Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVIII (1933)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1933)
- Date
- 1933-02-10
- Page
- Seite 55 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Kongreß für das ״Freie Wort** Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHA IM »MH Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,—Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auslandsabonnrmcnls werden in der Wahrung der einzelnen Länder berechnet• Anzeigenpreis: 8 t;esp. Nonpareille/eile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0*25 G.-M. Nummer 12 | Berlin, 10, II, 1933 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b. H., Berlin W15, Mcinekestr. 10. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 17192, Base! V 9355, Belgrad 080 32, Brüssel 394 33, Budapest 596 93, Danzig 1973. Haag 140 470, Vrnr, 59410. Riga 4155, Straßhurg 164 30, Warschau 190 708, Wien 156 0ü0. R«nk-Konlt־n: Dresdener Bank, Depositen Kasse Berlin, Kuriurstendamm 52; Rumänische Kreditbank, CVrnauti (Rumänien); Anglern 3’.׳!!>-mimr Co. in Haifa, Jerusalom, Tel ־Aviv. י״ד שבט תרצ״ג | xxxviii. Jahrg, Per Zionismus erstrebt tQr da« JPdlsche Volk die Schäftung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.״ Palästinas Wirtschaftslage Emaniid N c u nt a 1111, Leiter der Wirtscliaftsabteilung der Jcwish Agency in Jerusalem, veröffentlicht einen Bericht über die Wirtschaftslage im Jahre 1932, dem wir nachstehendes entnehmen: Im Verlauf von 1932 siedelten sieh etwa 600 bis 700 jüdische F a m i I i e 11 mit privaten Mitteln (von 1000 Pfund aufwärts) in Palästina an, während i!n Jahre 1931 die Zahl solcher angcsiedelten Familien mir 235 betrug. Die meisten Einwanderer tlieser Kategorie stammen aus Amerika. Die neuen Investierungen jüdischen Kapitals in Palästina im Jahre 1932 werden auf eine Gesamtsumme von 3 500 000 Pfund gc-Hi.c י־ Die Deposita in den Banken betrugen ungefähr 5 000 0;() Pfund, von denen 3 500 000 Pfund in jüdischen Banken, besonders in der An10״-Pa!estinc* Bank, und der Rest in niehtjüdisdien Banken, wie Barclay’s Bank und üttoman Bank liegen. Der Zinssatz auf die Deposita wurde reduziert, die Kreditinstitutionen erwägen nun auch eine Reduzierung des Zinssatzes für Darlehensnehmer. I >ie wirtschaftliche Belebung ist zum Teil auch dem!)instand zu verdanken, daß im Jahre 1932 ausgedehnte Citrus- Haine zum erstenmal Frucht trugen als Ergebnis der Investierungen in der Hausse-Periode• der Jahre 1923 bis 1925. Der Export erreicht0 im Jahre 1932 bereits die Hälfte des Imports, während in früheren Jahren der Exportwert nur ein Drittel und im Jahre 1931 •10 «!> des Importwertes betrug. Die passive H.indelsbilaiiz, die viele Jahre hindurch 75״״ und mehr betrug, ist jetzt auf 50 « 0 gesunken und wird, wenn die in den letzten Jahren gepflanzten Citrus- Haine Früchte tragen werden, noch weiter sinken. Auch in der Industrie sind die Verhältnisse durchaus befriedigend. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung einerseits und die Erhöhung des 1.eben «Standards jedes einzelnen in Verbindung mit der Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage andererseits bringen eine Belebung des lokalen Marktes mit sich. Die j ü d i s c h e n Kons u m e nten 1 m A ti s 1 a n d e beginnen, den Wert palästinensischer Produkte immer mehr zu schätzen, die Tozereth Haarez-Bewegimg in den Ländern der Diaspora findet einen immer stärkeren Änklang unter den jüdischen Massen Europas, Amerikas und Südafrikas. Eta be* deutender Faktor ist die Abwertung des Sterling- Kurses. Die Juden in Ländern, in denen der Goldstandard noch erhalten ist, wie z. B. in Amerika, sind bestrebt, ihr Kapital in Palästina zu investieren, wobei sie bis zu etwa 30 ״o am Kapital profitieren. Es kommt hinzu, daß der Sterling- Kurs die Konkurrenzfähigkeit der Palästina-Produkte an den ausländischen Märkten erhöht hat. Der Citrus-Anbau hat im Jahre 1932 einen neuen Rekord erreicht: In den jüdischen Kolonien wurden 1932 3000!) Dunatn Boden neu bepflanzt (das gesamte jetzt mit Citrus-Bäumen bepflanzte jüdische Gebiet beläuft sich auf rund 100 000 Dunum). Der Citrus-Anbau unter den Arabern schreitet langsamer fort, aber auch die Araber entwickeln hierin eine erhöhte Tätigkeit in den Gegenden von Tulkarern, Ramleh usw. Der Citrus- Export belief sich in der letzten Saison aut 3 630 000 Kisten, von denen 33«״ aus jüdischen Planlagen stammten, ln der jetzigen Saison wird der Export vermutlich mehr als 4000000 Kisten betragen, davon die Hälfte aus jüdischen Hainen. im Jahre 1932 wurden 21 neue Fabriken errichtet, darunter zwei für Wirkwaren, zwei für Drahtgitter, zwei für Citrus-Saft, eine Kerzenfabrik, eine Nägeltabrik und eine Konservenbüchsenfabrik. In diese Liste ist eine Reihe von Fabriken nicht aufgenommen, die erst Ende des Jahres etabliert worden sind. Mehrere in früheren Jahren stillgelegte Fabriken haben naeh langer Pause ihren Betrieb wieder aufgenommen, so Delfiuers S e i d e n vv a r e n f a b r i k, Ketcrs Schuh-Fabrik usw. Mehrere Fabriken sind jetzt im Bau. Bestehende Industrien bauen sich aus und bieten ebenfalls gute Gelegenheit für Kapitalinvcstierungen. So z. B. produziert jetzt die Shemen-Fahrik außer Oel und Seife auch Oelfarben, die Strickwarenfabrik in Tel-Avmv stellt außer Baumwollauch Wollvvaren her, die Eisenindustrie nimmt an Umfang zu infolge der Steigerung des Bedarfs in der Bau- und Citrus- Industrie (Pumpanlagen usw.) tind der Erhöhung der Aufträge seitens der Paiestine Electric Corporation im Zusammenhang mit dem Bau von Elektrizität«,inlageit in verschiedenen Zentren. Demnächst wird man an den Bau einer großen Zuckerfabrik, einer Tcmoütfabrik und einer Brennerei schreiten. Lord Snell Ober Palästina ln New York fand eine Kundgebung für den J ii d i - sehen Weltkongreß in der Form eines Diners zu Ehren von Bernard S. Deutsch, Präsidenten des American Jewish Congress, statt, an dem mehr als 1000 Personen teilnahmen. Die Veranstaltung wurde geleitet vom Anwalt der Vereinigten Staaten George Z. Medalic, Begrüßungskundgebungen sandten Professor Einstein, Senator Borah, Lord Melchett, Dr. Nahurn Goldmann, Morris Rothenberg u. a. Prof. Einstein erklärte in seiner Kundgebung: ״Möge vier Jüdische Weltkongreß im Jahre 1934 dazu beitragen, die Solidarität der bedrohten, europäischen Judenheit zu stärken.“ Der Hauptredner, Lord Snell, bekanntlich der Verlasser des Minderheiten-Sonderberichtes zu dem Bericht der Shaw-Kommission über die Palästina-Unruhen von 1929, stellte die Lage der Juden in Palästina in eine Parallele zu der Lage der Juden in der ganzen Welt und verurteilte in schärfsten Worten den Antisemitismus. Palästina, fuhr er fort, darf den Juden in der ganzen Welt eine Quelle des Trostes sein. Snel# habe ein Gespräch mit dem jetzigen High Comraisskmer Rapide Fortschritte macht die Mineraliengewinnung. Die Paiestine Potash Company hat eine zweite Betriebsanlage zur Gewinnung von Bromiden hergestellt. Die Kaligewinnuitf ist beträchtlich gestiegen, die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeiter hat sich von 300 aut 400 erhöht, viele Arbeiter müssen Ueberstumlen machen. Fine Gruppe arabischer Kapitalisten erhielt eine Kon- Zession zur Gelbohrung auf einem Gebiet von 10t) qkm südöstlich von Beer-Sheba. Anfang 1932 wurde die 11 y d r o ־ E I e k t r 1 s c 11 e Station tles Jordan vollendet. Nach ihrer Inbetriebnahme konnteil die Stromgebühren in ganz. Palästina (mit Ausnahme von Jerusalem und Umgehung, die dem Betrieb nicht angesehloswn sind) um 10 ״» r c d u z. i e r t werden. Die Kilowattstunde winde von 50 Mil auf 30 Mil ermäßigt, für Bewässerungsanlagen wird die Kilowattstunde mit 15 Mil berechnet. Die Senkung der Kosten für elektrische Kraft wirkte sieh als ein weiterer Antrieb für die Entwicklung der Industrie aus. Besonders zu erwähnen sind noch der Bau des Haifa-Hafens und die Arbeiten der I r a k - P e t r o I e 11 m - (i e s e 11 s c 11 a f t. Diese Gesellschaft erwarb ein Gebiet von 2205 Dtinam Küsten-!and bei Haifa, auf dem sie ungeheure Reservoirs für Oel, sowie für Raffinerien errichtet. Tausende Tonnen Rühren, Loren, Maschinen usw. sind zu diesem Zwecke nach Haifa gebracht worden. Der Hafenbau steht unmittelbar vor seiner Vollendung. Auf dem dem Meere abgmmgenen Gebiete werden Lagerhäuser, Büros usw. errichtet. Weitere Investierungsmögliciikeiten sind geschaffen durch Herausgabe von Aktien u n d O b I i g a t 1 o n e!1 seitens verschiedener (icsellscliaften wie Tiberias Hot Springs Ltd. (Cie- Seilschaft zur Ausnutzung der Heißen Quellen von Tiberias), Kalia Company (zur Entwicklung des Tote-Meer-( iebietes als Kurort), Paiestine Potash Company, Gesellschaft zur Entwichhing von Tel-Awivv (unter der Leitung von Bürgermeister Dizcngoff). General Mortgage Bank und mehrere andere Banken, South African Binvan Company. Die Lage des Landwirts außerhalb der Planta g e z o n e ist weiterhin u 11 b e f r i c - d i g e n d, wenn auch besser als in früheren Jahren. Die Erhöhung der Zölle fiir Getreide und Mehl in der Zeit von Juni bis Dezember (während die lokalen Produkte zu Markte gebracht werden), gepaart mit Beschränkungen vier Einfuhr von Getreide und Mehl haben immerhin eine Erhöhung der Preise bewirkt. Wenn auch diese wiederum etwas gesenkt werden mußten, konnte doch ein im allgemeinen hohes Niveau gehalten werden. Die Regierung kam in diesem Jahr den Kleinbauern zu Hilfe, indem sie ihnen 70״״ der Zehent-Stnrer erließ und riarlehen in der (iesamthöhe von 71 000 Pfund ־zur Anschaffung von Saatgut, lebendem Inventar, Futter usw. gewährt hat. Der Fortschritt in der Citrus-Industrie hat ebenfalls zur Verbesserung der Lage des Landwirts beigetr.'ifen, da die Planlagen immer mehr Arbeiter einstellen, fn vielen Dörfern, in denen bisher extensive Landwirtschaft getrieben wurde, wurden intensive Methoden eingeführt. In der Hügel- Region entwickelt sich der Obstanbau zu einem wichtigen Zweig, Viele maßgebende Wirtschaftssachverständige sagen, dal! Palästina in das Jahr!933 mit einer guten Aussicht auf fortdauernde Prosperität getreten ist. Ungeachtet von Zollsch\vierigkei;en cntvvükelt sich der Palästina-Export nach vielen Richtungen hin, Ein Problem, das ernste Aufmerksamkeit erfordert, ist die Spek u I a t i o n s w u t, die in Zeiten erhöhter Einwanderung »1ml wirtschaftlichen Fortschritts sich bemerkbar macht. Dieses Uebel kann ernste Folgen haben, wenn es den öffentlirhen Institutionen nicht bald gelingt, ihm energisch zu Leibe zu rücken. Aber die jetzige Spekulationstätigkeit ist weniger beunruhigend als die Spekulationswclle im Jahre!925, da jetzt die Arbeit auf einer viel gesünderen Basis ruht als damals. Nichtsdestoweniger darf unkontrollierten Faktoren nicht freies Spiel gewährt werden. Verantwortliche Körperschaften scheu die Gefahr und treten ihr entgegen. Die geschilderte Entwicklung zeigt das Vorhandensein einer soliden Aufbaugrundlage; die Möglichkeit ihrer Eiveiterung liegt zu einem großen Teil in den Händen des jüdischen Volkes. Wauchope }gehabt. Sir Arthur bewundert den Geist der jüdischen Pioniere und äußerte weitgehendste Hoffnungen hinsichtlich der Entwicklung der jüdischen Arbeit im Lande. Das Jüdische Nationalheiin in Palästina, sagte Snell weiter, werde den >! a - t u s der Juden überall verbessern. An dem Abend wurde für den American Jewish Conjress eine Summ« von 12 000 Dollar aufgebracht. In aller Kürze Am 7. Februar verließ Sokolow Palästina, ln K airo wird Nahuni Sokolow von König Fuad empfangen werden. Von Aegypten begibt sich Sokolow nach Italien, tirn der Konferenz der italienischen Zionisten beizuwohnen. Die amerikanische Gesellschaft der Freunde der Universität Jerusalem beabsichtigt, bei dem Dinner in New York am 15. März Professor Einstein einen Scheck auf 100 000 .לל zu übergeben, der von Einstein zugunsten der Universität Jerusalem und anderer jüdischer Institutionen verwendet werden soll Bewegung und Reform 1111 Gange der Erwägungen, die n«1 der Krise der geistigen und politischen Struktur des (iemeinschaftslebens ausgehend in einem Teil der ernsten deutschen Publizistik heute angestellt werden, isl die treffende Beobachtunggemacht worden, dal! die• Sprache nicht mit der Entwicklung der Wirklichkeit Schritt hält. Sprache und Begriffe erweisen sich als ein he:nniende« Moment, weil sie Parteien und Personen in einen! Denksvsfem fcsthaitcn, dem keine Wirklichkeit mclir entspricht. Dies sei einer der I!;mplgriinde, warn in w nicht gelingt, einen adäquaten Au-druck fiir das Lehen des V ׳Ikes zu schaffen, und warum in immer liohtwt’ni Mähe die hergebrachte Politik als unzuläiirdieh lind unhetriedigend empfunden wird. Wir können die-c 'Diemke auch auf den Zionismus anweiulen; man wird vielleicht :-■eiten ein so schlagendes Beispiel für ihre Richtigkeit finden. Denn der Zionismus hat in der Welt der Wirklichkeit unmittelbar naeh dem Kriege eine Rcvnlii u >11 durebgemaebt. die sein Wesen von < irund auf veränderte: die Formel des Baseler Programms war ׳.׳ewi«-e!! 1!al5e!1 eGiilif werden, statt um I Min hset/ung tles 1! w eder Programms stand die Realität Palästinas als zu bev״\:!lügende Aufgabe vor uns. Die Bewegung aber vermochte sich von den alten Formeln, Einrichtungen mul Begriffen nicht losztireißen. Sie hielt fest an inner Sprache, der die Wirklichkeit bereits enteilt war. Vielfach liegt dies an höchst persönlichen und menschlichen Sein;ieheii. Menschen, die ein ganzes Leben für eine Sache gearbeitet haben, wellen sich nicht damit al)fi1ulen, d:11S eine neue Zeit sie depossediert, indem mit einem Schlage andere Dinge an Stelle dessen treten, worin sie cs gerade zur Meisterschaft gebracht haben. So ist es gekommen!!, daß die Vorkricgs-Institutionen des Zionismus auch in seiner neuen Zeit timerändert crlia'feu blieben, obwohl jeder Teilnehmer solcher Veranstaltungen den inneren Widerspruch empfand. Am deutlichsten war dies bei zionistischcn Kongressen. Fast nach jedem Kongreß entstand eine Diskussion über Kongreß• und ()rgamsationsreforin, in deren Verlauf viel Kluges, Einleuchtendes gesagt wurde, ohne daß es zu irgendwelchen praktischen Ergebnissen führte. Denn da nach dem Statut nur der Kongreß selbst etwas hätte ändern können, auf ihm aber ein einheitlicher Reformwille nicht 11׳ erzielen war, mußte es immer wieder beim alten bleiben, t hui der starke Wille von außen oder von oben, der das Neue hätte durchsetzen können, hat gefehlt. Zwar reib es vmi «!׳item der zionistischen Führung, von. nicht u׳r!.e--e:1 worden darf, zwei groß angelegte Kmi/eaii> utmt einer Reform, aller beide sind gescheitert: der Brninlei —Plan von 1021 und Wei/inanns Agenev-PIan von!922. IS '!'11 nicht uniewueht werden, welche Fehler diernm Planen anhafteten; fest steht, daß in ihnen tlas Bewußtsein der Notwendigkeit radikaler t eins ■taltu!!gen lebte. Es soll auch die Frage nicht untersucht werden, wessen Schuld es war, daß Dr. W ei/mann, der hü 11 rer tles Nachkriegs- Zionismus, bei all seinen großen I.eKlungen auf anderen Gebieten, den Verfall der ()rgnni-mt hm nicht anfhalteu konnte. Tatsächlich erlebten wir in! Zionismus eine Herausbildung jenes zerstörerischen Zustandes, den der Herliner Staatsrechtler Karl Schmitt als ״Pluralismus‘“ bezeichnet: das NebeneinandcrbeAeltea selbständiger Parteien, von denen jede für sieh Anspruch auf das Ganze erhebt, den Parteigenossen gewKseririnficn nur als Stütze der eigenen Macht innerhalb der Gesamturganisation betrachtet und darum der direkten Einordnung des Einzclnen in das Ganze widerstrebt. [Diese Entwicklung ist durch den Revisionismus vollendet und gekrönt worden, so sehr, daß man vielleicht sagen kann, daß manche andere Parteien durch das extrem« Beispiel des Revisionjsmus zur Besinnung gebracht worden sind. Die Zionistische Organisation ist, statt der;gemeinsame Willensausdruck des seine Heimstätte bauenden Volkes zu sein, zu einem Kriegsschauplatz der (ininpen gegeneinander geworden. Der Widersinn, der darin liegt, daß ein Teil der organisierten Zionisten gleichzeitig einer anderen Organisation angehört, die das Ziel hat, die Zionistische Organisation zu zerstören und sich selbst an ihre Stelle zu setzen, ist zu offenkundig, als da 15 er nicht allgemein empfunden werden sollte. Trotzdem glauben wir nicht, daß ein solcher Zustand durch Ehrengerichte kuriert werden kann. Es gibt viele Zionisten, die das revisionistische Programm ablchnen, dem jetzigen organisatorischen Zustand als unhaltbar erkennen und trotzdem von dem Ehrengcrichtsverfahren, dessen Unvermeidlichkeit gar nicht in Frage gezogen werden soll, nicht erbaut waren. Unter dem Gesichtspunkt des Formalismus läßt sich die Image, um die es geht, nicht lösen. Sie greift viel tiefer an die Wurzel der Ikewcgung. Es geht um nichts geringeres als die Erneuerung der Bewegung von