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Jüdische Rundschau · 1933-02-14 · Heft 13 (14.2.1933) · p. Seite 63

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 13 (14.2.1933)
Date
1933-02-14
Page
Seite 63 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13, 14. Ti 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 63 Prof. K. H. Becker Erst vor wenigen Wochen hat der frühere preußische Kultusminister, Professor K. H. Becker, in der ״Vossischen Zeitung“ einen liebevollen Nekrolog für seinen wissenschaftlichen Kollegen Moritz Sobern heim geschrieben. Nun ist Becker selbst plötzlich dahingegangen, und es geziemt sich, auch an dieser Stelle diesem Manne von wahrhafter Geistes- und Herzensbildung eine Würdigung zu widmen. Professor Becker war ein Gelehrter, aber nicht einer von weltfremder Art. Er war ein Mann mit wachem Blick und klugem Sinn für das wirkliche Leben. Dies hat er auch in seiner Einstellung zur Judenfrage bewahrt. Weit davon entfernt, sich durch dialektische Konstruktionen gewaltsam in der Freiheit seiner Auffassung beirren zu lassen, sah er auch die Wirklichkeit in der Judenfrage, und es ist selbstverständlich, daß ihn dies dazu geführt hat, Zionismus und Palästina-Aufbau zu bejahen. Erst vor wenigen Wochen sprach Becker (worüber auch die ״Jüdische Rundschau“ berichtet hat) gelegentlich eines Vortragsabends im Hilfsverein der Deutschen Juden mit höchster Bewunderung von dem gewaltigen Kulturwelk des Zionismus in Palästina. Becker war Mitglied des Ehrenausschusses des ״Deutschen Komitees Pr% Palästina“. Anläßlich der Gründungsfeier des Komitees, am 15. Dezember 1920, hielt Professor Becker eine Ansprache, die den Mann und sein Denken zur Judenfrage charakterisiert, ln der heutigen Zeit, wo wir manches an Reden hören, was mit der klassischen deutsehen Tradition der Humanitas kontrastiert, sei es erlaubt — zugleich als dankbare und pietätvolle Erinnerung an den Dahingeschiedenen — den Bericht wieder abzudrucken, den damals die ״Jüdische Rundschau“ über Beckers Rede veröffentüchte. Becker sagte damals: ״Viel vom Geiste des Judentums ist im Laufe der Jahrtausende in unsere eigene Kultur eingedrungen und ist in unserem heutigen sittlichen Denken lebendig, und für historisch Denkende ist es klar, daß man unter diesen Umständen auch dem selbständig gebliebenen Teil der jüdisch Denkenden das tiefste Verständnis entgegenbringen muß,.. Ich selbst habe Gelegenheit gehabt, fcstzustellen, daß unsere jüdischen Volksgenossen uns Deutschen auch darin ähnlich sind, daß sie über Ideen miteinander streiten. Schon Yorck hat diese Parallele zwischen Juden und Deutschen gezogen. Daher weiß ich auch, mit welchen Schwierigkeiten und Gegensätzen Sie zu kämpfen haben. Bei mir ist man auch vorstellig geworden und wollte mein Interesse für den gegenteiligen Standpunkt erwecken. Ich habe zuviel Respekt für die jüdischen Mitbürger, um es nicht ihnen allein zu überlassen, wie sie sich zu diesem Problem stellen. Wenn von der einen Seite immer der Standpunkt des Staatsbürgertums betont wird, werde ich das würdigen, aber ich werde cs niemals begreifen, wenn man dein Juden, der für Palästina eintritt, seine Staatsgesinnung anzweifelt. Wir würdigen die großen Zusammenhänge des Judentums, und wenn auch Sie das Rad der Geschichte naturgemäß nicht rückwärts drehen können, so sehe ich hier ein verheißungsvolles Vorwärtsschreiten in die Zukunft. Ich schließe mit dem Bekenntnis, daß wir, die wir mitarbeiten und die, wie ich, freudig und gern dein Komitee beigetreten sind, dies tun aus vollem Verständnis für seine menschliche Bedeutung. Die nationalen Gegensätze werden vielleicht in einer nicht so fernen Zukunft nur noch eine Reminiszenz sein und so sehr wir die ethnischen Elemente hereinsteilen wollen in den Dienst der Gesamtheit, so schwebt uns allen vor eine letzte Humaoitas, die uns verbinde!.“ Zionistische Arbeit in Lettland Riga, Ende Januar 1933. Das zweite Halbjahr 1932 hatte eine bemerkenswerte Steigerung der zionistischen Tätigkeit in Lettland aufzuweisen. Diese Erscheinung ist, neben dem Anwachsen des Interesses für Palästina in weitesten Kreisen, in erster Reihe der Regenerierung der allgemein-zionistischen Landesorganisation zuzuschreiben, die unter neuer Führung eine rührige Tätigkeit auf allen Gebieten zionistischer Arbeit entfaltet. Zur Förderung zionistischer Kulturarbeit wurde die Jüdische Voiksuniversität in Riga geschaffen, die durch einen Vortrag von Herrn Dr. Ernst Marcus, Berlin,, über ״Das historische Recht des jüdischen Volkes auf Pa- Iäsfina“ im Beisein des Bildungsministers und eines zahlreichen Auditoriums eröffnet wurde. Die Voiksuniversität, die im Januar 1933 in ihr zweites Semester getreten ist, zählt 500 bis 600 'Hörer, und hat es verstanden, die besten intellektuellen Kräfte der Rigaer Judenheit als Lektoren heranzuziehen. Die Iwrith-Sprachkurse, die von ersten pädagogischen Kräften eleitet werden, erfreuen sich eines regen Besuches von underten Lernbeflissenen verschiedensten Alters. Die zweite schöpferische Tat des letzten Halbjahres war die Schaffung einer alljgemein-zionistischen Jugendorganisation ״Herzli a“, die ideologisch aut der Basis des der Histadruth Haowdim angehörigen allgemeinzionistischen ״Hanoar-Hazioni“ in Palästina steht und von starkem chaluzischen Geiste beseelt ist. Die ״Herz.lia“ zählt bereits in Riga und in einer Reihe von Provinzstädten Hmiderte von Mitgliedern und schickt sich soeben an, nach einer Periode intensiver innerer Vorbereitung in das zionistische Leben Lettlands aktiv einzugreifen. Im Interesse zionistischer Aufklärung und Propaganda wurde der bekannte Aufsatz von Prof. Brodetsky über ״Allgemeinen Zionismus“ als Broschüre in jiddischer Sprache lierausgegeben. Eine Aufführung des Propaganda- Stückes ״Die einzige Lösung“ wird vorbereitet. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, Gesinnungsgenossen, die in diesem Jahre Palästina besucht haben, die Möglichkeit zu geben, ihre Wahrnehmungen weiteren Kreisen mitzuteilen. Unter Veranstaltungen dieser Art wäre besonders ein Vortrag des Wirtschaftlers Dr. B. Siew zu nennen, der im Dezember Palästina besucht hat und vor einem riesigen Auditorium über die Ergebnisse seiner Studien über die Wirtschaftsverhältnisse Palästinas berichtete. Die Palästina-Arbeit nimmt auch sonst einen breiten Raum in der Tätigkeit der Lettiändischen Zionistischen Organisation ein. Was die Arbeit der Palästina-Fonds anbetrifft, so hat sich die höchst unbefriedigende Lage des Keren Hajessod seit dem Besuche des Delegierten des Haupldirektoriums, Baruch Zuckermann, gebessert. Am 26. Dezember 1932 fand eine Landeskonferenz des Heren Hajessod (die erste seit vielen Jahren) statt, von der Impulse für eine Systematisierung und Intensivierung der Keren Hajessod-Arbeit in Lettland ausgingen. Nach Herrn Zuckermanns Abreise wurde diese Arbeit von Herrn J. L. Taubmann, Jerusalem, mit Erfolg־ fortgesetzt. — Der Keren Kaiemeth hat gemeinsam mit der Wiza zu Chanukkah einen senr erfolgreichen Palästina-Basar veranstaltet. Trotz des Vorhandenseins einer großen und verzweigten hebräischen Bewegung in Lettland war es infolge des Parteien- und Gruppenhaders bisher noch nicht gelungen, eine Landes- Organisation der Brith Iwrith Olamith zu schaffen. Dank dem Eingreifen von Ref. Hans Klee, der irn Aufträge des Präsidiums des K. J. V. die V. J.St. ״Hechawer“ zu ihrem 8. Stiftungsfeste besuchte, ist nun ein Initiativkomitee der Brith Iwrith in Lettland geschaffen worden, und es scheint, daß dieses Mal der Versuch von Erfolg gekrönt sein wird, Zionistisch-Sozialistische Konferenz Am 11. und 12. d. M. fand in Berlin die erste Landeskonferenz ־ der Zionistisch-Sozialistischen Vereinigung statt. Es war die erste Konferenz des sozialistischen Flügels im deutschen Zionismus nach der Vereinigung der beiden früheren Parteien Poale Zion und Hapoel Hazair. Die Eröffnungs- Sitzung, die am Sonnabendabend im Logenhaus, Joachimsthaler Straße, staitfand, zeigte, daß die neue Partei eine große Anhängerschaft in sich vereinigt, insbesondere fiel die große Zahl von Jugendlichen auf. Nach einer Eröffnungsrede von Dr. Georg Landauer hielt das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Bert Locker, ein umfassendes Referat über die Lage in Palästina und im Zionismus. Locker, der erst kürzlich von einer Palästinareise zurückgekehrt ist, vermochte einen überaus lebendigen Eindruck des palästinensischen Geschehens zu vermitteln. Wirklingsvoll setzte sich Locker mit den Antizionisten atiseinander, insbesondere mit den antizionistischen jüdischen Sozialisten. Er betonte die Verdienste des jüdischen Arbeiters um den Aufbau Palästinas und die Notwendigkeit, mit aller Euergie heule für die Rechte und die Position des jüdischen Arbeiters einzustehen. Dr. Fritz. Löwen stein behandelte die Aufgaben der Partei in Deutschland, wobei er besonders die Anteilnahme der Partei an den Palästinaarbeiten der Z. V. f. D. und der zionistischen Fonds betonte lind als zweites Gebiet die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gegenwarfsaufgaben im Rahmen der jüdischen Gemeinden darlegte. Die Beratungen des Sonntag waren den praktischen Fragen der Konferenz gewidmet. Den Vorsitz führte Adler- Rudel, der auch einen Bericht des Zentrai-lCoinitees gab; nach einem Referat von Dr. Lubinski wurde dann in die Diskussion cingetreten. Eine zentrale Rolle nahm in der Diskussion die Frage der Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen innerhalb der Z. V. f. D. an. Es wurden hier auch scharf separatistische Meinungen geäußert, die Mehrzahl aber schien der Anschauung zuzuneigen, daß der zionistische Soziaiismus nur bei einer bewußten Eingliederung in die jiidische Gemeinschaft unter den gegenwärtigen Verhältnissen seine Aufgaben erfüllen kann. Am Schluß der Konferenz wurden eine Anzahl von Resolutionen gefaßt und ein Zentralk omitee gewählt, dem folgende Personen angehören: S. Adler-Rudel, E. Basch, Alfred Berger, B. Eisenstadt, Dr. S. Kaleko, Dr. Georg Landauer, Marcel Lew, Dr. Fritz Löwenstein, Max Nathan und Georg Pape. In das Erweiterte Zentralkomitee wurden gewählt: Dr. Oskar Cohn, Dr. K. Daugilajcky-Königsherg, Ch. Sclieherschiner-Köln, Dr. Albert Baer, Dr. H. Holzer-Chemnitz, Dr. Georg Lubinski, Kurt Löwenstein-Frankfurt, Fritz Lichteustein, Dr. Deutschmann- Oppeln, Löwenkopf-Dresden, Dr. Marcus-Düsseldorf, Dr. F. Ollendorff, Dr. O. Potschter, Dr. F. Rabinowitsch, S. Tschertok, Dr. A. Kupferberg-Hamburg, Dr. Fritz Noack-Gotha, E. Samson-Breslau, E. Schcchtcr-Leipzig, Dr. R. Wolfheim- Erfurt, I. Wahl-Berlin. Kleine Nachrichten Sokolow ist hier von König Fuad von Aegypten in längerer Audienz empfangen worden. Ucber den Inhalt des Gesprächs ist ein Bericht nicht ausgegeben worden. Im Alter von 84 Jahren starb in London Lord Sy denharn, einst Gouverneur von Victoria, eine prominente Figur in der pro-arabischen und antizionistischen Bewegung in England, der wiederholt die englische Palästina-Politik im Oberhaus und in der Presse angriff. Die Pariser russisch-jüdische Kolonie feierte am 31. Januar den 70. Geburtstag Henri Sfiosbergs, der im jüdischen Leben Rußlands eine große Rolle gespielt hat. Seit 1920 lebt Sliosberg in Paris und ist Ehrenpräsident des von ihm gegründeten Hilfskomitees für die russischen Juden und verschiedener Kulturorganisationen. In den letzten Tagen erschienen in Paris, von Jabofinsky eingeleitet, die zwei ersten Bände der Memoiren von Sliosberg. In diesen Tagen begaben sich in einem Sonderzug vom Warschauer Bahnhof 500 polnische Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina. Die Hälfte sind Chaluzim, die andere Hälfte Mittelstandsangehörige. Bis zur Peßachzeit werden sich allwöchentlich aus Warschau 200 Juden nach Palästina begeben. Die offizielle Polnische Telegraphen-Agentur (RAT) bringt die folgende Meldung aus Leipzig: ״Das polnische Konsulat in Leipzig hat hei der Regierung in Dresden zugunsten von 15 jüdischen Familien aus Polen, denen Ausweisung droht, interveniert. Infolge des polnischen Protestes wird die Angelegenheit durch deutsche Reichsstellen zur Erledigung kommen, so daß nunmehr die Hoffnung hesteht, daß die Ausweisungsgefahr von den 15 Familien abgewendet werden wird.“ Der Große Rat des Preußischen Land es verband es jüdischer Gemeinden wird am Sonntag, dem 19. Februar, seine erste Sitzung in diesem Jahre abhalten. Die Tagesordnung umfaßt neben den Rechnungsabschlüssen für das vergangene Jahr und dem Haushaltsplan für das Etatsjahr 1933/34 auch die Einberufung des Verbandstages des Landesverbandes und die Festsetzung seiner Tagesordnung. Die nächste Weltkonferenz des Weltverbandes fiir 11 herafes Judentum wird vom 5. bis 7. August in Hamburg abgehaiten. Professor Umberto Cassuto, der auf den Lehrstuhl für hebräische Sprache und semitische Linguistik an der Universität Rom berufen wurde, hielt seine Antrittsvorlesung über das Thema ״Die epische Poesie in der alten hebräischen Literatur“. Der Vorlesung wohnten zahlreiche Professoren der Universität und Vertreter der Jüdischen Gemeinde mit Rabbiner Prof. Angelo Sacerdoti an der Spitze bei. Der diesjährige Preis für das beste italienische literarische Werk, der sogenannte ״Premio Fracchia“ wurde dem jungen italienisch-jüdischen Schriftsteller Artirro Loria verliehen. Der Völkerbundsrat hat den Bericht der Untersuchungskommission zur Kenntnis genommen, die der Vöikerbund zur Erforschung der Probleme des Frauen- und Mädchenhandels nach dem Orient entsandt hat. Von dem 550 Seiten starken Bericht sind 20 Seiten der Lage in Palästina gewidmet. Die Zahl der jüdischen Prostituierten sei überaus gering. Rühmend wird der Tätigkeit der Jewish Agency gedacht, die mit Hilfe von Schulen und anderen Anstalten die Frauen und Mädchen für einen Beruf vorbereitet. Es gebe 12000 organisierte jüdische Arbeiterinnen. Die Jalireskonferenz des Verbandes rumänischer Juden in Amerika beschloß einstimmig, die Idee des Jüdischen Weltkongresses zu fördern, und richtete einen Appell an die jüdischen Organisationen der verschiedensten Richtungen, sich an dem Kongreß zu beteiligen. Der Physiker Dr. L. S. O r n s t e i n , Professor an der Staatsuniversität Utrecht und Präsident des Kuratoriums der Universität Jerusalem, begeht am 26. März sein 25jähriges Doktorjubiläum. Jüdische Schale and Elternschaft Der Eiternbcirat der Berliner jüdischen yolks schule Rykestraße veranstaltete am S. Februar eine von Hunderten besuchte Versammlung, in der sich die Vertreter sämtlicher Elternbeiräte der Berliner jüdischen Schulen gegen die beabsichtigten Abbau maßnahmen des Gcmcindcvorstandes aussprachcn. Die Ver- Sammlung nahm folgende Entschließung an, die den Mitgliedern des Vorstandes, der Repräsetitantenversanimlung und des Schul- und Talmud Thora-Vorstandes zugcleitet wurde: ״Die Elternschaft der Schule Rykestraße, die allen Riehfangen innerhalb der Gemeinde angehört, sieht in den zur Auflösung der Schule führenden Maßnahmen des Gemeinde- Vorstandes eine Beeinträchtigung ihrer Rechte als Gemeindemitglieder. Die Eltern verlangen die Fortführung der Schule durch Eröffnung von Aiifnahmekiassen zum Ostertermin. Sie verlangen weiter eine gerechte gleiche Behandlung dieser Schule mit anderen Anstalten der Gemeinde. Sie fordern die Anerkennung ihres Willens als Erziehungsberechtigte. Die Auflösung dieser Schule bedeutet für die Eltern einen uncr* fraglichen Gewissenszwang und für ihre Kinder eine schwere seelische Störung und Behinderung an ihrem Vorwärtskommen.“ Frankfarler Brief Der Deiegiertenfag hat die Wirkung gehabt, daß die Tendenzen za einem stärkeren persönlich-gesellschaftlichen Zusammenschluß der hiesigen Zionisten wiederholt praktischen Ausdruck fanden: man hofft, daß davon auch auf die zionistischen Leistungen in Frankfurt befruchtende Wirkungen ausgehen werden. Die erste Auswirkung dieser Tendenz bestand in einem Zusammensein zahlreicher Gesinnungsgenossen nach einem Vortrag von Dr. Kastein über ״Zionismus — Idee und Wirklichkeit“!in Hause von Dr. Rudolf Meyer. Der Vortrag, der sehr stark besucht war, ließ viele ungelöste Probleme zurück. Die erwähnte Zusammenkunft diente der weiteren Klärung. — Eine ähnliche Zusammenkunft fand in der Woche nach der! andesvorstnndssitzung anläßlich der Anwesenheit von Dr. Martin Rosen bl iith hei Dr. Eugen Maver statt. Dr. Rosenbliith berichtete über die Stellung des Geschäflsfiihrenilen Ausschusses zu der in der Politischen Resolution des Delegicrtenhiges geforderten Arbeitsriehl nng, über die Organisator!sehe Image der Revisionisten und über andere akute Fragen. Die Aussprache war sehr eingehend und vereinigte die Teilnehmer bis in die tiefe Nacht. Sie ging allmählich auch auf Fragen des Palästina- Aufbaus über, was Herrn Mendel Bader ans Kwiizat Zrifin Gelegen heit zur Aufklärung wichtiger Fragen gab. . Ein gesellscbaftliches Ereignis eigener Art in der Ortsgruppe war ein vom KKL veranstalteter Tee a b e 11 d unter dem Titel ,,Frankfurter Zionistisches Variete“ zu dem über 3W Personen erschienen waren, so daß der Saal sich als zu klein erwies. Das teils künst« lerisebe, teils parodistische Programm, dessen Regie in der Hauptsache von Dr. Salli Lcvi geführt wurde, erregte freudigen Beifall. Hcrvorzuhehcn sind die italienischen Arien und jiddischen Lieder, die Herr Heinrich Bornstein ausgezcich« net vortrug; der humoristische Teil des Abends wurde im wesentlichen von der V. J. St. Saronia bestritten. Die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer und Mifwirkcnden fanden die schönste Befriedigung darin, daß der KKL einen ansehnlichen Ueberschuß zu verzeichnen hat. Erich Rosenkranz-Bund (im K. J. V.). Am 28. Januar d. J. beging der Erich Rosenkranz-Bund (im K. J. V.) die 10. Wiederkehr seines Gründungstages durch einen Festkonvent, an dem alle seine Mitglieder sowie Vertreter des Präsidiums des K. J. V. und der Berliner K. J. V.-Ver- Bindungen teiinahmen. In einer Zeit stürmischer Kämpfe um die Idee und Form des K. J.V. entstanden als ein Bund zionistischer Männer, die die Tradition des Kartells Jüdischer Verbindungen in ihrer alten Form zu bewahren entschlossen waren, ist der Rose!1kra!1/.-Bund in den 10 Jahren seines Be- Stehens zu der geschlossensten Alt-! Ierren-Gruppe des K. J. V. geworden und heute Vorbild für aile Bünde Alter Herren des K. j. V. Der Vorsitzende des Rosenkranz-Bundes, Dr. Martin A s c 11 e r, der den Festkonvent leitete, rief in seiner Eröffnungsansprache noch einmal die Zeit der Gründung des Bundes in die Erinnerung, gedachte des Mannes, unter dessen Namen sich die Gründer des Bundes gestellt, des ersten Präsiden des K. J. V. und seines Vorläufers, des Buntles Jüdischer Korporationen, und rühmte das Verdienst Dr. Felix Danzigers, Tel-Awiw. von dem der erste Anstoß zur Gründung des Bundes ausgcgaiigen war. Der Pr/iside des K.J.V., Dr. Paul 11 i r s c b, der die Grüße des Gesamt- Kartells überbrachtc, dankte dein Rosenkranz-Bunde für die wertvolle zionistische Arbeit, die seine Mitglieder und der ganze Bund innerhalb des K. J. V. und für dieses geleistet haben. Nachdem sodann ein Vertreter der dem Bunde bcsonders eng angescblossencn Verbindung ״Avukah“ gesprachen hatte, hielt Dr. Georg Fi e r I i i 7 die Festrede, die den Gedanken der zionistischen Verpflichtung aus dem Gedanken der Bundesbrüderschaft entwickelte und das Wesen der Leitung des Bundes für das K. J.V. und den Zionismus darzustelien versuchte. A11 den Festkonvent schloß sich ein Festmahl an, das die Mitglieder des Bundes mit ihren Damen bis in die trüben Morgenstunden zusammcnhiclt. ״Die Einzige Lösung“ in Hamburg. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Dieses Stück, das auch in anderen Städten die zionistische Arbeit mit der ihm innewohnenden großen Schwungkraft wesentlich gefördert hat, gelangte am Sonntag, dem 5. Februar, vormittags, in der Sehiller-Oper. Altona, vor mehr als tausend Hörern zur Aufführung. Es '.var von einer Gruppe junger Zionisten, die sieh als Ju11g-Jü* disebes Kollektiv zusaimnengeschlossen hatten, unter der Leitung unseres Gesinnungsgenossen Benno Frankel, des Oberspielleiters der Schilleroper, einstudiert worden. Der Vorsitzende der Hamburger Zionistischen Vereinigung, die die Veranstaltung durcliführte, Herr Dr. Edgar Marx, sprach eindrucksvolle Worte der Begrüßung. Die Szenenfolge selbst, deren beide Akte im wesentlichen als bekannt vorausgesetzt werden dürfen, zeichnete sich neben hervorragenden dirstellcrisc.lien Einzclleistungen ebenso durcli die straffe Zusammenfassung der Chöre wie durch die ungemein durchdachte Regie aus, die das Zusammenspiel der Darsteller — im wesentlichen Mitglieder der Jugendbünde — durchflutete, und das Ganze darüber hinaus durch Zuhilfenahme modernster szenischer Mittel belebte. Besonders der zweite Teil der ״Einzigen Lösung“, der der Darstellung des Aufbauwerks in Palästina gewidmet ist,!unterließ stärkste Wirkung; die Gesänge wurden durch Bilder, die auf eine Leinwand projiziert wurden, aufs beste ergänzt, sparsame und gerade darum dem Ideengehalt des Stückes angemessene Gesten standen dem gesungenen und gesprochenen Wort zur Seite, und so gewann die Darstellung eine Werbekraft, der sich auch die zur Aufführung erschienenen Nirhbionisten kaum entziehen konnten. Ein Hauptverdienst gebührt der dankenswerten Arbeit des Regisseurs Frankel, den die Ortsgruppe ins Goldene Buch des Nationalfonds, wie nach Beendigung des Stückes auf offener Bühne bekanntgegeben wurde, eintrug. " Ä. K.

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