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Jüdische Rundschau · 1933-02-03 · Heft 10 (3.2.1933) · p. Seite 47

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVIII (1933)
Issue
Heft 10 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10, 3. n. 1933 JÜDISCHE RUNDSCHAU ־ Seite 47 Die Wohlfahrtspflege im Aufbau des Landes Von Helene Hanna Thon. Touristen, die durch Palästina reisen, fällt es auf, daB trotz des verhältnismäßig großen Wohlstandes, dessen das Land sich erfreut, sich ein ungewöhnlich großes Bettlertu m hier breit macht. Dabei sieht der Fremde nur den Straßenbettel und weiß nicht, daß es noch eine andere Art der Bettelei gibt, die von Tag zu Tag zunimmt. An manchen Orten, so in Jerusalem, ist der Straßenbettel eigentlich polizeilich verboten; er kleidet sich deshalb in die Formen des Hausierertums, der Anbietung von Hilfsdiensten an den Autostellen und auf den Märkten und in ähnliche Masken. Daneben aber wird das Verbot allenthalben offen übertreten von Existenzen, die durch ein paar Tage Polizeihaft ohnehin nichts zu verlieren haben: neuen, vollständig mittellosen Einwanderern aus Bagdad und Kurdistan, Krüppel und Blinden. Manche dieser Bettler verbringen einen Teil der Woche an einem, den zweiten Teil am anderen Ort. Zu dieser Bettelei, die dem Fremden besonders auffällt, kommt ein ununterbrochener Strom von Hilfesuchenden in die Häuser: zerlumpte Gestalten aus Grusinien und Bagdad, die Brotrinden und Kupfermünzen entgegennehmen (andere Speisen aber häufig aus Furcht vor Uebertretung der Kaschruth- Gesetze zurückweisen); ferner anständig gekleidete Männer oder Frauen aus den Kreisen des alten Jischuw, die für eine andere Familie sammeln oder einen Brief von Rabbi Kuk vorweisen, der ihre Hilfsbedürftigkeit bestätigt (wieviel Hunderte solcher Briefe stellen palästinensische Rabbiner pro Jahr aus? und wie viele dieser Fälle haben sie wirklich geprüft?); Männer oder Kinder, die sich zum Stiefelputzen, Primus-Reparicren und anderen Gelegenheitsarbeiten anbieten. Zu dieser Art von Bettlern kommt dann noch die ständig wachsende Zahl der Besucher im Interesse dieses oder jenes Wohlfahrtsinstitutes: außer den im Lande seit jeher eingefi'ihrten Spendensammlungen für bestimmte Fonds gibt es heute eine Sammlung für das Irrenhaus, ein Waisenhaus, morgen eine für das Altenheim, übermorgen für eine Ferienkolonie usw. usw. Man muß sich sagen, daß ein solches Anwachsen der Bettelei und Beitragswerbung zu einer Zeit verhältnismäßig großer wirtschaftlicher Blüte ein Symptom dafür ist, daß irgend etwas im Aufbau der Gesellschaft und in der Verteilung und An- Wendung ihrer Mittel nicht stimmt. Das ist auch tatsächlich der Fall; es handelt sich hier um ein soziales Uebel, das sich seit vielen Jahrzehnten eingewurzelt hat und von Zeit zu Zeit als akuter Ausbruch einer sozialen Krankheit auftritt. Neben den zionistischen Einwanderern, die — abgesehen von einigen anormalen Ausnahmen — mit dem Willen und der Kraft zur Wirtschaftlichkeit und materiellen Selbständigkeit ins Land kommen, birgt Palästina bekanntlich die große Schar der durch die Chalukah ins Land gebrachten Ansiedler und deren Nachkommen. Zu ihnen kommt die — teilweise ebenfalls in der Hoffnung auf Chalukah nach Palästina geströmte — Menge der orientalischen Juden. Untersuchungen, die im letzten Jahre auf Veranlassung des Jewish Bureau of Social Research in Palästina unternommen wurden, ergaben interessante Tatsachen, aus denen die folgenden zur Kennzeichnung der Lage herausgegriffen werden sollen: Es gibt ca. 115 Kolelim (Chalukah-Gruppen) und sephardische Landsmannschaften in Palästina, von denen etwa 50 000 Menschen Unterstützung in irgendeiner Form erhalten. Einige Kolelim unterstützen hauptsächlich Greise, Witwen und Waisen, andere dagegen ihre sämtlichen Mitglieder, ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Zeit dem Talmudstudium widmen oder ob sie erfolgreiche Geschäftsleute sind. Rabbiner und Jeschiwahbachurim erhalten gewöhnlich Vorzugsquoten; in manchen Jcschiwoth werden Lehrer und Studierende vollständig erhalten. Die Unterstützung beträgt zwischen >/2 und 12 Pfund pro Kopf im Jahr. Außerdem gewähren die großen Kolelim sowie auch die sephardischen Gemeinden zahlreichen Menschen Freiwohnungen, die allerdings von den Nutznießern häufig zu erhebliehen Mietpreisen an andere weitervermietet werden, während sie selbst in besseren Privathäusern wohnen. In manchen Kolelim wird die Vermietung der Freiwohnungen Pächtern überfassen. Ferner gewähren die Kolelim ärztliche Hilfe und Medi/inen, Kranken- und Wöchnerinnenbeiträge. Viele von ihnen geben auch Baukredite für Wolm- und Geschäftshäuser; durch diese Kredite sind mehrere ältere und moderne Wohnviertel in den Städten entstanden. Die sephardische Gemeinde unterstützt ferner Abendkurse und Sportvereine junger Leute und sieht ihre Hauptaufgabe in der Verteilung von Mazzoth und anderen Lebensmitteln zu Peßach. Da die Chalukah ihrem ganzen Wesen nach die materielle Selbständigkeit der Leute nicht hob, sondern eher verhinderte, mußte sie zu ihrer Ergänzung im Laufe der letzten Jahrzehnte noch eine ganze Reihe von Wohlfahrtsinstituten schaffen, die ebenfalls durch fromme Spenden unterhalten werden: Gmiluth Chcssed - Kassen, Kleiderverteiiungsstellen, Freimahlzeiten, Brautausstattungen, Asyle für Obdachlose und arme Wanderer, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Schulen usw. Das Hauptmerkmal aller dieser Einrichtungen des alten Jischuw bestand darin, daß sie sich ausschließlich auf Einkünfte vom Auslande her verließen. Die Gesamteinkünfte dieser sämtlichen Einrichtungen zusammen sind zwar dadurch, daß sie ganz unkontrolliert nebeneinander bestehen und verhältnismäßig enorme Summen für Verwaltungszwecke verschlingen, schwer zu beurteilen, wurden aber bis vor kurzem rund auf ca. V2 Million Pfund pro Jalir geschätzt. Daneben hatten die Angehörigen des alten Jischuw jederzeit ein sehr beträchtliches Einkommen aus den privaten Geld- Sendungen von Verwandten in Amerika und den europäischen Ländern. Einen gewissen Wertmesser für die Beurteilung der materiellen Lage dieser Kreise bietet die hohe Zahl von kleinen und größeren Spareinlagen und Bankguthaben, die sie besitzen und die zusammen eine vielstellige Zahl ergeben. Dabei gibt es in diesen Kreisen — vor allem natürlich unter den orientalischen Juden — zahlreiche wirklich notleidende Existenzen: Krüppel, Blinde, Kranke, Witwen, verlassene Frauen, Waisen usw. Die Hilfe für diese Notleidenden seitens der Kolelim und des sephardischen Gemeindeblindes ist keineswegs so groß, wie man es ihrer allgemeinen Wirt- Schaftslage nach erwarten dürfte. Eine Bevölkerungsgruppe nun, die sich nicht selbst erhält, sondern von Spenden abhängig ist, gerät in eine jähe Notlage, sobald der Spendenstrom versiegt. Das hat sich schon einmal im Kriege erwiesen, als ein großer Teil des alten Jischuw an Not und Entbehrungen zugrunde ging, das erweist sich heute aufs neue. Die privaten Geldsendungen an Einzelfamilien haben sich verringert. Die Einkünfte der Kolelim aus ihren Heimatländern nehmen dauernd ab, ebenso diejenigen der Wohlfahrts- Institute, Schulen, Jeschiwoth usw., und zwar sowohl der Institute des alten wie auch des neuen Jischuw, die dieser zum großen Teile im Interesse der Angehörigen des alten Jischuw errichtet hat. Die Folge davon ist, daß die Gesuche um Unter- Stützungen von Einzelleuten und Instituten sich nun an die Bewohner des Landes selbst richten. Tagtäglich wird infolgedessen die zionistische Bevölkerung des Landes um Unter- Stützung dieser oder jener Familie oder Institution, die mit der Chalukah in Verbindung steht, angegangen. Es ist dann ebenso schwer, zu gewähren wie zu versagen: das Gefühl möchte den Insassen eines Altersheimes oder Waisenhauses zu Hilfe eilen, der Verstand aber sagt sich, daß in den meisten der Chalukah-Institute weder die Führung noch die Mittclverwaltung dazu geeignet ist, die Hilfsbedürftigkeit im Lande wirklieh zu bekämpfen und an die Stelle der Almosenverteilung die Erziehung zur Wirtschaftlichkeit und Selbständigkeit zu setzen. Die Anforderungen, welche die palästinensische Wohlfahrtspflege an den Einzelnen stellt, werden vergrößert dadurch, daß natürlich auch in den zionistischen Kreisen ein gewisser Prozentsatz hilfsbedürftiger Existenzen besteht: Leute, die körperlich oder geistig dauernd zu Schaden gekommen sind, Opfer von Betriebsunfällen, Waisen, Greise, unversorgte Mütter mit Kindern usw. Der Prozentsatz dieser Hilfsbedürftigen ist allerdings im Vergleich zu den Hilfsbedürftigen des alten und orientalischen Jischuw nicht groß. Das Bewußtsein, daß ein solches zusammenhangloses Durcheinander der Hilfsbestrebungen, wie es im Lande besteht, nicht rationell sein kann, beeinträchtigt die Gebefreudigkeit der Palästinenser. In das Chaos der Hilfsbestrebungen bemüht sich seit einem Jahr, die unter der Leitung von Henrietta Szold stehende Soziaie Abteilung der ״Knessefh Israel" einige Ordnung zu bringen. Einer der Faktoren, die bewußt oder unbewußt bei der Gründung des Waad Letimi mitwirkten, war die Erfahrung, daß während des Krieges in der Verwaltung des amerikanischen Hilfsfonds Vertreter des alten und neuen Jischuw fruchtbar zusammengearbeitet und eine Annäherung der bis dahin streng geschiedenen beiden Kreise herbeigeführt hatten. Nachdem dann, als der Waad Leumi lediglich politische Aufgaben erfüllte, die beiden Teile wieder ganz auseinandcrgefallen waren, gibt jetzt die Aufnahme der praktischen Arbeit, nämlich der Wohlfahrtsarbeit durch die Soz.ialabteiiung der Knesseth Israel, aufs neue die Möglichkeit zu einer Zusammenfassung der so ganz verschiedenen Bevölkerungsteile. Unter Miß Szolds Leitung sind bisher die Kehilloth in Haifa und in Jerusalem organisiert worden, während Tel-Awiw vorläufig seine eigenen Wege gehen und sich der Landesgemeinde nicht anschließen will. Um durch praktische Wohlfahrtsarbeit eine Ansatzfläche für die Zusammenfassung und langsame Reformierung des Bestehenden zu erhalten, wurde in den Kehilloth Haifa und Jerusalem die Familicnfürsorge als offizielle Arbeit der KehilHh eingeführt. Die Kehilloth sind dabei, Ausschüsse aus den verschiedenen Bevöikeningsgruppen zusammcimistellen, die sowohl an der Mittelaufbringung wie auch an der Mittelverteilung teilnehmen sollen. Erst für einen viel späteren Zeitpunkt kann man die Kontrolle und Reform der einzelnen Institute sowie die Ausmerzung überflüssiger oder Gründung unbedingt notwendiger Wohlfahrtseinrichtungen durch die Kehilloth ins Auge fassen. Selbstverständlich stehen den Bestrebungen nach Zentraüsierung und innerer Reinigung des palästinensischen Wohlfahrtswesens noch gigantische Schwierigkeiten im Wege. Schon allein innerhalb des neuen Jischuw wirkt das Parteienwesen und die Versteifung der einzelnen Gruppen auf ihre Sonderinteressen als retardierendes Moment, um so schwerer wird es sein, den Kreisen, die seit Generationen materielle Abhängigkeit als einen durchaus normalen Zustand anzusehen gewöhnt waren, Verständnis für eine Form der Wohlfahrtspflege einzuflößen, die nicht einfach blindlings gibt, sondern deren Ziel cs ist, die Menschen zur Selbständigkeit zu erziehen und sich selbst dadurch überflüssig zu■ machen. Als Stufen auf diesem Wege hat die Knesseth Israel eine Auskunftsstelle für in- und ausländische Interessenten an sozialer Arbeit in Palästina eingerichtet, eine kleine Fachbibliothek angelegt, einen Kursus von Vorträgen über Wohlfahrtspflege vorbereitet und ein Landeskomitee zur Festlegung des Arbeitsprogrammes zusammengestellt. Fiir die nächsten Monate ist eine gemeinsame Sammelaktion im Lande zusammen mit einigen nationalen, für den Gedanken der Vereinheitlichung der Arbeit vorbereiteten Wohlfahrfsorganisationen geplant. Als Weg zu einer Produktivierung aller palästinensischen Kräfte und zu einer Zusammenfassung der auseinanderstrebenden Teile des Jischuw sollten diese Bestrebungen der Knesseth Israel auch im Auslande Beachtung und Förderung finden. Büchcrschau Bauer: Kurze Soziologie des jüdischen V 01 - kes. in der Reihe ״Schriften zur Diskussion des Zionismus“, herausgegeben von der jüdisch-akademischen Verbindung Barissia in Prag, erscheint jetzt als Nr. 10 eine kurze Soziologie des jüdischen Volkes von Ing. Viktor Bauer in Prag. Die Schrift bringt in drei Abschnitten ״Es war — Es ist — Es wird sein“ zunächst als Einleitung einen kurzen Abriß der Sozialgeschichte des jüdischen Volkes, sodann eine Darstellung der gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Lage des Judentums. Obgleich dem Verfasser nur wenig Raum zur Verfügung steht, entwickelt er doch ein recht anschauliches Bild der jüdisehen Gegenwart, das er im dritten Abschnitt noch vielfach ergänzt. Besonders verdienstvoll ist die eingehende Darstellung der landwirtschaftlichen Betätigung der Juden in der Gegenwart. Schließlich erörtert der Verfasser im dritten Teil die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Judentums in der Zukunft, insbesondere die mögliche Gestaltung der jüdischen Lage in Gebieten der jüdischen Massensiedlung, sowie die Bedeutung der jüdischen Siedlung im Fernen Osten und in Palästina. Die Schriftenreihe soll der Einführung der jüdischen Jugend in das Judenproblem dienen. Die Schrift von Bauer ist sowohl ihrem Inhalt nach, wie auch durch ihre flüssige Darstellung ein wertvoller Beitrag zu dieser pädagogischen Arbeit. Ludwig Klein. Emst Lothar: Kleine Freundin. Roman einer Zwölfjährigen. P. Zsolnay Verlag, Wien. Hier weht eine Luft wie in Schnitzlersahen Romanen; und doch sind die Augen jünger, die diese Menschen sahen, und die Hand ist jünger, die ihr Schicksal aufzeidmete. Ein Wiener Bürgerhaus, wie wir aus den Büchern Schnitzlers und seiner Generation so viele kennen: eine Mischehe, jiidisaher Vater — der ״Herr Generaldirektor“ —, blonde christliche Mutter, Tochter der verarmten Baronin und Schwester des verschuldeten Bruders, den der reiche Schwager erst hat aus der Voruntersuchung ״loseisen“ müssen. Man merkt, wie die Ehe zustande kam, die jetzt am Zerschellen ist — schon ist der Nachfolger des Juden gefunden. Aber das alle״, ist für das Buch nicht die Hauptsache — und nicht die Hauptsache für seinen Verfasser. Auch nicht einmal, daß dies Haus seiner Gemeinschaft verloren geht; schon ist der Mann getauft — war wohl eine der Heirats- Bedingungen —-, das Kind geht mit der Mutter zur Kirche und freut sich des Weihrauchduftes. Um dieses zwölfjährige Mädelchen handelt es sich, die kleine Felicitas mit den schmalen Gliedern' und großen erschreckten Augen, die am Zwiespalt der Großen beinahe zugrunde geht. Eigentlich ist es nur eine Episode vom Leidenswege dieser kleinen Heldin, die uns das Buch widerspiegelt; wenn cs ״sich auch wieder leimt“ am Schlüsse, dies Trauerspiel einer Ehe und Elternschaft, wenn man auch zusammen verreist und der jüdische Großvater und der christliche sich die Hände reichen. Dahinter steht groß und schwer der Fluch eines Geschlechtes von Juden, das solche Ehen schließt und solche Kinder ... mordet. Dies spielerische, anmutige Wiener Gesellschaftsbild ist eine Anklage; und darin liegt seine zeitgeschichtliche Bedeutung. B. B. St. Aus den Gemeinden Abbau des Jüdischen Schulwesens? Die Judenfrage in der ganzen Welt und auch die Frage der jüdischen Gemeinschaft, in Deutschland ist in erster Linie und im wesentlichen eine spezifisch jüdische Angelegenheit, die von den Kräften abhängt, die im inneren jüdischen Leben den Gang der Entwicklung bestimmen. So sehr auch das jüdische Interesse auf die politischen Ereignisse in Deutschland . . tung — heute die Aufgaben der inneren jüdischen Festigung den Primat beanspruchen, ln Zeiten der Not muß das Judentum wissen, wofür es leidet und kämpft. Man sollte meinen, daß Führer der jüdischen Gemeinschaft das ohne weiteres verstehen. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Be- Schlüsse der liberalen Mehrheit zum Etat der Berliner JiidischenGenteinde überaus befremdend. Diese Beschlüsse die einen Abbau des jüdischen Schulwesens in Berlin beinhalten, sind entscheidend für die Frage der jüdisehen Erziehung und der Erhaltung jüdischer Geisteswerte bei der Heranwachsenden jüdischen Jugend. Man muß nur beipflichten, wenn eine Versammlung der Jüdischen Volkspartei, die vor einigen Tagen im Westen Berlins stattfand, zur Frage der jüdisehen Schule und ihrer Behandlung durch den Gemeindevorstand eine Entschließung faßte, welche feststellt, ״daß gerade in dieser Zeit wirtschaftlicher Not, politischer Bekämpfung und des Ansteigens der antisemitischen Welle die Ernaltung und Mehrung des jüdischen Geistesgutes im Interesse der Erhaltung des Judentums hervorragendste Pflicht der jüdischen Gemeinde ist.־‘ Es wäre eine Selbst entä 11 ßcrung unverantwortlichster Art, wollte mar! heute jüdische Schulen sperren. Alle Energie muß darauf gerichtet sein, die jüdische Volkssubstanz zu schützen, indem das jüdische Schulwesen erweitert und befestigt wird. Bialik-Feier. Die B. Z. V. teilt mit: Die für Montag, den 30, Januar von der Berliner Zionistischen Vereinigung angesetzte Feier anläßlich des 60. Geburtstages von CI1. N. Bialik mußte auf dringende Bitten aus dem Publikum, welches die Abhaltung der Feier in einer ruhigeren Atmosphäre verlangt hat, verschoben werden. Ein neuer Termin für die Feier wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Zionistischer Gruppenverband Südwestdeutschland. Der Gruppenverbandstag findet Sonntag, den 12. Februar, in Wiesbaden, großer Saal des Hotels Metropole, Wilhchnstr. 8—10, statt. — Tagesordnung: Vormittags, 10.30 Uhr, öffentliche Sitzung: 1. ״Die Bedeutung der Zionistischen Organisation für den Palästina-Aufbau‘‘. Referent: Kurt Blumenfeld. 2. Diskussion. — 1.30—3 Uhr Mittagspause. — Nachmittags 3 Uhr: 1. Sitzung des Arbeitsausschusses. Organisationsreferat: Dr. M. Plessner, Frankfurt a. M.. 2, Ocffentlichc Sitzung 5 Uhr pünktl. ״Was bedeutet uns die Zionistische Ortsgruppe? (Kritischer Streifzug durch die Ortsgruppenarbeit)“. Referent: Kurt Loewenstein, Frankfurt a. M. 3. Bericht des Arbeitsausschusses und Diskussion. -1. Abstimmungen und Wahlen. 5. Schlußwort des Vorsitzenden der Z. V. f. D. Anmeldungen und Anfragen nach Frankfurt a. M,, Unterlindau 21, Zionistisches Sekretariat. Bei genügender Beteiligung kann gemeinsames koscheres Mittagessen eingenommen werden. Es wird erwartet, daß alle Gesinnungsgenossen des Bezirks, die es ermöglichen können, atn Gruppenverbandstag teilnehmen. Zionistischer Gruppenverband Niederschlesien. Am 24. Januar fand in Liegnitz, unter starker Beteiligung von auswärts eine Tagung des zionistischen Gruppenverbandes Niederschiesiens statt. Görlitz, Waldenburg, Glogau, Bunzlau, Breslau hatten Teilnehmer zu dieser Tagung entsandt. Der Vorsitzende des Niederschlesischen Gruppenverbandes, R.-A. Dr, Bab (Breslau), eröffnete die Sitzung und erteilte Herrn Kurt Blu men fei d (Berlin) das Wort zu dem Hauptreferat ״Die Bedeutung der Zionistischen Organisation fiir den Palästinaaufbau‘'. In einem beinahe zweistündigen Vortrag führte der Redner in einer Fülle von inhaltsreichen Gedankengängen den Zuhörern die derzeitige Lage im Zionisnius vor Augen. Mit starkem Optimismus endeten die Ausführungen, die darin gipfelten, daß die jüdische Welt jetzt bereit ist, ihre Kräfte Erez Israel zu widmen. Nach einer kurzen Mittagspause entspann sich in Anlehnung an die Blumenfeldschen Ausführungen eine lebhafte Diskussion. Dr. Seidenberg (Liegnitz) berichtete über die Arbeit in der hiesigen Ortsgruppe, Dr. Friedländcr (Görlitz) sprach über dieses Thema in! allgemeinen und wünschte, daß die Organisationen in straffer Form aufgebaut werden sollen, vor allem sei erforderlich eine Straffung des Gruppenverbandes und Gründling einer Kasse hierfür. Weiter beteiligten sich an der Debatte Dr. Levy (Fiegnitz), Knoch (Bunzlau), Dr. Cohn (Waldenburg),' J a c o b s 0 11 n (Breslau), Klaus G a ß m a n n (Breslau), 1 >1. W a r s e h a w s k i ((iörlitz), Dr. Sommer (Görlitz), Ernst Cohn (Görlitz), Fl es che! (Glogau). In einem Schlußwort faßte Blumenfeld das Ergebnis der Debatte noch einmal zusammen. Als Resolution wurde angenommen, daß eine Gruppcnvcrbandskasse geschaffen wird, zu der jedes einzelne Mitglied der Ortsgruppe einen monatlichen Beitrag von 35 Pf. leisten muß. Die gut gelungene Tagung, an der ca. 50 Personen teilgenommen haben, schloß gegen 07 Uhr abends. Sic wird vielerlei Anregungen für die weitere Arbeit geben. — Vor einer außerordentlich gutbesuchteu öffentlichen Versammlung sprach Herr Kurt Biumenfeld am Abend über ״Aktuelle Judenfrage — Illusion und Wirklichkeit“. Der Redner gab in seinen fast zweistündigen Ausführungen, die rhetorisch und inhaltlich eine Glanzleistung waren, den Zuhörern eine geschiclitliche Ucbersiebt über die Entwicklung des Judentums in politischer Beziehung, wie sie im letzten Jahrhundert sich vollzogen hat. Das Fazit, das er daraus zog, war, der Zionismus ist die Bewegung im Judentum, die Welt ist reif für diese Ideen, es liegt an uns, sie zur Tat werden zu lassen* Martin Baeck. In Lettland hat die Arbeit für die Brit Iwrit Olamit und den Hebräischen Weltkongreß einen neuen Aufschwung erfahren. Dr. Hans Klee, der im Aufträge des Zentral-Komitccs der Brit Iwrit Olamit Lettland besuchte, führte mit den verschiedenen Veitreteu der hebräischen Kulturinstitutionen sowie mit bekannten Personen des jüdischen öffentlichen Lebens Verhandlungen über die Schaffung einer Landesorganisation der Brit Iwrit Olamit, die die gesamte hebräische Kulturtätigkcit in Lettland umfassen soll und die Aktionen der Brit Iwrit Olamit durchführen und den ersten Hebräischen Weltkongreß in die Wege leiten soll. Es wurde ein Komitee gebildet, in dem die Herren Sejmdeputierter Rab. Nurock, Prof. Dr. Lazerson, der Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Kunst und Wissenschaft Dr. Wassermann, der Direktor des Ffebräisciien Gymnasiums Dr. Nadel, Direktor der Hebräischen Volksschule Garfunkel, Vertreter des Jüdischen Lehrerverband« Dr. Srago und der lettiändische Vertreter der Jewish Agency, Herr Muschkat, ihre aktive Mitarbeit zugesagt haben.

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