Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1933)
- Date
- 1933-02-10
- Page
- Seite 56 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 56 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 10. II. 1933 |H Grund auf. Man hat in den letzten Jahren öfter die Parole ״Stärkung der Organisation“ ausgegeben, es blieb aber bei papierenen Manifesten und Zeitungsartikeln. Die Erklärung für das Scheitern aller derartigen Versuche liegt vielleicht darin, daß die ältere zionistische Generation, gewöhnt an die Partei-Maschine, eine Aemlerung in Wirklichkeit gar nicht will. Die Frage ist daher 711 stellen, ob bereits eine neue Generation vorhanden ist, die, unbelastet von erstarrter! Traditionen, der neuen Wirklichkeit auch eine neue Ausdrucksform zu geben vermag. Je de Organisation, die längere Zeit besteht, gerät in die: Gefahr, daß in;e Fermen erstarren, daß verstaubter Ballast sich einnistet, Bürokratismus und Routine meclia- 111'sieren, die Ursprünglichkeit des Wortes sich abnützt. Die größte Gefahr ist aber, daß die Ehrfurcht gegenüber der Tradition und ihren Trägern schwindet und einem gewissen Zynismus weicht, daß ursprünglich echt gemeinte Parolen zur Phrase oder Banalität werden. Der Zu nirmus darf sich nicht verhehlen, daß solche üefahren auch ihn. bedrohen. Leider wird heute die Opposition vor allem vom Revisionismus repräsentiert, wodurch die Tatsache, daß es auch aufierhalb des Revisionisnuis eine starke Unzufriedenheit gibt, verschleiert wird. Schreiber dieser Zeilen ist sicher der Sympathie für das revio >11i;(Rehe Programm nicht verdächtig; aber man dar) die 1t ver men, daß sich im revisionistischen seinen Mitläufern und seiner Juum Problemen meist nichts ßeri, daß v ieles in unserem ,011 1 eben nicht der Zeit entspricht und neue '״nuers וסלו sein in von den polit da,' Bew ulit'cin .da, m Platze sind. Der Auf Tand gegen die Erler ()rgani ot'.ion sucht sich ein Ventil. roß eingesetzte Konimission zur Vorouiisndonsicfonu tritt dieser Tage in Der Augenblick ist reif für die Er-;luivh Paragraphen der Geschäft׳ sordiiung cngern .:11tc nicht vie 1 711 machen ist. Wir Zeit, wo es gelin peil müßte, aus dem _׳ \v i r k 1 i c 11 e V 0 lks b e w e g t! n £ f zu Jiidi'C lie Nationall! Cilll in Palä: ■itina hat 1 in׳ vom 1v ng bcreituiig einer Or: Berlin zusammen, kenntni-, da! 1 < und durch 1 in leben in einer Zioni'umm eine machen. Das die l aliniose der tiinl/elm Xaclikricgsjahrc überstanden und ist heute unbestritten der einzige Hoffnungsstrahl im gesamten jüdischen Leben. Der Streit, ob Palästina nützlich oder wünschenswert sei, ist sinnlos geworden. Die alte Abgrenzung zwischen Zionisten und Niehtzionisten ist hinfällig, denn jeder von uns kann jeden Tag erleben, daß ״Nicht/.ionistcn“ die Arbeit für Palästina als Trost und Hoffnung empfinden, daß andere ״Nichtzionisten‘• bereit sind, durch Uebersiedlung nach Palästina Zionismus persönlich zu realisieren. Diese Wirklichkeit in eine organisatorische Form zu bringen, ist eine Aufgabe ersten Ranges. Was aber die zionistische Bewegung betrifft, so muß sie, statt auf fiktivem ParlamciHarismus und unverbindlicher politischer Geschäftigkeit, auf w i r 1:1 i c 11 e V o 1 k s a r b e i t basiert werden, von der kleinen Zelle bis hinauf in die Spitzen der Landesverbande und der Weltorganisation. Die Bildung einliehhciier Land, 'verbände unter Zurückdrängung des Pnneivtesen.s ist allgemein als notwendig anerkannt. Wir 111 men;,he! w ulersprcc die er Verbände efiihrt wird als um ( imhmg für die zioiii d, verband nicht leb ei, i zu haben, daß V CT heu, wenn als Inhalt der Tätig-!11 we-enilichcn nichts anderes )17: an Mennig der Alijah und die ■tischen Lunds. Davon kann ein eil. Wir gl:111 ben, in der Z.V.f.I). rehz aller i1111erzi״nistischen Differen/icruii; und bei voller Re-pekiierung aller Sondertcnuce/cii 11 ■eh s : etwa' möglich ml wie eine gemeins;1 m e 7 i o 11 i z 11 s e he 11 a i t u n g nach außen und nach inm 1. Die-c zi,u!i-ti-el1c Haltimg scheint uns d;rs wichtimte veibindende Menen* zu sein. Es kommt darauf an, statt :■■■ich ge;eii-er.ig zu bekämpfen, das Gemeinsame, das V, ikhatte lu.. ׳!״/!!kehren. L'rakiische Tätigkeiten wie (icklmmmlun mm ' •'einen immer mir ein Nebenzweig sein. Waden zioni-tischen Verbänden heute not tut, i:-.t eine Lnü.iun < dem 7i unMM'lie!! Lebens mit neuern Li riet und neuer Aktivität. Dies ist aber häufig mir möglich durch Lr-eliittiening und Sprengung der allen Formen und durch Freimachon neuer Kräfte. Dann erst wird das Ziel erreicht werden können, dem wir zii-t!eben müssen: die Schaffung־ einer Autoritat, die im Bewußtsein des Volkes verankert ist. Die Autorität des Zionistenkongresses ist systematisch untergrabe״ worden, indem inan jahrelang ihn nur zu Dentonsfrationszwecken Beschlüsse fassen ließ, an deren Durchführbarkeit niemand glaubte, und indem auch die übrigen Beschlüsse oft nur von denen als verbindlich angesehen werden, die •selbst dafür gestimmt haben. Vergeblich haben viele von uns vor diesem kindlichen Mißverstehen von ״Demokratie“ gewarnt. Es bleibt jetzt nl übrig als eine radikale Umkehr auf diesem Wege. Die Behandlung wirtschaftlicher und finanzieller Fragen gekört auf dieses Blatt. Eine Demokratie, die nicht ihre eigene Grenze kennt, verliert allmiiltlich jede Handlungsfäliigkcit; -ic spielt damit nur in die Hände jener, die sich von demokratischer Kontrolle ganz befreien wollen. Daß aber solche Kontrolle notwendig ist, zeigt uns das Beispiel des nach den Unruhen 1929 gesammelten Hilfsfonds, der, in die Hand von Einzelpersonen geraten, zum Instrument einer Sonderpolitik zu werden droht. Eine Rc; •;־!׳:; des Verfahrens in Wirtschaftsfragen ist eine Vorbedingung der Gesundung der Organisation, weil der bisherige Zustand mit seiner unklaren Fassung von Verantsvortlichlcciten viel zur Demoralisation der Bewegung beigetragen hat. So wichtig heute Palästina-Wirtschaftsfragen erscheinen, so ist doch das Bewußtsein allgemein erstarkt, daß die zionistische Bewegung andere Aufgaben hat als diese. Politik und Pädagogik, so schrieb dieser Tage ein Pädagoge, haben das gemeinsam, daß sie beide irgendwie auf Menschenführung abzielen. Zionismus war stets Mensclienführung, in politischer und in pädagogischer Hinsicht. Er muß es wieder werden. Er muß sich wieder als die geschichtliche Macht zur Erneuerung des jüdischen Volkes empfinden. Dies muß das Ziel sein, das der Kommission vorschwebt, die unsere ״Verfassungsreform“ vorbereiten soll. So wie sie sich im Kleinlichen verliert, wird sie nichts schaffen. Nur wenn sie, und nicht die Kommission allein, sondern die ganze Bewegung, auf das Ziel gerichtet ist, wird durch Zusammenfassung der Kräfte, durch gemeinsamen guten Willen, durch die Hilfe einer inzwischen hcrangewachsenen neuen Generation die Krise des Zionismus fruchtbar überwunden werden können. R. W. Reform der Zionistischen Organisation Für einheitliche Landesverbände Von David Ben Gurion. Auf der letzten Konferenz der palästinensischen Arbeiter- Partei (November 1932) bat der Arbeiterfahrer Ben Gurion ein Referat über Reform der Zionistischen Organisation gehalten, das auch außerhalb der Reihen der Arbeiterpartei stark diskutiert wurde, da die Notwendigkeit einer Reform in weiten Kreisen der Bewegung empfunden wird- Die Vorschlüge Ben Gurions bilden auch wichtiges Material fär die dieser Tage in Berlin beginnende Konferenz des vom Kongreß eingesetzten Organisationskomitees. Wir geben daher nachstehend einen Auslug des erwähnten Referates wieder. Hierbei ist zu bemerken, daß die Z.V.f.D. eine Ausnahmesteihing hat, da in Deutschland die Form eines einheitlichen Landesverbandes aller 7,ionisiert besteht und sich gegenüber den parlihularist ischen Tendenzen der Fraktionen in früheren Jahren erfolgreich behaupten konnte. Daher trifft die Feststeitung des ersten Absatzes für Deutschland nicht zu. Red. Es besteht die Notwendigkeit für eine fundament a 1 e Reorganisiert!« g der Zionistischen Organisation. In ihrem jetzigen Zustand ist die Zionistische Organisation rein fiktiver Natur ■— in den einzelnen Ländern gibt es keine organisierten, arbeitsfähigen, alle Zionisten umfassenden Organisationen und ohne territoriale Zweigstellen ist die Zionistische Weltorganisation nicht mehr als ein unaiisgefüllter Rahmen. Die einzige wirklich existierende Institution der zionistischcn Organisation ist der Zionistische Kongreß. Da es aber diesem Kongreß, der für kurze Zeit einmal in zwei Jahren Zusammentritt, an einem ständigen aktiven, organisierten und verantwortlichen Organ fehlt, das die Beschlüsse des Kongresses ausführt und seinen Willen dauernd verwirklicht, wird er zu einem parlamentarischen Schauplatz ohne schöpferischen Inhalt und ohne bindende Macht. Die parlamentarische ״Vorführung“ von Parteikonfiiktcn, die Attacken der Opposition auf ,,die Regierung“, die ,,politischen“ Diskussionen, ״die Kabinettskrise“ und die Zusammensetzung der ״Regierung־‘, sowie die Abstimmungen über das Budget — all das befriedigt die ״Staatsleidenschatt“ des reinen, geläuterten Zionismus. Wie dem auch sei — alle diese parlamentarischen Kunststücke, ausgeübt im luftleeren Raum, werden uns kaum der Realisierung des Zionismus näherbringen. Hinter dem Kongreß gibt es keine organisierte Kraft, die ihm zur Verfügung steht. Es genügt nicht, daß es eine vom Kongreß gewählt« Exekutive gibt. Die Arbeit der zionistischen Weltbewegung kann nicht von der Exekutive vollendet werden, sondern von den Trägern der Bewegung der Diaspora. Die Organisierung dieser Träger des Zionismus in jedem einzelnen Lande ist oberste Bedingung für die Aktivierung und Gesundung der Bewegung. Als die Zionistische Organisation gegründet wurde, war sie eine einheitliche Organisation mit cinheitlclien Landesorganisationen in den einzelnen Ländern. Inzwisehen haben sich Parteien gebildet; die Landesverbände haben auch nach Entstehung der Parteien die Grundlage der Organisation gebildet. Im Laufe der Zeit ist jedoch die Zersplitterung gewachsen. Die Flügelparteien haben die Landesverbände beinahe verschlungen, und so hat sich inzwischen der Charakter dieser Verbände geändert. Diese territorialen Organisationen, die ursprünglich einen Teil der Zionistischen Weltorganisation bildeten, sind in vielen Liindem, besonders in Osteuropa, zu politischen Parteien der zionistischcn bürgerlichen Klasse geworden. Die Zionistische Bewegung ist zum Sprungbrett für Leute geworden, die Karriere machen wollen und deren wirkliche Arbeit überhaupt nicht mit der Tätigkeit der Weltorganisation verbunden ist. Die Wahlen zum Parlament, Sejm, städtischen und jüdischen Gemeinden nehmen ihr Interesse und ihre Arbeit in erster Linie in Anspruch und wirkliche zionistische Arbeit ist eine Angelegenheit von sekundärer Bedeutung. Der A r b ei te r f 1 ü g e 1 beteiligt sich nicht an den Landesverbänden, da er de!1 politischen bürgerlichen Parteien nicht angeschlossen ist. Obwohl der Arbeiterfliigel in vielen Ländern die stärkste Kraft und das Rückgrat des arganisierten Zionismus bildet, — eine Tatsache, die sich durch die Kongreßwahlen klar beweisen läßt —, hat er doch in den zionistischcn Landesverbänden weder Platz noch Einfluß, weil der ״Sstam-Zionismus“ mit dem bürgerlichen Zionismus identifiziert wird, selbst in den Ländern, in denen dieser Zionismus seine Kraft und Bedeutung verloren hat. Die Einführung des einheitlichen Schekels beseitigte eine große Ungerechtigkeit. Kongreßmandate hörtet! auf, Privateigentum derjenigen Gruppen zu sein, die viel Geld für Sehekolim zahlen konnten. Jetzt werden die Mandate durch die Wahl der Schekclzahler bestimmt. Diese Reform des cinheitliehen Schekels muß sich auf die ganze Struktur der Zionistischcn Organisation ausdehnen. In jedem Lande muß eine einheitliche, gemeinsame Organisation geschaffen werden. Zionistische Parteien werden selbstverstündlich auch in der Zukunft weiterbestehen, aber d te territorialcn Zellen der Zionistischen Welt organisation werden nicht aus Parteien (Sonderverband, Landesverband) bestehen, sondern aus allen Sehekelzahlern des betreffenden Landes, ohne Unterschied der Partei. Ebenso wie jeder Schekclz,1111er direkt zum Zionistenkongreß wählt, wird jeder Schekelzaliler in der gemeinsamen Landesorganisation einen Delegierten zu der gemcinsamen Zionistischen Landeskonferenz wählen. Diese Konferenz wird über den Charakter der in ihrem betreffenden Lande auszuführenden zionistischen Arbeit entscheiden muß wird einen Landesvorstand wählen. Ob dieser Vorstand eine Koalitions- oder homogene Körperschaft sein soll, wird — ebenso wie beim Zionistischen Kongreß — von der Verteilung der Kräfte auf der Konferenz ahliängen, und dieser Vorstand wird die zionistische und palästinensische Tätigkeit in seinem Lande selbstverständlich in Uebereinstimnnmg mit den Beschlüssen des Kongresses und unter der Kontrolle der zionistischen Weltcxekutive ausführen, und zwar; zionistische Propaganda, Palästinaämter, Zionistische Fonds usw. Die territoriale, aus allen Parteien zusammengesetzte Organi :1tion darf sich natürlich nicht niit ״Gegenwartsarbeit“ befassen, die auch weiterhin die Domäne der einzelnen Parteien im Zionismus bleibt. Die Kompetenz und das Arbeit sgebiet der gemeinsamen Zionistischen Landesorganisation ist mit (1 er Kompetenz und dem Arbeitsgebiet des Zionistischen Kongrosses identisch. .... Der Kongreß und die Zionistische Weltorganisation haben augenblicklich keinen Apparat zur tatsächlichen Ausführung der Arbeit und keine richtige Organisationsmaschinerie in den Ländern. An Stelle von Landesorganisationen gibt es nur noch Parteien, die ihre Energie und Kraft auf permanenten Streit untereinander und im besten Falle auf lokal-politische Arbeit verschwenden, während die zionistische und palästincnsichc Arbeit beinahe keine Beachtung findet. Um ein Instrument zu schaffen, das in der Lage ist, die gespaltenen zionistischen Lager auf/unehmen, muß i!1 jedem Lande eine gemeinsame zionistische Landesorganisation geschaffen werden, in der jeder zionistische Schekeizalilcr — •angeachtet seiner Partei oder Richtung — direkten und persönlichen Anteil nimmt. Diese gemeinsame einheitliche Organisation und ihr Landcsvorstand, der auf einer Konferenz sämtlicher Schekeizahler des betreffenden Landes gewählt wird, wird sich mit den Tätigkeitsgebieten befassen, (und nur mit diesen Gebieten), die in die Kompetenz des zionistischen Kongresses gehören, d. h. also: Zionistische Propaganda, Zionistische Fonds, Alijah, Hachscharali, Mobilisierung von Kapital und Menschen für Palästina usw. Die gesamte Gegenwartsarbeit wird wie bisher ganz und gar die Domäne der verschiedenen zionistischen Parteien bleiben und die einheitliche Landesorganisation, die sich aus Mitgliedern aller dieser Parteien zusammensetzt, wird sich in diese Arbeit nicht einmengen. Die iransjordanischen Bodenkäufe Die Scheich* wolle» verkaufen Jerusalem, 7. Februar. (J.T. A.) Die Frage des jüdisclien Bodenerwerbs in Transjordanien hat heute insofern eine neue Wendung genommen, als 21 der einflußreichsten t r a n s j o r d a n i s c 11 e n S t a m m e s - O b c r h ä 11 p t e r , Sämtlich Mitglieder der transjordanischen Gesetzgebenden Ver- Sammlung, dem High Commissioner Wauchope und dem Emir Abdullah eine von ihnen Unterzeichnete Resolution unterbreitet haben, in der uneingeschränkte Freiheit, Boden an Personen zu verkaufen, die nicht transjordanische Staatsbürger sind, gefordert wird. In der Resolution wird aut die kritische wirtschaftliche Lage in Transjordanien hingewiesen und die Notwendigkeit, Geld in das Land hercinzubekommen, stark unterstrichen. Vor einigen Tagen fand in A rn a n n eine Versam inlung trän s jordanisch er Scheichs statt, in der zu der kürzlich vorn Emir Abdullah abgegebenen Erklärung, daß er keinen Boden in Transjordanien an Personen verkaufen wird, die nicht transjordanischc Staatsbürger sind, Stellung genommen wurde. Die Mehrheit der anwesenden Scheichs stellte sich auf den Standpunkt, daß nur der Verkauf von möglichst viel Boden an die Juden die jetzt verzweifelte wirtschaftliche Lage Transjordaniens lindern könnte. Es wurde berichtet, daß 70 Prozent des Viehstandes in Transjordanien durch Verhungern zugrunde geht, weil die Viehbcsitzer nicht die Mittel haben, Viehfutter zu beschaffen. Die Aktion der erwähnten 21 Stammcs-Qberhäupter ist ein direkter Ausfluß der in dieser Versammlung zum Ausdruck gekommenen Stimmung. Die arabische Presse weiß zu berichten, daß trausjordänische Führer eine große Protestkundgcb u n g gegen das Verbot, Boden in Transjordanien an Juden zu verkanten oder zu verpachten, vorbereiten. Die Zeitungen nehmen an. daß die den Juden gegebene Option auf Bodenkauf in Transjordanien demnächst erneuert werden wird. Die Frage des jüdischen Bodenkaufs soll am 9. Februar vor dein transjordanischen Parlament zur Sprache kommen. Es bleibt nun abzuwarten, was die Regier u n g zu diesem neuen Schritt sagen wird. Wir nehmen an, daß auch die Jewish Agency sich inzwischen über eine Politik in dieser Sache klar geworden ist. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Verhinderung dieser BoJenkäufe nicht von fransjordanischen, sondern von palästinensischen Arabern erzwungen wurde. Streik bei Framin beigelegt Jerusalem, 6, Februar. (J. T. A.) Der Streik in der Biskuitfabrik Frumin wurde nach einer Dauer von vier Monaten auf folgender Grundlage beigelegt: 1. Frumin erkennt die Histadrutii als die Arbeitergewerkschaft an; 2. alle Streikenden werden wieder eingestellt; 3. Frumin verpflichtet sich, in Zukunft mindestens 80 Prozent Arbeiter, die in der Histadruth organisiert sind, zu beschäftigen; 4. von den während des Streiks eingestellten 25 Arbeitern werden nur 10 und diese nur für die Dauer von acht Monaten beschäftigt. Der Streik bei Frumin gab bekanntlich Anlaß zu wiederholten blutigen Zusammenstößen zwischen streikenden Angehörigen der Histadruth und Mitgliedern der revisionistisehen ״nationalen Gewerkschaft“. An diese Zwischenfälle schloß sich eine Kontroverse in der ganzen zionistischen Welt, die auch in den Spalten der ״Jüd. Rundschau“ Ausdruck gefunden hat. Im Alter von 71 Jahren starb in Belgrad der Präsident des zionistischen Landesverbandes in Jugoslawien, Advokat Dr, David A 1 k a I a y. Er vertrat die Zionistische Organisation Serbiens auf dem ersten Zionisten-Kongreß und nahm auch an mehreren späteren Kongressen teil. Herzl setzte ihm ein Denkmal in seinem Roman ״Altneuland“, in dem er unter dem Namen Aladin als Chef des Bodenkauf-Departements figuriert