, bzw. 29,4 0׳,״ lieferten. Jüdische Stiftnagsgelder lür Bodenerwerb in Palästina Ein Plan Ussischkins. J e r 11 s a I e m, 20. Februar. (J. T. A.) Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael), M. M. Ussischkin, entwickelte in einer von ihm in Jerusalem geleiteten Pressekonferenz, einen neuen grofiangelegten Plan für jüdischen Bodenerwerb in Palästina. Danach sollen 20 Millionen Pfund für jüdischen Bodenerwerb aut folgende Weise mobil gemacht werden: In den Banken verschiedener Länder überall in der Welt sind jüdische Stift 11 ngsfonds in einer Gesamthöhe von mindestens 20 Millionen Pfund deponiert. Der Keren Kajemeth erklärt sich bereit, den Institutionen, die über diese Stiftungsgelder verfügen, den gleichen Zinssatz wie die Banken zu zahlen, wenn diese Institutionen sich entschließen sollten, die Stiftungsgelder heim Keren Kajemeth zu deponieren, der sie zum Ankauf von Boden für jüdische Siedlung in Palästina verwenden wird. Der Keren Kajemeth mit seinem reichen Bodenbesitz, sagte ussischkin, bietet Geldcinlegern heute weit mehr Sicherheit als sie irgendeine Bank bieten könne. Die Einleger würden fürs erste einmal ihrer Gelder immer sicher sein können; anderer:., its geben sie dem Keren Kajemeth die Möglichkj’it, mit Hilfe der Geldeinlagen ungeheure Landgebiete für das jüdische Siedlungswcrk zu erwerben. , Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Ussischkin, das Hinausschreien einer sogenannten Prosperität in Palästina könne sich für das Aufbauwerk nur schädlich auswirken, denn es führt die Weltjudenheit irre und wiegt sie in Sicherheit. Man vergißt leicht, daß die Bodcnerwerbungen des Keren Kajemeth, wegen Mangels au Mitteln; "lc.ht mehr progressiv fortschreitem Wohl wurden Orangenname in. jüdischen Besitz gebracht; veräußeriieher Privatbodenbesitz bedeute aber nicht nationale Prosperität Der deutsche Alltag ist jetzt wenig erfreulich. Da der deutsch-jüdische gegenwärtig zwischen Hangen und Bangen verläuft, wenn auch die stärkste Partei Deutschlands, nunmehr Regierungspartei, in ihrem leidenschaftlichen Kampf gegen die von ihr als Hauptgegner betrachteten Gruppen sich mit den Juden in Taten wenig beschäftigt, dürfte es wohl keinen Juden in Deutschland geben, der sich über die Lage der jüdischen Gemeinschaft unter dein Regime Hitler irgendwelchen 11111sionen hingeben würde. Die nationalsozialistischen Parteiganger haben ihre Hände voll mit dem Wahlkampf zu tun, und da alles noch im Flusse ist, ist es verständlich, daß sie eine trotz aller agitatorischen Aufbauschung im Machtkampf weniger bedeutungsvolle Angelegenheit, die Judenfrage, bisher nicht angepackt haben. Nur so nebenbei bekommen die Juden von nationalsozialistischer Seite Mementi, damit sie nicht meinen, daß an sie vergessen wurde. Fine Fülle von nationalsozialistischen Haß-Schriften gegen die Juden ist gerade in der letzten Zeit erschienen und in der Wahlpropngatida wird das antisemitische Argument reichlich herangezogcit. Die Berliner Wähler werden in punkto Judenfrage von nationalsozialistischer Seite nicht nur mit kurzen Aufrufen, sondern mit Darlegungen in Creschürenform beteilt, welche das ganze Arsenal der antisemitischen Angriffe, vom Rituainiord bis zu den angeblichen Weltbehcrrschungspkinen der ״Weisen von Zion“, in einprägsamer Form zur ״Aufklärung“ der Massen exzerpieren. Der ״Angriff“ bleibt bei der von Dr. Goebbels aufgcstcllten These, ״Die Juden sind schuld1', und bei Anlassen, die mit Judentum und Juden nicht das Geringste zu tun haben, wird ein Jude als letzte Ursache des Hebels an den Haaren herangezogen, mag es sich um die durch die Zollmaßnahmen verursachte Verteuerung des Schmalzes oder aber um die Ermordung eines SA.-Mannes handeln. 111 der preußischeu Verwaltung werden die letzten Juden verabschiede! oder beurlaubt und das einige Zeit nicht mehr bei offiziellen Veranstaltungen hinausgeschmetterte ״Juda verrecke!“ ertönt sogar bei Kundgebungen, in welchen der Reichskanzler zu Worte kommt, wie zuletzt in Kassel. Angesichts dieser Situation ist es von großem Interesse, im ganzen Reiche Untersuchungen anzustellen, wie die jiidisclie Masse — sofern man in bezug auf Juden in Deutsch.- land von ״Masse“ reden kann — auf die neue Lage und auf die Vorkommnisse reagier!. Wir glauben in der Feststellung nicht fehlzugehen, wenn wir behaupten, daß ungeachtet allen Ernstes und aller Besorgnisse, die das Leben der Juden in Deutschland gegenwärtig charakterisieren. i:1 jüdischen Kreisen keine P a 11 i k s t i m m 11 11 g herrscht. Mit gespanntestem Interesse verfolgen die Juden die sich abrollcmlen Ereignisse, hesonders — was selbstverständlich ist — im Hinblick auf die mögliehen Rückwirkungen in bezug auf die Juden, aber darüber hinaus ist eine erfreuliche Bekundung von innerer Würde bei dem größten Teile der deutschen Juden festzustellen. Gerade in den letzten Tagen hatte der Schreiber dieser Zeilen Gelegenheit, an vieler! jüdischen Versammlungen in verschiedenen Gegenden Deutschlands teilzuiiehmen. In all diesen Zusammenkünften, die verglichen mit Veranstaltungen in früherer Zeit verl1ältni::::äßig stark besucht waren, waren die behandelten Themen in ihrem wesentlichsten Gehalt gar nicht auf die aktuelle politische Situation der Juden in Deutschland ahgestinimt. Gelegentlich geäußerte Bedenkeil, daß jüdische Veranstaltungen in dieser Zeit deplaciert wären und daß die jüdische Bevölkerung in begreiflicher Angst der Einladung, sich zu versammeln, keine Folge leisten werde, erwiesen sich als völlig unberechtigt, ln mehreren Orlen fanden die jüdischen Veranstaltungen in Sälen statt, in deren Nachbarschaft gerade nationalsozialistische Zusammenkünfte abgehalten wurden. Trotzden! erschienen die jüdischen Teilnehmer in einer unverhältnismäßig großen Zahl. Ferner konnte man feststellen, daß diese jüdischen Veranstaltungen gerade in jenen Abschnitten das lebhafteste Interesse der Teilnehmer fanden, in welchen jenseits vom Alltag Grund probleme des Judentums behandelt wurden. Die Konferenz der Histadruth (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) gl. Tel-Awiw, 14. Februar 1933. I. Die Masse. Das Bild, wie es die Eröffnungssitzung der vierten Konferenz der Arbeiterorganisation darbot, hat man in Palästina schon viele Male gesehen, und doch verfehlt es auch jetzt nicht seine Wirkung, zwingt zur Anteilnahme und Bcwtmdcrung: Das Meer von Menschenköpfen, das sich in dem großen Raum ausbreitet, die Ansammlung der Tausende, die sich zu einem solchen Ereignis drängen, macht einen überwältigenden Eindruck. Diese Impression ist so nachhaltig, obwohl man sie schon bei Hunderten von Konferenzen und Versammlungen erlebt hat, daß sie alles andere, selbst die Reden zurückdrangt. Die ״M a s s e“ ist das entscheidende .Charakteristikum dieser Sitzung. Die Frage ,.Erhaltung der jüdischen Substanz“, das Problem der Verbundenheit und Schicksaisgemeinschaft aller Juden in dc'r Welt und nicht zuletzt die große Aufgabe der Schaffung des nationalen Zentrums in Palästina, beschäfligten die Zu- Hörer viel intensiver als die Erörterung der möglichen Aus- Wirkungen der politischen Ereignisse in Deutschland auf die Juden. Wir wollen nicht mißverstanden werden: Jeder deutsche Jude ist tief innerlich beteiligt am deutschen Schicksal, und politische sowie wirtschaftliche Alltagsprobleme stehen naturgemäß im Vorde!gründe der Ucberkgting jedes einzelnen jiidisclien Men sehen in I )eiitschlnml. Aber trotz der Wichtigkeit dieser l)in!;e blicken die meisten denkenden Juden und besonders die jungen jüdischen Menschen mit sicherem Instinkt über den Tag hinaus und stellen au sieh und ihre Genieiiiscliait Fragen, welche das G 1 u n d s a tz 1 i c h e, d e s J 11 ii 0 s e i 11 s und der Erhaltung der jüdischen Volksgcinein- Schaft betreifen. Diese Stellungnahme ist nicht nur als eine Flucht aus dem trüben Heute in lichtere Regionen zu deuten, sondern sie scheint das Ergebnis einer jahr/elintelaugcn L׳.ntwickhmg zu sein. Mit Befriedigung können Menschen, welche seit einer Generation sich bemüht haben, das wahre Wesen der Judenfrage nicht nur in den Landern der jüdischen Massensiedliuig, sondern in Deutschland, dem Knotenpunkt von Ost- und Wcstjudciiluin, zu entschleiern, jetzt eine Zwischenbilanz. aufstellen: die Erziehungsarbeit an der jüd i s c h e n G e m c i 11 s c h a f t, zumindest jedoch a 11 dem noch jüdisch interessierten Teile der j ü ־ d i s c h e!1 G e m e i 11 s c 11 a f t, ist nicht vergeblich ״ e w e s e 11. Besonders die jüdische Jugend hat bereits gelernt, die Zeichen der Zeit zu deuten. Sie unterscheidet zwischen Symptomen und tiefer liegenden Ursachen. Sie weiß, daß das jüdische Wohl und Wehe nicht ausschließlich vom Auftreten oder Verschwinden einer radikalen antisemitischen Welle abhängig ist, und sie verstellt ferner, daß es nicht Sinn und Schicksal jüdischer Existenz sein darf, alle Kräfte nur in der Abwehr von feindlichen Angriffen zu verbrauchen, sondern daß das wahre Symbol des heutigen jüdischen Menschen ״Schwert und Kelle“ sein müsse, das Schwert der Abwehr und die Kelle für den Aufbau. Die niedcrdrückemle Gewalt des radikal-antisemitischen Augiiffs, dem die deutschen Juden jetzt ausgesetzt sind, hat aber nicht — wie man von oberflächlich urteilender jüdischer Seite hören kann — in allen Fallen zu tatfrohem Zusammen- Schluß der jüdischen Menschen geführt. Die von außen her erfolgte Ziisainmendräugung der Juden in eine passive < iemeinsanikcu ist noch lange nicht als, vom jüdischen Standpunkt aus gesehen, fruchtbare Begleiterscheinung der judvnfeindlichen Welle an/usehei!.!furch Zwang in ihre (jemeinschaft eingefügte oder wieder gegen den inneren Willen hineiagezvängte Menschen bilden noch lange keinen irgendwie zu posdiver Arbeit bereiten und hiliigen Organismus. Diese antisemitische Welle wirkte nach , einem Worte Theodor Iferzis wie ein kalter Wasserstrahl, der auf l:1-e11 trifft. Es hangt nun von dem Zustand des Eisens ab, welches Ergebnis der kalte Wasserstrahl zeitigt. Ist das Eisen glühend, so wandelt es sieh unter der Kalte des Wasserstrahles zu Stahl. Ist das Eisen jedoch kalt, so beschleunigt das kalte Wasser nur die Ansetzung von Rost. Aeliniich verhält es sielt mit der inneren seelischen Reaktion jüdischer Menschen in Deutschland auf die Aeußerungen des radikalen Judenhasses. Menschen mit jüdischer Substanz werden gefestigter, innerlich reifer und bereiter zu schöpferischem Tun. Die ״Zwangjuden“ jedoch sind in einer tragischen Lage. Es ist aber festzustellen, daß in der heutigen jüdischen Gemeinschaft Deutschlands die Zahl der über den Tag hinatisbliekeiuien, ewigen jüdischen Problemen zugewandten Menschen erfreulich groß ist. Und dies ist eine tröstliche Erscheinung, die uns die Ueberzcugung gibt, daß trotz aller Miseren des Alltags eine neue Generation erstanden ist, welche den Sinn der gegenwärtigen jüdisehen Epoche begreift und ihm gemäß zu handeln entschlossen ist. s. n. Die Masse und ihr Benehmen. Es ist gesteckt voll im Saai, es ist keineswegs angenehm zu sitzen, die .Bänke sind bis zu einem unwahrscheinlichen Grade unbequem, man kann sich nicht bewegen, ohne an den Nachbar zu stoßen. Aber trotz alledem sitzen mehrere Tausende drei Stunden lang, ohne sich zu rühren, und folgen einer mit Zahlen gespickten Erläuterung zum Rechenschaft ■bericht. Es bleiht ruhig, es passiert nicht das geringste beim Hinein- und Hinausgehen, alles geht mit einen! gutmütigen Witzeln und ohne Polizei ab. Es ist dasselbe Publikum, das liier Masseiiversaninilungen selbstverständlich und die Straßen in Zeiten großer Volksfeste so sicher macht wie eine Privatwohnung:. II. Der Apparat. In früheren Jahren waren alle Arbeiterkonferenzen eine Art Faniliencreignis. Alles, was sich kannte, traf sich, alles, was sich traf, kannte sich. Es war sehr lebendig, sehr beweglieh und sehr unordentlich, ״Pünktlich anfangai“ hieß eine bis

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