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Jüdische Rundschau · 1933-02-07 · Heft 11 (7.2.1933) · p. Seite 53

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 11 (7.2.1933)
Date
1933-02-07
Page
Seite 53 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11, 7. II. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 53 FREIE TRIBÜNE Der Kampf um den Sabbat Von Dr. I s a k Unna, Rabbiner in Mannheim. Der allseits verehrte Verfasser des nachfolgenden Aufsatzes, Rabbiner Dr. Unna, Ist ein Fahrer der jüdischen Orthodoxie in Deutschland, der stets lebhaftes Interesse für den Palüstinaaufbau bekundet hat und auch Mitglied des Administrativc-Commiltee der Jeivish Agency ist. Wenn er sich in einer für Palästina so wichtigen Frage zu äußern wünscht, so lassen wir ihn zu Worte kommen, auch wenn er zum Teil Auffassungen vertritt, denen steh die große Mehrheit der zionistischen Welt nicht anschließert kann. Das Problem des Einbaus des historischen Judentums in die moderne jüdische Renaissance wird von uns allen als ein zentrales Problem empfunden, aber der Zionismus glaubt, daß die jüdische Renaissance die Totalität des Lebens ergreifen muß; die grundlegenden Gedanken der Arbeit und der Siedlung dürfen nicht bagatellisiert und als ,,Verwestlichung" abgetan werden. Wir können auch nicht zulassen, daß das, was in Palästina geschieht, als Produkt ״atheistisch-materialistischen Geistes" charakterisiert wird. Ohne auf die umstrittenen theologischen Fragen, die der Verfasser natürlich seinem orthodoxen Standpunkt gemäß beurteilt, und auf die unseres Erachtens einseitige Beurteilung der sozialen Fragen ein zugehen, möchten wir unserer Meinung Ausdruck geben, daß verantwortliche zionistische Kreise den Ernst des religiösen Problems empfinden, ohne darum den radikalen Standpunkt Dr. Unnas zu teilen. Ein Mann jedoch, der als Nichtzionist den Weg zur Mitarbeit in Palästina gefunden hat, soll auch die volle Möglichkeit haben, vor Zionisten in einer zionistisehen Zeitung sich auszusprechen. Red. Im Oktober v. J. erschien in der ״Jüdischen Rundschau“ unter dem Titel ״Zwei Lebensstile“ ein Artikel, der ein so bedeutsames Problem behandelt, daß ich noch einmal darauf zurückkommen möchte. Es wird darin der Konflikt um die jüdische Arbeit am Sabbat bei dem Reservoir in Jerusalem als Symbol des Gegensatzes zwischen dem traditionellen Judentum, wie es der alte Jischuw und der Misrachi vertritt, und dem neuen Nationalismus bezeichnet. Der Verfasser sagt mit Recht: ״Die Auffassung der ,Neuen‘ ist eine natürliche Folge der Verwestlichung, der Orientierung an Arbeits- und Lebensauffassungen, die im europäischen Kulturkrcis wurzeln und die Formbegriffe des neuen Jischuw von Grund auf im Gegensatz zu den herkömmlichen Begriffen des traditionellen Juden wandeln.“ Es will mir scheinen, daß an diesem Problem die ganze Zukunft von Erez-Israel sich entscheiden wird. Die Auffassung der ״Alten“ ist verwurzelt in dem historischen Judentum. Man mag die Geschichte unseres Volkes von einem beliebigen Standpunkt betrachten, man mag sogar von den Irrwegen der Bibelkritik und ihrer tendenziösen Wissenschaft ausgehen, mag auf diese Geschichte die Gesetze der Soziologie anwenden, inag versuchen, sie zu ״säkularisieren“ und in den Rahmen der allgemeinen Weltgeschichte einzuspannen; wer nicht blind ist, der muß anerkennen, daß die Bedeutung des jüdischen Volkes• auf dem religiösen Gebiete liegt. Und wenn man sich auch in durchsichtiger Tendenz bemüht, den jüdischen Gottesbegriff als das Produkt einer langen Entwicklung hinzustellen, so bleibt doch jedenfalls die Tatsache unbestreitbar, daß die großen monotheistisehen Religionen vom Judentum ausgegangen sind, und 'daß auch später bei allen religiösen Bewegungen das Judentum seinen Einfluß geäußert hat. Man lese nur, was Heine in seinen Abhandlungen zur Geschichte der Religion und Philo- Sophie in Deutschland von diesem Einfluß der Juden auf die Reformatoren des Mittelalters sagt. ״Sie hielten diesen Schatz (die Bibel) sorgsam verborgen in ihrem Ghetto, wo die deutschen Gelehrten, Vorgänger und Beginner der Reformation, hinschlichen, um Hebräisch zu lernen, um den Schlüssel zu der Truhe zu gewinnen, welche den Schatz barg.“ Und noch in der allerneuesten Zeit hat Rudolf Otto bekannt, daß der Begriff des Heiligen als des ״Numinosen“, wie er ihn in seinem tiefsinnigen Buche ״Das Heilige“ darstellt, ihm am Jom Kippur in einer nordafrikanischen Synagoge aufgegangen sei. Religion und religiöses Leben waren aber auch das Lebensdement der Juden, nicht nur im Ghetto, sondern auch zu den Zeiten, wo sie die Luft der Freiheit atmpn durften und in intensivster Weise an der Kultur ihrer Umgebung teilnahmen; man braucht nur Namen wie Jehuda Halevi und Maimonides zu nennen. Die Religion ist der historische Mutterbaden des Judentums, aus ihr sind ihm immer neue Kräfte erwachsen, und für die Thora haben ihre Bekenner alle Güter des Lebens geopfert, haben sie den Tod in tausendfacher Gestalt auf sich genommen. Und nun kommen Juden, die das jüdische Volk wieder aufbauen wollen, und als Maßstab gilt ihnen nicht das historische Prinzip des eigenen Volkes, sondern der Nationalismus der anderen Völker. Nicht Monotheismus, nicht jüdische Ethik, nicht der Sabbat sind ihre Ideale, sondern jüdische Arbeit, jüdische Siedlung, die Eroberung des jüdischen Bodens. Es ist die Verwestlichung, es ist der atheistisch-materialistische Geist, der die europäischen Völker beherrscht und der nun auch die Grundlage des neu erstehenden jüdischen Volkes werden soll. Und es ist derselbe Geist, der den Arbeitern nicht die urjüdische Idee der sozialen Gerechtigkeit, sondern die unjüdische Idee des proletarischen Klassenkatnpfes als die gestaltende Kraft des neuen Gemeinwesens erscheinen läßt. In den Schulen dieser Arbeiter gibt es keine religiöse Unterweisung, man errichtet Kindersiedlungen, wo die Kinder nicht mit dem Geist von Bibel und Talmud, sondern mit dem Geist der europäischen Kultur erfüllt werden, deren Früchte uns der Weltkrieg lind seine Nachwehen so deutlich enthüllt haben. Objektive nichtjüdische Beobachter sehen mit Befremden diese Auffassung von jüdischer Renaissance. So sagt z. B. Prof. Hempel, Göttingen, in einer Besprechung des Buches ״Palästina“ von Gerhard Holdheim (Theolog. Literaturz. 1929, Nr. 1516 '׳) mit Bezugnahme auf die Er- Ziehung in den Kwuzoth: ״Es gibt wohl kaum etwas so Unjüdisches, aut die bisherige geistige Haltung gesehen, als diese Auflockerung, ja Zerreißung des Famiiiengefüges. Werden die durch solch System Geformten den inneren Anschluß an die jüdische Nation“ finden und das Werk der jüdischen Nation weitertreiben, oder wächst hier ein Geschlecht heran, das seine geistige Heimat und das Ziel seiner Sehnsucht in ganz anderen politischen Gebilden haben wird und der produktiven Aufbauarbeit verloren geht?“ Auch hier kommt die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß diese Renaissance eine Loslösung von den jüdischen Ideen, einen Bruch mit der jüdischen Gemütswelt, eine geistige Assimilation bedeutet. Und was haben wir gewonnen, wenn an die Steile der Assimilation der Einzelnen, wie sie uns die Emanzipation gebracht hat, die Assimilation des Volkes tritt, wenn eine nationale Heimstätte entsteht, deren Bewohnern die innere Verknüpfung mit der Vergangenheit fehlt? Man müßte dann auf uns sinngemäß das Wort Lessings anwenden, der einmal von den Neugricchen sagt, sie hielten sich für die Nachkommen der alten Athener, weil sie auf ihren Gräbern geboren wurden. Gewiß kann inan diese Gedankenrichtung nicht dadurch bekämpfen, daß man Austrittsgemeinden gründet und dadurch die Entfremdung zwischen den Volksteilen und die Zerklüftung des Volkes noch vermehrt; der Einfluß des traditionellen Judentums auf die Gesamtheit wird durch solche Abschließung und Verkapselung nur geschwächt. Und es ist gewiß auch verfehlt, wenn man glaubt, durch Gewaltmittel, wie die Schomre Schabbat sie anwendeten, der Entwicklung entgegentreten zu können. Aber es zeugt von einer Kurzsichtigkeit ohnegleichen, wenn man die gutgemeinten Bestrebungen dieser Männer als Ausflüsse der ״Reaktion“ und des ״Fanatismus“ abtun will. Man muß verstehen, daß es nicht Haß und Fanatismus ist, was sic bewegt, sondern das Gefühl, daß es hier um das Letzte des Judentums geht, nicht nur um die Zukunft der Orthodoxie, sondern des Jischuw überhaupt. Denn gerade derjenige, dein der Aufbau von Erez-Israel Herzenssache ist, und der den Idealismus und die heroische Hingabe der Chahizim würdigt, muß mit äußerster Besorgnis eine Entwicklung betrachten, die aus dem historischen Judentum hinausführt. Auch der Verfasser des eingangs erwähnten Artikels fühlt ja die ganze Schwere des Problems und gibt den Zweifeln nichtorthodoxer Kreise Ausdruck: ״Oh eine tiefgründige Renaissance, eine Neubefruchtung der jüdischen Schaffenskraft bei einer durchgehenden Säkularisierung des Lebens in Palästina möglich sei? Ob die hebräische Sprache und die jüdische Siedlung genügten, um hier eine Erhaltung des Judentums zu sichern und Boden für zukünftige Leistungen des Volksgeistes vorzubereiten? Ob diese Weiler weitergehendc ,Normalisierung‘, die auf allen Lebensgebieten Platz greift und unsere Städte und Kolonien europäisch-amerikanischen Vorbildern annähert, zu begrüßen sei und die ureigenen jüdischen Formen unu Begriffe nicht zu überwuchern drohe?“ ln der Tat, alles hängt davon ab, daß eine neue geistige Grundlage gefunden wird, die das Alte, das Historische in sich aufnimmt. Denn es war ja die Aufgabe der führenden Geister im Judentum zu aller! Zeiten, die Ideen der jeweiligen Periode dem Judentum und der Thora anzuassen, ohne Preisgabe des Erbguts der Väter eine Harmonie erzustellen zwischen der Thora und den Ideen der Zeit. Daß diese Aufgabe in der Gegenwart nach einem tausendjährigen Galuth, in einer an sich schon von schroffen Gegen- Sätzen erfüllten Zeit, besonders schwer ist — wer wollte es leugnen? Aber die Stürmer und Dränger sollten sich sagen, daß ihr Anstürmen gegen das Alte das Judentum in seinem Lebensnerv trifft, und die Besonnenen sollten ihr ganzes Augenmerk auf die Lösung jener Frage des Gegensatzes zwischen Alt und Neu richten; denn es ist die Schicksalsfrage des jüdischen Volkes. IltllllllllllhllllllllilllllllillillliiiffilllllllllllHIIIIIIIIIIItlllllllllllllllllllllllllllllllllllHtllllllllllllllllllllllllllllW^ ״Hiob — ein aktuelles Zeliproblem.“ So benannte sich eine sehr hochstehende und wirkungsvolle Veranstaltung, zu der sieh Emil Bernhard Cohn und Edith Herrnstadt-Oettingen verbündeten. Emil Bernhard Cohns Hiob-Interpretation ist kühn. Sie geht — ohne traditionelle Verschleierung — auf den Zentralpunkt zu. Der Redner sieht in Hiob den klagenden Rebellen, der dabei seinen Gatt und den Gott seiner Weit nicht verliert. Fern von der üblichen dogmatischen Auffassung — die sich in den Reden der drei Freunde widerspiegelt — fühlt sich Hiob zu Unrecht leiden und begehrt auf. Daß er an diesem Leiden nicht zugrunde geht, hat seinen Grund darin, daß er nicht resigniert, sondern mit dem Gott der Schöpfung, den er nicht zu bejahen aufhört, um seine Wiederaufrichtung kämpft — und zwar auf gleicher Ebene kämpft. (Diese ״gleiche Ebene“ darf man wohl als die Unerschütterlichkcit des schöpferischen Prinzips auffassen, das sich in Hiobs universischer Gottesauffassung dokumentiert.) 'Hiob versteht es, sein Leiden zu sublimieren, es als etwas allgemein Menschliches und Welthaftes zu sehen, das seine flammende Gottselinsucht _ nicht tangieren kann. Während Hiob ein ״Rebell in Gott“ ist, ist der Mensch von heute ein ״Rebell gegen Gott“. Das Kollektivschicksal, das er aber ganz individualistisch erlebt, macht ihn zum Atheisten. Er ist nicht imstande, sein Unglück zu veredeln, weil er nicht mehr ״ins All eingebaut“ ist, durch diese Isoliertheit Atheist wird und nur noch untergehen kann, während Hiob trotz seines übermenschlichen Leidens zu guter Letzt triumpbiert. — Im jüdischen Volk erblickt der Redner eine Gemeinschaft, die immer wieder fähig war, das Hiob- Schicksal zu sublimieren und zu überwinden. In diesem (postulativen) Sinn sagt Gott zu Hiob: ״Das Faß muß zerschlagen, der Wein aber erhalten bleiben.“ — lm An- Schluß an diese geistvolle Deutung las Edith Herrnstadt- Oettingcn mit ungewöhnlicher Meisterschaft aus Josef Roths ״Hiob“. A. J.-L. Im Alter von 73 Jahren verstarb der Grand Rabbin von Genf, S>. Balizer, , In aller Kürze Sokolow tritt seine Rückreise aus Palästina nach London am 7. Februar an. In Jerusalem fand am 2. d. M. unter Ussischkins Vorsitz ein Abschiedsabend für Sokolow statt. Miß Henriette S z 01 d hat ihr Amt als Leiterin des Departments für soziale Fürsorge beim Waad Leumi niedcrgelegt. Sie begibt sich zur Erholung nach Aegypten und wird nach einem Monat nach Palästina zurückkehren, wo sie weiterhin zu bleiben beabsichtigt. Der englische Zweig der Jewish Agency veranstaltet am 2. März im Savoy-Hotei zu Ehren der Mitglieder des Palästina-Komitees im englischen Unter- und Oberhaus ein Bankett, dem Dr. Weizmann präsidieren wird. Ansprachen werden halten die Parlamentsmitglieder Viscountess Astor, Major Walter Elliot, George Lansbury, Lord Melchett Sir Herbert Samuel und Colonel John Buchan. Viscoumess Erleigh ist Vorsitzende des Bankett-Komitees. Erich Mendelssohn spricht über seine Bauten. Der bekannte Architekt, Schöpfer neuer Konstruktionen und eines höchstpersönlichen Baustils, zeigte vor einem — offenbar durch Grippe und politische Aengste stark eingeschrumpften — Publikum an Hand anschaulicher Lichtbilder die Entwicklung seines architektonischen Werdens von den ersten (damals sehr kühnen) Anfängen über den Einsteinturm zu den ״jüdischen“ Aufgaben: dem Haus der jüdischen Loge in Tilsit, dem jüdischen Friedhof in Königsberg, der Karmel- Siedlung und der Ruthenberg-Kraftstation in Haifa. — Mendelssohns Begabung scheint bisweilen in einer mehr malerischen Traumhaftigkcit zu liegen und cs ist um so interessanter zu sehen, wie aus diesen zeichnerischen, musikalischen, plastischen Visionen nüchterne Zweckbauten der Großstadt geworden sind. Was man vielleicht vermißte, waren die Namen einiger zeitgenössischer ausländischer Architekten, deren Schöpfungen in der Baukunst vor und neben Mendelssohn ebenfalls eine Rolle gespielt haben. -son. Zweites Hebräisches Winterlager in Brieselang Der Zentrale Rat für hebräische Arbeit unter der jüdischen Jugend Deutschlands veranstaltete vom 27. bis 29. Januar 1933 sein zweites hebräisches Jugendlager in Brieselang bei Berlin. Der Rat hat sich die Aufgabe gesetzt, die in den jüdischen Bünden organisierte Jugend zur hebräischen Sprache und Kultur zu führen, und verwendet dabei die für die hündische Jugend charakteristischen Formen des Gemeinschaftslebens. In der geräumigen Jugendherberge trafen sich am Freitagnachmittag die Vertreter aller positiv-jüdisch eingestellten Jugendbünde von Esra und ßrith-Hanoar über Kadimah und Makkabi-Hazair bis zu Brith-Haolim und Hascliomer Hazair. Und merkwürdig, der hebräischen Sprache und der gemeinsamen Bemühung um sie gelang, was sonst auf Treftahrten niemals in ähnlicher Weise zu erreichen ist, die Ueberbrückung der nicht geringen Unterschiede zwischen den verschiedenen Richtungen. — Das Lager wurde von Nachum Lewin mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in der er auf die heute nocli! immer nicht überall genügend gewürdigte hebräische Arbeit und ihre Bedeutung für die tiefere Erfassung unserer Menschen hinwies. Dr. Gut mann übermittelte die Wünsche der Britli Iwrith Oiamith für ein Gelingen der Tagung, Max Ziem eis und Schmuei Na von überbrachten die ()ruße des Hechaluz, des Brith Haolim und Kadi!nah sowie der Königsberger hebraisehen Jugend. Dann ergriff Dr. Gutmann das Wort zu seinem Geschichtsreferat über die Epoche der Makkabäer, an das sich eine längere, von allen in hebräischer Sprache geführte Diskussion anschloß. Am Abend folgte ein O neg Schabbat. Hier wurde nach dem Vorbild Bialiks der Versuch gemacht, alte und neue Formen zu einer neuen Einheit zu verschmelzen. Im Mittelpunkt standen der Scliabbat mit seinen altelirwiirdigen Klängen und die Lieder des neuen arbeitenden Palästina. Hier und ebenso bei den Abendfei cm der beiden folgenden Tage zeigte sieh die besondere künstlerische und bindende Kraft des werdenden, neuen F.rez Jisrael. Seiiimicl N a v o 11 behandelte diese schöpferische Wirksamkeit des Landes, die uns noch nicht recht bewußt geworden ist, am Sonnabend in einer Arbeitsgemeinschaft über die Feste Palästinas und in einem kürzeren Referat am Sonntag über ״Festefeierri in der Golah". Er zeigte am Beispiel der praktischen Ausgestaltung einer (Ihaiinukahleier und einer geplanten 13. Scli’wat-i cier in Königsberg, wie Palästina heute bereits der (iolalt viel zu gehen vermag und inwieweit die besonderen Bedingungen der Uolatl! Ab- Weichlingen von palästinensischen Vorbildern bewirken. - Einen großen Teil des Programms des Lagers nahm die Beschäftigung■ mit dem dichterischen und menschlichen Werk Bialiks ein. Dr. Woyslawski zeigte am Sonnabend vormittag in einem wcitausliolenden Referat an Hand einzelner Gedichte den geistigen Werdegang des Dichters auf, am Nachmittag befaßte sich eine der Arbeitsgemeinschaften unter seiner Leitung mit einem bedeutenden Prosawerk, der Erzählung Arjch Baal-Gtif. Auch die Abendfeier stellte Bialiks Werk in den Mittelpunkt. Sie war besonders sorgfältig vorbereitet und führte in Gedicht und Gesang, begleitet von Flöte und Klavier, gut ausgewählte Proben seines Schaffens bis in die allerjüngste Zeit vor. Die stimmungsvolle Feier endete mit gemeinsamem Gesang und. Tanz. Der letzte Tag brachte noch zwei Referate, die in wohlabgewogener Weise vom rein Literarischen und Historischen ablenkten. Am Vormittag sprach Moscheh Brach mann (Giwath Brenner) über aktuelle Wirtschaftslagen Palästinas, besonders die Probleme des Bodens und der Bodenspekulation. Der Wert seines Referats, das eine möglichst objektive Einführung in die wichtigsten Fragen des Aufbaus geben wollte, lag vor allem in der exakten zahlenmäßigen Fundierung. Am Nachmittag erörterte Schmuel Na von (Tel-Avviw, Königsberg) Fragen palästinensischer Erziehung. Er wies eindringlich auf die Tragweite und Wichtigkeit einer richtigen, tiefgreifenden Erziehung in einem Aufhaiilande wie Erez Jisrael hin: die neue Generation zu einer wirklichen Einheit umzitschmelzen und den Fremdlingen aus aller Welt ein Hcimntgcfiihl mitzugeben, das stark genug ist, sie für immer an ihr neues Vaterland zu fesseln. Einleitend zu diesem Referat hatte Nachum Lewin zwei Oesichtspuiikte genannt, die in der anschließenden Diskussion eine Rolle spielten. Er stellte fest, daß im Lande ein neuer jüdischer Typ entsteht, an dessen Entwicklung die Lehrerschaft׳ durch ihre Hinwendung zur Erziehung zur Arbeit mitwirkt, und hegrüßte andererseits die entscheidende Wendung in den Beziehungen zwischen Galuth und Erez Jisrael. Während bis vor wenigen fahren alle Kräfte des Landes durch den Aufbau der neuen Wirtschaft und Kultur restlos gebunden waren, wird jetzt das Interesse an den Problemen der Golah in den Kreisen der palästinensischen Jugend und der Arbeiterschaft immer größer, und es ist nur Zu hoffen, daß es gelingt, die wertvollen Kräfte, die hier frei werden, auch organisatorisch so ziisammcnzufassen, daß sic als ein ständiger, segensreicher Strom die Länder der Galuth befruchten. Den Abschluß des Lagers bildete wieder gemeinsames Lied und Tanz. Es bleibt noch ein Wort über Stimmung und Geist dieses Lagers zu sagen. In» Kürzester Zeit gelang es, eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit und des Vertrauens zu schaffen, wie sie sich sonst mir im Lager eines einzelnen Bundes vor• wirklichen läßt. Der Tagesraum war von Ben-Uri schön beschrittet und mit einem großen Fries geschmückt, der sich in Bild und Text auf den geistigen Infinit des Lagers bezog. Gemeinsamer Gesang und Tanz wurden in diesem Rahmen zu einem starken Bindemittel der Teilnehmer untereinander. Es bildeten sich besondere Gebräuche und Tischlieder heraus, und als am Sonntag eine größere Anzahl von Einzelbesuchern nach Brieselang herauskam, wurde das aüeni fühlbar. Daß während der Lagertage nur Hebräischsprechen erlaubt war, braucht wohl nicht besonders betont zu werden, und selbst die weniger Fortgeschrittenen bemühten sich mit Erfolg, diesem Gebot Folge zu leisten. Bedauerlich ist nur, daß durch verschiedene Umstände, vor allem die kalte Witterung, das Lager von den Bünden nicht so zahlreich beschickt war, wie es sonst sicher geschehen wäre. Dr. Ernst Bloch. Einsteins Rückkehr nach Deutschland New York, den 5. Februar. (J.T. A.) Prof. Albert Einstein, der vor einigen Monaten aus Deutschland direkt zu seiner Arbeitsstätte in Pasadena in Kalifornien gereist war, ohne sich in New York aufzuhalten, wird sich auf der Ruckreise nach Deutschland am 15. März einen Tag in New York aufhalten und einem von den Amerikanischen Freunden der Hebräischen Universität J c r u - salem ihm zu Ehren gegebenen Dinner als Ehrengast beiwohnen. — Als Einstein seine Reise nach Amerika antrat, brachte der ״Völkische Beobachter“ einen Artikel, der in den Wunsch ausklang, Einstein möge nun nicht in; h r nach Deutschland z 11 r ü c k k e h r e n. Manche Kreise in den Vereinigten Staaten glaubten nun, daß Einstein, nachdem Hitler an der Spitze der deutschen Regierung steht, in Amerika verbleiben werde. Einstein aber äußerte sich Presse- Vertretern gegenüber in bestimmtester Form, er bleibe Deutschland treu und wolle auf die Fortführung seiner Arbeit in Deutschland nicht verz j ch t e n.

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